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4.5.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 104

Erscheint tSgNch mit Ausnahme des Sonntag-.

Die«iehener LamlNenblStter" werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich bcigelegt. Der Ehesfischr Landwirt* erscheint monatlich einmal.

Zweites Blatt 156. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Freitags. Mai 1906

Rotationsdruck und Verlag der Vrübl'sch« UniversitätSdrrickeret. R. Lange, Gtetz«.

Redaktion. Expedition ».Druckerei: Schulstr.V. leL Nr. bl. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gteßm.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Die Brausteuer.

Ter Reichstag ist eben daran, die Stenerge setze tn zweiter Lesung fertig zu stellen. Tiese Arbeit soll dem, deutschen Reich die nötigen Millionen zum Ausbau seiner Flotte und zur Sanierung seiner erbärmlich schlechten Finanzen verschaffen, und, da der gute Wille bei den Reichsboten vorl)anden ist, werden auch die leeren Kassen der Regierung gefüllt werden. Das ist an sich erfreulich. Mit dem Wie aber wird die Allgemeinheit des Volkes kaum einverstanden sein, wenn sie auch nicht Barrikaden bauen wird. Denn wenn das Plenum des Reichstags ein­fach alle Beschlüsse der Zwnunission gitthcißt, dann kann man unmöglich mit seiner Tätigleit einverstanden sein.

Tie Negierung allerdings hat sich zu dem gegenteiligen Standpunkt bekehrt. Sie, bte einst von der Steuervorlage als demunteilbaren Ganzen" sprach, die Ultimatums- gelüste hegte, i)at durch den Mund des Reichsschatzsekretärs Der Kommission den wärmsten Tank dafür aussprechen lassen, daß sie so eifrig gearbeitet habe. Es ist der Regier­ung also in erster Linie nicht darum zu tun, wodurch das Geld, sondern daß cs nur überhaupt in die Kassen fließt. Tas ist ein Standpunkt, der uns nicht recht be­hagen will.

Ter Reichstag hat vorerst die Stau (teuer in zweiter Xlcf'uiig angenommen. Davon wird freilich nur ein Teil des deutschen Vaterlandes schwerer getroffen, aber immerhin wird man sich über die Brausteuec nicht freuen können. Tenn sie belastet eine zurzeit recht blühende Industrie und deren zalstlose Arbeiterscharen. sJcun ist behauptet worden, durch die Brausteuer nxrbc nur die Großproduktion be­lastet. Ta durch die Staffelung der Sätze bewirkt sei, daß nur die Großproduktion stärter zur Besteuerung Heraw- gezogen würde, sei die Steuer nickst unsozial. Wenn Begriffe fehlen, stellt sich bekanntlich immer em gutes Wort zur lechteu Zeit ein. Es ist schade, daß der freisinnige S^err Röficke dem irdischen Parlamentarismus nicht mehr an- gehört er Ijätte unseren ReistMoten eine ganz andere Rechnung aufmacksen können!

Man tann die Brauer nicht daran hindern, daß sie schlechteres Bier brauen. Hätte man doch lieber ehrlich gesagt: die Bierttinker können schon eine kleine Verteuer­ung desStosses" vertragen! Tas wäre em vernünftiger Standpunkt gewesen und hätte nicht aller Rativnalökvno- mie ins Gesicht geschlagen. Es ist merkwürdig, wie unser Parlamentarismus ucrjeuljt, lvie ibenig gründlich, und wie ioenig ernst man es mit der Motivierung von Beschlüssen nimmt!

Es wird auch in Norddeutschland von den ärmeren Klassen nicht lauter Schnaps, sondern auch Bier gettunken. Tie Leute werden durch die Steuer getroffen, wenn auch vielleicht nicht in besonders hohem Maße. Tas ist an sich wohl in unseren Zeiten der indirekten Steuern noch rein besonderes Argument gegen die Steuer, aber besser wäre es nach unserer Älnsicht gewesen, man hätte Bier und Tabak, bte alten Bekannten aus dem Wunschzettel so vieler Schatzselretäre, unangetastet gelassen und die Gelder anderwärts auszutreiben gesucht. Ter Reichsregierung wäre es vermutlich auch recht gewesen ihr ist ja mit einem- male alles recht!

Des Reichskanzlers Geburtstag.

