Ausgabe 
19.12.1906 Drittes Blatt
 
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Mittwoch 10. Dezember 1906

156. Jahrgang

Drittes Blatt

Sir. 298

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen

die neue

A.

B.

1800

3800

und

meiden, so würde ihm daS zum Vorteil gereichen.

In den (ibrigcn Rollen, den Vertretern der minbcren

schlau ist nämlich in dem Stücke jeder, wenn

Beginn des

Gehälter für

Soeben definitiv angestellte Lehrer Lehrer mit vollem Dienstalter Staatsbeamte (soeben angestellt) .

2,19 Mk. 2,47 , 3, , 8,32 , 6,48 ,

10,96 ,

4,93 M

10,41 .

Orfchttnl OßNch mti Ausnahme deS Sonntags.

frte .fttfiener gomlllenblätter* werden dem .Anzeigen viermal wöchentlich betgelegt. Der ^«lßlch« taibour erichetnl monatlich einmal.

voltSschullehrer und Staatsbeamte und Regierungsvorlage in Hessen.

NnS wird aus Lehrerkreisen geschrieben:

hervor, daß ,nan die VolkSsckullehrer wiederum mit mageren Broiamen abzuiveisen gedenkt, während für die Staatsbeamten die fetten Bissen abfallen. Warum wird hier nicht einmal gründlich Remedur geichafsen und der Lehrer jo gestellt, daß feine berechtigten

Gletzener Stadttheater.

Sherlock Holmes.

Tetektiv-Komödie in 4 Akten nach Conan Doyle Gilette von Albert Bozenhard.

800 Mk.

900 , noo , 2800 , 2000 , 4000 ,

Uttiverfttats-Nachricbten.

München, 17. Dez. Der Professor der Chemie an der hie« sigen Universität, Wilhelm K 3 nigS, ist gestorben.

Dem oroentl. Profesior in der philosophischen und natur- wisfenschaftlichen Fakultät der Universität zu M ü n st e r, Dr. Hugo Andresen, ist der Charakter als Geh. RegierungSrat verliehen worden. Der Privatdozent in der medizinischen Fakultät und Abteilungsvorsteher am Pathologischen Institut der Universität zu Berlin, Dr. Adolf Bickel, ist zum außerordentlichen Professor ernannt worden. '_____________

mit vollem Dienstalter C. Seminaristisch gebildete an höheren Lehranstalten .

Seminaristisch gebildete an höheren

vermischte».

Briese an daö Christki nd. In den New-Yorker Brief­kästen werden jedes Jahr vor Weihnachten Taufende von Briefen gesiluden, die die Aufschrift .An das Christkind' tragen. Eine reiche Dame, die zwar ihren Namen nicht nennen will, von der man aber weiß, daß es die Millionärin Airs. Roussel Sage ist, hat mm den New-Yorker Cbervostdirektor gebeten, alle diese Briefe ihi> aushändigen zu lassen, denn sie will den Tausenden von Wünschen gegenüber ein wenig Christkind spielen. Der Beamte aber verlangt, daß erst die Erlaubnis des Präsidenten dazu eingeholt werde, sonst würden die Briefe als unbestellbar vernichtet werden.

Stotahontorud and Bering der Btflt)f 1dN8 Universttätsdruckeret. R- Bange, »trftm

Redaktion. Exvedttton a. Trurferet ^chuMr K, Tel. Nr. 6L ielegu-flöt. i Äu&m.

sie passen nicht recht dazu, unb der Held verliert dadurch; aber diese Sentimentalität nimmt nur einen kleinen Raum ein. So erregt denn die Komödie mit ihren starken, skrupellosen, nach Kolportagervman bisweilen schmeckenden, aber doch logischen Unwahrscheinlichkeiten die Spannung der Zuschauer aufs höchste, so sehr vielleicht die raffinierten Heldenstückchen eher in das Kabinett eines Zauberkünstlers als in ein Theater gehören. Ein näheres Eingehen auf Einzelheiten ist umsoweniger angebracht, als auf der Un­mittelbarkeit des Eindruckes allein die Wirkung des Stückes beruht und die episodenhaften Erlebnisse Sherlock HolmeS' keine in künstlerischem Sinne fortschreitende Handlung dar­stellen.

Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird sich die Komödie auch hier als ein kräftiges Zugstück erweisen. Das beinahe ausverkaufte HauS folgte gestern der Aufführung mit größter Aufmerksamkeit und nahm jeden Akt mit stürmischem Beifall auf, und die Darsteller konnten wiederholt vor der Rampe erscheinen. Vor allem hat es die Regie des Herrn Bakof trefflich verstanden, die Augenblickswirkung der Szenen nach allen Richtungen auSzunuhen zur Sicherung eines durch­schlagenden Theatererfolges. Er selbst spielte die Titelrolle gewandt und sicher, nicht so raffiniert verschmitzt, verschlagen wie Bolz, nicht mit Schneid und Elan, sondern in ganz anderer Weise, mit niederdeutscher breit behäbiger Bonhommie und Jovialität, mit größter, behaglicher Ruhe und kaltblütiger .Gemächlichkeit; ein wenig pathetisch, lehrhaft, salbungsvoll zwar, was doch wohl zu der listenreichen Art des mit röntgenstrahlendeu Augen Wände und Menschen durchschauenden genialen Detektivs nicht recht paffen wollte. Dafür aber stand humorvolle Gemütlickkeit diesem Herrn Allwissend sehr wohl an und verblüffte bisweilen nicht wenig, ebenso seine nonchalante Sicherheit in den gefährlichsten Situationen. In derMaSke deS nut der Droschke verunglückten Greises war er absolut un­kenntlich, auch in der Sprache. So verdient denn wohl seine Darstellung mit dem viel mißbrauchten Ausdruck .stabinet- stück' in ehrlichem Sinne belegt zu werden. Könnte er ein eigentümliches Breitziehen deS Mundes beim Sprechen ver-

Lehranstalteu- Endgehalt . . .

Ein Fabrikarbeiter in einem Alter von über 20 Jahren erhält, 8 Stunden Arbeitszeit gerechnet, im Durchschnitt meist 4 Alk. Tage- lohn oder mehr. Ein BolkSschullehrer von über 20 Jahren sollte von seinem Arbeitgeber, dem Staate, doch mindestens ebensoviel oder wenigstens nahezu soviel Anfangsgehalt bekommen, umsomehr, als er bis zu seinem 20. Jahre nicht nur nichts verdient, sondern noch recht erhebliche Ausbildungökosten und Arbeit aufweuden muß, um dem Staat später auch in der rechten Weise dienen zu können. Und die Arbeitsleistung eines Lehrers dürfte sich, was Anstrengung und Arbeitsdauer anbelangt, mit der eines Arbeiters mindestens messen können. Die häusigen Urlaubsgesuche wegen Krankheit und die hohe Sterblichkeitsziffer der Lehrer zeugen von der Schwierigkeit der lehramtlichen Tätigkeit.

Rechnet man zu den 5 oder 6 Unterrichtsstunden noch 2 Stunden für Heftekorrektur und 2 Stunden PorbereitungSzeit, und soviel dürste jeder Lehrer, der e5 mit seinen Pflichten ernst nimmt, dafür aufwenden müssen, so wird die Arbeitszeit des Arbeiters noch um

Gillette zuerst auf die Bühne brachte, ist in seiner Art ein Genie. Zwei ihm von der Natur verliehene Fähigkeiten, eine das Kleinste nicht übersehende Beobachtungsgabe und eine mathematisch-logische Veranlagung, die ihre Freude barait hat, von der gegebenen Tatsache aus die Kette ihrer Ursachen zu konstruieren, hat er durch unausgesetzte Uebung wir Vollkommenheit gesteigert. So ward er so etwas wie die höchste Autorität in kriminalistischen Dingen in Eng­land. Doyle erzählt davon in seinen Novellen in fein- nerviger, lebendiger, geistreicher Art. Wer von ihm zu Dozenhard kommt, muß mit viel gröberer Kost vorlieb nehmen. Bozenhard aber hat seine Komödie ivcniastens mit unverkennbarem Bühnengeschick ausgebcrut. Und ein ?utes Detektivstück ist mir immer noch lieber als ein aum mittelmäßiges Lustspiel". Es vergibt sich niemand etwas, wenn er ein paar Stunden der Beobachtung deS Scharfsinnes und der Schlagfertigkeit eines ungewöhnlich

