über die Ausgabe von Reichsbanknoten 31t fünfzig -unb zwanzig Mark und gicbt eine ausführliche Beschreibung der neuen Noten. Die Fünfzigmarknoten sind 10 Zentimeter hoch und 15 Ztm. breit, die Vorderseite ist in grüner Farbe gedruckt, die Nummern und der Stempelaufdruck sind dunkelbraun. Die Zwanzigmarknoten sind 9 Ztm. hoch, etwa 13,7 Ztm. breit, der Druck der Vorderseite ist in blauer, der Aufdruck der beiden Stempel und der Ziffern in roter Farbe auZgeführt.
Dcutschafrika irische Verluste.
Am 8. April im Gefecht bei Fettkluft gefallen: Un- terofsizier Paul Sieger. Am 14. April bei einem Uebersall auf die Pferdemache Narudas-Süd schwer verwundet: Gefreiter Gustav Gummel, geb. zu Eberstadt, früher Pionier-Bataillon Nr. 15, Bruchschüsse und Knochenschuß in den linken Oberarm, ferner die Reiter Louis HaaS, Clemens Foehrer und Franz Nikolaus. Leicht verwundet: Reiter Johann Haar und Huck. Ferner sind gestorbkn: Am 15. April Kriegsfreiwilliger Leutnant der Reserve von der Trenck, früher Leibhusaren-Regiment Nr. 2, in Kunjas am Typhus, Wachtmeister Viktorin Buchfelder, die Reiter Gustav Wenzel, Rost, Stark, Hans Großmann und Gefreiter Willy Groth an Typhus u. a. Krankheiten.__
Die Ausstände in Frankreich.
Lens, 22. April. Gestern wurde die Brücke einer Grubenbahn von den Ausständigen zerstör t. 13 Züge mit Soldaten sind während der Nacht auf dem hiesigen Bahnhofe eingetroffen. — In Moniignh versuchten Ausständige gestern nachmittag eine Fußgängerbrücke, die sie benutzen wollten, um auf den Eifenbahndamm zu gelangen und dort Verwüstungen anzurichten, wiederhcrzustell-en. Das Militär trieb sie jedoch zurück, wobei ein Ausständiger verletzt wurde. Gegen den Bürgermeister von Mon- tigny und seine'Frau ist Untersuchung eingeleitet, weil sie an einem Zuge der Manifestanten teilgenommen haben. Gegenwärtig befinden sich 21000 Mann Trrchpen im hiesigen Kohlenbecken. Der Präfekt tveilt beständig in Lens. — In Ostricourt wurde während der Nacht eine Dynamitbombe an die Schienen der Grubenbahn gelegt. Die Bombe explodierte und zerstörte eine Weiche. — Das Feuer in den Gruben von Conrriäres ist im Josephinenschacht und im Schacht 2 vollständig gelöscht, doch ist die Kohle noch sehr warm. Die Bergung der Leichen wird fortgesetzt. Bis jetzt find 424 Leichen geborgen. Die Ingenieure beklagen sich über den Mangel an Hilfsmannschaften.
Denain, 21.April. General Guinot ist hier an- gekommen und hat den Oberbefehl übernommen. Ungefähr 6000 Ausständige suchten heute, die Arbeitswilligen in Tritt) - St. Leger von der Arbeit' abzuhalten. Reiterei griff sie mit blanker Waffe am Kanal an, wobei mehrere ins Wasser stürzten, die aber herausgezogen werden konnten. Ein Tragonerrittmeister und mehrere Ausständige wurden verletzt. Darauf gingen die Ausständigen nach Denain zurück und veranstalteten dort eine Kundgebung. — In Lorient fanden wieder Zusammenstöße zwischen Ausständigen und Truppen statt. Mehrere wurden verletzt. Ein Ausständiger verletzte einen Soldaten durch Glasscherben, worauf dieser ihm mit dem Bajonett den Arm durchstach und ihn verhaftete. JnLievin sollen zwei Ausständige ihren Verletzungen erlegen sein. — Der Präfekt des Pas de Calais verfügte, daß alle Wirtschaften bis 9 Uhr abends geschlossen sein müssen. Gestern abend wurden 14 Haftbefehle gegen Ausständige, die Anarchisten sind, erlassen.
