Nr. 97
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Redaktion 112
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Erstes Blatt
Donnerstag 26 April 1906
156. Jahrgang
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GietzenerAnzeiger
1U' General-Anzeiger ö
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Aie heutige Yummer umfaßt 8 Seite».
Die Aeichstagswaht in Darmstadt.
Gießen, 26. April 1906.
Gestern abend um */,ll Uhr erhielten wir folgendes Telegratnm:
Darmstadt, 25.April. Gesamtergebnis: Berthold 18855, Dr. Stein 10320, Korell 5828 Stimmen.
Diese Wahl hat also noch keine endgiltigc Entscheidung gebracht, sondern, wie zu erwarten war, eine Stichwahl zwischen dem nationallib. Dr. Stein und dem Sozialdemokraten Berthold.
Bei den allg. Wahlen von 1933 erschienen von ca. 35 000 Wählern 27 500 im ersten Wahlgange zur Wahl, wahrend diesmal #0 000 ihr Wahlrecht ausgeübt haben. Die stärkere Wahlbeteiligung ist zu erklären einmal aus der sehr stattlichen Zunahme der Bevölkerungszahl (darunter von rund 1600 Wahlberechtigten mehr allein in Darmstadt selber), zum anderen wohl aus der regeren Agitation, die von allen Parteien ausgeübt wurde.
Sehr bemerkenswert ist der Stimmenzuwachs für den diesmaligen Kandidaten der vereinigten Liberalen. 1903 erhielt der damalige Stanbibat Prof. Dr. Harnack noch keine 2000, Pfarrer Korell diesmal nahe an bie 6000 Stimmen. Das ist fast eine Verdreifachung! Im Jahre 1903 hatten die Linksliberalen freilich ihre Kandidatur überaus spät an die Ocffentllchkeit gebracht und überhaupt nur vier Wahlversammlungen außerhalb Darmstadts abgehalten. Jene vier Versammlungen, in Pfungstadt, Eberstadt, GrieSheim und Groß-Gerau, hatten übrigens damals schon einen sehr beachtlichen Erfolg gehabt; in jebem der vier Orte erzielten die Lintsliberalen mehr als 100 Stimmen, in anderen Landorten dagegen fauni den zehnten Teil. Die außerordentliche Stimmenzunahmc jetzt beweist, daß die fleißige Arbeit der vereinigten Liberalen von größtem Erfolg gewesen ist und daß im Jahre 1908 bei rechtzeitiger Aufstellung eines linksliberalen Kandidaten dieser sehr wohl in die Stichwahl kommen könnte.
Die Sozialdemokraten haben gegen 1903 einen Ver- lust von annähernd 3 00 Stimmen (damals 14144). Demnach ist die Verstimmung, die die Affäre Cramer uu Lager der Sozialdemokratie erzeugte und von der mancher annahui, daß er ihre Lage erheblich verschlechtern würbe, nicht sonderlich groß. Jnnnerhin ist der Rückgang doch bemerkenswert. ES mag diesmal mancher kleinbürgerliche Wählee, der auch früher nicht „überzeugter" Genosse, aber doch geneigt war, der Sozialdemokratie durch seine Stirnm- abgabe den Rücken zu stärken und ihre Unzufriedenheit mit vorhandenen oder eingeführten Uebelsländen zu dokumentieren, vor dem überaus straffen Regiment der Berliner Zentral- leitmig und dem Verlangen der strikten Unterjochung unter eine elnzivangendc Parteidisziplin doch erschrocken sein und den sozialdemokratischen Stimmzettel mit besonderem Miß- trauen betrachtet haben. So gelangte er vielleicht zu Erkenntnis eines bisher falschen Weges, auf den er sich einst hatte verlocken lassen.
Der Wahkampf wurde mit einer in Darmstadt bisher unerhörten Heftigkeit und Erbitterung geführt. Alle Parteien hielten in vielen Orten eine sehr große Zahl von Versamm» kungen ab, ivozu die einzelnen Parteien durch bedeutende auswärtige Redner unterstützt wurden. Den Nationalliberalen kamen die Abgg. Dr. Hie der, Dr. Hage mann und Dr. Becker, den vereinigten Liberalen Dr. Gutfleisch aus Gießen, ReichStagSabg. Blumenthal- Colmar, Land- tagsabg. O e f e r - Frankfurt, Chefredakteur Dr. Goldschmidt- Frantfurt, Rechtsanwalt Ha as-Karlsruhe, Th. Barth- Berlin, ReichStagSabg. v. Ger lach-Berlin, Prof. HauS- cath-Karlsruhe und Chefredakteur Wolf-Straßburg, den Sozialdemokraten sogar Bebel, der Parteipapsl, zu Hilfe.
Welches Resultat die Stichwahl bringen wird, ist nicht vorauszusehen. Tie Entscheidung haben die „vereinigten Liberalen" zu fällen. Da wir die Pflege vaterländischer Gesinnung für jedes Mannes oberste Pflicht erachten, so hoffen wir auf einen für die bürgerlichen Parteien günstigen Ausgang, obwohl durch die Gehässigleiten, mit denen während der Wahlbewegung nahezu von allen Seiten operiert worden ist, ein Zusammengehen der Rechts- und Linksliberalen sehr erschivert worden ist.
Man schreibt uns aus Darmstadt:
Bei der Hauptwalst im Jahre 1898 hatte der. Nationalliberale Nothnagel 6485, Ncformparteiler Bormet 4345 und der Sozialdemokrat Cramer 9013 Stimmen erhalten. ^Die Zahl der sozialdcinokratisä>eii Stimmen stieg dann bei der Stichwahl 1898 auf 12 471, die der Nationalliberalen auf 11 743. Bei der jetzigen Wahl haben, lvenn man den 1903 abgegebenen Alumnen der Nationalliberaleu entsprechend dem jetzigeii Zusammengehen mit Zentrum, Reformern usw. die Stimmen dieser Parteien vom Jal)re 1903 hinzuziehl, sowohl die N a t i o n a l l i b e r a l e n, wie die Sozialdemokraten eine nicht unerhebliche Stimmenreduzierung erfahren, wahrend den Freisinnigen ihre außerordentlich intensive Arbeit besonders auf dem Land viel Stimmenzuwachs gebracht bat.
Das Gesamtresultat der Wahl ist insofern ein sehr erfreuliches, als es z n m e r st e n M a l w i e d e r s e i t l a n g c r Z e i t ein erhebliches Uebergcwickt der gesamten bürgerlichen gegenüber den sozialdemokratischen Stimmen gezeitigt hat, nämlich 16148 gegen 13 855 und eine Stichwahl rrotwendig macht. Wenn die Nationalliberalen
und die vereinigten Freisinnigen bei der bevorstehenden Stichwahl sich zu einem Zusammengehen entschließen könnten, so würde der Wahlkreis zweifellos jetzr den Sozialdemokraten wieder entrissen werden. Ter ganze Wahlkampf hat aber leider eine solche Wendung genommen, daß eine Verständigung kaum mehr zu erhoffen ist.
Tas Stimmenverhältnis der Parteien t-at sich sowohl in Darmstadt wie auf dem Lande, teilweise sehr stark verändert. In Darmstadt, wo Korell früher als Gechtliclier tätig war, stieg die Zahl der sreisinnigen Stimmen von 1396 auf 2545, in Königstädten, dem jetzigen Wirkungskreis Marells, von 4 auf 147 (gegen 33 nationaltiberale uno 66 sozialdemokratische) in Ar- Heilgen fielen die sozialdemokratischen Stimmen von 581 auf 526, dagegen fliegen die der Natiouallibcralen von 211 auf 328 und die der Freisinnigen tom 0 auf 100, Cberstadt weist 239 natl (gegen 206 i. I. 1903), 189 freisinnige ,gegen 105) und 608 sozdem. (gegen 638), GrieSheim 120 natl. (117), 207 freisinnige 165), 719 sozialdem. (716), Lberramstadt 361 (116) natl., 52 (11, frei)innige und 357 (391) lozialdcm., Roßdorf 262 (206) natl., 81 (9) freisinnige und 199 (223; sozialdem. Stimmen. In Bischofsheim gewarmen die Freisinnigen 242 Stimmen, während die der Sozialdemokraten von 357 auf 294 und die der National- liberalen von 173 auf 123 zurückgingen. In Groß-Gerau be- baupteten sich die National!ibcralen, die Sozialdemokraten sielen von 375 auf 328, die Freisinnigen stiegen von 69 auf 328, in Kelsterbach von 11 auf 103, indes bie Sozialdemokraten von 444 auf 389 sie lew. Tie Stimmen der Naflonallibcralen erhöhten sich auf dem Lande zumeist um die Zahl der früher für die verbündeten Parteien abgegebenen Stimmen, während die izreisinnigeu ohne Frage einen großen Teil der sog. Mitläufer der Sozialdemokraten für sich gewonnen haben.
Bon anderer Seite erhielten wir folgende Darmstädter Zuschrift:
Haben die Vereinigten Liberalen allen Grund, mit dem Ausfall der Wahl zusriede.n zu sein, umso weniger wird das bei der Sozialdemokratie der Fall sein. Nicht nur, daß er ihnen einen Rückgang bringt, öer in Wirklichkeit viel größer ist als ziffernmäßig, wenn man bedenkt, wie gerade die Zahl der Wahlberechtigten in den industriellen Orten der sog. Mainspike gewachsen ist. In einer großen Anzahl von Ortschaften hat Bertbold nicht die Stimmenziffer seines gängers erreicht, auch nicht in Darmstadt.
Are „gUpolutio.V6 in Irankreich.
Tas in der äußeren Politik der letzten Wochen so siegreiche und glückliche Frankreich wtrd augenblicklich von, heftigen revol. Kämpfen durchschüttert. In den Jndustrie- bezirt'en im Norden ist die Ausstandsbewegung zur Aufstandsbewegung geworden, und der Ruf „Es lebe der Streik!" wird schauerlich-üi crtöilt Jin. dem rwahnwitzigen Schrei „vive la revolntion!" 26000 Mann sind in den gefährdeten Gegenden zusammengezogen, aber bis setzt ist damit weiter nichts bezweckt worden, als daß an 50 Offiziere und eine große Anzal)l Mannschaften von den Streikenden zum Teil schwer verletzt wurde. Alles Bor-- gchen hat nichts genützt, zumal man sich nicht entschließen konnte, die schärfsten Maßregeln in Anwendung zu bringen. Tie Volksleidenschuft ist aufgestachelt bis zum Wahnsinn und die Katastrophe von Courrieres hat das ihre dazu beigetragen, die Situation bis zur Unhaltbarkeit zu verschlimmern. Tie Hetzer, die von der „Confederation generale du travail" hinausgeschickt wurden, die Arbeiter aufzustacheln, haben chre Arbeit vortrefflich getan — kein Mensch kann sagen, wohin die Bewegung, die nicht nur in Arbeiterkreisett ihre Anhänger hat, in der allernächsten Zeit schon führen wird.
Seit Wochen kommt Frankreich nicht mehr zur Ruhe. Ter Streik der P o st u n t e r b e a m t e n hat allerdings dank der Konsequenz des Arbeitsministers einen anderen Ausgang genommen, als die Streitenden es erwartet hatten, die Machtprobe ist zu ungunsten der Streikenden ausgefallen, aber man darf den Sieg der Regierung nicht allzu hoch cinschätzen. ES ist ein augenblicklicher, und jede Stunde kann das gefährliche Spiel von neuem beginnen. Tenn die Regierung hat kein Mittel, den ungesetzlichen Verbänden chrer Beamten entgegenzutreten, die sich fast ausschließlich als s o zia lr evo In t i o n är herausgestellt haben. Und selbst wenn sie ein Mittel hätte, wäre sie unter den gegebenen Umständen stark genug, es zur Anwendung- zu bringen? itanii eine Regierung, die sich aus politischen Gründen auch auf den linken Flügel der Sozialdemokratie sttitzen muh, überhartpt gegen die Revolution Vorgehen?
Eine gewaltige Machtprobe hat eingesetzt — wie wird sie enden? Ist das verrottete, zuin Teil ungeheuer korrupte Bürgertum der Republik imstande, die Revolutionäre nach getaner Arbeit von den Rockschößen abzuschütteln, oder wird es selber niedergezwungen von einem Anarchismus, der weder göttliche noch weltliche Gesetze anerkennt? An dieser Frage hängt das Geschick der Republik für die allernächste Zukunft. Tas rote Gespenst hebt sein drohendes Haupt. Tas Volk hat vor den Machtmitteln des Staates allen Respekt verloren. Man sehe sich die französische Lehrerschaft an! Was bei uns undenkbar wäre, dort ist es die Regel. Ter wettaus größte Teil der Lehrerschaft ist revolutionär. Es wird systematisch ein Geschlecht von Anarchisten herangezogen, und die Regierung sah bisher nicht nur untätig zu, sondern unterstützte diese Bestrebungen noch ausgiebigst, weil es ihr gerade in den Kram paßte. Tie Arbeiterschaft ist durchseucht von revolutionären Ideen — sozialdemokratisch sind die Leute ja nicht einmal mehr! Und wenn sie jetzt versuchen, diese Ideen in die Tat umzusetzen, wer könnte sich darüber besonders wundern? Tas ist doch eigentlich selbstverständlich!
Noch lhtt die Regierung eine .Hoffnung: die Armee. Bis jetzt ist sie treu geblieben, aber cs darf nicht übersehen werden, daß auch die französische Armee durchseucht ist von vevolmionäreu Ideen. Es muß auffallen, dah in den Berichten über Zusammenstöße mit den Aufständischen stets nur von verwundeten Offizieren und Soldaten die Rede ist. Wir entsinnen uns nicht, gelesen zu haben, daß auch Aufständische verwundet oder ge
tötet wurden, einige Ausnahmefälle, die die Siegeln be* ftättgen, ausgenommen. Die Armee geht gegen die Streikenden so vorsichtig vor, als nur irgend möglich, sie läßt sich an greifen, läßt sich mit Steinen bewerfen unb schießt nicht. Gewiß wurden alle Liulturmenscheu es lebhaft bedauern, wenn ein Blutbad in den ?lus stand s geb ie ten an- gerichtet würde, aber in dem allzu vorsichtigen Borget)«! liegt cm Eingeständnis der Schwäche unb — des schlechten. Gewissens! Ein Eingeständnis vielleicht auch des Attßi trauens in die Truppen.
Wohl ist es möglich, daß die Wogen sich diesmal wieder glatten, aber Frankreich wird die Klippe, die zwischen dem Bürgerstaat und der sozialen Republik steht, nicht ohne gewaltige Ausbrüche der Bottsleioenschaft umschiffen können. Tazu sind die revolutionären Ideen viel zu sehr dem Volk in Fleisch und Blut übergegangen. Ter Weg, der jetzt ein- geschlagen wurde, führt mit furchtbarer zwnsequenz auf die Barrikaden. Was nützen dem Lande nun äußere Erfolge, wenn es im Innern auseinanderklafft? Tas Frank reich von heute steht ungefähr au der gleichen Stelle wie am Ende der .Herrschaft deS dritten Rapoüwn; aus dem Gesichtspunkt heraus kann man die Politik eines Toleasss erklärlich finden!
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Tie heute vorliegenden Stteiknachrichien lauten:
£o r i en t, 25. April. Die ausständigen Hüttenarbeiter in Hcnnebout verhinderten heute die Ausladung eines Trans- portschllfes. Sie veranstalteten sodann unter Absingung von revolutionären Liedern eine Kundgebung, an der auch viele Frauar teilnahmen. Die Hütteningenieure und ihre Familien vcrlaffen die Gegend.
Len S, 25. April Tie fi'aitrocrfc haben die Forderungen der Metallarbeiier abgelehnt. Znsvlgedessen hat das Stteil'komüee Maueranschläge anbringen lassen, wvrm die Arbeiter ersuckt werden, vor den Werken Ausstellung zu nehrnen, um die ArbejK zil verhindern.
Paris, 25. April. Gestern streikten hier 15 000 Arbeiter. Die Erdarbeiter, Steinhauer, Maurer und die Angestellten der ))chhrungsmittel-Branche sowie die Schneider und Otolbarbeiter beschlossen, am 1. Mai zu feiern. Weitere Gewerkschaften werden» sich diesem Beschlüsse an seist jenen.
Tas Erdbeben in Kalifornien.
San Francisco, 25. April. Die Miliztruppen sind alle zurückgezogen. Gestern ist die teteph. Verbindung mit Oakland wieder zu stände gekommen. Die Gürtelbahn auf den Uferstrecken ist wieder im Betrieb und vermittelt die Verteilung der Hilfsvorräte. Die elektrische Beleuchtung hat gestern abend in Eaststreet wieder begonnen und wird beute nacht auf die Kais ausgedehnt werden. 200 Aerzte sind damit beschäftigt, die gesundheitlichen Verhältnisse von Haus zu Haus zu untersuchen. 107 Gesellschaften sind an der Versicherung der zerstörten Gebäude beteiligt. Die Verluste, die .in Newport auf nicht mehr als 125 Millionen Dollar geschätzt werden, bewertet man hier auf 175 bis 200 Mittionen Dollar. Hervorragende hiesige Bürger hielten eine Beratung ab, in der die Absicht besprochen wurde,. San Francisco als eine der schönsten Städte der Welt neu aus der Asche erstehen zu lassen. Wohlhabende Bewohner San Francisco und andere Personen stellen die notwendigen Geldmittel in Aussicht. Die Arbeiten sollen an der Wasierseite begonnen werden, wo neue Kais und neue Lagerhäuser mit einem Aufwande von 25 Millionen Dollars angelegt werden sollen.
Newport, 25. April. Im Weldorf, Astoria-Hotel, hielt der Californische Frauen-Klub eine Versammlung ab, m der beschlossen wurde, Gaben aus dem Auslands für die Geschädigten in San Francisco entgegenzu- nehmen. Erne hierzu gefaßte Resolution besagt, die A b l e h n u n g der Gaben aus Deutschland und dem übrigen Ausland durch den Präsidenten Roosevelt weckte vret Wider spruch im Lande; es sei ein Unrecht und schädlich das Recht zur Beisteuer auf Grund der Nationalität zu versagen; die Annahme fremder Beiträge rechtfertigte sich auch durch die große Zahl der Fremden unter der Bewohnerschaft von San Francisco; schließlich habe man die Amerikaner niemals von der Hilfeleistung bei großen Unglücksfällen in Europa ausgeschloffen. Auf eine telegrahische Anfrage des Herausgebers der New-Portcr ,Staatsztg." an den Präsidenten der Vereinigten Staaten über die Gründe, welche zur Ablehnung der auswärtigen Hilfe für San Francisco geführt haben, ist im Auftrage des Herrn Roosevelts folgende von Unterstaatssekretär Bacon unterzeichnete telegraphische Antwott eingegangen:
Die Spenden, welche mit solcher Bereitwilligkeit von der- amerikanischen Bevölkerung beigesteuert wurden, find genügend, um allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Die Anerbietungen au3 allen Teilen der Welt überragen derartig die Ansprüche, daß eä, um Zurücksetzungen irgend welcher Art zu vermeiden, unter diesen Umständen am besten ist, keine Hilfe vom Auslande anzunehmeiu Der Präsident möchte dadurch die Bevölkerung Deutschlands wissen lassen, wie hoch er ihr von Herzen kommendes Gefühl zu schätzen wisse, und daß wir für die Brüderlichkeit, wie für alle menschlichen Motive ebenso dankbar find, wie roir es sein würden, wenn es notwendig wäre, ihre hochherzige Hilfe anzunehmen.
Washington, 25. April. Roosevelt richtete eine Botschaft an den Kongreß, worin die Bewilligung oaa 300 000 Dollars für die Staatswerft auf Mare Island bei San Francisco empfohlen wird, um für die Arbeitslosen Gelegenheit zur Arbeit zu schaffen. Gleichzeitig wird in der Botschaft die Bewilligung von Mitteln für Neubeschaffung von Armecvorräten für San Francisco nachgefucht.
Liverpool, 25. April. In der heutigen Jahresver-^


