Ausgabe 
3.10.1906 Erstes Blatt
 
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Reichstag angenommen worden ist, zum Gegenstand der Besprechung gemacht. Reichstagsnbg. Dr. B e ck e r gab eingebende Ausklärung, wie die Fraktion in dem Reichstag sich zu der Reichsfinanzreform in ihren verschiedenen Stadien gestellt habe, lieber die Schul- gesetzsrage in Preußen äußerte sich und zwar ebenfalls entschieden im Sinne der Simultanschule Rektor K a ß l i k. Bei der Fülle der ailfgeworsenen Fragen konnte die Diskussion nicht vollständig zu Ende gebührt werden und es wurde in Aussicht genommen, daß insbesondere die F r a-g e des direkten Landtags- Wahlrechts in Hessen in einer demuächstigen Ver­sammlung erörtert werden soll.

Ans Stadt nnd Land.

Gießen, 3. DFL 1906.

** Personalien. Durch Entschließung des Großh. Ministeriums des Innern wurden die Lehramtsrefcrendare Karl 91 n ft o § zu Groß-Gerau, Wilb. Beiling zu Offen­bach, Dr. Gg. Blecher zu Bingen, Gust. Drescher zu Neu-Isenburg, Otto Em mel zu Alzey, Wilb. Fri e d rich zu Michelstadt, Karl Heyl zu Schlitz, Chr. Himmelreich zu Alzey, Arth. Jungk zu Worms, Ernst Keller zu Laubach, Dr. Otto Keller zu Offenbach, Wilb. Kl eck zu Mamz, Joh. Kron zu Offenbach, Karl Kübel zu Mainz, Ludw. Lambinet zu Mainz, Friedr..Lamby zu Gießen, Herrn. Müller zu Hungen, Franz Petersohn zu Offenbach, Ludw. Quentel! zu Oppenheim, Gg. Schmoll zu Fried­berg, Fritz Textor zu Worms und Theod. Wallbott zu Heppenheim zu Lehramtsaffefforen ernannt.

Wetterau-Lahntalsängerbund. Die Bundes­leitung beschloß, als Termin für das erste Bundes­sängerfest bei dem am 14. Oktober voraussichtlich in Kirchgöns stattfindenden Sänger- und Dirigenten­tag den 2. Juni 1907 vorzuschlagen. Gleichzeitig sollen die Meldringen der sich um das Fest bewerbenden Landes- sereine entgegengenommen und beraten werden. Auch die oon den Vereinen vorzutragenden Chore werden bei dieser Gelegenheit seitens der musikalischen Bundesleitling in Vor­schlag gebracht werden. Es sollen dies nach Beschluß der Bundesleitung V olkslieder sein, die erst kurz vor dem Singen aus einer Auswahl von 4 bis 6 während des Winters einzustudierenden Volksliedern ausgelost werden. Außerdem soll jeder Verein noch einen selb st gewählten Chor vor­tragen. Die durch das Los übergegangenen Volkslieder werden spater als Bundes-(Massen-) CH öre vorgetragen. Auch eine Partit ure n-Bi b li oth ek wird angelegt. Es wird eine sorgfältige Auswahl getroffen und die Partituren werden in mehreren Exemplaren bei der Wahl neuer Chöre den Dirigenten der Bundesvereine zur Verfügung gehalten.

** Ansichtspostkarten mit unzulässigen Ueb er­seh r ist en. Zu der unter der vorstehenden Spitzmarke durch die Presse gehenden Notiz möchten wir bemerken, daß nach den Bestimmungen des letzten Postkongreffes in Rom die linke halbe Seite von Ansichtspostkarten dem Publikum für Mit­teilungen geschriebener oder gedruckter Art freigegeben worden ist und dieses für die ganze Welt und ohne irgend welche beschrankenden Nebenklauseln. WaS sich also auch immer auf der linken Seite der Postkarten-Adreßseite befinden mag, hat auf die Portoerhebung absolut keinen Einfluß. Einzelne Nachportoerhebungen, die von einem übereifrigen Beamten hier und da veranlaßt sein mögen, sind vollständig imbe­rechtigt. ES steht dem Jntereffeuten jederzeit das Recht der Reklamation zu. Im Uebrigen tragen z. B. die zum größten Teil wirklich künstlerisch ausgeführte Landschaften aus aller Herren Länder, wie auS Skandinavien, Großbritannien, den Sllpen, aus Thüringen, dem Harz, dem Taunus, Ansichten von der Riviera, wie von Bern und Nürnberg :c. rc. dar­stellenden schönen Postkarten des Verlages von Raphael Tuck & Son? den Aufdruck:Tuck"-Postkarten kursieren zu Millionen in der ganzen Welt, ohne daß die Postbehörden daran Anstoß genommen haben. Nicht nur werden, solange sich das WortTuck" auf der linken Hälfte der Adreßseite befindet, postalische Bestimmungen nicht getroffen, sondern laut Beschluß des letzten Postkongreffes in Rom ist der § 7 III der Postordnung vom 20. März 1900 insofern annulliert, als das WortPostkarte" auf der Adreßseite von Ansichts­postkarten überhaupt nicht mehr zu erscheinen braucht.