Bekanntlich erwartet man in Hessen mit Rechnungsjahr? 1907 eine Sleucrregulierung der Staatsbeamte und Volksschullehrer. Besonders dem letztgenannten Stande, für den in den letzten sieben Jahren einer rapiden Preissteigerung und LebenSmittelverteuer n n g, nichts geschehen ist, täte eine Aufbesserung dringend not. Nun bringt die Regierung ihrerseits eine Vorlage ein, in der lür Auf­besserung der Staatsbeamten als Wohnungsgeldzuschuß die Gesamt- summe von 700 000 Mk. für die große Zahl sämtlicher Lehrer, Schuloenvalter und Schulgehilfen an Volksschulen (z. Zt. in Dessen zusammen mehr als 8000) die verhältnismäßig kleine Summe von nmb 220 000 Mk. vorgesehen ist, sodaß bei diesem Stand aus den Kops die lächerlich kleine Slnfbefferimfl von 70 Mk. pro Jahr ent- fält. Wie verteilt sich nun in der Regierungsvorlage die Summe von 220 000 Mk. auf die verschiedenen Altersstufen der Dolks-

Ueber die politische Entfremdung zwischen Deutschland und England sind Ströme von Tinte vergossen, sind Reden in ungezählter Fülle hüben und drüben gehalten worden. ES wurde vielfach gegenseitiges Kennenlernen als bester Schutz gegen Mißverständnisse auf beiden Seiten gefordert und oft ist die Lockerung der literarischen Beziehungen zwischen beiden Völkern beklagt worden. Schon gelegent­lich des Büllerschen Gastspieles erwähnte ich, daß niemand anderes alsCharleys Tante" die ersten zartenlite­rarischen" Bande zwischen England und Deutschland wieder zu knüpfen begann. Engl. Dichter von Rang dagegen, wie Oskar Milde und Bernhard Shaw, sind in Deutschland bisher nur engeren Kreisen wirklich bekannt geworden. Nun brachte die letzte Zeit England wieder einen starken popu­lären Erfolg, nicht so sehr eines Schriftstellers als seiner Schöpfung, ganz wie zur Zeit der besten Lebensjahre von Charleys Tante". Ebenso wie der Name Brandon Tho­mas, klingt der Name Conan Doyle nicht sehr weit, der seiner Licblingsfigur, des Detektivs aller Detektive, desUeber"-DetektivS Sherlock Holmes, ist allen deutschen Gauen heute vertraut. Wie viele deutsche Bearbeitungen und Nachahmungen davon existieren, wer weiß es! Selbst jedes der oberbayrischen Bauerntheater hat seinen eigenen Sherlock HolmeS, und vielen englischen Bühnen liefert bereits eineMiß Sherlock HolmeS" das tägliche Brot. Franz v. Schöntban, der Verfasser des Raub der Sabinerinnen" und veSSchwabenstreichs" (übrigens ist er noch ganz munter am Leben, und sein Bruder Paul der Verstorbene) hat wohl die geschmackvollste und bühnentechnisch vollendetste deutsche Bearbeitung ge­schaffen und Bolz in Frankfurt ist ein ganz brillanter Darsteller der staunenerregenden Tricks deS Meisterdetek- tivs. Diel Aufsehen erregte die Bearbeitung Ferdinand Bonns, deS Direktors desBerliner Theaters", der in einem großen Rechtsstreit wegen Plagiates gegen Bozenhard, den Bonvivant des ThaliatheaterS zu Hamburg, den Verfasser der uns gestern gebotenen ersten deutschen Bearbeitung, obsiegte. Der BonnscheSherlock" hat das besondere Wohl­gefallen des deutschen Kronpringen gefunden, wie seiner­zeitCharleys Tante" daS deS Kaisers. Der Kronprinz hat sich wiederholt die Detektiv-Komödie angesehen und sogar an einem Abend für die gesamten Mannschaften seiner Schwadron sieben Reihen im Parkett reservieren lassen! Er hat sich deswegen den spöttischen Broschüren-Erguß eines witzigen Berliner Journalisten, Eduard Goldbecks, gefallen lassen müssen.

