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6.7.1907 Zweites Blatt
 
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Nr. 156

Zweites Blatt

General-Anzeiger für Gverhefien

157. Jahrgang

Erichetnt tügNch mit Ausnahme des Sonntags.

DieSletzener ZamiUenblätter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Derhessische tanöwlrt" erscheint monatlich einmal.

Samstag 6. Juli 1907

Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen UntversUäts Buch» und ®teInbrucfettL 8L Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul* straße 7. Expedition und Verlag» <b« 6L Redaktion: 112. IeL-8lbtj AneeigerGießen»

Deutsches Reich.

Berlin, 5. Juli. Diedrorddeutsche Mg. Ztg." schreibt: DieKölnische Zeitung" veröffentlicht über den Stand der Strafprozeßresorm nähere Mitteilungen, welche ersichtlich amtlichen Materialien entnommen sind. Da es sich bei den letzten Konferenzen Wer die Grundzüge der Reform nur um vorläufige, die einzelnen Bundes­regierungen nicht bindende Ergebnisse handelte, so war man in den beteiligten Ressorts über eine vertrauliche Behandlung der Beratungen übereingekommen. Die Mit­teilungen über ihren Inhalt müssen deshalb auf pflicht­widrige Indiskretionen zurückgeführt werden, die umsomehr zu bedauern sind, als die große und schwierige Rejormarbeit dadurch nur geschädigt werden kann.

DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Der Reichskanz­ler empfing heute den Staatssekretär des Reichskolonial- umtes, Dernburg.

In unterrichteten Kreisen gilt es als zweifellos, daß die maßlosen Angriffe, die in dem Münchener Pe- tersprozeß von den Abgeordneten Dr. Arendt und v. Siebert gegen die Disziplinarurteile gerichtet worden sind, nicht ungeahndet bleiben werden, jedoch wird wohl von der Erhebung einer öffentlichen Anklage wegen Ver­ächtlichmachung von Staatseinrichtungen abgesehen werden. Die Regierung ersuchte zunächst um den amtlichen steno­graphischen Bericht der Rede, die der Sachverständige Ge­neralleutnant von Siebert im Peters-Prozeß gehalten hat, und worin der Disziplinargerichtshpf herab gewürdigt wurde.

Das angekündigte Reichsvereinsgesetz wird, wie die Vossische Ztg. hört, dem Reichstage sofort bei seinem Mieder^usammentritt zugehen.

Göttingen, 5. Juli. Der nationalliberale Land­tagsabgeordnete von Göttingen, Hermann Eckels, ist in der vergangenen Nacht in einer hiesigen Klinik, 64 Jahre alt, gestorben.

Hag en, 5. Juli. Der Kultusminister und der Minister des Innern verboten die Benutzung des hiesigen Krematoriums zur Verbrennung menschlicher Leich­name. Die Polizei traf entsprechende Maßnahmen.

Dortmund, 5. Juli. Die Dortmunder Zeitung nennt als Gewährsmann Bebels in Sachen des angeblichen ^uuerbriefes den Schriftsteller und Afrikareifenden Gieseb recht.

Dinkelsbühl, 5. Juli. (Amtlich.) Bei der gestrigen Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Mittelfranken5 wurden insgesamt 10 773 Stimmen abgegeben; von diesen erhielt Niederlöhner (Kons.) 6697, Beck (Nat.) 4039 '.Summen; zersplittert sind 37.

München, 5. Juli. Die Münchener Allg. Ztg. ist in der Lage, einen äußerst interessanten Brief zu veröffent­lichen, den die nachmalige Kaiserin Augusta als Prin­zessin von Preußen am 29. Mai 1849 an den Minister Man- uffel gerichtet hat: ,Lch habe", so schreibt die Prin- jdffin,einer Aeußerung des Königs entnommen, daß er ifcie neu zu bildende provisorische Zentralgewalt nur Deutschland zwischen Oesterreich und Preußen teilen will. Es ist überhaupt wieder eine Hinneigung zu Oesterreich bemerklich. Tas ist das größte Unglück, das uns treffen könnte und man würde es nie dem Lande gegenüber verantworten können, daß in dem Augenblick, wo Preußen gezeigt hat, daß es für Deutschland handeln will und kann, durch eine kurzsichtige Politik und gewisser persönlichen Einflüsse alles wieder auf das Spiel gesetzt würde. Ich kann mir nicht denken, daß ein Mann wie Sie in einen solchen Schritt willigen kann, wo Preußen allein an die Spitze Deutschlands kommen muß und wo es verpflichtet ist, die östliche Macht, die ihm durch das Blut seiner Soldaten jetzt gewonnen wird, nicht zu Gun­sten eines alten Feindes aufzugeben, der uns auf jede Meise zu schädigen sucht."