Paris, 21. 2lpril. Ausständige Setzer versuchten in mehrere Druckereien einzudringen, nm das arbeitende Personal zu zwingen, sich dem Streif anzuschließen. Sie wurden jedoch von fö’en Munizipalgarden, die die Druckereien bewachen, vertrieben. — Gestern kam es zwischen etwa 2500 Ausständischen und dem Militär in dem Dorfe Frith zu einem heftigen Z u s a m m e n st o ß. Der befehligende Dragonerrittmeister ließ durch den als Parlamentär erschienenen Gemeinderat zur Kapitulation aufforderm Tas geschah nicht. Rittmeister Ricourd, ein Vetter des in Lens getöteten Leutnants Lacour, wurde durch einen schweren Pflasterstein getroffen und sank vom Pferde. Das Haus, aus dessen Fenster der Stein geworfen wurde, wurde nun mit Sturm genommen. Tie Kavallerie machte von der blanken Waffe 'Gebrauch. Zum erstenmale hatte der Kriegsminister dies ausdrücklich gestattet. Die Zahl der verwundeten Ausständigen ist groß. — In einem anderen Orte wurde ein .Hauptmann verletzt, desgl. ein Ofen bann. Ein anderer Offizier stürzte vom Pferde und erlitt einen Beinbruch. Sein Pferd war von einem der Ausständigen durch einen Messerstich verletzt worden. — Aus Liev el wird berichtet, daß die Stadt während mehrerer Stunden v0 llstän dig in den Händen der Revolutionäre war. Diese errichteten auf den Straßen zahlreiche Barrikaden, die mit Stacheldraht umzogen wurden, unt die Truppen am Vordringen zu verhindern. Die Lage ist äußerst ernst. Soldaten werden von den Ausständigen mit Steinen unb anderen Geschossen bombardiert, es gelang ihnen nicht, die Barrikaden zu nehmen.
Ans Seadt utto Caitö»
Gießen, den 23. April.
** Eine Abschiedsfeier zu Ehren des seitherigen Kreisamtmannes und jetzigen Minist'erialsekretärs Hechler fand am Samstag nachmittag im Cafe Ebel statt. Sämtliche Beamte des Kreisamts und das Bureaupcrsonal, Vertreter des Kreisausschusscs und eine Deputation des Polizeiamtes mit Polizeiamtmann Herberg und zahlreiche Bürgermeister des Kreises nahmen an der Feier teil. Geheimerat Dr. Breid ert begrüßte namens der Beamten den Scheidenden und bedauerte seinen Weggang aus der Verwaltung des Kreises. Er hob sein ersprießliches Wirken hervor und betonte, daß man ihn lingern aus dem Kreise scheiden sehe. Er schloß mit einem Hoch auf Se. Kgl. Hoh. den Großherzog. Bürgermeister Leun - Großen-Linden sprach namens der Bürgermeister des Kreises. Er betonte, daß Kreisamtmann Hechler es verstanden habe, ein gutes Einvernehmen mit den Bürgermeistern bei der gemeinsamen Arbeit 311 pflegen. Sein Hoch galt dem scheidenden Beamten. Geh. Justizrat Dr. Schäfer sprach namens des KreisauSschusies und Polizeiawtmann Herberg namens des Polizeiamts, Negierungsrat Wagner toastete auf die Familie des Scheidenden in humorvoller Weise. Ministerialsekretär Hechler hantle in herzlichen Worten für die ihm zu teil gewordene Ehrung und bemerkte, daß er ungern aus dem liebgewordenen Kreise
und der Stadt scheide. Sein Hoch galt dem Blühen und Gedeihen des Kreises und seiner Bewohner.
