Ausgabe 
16.5.1907 Erstes Blatt
 
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Handel

des

Harpener Bergwerk. . . 207.50

Ober acht es. Eisen-Industrie 109.70

3% Portugiesen

III

. 96.35

Priuce-Henri-Eisenbahu .

226.30

143.70

Für die gesamte Redaktion veranr-nvrtucl? in -'An i' E r u st X? e s>

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licher Versammlung mit aller Entschiedenheit zurückwies. Es ri QC kk'jM fli-Q

sei unumstößlich unh außer allem Zweifel festgestellt, daß Karell y6F lu31 iSI üö, vb ülliiil Ulv W üil,

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Im

Niederlage bei Jean Weisel, Sonnenslrasse 6.

xeicher Beteiligung i>ie diesjährige Hauptversammlung unter hem

. 226.10 . 118.40

Lanrahütte . .

Nordd. Lloyd .

127.25

111.50

228.40

198.50

132.10

94.00

99.00

99 60

93.75

102.60

67.70

94.55

83.70

94.45

83.70

Harpener Bergwerk Laurahütte Lombarden E. B. Nordd. Lloyd . . Tiirkenlose .

22 80 144.70 137.30

Berliner Handelsges Darmstädter Bank Deutsche Bank Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. Dresdner Bank Kreditaktien . . . Baltimore- und Oliio-

Eisenlabn . Gotthardbahn . . Lombard. Eisenbahn Oesterr. Staats bahn .

. 153.70 132.55

. 226.30 . 171.00 . 170.40 . 143.50 . 206.60

. 141.20

50.10

85.50 . 65. . 97.30

4% Oesterr. Goldrente.

4*/6 % Oesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente . . 4% Italien. Bente . .

3% Portugiesen Serie I

207.60

226.30

23.00

118.70

141.10

Canada E. B. . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .

Tendenz: fest.

3^°/< 3% °/( 3%

3 M7<

Reichsanleihe do.

Konsols . . do.

Hessen Oberhessen

91.45

93.25

93.60

sei durch sechs eingehende Zeugenaussagen erbracht worden. Gras­wurm habe durchaus in Wahrung berechtigter Interessen ge­handelt, wenn er die schweren Beleidigungen Karells in öfsent-

in sozialdemokratischem Sinne agitiert habe. Eine Freisprechung Graswurms halte er daher für zweifellos. Justizrat Hall- wachs meint, gegen die Behauptung, daß man sich nach neun Jahren nicht mehr so der Vorgänge erinnern könne, müsse er sagen, daß man ein solches Eingreifen eines Geistlichen in den politischen Wahlkampf im ganzen Leben nicht vergesse. Wenn der Artikel imTägl. Anz." scharf war, so feien die von dem Blatte Korells, derVerkehrsztg.", ausgegangenen Angriffe noch viel schärfer gewesen. An den sechs sicheren Zeugenaussagen lasse sich nicht rütteln. Es sei nicht behauptet worden, K. sei Sozialdemokrat, sondern nur, daß er im sozialdem. Sinne agitiert habe. Uub das sei absolut erwiesen. Nach mehrfacher Replik und Duplik verkündete der Vorsitzende, daß die Urteilsverkündung am Freitag vormittag eriolgen wird.

Zollfrei! Muster an Jedermann!

Seidenfabrikt. Henneberg, Zürich.

Elektriz. Lahmeyer . Elektriz. Schlickert . . . Eschweiler Bergwerk Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. Paket?.

Tie 32. Hauptversammlung des Tierschutzvereins für Hessen. (Original-Bericht des Gießener Anzeigers.)

Ch Lauterbach, 16. Mai. Saale desJohannisbergs" tagte heute unter zahl-

Türkenlose ...

4% Griech. Monopol-Anl.

4% äussere Argentinier

3°/0 Mexikaner

4>£o/o Chinesen . . .

Aktien:

Bochum Guss ....

Buderus E. W

Tendenz: behauptet.

Gießener Wetterdienst.

Tioransiichtliche Witterung für Hessen am Freitag den 17. Mai: Meist trüb. Leichte Regenfälle. Sehr kühl. Mäßige nördliche Winde. Witterungswechsel.

