Ausgabe 
23.5.1906 Drittes Blatt
 
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kaiserlichen Marine und der Schutztruppen in unterstützt werden sollen und zwar so, daß einem Zeitraum von zehn Jahren ausgebraucht der Verwaltung desselben betraute Kuratorium

Wellenerscheinung beruhen. Von einer punktförmigen Licht­quelle gibt auch das vollkommenste Linsensystem niemals ein punktförmiges Bild, sondern es tritt als Folge des Durchganges des Lichtes durch die Linsenöffnung eine Beugungserscheinung auf, eilt Lichtscheibchen, in dem die Intensität ücm dem Mittelpunkte, dem Ort des Bildes aus nicht plötzlich, sondern allmählich nach dem Rande hin ab­nimmt. Der Durchmesser dieses Lichtscheibchcns ist dem Durchmesser der Linse umgekehrt proportional. Will man zwei nahe bei Einander liegende Lichtpunkte, etwa die beiden Sterne eines Doppelsternsystems, als getrennt wahr­nehmen, so darf der Radius der Lichtscheibchen höchstens so groß sein, wie der Abstand der Sterne im Gesichtsfeld, sonst ist eine Trennung auch mir der stärksten Vergrößerung nicht zu erreichen. Da der Durchmesser der Scheibchen vom Durchmesser der Linsenöffnung abhängt, so läßt sich bei Fernrohren das Auflösungsvermögen durch Verwendung von Objektiven von größerem Durchmesser steigern. Bei den Mikroskopen liegen die Verhältnisse anders, weil hier das Objekt der Linse beliebig nahe gcbrachtt werden kann, die Abbildung sich daher mit weil geöffneten Strahlen­büscheln vollzieht und für die aufrretenden Beugungs­erscheinungen eben diese Oeffnungsweite, d. h>. das Ver­hältnis des Linsendurchmessers zum Objektivabstande maß­gebend ist. Ter erste, der diese Betrachtungen auf das Mikroskop anwandte, war Helm Holtz. Er leitete aus ihnen daS Resultat ab, daß bei maximalem Oesfuungswiukel (von 90 Grad) zwei Objekte, deren Abstand eine halbe Wellen­länge beträgt, noch als getrennt wahrgenommen werden können. Unabhängig von Helmholtz entwickelte Abbe eine andere Theorie, die der Besonderheit der mikroskopischen Älbildung insbosern besser entspricht, als sie von der Tat­sache ausgeht, daß nicht selbstleuchtende, sondern durch­leuchtete Objekte mit dem Mikroskop betrachtet werden. Die mikroskopische Wbildung ist nicht eine primäre, durch die vom Objekt ausgehenden Lichtstrahlen, sondern eine sekun­däre, gewissermaßen durch die Eleni? ttarwellen, die vom Objekt als Beugungsschirm im Strahlenfelde der Licht­quelle erzeugt werden. T-as entstehende Bild ist eine Inter­ferenzerscheinung dieser sekundären Wellen. Zum Beweise- dieser Theorie hat Abbe Versuche erfunden, welche die Be­dingungen der Abbildung von Strukturen mikroskopisch zu untersuchen gestatten. Dabei werden gröbere Beugungs- gittter durch größere Linsen abgebildet; in derjenigen Ebene, rn der das Objektiv die Lichtquelle abbildet, treten dann Beugungssperrra auf, und man kann, indem man diese ganz oder teilweise abblendet, nachweisen, welchen Einfluß ihre Mitwirkung auf das Bild des Objektes ausübl. Diese Versuche konnten mit den Abbeschen Präparaten objektiv mit Hilfe des Projektionsapparates vorgeführt werden. Sie lehren in erster Linie, daß jede Andeutung der Struktur verschwindet, sobald alle Beugungsspektra abgeblendet werden und nur das zentrale Bill) zugelassen wird. Damit in dem Bilde des Objektes eine Struktur sichtbar wird, müssen mindestens zwei seitliche Spektra, oder das zentrale Bild und ein seitliches Spektrum zusammenwirken. Soll also ein Mikroskop von einer Struktur irgend eine An­deutung erkennen lassen, so muß das Objektiv außer dem

Südwestafrika der Fonds in ist. Das mit soll aus fünf

Mitgliedern des Flottenvereins, zwei Mitgliedern des Reichs­marineamts und zwei vom Oberkommando zu bestimmenden Mitgliedern der Schutztruppe bestehen. Bei der Ersatzwahl für das Präsidium wurden neugewählt Kammerherr v. Spieß und Staatsminister z. D. Heutig. Sodann erfolgte die Neu- wahl des gesamten Vorstandes. Als Ort der Tagung des Flottenvereins im Jahre 1907 wurde Köln bestimmt.