Odenhausen, 2. Okt. Im Kreisblatt vom 28. Sept, wird ein Auszug aus dem Protokoll der 36. Sitzung des ProvinzialtagS veröffentlicht. Von allgemeinem Jntereffe ist darin die Mitteilung des Ausschuß-Antrags überDie Licht- und Wasserversorgung der Gemeinden". Derselbe wurde beraten und mit allen gegen drei Stimmen genehmigt. Der Antrag befaßt sich mit einer großartigen Idee und bekundet einen weitgehenden Blick. Eine Bedürfnis­

frage von höchster Wichtigkeit soll gelöst werden, und der Provinz sollen ihre Wasserschätze gesichert werden,Oberhessen den Oberhessen". Ehre den Männern, die die Zeit verstehen und für da? allgemeine Wohl ausnntzenl Nehmen wir die Wasserfrage. Wie schwer wird es manchen Gemeinden gemacht, Wasser zu bekommen. Quellen fehlen, mit Sammel- wasser wird sich beholfen. Die Leute dringen, besseres Waffer zu bekommen. Man sucht Quellen in Nachbarorten oder weiter; nach vielen Scherereien ist man Handelseins. Die Gemeinde oder Genossenschaft bekommt mit der Anlage Wasser, oft aber teueres. Anders wird das sein, wenn das so reiche Quellengebiet Oberhessens nach einheitlichem Plan geleitet und den Interessenten zugeführt werden wird; Anlagen in großem Stil sind auch billiger.Manche Brünnlein fließen, wo die Blumen sprießen, hin zum Wiesental", aber zu ferne den Menschen. Das wird dann anders. Tausende könnte die Quelle bei H of A ppen b orn versorgen, die der Lumda das meiste Wasser zuführt. Glücklich wären die Orte Lumda und Beltershain, auch Oden hausen mit dem mühevollen Weg nach seinem einzigen Brunnen vor dem Dorfe, der wegen seiner tiefen Laae nicht hineingeleitet werden kann, auch zu wenig Wasser liefert.

-j- Hattenrod bei Lich, 2. Okt. Da die Besitzer von mehr als der Hälfte des Geländes unserer Gemarkung sich für die Einführung der F el d b ere in i gung erklärt haben, so kommt diese schon in diesem Winter zur Aus­führung.

Grünberg, 30. Sept. Das in Nr. 229 kurz er­wähnte Reden-Denkmal, das in vergangener Woche aus der Ostseite des hiesigen Kirchenplatzes wieder Ausstellung gesunden hat, ist eine Schöpfung des Kasseler Bildhauers Samuel Na hl (17481806). Dieser Künstler ist ein älterer Bruder des von Goethe in der Monographie über Winkelmann genannten Malers Johann August Nahl (17521825). Sein Großvater Johann Samuel Nahl (16641727) ist der Schöpfer der Reiterstatue des Großen Kurfürsten auf der Langen Brücke zu Berlin. Bereits vor

amtskandidat Beckmann aus Elberfeld als Schulverwalter angestellt worden.

vermischtes.

* Mordtaten. Der Maurer Georg Stolz in All- mannsm eier (Baden) wurde unter Umständen, die einen Mord annehmen lassen, tot aufgesunden. Nun ist sein Sohn als des Morde? dringend verdächtig verhaftet worden. An dem siebenjährigen Töchterchen des Müllers Schwarz von Dinglingen (Baden) wurde ein Lustmord verübt. Das Mädchen wurde mit aufgeschlitztem Leibe aufgesunden. Der mutmaßliche Täter ist ein wegen Sittlichkeitsverbrechens schon mehrfach vorbestraftes Individuum. In der Nahe der ZecheLangenbrahm" bei Essen wurde in einem Straßen­graben die Leiche einer Engländerin aufgefunden. An­scheinend handelt e5 sich um einen Lustmord.

Neues Erdbe ben ans Sizilien. In Trabia und Termini wurde am Montag abend eine starke Erd- erschütterung gespürt, eine zweite leichtere am Dienstag Morgen. AuS Termini meldet man den Einsturz eines Hauses und einer Gartenmauer. Die erschreckte Bevölkerung floh ins Freie. DaS Wetter ist schön.