Ter schottische Arzt Sir Artur Conan Doyle ist Groß­britanniens größter Kriminal-Romancier, und wenn man auch zugeben wird, daß diese Art literarischenGeisteS"- Austausches zwischen zwei großen Nationen zur Hebung des geistigen Volksniveaus nicht beitragen kann, so wird dadurch doch unzweifelhaft die Kenntnis deS englischen Volks - C h a r a k t e r s bei uns gefördert, und zu den schlech­testen Kriminalgeschichten gehören die Doyles wahrlich nicht. Im Gegenteil! Was die Erfindungsgabe und Aben­teuerlichkeit anbetrifft, erinnern sie stark an die seiner größten Vorgänger, an die des Amerikaners Edgar Poe und unseres E. T. A. Hoffmann. Und hat doch die Geschichte vom Meisterdiebe, irsie sie Vat-r Herodot erzählt, schon das beste athenische Publikum ergötzt, und selbst unser Schüler verschmähte (imG:si rseher") kriminalistische Motive nicht durchaus. , r . , i ~'7 7 "

Toyles Sherlock Holmes, den der engnsche Schauspieler j Schlauheit

Klagen verstummen??

'Nickt Geldgier, sondern reckt bittere Not zwingt ihn zu feinen Forderungen. Jene Klagen werden allerdings erst dann gänzlich verschwinden, wenn seine Stellung als Gemeindebeamter gänzlich beseitigt wird, und er in eine entsprechende staatliche Beamten- kategocie eingereiht wird. r

Allerdings stellt eine genügende Aufbesserung unserer Bolks- schullehrer, menen ihrer großen Zahl, erhebliche Anforderungen an den Staatssäckel; aber die grove breite Volksmasse kann, dort, muß und wird verlangen, daß unsere Volksschullehrer, denen das reiligste und belle watz unser Volk besitzt, unsere Jugend, unsere Zukunft anvertraut ist, endlich einmal so gestellt werden, daß sie frei von finanzieller Not und Sorge mit jener echten Schaffens­freudigkeit und geistigen Frische im Unterrichte erscheinen können, wie es ans idealen und pädagogischen Gründen für eine gedeihliche Erziehung unserer Jugend nötig ist. Warum dürfte das gute Bei­spiel, das unser südlicher Nachbarstaat Baden jüngst geaeben hat, nicht auch in Heffen Nachahmung fiudeii tonnen ? Mit Spannung harrt man in weiten Volkskreisen, welche Stellung die zweite S t ä n d e k a nr m e r zur Regierungsvorlage einnehmen wird. Sollte aber die neue Regierungsvorlage in ihrer jetzigen Fassung angenommen werden, so dürfte dem Lehrermangel in Zu» kirnst noch nicht abgehoisen werben, denn viele Eltern, die ihre Söhne dem Lehrerberufe zuführen wollten, dürften nun zu einer besseren Einsickt gelungen.

schullehrer?

Die Schulverwalter und Sckulgehülfen beTommen nach der neuen Vorlage vor der Staatsprüfung (aber mindestens 2 Jahre lang) statt bisher 800 Mk., 900 Mk., nach bestandenem Staats­examen bis zur endgültigen Anstellung (auch noch einmal 3 ober 4 Jahre) statt wie bisher 900 Mk., 1000 Mk. Die neue Gehalts­skala der desinitiven Lehrer deckt sich nahezu mit der seitherigen Das Anfangsgehalt beläuft sich nach wie vor auf 1100 Mk und steigt sodann in 10 dreijährigen Fristen auf 3000 Mark statt b'l-her 2800 Mk Endgehalt. Eine Ausbesserung der jüngeren definitiven Lehrer, die es ger d am nötigsten hätten, erfolgt also überhaupt nicht und erst in den mittleren Lebensjahren setzt die n e u e Aufbesserung em. Mit dem 8. Dienst­jahre, also, da die definitive Anstellung durchschnittlich rni 25. oder 26. Lebensjahre erfolgt, in einem Alter von 33 Jahren, erhält der definitive Volksschullehrer im Vergleich ju seinem seitherigen Einkommen 50 Mk. mehr, macht 13 Pfg. pro Tag. Einem Fabrikarbeiter bewilligt man bei einer Lohnerhöhung unter Umständen 58 Pfg. vro Stunde, also im Tage, 8 Arbeits­stunden gerechnet, 4064 Pfg., einem Lehrer mit vielleicht einer 56 köpsigen Familie die Ta gcs zulage von 13 Pfg. !!! Hat endlich ein Lehrer daS volle Dienstaltcr (mit durchschnittlich 56 Jahren), so bezieh er nach der von der Regierung in Aussicht gestellten Neuregulierung 200 Mk. mehr als seither, daS macht die schon annehvnbare Tages'aufbesserung von 0,54 Mk. Warum das bestechend hohe Endgehalt von 3000 Mk., daS nahezu ba8 dreifache des AnfangSgehaltes von 1100 Mk. beträgt? Die definitiven Lehrer im Alter von 2533 Jahren, also gerade diejenigen, die e5 am dringendsten bedürften, werden von der Regierungsvorlage überhaupt nicht betroffen und gehen ganz leer aus. v t