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in erster Linie ausklärend und erzieherisch zu wirken und schloß mit dem Wunsch, daß die Hamburger Feier einen schönen Abschluß stnden möge. Hierauf wird in die Tages­ordnung eingetreten. Um 10 Uhr verließ der Prinz die Versammlung, um sich zu der auf der Alster vom Norddeutschen Regattaverein veranstalteten Segelregatta zu begeben. Gegen 11 Uhr wurde die Sitzung unterbrochen, um der Versamm­lung Gelegenheit zu geben, den Start der Segelboote zu beobachten. Die Tagesordnung, deren beide ersten Punkte: Rechenschaftsbericht des Präsidiums und Entlastung des rüheren Vorsitzenden und jetzigen Stellvertreters und des Hauptschatzmeisters vor der Pause nach unverheblicher De­batte erledigt waren, wurde bei Punkt 3Ergebnis der seit­herigen Agitation, Richtung und Ziel der Agitation für die nächste Zukunft" fortgesetzt. Hierbei wurde zurückgewiesen, daß der Flottenverein durch Annahme der Flottenvorlage im Reichstag eine Niederlage erlitten habe, da eben die Annahme chon einen Erfolg bedeute. ES sei jedoch durchaus nötig, daß innerhalb des Flottenvereins Disziplin herrsche. Nach­dem sich noch einige Redner in ähnlichem Sinne zu diesem Punkte geäußert hatten, wurde die gemeldete Resolution einstimmig angenommen. Die beiden nächsten Punkte: Bericht über die Vereinslotterie, Verwendung der daraus sich ergebenen Mittel, sowie der Voranschlag für 1906 wurden genehmigt. Sodann wurde beschlossen, einen Südwe st - afrikafonds des deutschen Flottenvereins zu gründen, aus dessen Mitteln Invalide und Angehörige von Gefallenen der

Gerschtssaal.

U Marburg, 20. Mai. Die Strafkammer verur­teilte kürzlich einen Arbeiter, der Jnvalidenmarken zweimal benutzt batte, zu 4 Wochen Gefängnis.

fe. La m perthei m, 20. Mai. Ter Tagelöhner Valentin Roos von hier bearbeitete den Hund des Bauunternehmers Adam Maischem mit einemZ i e g e n h a i n e t" derart, daß das Tier regungslos liegen blieb. Tas Schöffengericht diktierte dem Rohling 6 Wochen Hakt zu.

nM Clirli (V/eizen.Lecithin-EIWE!SS).

Dr. tf^lop¥er»crliain Tägliche Ausgabe ca. 25 Pfg.

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Dr. Volkmar Klopfer, Dresden-Leubnitz.

Für Blutarme, Nervöse 1984

zentralen Bilde mindestens ein seitliches Spek.rum anf-, fassen können. Bei zentraler Beleuchtung sind daher Struk­turen, deren Strichabstand kleiner als eine Wellenlänge ist, nicht mehr erkennbar. Durch schiefe Beleucheung kann man diese Grenze beinahe auf die Hälfte der Wellenlänge hinaus- rücken.

Industrie und Bahnen im Vogelsberg.

Zu dem in der SamStagsnummer unter dieser tleberschrist gebrachten Artikel ging uns folgende Auslassung zu:

Wir bitten um Ausnahme nachstehender Richtigstellung des in Nr. 17 (3. Blatt vom 19. h. M. gebrachten Artikels:In­dustrie und Bahnen im Vogelsberg" bctcefsend die Eisen- steinablagcrung im Vogelsberg, Absatz 2. Der Ein­sender scheint aus Unkenntnis einen Teil des Absatzes aus einer auswärtigen Zeitung entnommen zu haben, der nach unserer Ansicht zur Machination für eine Gesellschaft dienen sollte. Einem Fachmann würde cs nicht in den Sinn Kommen, eine derartige Eisensteinablagerung, die mit 25 Meter Deckgebirge überlagert oder bei 15 Meter Mächtigkeit nur 25 Meter Breite hat, nach der heutigen Beschaffenheit in Abbau zu nehmen. Was die Pro- duktionskostcn betrifft, so hat es jeder Fachmann für zwecklos gehalten ans solche nutzlose jeder Grundlage entbehrende Angabe etwas zu erwidern, und hätte sich der Einsender einigermaßen über den Betrieb der Gruben bei Mücke informiert, so müßte er sch sagen, daß Mark 1012 Unkosten pro Waggon bei der Arbeiter­zahl, die die Gruben beschäftigen, und den maschinellen BetriebS- einrichtuugen, in keinem Verhältnis zur Tagesförderung von 20 bis 30 Waggons stehen.

