Ausgabe 
9.10.1907 Zweites Blatt
 
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Mittwoch W. Oktober

IS'F. Jahrgang

Zweites Blatt

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scheint ILgltch mit Ausnahme des Sonntag».

General-Äyzelger für Gberhesstn

Rotationsdruck und Beclag der Brü hi'schen UnwersitälS - Buch- und ©tttn&tudetfi.

R. Lang«, Gretzen.

». Sitzung Großherzoglicher Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.

Protokoll-Auszug.

Gießen, den 24. September 1907.

Anwesend die Herren: Kommerzienrat Koch, als Vorsitzender, Kommerzienrat Heichelheim, Friedberger, Grünewald, Hoos, ^hrürg, Klingfpor, Münker, Nowack, Ramspeck, Rinn, Röhr, Rühl, Stammler, Wallach und der Syndikus Dr. Zeidler.

1. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes mitzuteilen: a) In Emänzuug der Denkschrift der Handelskammer über die Schiffbarmachung der Lahn von der M u n du n g bis Gießen im Jahre 1905 ist dem Großh. Ministerium der Finanzen neues statistisches Ma­terial übermittelt worden.

TLirehe rrnö Sd?uU<

Stuttgart, 8. Okt. Der Evang. Kirche n-^Ge- sngvereiu für Deuts chlan d, der in diesem Jahr as JubilLum seiues 25 jährigen Bestehens feiert, trat am mtb L Oktober in Stuttgart zmn 20. Deutschen Kirchen- esangvereinstag zusarrmren. ddach dem, in der heute vor- rMag inr großen Saale der Liederhalle stattgefundcn ,chuntz des Zentralausschusses von dem Vorsitzenden, Prä- at D. Flöring- Darmstadt, vorgetragenen Jahresbericht ählt der Verein jetzt in 21 Landes- und ProvinZial-Ver- Luen 2020 Ortsrirchenchöre (darunter 532 Schülerchöre) ud mrrfaßt etwa 70000 Sänger und Sängerinnen. Zu-, euommen haben die Landesvereine im Königreich Sachsen, gürttcuiberg, Baden, Westfalen, Brandenburg, Essen und iheinland. Die Jahresrechnung des ^Vereins schließt in nnnahnre mit 2146 Mk., in Ausgabe rnit 1811 Mk. ab; der >erinögensstand beträgt 3864 Mk. Die Neuwahl des Vor- .oS ergab die einstimmige Wiederwahl der seitherigen Mitglieder Prälat D. Flöring-Darmstadt, Super- .rtendent D. Mlle-chamm, Professor D. Smend-Straßburg. cach Erledigung einer Reihe interner Vereinsangelegen- »eiten wurde zur Wahl des Ortes für den nächstjährigen Ng geschritten, für den Einladungen nach Essen, Hannover uib Berlin Vorlagen, gewählt wurde Berlin. An den Kaiser und den König von Württemberg gelangten Hul- >igungstelegramme zur Absendung.

Die ^Äietzenrr Famillenblätter" werden dem Anzeiger' viermal «vöchentlich beigelegt, das *Kr6UMatt für Mn Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der..hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Redaktion, Expedition und Druckerei; Schul- straße 7. Expedition und Verlag i fc® 51* Redaktion: 112. Tel.-Adr » AnKeigerBttßen,

b) Dem Großh. Ministerium dcs Innern ist ein Be­schwerdefall aus dem Handelskammerbezirk über die Handhabung undAuslegungiderimdeutsch- fchweizerischen Zusatzvertrag vom 12. Nov. 1904 fest gelegten Vertragszölle bei der Ein- fuhr deutscher Weine iu die Schweiz beginnt gegeben worden.

