Zweites Blatt
15G» Jahrgang
Nr. 22
9
Eriche MI SgllH mit Ausnahme bei SowUagL.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen.
zu bet Vorlage.
'fr. Vg.) Pflichtet der oflaem-eimm Anerkennung Entwurfes durchaus bei. Anemyfehlen möchte
und Zwei-Markstücken mit dem
silbernen
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Die ^Siebener $ami!lenbI8tter* werden dem ^Anzeiger ntermal wöchentlich beiqeleqL Der ianOaUF* erfcheuu nuxnaüid) einmal
Redaktion, Expedition o. Druckerei P'fiufftt-t. Del SU ÖL SxicQr^iWui «Siefeau
Rutztand in Nöten.
In den baltischen Provinzen räumt daS Militär unter den Revolutionären stark auf, wobei auch viel lieber* griffe vorkommen, die jedoch vom Generalgouoerneur Sfollo- gub scharf gerügt werben." Einzelne Offiziere ließen Gefangene ohne eingehendes Verhör erschießen. Ganz Kurland mit Ausnahme von Conbangen ist den Händen der Revolutionäre entrissen. Dagegen herrschen auf der Insel Oescl noch wüste Zuslände, 200 Mann Soldaten find auf dem Eisbrecher ,3ean(i(" hier eingetroffen. Tie Revolutionäre sollen über 1000 Gewehre neuester Konstruktion, die a u 8 England importiert wurden (I), verfügen.
Freitag 29. Januar 1906
Roiationsdrukk und Verlag der Vrü hl 'leben öV UnwerfltätSbrucferel 81 Lange. G'eßm.
Aus sradt und Land.
Gießen, 26. Januar 1906.
— Kaisers Geburtstag begeht unsere Garnison in der hergebrachten Weise. Heute abend findet Zapfenstreich statt, morgen früh großes Wecken. Sodann findet in der Stadlkirche Festgottesdienst statt und um IP/g Ufa Parade auf Oswalds Garten. Am Abend begehen die einzelnen Kompanien den Geburtstag des Allerhöchsten Herrn in der üblichen Weise durch Aufführungen, Tanz usw.
♦ * Zur Feier der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares werden auf Wunsch des Kaisers je eine Serie von
AarLamentarisches.
Bertin, 24. Jan. Die Steuerkommission des Reichstages beriet heute zunächst den § 1 be5 Braust euergesetzeö, nach welchem die Anwendung von Surrogaten verboten wird, ausgenommen für'die Bereitung von nachweislich zur Ausfuhr bestimmtem Bier und für besondere Biere, für letztere, um die Herstellung sogenannter Speziali- taten, z. B. Gose zu ermöglichen. Bon Speck (Ztr.) liegt ein Antrag vor, im Absatz 1 anstatt: .Auch Verwendung von anderem Malz und von technisch reinem Zucker aller Art (Stärke-, Trauben- usw. Zucker) ist bei obergärigem Bier zulässig" zu setzen: „von technisch reinem Rohr-, Rüben- oder Invertzucker, sowie von Stärkezucker und aus Zucker her- gestellten Färbemitteln". Zu § la, der bestimmt, daß die Brausteuer von dem zur Bierbereitung verwendeten Malz und Zucker erhoben und daß unter Malz alles künstlich zum Keimen gebrachte Getreide verstanden werbe, beantragt Speck den Zusatz: Als Zucker im Sinne dieses Gesetzes sind die in 1, Absatz 1 bezeichneten Stoffe zu betrachten. Dieser Zusatz wird angenommen, ebenso die §§ 1 b, 3, 3 a. Es folgt die Beratung über den Antrag Speck, als 5a einzufügen: Bei der Einfuhr von Bier aus anderen deutschen Bundesstaaten im Geltungsbereiche des gegenwärtigen Gesetzes wird nach den näheren Bestimmungen des Bundesrates eine UebergangS^ abgabe erhoben, welche den Betrag von 2 Mark für einen Hektoliter nicht überschreiten darf. Nach langer Debatte wirb der Antrag mit den Stimmen des Zentrums, der Konservativen, des Freisinns und der Sozialbemokraten angenommen. Der Rest des Artikels 1 wirb dann angenommen mit dem 2(ntragc Böckelmann, nach welchem der Nachlaß der Biersteuer auch bann eintritt, wenn ber Su verdorben ist. Bei Artikel 2, nach welchem ber Zoll für Bier und Malzextrakte in dünnflüssigem Zustande von 6 auf 8 Mark erhöht werden soll, spricht sich Speck gegen diese Erhöhung aus. Ministerialdirektor Kühn gibt zu, daß, wenn man die Brausteuer nach dem Antrag Speck heruntcrsetze, man auch den Zoll ermäßigen muffe.