Wie kommen dagegen die Staatsbeamten und seminaristisch gebildeten Lehrer an höheren staatlichen Lehranstalten in der neuen Regierungsvorlage wen? Das Einkommen der Staats-

begabten Mannes widmet, der sich der oft recht schweren und segensreichen Ausgabe unterzieht, dem bösen Teile der menschlichen Gesellschaft sein lichtscheues Handwerk zu legen und die Menschheit von gefährlichen Subjekten zu befreien. Allerdings stehen die einzelnen Akte nur lose in Ver­bindung und die larmoyanten LiebeSszenen disharmonieren etwas mit dem aparten Nervenreih des übrigen Inhalts,

auch Holmes der schlaueste ist zeichneten sich die Damen Doneckcr, Schuster und Winderstein, diese in einer Hosenrolle, sowie die Herren Lippert, Gronert und Reimer besonders aus. An. die Darsteller werden keine sonderlichen An­forderungen gestellt, und sie finden auch keine Gelegenheit, künstlerische Gestaltungskraft zu zeigen. Das wesentlichste, waS sie zeigen können, und was die Genannten auch zeigten, ist Diskretion und Sicherheit. Namentlich Herr Lippert wußte einen frappanten VcrbrcchertypuS mit dem Professor Moriarty hinzustellen, wenn auch daS Spiel im letzten Akte etwas ausgeprägter hätte sein können, und Herr Gronert bot als Spezialist von EmbruchSdiebstLhlen und simulierender HeiserkeitSpatient wieder einmal eine seiner wirklich intereffanten Chargen. Aber Herr Herrscher beherrschte nicht ganz sicher seine Rolle als Dr. Watson, sondern war steif und teil­nahmslos wie selten. Dieser Freund deS allgegenwärtigen Hexenmeisters und unaufhörlichen Redners hätte doch etwas weniger holzpuppenhaft fein können. Auch die kleine Episodenrolle der französischen Wirtschafterin kann ich mir amüsanter denken. DaS Ensemble aber zeichnete sich durch Sicherheit und Be­weglichkeit auS. Ganz besonders gelangen die beiden schwierigen letzten Akte in dieser Hinsicht bestens, sodaß die einzelnen aufregenden Szenen und auch die die Nerven am meisten anspannenden des gruseligen dritten Akte? sich fiott abwickelten. Jeder gewiß ging zufrieden nach Hause mit dem Bewußtsein, sich, sei eS wie eS sei, doch prächtig unterhalten zu haben.