c) Von mehreren Kaufmannsgerichtcn ist beim Bundesrat eine Beseitigung bezw. eine Einschränkung der Vorschriften des. Handelsgesetzbuches über die Konkurrenzklausel in Anregung gebracht worden. In letzterer Beziehung lvird vorgeschlagen: Die Konkur- renzklausel für unwirksam zu erklären, wenn der Gehilfe bei der Beendigung des Dienstverhältnisses nicht mehr als 3000 Mk. bezieht; den Zeitraum, für den eine Konkurrenz- kl-ausel vereinbart werden kann, auf ein Jahr abzukürzen; eine Vertragsstrafe nur bis zur Hälfte des Jahresein­kommens zuzulassen; dem Prinzipal Ansprüche aus der Konkurrenzklausel nur einzuräumen, wmn er nachweisen kann, daß ihm durch die Verletzung des Konkurrenz- Verbotes ein Schaden entstanden ist; die Konkurrenz- klrusel bei Lehrlingen gänzlich auszuschließen. Tie Handelskammer hat sich in ihrem Bericht an das Großh. Ministerium des Innern unter eingehender Beantwortung der gestellten Fragen für Beibehaltung der Zulässigkeit des Konkurrenzverbots von 2- bis 3 jähriger Tauer bei Hand­lungsgehilfen und Lehrlingen, gegen die Festsetzung einer Gehaltsgrenze, sowie gegen jede Begrenzung der Ver­tragsstrafe ausgesprochen.

d) Eine Eingabe der Großh. Handelskammer Tarmstadt, in welcher das Großh. Ministerium gebeten wird, beim Bundesrat dahin zu wirken, daß dieser in Gemäßheit von § 44, Abs. 3 der Reichsgelocrbeordnung den T e - tailrei senden im Möbel handel das Recht zum Aufsuchen von Privatpersonen auf Grundder gesetz­lichen Legitimationskarte einräumt, wurde be­fürwortet.

e) Die Handelskammer hat sich in einem Bericht an das Großh. Ministerium der Finanzen gegen den dem Landes- Eisenbahnrat zur Beschlußfassung vorliegenden Antrag auf Frachtermäßigung für Eisenerze aus Frankreich, welcher mit der Unmöglichkeit eines stärkeren Bezuges schwedischer Erze, mit dem geringen Eisengehalt der lothringischen gegenüber der eisen­reichhaltigeren französischen Minette, sowie damit be­gründet wird, daß Erze aus Lothringen und Luxemburg nicht inehr in genügender Menge erhältlich seien, mit aller Entschiedenheit ausgesprochen, weil eine solche Er­mäßigung für den oberhessischen Eisensteinbergbau^ von den schwersten Nachteilen sein, ja sogar dessen Existenz- fähigkeit zum Teil in Frage stellen würde.

f) Einer Anregung der Großh. Handelskammer Worms ent­sprechend ist der Hessische Handelskammertag bei der Großh. Regierung um Erhöhung des staatlichen Zuschusses zu den kaufmännischen Fort­bildungsschulen von 12 000 auf 25 000 Mk. vor­stellig geworden und hat dieses , Ersuchen mit den stetig wachsenden Anforderungen an die Schulen begründet.

g) Eine Eingabe der Handelskammer Hanau an den Reichstag betr. den Gesetzentwurf über die Herstellung von Zigarren in der Hausindustrie wurde unter­stützt. Tie darin vorgebrachten Wünsche betrafen in der Hauptsache: Hinzuziehung von fremden Personen in Krankheitsfällen eines Familiengliedes, Herabsetzung der vorgeschriebenen Höhe des Arbeitsraupies von 21/2 auf 2 m, Anfertigung von Zigarren in Schlafräumen.

h) Ter Unterausschuß der ständigen Tariskommisswn zur Vorberatung des Antrages auf Aenderung der Po­sitionKleie" des S p e z i a l t a r i f s HI hat be­schlossen, der ständigen Tarifkommission zu empfehlen, diese Position bezüglich der Abfallprodukte aus der Permahlung von Weizen und Roggen, wie folgt, zu fassen:

Kleie, folgende: Weizen- und Roggenkleie, Abfall­produkte aus der Mühlenfabrikation des "Weizens und Roggens, überwiegend aus Schalen und Hülsenteilen be­stehend, wenn sie in der Trockensubstanz einen Reinasche­gehalt von wenigstens 4,1 °/o haben."

