157. Jahrgang
Zweites Blatt
Nr. 51
Erscheint ILgllch mit Ausnahme deS Sonnlagi.
Tie „Siebener KamkllcnblSUer" werden dem a91iHeiger* viermal wöchenllich beigelegt, da- „KreUblati Mr den Krtl« riehen" zweimal wöchenllich. Der „k,efftsche Landwirt" erscheint monatlich einmal.
glaubt, daß wie Demokraten jetzt unsere Forderungen einpacken werden?! Für so selbstlos können Sie unS doch unmöglich halten.* Die Zeichen deS TageS richtig deutend, erklärte Abg. v. Payer, das konservativ-liberale Kartell böte keine starke Garantieen für Dauerhaftigkeit und könne eS auch kaum, sei cS doch in Geltung gesetzt worden sozusagen ohne Zutun der Beteiligten. Erneute Heiterkeit. Herr v. Payer war der erste Redner, der deS frijchen Eingreifens der politischen Jugend in die Wahlbcwegung Erwähnung tat, und der ferner den Widersinn kennzeichnete, in dem die preußische Politik zur neuen Llera der RcichSpoluik steht. Lehr eindringlich forderte Herr o. Payer die bessere Unterstützung der FriedenSbestredüngen in der Haager Konferenz. Illusionen gibt sich der oolksparteiliche Führer nicht hin; die Ostelbier ließen sich auch angelegen sein, ihm die Müglichkeil zu rauben. Sie stimmten ein ironisches Gelächter an bei der Enlrollung deS demokratischen und freisinnigen Programms — so fiel Rauhreif auf den knospenden Frühling der .neuen Zeit". Ob es der Kanzler ahnte? Ec blieb auch heule dem Reichstag fern — die Liberalen können warten.... PayerS Ausführungen wuthen von der gesamlen Linken am Schluß
' durch wiederholten lebhaften Beifall ausgezeichnet.
War die Stimmung im Haufe bisher nicht gerade un» gemütlich, so änderte sich daS, als Abg. Gröber (Ztr.) sich zur Rednertribüne begab. Er hatte die Ausgabe, nachzuweisen, daß der Kolonialkonflikt durch d>e Regierung .vom Zaun gebrochen* wäre. DaS Zentrum habe sich nicht von persün- kicher Feindseligkeit, sondern nur von sachlichen Erwägungen leiten lassen. ES sei daS Opfer eines Komplotts geworden. Rian habe die liberalen Kolonialankläger ganz anders be- handelt, als diejenigen deS Zentrums. Ueber Roercn sei man geradezu hergesallen im Gegensatz zu der zarten Be- Handlung des Dr. Müllcc-Meiningen. Erregte Zivischenrufe, an denen sich auch der Chef der Reichskanzlei v. Loebell beteiligt, was Gräber zu scharfer Abwehr und den Vize- Präsidenten Dr. Paasche zum Eingreifen veranlaßt. Ter Kolonialdirektor Dern burg nimmt neben dem Redner Platz und legt sein Material zurecht. Ein Meisterstück der Satire lieferte der württembergische Zentrnmsmann, als ec die Ber- dächligung der .nationalen Gesinnung* seiner Partei ins Licht rückte. Die Erinnerung an die Kanalfronde dec pren- ßischcn Konservativen war den letzteren offenbar peinlich. In noch unangenehinere Situation aber geriet der nationalliberale Führer Bassermann. Der Redner stellte fest, daß dieser in einem Wahlbrief daS Zentrum als .stillen Feind von Kaiier und Reich*, dasselbe Zentrum im Reichstag aber kürzlich erst als Partei von großen Verdiensten bezeichnet habe. Daß ferner gerade Baffermann in seiner November- Interpellation über die auswärtige Politik sich über das .persönliche Regiment" geäußert habe, das nach dem Fürsten Bülow nur in der Phantasie existiert. Emen geschickteren Debaiter als Grüber konnte das Zentrum kaum vorschicken; er schwächte abec die volle Wirkung seiner Rede durch llebettrcibimgen, sprach er doch allen Ernstes von einem Wahlkampf unter der Parole .Los von Rom!" Er forderte derart gegen sich den Vorwurf heraus, den er der Regierung im Koloiiialkonflikt gemacht hatte, den Borwiirf, den Kulturkampf vom Zaun zu brechen. Tie Pfui-Rufe, die von den Zentrumsbänken aufstiegen, verhallten in dem Lachen der Lmken. Rian wird abwarten muffen, ob die Gröbersche
politische Lagesscha».