Teiefonische Kursberichte

Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank flir und Industrie, Giessen.

Frankfurter Börse. 16. Mai. 1.15 Uhr.

* Christliches Hospiz in Bad-Nauheim. Ans Anregung und unter Beteiligung des Oberhessischen Vereins für innere Mission in Gießen hat sich eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung gebildet zu dem Zweck, in Bad-Nauheim ein Christliches Hospiz zu be­treiben. Gestern wurde dazu das Schloßhotel Saxonia in Bad- Nauheim zum Preise von 205 000 Mk. erworben. Für die Leitung ist Herr Armin Hanke, gegenwärtig Oberkellner in Luzern, gewonnen, von dem ebensowohl eine sehr tüchtige geschäftliche Führung, als eine Leitung im Sinne der christ­lichen Hospize erwartet werden darf. Tas Hospiz ist trefflich gelegen zwischen den Badehällsern und dem Teiche, unmittelbar an den Anlagen. Leider kann die Eröffnung erst zum 1. Oktober d. I. erfolgen.

Unbestellbare Postsendungen. Bei der Ober- Postdirektion in Darmstadt lagern folgende Sendtingen, deren Absender vielleicht zu unseren Lesern zählen, als unbestellbar: Postanweisungen über 1 Mk. vom 10. 7. 06 aus Gießen 1 an Polizei-Marktmeister in Fritzlar, über 12 Mk. 80 Pfg. vom 3. 7. 06 aus Bad-Nauheim an Amtsgerichtsschreiberel in Würzburg. Einschreibbriefe vom 18. 8. 06 aus Gießen 1 an Ketschen Kotte bei Ludw. Euler II., Gärtner in Daubringen bei Lollar; vom 20. 8. 05 aus Bad-Nauheim an Frl. Sofie Schultz in Bad-Nauheim, Sanatorium, Bismarckstr. 1; vom 21. 7. 06 aus Bad-Nauheim an Frau Suegireff in Udelnaia bei Moskau; vom 25. 6. 06 aus Bad-Nauheim an Mondeg in Ruffo (Rußland). Gew. Paket vom 26. 9. 06 aus Fried­berg (Hessen) an Hch. Heilhecker in Frankfurt (Main) postlag. Die zur Empfangnahme der Gegenstände Berechtigten müffen sich binnen 4 Wochen bei der Ober-Postdirektion melden, widrigenfalls die Postanweisungsbeträge und die in den Sendungen enthaltenen oder durch Versteigerung des Inhalts erlösten Geldbeträge der Post-Unterstützungskasse überwiesen, die Briefe aber vernichtet werden.

(!) Wetzlar, 15. Mai. Heute traf der Chef des Hauses Krupp, Freiherr von Bohlen-Halbach, mit mehreren Begleitern, darunter der Direktor der Krupp'sehen Werke, Förster aus Weilburg, mit Automobil hier ein. Bürgermeister von Zengen erwartete die Herren im Lotte- zimmer und stattete im Namen der Stadt den Dank ab für die Spende von 5 000 Mark zu Gunsten unseres Volks- bades. Heute morgen war von der Kruppschen Berg­verwaltung zu Weilburg unserer Stadtverwaltung die Mit­teilung zugegangen. Bei Besichtigung des Domes gab Kreisbauinspektor Stiehl die nötigen Erläuterungen über die z. Zt. eifrig betriebenen Wiederherstellungsarbeiten.

x Marburg, 15. Mai. Am Schluffe der heute abend abgehaltenen Sitzung der Stadtverordneten wurde die Wahl eines neuen Oberbürgermeisters vorgenommen. Außer drei verhinderten Stadtverordneten waren die städtischen Körperschaften vollzählig vertreten, u. a. auch das von seiner Orientreise zurückgekehrte Magistratsmitglied Geh. Med.-Rat Prof. Dr. von Behring. Von 36 abgegebenen Stimmen erhielten Bürgermeister Dr. Tr oje -Einbeck 26, Beige­ordneter Kättgen-Barmen 8 und Bürgermeister Dr. Bielefeld- Arnstadt 2. Ersterer ist somit gewählt. Bemerkt sei, daß der seitherige Oberbürgermeister Geh. Rat Schüler Ende dieses Monatß aus seinem Amt ausscheidet.

