Ausgabe 
30.11.1906 Erstes Blatt
 
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Viehversteigerung.

Donnerstag, den 6. Dezember 1906, vorm. 11 Uhr werden auf dem Rathause dahier öffentlich meiftbictcnt) ver­steigert:

2 gut gemästete Faselochsen, einzusehen im Faselstall dahier und bet Polizeidiener Rhein-Hüttenfeld.

1 gut gemästeter Eber, einzusehen bei Polizeidiener Rhein-Hilttenfeld.

2 Ziegenböcke, einzusehen bei M. Kork und Daniel

Schollmeier, hier. hv/11

Lamperth eim, am 27. November 1906.

Großh. Bürgerlueisterei Lampertheiin.

Boxheimer.

Die Gemä'de.Ausstellung iin Turm- bau« am Brand, ist täglich mit Aus. nähme SamSiags, von 1t bis 1 Uhr ocöffnct, Mittwochs auch noch von 3 bis 5 Uhr nachmittags. All Sonn- und Feiertagen, von I I bis 3 Uhr nachmittags ununterbrochen. Eintritt für Mchtinitglieder d-S KunstverelnS, an Werktagen.50 Pfg. an Sonn, und Feiertagen.2u Pfg. ®/io

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gehabt, von der UndanDarkett de« deutschen Vaterlandes zu reden. ! Seine Rede war nur ein Aufguß der Teimlingschen Rede, aber i wa« wir von einem Deimling entgegennehmen müssen, das haben ' wir nicht nötig, unS von einem semler gefallen zu lasten. Mit der Dankbarkeit oder Undankbarkeit gegen unsere Truppen hat die Haltung des Reichstags nichts zu tun. Ausdrücklich betone ich, daß auch ich Herrn Erzberger unsere Anerkennung ausspreckie. 23c» dauern mutz ich jedoch, datz Herr v. Podbielski unmittelbar vor dem Beginn des Reichstags, und nicht gleich nach dem Bekannt­werden seiner Beziehungen zu der Firma TippelSkirch entlaßen ist. Erinnern will ich daran, datz bei einer Gutsbcleihung in Schlesien durch die Vermögcnsverwaltungsstelle, deren Kuratorium Herr von Podbielski angehört, infolge einer ausgefallenen Hppo- thek von 400 000 Mar! viele Offiziere und Beamte ihr Ver­mögen verloren haben. Datz ein Kaufmann für unsere Kolonral- verwaltung gewonnen ist, begrützen auch wir. Hoffentlich ist es jetzt auch mit der Proteltionswirtschaft, wie im Fall Tlppelskirch, ein für allemal zu Ende.

Der neue Kolonialdirektor tritt für die Selbständigkeit unserer Kolonien ein. Hoffentlich werden unsere Kolonien auch finanziell und wirtschaftlich selbständig, sie dürfen nicht nur die fal'che Selbst­ständigkeit erlangen, die ein junges Ehepaar besitzt, das sich von den Schwiegereltern ernähren läßt. Bermitzt habe ich in der Rede des Herrn Dernburg jedes Wort über die Eingcborcnensrage. So wie bisher darf es nicht weiter gehen, wenn wir den Eingeborenen alles nehmen, so ist das ein ach eine Raub­und Mordpolitik. Die Denkschriften sind ganz wertlos, auch die laufmännischen Kreise hatten wobl etwas anderes ermartet. Tie Denkschriften sind mehr byzantinisch als kaufmännisch. Vielleicht hat Herr Dernburg auch zeigen wollen, wie schnell er sich aus einem Kaufmann zum Diplomaten entwickelt bat, für den bekanntlich die Sprache nur dazu da ist, um die Gedanlen zu verbergen. Redner geht auf die Einzelheiten der Denkschriften ein und kritisiert sie abfällig. Der Verglich mit Elsatz-Lothrmgen, den der Kolonialdirektor gestern brauchte, h-nkt gewaltig, denn bei Elsaß-Lothringen handelt es sich nicht nm Landerwerb, sondern um die Zurückgewinnung deutschen Bodens und hnnderttausendcr deutscher Brüder. Wo ist die Deckung für die Kolonialbahnen? Der Schatzsekretär sagte doch erst kürz.ich, er würde keiner Vorlage zustimmen, wenn nicht die Deckungsfrage gelöst sei. Soll es denn mit der Pumpwirtschast noch immer so weiter gehen? Fragen müssen wir endlich, weshalb die Truppen noch nicht zurückgezogen sind. Das muß sofort geschehen. Was die Denkschrift anlangt, so weiß ich nicht, was ich mehr vewundern soll: die Kühnheit der Rechnung oder den Glauben, daß sie auf den Reichstag Ein­druck machen wird. Ein gewisser Optimismus ist freilich bei Hofe jetzt sehr beliebt; es wird aber derselbe in weiten Kreisen nicht geteilt. Ich wünsche, daß wir in Zukunft weniger Phcmtasie- politil sehen tverdenl

