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21.11.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. #74 Zweites Matt 150. Jahrgang

Mittwoch 21. November 1906

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

TieEichener Zamtltenblötter- werden dem ,Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt Der hrjsifche Landwirt" erfcheMt monatlich einmal.

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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Umversitälsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition u. Druckerei: Grfjulff1, 1'5597 Tel. Nr. bl. Telegr.-Adr.: Anzeiger CL.O^vov--.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen.

Kkllanntmülyimg.

Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß

Samstag, dcn 24. November 1906

aus Anlaß der Feier des Geburtstages Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs unjere Geschäftsräume geschlossen bleiben.

Gießen, den 16. November 1906.

Großherzogliches Hauptsteueramt.

v. © r 01 in a 11.

Deutscher Reichstag.

122. Sitzung vom 20. SLovemver.

Am BundesratStische Graf Posadolvsky.

Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung der Gewerbe Novelle. (Fortsetzung.)

Abg. Malkewi tz (lons.): Wir stimmen für die Vor­lage im Sinne des Beschlusses des Kölner Hanbvrerkcr- und Gewerbetages, indem wir nämlich unser Bemühen da­hin richten, den Befähigungsnachweis auf indirektem Wege Schritt für Schritt zur Durchführung zu bringen. Redner bittet um Ausklärung über die Streitfrage des Geltungs­bereiches des Gesetzes sowie der Behandlung juristischer Personen. Von den Resolutionen werden die Konservativen die Forderung der Anstellung besonderer Bau-Kontroll­beamten unter Zuziehung gewählter Vertreter der Ar­beiter ablehnen und nur der Forderung von Bauarbeiter* schutz-Veroronungen zustimmen. In Bezug auf den Fort- bildungsschulzwang stimmen sie der gestern eingebrachten Resolution Lrimborn zu und die Resolution über den kleinen Befähigungs-Nachweis nehmen sie gleichfalls trotz der Erklärung des Staatssekretärs an, im Sinne: Mehr Dampf, Herr Minister!

Geh. Rat Spielhagen beantwortet die Frage nach dem Geltungsbereich und nach der Behandlung juristischer Personen in bejahendem Sinne, d. h. der Haftung auch jeder Gemeinschaft von Personen sowie der. Geltung der Betrieböuntersagung für das ganze Reich.

Abg. Dr. B ö t t g e r (nL) erklärt auch die Zustimm­ung seiner Fraktion zu oem durch die Kommission ver­besserten Entwurf, da dadurch eine Hebung der Solida­rität im Handwerk erreicht werden wird. Der Resolution über den kleinen Befähigungsnachweis stimmten auch die Nationalliberalen zu. Die Anträge der Sozialdemokraten und die Resolution der Kommission, soweit sie in gleicher Richtung geht, lehnten sie ab, da die Beteiligung der Arbeiter an der Dau-Kontrolle nichts nütze, wenn sie von den Bau-Unternehmern abhängig sind.

Abg. Frohme (Soz.) meint: Die ganze Vorlage läßt positive Maßnahmen vermissen. Das Ganze leidet an einer großen Unbestimmtheit. Der von Bömelburg eingebrachte sozialdemokratische Antrag ist korrekter, deshalb bitte ich, diesen anzunehmen. Der Antrag will den jetzigen Unter­nehmern den Betrieb untersagen, die gröbliche Verstöße gegen die allgemein anerkannten Regeln der Baukunst oder gegen die gesetzlichen, polizeilichen und berussgenossen- schaftlichen Unsallverhütungsvorschriften sich zu schulden kommen lassen.

Abg. Gamp (Reichsp.) führt aus: Die gestrige Er­klärung des Staatssekretärs läßt erhoffen, daß die Re­gierung sich auch zu weiteren Maßnahmen bereit erklären wird und ich kann sagen, daß sie bei uns den Forder­ungen zum Schutze des Handwerks, zum Ausbau der sozial­politischen Gesetzgebung und zu ihrer Ausdehnung auf das Handwerk bereitfinden wird.