P. W.

EinSchatzkäftlein moderner Erzählers berauSg. von Dr. Gustav Porger, ersckien rechtzeitig zum Feste tn hübscher Ausstattung bet Velhagen u. Klasing in Leipzig. Es ent­hält 6 Novellen. Den Reigen eröffnet Edvard MörikeS berühmte, liebenswürdige unb anmutige Erzählung .Mozart auf der Reife nach Prag*. Ihm folgt eine litauische Novelle von Ernst Wichert,Ansas und Grita". Wichert war lange Iah« Richter in dem Marktflecken Prökuls in Littauen, unweit der russi­schen Grenze, und dort dürste er zum Teil ans Prozeßakten, zum Zeil aus dem Leben den Rohstoff zu dieser feffelnben Novelle ge­sunden haben. Ansas ist ein strebsamer litauischer Bauer, den indes seine törichte Vrozeßsucht zu Grunde richtet. Nack langen Nechtshändeln, die sein Hab und Gut verzehren, entschließt er sich zur beschwerlichen Fußreise von feiner Heimat in der nordöstlich­sten Ecke des Reiches nach Berlin, um dem König (Wilhelm L) selber seine Beschwerden vorzutragen. Er wird zwar nicht vom König, aber dock vom Kronprinzen sehr huldvoll empfangen, inzwischen aber wird sein Bauerngut rechtskräftig versteigert. Nach seiner Heim­kehr sieht er ein, daß selbst König und Kronprinz gegen Recht und Gesetz nichts vermögen, und heimatlos geworden wendet er mit seiner Grita, die um seinetwillen einen Giftmord beging lleider heute noch eine ziemlich alltägliche Erscheinung in der litauischen Bevölkerung^ der Vatererde verzweifelt und ver­armt den Rücken. Es ist die Tragödie eines wie die Polen der Selbstzucht entbehrenden großen Volkes, das aus eigenem Un­verstand, gepaart mit Mißtrauen und Heimtücke, sich selber auf deutschem Boden b n Untergang bereitet. Wichert steh' in dieser Novelle auf dar Höhe seiner Erzählcrkunst. Die weiteren No. veilen dieses Bandes haben Max v. Eyth, Wi.h'lm Schmidt- bonn, Greinz und Sohnrey, der wackere Bau ern- freund, zu Verfassern und erheben sich sämtlich über den Durchschnitt der Erzählungökunst. Elfth, der berühmte Be- aründer der deutschen Landwirts chaftsgesell- schäft, erzählt z. B. in seinemBlinden Passagier" sehr an- ichaulich, flott und auS reicher Lebenserfahrung heraus seinen ersten Schritt in die große Welt. , Der blinde Passagier" könnte manchem Jüngling d.e Augen über sich und die Welt öffnen. Väter und Mütter sollten ihn ihren l?eranresienden Söhnen in die Hand geben. Mnn^er, troj trag.nas, istSimerlS guter Tag" von Gcc.-i:,, die si . ,ic des Lebens' nsgangeS eines gr i.en Arwe ö.rrS. To^ oenug! DaS Buch sei zum Feste bestens empfohlen.

körnten, di- hier neroleidjtoeife h-r°na°!-g-n »erben können, l '«tanke °r° MerWjrUten. «... der ^ienni^uorl^e ^J bewegt sich zwischen 2000 und 4000 Mk. Dazu erhalten sie, alls sie verheiratet sind, auf Grund der neuen Vorige von jctit an in den 5 bezw. 7 teuersten Orten Hessens 942 Mark Wohnungsgeld'uscknß, al'o jährlich mehr W o h n n n g s g e l d als ein Lehrer wahrend der 5 oder 6 Jahre vor seiner befmititien Anstellung an Jahreseinkommen besieht. Seminarist'sch gebildete Lehrer an höheren staatlichen Lehranstalten bezrehcn nach der neuen Vorlage 18003800 Mk. Gehalt. Demgegenüber steht das Einkommen der seminaristisch gebildeten Lehrer an Volksschulen mit 11003000 Mk. Gehalt. Warum dieser große Unterschied und diese große Ungleichheit in der Bezahlung? In der heutigen Zeit schätzt man die W'.chtigkett und Bedeutung eines Amtes nach der dafür angesetzten Vergütung. Ist nun etwa die Arbeit eines LehrerS an einer höheren Schule schwieriger oder die Verantworsiing größer? Die Erfahrung dürfte dies widerlegen. Ein Lehrer an der Volksschule, die mehr als 90 Proz. unserer Jugend heranblldet, hat bei 30 Wochenstunden im Durchchnitt 6080 ober gar mehr Schüler zu unterrichten, während auf einen Lehrer an einer höheren Schule bei einer kleineren Stundenzahl, meist kaum Vs dieser Anzahl Schüler entfällt. Zahlen reden bekanntlich Stellen wir also die Jahres- und Tageseinkommen der Volksschullehrer, der Staatsbeamten, sowie der fern. geb. Lehrer an höheren staat­lichen Lehranstalten einander gegenüber.

Jahreseinkommen: T a g e ? ej n fo m m c nj

Schulverwalter (seither) . .

(nach der neuen Vorlage)