— Die Wahlprufungskommifsion des Reichstags beriet über bie Wahl des Abg. Will berg er (fraktionslos), im Wahlkreise Hagenau-Weißenburg. Gegenstand des Wahlprotestes sind angebliche unberechtigte Wahlbeeinflussungen durch katholische Geistliche von der Kanzel und im Beichtstühle. Nach längerer Erörterung wurde die Entscheidung wegen der prinzipiellen Wichtigkeit der Angelegenheit auf eine andere vollbesetzt Sitzung vertagt. Die Wahlen der Abgg. Eickhoff (freif. Volkep.) im Wahlkreise Dtühlhauspn-Langensalza.W^ißcnsee und Hagemann (natl.) im Wahlkreise Eifurt-Schleusingen- Ziegenrück wurden beanstandet, die Wahl des Abg. Frhr. v. Hodenberg (Hospitant des Zentrums) im Wahlkreise Gifhorn-Pcine-Burgdorf-CeNe wurde für giltig erklärt.
__ In der Sitzung der B u d g e t k o m in iss io n des Reichstages gab beute ber Abg. Erzberger im Laufe der Verhandlungen betr. die Reichsgarantie für die Duala-Eifen- babn nach den Manengubabergen Kenntnis von einem Schreiben des H e r z o g s E r n st G ü n t b e r von Schleswig- H ol stein, ber nach einer Rede des Abg. Nackel nn Plenum Wert daraus legt, der Kommission mitzuteilen, daß das von Rackel gekennzeichnete unfaire kaufmännische Ge- b ähren auf ihn nicht zutrefse. Er habe 40 000 Mark un- garantierle Aktien gezeichnet. DaS Verausgabte betrachte er
Fonds perdu. Er habe auch auf den Anteil an ber Provision von 300 000 Mark verzichtet. Dies habe auch Fürst von Hohenlohe getan.
iBrfanntimutning.
AuS Anlaß des Geburtstages Sr. Majestät deS Kaisers fZllt der Amtstag am 27. Januar lf. Js. bei der unterzeichneten Behörde aus.
Gießen, den 26. Januar 1906.
Großh. Steuer-Kommissariat Gießen.
D r. Metzler.
Deutscher Keichs tag.
28. Sitzung vom 25. Januar.
Ein schleuniger Antrag wegen einstweiliger Einstellung eines gegen den Abg. S e g i en schwebenden Privatklage- Bersahrens wird debattelvs genehmigt.
Es folgt die dritte Lesung des Gesetzentwurfes betreffend die Statistik deS Warenverkehrs mit dem A u s l a n d e. Nach unwesentlicher Debatte erfolgt die definitive Annahme; ebenfalls in dritter Lesung wird debattelos der Gesetzentwurf betreffend die Wertbestimmung der Einfuhrfcheine im Zollverkehr definitiv genehmigt.
Dann wird die erste Beratung des Entwurfes einer Mastund Gewichtsordnung fortgesetzt.