In einer des näheren begründeten Eingabe hat die Handelskammer bei der mit der Berichterstattung beauf­tragten Kgl. Eisenbahndirektion Kattowitz entschiedenen.

Vom veutjch-amerikanLscheu Natiorralbrmd.

Do ston, 8. Okt. Mehrere Delegierte des deutsche meritanischen Nationalbundes, die als Gäste

Zeitungsbesitzers Hearst einen Ausflug hierher unter- omuren haben, besuchten das germanische Museum der ivard-älniversität. Der Präsident des Bundes, Hexamer, tz-ckte folgende Depesche a n den deutschen Kaiser: Der deutsch-iamerikanifche Nationalbund, der heute im omanischen Museum versammelt ist, sendet seinen ehr- -pletigsten Gruß mit der Hoffnung auf dauernde freund-, Östliche Beziehungen zwischen dem alten und dem neuen arerlande." D^r Aufenthalt der Delegierten im Museum ? stattete sich §11 einer stimmungsvollen Feier. Der Kurator eS Museums, Francke, begrüßte die Delegierten. Der Präsi- ent der Havard-Universität, Elliot, betonte Amerikas große mnkcsschuld an Deutschland wegen der Förderung des- tufeums und wegen des Professorenaustausches und feierte a.s deutsche Geistesleben. Der Austausch-Professor Cle- lens nricv auf die Bedeutung des Museums hin. Hexamer ab bekannt, daß der Bund Fonds zur Erlveiteruug des 'tuseums und zur Pflege deutscher Kultur aufbringen -erde. Nachmittags wurden die Delegierten von dem wuverneur von Massachusetts empfangen. Ein ähnlich intendeS Telegramm wie an den deutschen Kaiser wurde n den Präsidenten Ro 0 sevelt abgesandt.

Menschen" u. a., namentlich aber vornBiberpelz" sagte, klang äußerst matt. Hier wurde der Vortragende dem Dichter keineswegs gerecht. Ist doch diese prächtige Komödie, deren aus dem Innersten des Stoffes herausleuchtenden Humor Tr. P. nicht erfaßt zu haben scheint, weit eher zu den unvergänglichen Tichtnngen Hauptmanns zu rechnen alsDie versunkene Glocke", die Dr. P. doch wohl, wie so viele, außerordentlich überschätzt. Diese ganze Dichtung ist durchwebt von Anklängen, sogar das schöne Märchen vom Tränenkrüglein wurde benutzt und seiner schlichten Poesie ent­kleidet zum theatralischen Effektstück. Hauptmann verstand es m. E. nicht, den alten Sagenftoffen ihre, stolze Keuschhert und Unberührtheit zu lassen, sie gehen ans seinen Händen hervor wie betastete Schmetterlinge und berochene Blumen. Das Ver­ständnis für die reine Ursprünglichkeit der deutschen, Volksieele gcht ihm zuweilen in trauriger Weise ab, ebenso wie die Er­kenntnis, daß Schlichtheit, keinen Aufputz, braucht, und daß es eine künstlerische Sünde ist, edle und große Linien mit Heinern Aufputz zu zerstören. Mit Recht aber pries Tr. P.Die Weber . Gewiß, hier ist Hauptmann durchaus em Eigener, der das Er­lebte und Gescheute als wahrer Dichter und Gemus gestaltet. Dieses Werk wird ohne Zweifel einmal den Namen Gerhart Haupt­manns unvergänglich machen, obwohl es auch nur einLebens­ausschnitt" ist. Und ferner überschätzt Tr. P. wohl auw.van-- neles Himmelfahrt". Diese Dichtung hat allerdings viel im tiefsten Rührendes und erschütterird WahrhastigE, aber es stectt doch auch Unnatur und falsche Färbung darin. Der virnmelsahrt der armen 5tzanncle hastet etwas Gesuchtes, Gezwungene^ an, trotz manches hohen poetischen Aufschwungs. Dr. P,. fchloß linnen höchst anregenden Vortrag, der ihm lebhasten Beifall embrachte, mit den beziehungsreichen Worten Goethes:

Was glänzt, ist für den Augenblick geboren. Das Echte bleibt der Nachwelt unverloren.

