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klage erhoben. Das Schöffengericht hielt nur eine für erwiesen und erkannte auf 3 Mark Geldstrafe. Das Urteil wurde von beiden Teilen angefochten und die Strafkammer kam auf Grund erneuter Verhandlung $ur Verurteilung wegen einer weiteren Beleidigung, weshalb sic die Strafe auf 15 Mark erhöhte.
Gehalt geschä
E1 fähige Frage
G erfolgt
Briefkasten -er Redaktion»
(Auouhinc Anfragen bleiben unbcrücksichtigtj.
41bonucnt in Großcu-Lindcn. AIS beutscher Kaiser hat Wilhelm II. keinerlei Einkünfte, er erhält nur einen bestinunten Betrag aus der Reichskasse als Dispositionsfonds für Unterstützungs- Amecke u. dergl. Seine Eivilliste als König von Preußen beträgt jährlich 15 719 296 Mk.
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Märkte.
Gießen, 3.Mai. Marktbericht. Auf heutigem Wocbenmarkte kosteten: Butter pr. Pkd. 1.15—1.20 Mk., Hühnereier 1 St. 6—7 Psg,, 2 Ctck. 00—00 Pfg., Gänseeier 00—00 Psg., Enteneier 7 Psg., Käse pr. Stck. 6—8 Pf., Kasematte 2Stck. 5—6 Psg. Erbsen p.Piund 22Psg., Linsen p. Pfund 32Vfg., Tauben pr. Paar 0,80 —l,00Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Alk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stuck 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Psd. 00-00 Pfg., Ochseilsieisch vr. Pfd. 76—84 Psg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 70—72 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 86—90 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 94 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 70—80 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 60—80 Psg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—0,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,00—8,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepfel per Pfund 35 bis 50 Psg^ in Körben 00 Pfg., Nüsse 100 Stück 50— 00 Psg., Birnen per Pfd. Mk. 0.00—0.00, Weißkraut per Stück 20—30 Pfg., per Zentner Mk. 0.00—0.00. — Marktzeit 7—1 Uhr.
Limbnrg a. d. 2. Mai. F r u ch t m arkt. Durch- sckulittspreise pro Malter. Roter Weizen 00.00 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn Mk. 12.80, Gerste 10.50 Mk., Hafer 0.00 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk.
]] Kirchhain, 1. Mai. Der Auftrieb auf dem heutigen R i u d v i e h nl a r k t belief sich aus rund 600 Kühe, Rinder und Kälber. Der Handel blieb bei steigenden Preisen lebhaft. — Ebenso ging e? auch bei dem S ch w c i n e m a r k t, der mit 700 Ferkeln und Läufern befahren war. Erstere kosteten per Paar 50—60 Mk., letztere 90-120 Mk.
Vermischtes.
' De§ Kaisers Dackel ist wieder da. Der Dachs- Hund des Kaisers, der, wie gemeldet, bei einer Feldbcrgtolir unweit Homburg p. d. H. abhanden gekounnen war, ist durch die Polizei in Frankfurt a. M. wieder aufgegriffen worden. Ein dortiger Kriininalbeamtcr, der auf seinem Rade die Taunuswaldilngen abpatrouillierte, spürte den Ausreißer auf. Da sich aber der eigensinnige Dackel weigerte, mitzugehen, mußte zu seinem Transport erst ein kaiserliches Automobil herbeigeschafft werden.
* Rach der Versammlung erschossen. Einen traurigen Abschluß sand, wie der „Brest. Morgen-Ztg." ans Gottesberg gemeldet wird, eine Haus- und Grund- besitzerversammlung, in der Stellung zum Streik auf den schlesischen Kohlen- und Kokswerken genommen werden sollte. Der Vorsitzende der Versammlung, Klempnermeister Leder, forderte den Strcikleitcr Hnse- mann aus Bochum, der zu der Versammlung geladen war, auf, den Saal zu verlaffen, da er nicht sprechen dürfe. Leder, welchem als dem Leiter der Versammlung wegen seiner Stellungnahme Vorwurfe gemacht wurden, ging erregt nach Hanse und verübte Selbstmord, indem er sich durch einen Nevolverschuß schwer verletzte und dann noch eine Dosis Strychnin nahm, die den sofortigen Tod herbeiführte.
'Dresden, 2. Mai. Der Lederarbeiter Max Ditt- rich, der gestern von der hiesigen Kriminalpolizei wegen Verdachts des mehrfachen Mordes verhaftet wurde, hat ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er gab zu, am 17. Oktober 1905 die Privatiere Opitz im Walde zwischen Gorisch und Königstein, sowie am 26. Mai 1899 die sechsjährige Hedwig Schon Herr in Riesa und im Jahre 1900 die Frau des Schiffers Graßnick in Gosen ermordet zu haben. Außerdem gesteht Dittrich zu, in den Jahren 1899 und 1900 vier Mordtaten in Oesterreich und im Herbst 1905 einen Mord in der Nähe von Berlin begangen zu haben.
• Gattenmord. Wie aus Innsbruck gemeldet wird, wurde der Landesrat Wilhelm Ruttofer nach erregtem Streit mit seiner Frau von dieser durch Messerstiche getötet.
* Der Vulkan Hekla in Tätigkeit! Aus Schottland wird berichtet: Dampfer, die aus Island zurückkehren, bringen Nachrichten, wonach der Vulkan Hekla neuerdings in Tätigkeit getreten ist. Der Aschenregen hat eine große Ausdehnung angenommen. Sieben Boote sind bei einem gleichzeitig ausbrechenden Sturm gesunken.
* Vesuvasche an der Ostsee. Aus Kiel wird geschrieben: Daß die Vesuvasche nach dem letzten Ausbnrch des Vulkans bis in die deutsche Nordmark gewandert ist, hat der Direktor des hiesigen Mineralogischen Instituts, Professor Dr. Brauns (seither in Gießen) festgestellt. Ein Arzt in dem Ostseeküstenstädtchen Neustadt in Holstein bemerkte am 15. April nach einem Tags vorher mit Südwind niedergegangenen Gewitterregen auf dem Zinndache seiner Veranda gelbliche Ablagerungen, von denen er eine Probe an den hiesigen Physiker Professor Tr. Weber sandte, der sie an den genannten Mineralogen weitergab. Professor Brauns hat die Sendung aufs genaueste untersucht und darin jedes einzelne in der Vesuvlava enthaltene Mineral, wie hellbraunes Glas, Feldspat, Lauzit, Olivin, 9(ugit und Magneteisen festgestellt, während der für die hiesige Gegend charakteristische Quarz völlig fehlte. Professor Brauns ist daher nicht im geringsten darüber im Zweifel, daß es sich um Vesuvasche handelt, die den 1500 Kilometer weiten Weg von Neapel bis an die holsteinische Ostseeküste durch die Luft zurückgelegt hat.
ging ihm ein Lickt auf: ,.Ack, Herr Exzellenz, da sind Sie am End' gar der- Kaiser selbst? Wenn ich bad g'wnßt hält', behielt ich mein Kävpcken in der Hand und wär stramm gestanden. Aber gelt. Sie bringen mich mäst in Ungelegenheiten von wegen meiner Subordination." Der Kaiser verneinte lachend, ging seiner Wege nnb ließ beim Bürgermeisteramt Erkundigungen über seinen Ge sellschafter einziehen. Wahrscheinlich erhält dieser nun seinen Tabakskreuzer aus der kaiserlichen Privatschatulle.
§ Li ch, 2. Mai. Gestern und vorgestern fand an der hiesigen Präparandenanstalt die diesjährige Ans nahmeprüfung statt. Wie int vorigen Jahre, so war auch diesmal der Andrang sehr stark. Von 72 Prüflingen konnten nur ungefähr die Hälfte anfgenomnren werden, da in der Präparandenanstalt zu Wöllstein 90 Präparanden bestanden nnb nur 40 unter gebracht werden konnten. Ten beiden Schwesteranstalten Lieb und Lindenfels fällt der Uebcrschust. zn. Im Gegensaß M ixm hessischen Präparandenanstalten fehlt es in den preußischen an Zöglingen.
f. Königsberg, 2. Mai. Kaum haben in unseren Bergen die Holzfuhren begonnen, so hat sich auch schpn ein bedauerlicher Unglücks fall ereignet. Das Fuhrwerk des Jak. Kaust aus Hohensolms war mit 3 Kühen bespannt: es kam aus unaufgeklärten Gründen auf dem abschüssigen Waldweg ins Rallen, sodast die Vorspannkrth überfahren wurde unb auf der Stelle den Tod fand. Auch der Fuhrwerkslcnker erhielt erhebliche Ve r le tz un g c n.
p. Altenkirchen, 1. Mai. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten heute das Mitglied des Kirchenvorstandes — Kirchenrechner seit 44 Jahren — Gastwirt Peter Schäfer und dessen Ehefrau. Katharine, geb. Lipp. Nach dem kirchlichen Akt fand eine festliche Vereinigung im Gemeindesaale statt. Es erfolgten zahlreiche briefliche und telegraphische Beglückwünschungen des allgemein geachteten Ehepaares. Beide Ehegatten erfreuen sich noch der größten geistigen und körperlichen Frische. 25 Enkel und zwei Urenkel sind bereits dem greisen Jubelpaare geboren. Möge die ihm verliehene goldene EhejlibiläumS-Medaille das Paar noch viele Jahre erfreuen.
s. Ru diu g shain , 1. Mai. Der Bezirksle hrerverein Schotten wird nächsten Samstag nachmittag! 4 Uhr in der Gastwirtschaft von Dambmann das 25jähr. Dienstjubiläum seines verdienstvollen und langjährigen Obmanns, des Lehrers Karl Link, bcgefym. Da Lehrer Link während der langen Reihe von Jahren, die er nunmehr im .Greife Schotten wirkt, am wirtschaftlichen und öffentlichen Leben der Umgebung stets den regsten Anteil genommen hat — er ist Direktor der Molkerei Genossenschaft ,L»ohenrodskopf" in Schotten, Vorsteher der neugegründeten genossenschaftlichen Spar- und Tarlehns lasse daselbst unb hat viele Jahre dem Verein „Lehrerheim Vogelsberg" tatkräftig vorgestern ben, — so dürfte auch von zahlreichen Nichtlehrern an der Feier tcügeiwmmcn werden.
? Hartmanns h a in, 2. Mai. (Astern wurde am Bahnübergänge der Staatsstraße nach Gedern, unweit der Holzverladestelle „Alteburg", ein großer Wagen des Doppelkarussellbesitzers Schwarz aus Oberbreitenbach von der Maschine des um 4.22 hier abgehenden Personenzuges am hinteren Ende erfaßt und zertrümmert. Tas Dach ist abgehoben, oic Wände sind eingedrückt und die Hinterachse abgeschnitten. Das Mobiliar des Wagens ist zum größten Teil beschädigt, besonders die Orgel. Verletzt wurde niemand. Zum Mück brach die Deichsel; die einem .Herchenhainer Fuhrmann gehörenden Pferde wurden zur Seite geschleudert. Wäre der Wagen noch 2—3 Meter zurück gewesen, würde das gräßlichste Unglück geschehen sein. Der Bahnkörper hat auf der einen Seite einen tiefen Ein schnitt, auf der anderen ist er von einem Fichtenbeftand umgeben, sodaß der Zug erst kurz vor dem llcbergange über die Straße sichtbar wird.
§ Hirzenhain, 2. Mai. Zwei schlimme Gäste, Scharlach unb D iphtherie, treten unter der Kinderwelt eben heftig auf und schon sind einige Kinder diesen 'Krankheiten erlegten.
fe. Bensche im, 2. Ma i. Ein luftiges Gewitter hing gestern gegen 3 Uhr nachmittags über die Stadt nieder. !An Obstbäumen unb Wein stocken richtete es großen Schaden an. Die Frau eines Arbeiters, die mit nartofselstecken beschäftigt war, wurde vom Blitz erschlagen.
sd. H e p p en h e i m , 2. Mai. Ter Tier schütz verein pr das Großherzogtum hielt heute nachmittag hier seine Hauptversammlung unter dem Vorsitz des Geh.Ober- fchulrats Scheuermann ans Darmstadt ab. Die ^luwesenden, rnsbesondere auch Kreisvat v. Hahn, Geh. Oberforstrat Seyd, Realschuldirektor Dr. Baur, sowie zahlreiche Lehrer und Lehrerinnen, etwa 250 Personen, wurden von dem Vorsitzenden herzlich begrüßt. Den hieschäftsbericht gab Oberlehrer i. P. H äuß'l ein. Aus ihm geht hervor, daß die Tätigkeit des Vereins auch im abgelaufenen Jahre sehr ersprießlich war. Es kamen 30000 Tierschutzkalender zur Verteilung, ferner Prämien an 20 Gendarmen, 23 Schutzleute, 10 Dienstboten, außerdem zahlreich Ehrendiplome. Im abgelausenen Jahre sind 105 Mitglieder neu ein getreten, sodaß der Verein jetzt insgesamt ca. 6000 Mitglieder Kühlt. Der.Verein erhielt zahlreiche Schenkungen. Kreisrat p Hahn beantragt, daß auch Schutzleute, die Tierquälereien verhindern, prämiiert werden sollen. Dem früheren .Vov- Atzenden, Ministerialrat Eisenhuth, wird auf Antrag die Kilberne Pernermedaille zuerkannt. Die Rechnung für das lab gelaufene Jahr, sowie der Voranschlag wurden genehmigt ?und der Vorstand auf 34 Mitglieder aus dem Großtzerzogtum jergänzt. Den Schluß bildete ein interessanter Vortrag des ^Oberlehrers:liupp aus Heppenheim über Fu 1 terschutzkästen.
fc. Frankfurt a. M., 2. Vöai. Heute nachmittag |2 llhr 28 Min. trafen die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise in Begleitung des Grafen Mirbach und der Hofdame im .Hauptbahnhof ein und wurden von Ober- kbürgermerster Äldickes und Polizeipräsident Schercnberg Empfangen. Hierauf bestiegen die Herrschaften nebst ■folge die bereitstehenden Equipagen Die Fahrt ging zunächst chach dem Römer, dann wurde das Goethe Haus berichtigt, später der Dom. Prinzessin Viktoria Luise begab jsich in Begleitung ihrer Hofdame zu ihren Freundinnen, Hen Töchtern "des Obersten v. d. Marwitz, indessen die tAriserin mit Gefolge, nachdem sie bei Juwelier .«.Hoch auf Ider Kaiserstraße Einkäufe gemacht, fick) zu den hessischen jHewr scha f t.om am Untermainquai begab, wo der Tee jPunkt 5 Uhr eingenommen wurde. Um 0 Uhr erfolgte die ^Rückfahrt nach Homburg.
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Gießener Strafkammer.
X Gießen, 1. Mai.
Tie Strafkammer verurteilte den 18 jährigen Arbeiter P. P. aus Berlin wegen Diebstahls im Rückfall zu drei NLouatcn und zwei Wochen Gesängnis Nack seinen Angaben war er bei einem Bauer zu Groß-Auheinr in Stellung, der ihn aber, da er zu schwach war, entließ. Da er kein Geld besaß, kam er auf seiner Fußwanderung nach Berlin durch Gießen, wo er von der Straße ans in einem Hanse ein Fahrrad stehen sah. Ohne daß jemand etwas davon merkte, nahm er das Rad und fuhr nach Kassel, wo er verhaftet wurde. Mit Rücksicht aus sein Geständnis wurden ihm drei Wochen der Untersuchungshaft ans die Strafe angerechnet.
Wegen Beleidigung eines1 Gerichtsvollziehers und eines Polizeidieners, waren der Taglöhner E. Sch., seine Frau und deren Pflegemutter M. M. Witwe von Ber n s- f c l d unter dlnllage gestellt. Der Gerichtsvollzieher war be- nuftragt, bei Sch. eine Pfändung vorzunehmen und fand die Wohnung verschlossen In einem solchen Falle ist er berechtigt, zur Vornalnne seiner Amtshandlung die Wohnung zu öffnen, was er auch mit Hilfe des Polizeidieners tat. Nack den Angaben der Angeklagten, haben sie bei ihrer Rückkunft das Haus vsfenstehend vorgefunben unb 400 Mart bares Geld, das Fran M. in einer Blechbüchse im unverschlossenen Schrank ausbewahrt habe, hätten gefehlt. Die Angeklagten äußerten an verschiedenen Stellen den Verdacht gegen die Beamten' man war sich aber von vornherein klar, daß die Sache mit dem (Heide erfunden sei, da sowohl Fran M. als auch die Eheleute Sck. in den denkbar ärmlichsten Verhältnissen leben. Sch erhob auch bei der Staatsanwaltschaft dieser halb Anzeige und verdächtigte die Beamten desl Diebstahls; er wiederholte mit seiner Frau und Frau M. gelegentlich'seiner Vernehmung diese Verdächtigung. Während Sck. und Frau M. sich bei ihrer Vernehmung vor der Straskannner mit ihren früheren Angaben in Widers drücke verwickelten, will Fran Sck., da sie evileptisch veranlagt ist, nicht mehr wissen, was sie früher ausgesagt bat. Tatsächlich verfiel sie auch in Krämpfe, sodaß die Verhandlung abgebrochen werden mußte und Vertagung auf unbestimmte Zeit eintrat.
Am verflossenen FastnachMage machten einige junge Leute von Rieder-Erlenbach einen Spaziergang nach Vilbel. Aiss dem Heimwege fuchtelte der Fabrikarbeiter A. B. mit feinem Messer herum und verletzte einen Kameraden an der Brust. Es tvnrde gegen ihn Anklage wegen Körperverletzung erhoben; aber das Schöffengericht kam zur Einstellung des Verfahrens, da die Tat von dem betrunkenen Angeklagten ohne Vorsatz verübt worden ist. Die Staatsanwaltschaft focht das Erkenntnis an: die Strafkammer konnte aber andere Feststellungen als die Borinstanz nickt treffen, weshalb das Urteil feine Bestätigung fand.
Der Kutscker H. O. G. aus Schaumburg hat aus einem bei feinem Dienst Herrn verwahrten Koffer, Kleider im Werte von etwa 30 Mark entwendet, indem er mit einem falschen Schlüssel den siosfer öffnete. Er wurde wegen schweren Diebstahls zn sechs Monaten Gefängnis abzüglich drei Wvckwn Untersuchungshaft verurteilt.
O. H. von Grünberg, jetzt Wetzlar, hatte gegen M. W. von Grünberg wegen einer Anzahl von Beleidigungen Privat
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Revisiori eingelegt, das sich bekanntlich nur auf Verletzung wesentlicher Bestimmungen des Gesetzes stützen kann. Die Verhandlung bot manche heiteren Zwischenfälle und erregte häufiger schallendes Gelächter, als der Würde des gerichtlichen Verfahrens und dem schweren Ernst der Sache entsprach. Handelte es sich doch um Leben oder Tod eines Menschen! Es gib! nichts, was Ankläger, Richter, Geschworene, Zeugen, Zuhörer tiefer ergreifen kann als diese Frage. Freilich hatten natürlich wieder einzelne Berliner Blätter den Prozeß erörtert, als sei er nur eine willkommene Sensation, ein angeitehmer, prickelnder Reiz für erschlaffte Nerven. Da lmir.be der Angeschuldigte mit einem romantischen Nimbus umwoben wie der Held einer Operette. Er wurde mit einem Interesse geschildert, das seine ohnehin erhebliche Eitelkeit noch zu steigern vermochte, vielleicht auch in anderen Verbrechern den Ehrgeiz anstachelt, sich gelegentlich ebenso liebevoll abkonterfeit zu sehen. Dasselbe Interesse schienen etwelche Mitglieder der „guten" Gesellschaft dem Verbrecher entgegenzubringen, indem sie es sich nicht nehmen ließen, der Verhandlung beizuwohnen, so ungefähr, wie man einem aufregenden Pferderennen beiwohnt. Vielleicht drängen sie sich auch mit demselben Eifer zu der Enthauptung, falls es dazu kommen sollte. Ob sie die Empfindung haben, jedenfalls bei der Gerichtsverhandlung auf ihre Kosten gekommen zu fein, da ihr Zwerchfell wiederholt erschüttert wurde?
Es war die Absicht des Vorsitzenden, dem Angeschuldigten den freiesten Spielraum für seine Verteidigung zu lassen, ja es wurde Hennig nicht einmal sehr nachdrücklich verwehrt, einen Ton anzuschlagen, wie er sich bei einem Kapitalverbrecher für den Gerichtssaal nicht gebührt.
„Erlauben Sie mal, darüber müssen wir uns doch einmal erst klar merben" „.Na, daun werben Sie doch also zugebeu, daß ick reckt habe". „Erlaubest Sie mal, bet ick uich ssüher verhaftet wurde, ist doch nickt meine Schuld." „Sehen <rie, Herr Vorsitzender, das ist gar nicht wunderbar." „Das sind alles Hypothesen : ebenso könnten Sie beweisen, der Mond sei ein Pfannkuchen." „Das geben Sie bo zu, Herr Präsident . . . Na also, wenn wir hier mit Möglichkeiten und Hypotl)esen arbeiten, kommen wir gar nickt zum Ziel: wo kommen mir da bin?" Jeden falls geben Sie zu, eine Urkundenfälschung begangen zu haben. „Dazu bin icfji zu wenig Jurist." Ihre Fluckt über die Dächer ist in den Zeitungen wohl riastig geschildert?" „3m ganzen ja, ein bißchen übertreiben ja olle Zeitungen."
2er Vorsitzende trat in ungewöhnlicher Nachsicht gegen den Angeklagten Liessen zynischer und frivoler Art nicht tatkräftig entgegen. In der Tat, so meint die „Voss. Ztg", mußte dieses Gebahren des Angeklagten auch solche seiner Bemerkungen, die an sich ganz plausibel waren, abschwächen und zn Heucheleien stempeln, so seine Berufmig auf ben Satz: „In dubio pro reo", so seine gar nicht unzutreffende Aeußerung über die Unzuverlässigkeit von Hypothesen. Wir wissen nicht, wie die Entscheidung in Amerika ausgefallen wäre. Dort lautet die Frage an die Geschworenen nicht mie bei uns „Ist der Angeklagte schuldig?", sondern „Ist er überführt?" Man lvird nun nach dem Gange der Verhandlung gewiß sein, daß Hennig ein verruchter Bursche ist, dem man auch einen Raubmord Zutrauen kann; aber nicht ebenso gewiß wird jedermann sein, daß Hennig des Rartb- mordes, dessen er angeklagt ist, wirklich überführt erscheint. Selbst ein sehr hoher Grad von Wahrscheinlichkeit ist noch teine Gewißheit, noch nicht eine solche Gewiß hei t, w i e sie die Vollstreckung eines Todesurteils eigentlich vor ans setzen sollte. Nun liegt allerdings die Ejnpsindu^g nahe, um pinen Menschen wie Hennig sei es sicher^ nicht schade, wenn er einen Kops' kürzer gemacht werde: selbst sein Appell an das „christliche Jahrhundert" und an das Wort „Recht muß Recht bleiben" sei nur schnöde Frivolität. Aber je schlechter ein Angeklagter erscheint, um so notwendiger ist der Schutz gegen die Versuchung, mehr nach natürlichen Gefiihlen als nach erwiesenen Tatsachen zu urteilen. Und gerade darum ist es sowohl im Interesse des Angeklagten wie des Rechts geboten, einer ungebührlichen VerteidigungSmethode rechtzeitig und wirlsam entgegenzutreten. Das heißt nicht die Verteidigung beschränken, sondern sie in richtige Bahn lenken.
Rachwort zrmi Prozeß Hennig.
Der Mordprozeß Hennig in Potsdam hat einen sehr schnellen Abschluß erfol)ren. Die Vorbereitung der Haupt- ?)rrl)anblung nahmi bei weitem nicht so viel Zeit in Anspruch, wie inan es sonst, auch bei minder schwierigen Ötrtcrfudyingcn gewöhnt ist. Ileberraschend schnell haben sstch auch die Beweisaufnahme und die Entseheidung ab.gespielt. An demselben Tage, wo Hennig auf der Anklage i>.airf erschien, wurde er schon zum Tode verurteilt. Gegen (biefe§ Urteil hat Hennig alsbald das Rechtsmittel der
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