Bierliner Börse, 16. Mai. Anfangskurse.

. . 171.20

. . 132.00

. . 226.50

4%°/0 russ.Staatsanl. 1905 4 XA °/0 japan. Staatsanleihe 4 % Conv. Türken von 1903

S^onlar«! - Seide *. ?f. ->»

wirt Michel sagte, daß K. geäußert habe:Wer sein Vater­land lieb hat, der wählt Cramer". K. habe ihm vor der Stich­wahl 1838 einen sozialdemokratischen Stimmzettel in die Tasche gedrückt. Am Stammtisch seien wiederholt lebhafte politische De­batten geführt worden und andere Gäste hätten ihr Befremden ausgedrückt, wie ein Pfarrer solche Anschauungen vertreten könne.

Er, Zeuge, habe K. für einen richtigen Sozialdemokraten gehalten. Auch der Sohn des Vorigen, Regierungsbauführer Michel, sagt ähnlich aus, tote sein Vater.

Zeuge Karl Thieme, Herausgeber derPfälzischen Presse" in Kaiserslautern, sagt, ihm sei bei seiner .Hierherkunft erzählt toorden, daß K. sozialdemokratische Stimmzettel verteilt habe. Die politischen Debatten am Stammtisch seien sehr erregt gewesen und er habe darnach K. für einenwaschechten Sozialdemokraten" gehalten. Die Tischgäste hätten sich durch K.'s Aeußerungeu häufig in Erregung bringen lassen. Ober-Telegraphen-Assistent Schlubdibihn sagt u. a., K. sei eines Tages ausgestanden und Hütte erklärt: Meine Herren, wir sind darüber einig, daß wir den sozialdemokratischen Kandidaten wählen müssen, damit der Nationalliberale nicht gewählt wird! Diese Aeußerung habe K. mehrmals wiederholt. Zeuge Reinhard berichtet, daß die Gäste entrüstet über das politische Verhalten des K. gewesen seien. Zeuge Soff erinnert sich, daß K. zwei sozialdemokratische Stimmzettel mitgebracht und den einen auf den Tisch gelegt, den anderen dem Wirt gegeben hat. K. sagte auch: Nodnagel kann ich nicht wählen, wer das Vaterland lieb hat, wählt Cramer. Pfarrer Korell spricht sich verwundert über dasjungfräuliche Gedächtnis" der verschiedenen Zeugen aus. Nach weiteren An­gaben der Zeugen Frhrn. Schenck v. Schweinsberg und des Pfarrers D i t tm a r-Offenbach, der bekundet, daß er infolge redaktioneller Anmerkungen in der Absicht, Korell zu verteidigen, nur einen Brief an dieOffenbacher Ztg." gesandt habe, aus dem dann der mehrerwähnte Artikel entstanden sei, schließt das Zeugenverhör.

Der Vertreter des Klägers, Justizrat Gallus, führte aus, man könne keinem Menschen einen Vorwurf daraus machen, wenn er eine sozialdemokratische Gesinnung habe. K. habe nur in einem Punkte, nämlich bezüglich der Sozialpolitik, mit der Sozialdemo­kratie übereingestimmt. Sonsst beständen große Differenzpunkte. Kvrell habe jede Absicht, sichdrücken" zu wollen, völlig fern gelegen, und deshalb sei der Vorwurf der Feigheit eine schwere Beleidigung. Schließlich bezweifelt der Redner die Glaubwürdigkeit der Zeugen, die sich nach so langer Zeit doch nicht mehr genau der früheren Vorgänge erinnern könnten. Justizrat Dr. Gut- sleisch schließt sich den letzteren Ausführungen im wesentlichen an und verteidigt Korell namentlich gegen den Vorwurf des Gesinnungswechsels. Eine Reihe von Zeugen habe auch aus­drücklich bekundet, daß sie von einer Hinneigung Korells zur Sozialdemokratie absolut nichts bemerkt hätten.

Der Verteidiger Graswurms, Dr. Hoffmann II., legte dar, der Wahrheitsbeweis für die Behauptungen desTägl. Anz."

aber das ist erfahrungsgemäß auch die Zeit, in der man am leichtesten sich eririuet, weil man auf eine zweckdienliche Kleidung nicht die nötige Sorgfalt verwendet. Wer nun den Wonnemond sich nicht durch Katarrhe verderben lassen will, der möge daran benfen, dm; man in Fays allberühmten Sodener Mineral-Pastillen ein ebenso ausgezeichnetes Vor- beugungs- als Bekäutpsungsmittel besitzt, das nie versagt, das bequem anzuwenden ist und den ganzen Organismus giinstia beeinflußt. Fays ächte Sodener tosten 85 Pfg. per Schachtel und sind überall zu haben. [hv^/t

Vorsitze des Geheimen Oberschulrats Scheuermann-Darm- stadt und im Beisein der Kreisräte v. Bechtold-Lauterbach und Dr. Höl?.inger-Alsfeld. Der Vorsitzende übermittelte den Tank des langjährigen früheren Vorsitzenden Ministerialrat Dr. Eisenhuth, der zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Kreisrat v. Bechtold wünschte den Verhandlungen besten Erfolg. Schriftführer H euß- lein-Darmstadt verlas das Protokoll der vorjährigen Haupt- versanrmlung zu Bensheim. Der Jahresbericht besagt, daß der Tierschutzverein immer weitere Kreise gewinnt und seine Bestrebungen von bestem Erfolg gekrönt sind. In unserer Zeit der Ausbeutung der Tiere und der Modetorheiten usw. ist der Tierschutz doppelt nötig. Er wirkt auf Herz und Gemüt des Volkes doppelt veredelnd. Die Lehrer sind kräftige Förderer der Sache: ihrer Arbeit ist es zu danken, daß heute die Singvögel mehr geschont werden, den Lehrern gebührt in erster Linie Dank. Mit dem Vogelschutz beschäftigten sich in den letzten 15 Jahren zahlreiche Artikel in Zeitungen. Fortgesetzt wird für bessere.Nist- gelegcnheit gesorgt. Die hessische Forstbehörde hat die Vogelschutz­einrichtungen auf dem Berlevschen Gut studieren lassen. Be­sondere Aufmerksamkeit gebührt dem Pferd, diesem treuen Arbeiter des Menschen. Unter die Jugend werden alljährlich über 100 000 Exemplare Tierschutzkalender verteilt. Auch den Behörden und der Presse gebührt Dank für die Unterstützung der Bestrebungen. Von Privaten und den Sparkassen Erbach, Vilbel (Mathilden- ftift), Groß-Umstadt, Heppenheim, Oppenheim und Groß-Gerau wurden 458 Mk. geschenkt. Es erfolgten 817 Anzeigen wegen Tierquälerei gegen 680 im Vorjahr.' Personen, die den Be­strebungen des Tierschutzes dienten, wurden durch Prämien und Ehrendiplome ausgezeichnet. Die Zahl der Mitglieder hat um 282 zugenommen, sie stieg von 3627 auf 3839. Davon sind fast die Häfte Lehrer, nämlich 1513, Pfarrer 146, Lehrerinnen 68, Landwirte 321, Aerzte 112, Förster 23, andere Beamte 422. Ter Lehrerstand hat die Bedeutung des Tierschutzes richtig er­kannt und sucht fortgesetzt auf die Seele des Kindes in humanem Sinne einzuwirken, und es gilt in erster Linie, die Jugend zu gewinnen. Die Rechnungsablage ergab ein recht günstiges Bild: der Kassenvorrat betrug 1214 Mk., die Jahresbeiträge 4050 Mk., darunter aus Darmstadt 948 Mk., Geschenke 458 Mk., Abgabe von Tierschutzkalendern 1197 Mk., für Abonnements 1242 Mark, Gesamtemnahme 8422,34 Mk. Die Ausgaben für die Zeitschrift waren 2540 Mk., Geldprämien usw. 1835,90 Mk., Gesamtausgabe 7402 Ml. Das Stiftungskapital ist 3381 Mk., das Gesamtvermögen stieg auf 7564,76 Mk. Der Voranschlag sür 1907, der Einnahme und Ausgabe von 7600 Mk. vorsieht, wird genehmigt. Der Vorsitzende teilt mit, daß in der letzten Vorstandssitzung beschlossen wurde, dem Vogelschutz mehr Interesse zu widmen. In einigen Kreisen hat sich bereits ein recht erfreuliches Vorgehen gezeigt. Der Vorstand ist der Mei­nung, daß der Tierschutzverein die Sache in der Hand behalten solle, die Vogelschutzvereine sollen ihm angegliedert werden. Die Kreisräte v. Bechtold und Dr. Hölzinger weisen auf das unnütze Verbrennen der Hecken hin, wodurch den nütz­lichen Sängern die Nist- und Brutgelegenheiten entzogen würden. Die Lehrer möchten fortgesetzt dem entgegentoirfen. Ein Lehrer betont, daß das Abbrenuen des Buschwerks vielfach durch Er­wachsene geschehe, die Behörde solle strafend gegen sie vorgehen. Der Vorsitzende regt an, daß bei Feldbereinigungen Vogelschutzgehölze angepflanzt werden sollten an weniger fruchtbaren Stellen und Böschungen. Darmstadt habe eine solche Anlage beschlossen. Andere Redner fordern zum wirksamen Schutz für die Singvögel eine Verminderung der Raubvögel, besonders der Sperber, die in Oberhessen sehr zahlreich Jinb. Man solle eine Erhöhung des zu niedrigen Schußgeldes der Förster und Feldschützen herbeiführen. Ferner sollten die Böschungen an Eisenbahndämmen und Straßen mehr mit Buschwerk be­pflanzt werden, dies gebe den Vögeln.Schlupfwinkel und Nist- gelegenheit. Hierauf folgte der sehr interessante Vortrag des Oberlehrers Weide-Lauterbach überWie schützt die Natur ihre Geschöpfe vor feindlichen Einflüssen".

