157. Jahrgang
Zweites
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Erlchewt tflgUd) mit Ausnahme des Sonnig.
Blatt
Die „Gktzrner Famillendlätter" werden dem Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt. daS ^Kreisblott für den Kreis Eietzen" zweimal wöchentlich. Der..hessische Landwirt" erjchemt monatlich einmal.
Redaktion, Expedition und Druckerei; Schul- stratze 7. Expedition und Verlag: 5L
Redaktiom^^IIL. Tel.-AdruAnzeigerGießen.
Montag 14. Oktober 1907
a JkA Rotationsdruck unb Verlag der Brühllchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei.
m R. Lauge, Gießen.
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die Anstalt erflehte.
en.
4^oLiti§cye Lvochenschrru.
Gießen, 14. Oktober 1907. '
Der Antimilitarismus hat die Sozialdemokraten ' nf ihrer letzten interrratioualen Versammlung recht lange 'jchäftigt, und man erinnert sich wohl noch, wie erregt : ie Debatten zum Teil waren. Die deutschen Sozialdemo- : aten uuißten sich namentlich von ihrem französischen Ge- oihLN Herve lvegen ihrer Zurückhaltung in dieser frrage >M unangenehme Dinge sagen lassen. Der Llntimilitaris- m's W in Frankreich schon viel mehr an Boden gewonnen nb Fälle von Insubordination, wie man sie neuerdings aus rankreich hört, sind bei uns glücklicherweise unbekannt. Die corbitoTTt hohen Str äsen, die im Deutschen Reiche auf lilitärischen Vergehen stehen, haben sich als ein sehr wick- ivres Ventil gegen etwaige sozialdemokratische Machtgelüste i der Kaserne erwiesen. 9tun hat aber auch Deutschland -inen Herve, wie der Prozeß Liebknecht gezeigt hat. rebknecht will, ebenso wie es Herve in Frankreich tut, seine •artet in eine Agitation gegen den Militarismus hinein- ;eiben. Durch Zeitungsartikel, Broschüren und Vorträge >ill er schon den jungen Rekruten die Kaserne verekeln. Sein Ziel ist es, jedem Menschen den Krieg und das Militär ermaßen zu verekeln, daß in Zukunft jeder Krieg unmöglich >erde. Selbst Vebel mußte jetzt vor Gericht erklären, daß c dieses Treiben Liebknechts ftir praktisch falsch und taktisch ngeschickt halte. Das Reichsgericht hat nun angenommen, aß Liebknechts Tätigkeit sich juristisch als eine Vorbereitung am Hochverrat darstelle und den Angeklagten zu einem .ahre und 6 MLonaten Festung verurteilt. Der Reichsanwalt atte sogar eine entehrende Zuchthausstrafe von 2 Jahren nd mehrjährigen Ehrverlust beantragt. Das Urteil des Reichsgerichts ist also verhältnismäßig milde ausgefallen, ber es läßt doch deutlich genug erkennen, daß man ein nwesen, wie das Herves in Frankreich, im Deutschen Reiche icht zu duldmr gesonnen ist. Ein Land von 60 Millionen «tcnschen, wie das Deutsche Reich, kann es nicht dulden, aß fanatische Schwärmer in ihrem törichten Wahne unterer kritiklosen Masse dafür agitieren, das Reich wehrlos zu rachen, damit es, wie ehedem, ein Spielball sremder Mächte -erde.