* * Ordensangelegenheiten. S. K. H. der Großherzog haben verliehen: das Ehrenkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem Obersten v. Fischer- Treuenfeld, Kommandeur des 4. Bad. Jnf.-Regt. Prinz Wilhelm Nr. 112, seither im Leibgarde-Reg. Nr. 115; dos Ritterkreuz 1. Klaffe desselben Ordens dem Major v. Herff, Abtcilungs-Komm. im Trierschen Feldart.-Reg. Nr. 44, seither im 2. Feldart.-Neg. Nr. 61, und dem Oberstleutnant von Wurmb im Braunschw. Jnf.-Reg. Nr. 92, seither im Jnf.- Leibreg. Großherzogin Nr. 117. S. K. H. der Großherzog haben dem Minister der Finanzen Dr. Gna u t h die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm verliehenen K. Bayr. Verdienstordens vom hl. Michael 1. Klasse, dem vortr. Rat bei der Abteilung für Finanzwirtschaft und Eisenbahnwesen Geh. Oberbaurat Franz Coul m ann die Erlaubnis zur An- ncchme und zum Tragen des Bayr. Verdienstordens 2. Klasse erteilt.
""Personalien. S. K. Hoh. der Großherzog haben den Oberlehrer an dem Herbstgymnasium 51t Mainz, Prof. Hermann B r a u n, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner treuen Dienste in den Ruhestand verseht, den Oberlehrer an dem Real- Gymnasium, der Oberrealschule und der höheren Hanbclsfchule zli Mainz, Prof. Ludw. D a u t e l, zum Oberlehrer an dem Herb» gymnasimu zu Mainz, den anßerordentl. Lehrer an dem Herbst- gyinnasimn und an dem Realgymnasium, der Oberrealschcrle und der höheren Handelsschule zu Mainz, Kaplan Job. Sartorius, zum Oberlehrer an dem Herbstgynuiasium zu Mainz, den Oberlehrer an dem Gymnasium zu Mainz, Dr. Jak. Maye r, zum Oberlehrer an dem Ostergymnasium zu Mainz und den von dem Fürsten Wolfgang zu Psenburg und Büdingen präsentierten Lehramtsassessor Dr. Ludw. Fa Hz zu Hungen zum Oberlehrer an dem Wolfgang-Ernst-Gymnastum zu Büdingen ernannt. Ernannt wurde der Kanzleiinspektor am Landgericht der Provinz Rheinhessen, Otto Stier, zum Registrator unb der Gefangenausseher an» Gefängnis in Darmstadt, Gust. Rebling, zum Geiangeua^'seher am Provinzialarresthaus in Darmstadt. S. K. Hoh. der Grobherzog haben den SteuerkommissarialSassistenten Justus Reim!) err zu Mainz zum Ministerialsekretär bei dem Ministerium der Finanzen evnannnt und den Revisionskontrolleur bei dem Hauptstenerami Offenbach, Phil. L 0 h n e s zu Offenbach, in gleicher Diensteigen- schast an das Hauvtsteneramt Darmstadt versetzt. Die Militär- amvärter Feldwebel Gg. Gunkel ans; Roßdorf, Nizeseldwebel Peter Engerl aus Biblis und Hoboist PeterKratz aus Lörzweiler wurden zu Steueraufsehern ernannt.
* • Die Gleichberechtigung der höheren Lehranstalten ist nunmehr öurdj einen Großh. Erlaß auch für Hessen durchgesührt. Die neuen Bestimmungen besagen im wesentlichen folgendes:
Für die Zulassung zur Immatrikulation in der juri st i s ch c n und philosophischen Fakultät der L a n bes - Uuivcr sitäi Gießen, sowie zu deu Prüfungen für den Staatsdienst im höheren Justiz- und V e r w a l t u n g s s a eh, im höhere n F 0 r st f a ch und im h ö bereu L e_() r a in t werden, soweit nicht bereits geschehen, die Reifezeugnisse der Gymnasien, Realgymnasien unb O b e r r e a l s ch u l e u einander g l e i ch g e st e l l t. Tie näheren Vorschriften über die Turch- inhrung • dieses Grundsatzes sind in den Verordnungen übe# die Vorbereitung für die genannten Zweige des höheren Staatsdienstes zu treffen. In diesen Verordnungen ist namentlich zu bestimmen, m welcher Weise die für das Studium jener Fächer erforderliche Kenntnis der alten Sprachen zu erwerben und nachzuweisen ist, sowie ob und unter welchen Voraussetzungen als den Reisezeug- nissen hessischer Oberrealschulen gleichwertig dieienigeu gleichartiger außcrhessischer Anstalten anerkannt werden können.