Dresden, ö. Juli. Bei dem heute nachmittag statt- aehabten Festmahl des säcksischen Gemeindetages in Bautzen hielt Staatsminister Graf von Hohenthal eine Rede, in der er, den Blättern zufolge, das Programm für das neue Wahlrecht, dav dem Landtage im Herbst voraelegt werden soll, entwickelte. Danach soll das neue Wahlrecht ein gemischtes System von Plural- und Propor­tionalwahlrecht fein, jeder jetzt wahlberechtigte Staats­bürger soll künftig mindestens eine Stimme haben, eine weitere Zusatzstimme soll denjenigen gewährt werden, l)ie über 1600 Mart Einkommen versteuern oder das Einjährig- Freiwilligen-Zeugnis aufweisen, sowie denjenigen, die jetzt das Wahlrecht zum Landeskulturrat haben. Ferner sollen die Hauptgrundsätze des L^rhältniswahlsystems Berücksich­tigung finden, damit die Minoritäten mit zum Ausdruck gelangen. Die einschneidendste Bestimmung ist, daß von den jetzigen 82 Sitzen der zweiten Kammer künftig nur 42 durch allgemeine direkte Wahlen besetzt, die übrigen 40 Abgeordneten durch Kommunalverbünde gewählt werden.

2luslanö.

London, 5. Juli. Der deutsche Botschafter Gras Wolf Metternich gab heute zu Ehren des Großherzogs und d er Großherzogin von Hessen ein Gabelfrühstück. Unter den Gästen befanden sich die Prinzessin Luise Auguste zu Schleswig-Holstein, Lord Chamberlain, Viscount Althorp, Oberst Douglas, Dr. Dawson mit Gemahlin, Lady Mary Gerald, Lady Johnston, der deutsche Gesandte in Tanger Dr. Rosen mit Gemahlin, Graf Gleichen, Baron Massenbach, Baronin Rotsmain, Miß Crösten und die Mitglieder der deutschen Botschaft.

London, 5. Juli. Englische Fachleute haben, wie der Daily Telegraph behauptet, in der letzten Woche eine neue Lililttärgewehrkugel erfunden, die eine ebenso große Umwälzung im Schießen verursachen würde rote das rauchlose Pulver. Die Erfindung bestehe in einer Zuspitzung der jetzigen englischen Armee-Gewehrkugel unter Beibehaltung des jetzigen Gewehrs.

Luxemburg, 5. Juli. Die Kamm er nahm den Gesetzentwurf über das Familienstatut des Großherzogs vom 16. Apnl mit 41 gegen 7 Stimmen der Sozialisten und

einer Stimmenthaltung an. Das Statut bestimmt, daß bcm Großherzog dessen älteste Tochter in der Krone Luxemburgs, sowie als Chef des Hauses Nassau in Besitz und Nutznießung deS gesamten Hausfideikommisfes nachzu­folgen hat.

Paris, 5. Juli. Wie demTemps" aus Tanger ge­meldet wird, hat Raisnli unter Todesdrohungen die KaidS mehrerer Bergstämme aufgefordert, sich ihm anzuschließen. Einige von ihnen hätten, eingeschüchtert, der Aufforderung Folge geleistet.

Paris, 6. Juli. Aus der Unterhaltung Etiennes mit dem Kaiser wird ein Wort erzählt, das bald die Runde durch die Presse machen dürste. Der Kaiser iuac so lebhaft in seinen Aeußerungen und drückte seine An­sichten mit so schwungvollem Geberdenspiel aus, daß Etienne, nachdem er lange überrascht zugehört, voller Verblüffung ausrief:Sir, vous et es du midil Ter Kaiser soll über die Wahlverwandschaft mit Marcellin Alberts Landsleute herzlich gelacht haben.

Paris. In der heutigen Kammersitzung wurde der Antrag Beauquier, der italienischen Regierung an­läßlich des 100. Geburtstages Garibaldis die Glückwünsche auSzusprcchen, beraten. Der Antragsteller führte aus, Frankreich habe nicht vergessen, daß der Held Italiens sein Leben und seinen Degen im Jahre 1870 für Frankreich einsetzte. Diese Worte wurden von der gesamten Linken mit großem Beifall ausgenommen. Pichon stimmte dem Anträge Beauquier zu und erklärte, daß hierdurch die Freundschaftsbande, die Italien mit Frankreich verbinden, noch enger geknüpft würden. Die Worte des Ministers sanden allseitig großen Beifall.

Nardo n ne, 5. Juli. Am nächsten Montag findet hier eine neue Versammlung der Winzer statt, zu dem Zwecke, die Bürgermeister zu ersuchen, ihre Demission ausrecht zu halten.

Rom, 5. Juli. Die Deputiertenkammer wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.

Rom, 5. Juli. Die Perseveranza bringt heute einen bisher unveröffentlichten Bericht des Grafen Nigra über die Flucht der Kaiserin Eugenie, als deren treuen diskreten Diener und Freund sich Nigra bezeichnet. Nigra leugnet, daß die Kaiserin am 4. September 1870 von Allen verlassen war. Vielmehr war ihr ganzer Hof um sie versammelt und weder Kammerherr noch Damen wollten sich von der unglücklichen Frau trennen. Erst als die Kaiserin sah, daß ein weiteres Verbleiben in den Tuillerien zwecklos sei, nahm sie Nigras Arm, der sie insgeheim aus dem Schlosse führte.

Mailand, 5. Juli. Die anarchistische Störung, nach der Garibaldifeier, war durch eine Anzahl junger Burschen ausgeführt worden, die über den Domplatz nach der Porta Monforde zogen. Zwei Kapuziner, welche ein Eindringen in die Kirche verhindern wollten, wurden ver­wundet. Carabinieri mußte einschrciten. Es gab auf beiden Seiten zahlreiche Verwundete.

Budapest, 5. Juli. Die kroatischem Abge­ordneten sind, wie sie gestern angekündigt hatten, heute nicht niehr im Reichstage erschinen. Der kroatische Landtag ist für den 11. Juli einberufen. Er dürste sehr stürmisch werden. Von seinen Beschlüssen werden die kroatischen Abgeordneten ihre weitere Haltung und Beibehaltung ihrer Mandate abhängig machen. Für den Empfang der kroatischen Abgeordneten, die morgen in Agram eintreffen, werden dort die größten Vorbereitungen getroffen.

Sofia, 5. Juli. Die Verteidiger im Prozeß Petrow haben an den Fürsten als den Hüchstkomman- dierenden eine Beschwerde über das Urteil des Feldgerichts gerichtet. Sie betonen darin, daß dieses in Friedenszeiten nicht zuständig sei und bitten den Fürsten, das Urteil zu kassieren und eine neue Schlußverhandlung anberaumen zu lassen. Das Urteil wird heute durch den Generalfeldproku- rator, Generalmajor Angura, dem im Ausland weilenden Fürsten zur Bestätigung vorgelegt werden.

Tanger, 5. Juli. Vier Beamte des hiesigen marok­kanischen Amtes für auswärtige Angelegenheiten sind vom Sultan nach Fez berufen worden, weil sie bei dem Ver­kauf von Regierungsland an Europäer sich Unredlichkeiten haben zu Schulden kommen lassen.

Ascha bad, 5. Juli. Auf die beiden obersten Polizei­beamten wurden sechs Bomben geworfen. Der erste Be­amte blieb unverletzt, der zweite wurde getötet.

Soeul, 5. Juli. Marquis Ito richtete an den Kaiser von Korea eine Anfrage in Betreff der Anwesenheit der koreanischen Deputation im Haag, die um ihre An­erkennung nachgesucht haben soll. Der Kaiser erklärte, er habe keinerlei Kenntnis von derselben oder ihrer Tätigkeit. Ito sagte in einer Unterredung, die Beharrlichkeit deS Kaisers in derartigen Jntriguen müsse als feindselige Haltung den Japanern gegenüber anfgesaßt werden, der man Einhalt gebieten müsse.

New y ork, 6. Juli. Bezeichnend dafür, daß die gereizte Stimmung gegen Japan keineswegs auf Kalifornien beschränkt ist, ist die Tatsache, daß gestern die Passagiere eines Schnellzuges bei Bulte Montana, die auf Arbeiterhütten japanische Fahnen sahen, telegraphisch die Behörden um deren Entfernung ersuchten. Darauf erschien bald der Shcrif des nächsten Ortes und veranlaßte die Japaner, die Flagge einzuziehen.

Washington, 5. Juli. Es verlautet, daß ein Ge­schwader von 16 Schlachtschiffen und vier Kreuzern unter dem Kommando des Kapitäns Evans anfangs Herbst von Newyork oder Hampton Reads nach dem Stillen

Ozean via Magelhanssiraße abfäyrt. Es wird erwartet,! daß man die Reise in 60 Tagen zurücklegen werde.

Chicago, 5. Juli. Hiesigen Blättern zufolge ist bcr, Bürgermeister von Chicago, als er gestern per Wagen nach feiner Wohnung fuhr, von 5 Banditen überfallen worden, die Geld von ihm verlangten. Der Bürgermeister versetzte den Banditen Peitschenhiebe, schlug bann auf sein Pferd ein und entkam glücklich.

Die Friedenskonferenz.

Haag, 5. Juli. Tie zweite Unterkommission der zweiten) Kommission beschäftigte sich mit dem französischen Vorschlag Über; d i e Eröffnung der Feindseligkeiten. Im Namen jpcrj holländischen Delegation gibt Generalleumcnt Den Beer-Portugal ein ausführliches ExtWss, in dem er aus-führt, daß ohne Aufschub zwischen der Kriegserklärung und der Eröffnung der Feindselig­keiten ein Ziel nicht erreicht werden könne. M,an dürfe dis Zwischenzeit jedoch nicht zu sehr ,ausdehnen, sondern man müsste sie auf eine Frist von mindestens 24 Stunden beschränken. Tee russische Militärattache in Berlin, Oberst Michelsen, gibt einen Ueberblick über die Vorteile, die die Nationen aus der Lösung der Frage der Eröffnung der Feindseligkeiten ziehen könnten,, und legt dar, daß mit der Einführung eures gewissen Zwischen- Laums zwischen dem Friedensbruch und der Eröffnung der Feind­seligkeiten man den Lärrdern die Möglichkeit an die Hand gebe, I während der Friedenszeit gewi.ie Ersparnisse zu machen, die un-: bestreitbar segensreich sein unb ein bedeutendes Nachlassen der Anspannung im Frieoenszustande des Heeres herbeisühren werden. Ein weiterer Vorteil des Aufschubs würde darin bestehen, daß die befreundeten und neutralen Mächte ihn noch dazu benützen könnten, um Anstrengungen zum Zwecke der Versöhnung zu machen und die im Streite befindlichen 9ckrtionen dazu zu über­reden, ihren Zwist vor den Schiedsgerichtshof zu bringen. Augen­blicklich müsse man sich darauf beschränken, den von den Nieder­landen in Vorschlag gebrachten Aufschub von 24 Stunden anzu­nehmen. Hierauf verliest General Amourel im Namen Frank­reichs eine lange Erklärung zu Gunsten des französischen Vor­schlages. Freiherr von Marschall gibt darauf die bereits ge­meldete Erklärung ab, baß Deutschland dem französischen, Vorschlag ohne Vorbehalt beitrete. AuS einem MeinungsauK-' tausche zwischen Beernaerd und Amourel geht hervor, daß sich die französische Abordnung noch nicht schlüssig gemacht hat, hinsichtlich der Frage des Aufschubes der Feindseligkeiten, die durch die niederländischen Abänderungsvorschläge angeregt worden sind, und die sie in ihrer jetzigen Fassung nicht annehmen zu können glaubt. Ternielli? Italien inneint, daß die Festsetzung des Aufschubes sehr schwierig sei in Anbetracht von Umständen, die sich aus den ungleichen Entfernungen ergäben, aber wesentlich sei, daß die Kriegserklärung rechtliche Folgen habe. N e 1 i d o w ist der Art- sicht, man müßte eher Mittel finden, so schnell als möglich die diplomatischen Vertreter von dem Stande der Feindseligkeiten in Kenntnis zu setzen. Die Mächte würden dann imstande fein, im Sinne dieser rechtlichen Folgen zu wirken. Beldimän-Ru­mänien bringt in Anregung, in den Text die Wortetelegraphische Mitteilung einzufügen. Nran einigt sich über diesen Vorschlag,, indem man einsetztauf telegraphischem Wege". Jetzt erklarenl Lord Fry-England, Cho at e-Amerika und Tf u d zu ki-Ja- pan, ihre Länder müßten sich bezüglich des Prinzipes selbst bie Entscheidung Vorbehalten. Infolgedessen verschiebt der Präsident die Abstimmung auf später.

In der heutigen Kvmmissionsberatung erklärte der deutsche Delegierte Marschall von Bieberstein, daß sich Deutschland Dem französischen Vorschläge betreffend die Eröfsnung der Feindselig- ieiten, der ihm den modernen Fortschritte auf dem Gebiete des Kriegswesens angemessen erscheine, ohne Vorbehalt an­schließe. Von den Delegierten Englands, der Vereinigten Staaten und Japans wurden Vorbehalte gemacht; infolgedessen wurde die Abstimmung auf später zurückgestellt.

Wien, 5. Juli. DieNeue Freie Presse" meldet aus dem Haag, daß England einen Antrag au f Begrenzung der sJt ü ]i u n g e n einbringen wird, und zwar jm Einverständnis mir allen vertretenen Staaten, wodurch die Stellungnahme der ein^eix nen Delegationen in keiner Weise präjudiziert erscheinen soll.

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Aus Stadt und Land.

Gießen, 6. Juli.

Der Finanzausschuß der Zweiten Hess. Kammer hielt Freitag vormittag wieder eine Sitzung ab, an der als Vertreter der Regierung Finanzminister Gnauth und die Ministerialräte Dr. Becker und Dr. Süffert teil- nahmen. Den wesentlichsten Beratungsgegenstand bildete die Vorstellung des Gemeindevorstandes zu V.ilbel inbetreff der Abänderung der neuen Bahnhofsanlagen daselbst. Obgleich der preußische Eisenbahnlninister die Erfüllung der Wünsche des Gememderats als undurchführbar abgelehnt und auch das Großh. Ministerium das gleiche erklärt hat, beschloß der Finanzausschuß, am nächsten Dienstag nach Vilbel zu fahren und unter Führung eines Vertreters der Großh. Regierung eine Besichtigung der Bahnanlagen vorzunehmen. Einen weiteren Beratungsgegenstand bildete die Vor­stellung der Gemeinde Pfeddersheim bei Worms um Er­richtung des für Worms geplanten neuen Steuerfommifsariats mit dem Amtssitz in Pfeddersheim. Da die Regierung auf ihrem früheren Beschluß bezüglich des Steuerkommiffariats Worms-Land beharrt und die Notwendigkeit der Errichtung in dem von ihr vorgeschlagenen Sinne näher darlegte, sah sich der Ausschuß nicht in der Lage, auf eine Abänderung des früheren Beschlusses im Sinne der Vorstellung der Ge­meinde Pfeddersheim hinzuwirken.

* Die Sommerserien beginnen. Viele Erholungs­suchende sind noch unschlüssig, wohin sie gehen sollen, unsere heimischen Berge, der Odenwald mit Bergstraße, das Main- und Neckartal, der Vogelsberg haben viele schöne, gute und preiswerte Pensionen für einfache und auch verwöhntere Ansprüche aufzuweisen. Die Schönheit der Wälder und die kräftige, würzige Luft können mit denen anderer Gebirgs­gegenden wetteifern. Die Bahnverbindungen sind allgemein gut. Jeder, der eine Wahl bezüglich semeö Sommer- aufenthalts noch nicht getroffen hat, versäume nicht, das Verzeichnis der Sommmerwohnungen im Oden­wald, Vogelsberg und benachbarten Gebieten von dem Geschäftsführer des hessischen gemeinnützigen Vereins m Darmstadt zu beziehen.

Personalien. Uebcrtragen wurde dem Lehrer Fciedr. Wilh. Höngen zu Wrges (Preußen) eine Lehrer>