Staatssekretär Graf Posadow sky: Mancher suchte einen Gegensatz zwischen meiner gestrigen und meinen frühe­ren Erklärungen neben den Befähigungsnachweis zu kon­struieren, bei dem kleinen Befähigungsnachweis, den ich antündigte, soll nicht die technische, sondern die moralische Befähigung des Handwerkers notwendig sein, um Lehr­linge auszubilden. Der Erzieher muß selber eine geordnete Erziehung gehabt haben. ES ist eine Forderung der Ge­rechtigkeit, daß dem, der aus eigener Kraft den Meister­titel erwirbt, auch allein die Führung dieses Titels ge­sichert wird. Wenn der Abg. Gampwünscht, daß die Hand- werkerkammern aus Reichsmitteln Zuschüsse zur Deckung ihrer Kosten erhalten, so müsse er bitten, diesen Wunsch im Abgeordnetenhause zu wiederholen. Der Redner bittet der Vorlage zuzustimmen, da sie einen ersten Schritt auf dem Gebiete d:s Handwerkerschutzes darstelle. Dem An­träge Trimborn auf möglichst gleichmäßige Durchführung des obligatorischen gewerblichen Fortbildungsunterrichts im ganzen Reiche werde ich als zu weit gehend nicht entsprechen können.

Abg. Hoffmeister (fr. Dg.): Meine Freunde be­dauern, daß der Staatssekretär in der Frage des Befähig­ungsnachweises von einem alten Standpunkte abgewichen ist. Der Meistertitel schützt auch nicht vor Bauunfällen. Wir sind für die Vorlage nicht zu haben.

v. Czarlinsky (^k>fe) bestreitet, daß der Gesellen- und Meistertitel einen Schutz gegen Bauunfälle bieten.

Abg. Werner (Rfpt.) hält die Einführung des all­gemeinen Befähigungsnachweises dringend erforderlich Die Ausführungen der kaiserlichen Botschaft von 1881 müßten sich auch auf die Fürsorge für das Handwerk erstrecken, welches lebensfähig erhalten werden muß.

Abg. Euler (Ztr.) spricht sich für die Vorlage aus. Das Handwerk müsse den weitgehendsten Schutz erfahren, und dazu sei die Gesellen- und Meisterprüfung die erste Maßnahme. Notwendig sei die Einführung des allge­meinen Befähigungsnachweises.

Abg. Bömelburg (Soz.) befürwortet seinen Antrag. Wenn die Regierung auch den festen Willen gehabt habe-, für die Bauhandwerker zu sorgen, fo sei die Vorlage doch nicht empfehlenswert. Die Vorbedingung der Meister­prüfung für die Berechtigung zur Bauausführung fei nicht maßgebend. Die letzten Unfälle feien meistens auf Bauten geprüfter Meister, zweier Obermeister, mehrerer Stadtbau- meifter und eines Regierungsbaumeisters vorgekommen. Die Unfälle können nur beseitigt werden, wenn die Be­hörden, welche die Mine genehmigt haben, für die Unfälle

verantwortlich gemacht werden. Empfehleu'swvrt sei die Einführung von Arbeiterkontrolleuren. Tie warnenden Worte, welche hier vom Staatssekretär an die Unternehmer gerichtet worden sind, nützen nichts, wenn man nicht mit Gesetzcsvorschriften gegen sie vorgeht.

Abg. P a u l i-Polo.:am (Icitf.) er Aart, wenn auch im Baugewerbe vielfach der Wunsch nach Ablehnung dieses Gesetzes besteht, weil es nicht weit genug geht, so halte ich dafür, daß wir jetzt doa) das Erreichbare annehmen. Dem Bundesrate bin ich für dic,e Vorlage auch schon dank­bar, wenn zu hoffen ist, daß die Regierungen nicht dabei stehen bleiben und dem ersten Schritte n>cüere folgen lassen werden. Das Parteiinteresse der Sozialdemokraten ist größer als ihre Fürsorge für die Arbeiter. An diese Fürsorge glauben Sie nicht, und wir glauben es Ihnen nicht.

Darauf wird ein Antrag auf Vertagung angenommen.

Nächste Sitzung: Donnerstag. Fortsetzung der heu­tigen Beratung und Gesetzentwurf bett, die Rechtssähig- der Berufsvereine.

21 US Siaot UUO L.rns.

Gießen, den 21. November 1906.

** Pfarrpersonalien. S. K. H. der Groß­herzog haben dem Pfarrassistenten Dr. Jak. Batteiger zu Kastel die evang. Pfarrstelle zu Ilbeshausen übertragen.