Wir können dem Einsender nur empfehlen, sich eine solche Eisensteiugrube zu erwerbeu, ivelchcs ihm ja nicht schwer fallen dürfte, da dieselben zu hundert billig zu haben sind, damit er auch etwas von den erwähnten Milliönchen ^mitbekäme, bevor sie alle hinauswanderten. Auch dürfte es dem Staat nicht schwer fallen, sämtliche Eifensteinfelder qh der projektierten Eisenbahn­str ecke Mücke-Ulrichstein in Besitz zu bekommen, um dem Lande die Millionen zu sichern. ...

Wenn nun der Artikelschreiber gerne wissen will, Jvic die Millionen beim Bergbau in Oberhessen verdient werben, so bitten wir ihn, bei den Gefellfchasten, die früher Bergbau in Oberhessen betrieben haben, Umfrage zu halten. Die Antwort dürfte ihn über die Unkenntnis der Verhältnisse etwas auftlären und er würde staunen über die Milliönchen, die von ausländischen Aktio­nären in den Vogelsberg gebracht worden sind.

Bei etwas technischen Kenntnissen müßte sich der Einsender fragen, wie es kommt, dag bei der günstigen wirtschaftlichen Lage zur Zeit keiner von den Besitzern J)en Betrieb wieder aus- nimmt, um die Millionen zu holen. Selbst einheimischen Be­sitzern, welche eine große Anzahl von Grubenfewern in Händen haben, scheint der Millionenverdienst doch bedenklich. Auch steht es dem Einsender ja frei, sich von den Aktien, die die Millionen bringen, jederzeit die gewünschte Anzahl zu erwerben, was die beste Gelegenheit wäre, den Unterschied zwischen einer Milchwirtschaft und dem Eisensteinbergbau kennen zu lernen.

Wir bieten dem ^lrtikelschreiber einen Betrieb mit Wasch­anlage, Bahnanschluß, ca. 15 Grubenfelder zum Preise von nur 50 000 Mark zum Kaufe an, damit ihm Gelegenheit ge- boten ist, auch Milliönchen zu verdienen.

Gewerkschaft Luse L Ilsdorf.

August Münker, Bergwerksdirektor.

Der Aufstand in Südwestafrita dürfte nach der Gefangennahme Morengas dem Ende nahe sein. Jetzt steht gegen uns noch der Bandenführer Morris im Felde, betten Widerstand umso leichter zu brechen sein wird, als seine Spannkraft unter dem Eindrücke der Gefangennahme Morengas erlahmen muß und alle unsere im Ramalande versammelten Truppen jetzt auf seine Fährte gesetzt werden können. Zunächst werden keine wei­teren Truppennachschübe in die Kolonie mehr vorbereitet werden. Ta ist es an der Zeit, sich den Verlauf des Auf­standes in das Gedächtnis zurückzurufen.

In drei Hauptteilen wurden die Anstifter des Auf- 'standes unschädlich gemacht. Nach dem großen Gefecht am Walerberg im August 1904 und der Verfolgung der ge­schlagenen Herero in die Einöde der Omaheke war dieser Stamm besiegt. Die großen Häuptlinge waren zum Teil über den Omurambo Omatako in nordöstlicher Richtung in das britische Gebiet am Ngnrnisee entkommen und dort von den britischen Behörden entwaffnet worden. Sie sind jetzt arme Teufel und werden sich wohl hüten, wiederzu­kommen, weil ihnen die Strafe für Verbrecher droht und die von ihrem Stamm lebend zurückgebliebenen Leute zum größten Teil als Gefangene unter der Aufsicht der Weißen leben und keine Ursache haben, für ihre ehemaligen Ge­bieter, die sie in die Erhebung hineingezwungen haben, abermals verräterische Handlungen zu begehen.

Um dieselbe Zeit, wo der Hererostamm kampfunfähig wurde, erhob sich im' Mittlern Süden der Hottentotten­stamm unter Hendrik Witboi, der dann ungefähr ein Jahr danack) im Kampfe tödlich verwundet wurde, nachdem die Truppen ihn in noch beschwerlicheren Märschen, als die im Hererolande gewesen waren, nach Osten und weit nach Westen hin verfolgt hatten.