• * Unfug. An der Bahnb0schung zivischon Gießen und dein Einschnitt bei Großen-Linden zün-r beten bieser Tage junge Leilte zum Vergnügen das dürre Gras an. Sie schielten sich nicht bewußt zu sein, welche Gefahr sie dadurch verursachten, und ivelche Strafen mit Recht > auf solchem Beginnen haften.
* " Mit dem Schutz der Singvogel beschäftigt sich eine in der heutigen Nummer enthaltene Bekanntmachung des Großh. Polizeiamts, worauf besonders hingewiesen sei.
Ab schieb s feier. Wie wir erfahren, hat Kom- nterzienrat S. Heichelheim anläßlich seines Austrittes aus dem Geschäft die Beamten der jetzigen Mitteldeutschen Kreditbank-Filiale zu einem gemeinsamen . Abendessen im Hotel. Großherzog von Hessen cingelaben. Außerdem hat Herr Heichelheim die Beamten mit namhaften Geldbeträgen bedacht.
* * Das Fest der silbernen Hochzeit feiern morgen, 24. April, der Taglöhner Jak. H a-r d t und dessen Frau Kath., geb. Graß, Harnmstr. 4._
* * ® auü orturn e r ft 11 n be. Gestern fand in der Turnhalle des Turnvereins dic zweite Gauvorturnerstunbe des Turn- gaucs Hessen statt. Erschienen ivaren die Gan- und Titrnausscbuf; Mitglieder, 2 DczirkSturnwartc und 1 Ne r einst umwart. Um 81/2 Uhr ließ Gauturnwart Will amteten, begrüßte die Anwesenden und wies in seiner Ansprache aus die Ziele der Turnerci hin. Aufmarsch und Freiübungen für die Gauinrnfabrt, Gauturu- fest, fowie das Kreisturusest leiteten die beiden Gouturriwarte. Als Freiübungen für die diesjährigen Gauturnfeste Itnirben die für das Kreisturnfest bestimmten angenommen. Das Geräteturnen leiteten die Bezirksturnwarle. Ter von ilyncn zusammengesetzte Uebungsstosi war dem brr früheren Bezirksvvrturnerftunben ent uommen. Tie Leiter ber Stabübungen bestimmte der 1. Gau- turuwart aus den Reihen der VcrcinSturmvartc. Für jedes Gerät war umher ein besonderer Berichterstatter ernannt worden, welche Bestimmung fid) als reckt gut erwies. Das Keulenschwingen leiteten die beiden (»ktuturiiroartc. Um l3/i Uhr war das interessante Turnen beendet und man konnte mit der turnerischen Arbeit recht zufrieden sein. Die angesetzten, Turnspiele mußten wegen Zeitmangels ausfallen. 9£n ein gemeinsames Essen im Case Ebel schloß sich eine Bespreckung über bic turnerische Arbeit an. Ter 2. Gauturnwart Heuser verbreitete sich über bett Wettlauf hauptsächlich darüber, wie sich der Welturncr für den Wettlauf noraiibereiten und bei ihm zu verhalten hat. Vom 1. Gauturnwart Will wurde bic Frage bezügl. einer einheitlichen Turnklcidnng für unfern Gau angeregt, welche Anregung beiftininicnb auf genommen nnirbc.