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Zur Gießener GYmnasialjubelfeier wird am Freitag in der neuen Universitätsaula die Sophokteiscye A n t i g 0 ne " durch Gymnasiasten zur Ausführung gebracht werden mit der Mendelssohnschen Acufik. Im Hinblick darauf sei daran erinnert, daß auf Ludwig Tiecks Anregung und unter seiner Regie am 28. Otrober 1841 im Neuen Palais zu Potsdam vor dem Hofe dieAntigone" des Sophokles in der Uebersetzung von Donner, unter allge­meinem Beifall gegeben lvurde. Daran schlossen sich^dann öffentliche Aufführungen im Berliner Königlichen Schau­spielhause mit der 5)iuj .K von Mendelssohn. Nach dem

führuug gedrängt voll.Am auffallendsten _war cs mir, schreibt Tieck,daß das ganze nun schon jo aite Kunst­werk verständlich und uns durch die Darstellung -,o_ nahe gebracht wurde. Die Kluft, die wir von Jugend auf zwi-^ scheu diesen alten Werken und den neueren armeymen^ erschien mir jetzt als ein Vorurteil. Die echte Poesie ist zu allen Zeiten verständlich und erschüttert und befriedigt j)as edlere Gemüt. Man konnte in dieser Darstellung da^ ganze Werk für ein gelungenes der neueren Zett halten/ In neuerer Zeit ist dieAntigone" em sehr beliebter melplatz versifizierender Dramatiker geworden. So , hak schon Oswald Marbach in den dreißiger Zähren des vorigen JalrrhundertS eineAntigone" versaßt und bald in reicijem Matze Nachfolge gefunden. Die neueste feine^S^rbertung der wundervolleii antiken Dia)tung schuf der Schwabe Karl Gustav Vollmöller, der begabte Dichter mehrerer stilvoller Dramen wieAssus, Fitne und Sumurud ' und ,,a>er oeutschr Graf". ^Eine der trefflichsten Verdeut.chungen sämtlicher Tragödien des Sophokles stammt von Wilhelm Jordan her.

Besteigung des Pik von Trisul durch Long- staif Ten nach dec trigoiwm. Messung der indischen Landes­aufnahme 7140 Meter hohen Pik von Trisul im Garhwal-Vima- lava im Südivesten des Nanda Devi, hat äxc. -r. L 0 ngstaff erstiegen. Sein Standguartier hatte er in 3d3ü Meter Hohe er­richtet. Nach einigen Tagen mühseligen Kletterns wurde in ollü Meter Höhe ein neues Lager errichtet. Am 12. ^>uni brach Longstaff mit seinen zwei italienischen Bergsührern und einem eingeborenen Offizier der 5. Gurkhaschützen namens Kabir Bura- thoki zum Gipfel auf. Um Mittag wurde eine vohe von (uuO Meter erreickst, wobei es fteil, doch über geringen Schnee leicht aufwärts ging. Vier Stunden später langte man auf dem Gipset an, wo ein sehr kalter Wind l)errschte. Ter Abstieg wurde am selben Abend ausgefi'chrt, und am 13. Juni langte die Gesellschaft wieder in ihrem Standlager an.

Ein ästhetisches Bekenntnis Ernst v. W i l d en b r u ch s, das in epigrammatischer Form viel zusammemaßt, findet sich in einer Gelegeicheitsschrist von H. Kädelburg u. a. Die BekennUüsverse Wildenbruchs lauten:

Traube ist noch nicht der Wein

Traube will gekeltert sein.