Uaterstützt deu von der Sozialdemokratie bedtohlcn Mittelstand!
Aus allen Landesteilen kommen diesmal mehr als je zuvor Klagen selbständiger Kleingewerbetreibender, welche von der Sozialdemokratie boykottiert und mit Vernichtung ihrer Existenz bedroht werden, weil sie bei dem legten Wahlkampfe gegen sie gesummt haben. Von einem Dorfbäckermeister wird z. B. folgendes berichtet:
„3n einem 9lad)baröor’e wurde deni Maierialwarcnlau'inannW. von seiner Arbeuei-llunoschau unnuuelbar uoi oei 'ji<Ql)l huegoulcl, eifiän, wenn der soziatdemotrausche Kandidat imiciliegeii sollte, wurden die toenofle» ein eigenes Geschält im Crie begründen, um tue Geschä'isteuie zu ruinieren, weiche für den Sinnöiboien der nationalen 'l'arieien gestimmt hätten. Da der beiresjende llaui- inann leider vorwiegend aus Äibeiterluiibschaft aitgewiesen tü, indem die Vanbwute ihren Bedarf meistens bei Netzenden groß. Iiädmcher Ruinen decke», suhlte er sich durch diese Troiiuug so beunruhigt, daß er gemütskrank wurde und von seinen SliigeijÖrigc» m eine Nerveir-Heilansiatt übenuhrt werde» muuie.*
Dem Alaune selber hat seine Haltung bei den Wahle» auch üble Früchte getragen. Seine Hauptkundschaft bestand ebenfalls auS den Slrbeitcrn benachbarter Städtchen, da die Bauern deS Dorfes ihren Bedarf von einem städtischen Bäcker entnehmen, der die Backivare mit Fuhrwerk auf dae Land hinauSschickt. Jetzt nach der Wahl haben die Arbeiter unserem Dorsbäcker ebenfalls die Kundschaft aufgekündigt, weil sie die Ueberzeugung gewonnen hatten, ec habe national gewählt.
Ganz ähnliche Vorgänge spielen sich jetzt zu tausenden in den verschiedensten Landesteilen ab, und wir müssen des- halb die dringende Mahnung an alle richten: Unterstützt mit aller Kraft diejenigen kleinen Gewerbetreibenden auf dem platten Lande, die von der Sozialdemokratie mit wirtschaftlicher Schädigung oder Vernichtung bedcohi werden, weil sie als gute deutsche Patrioten den Wahlkampj gegen die Sozialdemokratie geführt haben!
Und mehr als je zuvor gilt unser Appell: Kauft nach Möglichkeit nur bei den Euch bekannten Gewerbe- treibenden möglichst am Platze oder in dec nächsten Stadt, nicht bei den Reisenden und Agenten der Großhändler aus fernen Großstädten. Landwirte und Klemgewerbeireibende m Stadt und Land bei unS in Oberhessen sollten dauernd zusammenhalten und sich auch wirtschaftlich gegenseitig unter- Itützen.
Jhr tztal im Unchslag.
E. Berlin, 28. Febr. m.
Die Rede, mit der Abg. Schrader (Frs.Ver.) die heutige Debatte eröffnete, war das Gegenstück der gestrigen Rede des NeichSparteilerS Gamp, d. h. sie bedeutete nichts weniger als eine Förderung der liberal-konservativen Verständigung. Eher kommen Feuer und Wasser friedlich zusammen als Herr Schrader mit den Agrariern. Tie Mitglieder der Rechte» brachten daS dadurch demonstrativ zum Ausdruck, daß sie ivährend der Schraderschen Rede in dec Wandelhalle und in den Rcstaucationsräumen sich aushielten. Umsomehr gefiel dessen freimütiges Bekenntnis zum unvermischten Liberalismus der Linken. Auch die Sozialdemokraten spendeten dem Kämpfer gegen j -de Reaktion Beifall. So kam es, daß der nächste Redner, Zimmermann (Reformp.), ein Repräsentant konservativen Geistes, konstatierte, er stimme nur in einem einzigen Punkt mit dem liberalen Führer überein, nämlich darin, daß eine gründliche Besserung der Reichs- finanzen notwendig sei. Im übrigen seien seine politischen Anschauungen durchaus andere. In der Tat, die innere Festigung der neuen Reichstagsmehrheit macht .beängstigende* Fortschritte! Die ZentrumSmänner hatten einigen Grund z» spöttischem Lächeln, sie niochten wohl an den Ausspruch denken, den ihr Kollege Abg. Trimborn gestern im preußischen Abgeocdnetenhause tat: .Wenn wtr nicht dabei sind, bleibt die konservativ-liberale Paarung ergebnislos*.
Zu allgemeiner Aufmerksamkelt kam eS im Haufe, als Abg. o. Payer (Dtsch. Vlksp.) daS Wort erhielt. Er ging, rednerisch vorzüglich disponiert, sofort, auf die Hauptsache em, auf daS Programm des Reichskanzler«. Es hat seinen Beifall, weil die Bülow'sche Politik dadurch an Gesicht gewinne, im Gegensatz zu der verschwommenen Physiognomie der bis- herigen Politik. Freilich verhehlt sich Herr o. Payer nicht, daß der Durchführung deS Programms schwere Widerstände entgegenstehen, doch: .Ein Zurück gibt eS nicht mehr! Ter Kanzler hat die Zentrumsbrücken hinter sich abgebrochen, er muß sich auf die bürgerliche Linke stützen. Eine Enttäuschung der breiten Massen deS Volkes, die die Wahlschlacht zum Regierungssieg führten, müßte unabsehbare Folgen - nach sich ziehen!' Dec lebhafte Beifall der Linken begegnete entsprechendem Widerspruch von rechts, doch der Redner ries den Konservativen starken ToneS zu: .Haben Sic denn ge-
Rede als Flugblatt mS Land gebt, was nicht zur Stärkung bei konfessionellen Friedens dienen würde. Jedenfalls ließ die Rede keinen Zweifel, daß die Brücken zwischen Zentrum und Regierung bis auf den letzten Balken abgebrochen sind. Die parteiojsizielle Erklärung, die Gröber über die Wohlunterstützung dec Sozialdemokratie durch daS Zentrum abgab, betätigte das. Indirekt machte er dem Kanzler den Vorwurf politischer Heuchelei, weil dieser nicht auch die Wahlgeschäfte anderei Parteien mit den .Roten* gerügt habe. Fürst Bülow kann die schweren Angriffe GröberS unmöglich hinnehmei', die in der Behauptung gipfeln, bie Regierung habe keine Mehrheit un Volke. Hohn über Hohn fand Gröber für das .Wort- programm* deS Kanzlers, auf daS die Liberalen beremge- ,allen feien. Der Zentrumsturm konnte nicht erschüitert werde» durch den um eine .Lappalie* — stürmischer Widerspruch — entfesselten Wahlsturm.
Unter donnerndem Bravorufen deS Zentrums und hestigem Zischen der Slotioimlübcralen beendet Abg. Grüber lerne flammende Rede, die erst am Samstag durch den RcichS- lanzler beantwortet werden wirb, da dieser auch morgen am Erscheinen verhindert ist, wie Graf Posada wSky erklärte. Heute wies der Staatssekretär und neben ihm der Kolonial- direkt or Dernburg die Darstellung zurück, als sei dec Reichs- lag um einer „Lappalie" willen ausgelöst worden. Während daS Zentrum den Grasen PosadoivSky ruhig anhörte, unterbrach es den ftolonialöireftor mit zornigen Worten, und Abg. Dr. Spahn .berichtigte" ihn in einer persönlichen Bemerkung. Unter dem 'Regime Bulow-Dernburg i|l daS Zentrum zwei,et- los entschlossen, aus dem KnegSpsade zu bleiben. So stehen weitere Sturm tage in Sicht.