) ( Gr 0 ßen-- Linb en, 22. 'April. Mehrere sehr intcrenantc Altertumssunbe sind gleich bei Beginn der Wiederher ft e l l u n g s a r beiten unserer Kirche zutage gefördert worden, indem man unter dem aus dem Jahre 1741 stammenden Altar nach Wegnahme mehrerer Platten ein Gewölbe und eine Totengruft anffanb. Man cnlbecfte barin zwei gut erhaltene Skelette unb eine Tafel mit Inschrift. Darnach scheint es sich um bic Gebeine eines Ritters unb eines Priesters zu hanbeln; die Tafel trägt die Jahres-ahl 1551 unb eine längere Wibmnng. Im Laufe bieser Woche treffen bie Vertreter ber Denkmalspflege, bnruntcr Professor Walbc-Darmftabt, bes Kreisamtes und ber Altertumskunde aus Gießen ein, um die Funde zu bestimmen unb bte weiteren Nachforschungen nach Altertümern, Botivtaseln nnd Grabgewölben zu leiten. Nach müüblicher Ueberlü'sernng verlautet nämlich, baß noch mehr Grüfte im Kreuz teil ber Kirche vorhanben seien. Der oben erwähnte Altar zeiht vorn cm Wappen, jebenfalls bas Großcn-Linbens, ein Schilb mit cmern Vogel, gehalten von zwei Löwen. Dic älteste Glocke trägt bic Jahreszahl 1453, ist also 453 Jahre alt. Tic Kirckre birgt eine Menge iverlvollcr Mtertümer: besonders schöne Bildhauerorbetten zeigt das Hauptportal, bic noch giii erkralten sind. Mehrere ansckciucnd heidnisch: Tiergesuckten befinden sich hier neben chrift- Uchen Symbolen. i!lu der Südseile der Kirche ist eine stark ver
witterte Figur cingehaucn. Sie stellt einen christlichen Send» boten dar, ber in ben .Händen die Fahne bed Kreuzes und einen Spaten trägt. Von besonderem Interesse. ist ein Grabstein mit ber Aufschrift: „Hier ruht in seinem Erlöser Joh. Justus Valem tini ans Gießen weilanb Tepositor unb Universitätsbebienter zu Gießen nebst zwei Kinbern." Leiber fehlt bic Jahreszahl. Ein marmorner Taufstein trägt bic Jahreszahl 1764 und bic Aufschrift : I. L. von Fabrice.
— Steinbach, 23. April. Gestern unternahmen mehrere Rabfahrer von Garbcnieich einen Ausflug und kehrten dabei hier ein. Als sie weiter fahren wollten, merkten sie, daß ihnen von böswilliger Hand die Schläuche ihrer Räder zerstochen waren. Leider fehlt von den Tätern jede Spur.
4 - Lich, 22. April. Im hiesigen Sch'loßgarten, der seit Jahren dem Publikum offen steht, sind von Buben- hand schwere Beschädigungen der Anlagen vor- genommen worden. Fürst Karl hat aus die Namhaftmachung der Täter eine Belohnung gesetzt. Möglich ist eS, daß der Schloßgarten für das Publikum gesperrt wird.
(h.) Butzbach, 22. 2lpril. Das anläßlich des Heimat- Pf l c g c - und B 0 l k s t r a ch t e n f c ft e s in Butzbach zur Aufführung gclangcitbe Volks' ch auspiel „T ie Hüttcnber- g c r" ist soeben im Verlag von (?mil Notb in Gießen erschienen. Es hat ben burch seins lmbscke, lirischs Gebichie über^bie Grenzen unserer Stadt hinaus bekannten Haiiptlchrcr Aug. Storch zum Versasser. Ort der Handlung ist im 1. unb 3. Akt Pohlgöns, im 2. Akt ber Marktplatz zu Butzbach. Das Spiel versetzt uns in dic Zeilen von 1814—15. Wir sehen den Felbmarschall Mücker in Butzbach cinzichcn' unb ben jungen Fricbrich Weidig, ebenfalls eine geschichtliche Persönlichkeit (nachmaliger Pfarrer in Obergleen bei Alsfeld, starb als Vorkämpfer des deutschen Einheitsgedankens in Kerker hast zu Darmstadt,' — inmitten seines ländlichen Wirkungskreises. Ter Held des Stückes, ein tapferer „Blücherhnsar" freit eine schmucke Schöne aus dem jQüttcnberger Land. Mit der Spiiinftube unb dem Hvchzeitszug werden mitten und Gebrauche unserer Landbevölkerung auf der Bühne dargeftellt. — In den nächsten Tagen dürfte auch die von her Buchdruckerei E. Schneider hergeftellte geschmackvolle Festschrift erscheinen. Sie dient zugleich auch als Fremdensührer und erwähnt erläuternd alle Sehenswürdigkeiten unserer Stadt. Die erste Seite schmückt das Bildnis des Fürsten Karl zu Solms-Hohensolms-Lich, der den Ehrenvorsitz bei dem F-eft übernommen hat. Etwa 40 weitere gutgcliuigene photographische Reproduktionen, zum großen Teil nach Aufnalynen der Plwtogr. Manusaktur von Jacob Wcickhardt hier, hergeftellt, dürften der Festschrift auch einen künftlerifchen Wert verleihen. — Dem Programm nach zu urteilen, werden neben dem eingangs erwähnten Festspiel auch der Festzng und die Aus- stellung Hauptanzieh'.iiigsvnnkte bei der Veranstaltung bilden. Zur Teilnahme an dem Festzug haben sich bis jetzt etwa 14 Gemeinden gemeldet. ES kommen dabei zur Darstellung Hochzeits-, Spinnstuben-, Kirmes-, Mufterungs-, Ernte-, Holzmacher-, Loh- schäl- und Flacksbercitungsgruppen. Die Stabt Münzenberg wird sich mit bet Darstellung bes bekannten „Wctteraucr Tintenfasses" am Fcstzug beteiligen. — Die Ausstellung, für welche bic ftöbtiscke Turnhalle zur Verfügung steht, umfaßt Sammlungen von Trachten, Hausgeräten, Wonbbilderii unb Schnitzereien, ferner Modelle, Pläne unb Abbilbungen von VauemHäusern unb ländlichen Wohn- häusern.— S. K. H. ber Großherzog unb seine Gemahlin sollen ihr Erscheinen zu dem Fest in sichere Aussicht gestellt haben.