Abg. V a r w i n k e l (nl.) begrüßt die Vorlage im Allgemeinen, mißbilligt aber die Verstaatlichung ber Aichämter. Einer solchen bebürfe es nicht. Insoweit sich etwa bei den kommunale,: Aick- 5mtem Mißstände ergeben hätten, sei deren Beseitigung sehr ivohl möglich durch eine schärfere Kontrolle. Redner bemängelt weiter, daß nach dem, § 6, der auch alle zum Messen im Verkehr dienenden Wagen die Aichpslicht vorschreibt, auch die Förderwagen in Bergbaubetrieben aichpflichtig sein werden. Endlich plädiert Redner noch für die Zulassung von Viertelpfund-Gewichten. .
Abg. Mertens (fr. Vp.) vermißt nähere Bestimmungen über die Revision der Maste an Wagen und Gewichten in den Apotheken und erklärt ferner, daß in der Vorlage doch noch ein Stückchen Reservatrecht für Bayern aufrecht erhalten werde. In der Verstaatlichung der Aichämter erblickt Redner einen abermaligen Eingriff in die Selbstverwaltung der Kommunen. Fair einzelne Gemeinden bedeute die Verstaatlichung der Aichämter geradezu eine schwere finanzielle Schädigung. Zum Mindesten also müßten die Gemeinden für den Vertust ihrer AichungS-Ueber- schüsfe entschädigt werden.
Aba. V a ch n i ck e (fr. Vg.) erklärt sich namens seiner Freunde im Wesentlichen mit der Vorlage einverstanden, so auch im Besonderen mit der Verstaatlichung des Aichwesens. Im Interesse der Brauereien liege es aueli, die Einviertel-Hektoliter-Fässer ^ur Aichung zuzulassen. Die Brauereien könnten diese Gebinde nicht entbehren. Notwendig sei auch, daß die Nebenstrasen in einem richtigen Verhältnis zu den Hauptstrafen ständen. Wenn die kleinen Mängel der Vorlage beseitigt werden, so könne man nur üvünschen, daß dieses Gesetz möglichst bald zu Ende komme.
Abg. Osel (Ztr.) wendet sich gegen die Fassung des § 16. 'Das bäuerische Reservatrecht bitte er ungeschoren zu lassen. Auch ibie^örbernwgen im Bergbaubetriebe müßten geaicht werden, min- i be|icn§ bevor sie überhaupt in Betrieb genommen werden.
Abg. Raab (Antis.) stimmt der Vorlage zu und verteidigt rttnti besonders die Verstaatlichung der Aichämter.
Staats!ekretär Gras Posa dows kh legt nochmals dar, die Aachaichimg bedinge große finanzielle Lasten für die Staaten.
lleberdies solle Grundsatz fein, daß durch die Gebühren nur die Selbstkosten gedeckt werben. Daß etwa die Gebühren für jede Gemeinde besonders normiert würden, gelte nicht an.
Abg. Stolle (Soz.) wendet sich nochmals gegen die bundes- rätliche Vollmacht, Ausnahmen von der Aichpslicht zuzulasscn und gegen das in den Motiven angekündigte Vorhaben des Bundesr'lS, von dieser Vollmacht Gebrauch zu machen, in Bezug aus Förderwaaen im Dergban und auf gewisse Maßwerkzeuge im Textilbetrieb. _ .
Abg. Hug (Ztr.) tvünscht tunlichste Rücksichtnahme auf die Gemeinden in Süddeutschlaud, namentlich Baden, wlche eigene Aichämter heben und für sie geschulte Kräfte angestellt haben. ,
Abg. Hoffmeister (frf. Vg.) hält die Gemeinden für die geeigneten Träger dieses Verwaltungsgebietes und bekämpft daher die Verstaatlichung der Aichämter als Eingriff in die Selbstverwaltung.
Abg. Dasbach (Ztr.) ist ebenfalls gegen die Verstaatlichung und erhebt Einspruch namentlich dagegen, daß eine den Einzel staaten anheimgegebene weitere Zulassung eines kommunalen^Aich- amtes jederzeit soll widernden werden können. Fördergcfäße im Bergbau müßten geaicht und nachgeaicht werden.
