Ausgabe 
27.10.1906 Viertes Blatt
 
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Nr. 353 Viertes Blatt.

156. Jahrgang

Samstag 27. Mtober 1906

Erscheint täglich mit Ausnahme de- Sonntags.

DieGießener ZamMenblStter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Hrssffche Landwirt" erscheint monatlich einmal.

A Rv/k A A aa vOO AAA jA T a * a Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scher, k-! / B IS Ä 1/ I O 17 D UniversitätSdruckerei. R. Lange, Dießen.

wc # ft w WW SL l X 11 9 wC# lykÄ wL, Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr. 7.

KT ▼VH Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießm.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eietzen.

KeKannlmachung.

Betr.: Feldbereiinaung in der Gemarkung Leihgestern.

Nachdem sich mehr ivie em Fünftel der beteiligten Grund­eigentümer m der Gemarkung Leihgestern, die mehr als die Hälfte der beteiligten Fläche besitzen, nnterschrifllich für die Ein- seitung des Verfahrens der Feldbereiniguug der Gemarkung Leihgestern erklärt hat, und nachdem innerhalb der gesetzlichen Frist feine Einwendungen gegen die Zulässigkeit oder Rechis- benäudlgkeit dieses Ergebnisses erhoben worden sind, hat Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Landmirtschast, Handel und Gewerbe, den Beginn der FeldbereinigungSarbcilcn an­geordnet.

Indem ich dies zur öffentlichen Kenntnis bringe, lade ich gleichzeitig sämtliche beteiligten Gruudelgentüm'er zu der in Ge­mäßheit des Artikels 16 des Gesetzes vom 28. September 1887 in der Fassung der Bekanntmachung vom 7. Juli 1906

Dienstag, den 13. November 1906, vormittags 10 7, Uhr, im Schulhaus zu Leihg estern stattsindenden Versammlung ein.

Diese Versammlung hat:

1. zu bestimmen, wie die Feldbereinigungskosten aufgebracht werden sollen, ob durch Ausschlag aus den Flächengehalt oder den Abschätzungswert der Grundstücke, oder durch Bildung und Verkauf von Massegrundslücken, sowie ferner, ob die Beiträge nach Bedürfnis erhoben, oder ob die Kosten durch Kapitalauluayme aufgebrackzl werden sollen;

2. die zur Vollzugskommission zu berufenden Sachverständigen und deren Stellvertreter, sowie em Mitglied dc§ Schieds­gerichts und dessen Stellvertreter zu wählen.

Außerdem können Wünsche und Anträge seitens der Beteiligten vorgebracht und beraten werden.

In dieser Versammlung hat ein jeder anwesende beteiligte Grundeigeulümer eine Stimme; die Beschlüsse erfordern zu ihrer Giltigkeit eine Mehrheit von Zweidrittleilen der Anwesenden und sind unter dieser Voraussetzung auch für die nicht erschienenen Be­teiligten verbindlich.

Kommen gütige Beschlüsse nicht zustande, so hat:

zu 1. die Vollzugskommission die erforderlichen Beschlüsse zu fassen,

zu 8. Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Land­wirtschaft, Handel und Gewerbe, die Sachverständigen und die Schiedsrichter zu ernennen.

Die außerhalb der Gemarkung Leihgestern wohnenden Betei­ligten fordere ich aus, zur Wahrung ihrer Interessen einen in der Gemarkung Leihgestern wohnenden Bevollmächtigten zu bestellen, da eine weitere besondere Zuschrift im Laufe des Feldbereinigungs-- verfahreus au sie nicht mehr erfolgt.

Friedberg, den 8. Oktober 1903.

Der Großherzogliche Feldberemigungskommissär: _______________Spame r, Kreisamtmaun.________________

KeküMltVmchMg.

Betr.: Feldbereimgunq m der Gemarkung Nodheim a. d. H.

In der Zeit vom 27. Oktober L I. bis einschließlich 10. November l. Js. liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Nodheim a. d. H. zur Einsicht der Beteiligten offen:

1. der allgemeine Meliorationsplan nebst Erläuterungs­bericht und Prüfungsprotokoll,

2. die unter D des Prüfungsprotokolls erwähnten Vor­arbeiten für die Drainage nasser Ackerländerelen.

Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hier­gegen findet statt:

Montag, 12. November 1906, vormittags von 9 Vt10 Uhr, auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Nodheim a. d. H., wozu ich die Beteiligten unter dem Slnfiigen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwend­ungen ausgeschlossen sind. Einwendungen sind schriftlich abzusasfen, 51t begründen und auf Papier in Aktengröße (mlndeslens V3 Bogen) einzureichen.

Friedberg, den 22. Oktober 1906.