Berlin, 3. Akai. Der Kaiser kehrte am Nachmittag inn 5 Uhr vom Truppenübungsplätze Döberitz zurück und fuhr sogleich beim RoichSka nzler vor, um diesem anläßlich seines Geburtstages seine Glückwünsche auszusprechen. Der Besuch des Kaisers beim Reichskanzler dauerte etwa eine halbe Stunde. Die Unterhaltung war sehr angeregt. Der Kaisrr fand den Reichskanzler recht frisch aus seh end. Bei der Abfahrt begleitete Fürst Bülow den Kaiser zum Wagen und verließ so zum ersten mal wieder das Haus. Dein Reichskanzler war am Vormittag vom Kaiser eine kost­bare Vase und ein herrlicher Rosenstrauß zugegangen. Die Vase zeigt das Porträt des Käiserpaares unter einer Ab­bildung des Neuen Palais in Potsdam. Zahlreiche Glück­wunsch-Telegramme liefen ein. Die hier beglaubigten Diplomaten fuhren beim PalaiS vor und gaben ihre Karte ab.

Der neue Kurs ui Rußland.

Ter Rücktritt des russischen Ministerpräsidenten Grasen v. Witte ist wohl baljin auszusassen, daß alle rückschrittlichen und volksfeindlichen Personen in der Umgebung des Zaren wieder zur vollen Geltung gelangt sind. Ter neue Kurs des Kabinetts Goremkyn versprick)t nichts Gutes. Ter Staatssekretär Iwan Goremthn war früher einmal Minister des Innern und ist Auto­rität a u f d e m G e b i e t e b e r B a u e r n f r a g e. Seine Ernennung zum Premierminister dürfte auü) in Der Hoff­nung erfolgt sein, diesen wichtigen Gegenstand dadurch leichter zur Zufriedenheit der Beteiligten ordnen zu können. Tie Regierung will sich in der Reichsduma auf die Bauern­vertretung stutzen. Tie B a u e r n d e l e g i e r t en dürften jedoch der Regierung das Leben nicht so leicht machen. Sie lassen schon jetzt ihre Sympathien mit der ton st i- tutioneH-ib emo trat ifdjen Partei deutlich her- vortreten, ja in politischen Fragen scheinen sie noch mefyr links zu stehen als diese Partei.

Ta scheint die Rechnung also ohne den Wirt gemacht. Ein so geschmeidiger, nie um schöne Reden und Bertröch ungeit verlegener Staatsmann wie Witte hätte allenfalls das Zeug dazu gehabt, die Bauernvertreter zu beruhigen. Witte ist listig und versteht sich darauf, den Anschein biederer Treuherzig feit, herzlichster Sympathien hervorzurufen. Tie angesichts der Morde und Plünderungen langst dringend not­wendige Energie, die mit ein em male die ruf fische Regierung entfalten will, kommt wie so oft schon zur unrechten Zeit, der Truck wird den Gegendruck zur Folge Ijaben.

Ter neue Minister des Innern, Stolypin, ist in bedenklicher Erinnerung durch die grausame Niederwerfung der Bauernunruhen.

Witte soll, nach einem Petersburger Telegramm der Nationalztg.", seine hervorragende politische Rolle keineswegs als beenden anscyen. Schon möglich, daß des Grafen Zuckerbrot eines Tages wieder zu Ehren

kommt, wenn wieder einnial die Peitsche versagt hat. Auch Nowoje Wremja" erklärt, Wttte werde als Reichsrats- Präsident weiter wirken und vielleicht den Moment ab- lvarten, wo er als Ches eines parlamentarischen Mini­steriums an die Spitze der Regierung treten werde. Ein Petersburger Korrespondent, der enge Beziehungen zum Grasen Witte unterhält, meldet, dag Witte das Opfer einer schlau ein gefabelten Hofintrigue ge­worden ist, die ihn aus dem Amt dräiigte. General Trst ow fei der ne.ua Mann, der zurzeit den stärksten Ein­fluß aus den Zaren besitzt. Unter dem Einfluß Trepows habe sich der Zar entschlossen, das Ministerium umzugc- stallen. Ter Einfluß Trestows dürfte sich auch in aus­wärtigen Angelegenheiten fühlbar machen. Tie neuen Mi­nister würden alles, was bisher geleistet wurde, wieder zerstören.