Öiernuf geht die Vorlage an eine besondere K o m m i s s i o n.
Es folgt die erste Lesung der Vorlage betreffend das Urheberrecht o in Werken der bildenden Kun st und Photographieen.
Abg. Dahlem (Ztr.) ist von der Vorlage befriedigt und erhebt nur einzelne untergeordnete Einlvendungen. Daß der Bildnis-Schutz versagen soll gegenüber amtlichen Zwecken sei zu allgemein ausgedrtlckt.
Abg. Dietz (Sozll bedauert, daß über das Verlagsrecht cn den Werken der bildenden Kunst noch keine Regelung erzielt sei und befürwortet eine Reihe von Bestimmungen.
Abg. Lukas (nl.) bemängelt an dem § 22, daß er das Recht am eigenen Bilde zur Regel und die öffentliche Verbreitung und Schaustellung des Bildes zur Ausnahme mache. Gerade umgekehrt müßte eS fein. Dringend geboten sei auch ein Verlagsrecht
Abg. Henning (kons.) äußert sich im allgemeinen zustimmend
Doppelbildnis deS Kaiserpaares und den Jahreszahlen 1881 und 1906 geprägt.
• * Dr. rned. Demeter Ritter von Tabora, erster Assistent ber medizinischen Universitätsklinik, hat sich hier als Prioatdozent für innere Medizin habilitiert. Das Thema seiner Antrittsvorlesung lautete: »Die Lebensweise der Herzkranken."
** In der Gesellschaft für Erd- und Lände r- künde sprach am Donnerstag abend vor sehr zahlreicher 'uhörerschaft Hofrat E. v. Hesse-Wartegg über die Entwicklung des amerikanischen Wcstens. Er erzählte in seinen is/iftünbigen Ausführungen zunächst einiges aus der geschichtlichen Entwicklung der Vereinigicn Staaten und plauderte dann über die industrielle Entwicklung derselben, wobei er in seinen von dichterischer Freiheit getragenen Ausführungen sich als begeisterter Anhänger des Glaubens an die wirtschaftliche lleberlegenhcit Amerikas zu erkennen gab. Einfließcn ließ er mehr plumpe als geistreiche Sck)meicheleien an die Zuhörerschaft und einioe gute, aber noch Diel mehr schlechte Witze. Seine Lichtbilder stellten zumeist satlsam bekannte Wolkenkratzer dar. Ein Zuhörer schreibt uns heute sehr richtig:
Ter gestrige Vortrag des Herrn von Hesse-Wartegg stand p unter dem Niveau der sonst gewohnten gediegenen Lcistungen in der Gesellschaft für Eu> und Völker- laude, daß der Wunsch berechtigt erscheint, den Herrn nicht wieder zu hören, auch wenn er sich wieder anbietet.