Um uns unsere Freiheit und Unabhängigkeit in der Welt u erhalten, bedürfen wir des militärischen Schutzes, und _> ist daher sehr natürlich, daß unsere Heeresleitung unab- rssig darauf bedacht ist, die Berteidigungsmittel des Landes u vermehren. Eine hervorragende Rolle in einem Zu- unftst'riege wird ohne Zweifel das Kriegslustschifs spielen, nd dämm bringt man in den militärischen Kreisen der inzelnen Länder den neuen überraschenden Er- olgen der Lu f t s ch i f f a hrt ein ganz besonderes Jn- eresse entgegen. Frankreich ist in der Luftschisfahrt, ebenso ne seinerzeit mit der Einführung von Kriegsautomobtlen .nd Unterseebooten allen anderen Ländern vorangegangen. Üs hat jetzt jchon eine ganze Anzahl von Kriegsluftschifsen h Bau gegeben. Im Deutschen Reiche ist man hierin eiust- 'eilen ebenso wie mit dem Bau ton Unterseebooten etwas angjamer, aber mau hat hier in der Luftschiffahrt doch chon Resultate erzielt, die den der Franzosen keineswegs rachsteheiu Welchem von den heutigen Systemen des Luft- chifsbaueS der Vorrang gebül-rt, ist wohl noch nicht ent- chreden. Dazu bedarf es doch noch längerer Versuche.^ Bei inigen weiteren Verbesserungen wird das Zeppelinsche starre Zustschiff vielleicht das beste lenkbare Lustschiff darstellen, ibgleich es nicht transportabel ist, wie die anderen deutsckwn nti) französischen Luftschiffe. Der große Aktionsradius des Zeppelinscheu Luftschiffes sichert ihm aber schließlich viel- eicht doch das UebercMvicht. Die Engländer haben dieser Vage mit ihrem stolzen Luftschiff Nulli secundus bemerkens- oerter Wei,e recht kläglich Fiasko gemacht.__________________
Are Dreiyunderijayrseier des Kießener Kymnasiums.
ll.
Der Festakt.
Der Aufführung der Antigone folgte am Samstag vormittag 10 Uhr ein akademischer Festakt, der ebenfalls in der neuen Universitätsaula stattfand. Sie hatte zu der Feier festlichen Pflanzenschmuck erhalten, ihr schönster Schmuck aber waren die jugendfrischen Gestalten der Schüler, die, soweit sie dem Schülerchor angehörten, auf dem Podium Platz genommen hatten, während die übrigen auf den Emporen ihre Sitze hatten. Der Saal selbst war bis zum letzten Platz besetzt von Ehrengästen, jetzigen und früheren Lehrern, von „alten Herren" der Anstalt und Angehörigen der Schüler. Als Ehrengäste waren u. a. onwefend als Vertreter des Ministeriums Geheimerat Dr. Eisenhuth, der Vorsitzende der Schulabteilung, und Geh. Oberschulrat Nodnagel, der Dezernent für die höheren Lehranstalten des Landes; von der Landesuniversität S. Magn. der Rektor, Prof. Dr. Leist, und der Prorektor Geh. Hofrat Dr. Behaghel, ferner Geheimerat Provinzialdirektor Dr. Breidert, Oberst v. Müller, Oberbürgermeister Mecum, die Direktoren der Schwesteranstalten des Landes usw.
Eingeleitet wurde die einfach-würdige Feier durch den allgemeinen Gesang ,Lobe den Herrn", worauf der Senior des Lehrkörpers, Prof. D. Stamm, ein Gebet sprach, das dem Dank gegen Gott für die vergangenen drei Jahrhunderte Ausdruck gab und auch für die Zukunft Gottes Segen für