Abg. Dr. Arendt (Rp.):

Ich möchte zunächst meiner Freude darüber Ausdruck geben, daß dem Kolonialdireltor die glatte Erledigung

der VertragSangelegenheiten so schnell gelungen ist. Herr Kopsch hat im Namen des deutschen Volles gesprochen; ich glaube nicht, daß er dazu berechtigt ist. (Sehr wahr I) Daß die Zurück ührniig der Truppen auf jede mögliche Weise beschleunigt wird, dafür bin auch ich. Aber eben deshalb bin ich für den fchleunigen Bau der Dahn. Die Vorschläge des Abg. Kopsch laufen darauf hinaus, datz man ; den Krieg und die Opser verewigte. Da ist der Abg. Ledebour

wenigstens konsequent, indem er die ganzen Kolonien arckgrbk« will. Welche Erfolge man durch Vahnbauten crzie t lehren die Erfahrungen, die die Engländer mit der /^anda B-chn g macht haben. Diese Bahn hat auch unS einen schweren^ Aufstand erspart, der unS viel Opfer gelastet bat. A.,o. entweder wir geben die Kolonien auf oder wir bauen Bahnen, um die moderne Kultur hineinzutragen. Diesem Gedanken hat auch Windthorst einmal AuSdr?ck gegeben. Bei der Rede deS Abg. Ledebourhabe ich mich gefraat, wie mag denn eigentlich die sozmlistifche Kolonial. Politik auSfehen. Nehmen wir an, wir hatten eine Republik, mit Herrn Bebel als Präsidenten, Herrn Singer als

ReichSlanzler und Herrii Ledebour als Kolonialdirektor!

Wie würden Sie denn die Deutlchen ui den Ko onien schützen? (Abg Bebel: Wir tvürden Sic hinschicken! Grotze Heiterten links). Herr Bebel, jetzt bin ich gern hingegangen "Jet mit« Ihrer Herrschaft würde ick das nicht tun. (Grotze Heiterkeit recktS). EtivaS Mitgefühl mit den deutschen Landsleuten konnte Herr Ledebour wohl haben, er mußte sich tagen, datz Die Entwicklung der Kolonien nicht au« sich selbst erfolgen kann, sondern daß ihnen Hilfe vom Mutterlande werden muß. Ein Zugeständnis hat Herr Ledebour freilich schon gemacht, « sprach gestern uick't von den wertlo-en Kolonien, sondern von den relativ wertlosen Kolonien. DaS ist sehr bezeichnend. Heute liegen die Verhältnisse nicht mehr so tote früher,

heute sind 16 Abgeordnete auS allen Parteien Dort ge- wesen, die alle mit der Meinung zurückgelommen sind, datz ihre Erwartungen übertroffen seien und daß untere Kolonien nicht relativ wertlos wären. Ich halte es Tür einen schweren Fehler unserer früheren Koionialverwalmng, datz der Bau der Bahn im Süden nicht sofort- bei AuSbruch, des Aufstandes in Angriff genommen Mtd ferner, daß sie tm vorigen Jaore nicht die Fortführung der Bahn btS KeelmannS- Hoop, sondern statt dessen die Rohoboth-Dahn forderte. Dm Keetmannshoop - Bahn wäre von der Budgetkommission^ ohne weiteres bewilligt worden. (Sehr richtig! rechts.) Die militärischen Forderungen für Südtoesta'rika sind bereits erheblich herabgesetzt, und sie werden sich noch weiter vermindern. Diejenigen Opfer, die die reichsten Früchte tragen, sind und bleiben die Opfer für Eisenbahnen. Herr Kollege Paasche bat in Den von ihm angestellten Berechnungen in keiner Weise übertrieben. Die Tatsache, datz jetzt sogar die Engländer trotz ihre« großen Kolonialbesitzes aus einer deutschen Kolonie etwa« zu holen suchen, wird hoffent­lich auch d -m deiitschen Michel die Augen offnen. Wir wllten aushören, die Koloniaifrage als Parteifrage zu be­trachten, sondern uns statt dessen vereinigen, um Die Kolonie» zu einer Quelle steigenden Wohlstandes für Deutschland zu machen. Natürlich haben wir Lehrgeld zahlen müssen, aber jetzt dürfen wir den Optimismus des Kolonial­direktors für berechtigt halten, denn wir stehen an der Schwelle einer aufsteigenden Entwicklung. Gerade die Anhänger der Kolonial­politik haben das größte Interesse daran, daß nur die besten Be­amten nach den Kolonien geschickt werden, aber deshalb braucht man noch nicht jede Verfehlung in der ärgsten Art breit zu treten. Ich hoffe, daß jetzt endlich ein frischer Geist in unsere Kolonial« Verwaltung einziehen wird. Durch eine vernünftige Kolonialpolitik fördern wir die Interessen des deutschen Volkes. (Beifall rechts.)