Nack) anderer Tarstellung soll der Zar bereits seit längerer Zett die Absicht gehabt haben, die Tcmission Wittes anzunehmen. Ter Zar soll insbesondere der Ansicht Aus­druck gegeben haben, daß es unmöglich sei, daß die jetzigen Mitglieder der Regierung vor der Duma erscheinen können. Ti.es habe Witte und mehrere feiner Kollegen veranlaßt, ihre Demission einzureichen. Ties geschah bereits vor einigen Wochen, als Wttte gegen verschiedene Maßregeln Turno- wos, die er als zu scharf fand, Einsstruch erhoben hatte. Tamals hatte der Zar Witte ersucht, solange zu warten, bis er ihm Mitteilen werde, toann seine Tiens le für das Baterlcuid entbehrlich geworden seien.

König Eduard in Paris.

Paris, 3. Akai. Präsident JalliöreS gab heute abend im Elysöe ein Diner von 86 Gedecken zu Ehren des Königs von England. Unter den Eingeladenen befanden sich die Minister Sarrien und Bourgeois. Der König saß zwischen Frau Falliäres und der Frau Finanzniinister Poiu- car6. Nach dem Diner brachte Falliörcs einen Toast aus, worin er dem König dankte, die Einladung in das Elysöe angenommen zu haben. Das französische Volt empsinde eS jedesmal, wenn der König den Boden Frankreichs betrete, mit Genugtuung, daß seine häusigen Besuche ein wert- v olleS Unterpfand des gemeinsamen Einver­nehmens darstcUcn, welches beide Länder in dem sie glück- lich machenden Wunsch vereine, an allen Werken der Zivili­sation und des Friedens zu arbeiten. König Eduaro antwortete, indem er seiner Freude Ausdruck gab, in Paris zu sein, wo er einen Teil seiner Kindheit verbracht habe.Sie wissen", so fuhr er fort,welche Gefühle ich hege für die Größe und das Glück Frankreichs. Das herz­liche Einvernehmen z»vlschcn unseren Ländern wird mehr als alles dazu beitragtn, den Frieden zu sichern." (Entente cordiale fera plus que tout pour sauvegarder la paix). Der König dankte schließlich herzlich für die Einladung. Auf das Diner folgte ein intimes Konzert._______________________

Eine Bombenexplosion in Paris und die Streikbewegung in Frankreich.

Nach einer Meldung derTemps" gingen am Tonncrs- tag nachmittag zwei junge Leute in dein Pariser Vorort Charenton spazieren, als plötzlich eine furchtbare Ex­plosion zu ihren Füßen erfolgte. Der eine wurde sofort getötet, der andere verletzt. Die Explosiori ivurdc durch eine Bombe heroorgerufen, die der Getötete in der Tasche trug. Sem Begleiter, welcher der französischen Sprache nicht mächtig ist, erklärte in deutscher Sprache, daß er nicht wisse, warum sein Freund die Boinbe bei sich getragen habe. Rach einet Mitteilung der Polizeipräfektur sollen die jungen Leute Russen sein und sich Striega lind BussinoS nennen.

Tas W. T. B. erzählt die Geschichte elivas anders. Da­nach durchschritten zwei Leide den BoiS de Vincennes. Jeder von ihnen führte eine Höllenmaschine mit sich, die sie ivahrscheinlich soeben im Bois ausgegraben hatten. Eine Höllenmaschine explodierte, tötete ihren Träger namens Stria und verletzte dessen Gefährlen Sokoloff schiver. lieber den Stand, dem die beiden Männer angehörcn, ist man noch nicht ganz klar, indessen weiß man, daß sie russischer sJlationatität sind. Sokoloff hatte noch eine zweite Höllenmaschine bei sich. Der Leiter des städtischen La- boratiumS, Girard, ließ die bei Sokoloff Vorgefundenen zwei Bomben mit Rasen umgeben und veranlaßte von beiden Bomben die Explosion, die mit einem furchtbaren Knall vor sich ging. Steine und Rasenstücke wurden bis auf 200 Mtr. fortgeschleudert. Sokoloff ist ein Bein abgerissen worben. Seine Verletzungen sind nicht lebensgefährlich. Er verweigert auf alle Fragen des Untersuchungsrichters die Anllvort.

Sonst ist der gestrige Tag in Paris ohne nennenswerten Zwischenfall verlaufen. Die Arbeitgeber der Automobil- fabrifen in der Gegend westlich von Paris sperrten ihre Ar­beiter aus, da diese die Werkstätten nach achtstündiger Arbeits­zeit verlassen hatteii. Auch aus verschiedenen anderen Städten wird gemeldet, baß bic Arbeiter, die am 2. Mai nach acht- stündiger Arbeit bie Werkflä tten verließen, entlassen wurden. In Lyon ereigneten sich im Zusammenhang mit der Aus- slandsbewegung heute nachmittag verschiedene Zwischensällc. Manifestanten widersetzten sich der Polizei. Ein Arbeiter ver­letzte einen Polizisten schwer durch einen Messerstich in den Rücken. Der Ucbeltöier wurde feftgenommen. In Lens ist die Arbeit fast vollständig wieder aufgenommen worben und teilweise wieder in Courrieres und DourgeS. In Earvin explodierte heute nacht vor dem Hause eines nicht aus­ständigen Arbeiters eine Patrone, die Materialschaden an­richtete. 2luf dem Bahnhof in Chantenay wurden in emem aus Paris kommenden Zuge vier Kisten mit Ex­pl of io stoffen gefunden.

Eine Rede des Ministers Clemenceau.

Lyon, 3. Mai.

Zu einer heute hier gehaltenen Rede sagte der Minister des

Znncrn, Ulcmcnccau, Die eauviengleitcii Kien groy gewesen, alS die gegenwärtige Regierung ins Amt kam. Ebe nocü die Ma- roklokonfcrcnz beendigt war, drohte die Jnventarr- s ierung der Kirchen Den Bürger i lieg zu cnlfesteln. Offiziere empörten si gegen das Gesetz und ihre Rich­ter s p r a ei' e n i i c frei. Am anderen Ende der sozialen Leüer brach Der furchtbare Ausstand lo., im Dunkeln erregt durch die reaktionären Parteien, welche hoffen, die Republik durch Revolten zu stürzen, mit denen die reaktionär en Mächte ihrerseits bald fertig zu werden hosften. Wie ein tu Den Hauben der Justiz bofindlicres Smrislslück feslftetti, Bürger­krieg zur Rechten, Bürgerkrieg zur Linken, so gellte sich der Regierung die Lage vor Ter Mini fier protestierte dann gegen den Vorwnrs, baß er die Freiheit des Ausstandes verhindert habe. Er weise mit Verachtung die Unterstellung zurück, daß das Kom­plott, mit dem sich die Gerichte gegenwärtig beschäftigen, eine Erfindung sei. Man habe ©djriflftüae entdeckt, aus denen sich ergebe. Daß in Uebcreinsiimmung mit früheren Anweisungen des Herzogs von Orleans ein Plan sür das Eingreifen anti- republikanischcr Parteien in die Arbeiterbewegung befiehl. Ter Minister erklärt, daß bie radikalen Sozialisten die Arbeit der Reaktionäre besorgten und schloß mit der Ucberzeugung, daß die Wahlen einen Triumph der Republik bedeuten würden.

parlamcntavijdK»,

Berlin, 3. Mai. Die Steuerkommission des Reichstages beendete heute bic Beratung der Reichs­finanzreform unb vertagte sich bis zum 9. Mai.

Die Wahlprüfungskommission des Reichs­tages erklätte gestern nach längerer Verhanblung und Wür- bigung ber Beweiserhebung über bic Proteste gegen bic Wahl bcS Abg. Dietrich (kons.) im 3. Potsbamer Wahlkreis die Wahl für giltig.

Die Diätenkommission beS Reichstages führte heute bic Beratung bes § 2 zu Enbc. Das Bußgeld für Fehlen bei einer Sitzung ober namentlichen Abstimmung würbe nach einem ZentrumSantrage von 30 auf 2 0 Mk. herabgefetzt. Im § 4 wurde bie Vorschrift über die Eintragung des Namens in die AnwcsenheitS- lijtc abgelehnt unb bafür gesetzt: .Die näheren Bestimm­ungen über bie Art des Nachweises ber Anwesenheit der Mitglieder erläßt der Präsident. Wer bei eine Abstimm * ung fehlt, ist als abwesend zu betrachten, auch wenn ec in der Präsenzliste eingeschrieben ist."

Aus Stobt und Land.

Gießen, Den 4. Akai 1906.

** Reichsfinanzreform. Unser ReichStagSabgeord- neter Kommerzienrat Heyligenstaedt wirb in einer Sitzung ber liberalen Vereinigung (freisinniger unb national* liberaler Verein), wie aus bem Inseratenteil zu ersehen ist, Samstag, 5. I. Akts., abenbs 8/2 Uhr, im oberen Saale bes Cafö Ebel Bericht erstatten über .seine Tätigkeit int Reichstag unter besondrerer Berücksichtigung ber Reichsfinanzreform". Da biese letztere jetzt im Vorber- gruubc bes Interesses steht unb gcrabc für unseren Wahl­kreis von cinschneibender Bedeutung ist, so steht wohl ein guter Bestich zu erwarten.

"'Sonntagsruhe für bie Slcrzic. Die Aerzie Gießenö haben beschlossen, mit bem nächsten Sonntage bie Sonntagsruhe in Kraft treten zu lasten. In Zukunft sind baher an Sonn- unb Feiertagen von mittags 12 Uhr bis nachts 12 Uhr nur brei hiesige praktische Acrzte sicher aufzufinben, beren Namen Samstags im Gieß. Anz. bekannt gegeben werben. Außer* bem ist an der Tür eines jeben praktischen Arztes eine Tafel mit den Namen ber bienfttuenben Aerzte angebracht. Es wäre sehr erwünscht, baß ben Hausärzten Sonntags vor­mittags vor 9 Uhr mitgeteilt würbe, wer ihres Besuches be- barf. Seither hatten bie Aerzte vielfach bnrüber zu klagen, baß bic Bestellungen, welche ebenso gut in ber Frühe ge­macht werben konnten, erst über Akittag ankamen ober auch gar bes 9iachmittags häufig gerabe so, baß ein mit ber Familie geplantes Sonntagsunternehmen vereitelt wurde. Für bie Aerzte besteht kein Zwapg, sich des Sonntags ihrer Tätigkeit gänzlich zu entziehen. /Deshalb wirb ber Hausarzt in ernsten Fällen ben Wünschen seiner Klienten bete. Besuche bes Nachmittags Rechnung tragen tonnen. Eingehcnbe Bc* lchrung in bicser Angelegenheit wolle man sich beim Haus­arzte holen.

** Folgenbc gewerbe-polizeilichen 9ievisioncn wurden üu Monat April üorgenonunen:

1. Betreffend bie gewerbliche Nebenbeschäftigung s chu l p fl i ch l i g er !k Inder, soweit diese alö eigene Kinder nicht unter bas Kurberschuygejetz fallen. Tabei lourde ivahr- geuommen, baß vielfach Kinder schon kurz nach 6 Uhr morgens zuin Auslragcn von Waren benutjt luurDcn, nogbcin bte dahrer bestehende Lolat-Polizeiverorbnulig, Die den Gewerbetreibendcir ocrbietei, ihre eigenen noch schulpflichtigen Kinder in ber Zeit von 8 Uhr abends bis 8 Utjr vormittags aiiüerbalb ber elterlichen Wot)iiting zum Austragen von Backwaren, Akilch, Zeitungen oder anderen Gegenständen zu vcriocnben. Tie Interessenten seien auf- merkjam gemacht, daß weitere Ucbcrlretungen zur Anzeige gelangen. 2. Auf ben R o nf ett io ns w erf ft ä 11 cn, inbezng auf Beschäl'» tiguna von Arbeiterinnen an Samstagen unb den Vorabenden vor Festtagen; ioweit Ucbcrtrcumgen bes Gesetzes siattjanbeu, wurde ttnzetge erhoben. 3. In Den Betrieben der Ai al er, A n st r c i ch e r, Weißbinder ober Lackierer, wo Blei- i n r b c n ziir Venvenbung gelangen, inbcjug auf Befolgung ber bestehenden Bestimmungen bei bet Verwendung von Bleifarben. Ein Teil ber Belriebsinhabcr fipb, foivcit Die Bestimmungen für ihre betriebe Anwcnbung finden, diesen bereits nachgekommen, während dieses noch von einem Teil der Belriebsinhabcr in einzelnen Punkten liachzuhoteu ist. 4. Au' Den Barbie r- u n b Fr i s e u r sl u b c n inbezug auf Giiihaliung ber Poljzei- verorbnung, ben Gewerbebetrieb ber Barbiere unb Friseure betr., vom 8. August 1904. In verschiedenen Betrieben wurden Ucber- tretungen Der bestehenden VerorDnnng fesigestelli, was bei wieder vorlommcubeii Fällen Die Erhebung von 2lnzeigen nach sich zieht. 5. In Backe r cx c n inbezug auf Bejchäitignng von Gehilfen, insbesondere an Sonntagen nach 8 Uhr vormittags. 6. Eine Anzahl von M i l ch re v i f i o n e n sanden statt, die in einem Fall zur Beanstandung Anlaß gab. 7. Entnahme von GehensmUtelproben, wovon ebenfalls eine Probe bean­standet wurde.