** Vom Landeslehrerverein. Rektor K. Backes, der langjährige Vorsitzende des Landeslchrervercins, hat sich auf das einmütige Bemühen der Lehrer hin bereit erklärt, für nächstes Jahr nochmals den B 0 r f i tz z u b e h a l t e n. Für die Lehrer wäre der Rücktritt des erprobten Obmannes (in schwerer Verlust gewesen, zumal es für die nächste Zeit wichtige Fragen zu entscheiden gilt, wie Lehrerbesoldung, Witwenversorgung u. a. mehr.

** Das Hoherodskopfhaus des Vogels­berger Höhenklubs ist schon seit Jahren ein immer häufiger von Wanderern ausgesuchter Ort. Nachdem eS nun auf Kosten des hiesigen NogesenklubS, der gleich- zeitig Zweigverein Taufstein des V. H. C. ist, durch einen Ausbau eine stattliche Erweiterung erhalten hat, bietet es eine bequeme Unterkunftsstätte, die jeden befrie­digen wird, der nicht gerade übertriebene Anforderungen stellt. Das HauS wird in diesem Jahr zum ersten Male auch den ganzen Winter hindurch von dem eifrigen und zuvorkommenden Klubwirt Stein bewirtschaftet sein; und da es mit seinen neun guten Betten auch Gelegenheit zum Uebernachten gibt, so wird es erst jetzt den Fuß­wanderern und besonders auch den Schneeschuhläufern möglich sein, die wunderbare Winterlandschaft der herr­lichen Umgebung in ihrer ganzen Schönheit kennen zu lernen und auszugenießen. Schon in den früheren Jahren ist der Schneeschuhlauf auf dem Hoherodskopf eifrig betrieben worden; die nunmehr eingeführte winterliche Be­wirtschaftung des Hauses wird hoffentlich zur weiteren Verbreitung dieses edlen Sportes beitragen.

** Der Aerztliche Landesverein für das Großherzogtum Hessen, der sämtliche ärztliche Kreisvereine umfaßt, beschäftigte sich nach derDarmst. Ztg.", in feiner Hauptversammlung am 13. d. M. auch mit demFalle Seiler" (Worms), Nach Besprech­ung des Erkenntnisses des Ehrengerichtes des Kreisvereins Worms beschloß der Landesverein, daß er in Ermangelung einer staatlich anerkannten Ehrengerichtsordnung und nach Maßgabe seiner derzeitigen auf Freiwillig Leit beruhen­den Organisation zu seinem Bedauern nicht in der Lage ist, zu dem traurigen Vorkommnis Stellung nehmen zu können. Gleichzeitig wurde festgestellt, daß eine imWorm­ser Tageblatt" vom 31. Okt. bei Anlaß dieses Falles ge­gebene Darstellung, als ob ein großer Teil der hessischen Aerzte unbLgreiflicherweise gegen einen vor mehreren Jahren von der Regierung ausgearbeiteten Entwurf zu einer staatlichen Standesorganisation und Ehrengerichts­ordnung Stellung genommen habe, so daß es keiner Vorlage hierüber an die Kammern gekommen sei, den tatsächlichen Verhältnissen völlig widerspricht. Es wurde demgegenüber hervorgehoben, daß, nachdem schon früher von dem Kreisverein Darmstadt eine Standesordnung un­terbreitet war, sich die Regierung mit den Vertretern der ärztlichen Kreisvereine in der Sitzung des Aerztlichen Zen­tra laus schuf ses vom 28. Juni 1900 auf einen Entwurf, betr. die Standesordnung und Ehrengerichte, einigte, der auch an die zweite Ständekammer gelangte, in deren Gesetzgebungsausschuß aber liegen blieb. Die -Ver­treter der Regierung, die in den Sitzungen des Aerztlichen Zentralausschusses 1902, 1903, 1905 und 1906 um Auskunft hierüber gebeten wurden, gaben wiederholt die Erklärung ab, daß bei der derzeitigen Zusammensetzung des Land­tages an eine Verabschiedung im Sinne des Entwurfes nicht zu denken sei, so daß nicht dringend genug vor dem Einbringen der Vorlage gewarnt werden könne, zumal auch der nächste Landtag voraussichtlich keine andere Stell­ung Hierzu nehmen würde. Allerdings glaubt die hessische Aerzteschaft, ihre früheren Hoffnungen jetzt aufgeben zu müssen und schickt sich deshalb an, eine Standesordnung aus eigener Kraft auf Grundlage der freiwilligen Unter­ordnung zu schaffen.

* Unsere Kunstausstellung. Wir erhielten folgende Zuschrift:

Geehrte Redaktion! In Ihrem Artikel über die Kunst­ausstellung lese ich, daß Sie sich schon jahrelang den Genuß ver­jagt haben, unsere Kunstausstellung zu besuchen, aus ialfcber Spar­samkeit, wie Sie schreiben. Nun glaube ich Ihnen muiede» zu können, daß viele Heute aus hiesigen Kreisen nicht aus Mischer Sparsamkeit den Ausstellungen fern blieben, sondern weil diese nut , Mark immerhin schon rechnen mässen. Könnte die Kunst­ausstellung nicht auch an einem Wochentage zu einem ermäßigten Preise geössnet sein, wie das auch in anderen Stadien nut noch größeren Ausstellungen der Fall ist? Vielen Kaufleuten und Gewerbetreibenden, denen bet den heutigen Verhältnissen auch V, Mark schon zu viel ist, ist der Sonntag und die festgesetzte Zeit, 113, die

a l l e r u n p a s j e n d st e. Möchten doch diese Zeilen dazu beitragen, daß auch diese Leute sich den Kunstgenuß Liter gestatten können, indem man vielen Wünschen nachkonnnt und unsere Kunstausstellung an einem Wochentage zu ermäßigtem Preise öffnet.

Ein Kunstireund H. R/

Wenn auch in unserem Artikel nicht von einer Geld- erspcnniS, sondern von Zeitersparnis die Rede war, so ist doch zuzugeben, daß der hier geäußerte Wunsch volle Be- rechlignng hat und hoffentlich an der rechten Stelle Berück» stchligung findet. Ter Genuß der Kunst sollte kein Vorrecht der Begüterten sein, sondern auch den minder gut situierten Ständen, und diesen sogar in erster Linie, so sehr als mög­lich erleichtert werden. Wir zweifeln also nicht daran, daß unsere Kunstausstellung fortan an einem Wochentage zu er- mäßigten Preisen jedermann offenstehen wird, wie eS ja längst Theater-VolkSvorstellungen zu ermäßigten Preisen gibt.

r. Ehringshausen (Kreis Wetzlar), 20. Nov. Im Laufe dieses Jahres hat hier der Holzindustrielle Jakob Weimer ein Elektrizitätswerk errichtet. Die Arbeiten sind soweit vorgeschritten, daß voraussichtlich am 1. Dez. er. Stromabgabe staltfinden kann. Die Verhandlungen der Ge- meinde Ehringshausen mit dem Besitzer des Werkes sind für Straßenbeleuchtung abgeschloffen. Die Brennstundenvergütung der 16 Kerzen starken Flamme beträgt 21/, Pfennig. Das Ein- und Ausschalten wird von der Anlage aus besorgt. Es liegen bereits zahlreiche Anmeldungen für Licht und Kraft von Einwohnern vor. Das Werk ist nach sachverständigem Urteil auf die modernste und solideste Art eingerichtet. Eine ca. 100 Pferdekraft besitzende Dampfmaschine mit Konden­sation treibt zwei Dynamomaschinen, die den Strom erzeugen. Auch ist eine größere Akkumulator-Batterie vorhanden, die die Kraft aufspeichert, sodaß zu jeder Zeit Licht eingeschaltet werden kann. Ritt dem Werke wird eine Badeanstalt für kalte und warme Bäder verbunden, die noch diesen Winter in Betrieb kommt. Da« Waffer wird der vorbei- stießenden Dill entnommen.

-f Friedberg, 20. Nov. Die unerwartet cinge* troffene Mitteilung der Bahnbehörde von der Verlegung des Personenbahnhofs hat in den interessierten Geschäftskreisen Besorgnis und Erregung hervorzurufen, zumal feit Jahren nur von einer Verlegung des Güter- bahnhofs die Rede, warum zu diesem Zwecke bereits vor zwei Jahren Gelände südlich der Stadt angekaust wurde. In den Reihen der Geschäftsleute und Gastwirte tritt man dem neuen Projekt entgegen, viele würden in ihrer Existenz schwer geschädigt. Um den Bahnhof gruppieren sich allein sechs Wirtschaften und in nächster Nähe sind weitere sechs, dazu kommen zahlreiche Geschäftshäuser und Kaufläden, die fast sämtlich in den letzten Jahren entstanden sind. Man spricht bereits von Petitionen und Protestver­sammlungen. Die Stadtratssitzung hat den Bürgermeister beauftragt, in der Angelegenheit bei der Bahnbehörde an­zufragen. Die Neuanlagen sollen südlich der Stadt gegen­über der Zuckerfabrik kommen. Gleichzeitig wird die Ein­führung der feit Jahren projektierten Bahn Friedberg- Homburg vorgesehen. Wie verlautet, tyoU noch für etwa 250000 Mark Gelände angekauft werden. Das fertige Projekt soll erst im Frühjahr eintreffen.

x Schotten, 20. Nov. Bei der heute hier statt­gefundenen Wahl zur Handelskammer wurde Herr Julius Kaufmann hier als Mitglied gewählt. Die Beteiligung an der Wahl war gegen früher sehr lebhaft.

HanSet nnd Verkehr, Volkswirtschaft.

Deutsche e i d) § a n l e 1 b e und Preußische Kon­to iS. Nach Informationen der F. Z. sollen jungst Erwägungen darüber siattgesunden haben, ob es nicht angebracht erschiene, im nächsten Jahr eine Emission neuer Reichsanleihe zu unterlaßen, weil man sich sehr wohl bewußt ist, daß jede neue Anleihe den Markt von neuem beschweren würde, umsomehr als von der letzten noch sehr große Summen nicht untergebracht sind und von einer Klassierung der Anleihe noch gar keine Rede sein kann. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß man wieder dazu übergehen wird, 4jährige 31/, °0 Reichsschatzanweisungen auSzugeben, die auch we­sentlich beliebter sind als die Reichsanleihe selbst. Von den letzten Schatzanweisungen ist ein Teil am 1. Oktober 1908 und ein weiterer am 1. Oktober 1909 fällig. Wenn man den jetzigen Kurs annimmt, und die Rückzahlung zu diesem Termin berechnet, so ergibt sich ein Zinsgenuß von etwa über 4°/0, der selbst bei den augenblicklich ungünstigen Geldverhältniffen noch immer Nehmer für solche An­leihen herbeizieht. JDht ziemlicher Sicherheit kann man annehmen, daß Preußen im nächsten Jahr keiner neuen Anleihe bedarf.

Dom Kuxen markt. In den Kreisen, die sich für Kohlen­kuxe interessieren, halt man eine Gefährdung des Kohlensyndikats durch die bekannten Vorgänge für ausgeschlossen. Am Kuxenmarkt selbst ist für die schweren Kohlenwerre eine bemerkenswerte Be­festigung eingetreten, während Mittelwerte weniger begehrt waren und zum Teil sogar eine Abschwächung erfuhren. Hingegen ver­kehrte leichtere Ware wieder ziemlich angeregt. Am Braunkohlen­markt gab es zuerst bedeutende Avancen, die jedoch nicht ganz behauptet werden konnten. Auch am Kali-Kuxenmarkt war eine bemerkenswerte Besserung zu verzeichnen.

Tie Berliner Börse war am Dienstaa infolge Reali­sationen etwas geschwächt. Auch lauten die Nachrichten vom Newyorker Geldmarkt wieder weniger zuversichtlich. Ferner hat der Gelbausgang aus London nach Brasilien irritiert. Doch war die Börje im allgemeinen noch recht nnderstairdsiähig, da Provinz- Ordres rege eingmgen. Der Kassamarkt war fest und der Montan­markt immer noch etwas anziehend; besonders Phönix verkehrten sehr lebhaft, auch in Harpener war die Nachfrage ziemlich gut, hingegen sind tiauraafhen von 246 bis 244,90 zurückgegangen. Auch Bochumer haben 1,10% emgebüßt. Schiffahrtswerte gesucht und höher. Privatdiskontö^/^/^

^kirchliche Nachrichten,

EvangeUfche Gemerndc.

Donnerstag, den 22. November, abends 8 Uhr im MatthäuS- faal, Kirchstr. 9: Blbelstunde. (Offenb. Johs., Kap. 6.)

Pfarrer D. Schlosser.

In der Stadtkirche.

Samstag, den 24. November, vormluags 10 Uhr, vereinigter Zivil- iiiid AlilltärgotleSdienst zur Feier des Geburtstags Ssurer Königlichen Hoheit des Großherzogs.

Pfarrer D. Schlosser.