Des Falles Korell zweite Auflage.

Darmstadt, 14. Mai.

Diesmal war, wie schon gestern mitgeteilt, das Forum das Darmstadter Schöffengericht, vor dem am Dienstag über die Klage des freisinnigen Neichstagskandidaten Pfarrer Korell gegen den verantwortlichen Redakteur desTarmst.Tägl. Anz." Gras wurm verhandelt wurde. Während der langen Dauer der Sitzung, die um 8 Uhr begann, blieb derZuhörerraum stark überfüllt.

Graswurm erzählte, im Januar habe ihn Rechtsanwalt Kalbhenn um Aufnahme einer Notiz ersucht, die diesen und ver­schiedene Herren gegen das Verhalten Pfarrer Korells imoaH Korell" verteidigen sollte. Die Aufnahme der Erklärung sei frei von politischer Erwägung gewesen. Dieser Zuschrift des Herrn Kalbbenn folgten noch einige andere. Dann habe ihn Pfarrer Korell in öffentlicher Versammlung mit Herrn Kalbhenn aufs Schwerste angegriffen, worauf er den fraglichen Artikel geschrieben habe, bei dessen Abfassung er aber nicht die Absicht gehabt habe, zu beleidigen. Der Vertreter des Beklagten erklärte, darauf, Widerklage zu erheben wegen der beleidigenden Aeußerungen Korells in der Turnhalle. Der beleidigende Artikel und die vor­ausgehende Preßpolemik kamen sodann zur Verlesung.

In dem zur Anklage stehenden Artikel desTäglichen 9111* zeigers^ vom 20. Januar wird u. a. gesagt:daß sich Korell in der ganzen Angelegenheit ebenso feige w i e u n w a h r be­nimmt. Feige, denn er besitzt nicht den Mut, die Konsequenzen der zweifellos im Jahre 1898 von ihm betriebenen sozialdemokratischen Agitation zu tragen, und un­wahr, beim die von ihm in der Erklärung aufgestellten Be­hauptungen bekunden das deutliche Bemühen, die Tatsachen, die zur Kalbhenn'schen Erklärung führten, bewußt auf den Kopf zu stellen". Weiter soll Pfarrer Korell im Jahre 1898 (bei dervon ihm betriebenen sozialdemokratischen Agitation") in einer Darmstädter Weinwirtschaft geäußert haben:Wer sein Vaterland lieb hat, wählt Cramer."

Erster Zeuge ist Kavellmeister Reh bock, der im Jahre 1898 zu der Tischgesellschaft bei Michel gehörte. Er erklärt auf Anfrage, nichts von einer sozialdemokratischen Agitation Korells bemerkt zu haben. Ter Verteidiger Graswurms, R.-A. Dr. Hoffmann, läßt konstalieren, daß der Zeuge zur fraglichen Zeit nicht in Tarrn- stadt anwesend war. Zeuge Pfarrer Fischer (9lierftein), der da­mals mit Korell zusammen im evangelischen Arbeiieroerein hier tätig * war, weiß nichts uon einer sozialdemokratischen Agitation. Er kann es tucht ganz bestimmt sagen, aber glaubt, daß Korell ihm bet der Stichwahl 1898 gesagt habe,wir sollten doch Nodtiagel wählen". Attf Befragen erwiderte der Zeuge, daß thm Korell sicher etwas gesagt haben ivürbe, wenn Korell zur Sozialdenlokratie neigte. Weiter glaubt er, daß Korell die Weinwirtschaft dann genueben .habe, weil ihm der dort geübte Ton nicht gefiel. Zeuge Oberlehrer Hölscher kann sich auf nichts wesentliches mehr über die Vor­gänge in der Wirtschaft erinnern. Zeuge prall. Arzt Tr. 9)1 e q e r, der früher mit Korell verkehrte, hätte eher gedacht, daß man Korell nationalliberale Neigungen vorwersen würde, als ihtt sozlaldemo- Irakischer Gesinnung zu verdächtigen. Er hält es für nicht bedenk­lich, als 9lationa(gefinnter auch mal einen Sozialdemokraten zu wählen, ,benn sonst wären wir in Bayern schlecht dran". (Große Heiterkeit.) Zeuge Lehrer Jung:Es verstehen uns (9tational- soziale) auch heute notl) manche Leute nicht". An der Stichwahl­parole 1906 Halle Korell keinen Anteil. Im Gegenteil habe Korell schwere Bedenken gegen die Stichwahlparole und auch dieserhalb innerhalb der Partei Kämpfe gehabt. Staatsschuldbuchführer Henrich (ein Parteifreund Korells) hat nie bei Korell eine Neigung zur Sozialdemokratie bemerkt. Er bestätigte, daß ihnen zwar eine yjlitteilung über Tr. Osann gemacht wurde, die diesen hätte schwer schädigen tönneu, die sie aber nicht benutzt haben, da es eine Aeußerung unter vier Augen war. Zeuge Nechtsamv. Kalbhenn bekundete u. a., die Pfarrer Wahl und Bernbeck hätten sich anläß­lich der Verbandlungen vor dem Obertonsistorium an die Tisch­gesellschaft (Soss und Michel) gewandt. Als die Notiz in Der Offenbacher Zeitung", in der gewiffermaßen diese Gewährämänner

Lügen gestraft wurden, erschien, gab das Veranlassung, öffentlich vorzugehen. Er selbst habe nicht zur Klage gegen MoreO schreiten können, mit Rücksicht auf seinen Vater, der auch Pfarrer ist. Ter Zeuge kann Fein linksliberales Blatt in Heffen nennen, das die Notiz derOffenbacher Zeitung" kolportierte. - Aus Befragen-muß der Beuge zugeben, daß er geglaubt habe, Korell habe die Notiz inspiriert. Unterlagen hatte er nicht dazu. (Bewegung.) Er halt diese Unterstellung nicht für beleidigend. (Heiterkeit.) ^^Eeidtger Justizrat Gallus: Dann müssen Sie eine sonderbare Auffassung von Beleidigungen haben. Der Zeuge erachtete es auch für sach­lich daß er darauf den Artikel unter dieser beleidigenden Aus- fassung in denTägl. Anz." lancierte. Auf der Redaktion des T. 91." hat er einmal Pfarrer Bernbeck getroffen; dieser hat ihm mich einen Besuch gemacht. Vermutlich habe er die Bemerkung, Norell habe vor dem Oberkonsistorium das Verteilen sozialdemo­kratischer Stimmzettel als Scherz hing eit eilt, aus einerUnterhaltung mit P-'arrer Bernbeck gewonnen. Zeuge Oberkonsistorialprasident a.D. Buchner: Tie Verhandlungen am Oberkonsistormm waren vertraulicher Natur. Pfarrer Korell habe dabei eine in der Richtung der Behauptung Berubecks gehende Handlung (Slimm- zetlelverteilen) zugegeben, aber im Zweifel gelassen, was damit gemeint sein sollte. Der Zeuge hatte dann den Vorschlag gemacht, diese Sache im Vergleich als Scherz zu bezeichnen, Korell habe ich jedoch dagegen gewandt. Zeuge schilderte eingehend den.wei­teren Gang der Sache. Schließlich sei immer eine Lücke aeblieben zwischen der doch von Korell zugegebenen Tatsache des Angebots eines Stimmzettels und des Sinnes dieser Handlung. In­sofern blieb mir Korell ein psychologisches Rätsel. Auf Befragen erklärte der Zeuge, daß er das Zurückgreifen auf Vorgänge aus dem Jahre 1898 lebhaft bedauert habe. Weiter bestätigte der Zeuge, dem Pfarrer Korell gesagt zu haben, daß er ihn als einen Mann betrachte, der unbeirrt seine Meinung sagt und auch vor Konsequenzen nicht zurückschreckt. Diese Auffassung sei aber int Gange der Untersuchung nicht in vollem Maße erfüllt.worden. Oberkonsistorialprasident Nebel: Ein eigentliches Verteilen von Stimmzetteln konnte der Vorgang in der Weinwirtschaft, nicht darftellen. Darauf kam auch der Vergleich zustande. Pfarrer Korell will zum Anbieten der Zettel erst veranlaßt worden sein durch eine bezügliche vorausgehende Bemerkung des Wirtes. Der Zeuge kann hierzu nichts sagen. Der Vergleich war ein Kom­promiß. Pfr. Bernbeck (Okarben): Korell habe damals vor dem Oberkonsistorium die Unmöglichkeit seines Werbens für den So­zialdemokraten 1898 nachzuweisen gesucht, mit der Erklärung, daß er damals dem antisemitischen Kandidaten Normet seine Sympathie entgegengebracht hatte. Pfarrer Korell stellte fest, daß diese Sympathie nur aus der Kampfesweise der National­liberalen damals gegenüber Bormet erwachsen war. Der Zeuge muß zugebcn, daß er die Artikel Kalbhenns gebilligt habe. Pfarrer Wahl-Langen (jetzt in Essen) hatte zwischen den streitenden Parteien vermittelt: seine Bemühungen waren aber erfolglos. Auf Befragen erklärte der Zeuge, daß die Behauptung Korells gegenüber Bernbeckglatte Unwahrheit" eine Kränkung für Bern­beck und den ganzen geistlichen Stand war. Daß Pfarrer Bern­beck im Falle des Büdinger Gymnasiums einen ähnlichen Vorwurf glatt eingesteckt hatte, weiß der Zeuge nicht. Der Zeuge weiß auch nicht, daß man seinen in der Synode beim Fall Korell gebrauchten Ausdruckroter Hofprediger" auch auf den Hof­prediger Erhärt bezogen hat. Dem Vorwurf, daß auch er Wand­lungen durchgemacht habe, entgegnete der Zeuge, daß politische Wandlungen jeder Mensch durchwache, nur nicht solche von der notorischen Wandlungsfähigkeit der Nationalsozialen. Was er in seiner Kandidatenzeit gedacht, komme nicht in Betracht. Als Geistlicher stehe er von Anfang auf positiver Seite. Seine Be­merkung über Korell von derverschlagenen Taktik" sei ge­fallen, weil er das Verhalten Korells zur Stichwahlparole 1906 nicht als Heldenstück, aber als politischklug" betrachtete. Gast-