Arbeiterbewegung.

Offenbach, 30. Sevt. Die in den hiesigen Metall­warenfabriken befchästigten Schleifer hatten am 26. Sept, wegen Lohndifferenzen die Kündigung eingereicht. Die Arbeitgeber haben nunmehr sämtlichen Arbeitern auf den 12. Oft. gekündigt, da ohne die Schleifer der Fabrikbetrieb nicht auf­recht erhalten werden könne. Falls inzwischen eine Verständigung nicht erzielt wird, sind vom 12. Oktober ab etwa 20 0 Arbeiter der Metallwarenindustrie in 18 hiesigen und 2 benachbarten Fabriken ausgesperrt. Die Dergleichsverhandlungen werden morgen nach­mittag beginnen. (Frki. Ztg.^

flachen, 2. Okt. Eine heute in k>aaren stgttgesimdene Ver­sammlung von 2000 ausständigen Arbeitern des Hüttenwerkes Rote Erde beschloß, in dein Ausstand zu verharre n.

drei Jahren regte Professor Röschen zu Gießen die Wiederherstellung des Reden-Denkmals und seine Aufstellung auf dem hiesigen Kirchenplatze in einer besonderen Schrift an, während von anderer Seite die Ausstellung in der hiesigen Spitalkirche vorgeschlagen wurde. Profissor Dr. Röschen betonte, daß es alsdann der Oeffentlichkeit entzogen wäre. Hier auf dem Kirchenplatze, auf der 9lnßenseite des Chores, wo der tapfere General bestattet sei, sei der einzig richtige Platz. Dllrch genannte Schrift wurde ein Urenkel de? ge­fallenen Generals, Justizrat Gottfried von Reden zu Frankfurt, für das Denkmal seines Ahnherrn interessiert und hat hierfür nicht unbedeutende finanzielle Opfer gebracht. Ter geschickten Hand des hiesigen Bildhauers Leonhard ist die Wiederherstellung trefflich gelungen. Hoffentlich wird die Umgebung des Denkmals durch gärtnerische Anlagen noch in würdiger Weise verschönert werden.

+ Nidda, 2. Okt. Bei der diesjährigen- Verstei­gerung des Gemeindeobstes wurden 360 Mk. für Zwetschen und 2240 Mk. für Aepfel und Birnen erlöst. Gestern hielt die Bezirks-Sparkasse Nidda ihre Gene­ralversammlung ab'. Beim Abschluß der Rechnung stellte sich die Einnahme auf 117 228.82 Mk., die Ausgabe auf 1104107.02 Mk. Das Kapitalvermögen beträgt 3 056 317.09 Mk., die Kapitalschulden betragen 2 893 163.68 Mark. Der Reservefonds betrug 231 337.05 Mk.; Zugang in 1905 6800.35 Mk. Der Reingewinn beträgt 10 976.35 Mark. Die Zahl der Einleger betrug am Anfang des Jahres 2638, am Ende deS Jahres 2733. Der Zinsfuß beträgt für sämtliche Einlagen 3*/2 Proz., für Darlehen gegen Hypo­theken und Schuldscheine (mit hinterlegten Wertpapieren) 3.8 Proz., für Darlehen gegen Schuldschein uni» Bürgschaft, wie für Kaufschillinge 4 Proz. Von dem Reingewinn wurden bedacht: der Veteranenverein Nidda und Umgegend mit 100 Mk., der Verein Krankenpflege zu Nidda mit 300 Mk., die Gewerbeschule Nidda mit 1200 Mk., der Ortsgewerbe­verein Nidda mit 400 Mk., der von Echzell mit 300 Mk., die Handwerkerschule Echzell mit 400 Mk., die Dekanats- krankenpflege mit 100 Mk., die Haushaltungsschule Lindheim mit 50 Mk., die landw. Winterschule Büdingen mit 125 Mk., der landw. Bezirksverein Büdingen mit 125 Mk., desgleichen Schotten mit 25 Mk.

= Münchholzhausen, 1. Okt. An Stelle des als zweiter Lehrer hierher berufenen Schulamtskandidaten Otto Heinrich aus Oberwesel, Kreis St. Goar, ist der Schul-

Meteoroloenscke Beobachtungen

der Station Gießen.

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Wetter

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Oktober

1906

2.

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3.

2

746,6

13,6

9,0

7«

8

4

Bed. Simmel

9"

743 6

12,7

10,5

97

SSW

4

Regen

72s

734,2

13,1

11,1

99

SW

4

Regen

Höchste Temperatur am 2. Oktober + 13,9 0 C.