Freitag 1. März 1907
Rotationsdruck und Verlag der 8 r ü b Pkb«K Universität« - Blich- und 6tembrud<«t, 8L Lange, (Sieben.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Scheck- straße 7. (trpeöitum und Verlag «L Redattior»erM»NL. Tell-Adr- An-eigerGreßa^
Gießener AMiger
General-Anzeiger für Gberhesjen
Ja der braunschweigischen Angelegenheit ist nunmehr die Entscheidung des Bundesrats erfolgt und so atisgesallen, wie erwartet wurde. Er Hal in feiner Plenar- sitznng am Donnerstag, in der der Reichskanzler Fürst Bülow den Vorsitz führte, auf Antrag des Referenten, deS sächsische» Bundesratsbevollmächligten Grafen Vitzthum von Ecktzädt, einem uns gestern nachmittag um */i $ Uhr Augegangene» Telegramm zufolge, folgenden Beschluß gefaßt:
Ter Bundesrat beschließt: 1. Tie Ueberzeugung der verbündeten Regierungei' dahm anszusprechen, daß, solange -c. K. P. der üerzog von Cumberland ober em Mitg Heb f eines Hauses sich in einem dem reichsversasnmgtzmavig gewahrlemeien ."trieben unter Buudesgliebern wiberüreuenben Verhältnisse zu dem Bundesstaate Preußen desinbet unb Ansprüche am Gebietsteile dieses Bundesstaates erhebt, auch die Regierung eines andere» Mitgliedes des Herzoglichen Hauses Braunschweig-Luneburg in Braunichweia mit den Grundprmzipien der Bunbnisveiliage und der R e t ch s v e r ' a s s u n g nicht vereinbar sei, selb'! wen» dieses Mitglied gleichzeitig mit dem Verzicht der übrigen Mitglieder des Hauses atu Biauuschiveig seinerseits mr sich und leine Teszendcnz allen Ansprüche» aus das frühere Königreich yannouei emjagl, daß demnach durch die dem Bundesrat vorgelegteni irr- flürunqen S. K. H. des verzogs von Eimibeilanb in dem wen an S. Ai. den deutschen Kauer, Ko.ug von Preuhe», vom 2. Ltt. lü >b und an das Oerzogl. Braumchiv. etanismi.iilleiuu» vom lo. eg. eine entsche-beube Aenberung in der dem Be.chlusse desi Bundesrats vom 2. Juli lööö zu ivrunbe liegenden und Rechw. läge n i ch t e i n g e tr e t e n feu 2. Tie Bra.iich.v. llaubeviegleru m hiervon m Erlebtgung ihres Amrages (die. b der Bundesrats-
das sich ber Stimm, abgabe enthielt, würbe ber Beschluß einstimmig gefaßt.
KilUh jtv'S .Abfl oiöncttnOdiid.
Tie Beratung dcS Etats für Handel unb Gewerbe wirb fortgesetzt. - ,,,
Abg. Dr. Schröder- Cassel (nt) führt au«, ber Reichskanzler habe schon vor Jahren eine Reform der Börsengesetzgebung zugcsagt. Sie sei bis jetzt noch nicht erfolgt. Darunter leibe unsere acsamte Industrie. Tie Großbanken f a u g t e n b a S S? a p i t a I a u f. Ten Dcsähigungsnachweis habe ber Hanbwerkerlag in Köln alS zurzeit unerreichbar bezeichnet. Für bie Einführung von Arbeiterkontrolleuren könne feine Partei nicht stimmen, ba nach ihrer Ansicht dadurch die Kluft zwischen Arbeitgebern und Arbeitern noch verbreiten werden würbe. Unsere Finanzlage sei jetzt derartig, daß man den •jJuw scheu der Handwerker mehr alS bisher entgegenkommen
Deutsche» Reich-
Berlin, 28. Febr. Ter Senllrentonoent des Reichstags beschloß, daß 'du harten für bie ReichStagstribÜuen juUnjtig nid)i mehr von dem Reichstagsbureau ausgegeb:n, sondern vvm Bucrau den Fraktionen nach dem Grave ihrer starke überwirf en werden sollen. . ...
— Anträge zum schütze der Heimarbeit sind Vvn Vertret.rn cnUr b^rgeriiü,en Parteien des Reichstages angebracht iuvux». Trc Soziaibenwllaten wollen dus gleia^c durch einen fclbfunbigen Antrag ptriolgen. „
— ‘Xie drei mecklenourgtschen llogg. Reich-sgras von Bothmer, Linck und Tr. PauMiue haben im Reicks rage einen Antrag gesollt, d.r mllt.ibar bie Eunuhrnng einer parlamentari- i cb e ii Vertretung für Mecklenburg fordert.
— Tie Frist für Die Einreichung ber Wahlprotcstc geg«r öle Gültigkeit oer Reichstagswahlen Lauft in wenigen Tagen ab; bis heute sind 41 Proteste abgegangen.
— W-.e die „Cimr. Ztg." meidet, har sich im Landkreis Königsberg ein vom Flo ec-no erein, unabhängiger freier Ausfchntz
könne. _ ,
Abg. Frhr. v. Zedlitz (ft): Denn irgendwo von einem Einfluß des Zentrums habe gesprochen werden können, so sei es in der Sozialpolitik gewesen. Wenn irgendwo von einer Nebenregierung des Zentrums habe gesprochen werden können, so fei es im NeichSamt deS Innern geroeien. (Hört! hört! Unruhe int Zentrum.) Der Enolg der verkehrten Sozialpolitik seien die 3* 3 Millionen sozialdemokratischer Summen. Gegen den Terrorismus der Sozialdemokraten könne man für absehbare Zell auf eine besondere Vorlage^ nicht rednien, man müsse ihn also mit andere»' Mitteln bekämpfen, «wenn Abg. Trimborn gemeint habe, unsere Gerichte seien nidyt unparteiisch, so heitze das nichts anderes, als Trimborn sei Schrittmacher der Sozialdemokratie, (^oehr richtig I Unruhe im Zentrum.) Ter Zentrumsantrag auf Einführung von Arbeiterkontrolleuren beim Aauhandwerk sei bei den Bauhand- werkern selbst aus den größten Widerstand geito&en. Leine prak- tion werde, wenn die Linke fesihalte, im R eichst a g g e r re mit ber Linken jufam mengeben. Jedenfalls wurde feine Partei an der jetzigen Haiidels- unb Gewerbepolitck Preu- ""^Abg.^G^r's ch e I (frs. Bpt.) erklärt, bei Jhilturaufaaben werde es an per Mitwirkung seiner Freunbe auch ün Reichstage nicht fehlen. Bei der Sozialpolitik dürfe man nicht immer an bie Sozialdemokratie denken. Gegen die Sozialdemokratte Uiüuük man keine neuen Gesetze, unsere jetzigen Gesetze genügten. Tie Unterscheidung zwischen Fabrik utib Handwerk weide immer schwieriger, denn die Spezialiiicruna im Handwett schreite immer mehr vorwärts. Die Großbetriebe wehrten sich gegen den Eintritt in die Handwerkskammern, well fie da hin müjt paßten. Sie gehörten zur Handelskammer. Dem niaional» liberalen Antrag wurden seine Freunde zustimmen. Redner empfiehlt eine besiere Ausbildung der kauimanntschen Angestellt« dura» Fachchulen.
Abg. Müusterberg (frs. vgg.) bezeichnet etne Aendertorg ber Börfengesedgebung als äußerst wichtig lür Hatidel und Gewerbe, erklärt sich aber gegen den kleinen B e f a h i g ungs- Nachweis, (yür das Handwerk fordert Redner Ausbildung des Genoffenfchaflswescns und FortbildungsschLtlen. Ten Terrorismus der Sozialdemokiatie wolle auch feine Partei belampien, aber neue Gesetze wollte sie dazu nicht schassen. Tarts vertrage wie bei den Buchdruckern, feien eine sozialpolitische Tat. Der konservativ-liberalen Verständigung stand« seine Freunde kühl gegenüber unb würben daS Resultat abwarten. Seine Freuiide würden alles unterstützen, was in liberalem Geiste
gehalten sei. , , , . 3 ,
Handelsminister Delbrück erwidert, baß.ein neue- Börsen- gesetz kommen werde: das jetzige Börfengesctz habe aber sein« Zweck nicht erfüllt. Der nalionalliberale Antrag fei überflüssig, öa die Handwerkskammern Mittel vom Staat jetzt schon erhielten. Wollten die Handwerkslamme« Unterstützungen, so mögen fie ihre Anträge stellen und die Regierung werde sie prüfen. Gin Gesetz wegen der Heimarbeiter sei in Botbeteituna, ein Wohnuiigsgesetz fei fertiggestellt gewesen, werde aber noch mal- umgearbeitet. Tann liege ber Antrag Trimborn um Einführung von Tetaillistenkammern vor. Auf keinen ^all könne er diese Frage schon für spruchreif erklären^ Auch das letzige Handelskammerrecht gebe dem Detaillisten bie Möglichkeit, zuWvrte ju bekommen. Die obligatorischen FortblldungSschulen sei« von 189ti bis jetzt von 771 auf 1684 gestiegen. Er halte die Zell aber noch nicht für gekommen, fie aügemein obligatorisch einzuführen. Tie Art, wie nichtorganifie r te Ar be Her v o n organisierten gepeinigt werden, ist mll dem Begriff Der persönlichen Freihell nicht zu vereinen. Der Minister glaubt aber, eine entschlossene Handhabung der gesetzlichen Behörden werde auöreichen, um Ausschreitungen zu verhindern. Ob eine Bor- läge zum Schutze der Arbeitswilligen eingebracht werden wird, das wisse er nicht. Weiter tritt des Minister noch für Fortbildungsschulen und Meisterkurse ein. .....
Abg. Hammer (tonf.) erklärt, bei der Mittelstands Politik halte er die Hülse des Staates für nicht entbehrlich Gegen den Terrorismus der Sozialdemokraten werde in vielen Fällen der 153 der Reichsgewerbeordnung ausreichen. Seine Partei wünsche auch erneut eine andere Warenhaussteuer, wert sie glaube, damll dem Mlltelstand zu nützen. Ein Verbot für die B e a m t c n , in die äonf um oer eine einzutreten, halle er für zu well gehend.
Abg. Trimborn (Ztr.) polemisiert gegen Frhr. v. Zedlitz. Keine Partei habe die Sozialdemokratie so bekämpft, wie baS Zentrum. Tas Zentrum fei stets Schrittmacher gegen die -Loziat- Demolratic gewesen, jetzt solle es auf einmal Schrittmacher für bie Sozialbemotratie sein? Er weise diese Unterstellung als durchaus ungerecht zurück. Stets sei das Zentrum für Institutionen, bie ücn Frieden zwischen Arbeitgebern und Aroellern forderten, ein* °Ctr aTg. D cf ct (frs. Bpt.) kommt auf diehohcnFlcifch- n reife zu sprechen und bemerkt, daß bei der MittelstandS- oolitil nicht mehr so viel von ber Gesetzgebung verlangt werde wie früher Seine Freunde wollen ein Hart e 8 Handwerk, aber dazu fei die Schaffung einer Zentrale nötig.
Hierauf wird Schluß der Besprechung angenommen. Das Ministcrgehall wird bewilligt, der natwnallibetale Antrag auf Erhöhung dir Staatszuschüsse an die Handwerkskammern der Budget« tommiffion überwiesen.