Ein Vertagungsantrag wird angenommen.

Nächste Sitzung: Freitag 1 Uhr: Fortsetzung.

Schluß 6>» Uhr.

er frgertbtoeldje Hilfskräfte hat, dann toei*d er stch natürlich nicht i an bte kleinerer» Firmen, sondern macht Abschlüsse mit em# eigen großen.

Weiter ist die

Rechtsfrage in den Kolonien

angeschnitten worden. Sie ist KveifelloL eines der toidjtrQflen Probleme, kann ab« nur gelöst werden, wenn wir uns die Erfah­rungen älterer Kolonialvölker zunutze machen. Wir haben viel zu wenig Darauf gesehen, toa-3 unsere Nachbarn tun, und uns viel zu viel mit eigenen Dogmen herumgeschlaacn. (Sehr richtig!) Da­durch haben wir furchtbar viel Lehrgeld bezahlen muffen. s^hr wahr! Sehr richtig!) In der Frage desMngeborenenrechtS Haven andere Nationen)on eine lange Praxis hinter sich. Das musten wir zunächst studieren, und daher ist tm neuen Etat

der Poften eines Kolonialattaches

gefordert worden (Hört, Hörti und Lachen bei den Soz.), der an Ort und Stelle sich die Sachen ansehen soll. Denn, was in der Wilhelrnstrahe zu studieren ist, das können wir alleine. (Grotze Heiterkeit.) ____

Nunmehr komme ich zu dem letzten Wunsch deS Freiherrn von Nichthofen, nämlich, daß das

deutsche Kapital

in größerem Umfange zu Den Kolonien herangezogen werden soll. Das deutsche Kapital ist aber gegenwärtig sehr schwer Heranzuzwhen, nicht etwa, weil eS kein Verlrauen zu unseren Kolonien hatte, sondern weil es hier wirklich zu ungewöhnlich guten^n eine überreichliche Betätigung findet. So lange wir einen Bank­diskont von 6 Prozent und ein Kontokorrent von 7 Proz. haben, geht das Kapital nicht nach den Kolonien und legt sich dort zehn Jahre brach. Andererseits kann man das Kapital unter* stützen, DaS dorthin will, aber nicht daS, welches sich,in großen Landgeschäften zu Bodenspekulationen festlegt (Großer Beifall rechts), sondern wir wollen es da unterstützen, wo es die Gewahr bietet, daß es werbend, wirkend, fördernd in die Entwicklung der Kolonien eingreift. Aber da Dürfen wir auch nicht knausern, da müssen wir auf etwas breiter Grundlage vorgehen. Nur dürfen wir, wie schon gestern gesagt, nicht denken: das Kapital wird dort unsere Eisenbahnen bauen. Eisenbahnen sind Angelegenheit des Staates.

Monopole

soll man eben nicht in private Hände geben I DaS haben uns unsere bisherigen Erfahrungen zur Genüge gewährt. .(Lcbh. Beifall.)

Wg. Kopsch (fress. Vg.):

Die Danksagungen von dem Kolonialdirektor waren ja zwar sehr liebenswürdig, aber nicht notwendig. AuS der Rede des Direktors klang heraus, als ob er um mildernde Umstände für seine Denkschriften vlaidiere. (Lachen rechts.) Nun, wir ge­währen ihm mildernde Umstände, im Hinblick auf die große Ar­beitslast, die auf ihm jetzt ruht. Herr Kollege Semler hat auf Grund seiner persönlichen Erfahrungen hier gesprochen. Aber diese persönlichen Erfahrungen können für uns nicht vollkommen maßgebend sein. Das deutsche Volk glaubt an Erfolge in unseren Kolonien nicht, und es ist müde, dafür immer Opfer zu bringen. Die Kolonien müssen nach kaufmännischen Grundsätzen regiert werden, aber Kaufmann ist nicht gleichbedeutend mit Zahlen­jongleur. Da wir einmal Kolonien haben, so werden wir, wenn sie vernünftig bewirtschaftet werden, auch daran mitwirlen, wie wir es bisher schon getan haben. Herr Dr. Semler hat den Mut

Belinntumchmtg,

betr. die Hundesteuer.