Nun blieben noch un äußersten Süden, um die Karas- berge herum und an der englischen Grenze im Osten und Süden, außer den Ueberbleibseln der Hottentotten unter den niederen Häuptlingen wie Cornelius die Banden, die sich schon vor der Erhebung der Herero in dieser Gegend gebildet und unter Mvrenga einen gewandten Führer gefunden hatten. Der Kampf gegen diese beiden Gruppen war der schwierigste von allen, einmal wegen der Unwirt­lichkeit des Geländes, dann wegen der Unmöglichkeit, bei dem gänzlichen Mangel an geordneten Verkehrsmitteln eine regelrechte Versorgung der Truppen zu bewirken, die in bitterer Not ihre Heldenhasten Märsche und Gefechte bewirkt hatten. Hauptmann Volkmann gelang vor einigen Monaten die Gefangennahme des Cornelius, und nun schrunrpfte das Kriegsfeld auf die entlegene Südostecke des Schutzgebietes zusammen.

Mvrenga hatte in dieser Gegend Aussichten, unsere Truppen noch lange hinzuhalten, weil er sich jenseit der englischen Grenze nach jedem Kampfe wieder erholen konnte, um dann aufs neue in unser Gebiet einzufallen. Ta er aus seinen Schlupfwinkeln heraus Transporte überraschte und abfing, fielen ihm öfters Gewehre und Munition zu. Dieser Kreislauf mußte bald ein Ende nehmen, denn in den einzelnen Gefechten wurde seine Gefolgschaft, die man zu Anfang diess Jahres itoch auf 400 Köpfe schätzte, all­mählich vermindert, während die deutschen Truppenführer seine Pfade immer fester umstellen konnten. Zuletzt kam das Gefecht am 4. Mai mit der Verfolgung Morengas durch Hauptmann Bech, der im Eifer deS Gefechts den Gegner über die Grenze verfolgte, dessen Niederlage dort vollendete, und im Anschluß daran die Gefangennahme Morengas durch die Kappolizei.

In der Hauptsache werden nur noch Maßregeln zur Sicherung der Farmen und Ansiedler gegen das besonders im Mittlern Teil des Schutzgebietes noch vorhandene Rüuber- gesindel durch Fqrmwachen und kleine mobile Abteilungen zu treffen sein. Tann fanu mit dem Wiederaufbau der Kolonie begonnen werden. *

Einen ebenso gehässigen wie törichten Ausfall gegen unsere Asrikakämpser leistet sich derVor­wärts" im Anschluß an die Nachricht von dem Erfolge des Hauptmanns Bech gegenüber dem Hottentottenführer Mo- reuga. Tas Blatt schreibt, wahrscheinlich wäre der Ab­teilung Bech die erfolgreiche Ueberrumpel- ung nicht g eglückt, wenn sich Mvrenga nicht auf e n g l i s ch e m G e b i e t vor der deutschen Verfolgung völlig sicher gewähnt hätte. Tie hiermit beabsichtigte Herab­setzung unserer Truppen ist umso einfältiger, als Haupt­mann Bech, wie auch demVorwärts" bekannt sein mußte, im heftigen Kampf mit Moreuga über die Grenze gegangen ist und in diesem selben Kampfe den Erfolg gegen Morenga errungen hat. Taß dieser schlaueste aller Rebellenführer sich unter solchen Umständen sicher gefühlt habe, ist. ncttur- lich ausgeschlossen. _____

Oberhcssische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde.

In der Sitzung der Geiellschaft am Freitag, 18. Mai, sprach Professor Königlieber die Grenzen der Leistungsfähigkeit der Mikroskope (mit Ver­suchen nach Abbe). Der Vortragende führte hierüber etwa folgendes aus:

Die Genauigkeit der Abbildung durch ein Linsensystem wird mit Hilfe der fortschreitenden Wissenschaft und Technik zu immer größerer Vollkommenheit gebracht. Gleichwohl sind der Leistungsfähigkeit abbildender Systeme inbezug auf die Erkennung von Einzelheiten, das sogen. Auflösungs­vermögen, Grenzen gesteckt, die die Technik nicht zu Über­winden vermag, da sie auf der Natur des Lichtes als einer

Deutscher Flottcuvereiu.