* • Phono la-Konzert. Am nächsten Sonntag, nachmittags 5‘/4 Uhr präzis, veranstaltet die Firma Wilhelm Rudolph, Pianofortehandlung, in dein Saale des Gesellschafts- oereinS ein Klavier-Konzert, in welchem die Vorträge oct*
Zur Gründung eines nationalliberalen Iugcndvereinö in Darmstadt
hatte sich am Donnerstag abend eine Anzahl von Vertretern aus allen Berufsständen zusammengefunden. Oberlehrer Tr. Neßling legte — so wird uns aus Darmstadt geschrieben — als provisorischer Vorsitzender der Versammlung die Gründe dar, welche nach Ansicht der Einberufer auch für Darmstadt die Bildung eines solchen Vereins als wünschenswert und notwendig erscheinen ließen. In allen Parteien trete die Jugend immer mehr hervor, da dürfe auch hier die nationalliberale Jugend nicht zurücksteheu. Sie sei berufen, der Partei frisches Blut zuzuführen und die Bestrebungen der erprobten Führer durch 'Ausbreitung des nationalen Gedankens zu unterstützen. Er bitte die Versammelten, die Frage der Gründung eines solchen Vereins einer gründlichen Erwägung zu uuterzieheti. Rechtsanwalt Tr. Osann H. begrüßte bie Versammlung namens des nationalliberalen Vereins und sprach seine herzliche Freude über die beabsichtigte neue Vereinsgründung aus. Nicht der jüngste Ara>ell des Herrn Psarrer Naumann hierfelbst habe die Anregung hierzu gegeben, sondern der Gedanke habe schon lange Zeit bie nat.-lib. Kreise beschäftigt. Sehr zu bedauern sei, daß sich gerade die akademisch gebildete Jugend und die jüngeren Deamtenkreise bisher so zurückhaltend zeigten. So gut sich in Bayern, Baden und anderwärts jene Kreise an den Zeutrumsbestrebungen beteiligten, sollten dieselben auch bei uns in der richtigen Weise ihren Einfluß auf das öffentliche Leben auszuüben sich beftreben. Ter alte Verein der Nationalliberalen werde dem zu gründenden Jugendverein stets die eifrigste Unterstützung zuteil werden taffen. Herr v. Lafant aus Frankfurt hieß die geplante Begründung be5 Jugendvereins namens deS Reichsverbandes ber jungliberalen Vereine freudigst willkommen, gab einen kurzen UeberbHcf über bie schnelle Entwicklung dieser Vereine, bie außer den Verbänden in Stavern und Baden schon über 15 000 Mitglieder zählten und als Grundsätze ein zielbewußtes Streben nach Verbreitung der nationalen Gesinnung, Pflege des liberalen Gedankens und Milderung resp Ueberbrückung der sozialen Gegensätze ausgestellt hätten. Er hosft, daß die jungliberale Bewegung auch in Darmstadt und überhaupt in Hessen ebeujo erfolgreich sich ausbreiten werde, wie anderwärts in Deutschland. Im Laufe einer längeren animierten Debatte 'betonte Finanzamtmann Bangel, in anderen Parteien 'betrachte man Die Beteiligung der Jugend als etwas Selbst- 'verständliches, wahrend man der nationalliberalen Jugend iVorwürfe machen wolle, wenn sie das Gleiche tue. Heute ■gelte es, daß jeder seinen Mann stelle, und deshalb begrüße er freudig die heute angeregte Vereinsbildung. Eisenbahnsekretär Bauer meint, daß nicht nur die akademisch gebildete Jugend, sondern die jüngeren Vertreter aller Bc- lufskreise sich dem neuen Verein anschließen sollten. Zum Scl)lnß der Versammlung erklärten sich sämtliche Anwesende mit der Gründung des Vereins einverstanden und traten demselben sofort als Mitglieder bei. Tann wurde ein Ausschuß von sechs Herren gewählt, der bie weiteren Schritte veranlassen soll. Herr L a n g h a n s-Franksurt gab dann noch ein Bild von der Tätigkeit des Frankfurter Jugend- oereins und Herr v. Lasant beglückwünschte den neuen Verein namens des Reichsverbai.oes, aus den die Ver- sammlung ein dreifaches §>och ausbrachte.
dlbg. Dove (fr. Vg.) pflichtet bet allgemeinen Anerkennung der Vorzüge des Entwurfes durchaus bei. Anenryfehlcm möchte er der Regierung einen erhöhten Schutz der Person. Auch solle sie einfchreiten gegen daS Verbreiten von Familienskandalen in dir Prefie und gegen teis A-.sschreien solcher Sensationen auf der Straße lediglich zu Reklamezwecken. (Ruse: Sein richtig.)
Hierauf gebt die Vorlage an eine Kommission.
Morgen: Genx-rbev ovelle.
Ausland.
Paris, 25. Jcnr Fürst Radolin begab sich gestern m Leopold d e Lisle, dem srüHeren Direktor c>er National-Viblio- thck, um ihm mitzuteilen, daß der deutsche Kaiser ihm bat Orden Pour le M 6 rite verliehen habe.
