Ausgabe 
30.6.1906 Drittes Blatt
 
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Nr. 151

Erscheint «glich mit «uSnahme deS Sonntag«.

DieSiehener LamNirnblittter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Ter Eheffisch« Eanöwlr*** erscheint monatlich einmal.

Rotationsdruck unb Verlag der V »üblich« UnwerfttLtSdruckerei. 9L Lange, Gieße»

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Drittes Blatt 15«. Jahrgang Samstag 30. Ium 1806

Eietzener Anzeiger

General-Anzeiger, Ami;- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.

BermögenSschulden der Bundesstaaten.

Bei den lieber schüss en aus früheren Jahren steht Preußen obenan, bei dem nach dem Stand vom 30 September 1904 123,4 Millionen Mark derartige Ueberschüssc die bereits festgelegt sind, vorhanden sind. Bayern hat einen lleberschuß von 45,7 Mill Mk., Baden einen solchen von 30,5 Mill. Mk., wovon allerdings 25,4 Millionen aus früheren Anleihen herrühren; dann folgen Hessen mit 8,1, Lübeck mit 6,3 und Hamburg mit 5,5 Millionen Mark Das Deutsche Reich schloß im Jahre 1903 mit einem Fehlbetrag von 6,3 (1902 30,7) Millionen Mark ab. Das Staats- und Kapitalvermögen des T'eut- schen Reichs belief sich am 1. April 1905 aus 412,5 Mill. Mark gegen 484,9 Millionen im Jahre 1903 und 549,6 Mill, im Jahre 1901, ist also in st a r k e m Rückgang e be­griffen, was auf die Verminderung des Reichsinvaliden- sonds ^urückzuführen ist, der von 1901 bis 1905 von 367,4 auf 230,6 Mill. Mk. zusammengeschmolzen ist. Tas Staats- Vermögen Preußens betrug i. I. 1904 475,5 Millionen Mk. gegen 378,4 i. I. 1903, 318,8 i. I. 1902 und 321,9 i. I. 1901, ist also in drei Jahren um 153,6 Millionen Mark gestiegen. Das Kapitalvermögen des Königreichs Sachsen belief sich, wie im Vorjahr, auf 109,9 Mill. Mk., von Hessen auf 70,8 (62,2), von Baden auf 68,8 (68,8), von Bayern auf 67,6 (65,0), Württemberg auf 47,6 (41,8), Braunschweig auf 44,0 (44,8), Mecklenburg-Schwerin auf 18,8 (18,8), Anhalt 17,9 (13,3), Sachsen-Weimar 16,6 (15,6) usw. Schaumburg-Lippe hat sein früheres Staatsvermögen von 53 800 Mk. aufgebraucht, auch Bremen besitzt kein Staatsvermögen. Die Eisenbahnen der Bundesstaaten und des Reichs, deren Länge 31196,4 Kilometer beträgt, haben ein Anlagekapital von 13 615 Millionen Mark gegen 13 212 i. I. 1904, 12689 i. I. 1903 und 12 330 i. I. 1902, sodaß das Anlagekapital in drei Jahren um 1285 Millionen Mark zugenommen hat. Auf Preußen entfallen 33 301 Kintr. und 8716 Mill. Mk. Anlagekapital, auf Bayern 6379 Kmtr. und 1455 Millionen Mark, auf, Sachsen 3162 ftnitr. und 1000 Millionen Mark, auf Württemberg 1963 Kmtr. und 636 Millionen Mark, auf Baden 1647 Kmtr. und 646 Mill. Mk., auf Hessen 1180 Kmtr. und 305 Mill. M k. Von den kleinen Staaten haben nur Oldenburg, Sachsen-Mei­ningen, Hamburg unb Bremen Eisenbahnen. Das Deutsche Reich hat 1737 Kmtr. Eisenbahnen unb ein Anlagekapital von 652 Mill. Mk.

Die Schulden des Reiches und der Bundesstaaten beliefen sich bei Beginn des letzten Rechnungsjahres auf insgesamt 15 448,2 Millionen, und ztvar 15 204,7 Millionen fundierte und 243,5 Millionen schwebende Schulden. Davon entfallen auf das Reich 3023,5 fundierte unb 180 Millionen schwebende Schulden, auf die Bundesstaaten 12181,2 fun­dierte und 63,5 Millionen schwebende Schulden. Die fun­dierten Staatsschulden sind in der Periode 19011905 ge­wachsen im Reich von 2 315,7 auf 3 023,5 Millionen, in Preußen von 6 602,8 auf 7 209 Millionen, Bayern von 1362,5 auf 1649,6 Millionen, Sachsen von 829,8 auf 961,8 Millionen, Württemberg von 495,2 auf 537,7 Millionen, Baden von 335,7 auf 442,7 Millionen, Hessen von o84'5 auf 366,5 Millionen unb in allen Baldes- fiaateu zusammen von 10 796,7 auf 12181,2 Millionen. Im Verhältnis zu seiner Größe hat wohl der Staat Hamburg dihöchste Schuldenlast mit 474A (1901: 406,7). Millionen.

Ans Sraot uuo ft/ano«

Gießen, den 30. Juni.

Das kommende dritte Quartal sollte jeder, vor noch nicht Abonnent unserer Zeitung ist, benutzen, um sich durch die Bestellung des .Gießener Anzeigers" davon zu über­zeugen, daß es in ganz Oberhessen und dem^grenzenden preuv. "ahngebiet keine Zeitung gibt, die hinsichtlich der Reichhaltig­

keit des Inhalts ihm gleichkommt. Angesichts dessen ist auch der äußerst niedrige Bezugspreis sehr zii beachten. Alle wirtschaftlichen und politischen Vorgänge stnden im r®ic(j. A»z." eingehende Beachtung und freimütige Würdig, ung; ein sich ständig vermehrendes Berichterslatternetz setzt ihn in den Stand, alle wissenswerten Vorgänge in Stadt und Üanb rasch, zuverlässig und m ausreichender Weise zur Kenntnis seiner Leser zu bringen. Dem Bedürfnis nach Unterhaltung wird durch dieGießener Familienblätter", die insbesondere auch den heimischen Verhältnissen ihre Auf­merksamkeit zuwenden, Rechnung getragen und die Interessen der Landwirtschaft finden in dem die landwirtschaft­lichen Verhältnisse der Heimat besonders berücksichtigenden »Hessischen Landwirt- sorgfältige Beachtung. Hierzu kommt als besonderer Vorzug das frühe Erscheinen desGießener Anzeiger', sodaß er im weitaus größten Teil seines aus­gedehnten Verbreitungsgebietes noch am Erschemungstag zur Ausgabe gelangt. Eine Probebcstellung für das 3. Quartal wird sicher dazu führen, dauernder Leser desGießener An­zeigers' zu werden.

** Die Ausgrabungen, die der Oberhessischc Geschichtsverein in wissenschaftlichem Interesse in diesem Jahre in der Lin den e r Mark, DistriktFuchsbau", vorgenommen hat, waren von Erfolg, gekrönt. Tic Lindener Mark, eine Siedelung, die sich von etwa 2000 vor Ehr. bis in das 3. nachchristliche Jahrhundert nach- weiscn läßt, birgt zahlreiche Gräber und Wohnstätten. Im Mai unb Juni wurden verschiedene Flach- und drei große Hügelgräber aufgedekt. In einem der Letzteren befand sich ein Kindergrab in einer ausnehmend großen Steinkiste mit Deckplatten. Das Skelett war voll­ständig aufgelöst, nur die Zahnkronen fanden sich vor. Reiche Bronzearmbänder, Halsring, Gürtel mit Buckel, Ohrringe nut kleiner blauer Schmelzperle usw. waren der Toten beigegeben. Die sonstigen Funde der Gräber bestanden aus vielen, zum Teil eigenartigen Gefäßen, welche den verschiedensten Zeitperioden angehören und aus spärlichen Bronzebeigaben, darunter ein Messer und eine Radel. Ueberroiegenb sind es Braudgräber, die ge­öffnet rourben, nur vereinzelt Stelettbestattungen. Medi­zinalrat Dr. Haberkorn und Zahnarzt G. W. Xlocl) hatten die Güte die Knochen, bezw. die Zähiie zu untersuchen.

(^) Großen- Linden 28. Juni. Tie Festtage in Butzbach sind vorübergegangeu unb zum Schlüsse gründeten Frauen einenHessischen Frauen-Verein zur Erhaltung der alten Trachten unb Gebräuche"; doch des seit zirka zehn Jahren in Großen-Lin den bestehendenHütten - berget Tr a ch t e n v e r e i n s" hat man nicht gedacht. Bemerkt sei, daß dieser Verein im Volksmund (,eutc noch den NamenSchnatzeverein" führt unb daß diese Bezeich­nung von der Haarsrisur der Hüttenberger kommt, die man alsSchnatz" bezeichnet. Das Haar wird nämlich in jjfoei Strähnen gedreht, ober in zwei Zöpfen geflochten und diese werden bann auf dem Scheitel zu einem Knäuel zusammen- gewunden. Auf diesenSchnatz" wird das Hüttenberger Häubchen gesetzt. Der Großen-Liubencr Verein verdankt seine Entstehung der landwirtschaftlichen Provinzialausstell­ung zu Gießen 1895. Damals stellte Bürgermeister Leun dem Großherzogspaare mehrere Mädchen in Hüttenberger Tracht vor. Das Großherzogspaar äußerte lebhafte Sym­pathie für die Erhaltung der alten hessischen Trachten unb die Großherzogin übernahm das Protektorat über den Verein. Zahlreiche Mitglieder traten ihm bei, darunter angesehene Männer, wie bei damalige Provinzialdirektor von Oberhessen, Freiherr v. Gagern. Eine größere Anzahl

von Frauen und Maockieu, die sich verpsttchteten, die Tracht zu tragen, gehörte ebenfalls dem Vereine an, der an gering bemittelte Mädchen Untersuchungen gewährte. Tie Leitung des Vereins ruhte seiil)er in den Händen des Landtagsabg. Bürgermeister Leun und des Pfarrers Hcpding. Der Letzt­genannte ist im Frühjahr nach Hausen versetzt worden.

(:) Bad-Nauheim, 29. Juni. Ter hiesige Verbands- Verein des Deutschen uan tuchen- und Geflügel- züch ter verbau des hält am 11, 12. und 13. August eine Lokalausstellung, verbunden mit Konzert, Gartenfest unb Ball in den nunmehr vergrößerten Räumen des Saalbaucs Talysienhof ab. Von den Mitgliedern loerben ungefähr 200 Nummern angemeldet, und nod) viele An­meldungen sind aus der Umgegend von hier angesagt, sodaß die Ausstellung zirka 2300 Nummern aufrocifflt wird. Bis jetzt wurden zirka 35 Ehrenpreise gestiftet. Auch findet diesmal miebcruni am letzten ^Ausstellungstage eine Verlosung statt.

Bad-Nau heim, 29. Juni. Bis zum 28. Juni sind 13252 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 5985 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 28. Juni 156 012 abgegeben.

Schotten, 29. Juni. Soweit sich bis jetzt über­sehen läßt, schließt das Turnfest mit einer Minderein­nahme ab. Ter Verein dürfte noch ziemlich glatt davon kommen, während die meisten Feskwirte und Geschäftsleute Einbußen erleiden; auch die Wirte in der Stadt hatten sich größer vorgesehen, ihre Fleischvorräte hängen zum großen Teil unverbraucht noch in den Kühlräumen. Die Ursache ist in dem gering zu nennenden Besuche zu finden, woran die allenthalben statlfindenden Feste schuld sind, sowie in Ver­anstaltungen, die die Feslbesucher aus den Wirtszelten und Geschäften herauSlockten. Im großen und ganzen aber ist das Fest in schönster Weise verlaufen, wozu in der Haupt­sache daS vortreffliche Arrangement des FestplatzeS und die prachtvolle Dekoration beitrug. Einen sonderbaren Ab- schliiß findet das Fest in einem Poem, daS ein Dichterling zur Mehrung des Verdienstes" dem Schottener KreiSblatt übersandte, und das wir hier wiedergeben wollen, obwohl das Verslein besser ungedruckt geblieben wäre:

91 ad) ruf v o in Tu rufe st zu Schotten.

Festesfreuden, Festesjubel, ad) sie sind verklungen, Von des Bockzahlshöhen hin über die Täler gedrungen, Wo die loacfre Turnerschar Aus Hessens Gau ersd)icncu ivar.

Ter Tag war kühl, die Sd)lacht war heiß, Wo errungen ward der Ehrenpreis, Den heute viele Turner errangen, Aber, mit welchem Gefühl und Bangen.

Frisch, fromm, fröhlich und frei, Turnten sie Alle, sie waren habet, Tu: Turner aus dem Gaue Hessen, Werden sie Schotten können vergessen?

Wo fast Jeder preisgekrönt. Der um den Strang gestritten, Cie Alle, sie alle sie turnten so nett, ich stand in ihrer Milten, Und sah den freien Turnergeisl, Den alle Welt red)t lobt und preist.

öabt Tank, habt Tank ihr fröhlichen Gäste, Die ihr hierher geeilt zu miserem Feste, Wir werdens stets Euch treu gedenken, Und unser Herz voll Liebe schenken.

Giltes Heil sei Euch und uns beschieden, Daniit wir leben mit Jedem in Frieden, Bis daß da kommt ein frohes Wiedersehn, In Nauheim dann das Fest begehn.

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Man verlange jebod) ausdrücklich das echte ,,Dr. Hommcl'ö" Hacmatogen unb lasse sich keine der vielen Nachahinungen aus­reden.

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Frankfurter Schublager.

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