Hamburg, 20. Mai. Die 6. ordentliche Haupt­versammlung des Denischen FlottcnvereinS wurde heute vormittag durch den Präsidenten des Flottenvereins Fürsten zu Salm eröffnet. Dr. Mönckeberg wies darauf hin, daß Hamburg den Bestrebungen des Flottenvereins stets ein größeres Interesse entgegenbringe. Seit Jahrhunderten fei es Hamburgs Ausgabe, die Elbmündung frei zu halten. Früher habe, die Hansa den Handel geschirmt. _ Jetzt seien die Hamburger von der Notwendigkeit einer starten flotte umsomehr überzeugt, als mit den großen Schiffen ihre Er- spamiffe aus dem Meere schwimmen. Der Redner gab dann seiner Freude über die Anwesenheit des Prinzen Heinrich von Preußen Ausdruck. Sein Erscheinen liefere den Beweis, daß die Marine und ihr kaiserliches Haupt mit den Bestrebungen des Flottenvereins einverstanden sind. (Beifall.) Prinz Heinrich führte in seiner Erwiderung aus, die Hamburger ständen bei der Marine in hohem Preis. ^Mit Bezug aus die Friktionen, die innerhalb des ^lott envereins vorgekommen seien, sprach der Prinz die Mahnung aus daß jeder einzelne wie jede Korporation das persönliche ^ch der Sache zum Opfer bringen möge. (Lebhafte Zustimmung.) Des weiteren bezeichnete der Prinz als Aufgabe des Vereins,

Gießener Strafkammer.

Kriegen, 19. Akai.

Unter Ausbietung einer großen Anzahl Zeuges und Sach­verständigen fand die Verhandlung gegen den zu Stadecken ge­borenen, in Bannerod stationierten Schulverwalter I. R. wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Ueberschrcit^ u ng desZüchtigungsrechts statt. Es sind ihm Mißhand, lungen an 17 Schulkindern zur Last gelegt, von denen er eines mit einem Rohrstock auf den Kops geschlagen hat, bau die Haut ausplatzle und eine eiternde Wunde entstand, deren Narbe zur Zeit noch sichtbar ist. Seine Gepflogenheit »oar, den Kin­dern aus geringfügigen Ursachen gegen den Kops zu stoßen oder zu schlagen, sodaß Bculen und Striemen entftanbem Er beitritt, die Kinder absichtlich mitzhandelt zu haben und stellte sie als lügenhaft lyin, zum mindesten glaubt er, daß sie die Vorgänge übertreiben. Weiter machte er geltend, daß nach dem neuesten Erlaß über das Züchtigungsrecht der Lehrer, entgegen den früheren Bestimmungen, weder Alter noca Geschlecht der Kinder, noch ein­zelne Körperteile bei der Züchtigung zu berücksichtigen seien. Wenn dies auch richtig ist, so wurde ihm doch von feiner vor­gesetzten Behörde, bei Bekanntgabe des Erlasses anempfohlen, sich immer noch an die allen Vorschriften zu halten, um Uebev- schreitungen vorzubeugen. Ebenso wurde er von feiten des Krets- gefundheitsamts gelegentlich hygienischer Vorträge, aus dte Ge­fährlichkeit des Schlagens auf den Kops, hmgewtefen. Von seinen Vorgesetztelt wurde er als ein gewissenhafter Lehrer ge- fchildert, mit dessen Tienstsührung man im allgemeinen setther zufrieden war, er ist aber sehr erregbar, was wohl die Ursache zu den Ausfc.'ireitungen gewesen fein mag. Die Beweisaufnahme bestätigte im wesentlichen die Anklage, sodaß die Staatsanwalt- schast Verurteilung in 14 Fällen zu Geldstrafen von je 5 bts 25 Mart, zusammen 175 Mark beantragte. Das Gericht hielt aber, unter Berücksichtigung der neuesten Verordnung über das Züchtigungsrecht der Lehrer, nach dessen Wortlaut es in das Ermeßen des Lehrers gestellt ist, zwecks Erreichung des ge­wünschten Erfolgs beliebige lörperliche Züchtigungen vorzunehmen, nur 7 Fälle, in denen eine Ueberschreitung stattgefunden hat, als vorliegend und ahndete einen mit einer Geldstrafe von 15, drei mit je 10 und drei mit je 5 Mark untererer* sprechung bezüglich der übrigen 10 Fälle. Bei der Strasausmefsnng kamen die günstigen Angaben seiner Borgesetz- . u strafmindernd in Betracht, die dahin gingen, daß der Angeklagte bei feinen .Handlungen gewillt war, nur das Beste der Schule zu fördern; ebenso günstig war für ihn der Umstand, daß den Kindern bleibende Nachteile nicht entstanden sind.

Nr. 120 Drittes Blatt 156. Jahrgang Mittwoch 23. Mai 1906

Erscheint tlgllch mit Ausnahme des Sonntags. flP Rotationsdruck und Verlag de, Vrühl'schen

DteSiebener ZamNirublStter" werden dem f loH Unroerütätvdruckeret^N^Lange, ©tefe«.

»Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Ter V Oa- II* \ B ft? V- Fl ILß vV <3? Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr. 7.

Eheffische Landwirt erscheint monatlich einmal. 6 § E V V V H V H W V V Tel. Nr. bL Telegr.-Adr.: Anzeiger Ließ«.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen.