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11.12.1907 Erstes Blatt
 
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Nr. 291

Orlch-tv, tegü* auß« bonnlags.

Dem Gietzene, ?lnzeiger werden im wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gictzener SamfHen» blätt« viermal tn bei Woche beiqelegi und xroeimnl wAchenlkichda- X*elsblatt für Sen Kreis Sieben. Zernivrech-An- Ichlutzs. d. Redatt'.on 113 Verlag u. ExpedlNon 51 Blbiefie Wit Tepeich«,, AuzetHer Atetzev.

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Erstes Blatt

157. Jahrgang

Mittwoch 11. DezembsrlV07

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tietatlsnsbrnd und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vvch- mrd Steinörnderet E. Lange. Ueöaftton, Expedition und Druderet i Schuiftratze t.

Ve-agS-eets, monatlich 75 s$ viertel­jährlich Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Ü)tf.2. viertel- jährt ausjchl. Beslellg. ZerlenureiS: lokal 16 Üf^ auswärts 20 Viennig,

Verantwortlich iür den politischen Teil: E. Anderson; s. Feuille­ton und .LennischtesE V Ginko, füt »Gradl il Land- und,V-nchls- saal--. (£. Heb, iür den Anzeigenteil H. Beck.

Ire HcrMge Wummer umfaßt 14 Seiten. Zum^Sleverveginn per Yess. Kammcrve atungcu

Dlc zweite Stänbekammer tritt auch diesmal wieder erst so spät zu ihre« Winterberatungen zusammen, daß sie kaum noch ein halbes Dutzend Sitzungen vor dem Weih­nachtsfest abzuhallen in der Lage ist. Die kurze Frist mag ja jur die Erledigung der momentan vorliegenden Beratungsgegenstände ausreichend sein, es wäre aber zu wünschen gewesen, daß die Kammer die Zeit der Herbst­monate oder wenigstens den Schlußmonat des Jahres dazu benutzt hätte, das große Werk der Berwaltungs- g es etz r e v is io n fest in Angriff zu nehmen, das schon dem 32. Landtag zur Ausgabe gestellt worden ist; die Bor- berarungeu des Sonderausschusses haben sich leider so in die Lange gezogen, daß selbst die beiden von ihm fertig gestellten Gesetzentwürfe über die Landgemeinde - und die Städteordnung nun wohl kaum noch aus eine Verabschiedung iw Laufe des Winters werden rechnen können.

Einführung der Fahrkartensteuer und die Tarifresorm des preußischen Eisenbahnministers dieses Jahr einen be­deutenden Rückgang der EisenbahnüLerschüsse zur Folge haben und auch die preußischen Beamtengehaltsausbesse- rungen, die natürlich auch aus die Eisenbahnbeamten aus­gedehnt werden, große Summen in Anspruch nehmen. Aber wir dürfen uns diesen Schwankungen in den Eisenbahn­erträgnissen zunächst doch mit einiger Ruhe gegenüber* stellen, da wir ja Dank der früheren Borsorge des Finanz­ministers eben mit Hilfe der Ueberschüsse für alle Fälle einen Ausgleichsfonds von 6 Millionen angelegt haben, der selbst über einige an Eisenbahnerträgnisjen magere Jahre glücklich Hinweghelsen dürfte. Bedenklicher für Hessen, wie für alle übrigen Bundesstaaten würde sich die finanz­politische Situation allerdings gestalten, wenn es dem Reichskanzler und der Blockmehrheit ün Reichstag nicht gelingen sollte, durch eine eingreifende Operation das gewaltige Reichsdefizit aus der Welt zu schaffen, die riesig angeschwolleueu Matrikularbeiträge können aus die Dauer von keinem Staat getragen werden!

Im allgemeinen erfolgt die Wiederaufnahme der Dcwuuerverhandluugen unter verhältnismäßig günstigen Ausblicken. Wir wissen seit der Etatsberätung dieses Früh­jahrs, daß sich die Finanzen Hessens wieder in gesunden Bahnen bewegen und mit Hilfe terkleinen Finanzcesorm" sogar eine recht erhebliche dauernde Mehrbelastung des Etats durch die wesentliche siuanzlelle Besserstellung der Beamtenschaft und des Lehrerstandes ermöglichten. Der neue Staatshaushaltsetat für 1908, der wie im vorigen Jahre, wenige Tage- vor Weihnachten ober gleich darnach erscheinen wird, stellt sich ganz als ein Kind des diesjährigen bar. Er wird bestem Vernehmen nach keiner­lei besondere lleberraschuugen bringen ober neue Probleme in sich bergen, sondern lediglich eine Konsequenz der Kam- merbeschlüsse und Bewilligungen vow Frühjahr 1907 bilden. Am erfreulichsten daran ist die Tatsache, baß es dem iFinanzminister gelungen ist, das gelegentlich der Beratung über die Verbesserung der Lehrergehälter gegebene Ver­sprechen, im nächstjährigen Etat auch auf eine angemessene Gehaltsaufbesserung b er hessischen Lehre­rinnen bedacht zu fein, glücklich zur Erfüllung zu bringen. Wie wir schon Ende der vorigen Woche mitteilen konnten, wird ein diesbezüglicher Gesetzentwurf voraus­sichtlich noch vor dem Weihnachtsfest den Ständekammern vorgelegt werden. Die beträchtlichen, hierfür erforderlichen Mittel neben den nach Hunderttausenden zählenden dauern­den Mehrausgaben für die Besserstellung der Beamten und Lehrer aufzubringen und mit dem neuen Staatsvoranschlag in Einklang zu setzen, ist dem Finanzminister gewiß um so schwieriger geworden, als erfahrungsgemäß auch bei nnis in Hessen die Nettoerträge im Stadtsäckel sehr wesentlich hinter den Bruttosummen zurückbleiben. Wir können indessen den verschiedentlich aufgetauchten Gerüch­ten und Befürchtungen entgegentreten, als würben die hessischen Finanzen 1908 durch die Diinderüberschüsse der preußisch-hessischen Eisenbahngeureinschaft direkt in Mit­leidenschaft gezogen. Richtig ist, baß die unglückselige

Zu den günstigen Ausblicken auf die kommenden Kammerberatungen berechtigt wohl noch mehr, als die sinauzielle Lage, die allgemeinepolitische Situa­tion. Auch in Hessen haben die Konsequenzen der Reichs­tagsauflösung vom 13. Dez. 1906 und die Blockpolitik im Reichstag einen heilsamen Einfluß aus die politischen Ver­hältnisse ausgeübt. Die damalige allgemeine Niederwer­fung der Sozialdemokratie hat auch bei uns die Bevölke­rung wie von einem schweren Albbruck befreit. Es ist wieder Vertrauen und Zuversicht zur weiteren Entwickelung der politischen Dinge eingekehrt. Die Bürgerschaft hat sich auf sich selbst besonnen, sich ausgerafft und damit in vielen größeren Gemeinden und in den Städten Offenbach, Darm­stadt und Gießen Erfolge errungen. Man wird nun zwar nicht erwarten dürfen, daß dies bei der Partei Ulrich-David und Genossen verständigeres Auftreten ihrer Führer in der Kammer zur Folge haben wird. Aber das eigene Gefühl des schwankenden Bodens unter den Füßen und die klare Erkenntnis des Sinkens ihrer Herrlichkeit wird voraus­sichtlich bei den bürgerlichen Parteien im Lande mehr und mehr bewirken, daß die bisherige Ueberschätzung der Herren von der Internationale in der Volksver­tretung und die allzu zarte Rücksichtnahme aufhört, die man ihnen seit langer Zeit von. verschiedenen Seiten er­wiesen hat. Dazu wird vielleicht schon in der kurzen Vor­tagung bis zum Weihnachtsfest Gelegenheit gegeben fein, sei's bei der Debatte über die Interpellationen Dr. Schmitt und Ulrich bezüglich der Vereins- und Versamm­lungsfreiheit, sei's bei der erneuten Beratung über das Jagdgesetz ober die Wertzuwachssteuer­vorlage. Und wenn es dann, wie jeder ehrlich liberal gesinnte Mann von Herzen wünschen muß, den fortgesetzten Bemühungen der Regierung vielleicht schon am nächsten Samstag in der gemeinsamen Beratung der beiden Gesetz­gebungsausschüsse gelingen sollte, die ersten festen Pfeiler für die Grundlage einer Verständigung über die Einfüh­rung des direkten Landtagswahlrechts zu er-

Grstzenev SLadttheater.

Die lustigen Weiber von Windsor.

Von Shakespeare.