Niedrigste , 2. = + 3,80 C.

Telefonische Kursheric^fe

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank fllr Handel und Industrie. Gie«*on.

Frankfurter Itörei#*. 3. Oktober. 1.15 Uhr.

3y6,0 Beichsanleihe . . 98.65

3% do. . . 86.55

3^°/0 Konsols . . mi . 98.65

3% do. . ... 8655

3^6/0 Hessen.....97.80

3%0/n Oberhessen . . .. 4 % Oesterr. Goldrente. . 99.30 4x/r Oesterr. Silberrente 100.10 4% Ungar. Goldrcnte . . 95.15 ,4% Italien. Rente . . .. 3°^ Portugiesen Serie I . 69.50 3°ff Portneiesen III 70.60 4 %°/ft russ.Stantsanl. 1905 86.50 4y0,n japan. Staatsanleihe 93.10 4 °< Cdnv. Türken von 1903 94.20 Türkenlose ... . 147 20

4 % Griech. Monopol-Anl. 54 00 4 % äussere Argentinier . 89 60 3°/n Mexikaner .... 68.40 4^°/0 Chinesen .... 97.40

Aktien:

Bochum Guss..... 244.70

Buderus E. W . . . . 130.50

Tendenz : unentschieden.

Berliner Börse, Canada E. B. . . . . 182.00'

Hann Städter Bank . . . 139.60 Deutsche Bank ..... Dortmunder-Union C. . . 84 30 Dresdner Bank .... 158.70 Tendenz: ruhig.

Dielt tri z. Lahmerer . . 146 00

Elektriz. Schlickert . . . 129.50 Rsohweiler Bergwerk . 247 10 Gelsenkirchen Bergwerk . 226 00 Hamburg - Amerik. Paket!. 159.10 Harpener Bergwerk . . . 215 00 Laurahütte...... 248 50

Nordd. Lloyd.....126.75

Obeischlcs. Eisen-Industrie 132.00 Berliner Handelsses . . 173.50 Darmstädter Bank . . . 13960 Deutsche Bank . . . 239.70

Deutsch-Asiat. Bank . . 173.00 Diskontn-Kommandit. . . 183.80 Dresdner Bank . . . 158.70 Kreditaktien.....211.60

Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn . . . 125.30

Gotthardbahn.....

Lombard. Eisenbahn . . 36 90 Oesterr. Staatsbahn . . . 146.30 Prince-Henri-Eisenhahn . 145.00

L Oktober. Anfanß-skurse.

Harpener Bergwerk. . . 214.70 Laurahütte ..... 248.30

Lombarden E. B. ... 36.00 Nordd. Lloyd......

Türkenlose . .... 147.70

aufrecht zu erhalten. Betonung und Färbung der Rede wie Momenten erhielt seine Rede etwas besonders Gewaltsames, die Gesamt-Charakterisierung hatte sie in befriedigender Schärfe Gezwungenes. Die Geberde ist steif, sein Organ nicht sonder- hcrausgearbeitet, und sie war auch imposant genug, um eine lich sympathisch. Von innerer Anteilnahme an der dichte- eindringliche Wirkung zu hinterlassen. Jedenfalls besitzen wir rischen Figur zeigte er nicht viel. So müssen wir denn in ihr eine gute Heroine. hoffen, daß uns die nächsten Theaterabende Besseres von ihm

Der anstelle des bekanntlich nach Stettin übergesicdelten bringen. Dingelstedt übrigens, der alte Theaterpraktikus, trefflichen Herrn Lüttjohann gewonnene Vertreter der jugend- der sich den Cesar alstiefdunkeln Südländer", Manuel als lichen Liebhaber, Herr Kober, spielte den Don Cesar. Seineblonden Normannen" vorstellte, um an diesen äußeren Ver- freilich ein wenig belegte, vielleicht vorübergehend etwas schiedenheiten den Gegensatz der beiden Brüder anzudeuten, heisere, aber doch ganz wohlklingende, biegsame und trag- wäre gestern ob der Umkehrung dieser seiner Vorschrift arg fähige Stimme zeigte sich für diese VerSrezitation nicht übel verwundert gewesen.

beanlagt. Er gefiel durch das noble Feuer seiner Sprache, Frl. Donecker als Beatrice zeigte sich ebenso reizend das er, wie es scheint, besonnen einzuteilen weiß. Auch seine in der Erscheinung, wie seelenvoll, jedoch nicht ganz so lebendig natürlichen Mittel sind ansprechend. Daß er sich eine vor- bewegt zwischen Liebe und Sorge, Hoffnung und Furcht in zügliche Schillermaske erwählt hatte, die ihn recht kleidete, Vortrag und Spiel, wie sie eS wohl selber gewünscht hätte, war ein artig feiner Einfall, der zu rühmen ist. Dabei er- Immerhin eine recht erfreuliche Leistung. Sie hat an der freute vor allem sein sehr teilnahmvolles stummes Spiel in neuen großen Aufgabe gewiß sehr fleißig gelernt, und im Haltung und Geberde. Ein festes Urteil über Wesen und wesentlichen ihren Gehalt auch voll bezwungen.