Der GrostyLr?.ogl.. .. i.:cr;».rgungskommissär:

Spanier, Kreisamtmann.

Wetz.

Vor 100 Jahren, am 27. Oktober 1806, hielt Napoleon I. an der Spitze seiner Garden seinen feierlichen Einzug in Berlin. Die Niederlagen von Jena und Auerstedt waren vorangegangen. Sie waren das Zeichen zu jener unerhörten militärischen und politischen Auflösung Preußens, und in grenzenloser Verwirrung und Natlosigkeit ächzte Norddeutsch­land unter dem zermalmenden Tritt der französischen Besetzung und der erbarmungslosen Art dec Erpressungen, der Miß­handlungen, der Willkür des Siegers.

Mit welch anderen Gefühlen blicken wir auf den 27. Oktober des Jahres 1870 zurück. Es war der Tag der Vergeltung. Die blutigen Tage von Rözonvrlle, Vionville, Mars la Tour, Flavigny, Gravelotte, St. Privat mit Opfern, wie sie in der Kriegsgeschichte aller Zeiten kaum ihresgleichen finden, stehen in unserer Erinnerung. Bazaine war mit seiner stolzen Nheinarmee cndgiltig hinter die Mauern der Festung zurückgedrängt worden, aus der auSzubrechen ihm auch bei Noisseville nicht gelang. Und nun gab eS kein AuSiveichen mehr; sein Schicksal war besiegelt. Friedrich Hari hielt den ehernen Ning mit eiserner Faust geschlossen, und um Metz herum standen daS 1., 7., 8., 9., 3. und 10. Armeekorps, die Division Kummer soivie die 1. und 3. Kavalleriedivision. Sie alle lagerten auf einem Leichen­felde, und in den daraus aussteigenden Dünsten war eine Gefahr, die selbst den schließlichen Erfolg in Frage stellen konnte. Unaufhörliche Negengüsse durchwühlten den Boden, die aufgerichteten Grabhügel wiirden weggeschwemmt und die Biwackplätze der Truppen allmählich in wahre Moräste ver­wandelt. Ruhr und TyphuS lichteten die Reihen.

Nicht besser sah es im Innern der Stadt und ihrer nächsten Umgebung aus: Elend und Kummer, Leiden und Tod waren über die Einwohnerschaft hereingebrochen. Der Not gehorchend, hatte ein KriegSrat unter des Marschalls Vorsitz am 10. Oktober beschlossen, von jedem Vorgehen Ab­stand zu nehmen und Schritte zu einem annehmbaren Heber» einkommen einzuleiten. Kriegsrat folgte auf Kriegsrat, immer aber bestanden die Franzosen auf Waffenstillstand mit freiem Abzüge nach Algier. Endlich am 26. Oktober erklärte sich Bazeine zur Liebergabe der Festung und Kriegsgefangen­schaft der Nheinarmee, wie solche von Friedrich Karl ge­fordert worden war, bereit, und schon am Tage darauf wurde der Kapitulationsvertrag von General v. Stichle deutscher- und General Harras französischerseits auf Schloß Frescaty endgiltig abgeschlossen und unterzeichnet. Eine marmorne Gedenktafel über dem Kamin der Offiziersstube des gegen­wärtigen dortigen Kasernements gibt Zeugnis davon.

So war denn das Hauptbollwerk der französischen Ost­grenze in deutschen Händen und der 27. Oktober ein zweiter bedeutungsvoller Erinnerungstag in der deutschen Geschichte geworden. Mit der Uebcrgabe von Metz war die Hoffnung der Franzosen, Paris zu entsetzen, vernichtet; sie machte die 1. und 2. deutsche 2lrmee für die Einschließung von Paris verfügbar und befreite die dortige Armee aus einer seit der Bildung der französischen Loire- und Somme-Armee äußerst bedenklichen Lage.

In der Mittagsstunde des 29. Oktober begann unter strömendem Siegen der Aufmarsch der französischen Korps auf sechs in das Vorland führenden Straßen aus Rietz: an jeder dieser Straßen stand ein Korps des EinschließungsheereS zur Uebernahme der Gefangenen. Die höheren französischen Generale hatten sich der Truppcnübergab.e entzogen. Mar­schall Bazaine warteie den deutschen Feldherrn in dessen Hauptquartier Corny ab und reifte noch am selben Abend nach Kassel. 173 000 Mann einschließlich der vorläufig in

Metz bleibenden 6000 Offiziere und 20 000 Kranken oder Genesenden mürben kriegsgefangen; 56 kaiserliche Adler, 622 Feld-, 876 FostungSgeschütze, 72 Mitrailleusen, 137 000 Chassepots, 123 000 andere Gewehre sowie ansehnliche Mu- nitionsmaffen und eine große Menge sonstiger Vorräte fielen in die Hände des SicgerS.

Aber auch dieser hatte den großartigen und weittragen­den Erfolg mit erheblichen Opfern erkauft: während deS 70tägigcn, mit vielen Entbehrungen und Anstrengungen ver­bundenen ElnschließungSdiensteS maren unsere Reihen durch Krankheiten gelichtet und in den Kämpfen mit dem Feinde etwa 240 Offiziere und 5500 Mann getötet ober verwundet worben. Ehre sei ihrem Andenken I

Sisettbahn-Keitung.

Der Vorstand b e 5 Bundes 0 eutscher Ver­te h r s v e r e i u e, vertreten durch Rechtsanwalt Lebrecht-Lcipzig und Kaufmann Stemmer-Darmstadt, ivurde heute im Ministerium der öffentlichen Arbeiten von UnterstaatSsekretär Fleck empfangen. Nach kurzer Darlegung der Bestrebungen und der Tätigkeit des Bundes deutscher Verkehrsvereine kamen folgende Punkte zu eingehender Erörterung: 1. Ermäßigung der Preise der K 1 n d e r-F a h r k a r t e n auf freie Fahrt für Kinder unter 6 Jahren und halben Fahrpreis für Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr, mindestens während der Ferienzeit. 2. Vermehrte Veranstaltung von Ferien- Sonderzügen nach landscha'tlich bevorzugten Teilen Tentichlands und Vermehrung der Souniags- farten, denen auch die Gültigkeit wenigstens für beschleunigte Per­sonenzüge geivährt werden möge. 3. Vertretung der Verkehrs- vereine m den E i s e u b a h n r ä t e n. 4. Regelung beä Plakata u 8Hanges auf den prenßijch-hessischen Eisenbahnen nach der Nichlnng hin, daß den deutschen VerkchrSveremen die Möglichkeit geboten wird, ihre Plakate auf den Bahnhöfen im In­teresse der Allgemeinheit möglichst spesenfrei auszuhängen. 5. Bei erfolgender 9icuaii5gabc der Verkehrsbücher deutfcher Eisenbahnen bie Äuskuufisstelleu der deutschen Verkehrsvereme mit namhaft zu machen. 6. Aufdruck des Gepäcktarifjatzes auf die Ge- p ä ck f d) e i n e bezw. auf die Fahrkarten selbst. 7. Erleich­terungen der Fahrtun terb re chunaen. Ter Unier- staatssekretär sagte der Deputation wohlivoltendste und eingehendste Prüfung und, soiveit dies irgend möglich, Erfüllung der vorge­tragenen Wünsche zu.

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1. Ouvertüre op. 124 in C-dur (Zum ersten Male)..........

2. Konzert in A-dnr (Köchel 219) für Violine mit Orchesterbegleitung . ,

3, Unvollendete Symphonie in H-moll..............

4. Solostilcke für Violine mit Klavierbegleitung:

a) Gartenmelodie op. 85. No. 3 1

b) Am Springbrunnen op. 85, No. 9 /............

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Erster Orchester-Abend

Dirigent: Grossherzoglicher Universitäts-Musikdirektor G. Trautmann.

Solisten: Fräulein G. Wietrowetz (Violine).

Orchester: Das Vereinsorchester, Kapelle des Inf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Grossh. Hess.) No. 116, verstärkt durch auswärtige Kräfte.

c) Ungarischer Tanz....................J. Brahms

5. Symphonie No. 11 in G-dur (Militär-Symphonie) [Zum ersten Male] . . . . J. Haydn

fillf riftQkflrtPIl lPlatz Hk. 4., II. Platz Mk. 3.50, m. Plate Mk. 2.50, unnummeriert Mk. 2.. Dlllli iitüfk(ll IbU iStndentenkarten Mk. 1.. Kleine Partitur-Ausgabe sowie Konzertführer sind in der Musikalienhandlung des Herrn Ernst Challier (Rudolphs Nachf.j, für Studierende auch bei Herrn Hausverwalter Ritter und abends an der Kasse zu haben. Zur Hauptprobe Mk. 1.50, Studenten­karten Mk. 1., Schülerkarten Mk..50.

Oeffnung des Saales 4i/2 Uhr.

Gültigkeit haben blaue, rote und rot-weisse Karten, ungültig sind gelbe Karten.

Das zweite Konzert (Erster Chor-Abend) findet am 18. November statt.

6ast; Kammersänger Karl Scheidemantel, Dresden.

Die verein liehen hiesigen Mitglieder und Abonnenten werden höflichst ersucht, ihre Konzerlkarten bei Herrn Chai J ier, gegen Entrichtung des Betrages, möglichst bald abzuholen. Eine Zuseixthiug findet ausnahmslos nicht statt. v' /

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