Wald und Flur ist Bild noch nicht Wirklichkeit noch nicht Gedicht. Geist ist das, was Leben leiht Kunst ist Geist der Wirklichkeit.-

Einspruch gegen die beantragte Fassung erhoben, west sie eine außerordentliche Erschwerung und Unsicherheit des Handels mit Kleie herbeiMren würde. In ihrer am 10. und 11. September stattgehabten Sitzung hat denn auch die stündige Tarifkommission von der Fest­setzung eines bestimmten Aschengehaltes für ine nach Spe- Aialtarif III zu verfrachtenden Kleien Abstand genommen. Kleie soll hiernach dem Sp^ialtarif III angehüren, wenn sie überwiegend aus Schalen oder Hülsenteilen besteht oder im Zollverfahren denaturiert ist.

i) Ein Antrag betr. Aufnahme von Maiskleie in

' den Spezialtarif III wurde bei der Großh. Ge­neral-Eisenbahndirektion Schwerin befürwortet.

k) Es ist im Hinblick aus die Preis- und Verlvendungs- verhältnisse von Holzmehl und Holzsägemehl^ beantragt worden, das reine Holzmehl der gleichen Tari,- klasse wie Holzsägemehl z uz u weise n, nämlul) dem Spezialtarif III b e z w. dem R 0 h st 0 f f t a ri l. Die Handelskammer konnte ein VerkehrsbedürMs für Detarisierung von Holzmehl nicht anerkennen.

I) Tie von den deutsck)en Eisenbachwerwaltungen zur He­bung des deutschen Schisfahrtverkehrs beabsichtigte Schaf­fung eines direkten Tarif es nach den Häfen des Persischen Golfes über,Hamburg gab der Handelskammer Veranlassung, bei derKgl. '^ven- bahndirekrion Frankfurt a. Di. im Jntereste der Ma- schineninduftrie und der Fabrikation geiundlMstechnpcher Anlagen des Bezirks die Einbeziehung der Station Greven in diesen direkten Tarif zu befürworten

m) Zum Winterfahrplan-Ent würfe smd der Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. eunge Wünsche vorgetragen worden, welche die Bahnstrecien Hungen-Lanbach-Mücke, Grünberg-Lollar und Gemunden- Elm betrafen; der Winterfahrplan-Entwurf' der B i e b e r t a l b a h n gab zu Bemerkungen keinen

D) Te^von dem Vertreter der Handelskammer bei dem Bezirkseisenbahnrat eingebrachte Antrag auf A u f n a h m e von Stühlen aus gebogenem Holz in den Spezialtarif für bestimmte Stückgüter ist dem ständigen Ausschuß des Bezirks ei'enbahnrats zur Vor­beratung überlviesen worden, welcher im Lause he» Mo­nats Oktober zusammentreten wird.

c) Die Kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. teilte aus eine entsprechende Eingabe der Handelskammer mit, daß, die Herstellung vonB a husteigüberdach ungen aut Bahnhof Lauterbach-Alt in Aussicht geiwrnmen sei; dem Anträge auf Herstellung eines eise rar en Ab­schlusses mit dem Bahnsteig des Bahn hol es Lauterbach-Alt wurde nicht stattgegeben, da die Wartesäle genügend erweitert worden seien und aus­reichend Aufenthaltsraum für das Pubukum boten.

p) Trotz wiederholter Vorstellung hat die Kgl. Epenbcnpi- direktion Frankfurt den im Interesse der oberyeffvchen Holzindustrie gestellten Antrag auf Freigabe der sogenannten Oe-Wagen zur Beförderung von Brennholz, Sägemehl und Pslaster- holz nach allen Stationen des deuticyen Reiches ao- gelehnt, da diese Wagen bestimmungsgemäß nur für Sendungen nach dem Ruhrgebiet zugela^sen werden, -oie Angelegenheit soll weiter verfvlgt werden. .

a) Dem Großh. Amtsgericht in. Gießen und dem Großh. Amtsgericht in Bad-Nauheim sind in einer Landeis­registerangelegenheit bezw. in einem Rechtsstreite Gut­achten erstattet worden.

2. Handelskammern und Arb eitskammern.

In einer Tenkschrist der Handelskammer ^üveldors wird ausgeführt, daß nach loiederholten Aeußerungen des Staatv- sekretärs des Innern im Reichstage die Reichsregierung ein Ge­setz über die Errichtung von Arbeitskümmern vorlegen werde und nach der Stellung der Parteien zu erwarten sei, daß diest Kanimern in irgend einer Form in den nächsten Zähren ge­schaffen werden. Damit sei der Augenblick gekommen,^ wo stch die Handelskammern klar darüber werden mupen, datz lie an dieser Angelegenheit ein ganz erheblick)es untere,}e haben, piiast etwa ein Interesse als Gegner

der Unternehmer aus, sondern weil sich die Arbeitsgemete oe^ Handelskammern und der Arbeitskammern )o vielfach, ub- schneiden und berühren, daß man sich fragen muß, ob die Ein­richtung und Kompetenz der Arbeitskammern nicht 5^ cmir

Ule?nes (fetsillctost.

-oGerhart Hauptmanns Dichtungen, eine 1 r i t i j d) e Würdigung", so nannte sich das Thema, über das tm Dienstag nn Hotel Einhorn vor einem Teile der Mitglieder )es Kaufmännischen Vereins und des O r t s g e w e r b c - Vereins zu Gießen Dr. Vietor P 0 h l m e y e r aus Berlin sprach. Diekritisd;e Würdigung" blieb ja freilich zumeist aus. Dr. P. bo chräiikte sieh vielmehr int weseMlichen auf eine, allerdings recht anschanliche und lebendige, formell gewandte und reizvolle Inhalts- angabe der mteressantesten dramatischen Tichtungen Hauptmanns. DaS Persönliche streifte er nur kurz und verwies dabei auf Dr. Paul Scl)leuchers schöne Hauptmaim-Dtonographie (S. Fischers Verlag m Berlin), deren Lektüre auch wir warm empfehlen können. Das dichterische Schaffen Hauptmanns verfolgte er dann vom Promethidenloos" (1885) bis zu seinen letzten WerkenUnd Pippa tanzt" undDie Jungsern vom Lischofsberg"; von diesen beiden wußte er freilich schlechterdings ebenso ivenig zn sagen wie alle übrigen Hauplmarm-Kenner. Mit besonderer tLiebe verweilte er bei den Milteudramen, vergaß dabei aber die packendeRosa Bernd". Auch die beiden novellistischen Versuche Hauptmanns überging er, denApostel" und denBahnwärter Thiel". Haupt­mann isi,wieDr.P. richtig ausführte, das Prototyp der modernen deut­schen Litteratur; kämpfen doch die Künstler unserer Tage, und ihnen voran Hauptwaun, einen Titanenkampf mit der ungeheuren Kompliziertheit des .Lebens unserer Zeit, doch toenn sie sich konzentrieren wollen, steht alles in ihnen und alles gegen sie auf, und m dieser Ueberanstrenguug geht ein gewaltiges Stück Lebenskraft verloren. Hauptmann wäre auf den Parnaß berufen gewesen, wenn er seine Innerlichkeit riicht preisgegebeu hätte an srenide und ferne Elemente. In seiner ersten, einer krassen naturalistisci^en Schuapps-Komödie, die den symbolistischen Namen ^Vor Donnenanfgang" trug, stand er im Banne von Arno Holz ruib JohS. Schlaf. Auch dasFriedensfest" mit seiner entsetzlichen seelischen Verkommenheit gehört dieser Richtung an. Was Dr. P. über diese und die meisten anderen Dramen sagte, ist durchaus zu­treffend. Mrt Unrecht aber rügte er als eineVerfehlung gegen das oberste dramaturgische Gesetz", daß Hauptmann eine Reihe Abschluß loser Lebensausschnitte für die Bühne gestaltete. Dr. P. will also ixe dramatische Kunst, wie die Stirn ft überhaupt, ein- gezwängt wissen in bestimmte Grenzen, während sie doch heute ani nahem allen Gebieten, namentlich m Atalerei und Dtusik, mit deni Rechte des Unbezwingbaren die von reglementierenden Aesthetikern, die ihre Weisheit aus dem ihnen bis zur Aufstellung ihrer grauen Theorien Vorhandenen resultierten, gezogenen Greiizen kühn und stark durchbricht und die Theorelne von ihrenZielen und Zwecken" langst zerbrochen hat. Gerade dieseLebensausschnitte" bedeuten Haupt­mann« künstlerische Höhe. Was bariim Dr. M von den »Einsamen