Wien, 25. Jan. Ministerpräsident Stojanowitsch kündigt an, daß das serb. Kabinett die Grenzsperre alS Gewalt- oft anfthen und den bis zum 1. Mär; laufenden Handelsvertrag a!s null und nichtig d-trachten würde. In biefrm Falle würde die Monorchie nach erfolglosem Protest die diplomatische«! Beziehungen abbrechen uno den hiesigen Gesandten Dr. Vuic zur Abreise veranlassen.
Tokio, 25. Jon. Der Finanzminister Sekatam machte heute Int -Ibgrvr dm l en Hous e den Vorschlag, die KriegSsteuer« im Betrage von 160 Mill. Ven in dauernde Stenern urnzurvcmdeln imb einen >L>chuldenkonfolidierungSB sonds zu schosfen, zu dessen Dienst außer den bisher zu diesem Zwecke angewiesenen 06 Millionen jälyrlid) 110 Millionen bereit» zustellen wären. Beide Maßnahmen begegneten im Haufe starkem Wtderfvruch. Der Ministerpräsident Saienyi hat beiden Häusern gegenüber auf die dringende Notwendigkeit hingewicsen, die Lräste alter Parteien doranzusetzcn, um den Schwierigkeiten der Lage, die der Krieg und die damit verbundenen großen Ausgaben? geschaffen baden, zu begegnen.
Dcutsch-Südweftafrita.
Wie neulich gemeldet mürbe, hatte Cornelius im Tiras- gebirge sich dem Angriff deS LcuNiants von Erailsheim , zu entziehen gewußt und am 13. Januar den Viehpostcn bet Unruh itördlich von Bethanien überfallen. Die 5. Kornpagnte be5 Feldregirnentes 2 unter Cbcrl1 i'fnnnt von Wittenburg nahm chm> damals den größten Teil des Viehs wieder ab. Die Abteilung Crailsheims und Teile der 4. Kvmpagnie des Fcldregimentes 2 unter Leutnant Frhrn. v. Stein schlaffen sich unterwegs an. Am 19. Januar gelang es, den Geyner in den TiraSbergen zum Kämpfe zu stellen. Nach breillünhigem Gefecht wurde Cornelius in die Flucht geschlagen. Er ließ 12 Tote, Hottentotten und Hereros, darunter einen Hererokapitän auf bette Platze. Eine Anzahl Gewehre, Reittiere und Großvieh wurde erbeutet. A u f deutscher Seite sind drei Mann gefallen und drei schwer verwundet worden. , Der geschlagene Gegner floh nordwestlich und wurde durch die 5. Kompagnie des Feldregiments 2 bis Kvrais vorfolgt. Oberst Dame meldet außerdem, daß auf der Etappenstrage Windhuk-Klib die Milzbrands per re, auf dem Baiwege die Rinderpestspe r r e aufgehoben 1 darben ist. Die Sanierung der Verhältnisse durste in erster Linie dadurch herbcigesührt fcin,_ daß ein großer Teil des kre.nlheitsverdächtigen Zugviehes getötet worden ist. Es ist zu hoffen, daß nach Ergänzung des nutt verbliebenen Bestandes an Zugtieren eine Erleichterung im Verpflegungsnachschub eintritt. Immerhin Darf die Möglichkeit nicht aus bett Augen gelaffen werben, daß trotz aller Vorsichtsmaßregeln bie Seuche erneut zum Ausbruche kommen kann.
Oberst v. Deimling ließ soeben eine kleine Schrift ei> scheinen: „Südroestafriko, Land und Leute, Unsere Kämpfe, Wert der Kolonie." Preis 50 Psg. Verlag von R. Eisenschmidt, Berlin NW. 7. Es ist ein Vortrag, in dem er die Tapferkeit und Ausdauer unserer Truppen ins hellste Licht stellt und den Wert unserer südwestafrikanischen Befitzung aufs Deutlichste nachgv- wiesen hat.