im Leben der Anstalt geltend. Der bekannte Plettstenftihrer harnt Heinrich May, der Aeltere (f 1719), wie auch sem gleichnamiger Sohn (f 1732) bekleiden die Stellung ernes Pwago- enareben Die darauf wieder erstarkende Orthodoxie ist am Pada- goaium vertreten durch den Theologie-ProfeNor Hermann Benner, der von 1734—1783 Pädagogiarch war. Em hm- gebender Mitarbeiter Benners ist Franz Ra mb ach, der dm Gründung der Pädagog-Bibliothek veranlasste und auch wertvolle, Sammlungen von Nachrichten und Urkunden über die^Ge;a)ichte der Universität und des Pädagogiums cmlegte. Wahrend dev langen Amtszeit Benners scheint ein Verfall des Pädagogiums eingerreten zu sein. Eine im Januar 1769 an die Regierung eingereichte anonyme Anklageschrift führt zu langwierigen jim foruwerhandlungen, die erst 1775 zum Abschluß kommen, -vamats wurden die Schulprogramme eingeführt, ferner Reoe-Akte , der den öffentlichen Prüfungen an Ostern uns Herbst, ^ranzostw- und Deutsch sinden Aufnahme in den Lehrplan. -Vorher schon, 1669 war Geschichte und 1735 Geographäe Gegenstmid de^ Unterrichts geworden.) Trotz dieser Refornnen, blmbt dm oreguenz der Distalt eine sehr geringe: Sie beträgt m den letzten^ chain- zehnten des 18. Jahrhunderts nicht mehr als elloa 60 ecDiiler. So erfolgt schon 1803 eine neue Reform: Naturgefchichte und Physik wurden eingefül-rt. Auch zeigt sich danrals schon der Einfluß des 9ieuhiimanismus. Er findet , emen beionoer^ hervorragenden Vertreter am Pädagogium in der Perlon Golllicb Friedrich Welckers. Während des 19. Jahrhunderts wird die durch den Einfluß des Neuhumaiiismus zur Blute getaugte klassische Photologie wie an den übrigen deutschen Gymuafien, so auch an dem misrigen zur herrschenden Disziplin, Schilderung, die Karl Vogt in seinen Lebensermnerungen von dem Zustarid des Pädagogiums entworfen hat, gibt einen giiten Einblick in das inneiX Leben der Schule etwa um 1830. Ende der dreißiger Jahre erfolgt die Tremiung des Pädagogiums von der Universität. Von nun an heißt eS Grogherzogl.coes Gymnasium Der erste Gymnasialdirektor ist Eduard Geist (1838 bis 1873). Unter ihiii erhält die Anstalt eine neue Organisation durch eine Verfügung des Oberstildienrates vom April 1839. Sie zerfällt jetzt in sechs Klassen und hat einen achtjährigen Kürsus. Eine damals eingerichtete Vorschule ging 1849 wieder ein. 1844 erhält das Gymnasium, das bis dahin m einem Hnuse an der Ecke der Muen Bäue und Sounmistraße untergebracht worden war, ein neues Heim in dein jetzigen Regierungsgebäude am Landgraf Philipps-Platz. s)tach dem kurzen Direktorat von Andreas Weidner (1873—1876) erhält die Anstalt in Hermann Schiller ihren hervorragendsten Leiter (1876—1899). Eine ausführliä-e Schilderung seiner pcida- gogischen Wirksamkeit bildete den Schluß der Rede.
Die formvollendete, etwa li/2ftint&ge Rede stellte an die Aufnahmefähigkeit der gespannt lauschenden Zuhörer -keine geringen Anforderungen. Sie wird, lvie wir ner-t
Hochverratsprozeß Liebknecht.
(Nachdruck verboten.)
V.
H. F. LeipzrS, 12. Oft. 1907.
Der Andrang des Publikums war heute ungeheuer.
Gegen V2 12 Uhr eröffnete der Präsident die Sitzung mit dem Bemerken, daß die Verhandlung nur vertagt woroen sei, um den Parteien heute noch Gelegenheit zu etwaigen Erklärungen zu geben.
OberreicWanwalt Dr. Olshausen : Der Angeklagte konnte annehm-tur, daß ich nach dem gewöhnlichen Gange der Verhandlung nach seürem Schlußwort nicht in der Lage sein werde, darauf eingehen zu können, er hat es trotzdem unternommen, neben einer Reihe juristischer und politischer Ausführungen, worin er für seine Partei Propaganda zu nmchen suchte, den Kommentator Olshausen gegen den Ankläger Olshausen auszuspielen und hat damit bei einem Teile des Publikums auch einen Heiterkeitserfolg gehabt.1 Wenn er aber statt aus einer allen Auflage aus einer neuen vor gelesen hätte, würde er gefunden haben, daß ich meine damaligen Anschauungen fallen gelassen habe, nicht, weil das Reichsgerickst inzwischen ein entgegengesetzes Urteil gefällt hat, dem ich mich unterworfen hätte, solwern auf Grund eignen Studiums der Bindingschen und Köhlerschen Werke. Er hätte nicht sagen können, daß ich die Anklage gegen merne wissen- sckmfttick-e Ueberzeugung vertrete. Der Angeklagte behauptet, ich Hütte ihm Feigheit vorgewvrfen, das ist unrichtl.g. Ich habe au§* geführt, was er in verschiedenen Kapiteln, besonders aber im Schlußkapitel seiner Schrift über einen evenll. Milllürstreik sagt und darauf hinweisend gesagt, er habe sich die Maske der Gesetzlichkeit vorgebunden, und iueitei, daß er aus ehrloser Gesinnung gehandelt habe, das habe ich behauptet. Nach dem Bericht des Vonvärts mrd der Leipzigerdolkszeitung hat Liebknecht in seinem Schlußplaidoyer mir die Rlegitimation abgesprocheu, über seine Ehre auch nur zu sprechen. Ich habe nur meine Pflicht getan. Nach § 20 der Strafprvzeßordnung nmßte ich über die Person des Angeklagten sprechen. Bei der Begründung des Antrags, auf Zuchthaus zu erkennen, mußte ich auf die ehrlose Gesinnung Hinweisen. Der Angeklagte habe dann geglaubt, mit Emphase aus ncich Hinweisen zu müssen und zu sagen: Dnt sitzt der Angeklagte! Ich bin der Ankläger. Jch^ lasse mir das nicht rauben, zu erklären: Der Ar-geklagte ist Dr. Karl Liebknecht.
Liebknecht: Ich hege ein gewisses Gefühl der Pietät für deu Mkläger als Jurilben, weil wir Juristen ihm viel verdanken, und aus diesem Gefühl heraus habe ich das gesagt, was ich gesagt habe. Ich habe kein Wort von dem zurückzunehmen. Wer in diesem Saale der Angeklagte ist, wül ich nicht entscheiden, aber erklären, daß ich nicht an der Stelle des Oberreichsanwalts stehen möchte.
Hierauf zog sich der Gerichtshof zur Beratung zuruck.
Reichsgerichtssenatspräsident Treplin werkünbete folgendes Urteil :
Der Angeklagte, ist schuldig befunden worden des Hochverrats im Sinne des § 86 in Verbindung mit § 81, Abs. 2, des Strafgesetzbuches und deshalb zulVL'JahrcnFestung verurterll worden. Der Gerichtshof hat,außerdem die Unbrauchbarmachung der inkriminierten Broschüre, sowie der Formen und Platten verfügt. Dem Angeklagten sind areßerdem die Kosten des Verfahrens auferlegt. Das Gericht hat geprüft, ob etwa § 85 hier platz- greift. Dies konnte aber nicht bejaht werden. Der Gerichtshof hat geprüft, ob die Tatbestandsmertinale eventl. nach § 86 gegeben seien; diese sind vorhanden. Es muß eine vorberellende Handlung zu hochverräterischem Unternehmen vorliegen, dir letz-, teres zum Abschluß bringen soll. Eine solche Handlung liegt nach dcw Bechauptung des Angeklagten, und der Verteidiger nicht vor, sondern nur eine politische Gesinnrmg. Richtig ist, daß politische Gesinnungen micht zu bestrafen sind, es müssen erk-enn- bawe Handlungen vorliegen, Handlungen, durch die das Ziel oei> wirllicht wird, also Mittel angegeben werden, wie Geldsammlungen usw. Der Angeklagte sagte, daß nach seiner Broschüre er dm friedlichen Gang der Entwicklung gewollt habe. Dagegen war festzustellen, daß er in verschiedenen Kapiteln von dem Mrlitär- srreik gesprock-en tjat, der durch die Jugendvereine mit^ vorbereitet werden solle. Richttg ist, daß die Jugendorgaunatwnen noch kein solckzes Mittel seien, namentlich wenn sie nur Brl- dungszwecke anstreben. Hier handelt es sich um einen ^Vorschlag, der sich darstellt als Hochverrat. Das Arbeitsgebiet ist eng umschrieben. Richtig ist, daß die Vorschläge zum hochverräterischen
seines Bestehens gestanden habe. Das Gymnasttun habe sich von An fern g an bemüht, die ihm jewells gestellten Ausgaben zu erfüllen unb stets den modernen Anforde-i rungen zu entsprechen gesucht, ohne die alten Bildungs-, ideale zu vernachlässigen. Mt den später entstandenen Realanstallen habe es dasselbe Endziel gemein, aber seine Kraft wurzele im klassischen Altertum, es habe den Zusammenhang der alten Kultur mit der jetzchen zu zeigen und aufrecht zu erhalten. Mögen die drei Leitsterne, die es seither gelellet haben: Altertum, Religiosität und Deutschtum, auch im 4. Jahrhundert der Anker sein, an dem es sich festlegt. Das walte Gott!
Den mit Beifall aufgeuommenen Begrüßrmgsworten des Leiters der Anstalt schloß sich ein musikalischer Vortrag des von etwa 20 jugendlichen Künstlern gebildeten Schüler-Streichorchesters an, das L. vcm Beethovens Andante aus der Synrphonie Nr. 1 prächtig zu Gehör brachte.
Hieran reihte sich die Festrede, in der Professor Dr. Messer über die Geschichte des Gymnasiums ftch verbreitete.
Der Redner berührt zunächst die geschichtlichen Ereignisse, die zur Gründung des Pädagogiums (10. Okwber 1'605) führten und beschreibt dann eingehend Organisation uno Lehrplan der Anstalt in der ersten Zell ihres Bejt-ehens. Daran _ ichloß Ito die Schilderung der Mrrksamkeit des Professors Chriitopy Helwig (t 1617), der für das Pädagogium mehrere Lehrbücher verfaßte, die auch im übrigen protestantischen Deutschland werte Verbreitung fanden. Stark beeinflußt^ Wird er von dem bedeutenden Pädagogen Wolfgang R a t i ch r u s. Die Haupmedanren der von diesem geforderten Reformen sind: Das Auswendiglernen soll eingeschränkt werden: dem Laternunterrräst tot eine gründliche Sck)ulung in der Muttersprache vorhergehen; Mture und Sprechübungen sollen statt der GraMmattk in den Mtttel- pnnll des Unterrichtes treten. Ratichms Idee einer „Didallik , d h einer Lehrkunst auf psychologischer Grundlage, wird von Helwig in einer besonderen Scymft vertreten. Seme Wrryam- feit in Gießen bleibt jedoch oljne nachhaltigen Erfolg.
Bei der Verlegung der Gießener Univerntät un ^ahre 1624 nach Marburg sollte das Pädagogium neben dem Marburger ursprünglick) bestehen Heiken. Da aber die Schülerzabl sehr herunterging, so wurde es dennoch 1629 geschlossen. Bei der Rückverlegung der Universität im Mai 1650 wird auch das Pädagogium wieder eröffnet. In der zweiten Hälfte des 17. Jähr- hirnderts läßt sich der Einfluß des großen Pädagogen Lome n ins nachwiüsen. Vicht mürder macht sich der Pietismus
Die trotz aller Beichwichtigmi Fs versuche nicht leicht zu nehmende Erkrankung des greisen Kaisers FranzJosef lenkt die Blicke auf die Donaumonarchie, die bei einem eventuellen Thronwechsel einer ziemlich ungewissen Zukunft entgegengehen würde. Stehen doch auch jetzt schon die Dinge nicht zum besten, das Verhältnis zwischen den beiden Reichshälften ist überaus aespannt. Heber den Ausgleich ist zwar zwischen den Ministern eine Ueber- einstimmung erzielt worden, aber damit ist er noch keineswegs unter Dach und Fach tzebracht, vielmehr bedarf er noch der Zustimmung der Parlamente, und da ist denn mit Sicherheit zu erwarten, daß man in dem österreichischen Reichs rat dem Ausgleich den aller schärfsten Widerstand bereiten trrirb, well man der Ansicht ist, daß Oesterreich bei dieser Regelung sehr zugunsten Transleichanieus benachteiligt wird. Es dürste daher in Wien im Parlament einen schweren Sturm geben und wer weiß, ob dieser nicht ettva das Ministerium Beck hinwegweht und der Ausgleich wieder in die Brüche geht. Abgesehen von dem mißlichen Verhältnis beider Reichshälften, würde bei einem Thronwechsel möglicherweise auch der innere Frieden Cisleithaniens nicht von Dauer sein. Man sagt dem Thronfolger eine besondere Vorliebe für die Lscheck)Ln nach, seine Gemahlin geyört ja bekanntlich