Können des offenbar noch sehr jugendlichen Darstellers, der Dem Chor verdanken wir tatsächlichein Prachtgefüge ja wohl auf dem Boden des klassischen DramaS seine Haupt- von Versen, das mit den gedankenvollsten und kunstreichsten stärke entwickeln wird, ließ sich noch nicht gewinnen, doch Rhythmen der griechischen Tragödie wetteifert". Die Rede scheinen wir in ihm ein respektables, jedenfalls recht ent- der Einen hat etwas vom Orgelklang, die der Anderen etivas wickelungsfähigcs Talent gewonnen zu haben. von Schwertgeklirr. In Herrn B a kof besitzen wir wahrscheinlich

Dagegen wurde Herr Kostals Don Manuel keineswegs fortan einen sehr guten Sprecher, der als Cajetan dieses demlyrischen Prachtgewebe" gerecht, mit dem die Dichtung Prachtgefüge, soviel cs an seinem Teile lag, zu bedeutender von dem Dichterdurchflochten und umgeben" ist. Auch gab Wirkung brachte. Markig und ausdauernd ist seine tiefe sich die Darstellung nicht so gewandt, als es wünschenswert Stimme; wenn sie gestern stark verschnupft klang, so ist das gewesen wäre. Die Sprache hat nicht die letzten Reste müh- wohl als eine hoffentlich bald vorübergehende Folge des (amer Schulung verloren, der östliche Dialekt ist noch nicht Klimawechsels anzusehen. Die Ueberhastung der Rede im abgeschliffen. Eigentümlich berührte nicht nur vereinzelt die Dialog störte freilich. Die Herren Lippert und Reimer, Neigung des Darstellers, Endsilben auseinanderzuzerren und die wir wieder zu begrüßen die Freude hatten, wußten sich Einzelsätze mit scharfer Betonung hervorzustoßen. In solchen leider am unrechten Platz,der Not gehorchend, nicht dem

eignen Triebe" I Dagegen zeigte sich Herr Goll als Bohemund, angemessen unterstützt von Herrn G ree ff, wie auch früher stets seiner Aufgabe wohl gewachsen. Der Gesamtchor sprach nicht übel. Mißklingende Intervalle wurden vermieden, der Mangel elementarer Sprach- und Sprcchfehler fiel im Zu­sammenhang angenehm auf. Um den Chor noch beweglicher zu machen, müßte man, gleich wie das Militär Griffe übt, zeit­weilig Bewegungen üben laffen.

Die Rezitation hielt sich fast allgemein von hohlem Pathos fern und zeigte ein auf ernster geistiger Vorarbeitung beruhendes, rechtes Verständnis und echten Stimmungsgehalt, sodaß die gar leicht sich einschleichcnden Betonungssünden sich nicht zu störend bemerkbar machten. Das Dekorative war recht nett gestaltet und das Kostmnliche tadellos.

Das Hans war bis zum Rande gefüllt und dankte mit lautem Beifall. Jedenfalls darf man mit Spannung der neuen Spielzeit entgegensehen. P. W.

*

Duhnen -.D ekämeron ist der Titel eines neuen, sehr hübsch ausgestatteten, mit z-ahlreichen Bildern ge- schmuckten Buches, das eine Fülle heiterer und ernster Er­lebnisse berühmter und beliebter Bühnenkünstlerinnen und Bühnenkünstler bringt. Diese von dem Theatervölkchen arnü- sant und interessant selbster^ählten Erlebnisse durften von Theaterfreunden freudig begrüßt werden. Mancher Kenner wird dabei seinen Lieblingen darin be­gegnen und mit, dem Ausplaudern ihrer Schicksale, Fahrten und Abenteuer isch manche Stunde angenehnr unterhalten. Auch der Theaterhistoriker dürfte bei der Lektüre mancherlei finden, was ihm, vom kulturhistorischen Standpunkte aus, interessieren dürste. Das Buch von 338 Seiten kostet 3 Mk. Es ist von Georg Gellert herausgegebcn und im Verlage Gustav Ziemsen, Berlin W. 35, erschienen.