Am Sonntag war wohl die letzte Wieder­kehr des armen deutschen Raub- und Raufritters, 'anr Dienstag die fröhliche Auferstehung des feisten englischen Sauf- und Schnaufritters. Direktor Steingötter hatte den glücklich-tollen Einfall, Shakespeares Lustige Weiber" aufzuführen. Sie mögen in den letzten zwei Jahrzehnten kaum viel mehr als ein Dutzend Mal auf deutschen Bühnen gefpielr worden sein. Zuletzt wars wohl die englische Beerbohm Tree-Truppe, die im Früh­lenz dieses Jahres bei Moll in Berlin damit enttäuschte. (Schauspieler von Anno To)Krck" nennt Hermann Kienzl die englischen Bühnenhelden in seinem soeben erschienenen wertvollen TheaterbucheDie Bühne ein Echo der Zeit.")

Der Inhalt der Komödie ist durch Nicolais reizende Oper und Verdis meisterlichen Falstaftkarneval in seiner ganzen frischen Lustigkeit Wohl auch dem ärgsten Kunstbarbaren bekannt. Aus dem neuesten, vortrefflichen Shakespeare-Buche von Dr. Max I. Wolff (bei Beck in München kam neulich der erste Band heraus) erführt man, daß der Dichter das Drama in 14 Tagen geschrieben hat. So berichtete we­nigstens John Dennis im Jahre 1702. Die englische Kö­nigin Elisabeth wollte nach dem geistreichen Falstaff in Heinrich IV." einen verliebten Falstaff sehen, und Shake- jpeare kommandierte die Poesie.

So ist denn der Falstaff des zweiten Aufgusses nicht von dem genialen Humor wie der der berühmten Königs- historie, undDie luftigen Weiber" sind nicht eines jener Stücke, um derentwillen Shakespeare unsterblich ist, sondern eins von denen, die fortleben, weil Shakespeare unsterb­lich ist. Wir sehen den einstigen Zechkumpan des Prinzen Heinz in seinem Verfall. Er ift in seiner Liederlichkeit ver­kommen und zur lächerlichen Figur geworden. Arglos läuft der graue eitle Sünder, ein geprellter Preller, in jede Falle. Die lustigen Weiber sind die Hauptpersonen, und dieübelen Humore", die sie mit dem lächerlich ge­wordenen Ritter spielen, die Hauptsache. Aber eigent­lich noch kurzweiliger ist manches Intermezzo, in dem der Dichter, der feine Löwen klaue auch in diesem flüchtig hin- geworjenen Spaß nicht verbergen konnte, statt Handlungs­und RequifitenscherLes einen höheren Lebensulk durch die

Gegenüberstellung grotesker Temperamente und durch Ge­spräche gibt, die gleich skurrilen Arabesken und Ornamenten oie Umrisse der Figuren feltsam lächerlich umspielen. Und ihre literarhistorische Bedeutung hat die Komödie dadurch, daß sich hier zum ersten Male der Bürgergeist regt, der den verlumpten Adel verspottet, gerade wie im Don Quixote. Und etwas von der gemütlichen traulichen Stim­mung der mittelalterlichen Kleinstadt, von der Liebe zum eigenen Heim und den ftöhlichen Belustigungen der ehr­samen Bürger Altenglands irst über das Werk gebreitet. Vorgänge ähnlicher Art aus nuferen Tagen und in deut schein Lande schildert^uns Reuter immer und immer wieder, und wenn es ein Stück gibt, das in platt deutscher Fassung sehr echt wirken würde, so ist es Shakespeares dramatisiertes Lauschen von den luftigen Weibern.

So waren denn mit Recht die Kaltklugen, die in dem Lustspiel nur die Schwachen sehen, gestern in der Minder­heit. Gewiß, es ist nicht mehr der Falstaff, m i t dem man lacht, sondern man lacht Über ihn: genau so wie über den Bräsig jn der Berliner Reise, doch mit dem drüsig in der StroMtid. Trotzdem ist her Lachersolg des heiteren Werkes anzuerkennen. Man ließ Shakespeare recht sein, was den heutigen Schwankdichtern billig ist. Besonders aber werden sich unsere Frauen gefreut haben; nimmt doch auch hier wie in allen seinen Eifersuchtsdramen Shakespeare die Partei der sogen, bessere« Meusck>heitshälfte. Und zum Schlüsse wird vielleicht diesem oder jenem ausgefallen sein, daß Shakespeare doch immer wieder, hier wie imWinter- märchen" rc., groteske Possenspiele mit zauberhafter Mär­chenromantik versetzt. Wird hier doch der dumme Ritter durch den tollen Waldnachtspuk einer bäuerlichen Farce genarrt.

Zuerst vermißte man fa freilich Nicolais prickelnde, einschmeichelnd neckische Musik, die doch so stimmungsvoll ist; in jeder Szene klang sie aufs neue uns im Ohr; dann aber wurde man von dem quellenden, wenn auch mitunter nicht ganz unfreien Humor gesesselt und gepackt. Die Schlußszene aber schrie doch förmlich nach musikalischer Begleitung. Hier hat sich dcr Dichter von der platten Prosa in den Dust der Waldespoesie retten wollen. Das Waldspiel war ja sonst recht hübsch inszenierc, aber diese Mondscheinnacht mit Nixchen und Hexa)en und luftigem Feenr eigen, verhüllt sie nicht nur michsam die Musik, ward nicht förmlich Attlsik ans ihrer Luft geboren, gleicht sie nicht

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richten, dann werden wir auch in unserm engeren Heimat­land mehr und mehr die Früchte einer gesunden bürger­lichen Blockpolitik zu ernten in der Lage jein.

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Der 2. Kammer ist eine Regierungsvorlage zuge­gangen, die mehrere wichtige Ergänzungen des Gesetzes über die Wohnungsfürsorge für Minderbemittelte enthält.

In der Begrürw"ng zu dem Entwurf, der mit seiner Ver> offentlichung im Regierungsblatt in Kraft treten soll, ist allge­mein bemerkt, daß durch die Vorlage einem Ersuchen der beiden Kämmern entsprochen werde. Die Regierung stehe zwar nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die Hauptträger dec Wohnungs- fürforge die Gemeinden feien und es auch bleiben müßten. Im übrigen' wäre zuzugeben, daß eine unmittelbare Dar­lehens Hingabe an gemeinnützige Bauvereine be­sonders da von Vorteil fein könne, wo es ländliche Gemeinde-' verwalciingen grundsätzlich ableljuten, Darlehen an gemeinnützige Bauvereine zu üerniitäün. In solchen Fällen würde eine größere Unabhängigkeit der Dauvereine Vvu den Genuinden die gemein­nützigen Bestrebungen fördern unb die selbständige Tätigkeit der Bauvereine weroe mit der Zeit auch die Gemeindeverwaltungen anreg en, sich der Wohnungsfürforge zuzuwenden. Der Entwurf sehe daher unnritlelbare, oorr der Landeskrebitkasse zu ge­wahrende Darlel-en vor. Außerdem sei die Einleitung des Zwangsverfahrens nach dem Entwurf dadurch erleich­tert worden, daß man neben dcm Bau Verein auch dem Landeswoynuugsinspettor das Antragsrecht des Ar­tikel 5 des Gesetzes gegeben und dem Kreisrat die Befugnis erreilt habe, im Wege des Ansimiens an eine Gemeinde diese im Falle bcs Wioerspruchs unter entsprechender Amvenbun, der Borschristen der Kreis- und Prvvlnzialordnung zur Dav- leheusauamhmL für verpflichtet erklären zu ^lassen. Schlief», lich seien die Dvraussetzungen des Zwangsverfahrens geändert Tie geltende Vorschrift spreche voneinem in anderer Weise nicht zu befeitigcnucii Dlluigel von Wohnungen für Minderbe­mittelte". In Zukunft solle bas Zwcmgsversahren schon bann eingeleitet werden können, wenn in einer Gemeinde ein empsind- lichcr Mangel an guten Mietwohnungen für Minderbemittelte bestehe. Mit diesen Aenderungen der bestehenden Vorschriften werde der Grundgedanke des Gesetzes, derkommunalen 2ÄH- mmg^tÜTfOrge" verlangt, allerdings abgeschwächt, aber nicht ver­lassen, sondern von neuem, wenn auch in anderer Form, wieder zum Ausdruck gebracht. Was die Höhe der aus der LandeS- kredilkasse zu gewährenden Darlel^n anlangt, so bemerkt hierzu die Begründung, baß eine ansreichenbe Förderung der gemein­nützigen Bautätigkett bnrch Darlehen aus ber Landeskredittasse, die nur die Höhe von drei Fünftel des Schätzungswertes er-, reichen, nicht zu erwarten sei. Diese füllten deshalb bis zur Höhe von zwei Drittel und bei Bürgschaft ber Gerneinbe bis zur Höhe von neun Zehntel bes in Artikel 2 erwähnten Bettage^ zugelassen werden. Allerdings beständen hiergegen prinzipielle Bedenken. Doch habe man in Anbetracht desngroßen öffentlichen Interesses an einer Förderung ber Mohnungsfürsvrge bas Prin^ zip umso eher verlassen zu können geglaubt, als die Landeskredit-t lasse zu Ö lesen Darlehen nicht verpflichtet, sonbern nur ei>, mächtig! sei, und daher nicht zu befürchten wäre, daß bic Staats- finantzen allzu sehr in Anspruch genommen würden. Bei Ueber- nahrne der einfachen Bürgschaft durch bic Gerneinben werde man unbedercklich bis zu neun Zehntel des oben genannten Betrages gehen können, da auf diese Weise eine ähnliche Sicherheit ge­währt sei, wie bei Darlehen nach Artikel 5 des Wohnungsfürforge^ geffieS.',

StimmungsLUd aus dem Aeichstage.

Berlin, 10. Dezember.

Der Thronfolger im Reich Stage! Mit dem! Oberpräjidialrat aus dem preußischen Ministerium des Innern, der chn in die Berwaltungsgeschäfte einführtt

^ohne Musik einem Diadem, daS feiner schönsten Perle bo raubt ist/ Und mehr noch als in allen übrigen muß in? dieser Szene von der Bühne her tolle Lustigkeit wie ein Wirbelwind das Publikum packen und nicht loslajsen. Em rasendes Tempo verlangt die Shakespearesche Farce, un­bändiges Gelächter, genialen llebcrmut, um die sorglose Leichtigkeit, das sprühende Witzgefunkel, das durch die lost; Handlung tollt, recht zur Wirkung zu bringen.

Die melodische Monotonie der Stimme der Frau Flitt läutete ja auch wie ein feines, wohlklingendes Glöckchen hinein, und markiger unb voller folgte die Begleitung der Frau Pige; dazwischen meckerte die spitze, keifende Stimme! der Frau Hurtig, klang der warme Bariwu des Herrn Flut- unb den sonoren Grundbaß, den letzten tiefen Brummton der Glocke, boten Falstaff und die zwei ausgepichten Weiu- kehlen Bardolphs und Nyms, feiner Kumpane. Aber man merkte doch noch gar sehr die erste Ausführung, das noch nicht ganz Fertige, das Verfehlen der rechten Stellungen, Unsicherheiten im Text (namentlich bei zwei Herren) und das vergebliche Bemühen um daS atemlose Tempo der Tollheit; es mangelte noch an Abtönung, Nüancierung und Rundung der einzettieu Szenen und des ganzen Stückes. Von der Lebhaftigkeit der Schauspieler müssen die Zu­schauer blindlings mit fortgenssen werben. Tiefes Pre- stissi'mo in Spiel unb Sprache ward in ein paar Szenen wenigstens versucht. Wenn der Raufbold Eajus feine tauber* welschen Rodomontaden hervorpolterte, höchst aufgeregt unbi ausgebracht hastig und heftig über die Buhne fegte (Herr Gsell tn dieser kleinen Rolle dürfte vorbildlich wirten)^ wenn das Klatschmaul der Frau Hurtig eben,) unermüd­lich mit hellen Tönen klapperte und eine eilfertige Betu­lichkeit ihrer spitzen Zunge nötigen Nachdruck verlieh, baiui hatte man den rechten Stil getroffen.

Für die vielköpfige Gesellschaft die geeigneten echt ko­mischen Kräfte zu finden, ist nicht leicht. Schon ber Falstaff selber ift eine Aufgabe heikler Art. Zur unsere Buhne ergab sich dagegen die Falstasfwahl ganz von selbst. Hatte doch im Voriahre Batof bereits in seinem prächtigen Bräsig eine Vorstudie dazu geliefert. Sv war denn voraus- zusehcn, daß sein Falstafsbild meisterlich angelegt sein würde. Der größte Vorzug seiner Leistung war im übrigen das rechte Maß, das er sich auferlcgte. Ohne alle Lieb erlab en* hell mit Nuancen zeigte er feine echte Künstlerschaft m ber Geschlossenheit. Zu sieghaftester Wirkung gelangte seine