auch dem tschechischen Adel an, unb man schreibt ihr großen Einfluß auf ihren Gatten zu. Kein Wunder, daß namentlich in Kreisen der Deutschösterreicher eine gewisse Beklemmung herrscht, weil man befürchtet, daß dann das Deutschtum noch weiter hintan gesetzt werden würde. In den letzten Monaten hatte sich durch das Eingreifen des Kaisers, das Verhältnis zwisa-en Deutschen unb Tschechen ziemlich erträglich gestaltet, man hatte einen modus vivendi gefunden und der langersehnte Frieden schien seinen Einzug halten zu wollen. Das könnte aber leicht wieder anders werden, denn es ist tausend gegen eins zu wetten, daß bei einem Thronwechsel die Tschechen erneut mit ihren Forderungen hervortreten würden, in dem Glauben, nunmehr an das Ziel ihrer Wünsche zu kommen. Aber auch für die auswärtige Politik wäre ein Throntvechsel von tiefgehender Bedeutung. Es steht ja außer Zweifel, daß die abgeschlossenen Verträge strikte innegehalten werden würden, aber fraglich ist es, ob die Herzlich kett der Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn nicht doch etwas leiden würde. Erzherzog Franz Ferdinand gilt nicht als besonderer Freund Deutschlands und auf ihn richten sich wohl die Hoffnungen gewisser Mächte, in der Erwartung, den Dreibund zersprengen zu können. Minen sind schon längst gelegt worden und man scheint den jetzigen Zeitpunll für eine Fortsetzung der heimlichen Wühlereien als ganz besonders geeignet zu halten. Ohne daß irgendwie ein ersichtlicher Grund hierfür vorhanden wäre, erklären verschiedene Blätter, daß der Wechsel auf den deutschen Botfchafterposten deshalb erfolgt sei, weil Graf Wedel eine zu milde und allzu liebenswürdige Persönllchtett gewesen sei und daß mit Herrn Tschttchfty die schärfere preußische Tonart Ujren Einzug halten würde. Das ist natürlich purer Unsinn, aber nichts ist fo dumm, als daß es nicht geglaubt würde. Herr v. Tfchirschch ist wohl ein tüchtiger Diplomat, einen besonderen Schneid hat man an ihm jedoch noch niemals wahrgenommen und die Versetzung auf den Wiener Posten ent- spricht nach allgemeinem Zugeständnis seinen ureigensten Wünschen. Es handelt sich also um eine absichtliche Entstellung, unb ebenso charakteristisch ist es, baß in einem zuweilen für offiziöse Zwecke benutzten Blatte versucht wirb, es jo barzustellen, als ob Deutschland sich gegen Oesterreich für dessen Unterstützung in Algeciras undankbar er- ' weise; die Freundschaft Deutschlands könnte sichtbarer unb : zuverlässiger fein. Die Absicht des ganzen Treibens ist ziem- ’ llch klar unb es heißt darum für uns auf der Hut zu sein, um vor unangenehmen Ueberraschimgen gesickert zu sein.
herzlichen . , _ „ . . . .
Gymnasium schon am 10. Oktober 1605 gegründet fei, aber mancherlei Gründe damals die Abhaltung der Jubelfeier unmöglich gemacht hätten. Mit Rüllficht auf die vor wenigen Wochen erst so glanzvoll begangene Jubelfeier der Landesuniversität habe man die Gymnasialfeier im einfachen Rahmen gehalten, damit gleichsam wieder in das Abhängigkeitsverhältnis zur Universität zurückkehrend, in dem das Gymnasium die. ersten zwei Jahr, udcrte
Dann begriitzle Direktor Dr. Hensell die Gäste mit Er führte u. a. aus, daß zwar das