Diejenigen hiesigen Einwohner, welche tm Laufe dieses Jahres Hunde abgeschafft, aber noch nicht abgemeldet haben, wollen die- fpäiestens bis zum 31. Dezember entweder mündlich oder schriftlich bei der unter- zeichneten Bürgermeisterei (Zimmer Nr. 2) anzeigen. Vordruck für schriftliche Abmeldungen ist dort erhältlich. Die Verbindlichkeit zur Em- richtung der Hundeadgabe dauert bei Nichtabineldimg auch im folgenden Jahre und zwar solange fort, al« die entsprechende Anzeige versäumt wird.

Gießen, den 29. November 1906.

Großherzoaiww L^uro''rmeisteret Gießen.

B/11 _________I. B.: Eurschmann. ________________

Bekanntmachung.

In das Genossenschaftsregister wurde bezüglich des Spar- und Borfchutz-Rerein Staufenberg, e. G. m. u. H. eingetragen: der Rechner Heinrich Benzler ist aus dem Vorstand ausgeschieden. Der Landwirt Ludwig Kaiser II zu Staufenberg ist als Kontrolleur in den Vorstand ge-- wähll und das Vorstandsmitglied Ludwig Kraft III zum Rechner bestellt worden.

Gießen, den 29. November 1906.

B-°/"____________Großherzogliches Amtsgericht.___________

Bekanntmachung.

Die Firmen: a) Wilhelm Reiber"; b)Kaisers Kaffeegeschäft, Kaiser & Cie. zu Dülken, Zweignieder­lassung Gießen" sind erloschen. Die FirmaKölner Konsum-Anstalt Gebrüder Berdux, Gießener Seefisch- Markt zu Gießen" ist ab 15. Oktober I. Zs. mit Aktiva rind Passiva auf den Kaufmann Heinrich Berdux in Marburg übergegangen; die Prokura der Julius Berdux Ehefrau ist erloschen. Die FirmaTheodor Rinn & Cie. Zweigniederlassung in Gießen" ist ab 1. November 1906 ohne Aktiva und Passiva auf den Fabrikant Friedrich Solger von Hanau übergegangen und wird unter der alten Firma als Hanptniederlassung weitergeführt. Der Sitz der Zweigniederlassung Gießen der Firma S. H. Cohn zu Woerlitz ist nach der Badenburger-Mühle, Gememde- bezirk Wieseck, verlegt worden.

Gießen, den 26. November 1906.

Großh. Amtsgericht. B/11

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Ansprüche an das Grundstück in der Gemarkung Gießen alt Flur 28 Nr. 140, neu Flur 13 Nr. 153 Acker am Sand- kailten-Weg links 1188 qm, im Grundbuch zugeschrieben dem Heinrich Eapeller und dessen Ehefrau (Äisabethe, geborene Buß zu Gießen, das überschrieben werden soll, sind

binnen vier Wochen

vom Erscheinen in den Blättern gerechnet, dahier gehörig begründet geltend zu machen, als sonst die Beschränkung vom 3. April 1879 im Mntationsverzeichnis gelöscht wird.

Gießen, den 28. November 1906.

Großh. Amtsgericht. B/11

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Sonntag, den 9. Dezember 1906, vormittags 10 Uhr, im Felseukeller

Tagesordnung:

1. Wahl des Ausschusses zur Prüfung der Jahresrechnung.

2. Vorstandswahl bezw. Ersatzmänner.

3. Statutenänderung (§ 21).

4. Bericht von der Jahresversammlung des Ver­bandes deutscher Ortskrankenkassen inDüsseldorf. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung sieht der Vorstand zahlreichem Besuche entgegen.

c»o.u Der Borstand.

Sonntagsverein für Mädchen.

Die Vereinigung der Mädchen findet statt an jedem Sonntage zwischen 2 und 7 Uhr nachmittags im Saale der Kleinkinderschule, Diezstraße 15, die Mädchen können zu jeder Zeit kommen und gehen; von etwa 4 Uhr bis 5 Uhr findet gemeinsame Unterhaltung statt mit Gelang, Andacht, Ansprache, Vorträgen.

Gute unterhaltende Bücher und Spiele sind in großer Zahl vorhanden. Wir laden zur Tellnahme freundlichst ein. D/a

Der Vorstand:

Dr. Naumann, Kirchenrat.