7. Oktober 1907
Montag
Erstes Blatt
7. LnalW; ^-Hebr lür den <• ^„zeigenteür H. Beck.
Aie Heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.
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0 redseligen und tatenlosen Diplomaten, an unjere H-rak- ionspolitit'er und tausend anderes rnehr.^
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L57. Jahrgang
Vezu gSpret-r monatlich 75P^oier1el- jährlich Mk. 2L0; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post M. 2.—viertel- jährt. ausjchl. Bestellg. ZeÜenpretü: lokal IKPs^ auswärts 20 Pfennig.
Verantwortlich tfir den politischen Teil: C. Anderson; f. Feuilleton und .Vermischtes" P. Wittko; für .Stadt u. Land- und „Äe. ichls-
pelitifd^c Lagcshchnrr.
Der polnische Straschverein.
Der „Deutschen Journalpost" wird aus Posen vom 4. Okt. gcmelbet: Ter unter der Leitung des bekannten Herrenhans- mitaliedes v. KoSBetski stehende polnische Straschverein beginnt nunmehr seine Agitationstätigkeit auch nach rein deutschen Gegenden zu verlegen, wo die Zahl der Polen nur einige Hunderte oder wenige Tausende beträgt. In den nächsten Tagen sollen allgemeine polnische Volksversammlungen, die vom Straschverein einberufen worden sind, in Breslau, Berlin, Essen, Bochum und Köln abgehalten werden. Die nächste Versammlung findet am kommenden Sonntag in Breslau statt, wo der Vorsitzende des Straschvereins, Herr v. Koscielski, und der Generalsekretär von Jaworski zu den Breslauer Polen sprechen werden. In der Verscnnmlung soll die polnische Organisation in Schlesien einer Prüfung unterzogen werden. Außerdem will man zu der in ÄussiäK stehenden preußischen Enteignungsvorlage Stellung nehmen. Auch über die allgemeine Lage des Polentums in Deutschland wird debattiert werden. Mehrere polnische Abgeordnete haben ihre Beteiligung an der Versammlung zugesagt. . Tie nächste^ Straschversammlung wird dann am 20. Okt. in Berlin stattfinden. Als Hauptredner wird dort der polnische Abgeordnete Tr. v. Dz-iembowsli auftreten.
politische Wochenschau.
G i e h e u, 7. Oktober.
— Meldungen aus Mülheim a. d. Ruhr zufolge machte:: der Ingenieur Weiden: ann und der Rentier Kammann eine in maritimen Kreisen Aufseh-en erregende Erfindung, nämlich ein Fernschaltsystem, auf Gruno denen eine neuö Seekriegswafse projektiert ist. Mit einem Aiotorboole von 8 Meter Länge wurden bereits erfolgreiche Versuche gemacht. Diese Erfindung soll die Torpedoboote ganz entbehrlich machen.
— Eine jugendliche S ch a u s pi e l er ge s el l s ch a ft. Aus London wird uns berichtet: In der englische:: Hauptstadt ist eine neue Theatergenoffenschaft entstanden, die „Junior Stage Society". Ihr Ziel ist, jugendlichen Schauspielertalenten Gelegenheit zur Entfaltung und Schulung ihrer Fähigkeiten zu geoen; demgemäß ist die Altersgrenze auch aus höchstens 19 ^ohre sest- geseyt worden. Die Gründerin dieses neuen Unteriieyniens, Mil; Elizabeth James, zählt 16 Jahre, unb unter der ^char ihrer Genossen befindet sich keiner, der mehr als 17 Lenze erlebt hat. Mr. I. M. Barrie und die Schauspielerin Constance Collier haben das Patronat über diese Vereinigung jugendlicher Kunst-- freudiger übenwmmen, und am nächten Montag wird weil} James mit ihren Freunden in einer Vorstellung :m Tukeof Porks-Thcater zeigen, wieweit Arbeitsfreude und Talent sich hier
werden müsse, um der sich immer breiter machenden materialistischen Weltanschauung unserer Tage aufklärend zu begegnen. Volksbibliotheken müßten angelegt und jedem Gemeindegliede zugängig gemacht werden. Eine eminent soziale Arbeit sei ferner die Krankenpflege aus dem Lande in Gemeinschaft mit der Gemeindeschwester, sowie der Kampf gegen den Alkoholismus. Bei all seinen sozialen Handlungen sollte der Landpfarrer schlicht und einsach auftreten und sich stets vor Augen halten, daß er für jedes Gememde- glied, ob arm, ob reich, eingesetzt sei.
— In der vorletzten Nummer der Leipziger „Jllustr. Zeitung" (Verlag von I. I. Weber, Leipzig) fände:: wir eine Abbildung unseres neuen Gießener Stadttheaters nut einem Begleitwort von Prof. Tr. Fromme. Die neuere Nummer dieses Blattes bringt einen Artikel über das Dresdener Hoftheater in seinen bedeutendsten unb populärsten Vertreterinnen, zu deren Porträts der Dresdener Kritiker Dr. Friedr. Kummer den Text geschrieben hat. W. Gause führt in einem Zyklus Wiener Bilder" das Leben und Treiben in den Kafieehaustru vor. Ein Beitrag „Schmucttäfer" von Professor Augustin, Hamburg, der eine ganze Anzahl von bislang noch nicht publizierten Jnsekte:llüldern aufiveist, ist mehr wissenschaftlicher Natur. Tr Tagesgeschichte kom:nt mit drei Zeichnungen von der ^ustl Mainau ivährend der Sterbetage des nun verewigten badischen Grostherzogs Friedrich zu Worte, die die Eigenart Maler Limmers erkennen lassen, der außerdem noch mit einem Bilde von Zeppelins ge- limgenen B-llonausstics über ben »obenfto bteätnal oertreto ift Photographische Aufnahmen der Motorregatta aus dem Jujcui rc. vervollständigen den illustrativen Inhalt der Nummer.
— Unter dem Vorsitz des preuß. Staatsrnrnisters a. D. Dr. v. Studt hat sich ein Komitee gebildet, das einen Aufruf für die Begründung einer „R o b e r t K o ch - S t i f- tung zur Bekämpfung der Tuberkulose" erläßt. Die Stiftung stellt sich die Ausgabe, wissenschaftliche Arbeiten und damit auch praktische Bestrebungen zur Bekämpfung der Tuberkulose aus ihren Mitteln zu unterstützen. Eine reichliche Beisteuer zur Stiftung von jedermann aus dem Volke ist zu wünschen. Dem Komitee gehören u. a. Graf von Posadowsky-Wehner, Ministerialdirektor Althofs, der Leibarzt des Kaisers Generaloberarzt Dr. Jlberg, die Minister des Innern aus Sachsen, Württernberg, Baden, Hessen usw. an. Beiträge werden an das Bankhaus
Parteien die größeren Kosten einer förmlichen Klage erspart werden, die Erweiterung des Kreises der Feriensachen.
Diese vorgeschlagenen Verbesserungen sind freudig zu begrüßen, denn sie zeigen, daß man sich, wenn auch langsam, bemüht, den Bedürfnissen der Zeit Rechnung zu tragen.
In Wiesbaden tagte am Schluß der Woche der nationallib. Parteitag. Ebenso wie aus den Parteitagen der anderen Parteien sind natürlich auch hier zahlreiche Resolutionen angenommen worden, denen man vom nationalen und auch liberalen Standpunkte aus unbedingt zustimnwn kann. Interessanter als diese Resolutionen ist aber eine Erklärung, die der Wg. Bassermann abgab. Er sagte wörtlich: „Rach dem, was ich weiß, wird das Vereins- und Versammlungsrecht ein völlig liberales sein und vor allein unseren Frauen völlige Gleichstellung mit dem Manne bringen." Abg. Bassermann :nuß es ja wissen, denn allem Anscheine nach hat er bei seinem Besuche in Norderney mit dem Reichskanzler dieses Thema besprochen. Wenn sich die Angaben des nationalliberalen Führers bewahrheiten, und daran ist wohl kaum zu zweifeln, dann werden unsere Linksliberalen ein wertvolles Zugeständnis erhalten und man sieht, wie ernst es dem Reichskanzler mit seiner Blockpolitik ist.
In der Auslandspolitik hat die abgelaufene Woche wenig bemerkenswertes gebracht. In Marokko ist die Lage unverändert, in Mazedonien dauern die Unruhen auch nach den letzten beruhigenoen Abmachungen zwischen dem russischen Minister Iswolski und dem österreichisch-ungarischen Minister v. Aerenlhal {ort. Auch oie innere Lage Rußlands hat feine neuen Ueberraschnngen gezeitigt. Die Dumawahlen haben zwar begonnen, aber über ihren mutmaßlichen Ausgang läßt sich noch nichts sagen. Neue Schwierigkeiten waren nur in oen Ansg.eichsoerhandlungen zw.scheu Oesterreick)-Ungarn zutage getreten, uno die Verständigung über die Bank- und Quotenfrage wurde dort als sehr groß bezeichnet, so daß scho:: das schlinunste zu befürchten war. Erst am Samstag nachmittag ist es endlich gelungen, sich über die hauptsächlichsten Disserenzpuncte des Ausgleiches grundsätzlich zu einigen. Zu allem übrigen sind die Eisenbahnbeamten in Oesterreich und neuerdings auch in Ungarn in die Resistenz eingetreten unb haben damit säst den gesamten Bahnvertehr der Donaumonarchie lahmgelegt.
ergangen. i „ e K U n st ch r o n i k. AuS Kassel wird geschrieben- .Das Lied vom Melh", Fedor v. Zabeltitz neuestes Buhnenwerk, wird das Kasseler Hoitheater in der neuen Spielzett zur Ur- ansführung bringen. Au Neuheiten im Schauspiel sind ferner u. a. angekündigt: „Die schieimäulige Almuth" von Friedr. Barteln, die Tragödie „Meroe" von Will), v. Scholz, „Brauliahrtst romantisches Spiel von Klara v. Förster und Rudolf Herzogs bisher noch nicht arügekührtes neues Schauspiel „Auf Nissenskoog". — Am 8. Dezember dss. Js. wird Björnsljerne Björnfon das Fest seines 75. Geburtstages begehen. — John Lev manns Satire „Das Ungeheuer", deren Ausführung in Berlin voll der Zensur verboten wurde, ist den vereinigten Leipziger Schauspielhäusern zur Ausführung freigegeben worden. — Tie von Johannes Proelß beforste Ausgabe der Gefammelten Werke I. B. v. Scheffels ist mit dem Erscheinen des 6. Bandes vollständig geworden. Der letzte Band enthält Frau Aventiure und Gaudeamus (Stuttgart, Adolf Bonz u. Conip.) — Der Oberbürgermeister uüii Elberfeld verbot die Aufführullg von Lessings „91 a 11) a it der Weis e" diwch den sozialdemokr. Arbeiterbildnngsverein, der das Stück am 13. d. Mts. un Stadttbeater zur Aufführung bringen lasjeu wollte^
Ter Straschverein ist in Berlin seit längerer Zeit organisiert und! zählt fast alle hier ansässigen Polen zu Mitgliedern.
Oie deutsche Geldlage.
Köln, 5. Okt. In einer Besprechung der Behauptung verschiedener Blätter, darunter des „Echo de Paris", daß Deutschland die Kosten eines Krieges nicht zu tragen im stände sei und daher auch nicht daran denken diirfe, einen Krieg mit Aussicht auf Erfolg zu eröffnen, verweist die „Kölnische Zeitung" auf das Jahr 1870, wo wir in der Tat noch ein armes Land gewesen, aber den Krieg mit rücksichtsloser Tatkraft geführt hätten. Was wir damals konnten, schreibt das Blatt, können wir heute noch in erhöhtem Grade; wenn wir schon in der Lage sind, für unsere wirtschaftlichen Zwecke aus eigener Kraft die nötigen Gelder aufznbringen, so sind wir im Kriegsfälle ebenso wenig auf das Ausland angewiesen. Die Sorge um diese Geldbeschaffung könnte man uns ruhig selbst überlassen. Wir können nichts dagegen haben, tvenn französische Blätter ihren Landsleuten abraten, Gelder in deutschen Werten anzulegen; das mögen sie halten, wie sie wollen. Wir können solchen Ratschlägen gegenüber sehr kühl bleiben. Richt hur zwecklos aber, sondern aus allgemeinen Rücksichten nicht unbedenklich erscheint es, wenn man die deutsche Geldlage als so elend hinstelll, daß, dadurch die Zwecke der Landesverteidigung vereitelt werden könnten.
Aufgaben des Landpfarrers.
Von der Leipziger Tagung der sächsischen evangelisch- sozialen Vereinigung scheint uns ein Vortrag des Pfarrers K ö b s ch k e - Pfaffroda über: „Soziale Ausgaben des Land- dl Pfarrers" von Bedeutung. Der Begriff „sozial", so führte K. 51 aus gipfelt in dem Bestreben aus gleichender Gerechttg- - feit gegen alle Glieder einer Gemeinde, wes Standes sie l immer seien. Schon an den Kindern muß die fosialc I Arbeit des Landpfarrers einsetzen, will sie gute Fruchte tragen. Der kranke Volkskörper muß an seiner Wurzel der ng Gesundung entgegengefüljrt werden. In dieser Richtung j b'eibt auf dem Lande noch mehr zu tun übrig lute in dcr j Stadt. Als nächstliegende Mittel zu sozialer Betätigung auf dem Lande empfahl der Vortragende neben vielen anderen die Kleinkinderpflege, die Gründung von Wöchnerinnen- vereinen, die ftörberung der Wohnungspflege durch den Ortspfarrer. Ganz besonders ist die Schule die gegebene Pfleaskülle sozialen Wirkens in evangelischem Sinne, wobei die tätige Mithilfe des Lehrers sich von selbst versteht. Geeignete Aussicht über die Beachtung der Kinberschutzgesetze, wie über die Heimarbeit in der Gemeinde, Pflege des Ju- aendgottesdienstes in sozialem Sinne mögen als weitere beachtenswerte Jüngerzeige für den sozialen Landpfarrer angeführt werden. Schwieriger für diesen gestaltet fich me Einwirkung auf die Jugend n a ch ber Konfirmation, wenn es gilt, den hcranwachsenden Jünglingen und Jungfrauen ein Berater fürs spätere Leben zu sein. Nach dieser Rick)- tung empfahl der Redner das Wirken im Rahmen von ^ünalings- ober Jun g fr auenv er einen, die Einrichtung von Fortbildungsschulen, von Näh- oder Kochvereinen usw. Fern- Aubalten von der sozialen Jugendfürsorge ist jede Politik, daS Klub leb en in jeglicher Gestalt und das reine Vergnügen. Taaeaen sollen edle Freube, geistige, sittliche und religiöse Anregung, Erziehung zu christlichen Eharakteren, Z^u.nd- schäft untereinander und gegenseitiges Vertrauen, WW ^iSaivlin und die hohen v ater l anbisch en unb christllc^-n Ideale gehegt und gepflegt lverden. 5sierzu ist aber d:e Hilse des Staates ^ute nötiger denn je mc denn überhaupt die Jugendpflege staatlicher Regelung bedarf. Im Zweiten I Teile seines Vortrages behandelte Pfarrer Kotzschke die J allgemeinen fragen der Volksbildung aus dem Lande, em Gebiet, auf dem die Mitarbeit ber Landpfarrer vorausgesetzt
In der Rechtspflege steht nun allerdings für die nächste 3eit eine Aenoerung bevor. Im Reichsanzeiger wird jetzt »er Etitwur, einer Novelle zum. Zivilprozeß veröffentlicht, »er Aenderungen des GerichtSverfafsungsgesetzes, Art. 1, ber fivilvrozeßordnung, Art. 2, des Gerichtskostengesetzes, urt. o, mb oer Gebührenorbnung für Rechtsanwälte, Art. 4, urn- aßt. Die in Aussicht genommene Reform beschränkt sich 1 m der Hauptsache aus die Umgestaltung deS amtsgericyt- .icheu Verfahrens und auf die Erhöhung der amtsgericht- ; iu>en Zuständigkeit von 300 auf 800 Mk. Hierdurch soll xx. drohenden Ueberlastung der höheren Gerichte vorgebeugt werden. Die Zahl der Richterstellen an den Amtsgerichten soll vermehrt werden. Das Verfahren vor den Amtsge- ' richten sott dadurch eine Beschleunigung und Verbilligung erfahren, daß nach dem Vorgänge des Gewerbegerichts- : Gesetzes u*i0 dos Gesetzes über die Kaufmannsgerichte an Stelle des Barteibetriebes, der Amtsbetrieb bis zum Erlaß 1 deS Urteils in vollem Um fange eingeführt wird. Von den «weiteren Vorschlägen sind besonders hervorzuyeben: b:c ibc* “ schränkilng der Berufung bei geringi-ügi-gen Streitigkeiten, |(bie straffere Gestaltung oeZ Mahnverfahrens, wodurch den
Der viel gerühmte deutsche Idealismus spielt un§ oft inen bösen Streich. Wir legen uns so oft mit aller Jn- I^unst für Menschen und Sachen ins Zeug, die es nicht ver- ienen. Wie haben wir uns ehemals für den irrenden olnischen Patrioten begeistert, der sein Vaterland sucht, wie aben wir uns der Spanier im Kriege mit Nordamerika, er Buren im Kampfe gegen die Engländer angenommen nd wie wenig entsprach der Gegenstaird unserer Begeiste- ung in der Wirklichkeit dem Jdealbilde, das wir uns von gemadjt hatten. Waren es nicht auch weite Kreise ^iseres Volkes, die seinerzeit den „mutigen" Schritt der conprinzessin von Sachsen bejubelten? Daß eine so hoch- oljcnde Frau .Herkommen unb Sitte mit Füßen trat und kitten und Kinder verließ, um ihres Lebens gl ückes willen, j a$ erschien uns beinahe wie ein Heldentum. Luise von vscana, die gewesene sächsische Kronprinzessin m:d spätere -räjin Aiontignoso hat die deutsckjen Idealisten recht bitter etäuscht. Der Glorienschein ist für immer dahin, Madame oselli bietet uns heute nur noch das Bild eines zügel- ojen Weibes, und wir denken mit rechter Beschämung der wit, wo wir hier Größe erwartet und gesehen hatten. <n der spießbürgerlichen Enge unseres Lebens jauchzen wir 9 mr gar zu leicht jedem ersten Besten oder jeder ersten Veften zu, die sich aus irgend eine Art aus dem Einerlei des ^ wges herauszuheben scheint. Diese rüljrend naive Begeistc- ungSjähiglkeit des deutschen Gemütes wird wohl noch nanchen Irrtum zu bereuen haben, bis es gelernt hat, das j 'eben zu sehen, wie c5 ift, die Welt, wie sie sich in Wirklich- eit gestaltet. Im guten sowohl tote im bösen. Wieviel aelt* und wirklichkcitsremdes sieht man auch heule noch »einahe aus allen Gebieten im neuen deutschen Reiche, s-s ist überall das ernsteste, ehrlichste Bestreben, das Beste u leisten, aber es fehlt leider gar -u häufig an dem laren, rechteii Blick für das Zweckentsprechende und Zeit- lemaße. Man denke nur an unsere ljeutige Rechtspflege, lU unsere in ach so vielen Dingen noch immer gar zu lurcaukratische Verwaltung, man denke nur an unfcrc, gar
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außer Sonntags, vem Gießener Anzeiger nerven im Wechsel mit EM hessischen Landwirt ,1t Gietzcner Familien, iliittc: viermal in bei Hocbe beigelegt und Meimal wöchentlich das Cretsblafl für den Kreis Hetzen. Fernsprech-An- ZW General-Anzeiger für Oberhessen ^"‘sagesnummet HofatioMsörMd und vrrlag ö«r vrSHI'schen Univ.-Vuch- und Steinörtttferel 8. Lange. Nedaition, Expedition und Druckerei!
vormittags 10 Uhr. ----------------- y ‘ ' ' _____________________ ____
Altgemeiner Deutscher Frauenverein.
OÜnberechUgt er ^Nachdruck verboten.)
Sk u. H. Hamburg, 4. Okt.
Unter zahlreicher Beteiligung aus allen Teilen des Reich-s trat hier der Allgemeine Deutsche Frauenverein zu ferner 24. Generalversammlung zusammen. Die Verhandlungen tmirden J)on Frl. Helene Lange geleitet. — Bürgermeister Dr. Monckeoerg hieß den Allgem. Deutschen Fraue:werein im Namen des Senats herzlich willkommen, indem er auf die reiche Arbeit der <yraii auf sozialem Gebiete hinwies, unb inbem er ber mobernen onaiien- bewegung seine Sympathie aussprach. - Nach weiteren BecpiußungS-' reden erstattete Frt. 5)elene Lauge den Geschäftsbericht. Die gesetzgeberisckxn und parlamentarischen Ereignisse auf dem Gebiete der Frauenbewegung wurden durch Kundgebungen aller Art unterstützt. Der Verein sprach sich für bei: 10 Itüntngen Maximalarbeitstag für Fabrikarbeiterinnen, für volle Verems- unb Versammlungsfreiheit für Frauen, für bas Wahlrecht der Frauen zu den Arbeitskammern, für die Turchfithrung der Witwen- und Wchseuversorgung, für die Zulasfung von Fraun: und Lehrerinnen zu den Schuldeputationen ufw. aus. Die afmclle Frage der Mädchenschulreform veranlaßte den Verein, im Sinne einer besseren Fortblldung dcr Mädchen sich zu betätigen. Die Realgymnasialkursc, die vom Verein in Leipzig eingerichtet worden sind, erfreuen sich wachsenber Beachtung.
Tann wanbte man sich ber Beratung ber Frage ber Frauenschule
zu. Man erörterte die Fortbildung der aus ber höherm schule entlassenen Schülerinnen. Zuirächst sprach Frl. Tr. Gosche über die allgemeine wissenschaftliche und päbagogiswe t)-ortdil- biing. Durch die allgemeine Fortbllbung sollen die jungen Mädchen selbständig arbeiten lernen. Tie Frauenschule, muß bei: verschiedenen Neigungen entgegenkommen und eine gewisse '^vahl- fceiheit der Arbeit zulafsen. Drnch gewisse obllgatocyche Verbindungen soll aber dem Tiletantismus unb der ^oerflacytahleit, vorgebeugt werden. Die ästhetischen Werte sollen betont werden, aber der banalen Schwärmerei muffe ein Ende gemacht werd-en. Tie Allgcuieinbilbung muß zum persönlichen Bedürfins werden. Im Anschluß an einen Volkskindergarten, wo btc jungen Äcadchen in die Kinderseele schauen können, müssen die Hauptaufgaben der
S. Bleichröder, Berlin, Behrenstraße 63, erbeten. Nähere Auskunft erteilt der Schriftführer des Komitees, Prof. Dr. I. Schwalbe, Herausgeber der Deutjchen Medizinischen Wochenschrift, Berlin W. 35.