A. Nidda, 22. April. Gestern abend fand im Saale des Hotel ,Traube" bic Generalversammlung der Vorschuß- und Creditverein- Aktiengesellschaft zu Nibba statt. Nach bem Bericht beS Vorstanbes kann baS a'bgelaufcne 15. Geschäftsjahr trotz mancher Schwierigkeiten als günstig bezeichnet werben. Für 1905 betrug ber Gesamt- iimschlag 1 867 187.16 Mk. und der erzielte Reingewinn unter Einschluß eines GewinnvortragS aus früheren Jahren in Höhe von 6419.32 Mk. im ganzen 18455.66 Mk. AuS diesem Reingewinn werden den Aktionären 5 Proz. Dividende = 2750 Mk. ausbezahlt, während bem Reservcsond 8600 Mk., dem Spezialreservefond 300 Mk. und bem Verein Krankenpflege ebenfalls 300 Mk. Angewiesen werben. Durch biefe Zuweisungen hat ber Reservefonds nunmehr eine Hohe von 98 600 Mk. unb bcr Spezialreservefonb, ber für eine hier zu errichtenbe Realschule Verwenbuug finden soll, eine solche von 11600 Mk. erreicht. Auf neue Rechnung wurden 86.84 Mk. üotgetragen. DaS Aktienkapital beträgt 55 000 Mk.
△ Alsfeld, 22. April. Der Fürst von Lieh weilte verflossene Woche hier und wohnte den Auerhahnjagben in den Walbungen bei Ottrau bei. — Der Maurer Kl eisel- ring stürzte von einem Neubau unb zog sich schwere Verletzungen zu. — In ber Schwalm fand man bie Leiche einer älteren Frau aus Eudorf. Sie war feit ca. sechs Wochen verschwunden, und nun findet sich bie Annahme bestätigt, baß bic Frau bei bem bamaligen Hochwasser in bie angeschwvllenc Schwalm gestürzt ist.
B. B. Darmstadt, 22. April. I. K. H. der Großherzog begab sich gestern abend zu einem 8 bis 10 tägigen Aufenthalt nach Venedig. S. K. H. bie Großherzogin nimmt während dieser Zeit Aufenthalt in Lich.
d. Kastel, 22. April. Eine Bluttat ereignete sich Samstag nacht im benachbarten Amöneburgs Der 51jährige Taglöhner Hermann Bayer aus Fleckeirbltteu, zuletzt in Biebrich wohnhaft, kam in betrunkenem Zustande nach Hause. Seine Frau Anna, geb. Petry, machte ihm wegen seines Zustandes Vonviirfe, worauf der Betrunkene in solche Wut versetzt wurde, daß er seine Frau mit dem Messer erstach. Der Täter wurde heute morgen von der Gendarmerie verhaftet. B. hatte mehrere Kinder, eines davon sollte gestern §iir Konnnunion gehen.
i. Mainz, 22. April. Das neunjährige jüngste Kind der Familie Gutmann ist gestern abend oer Vergiftung erlegen. Eine Besserung in dem Befindender Frau Stocker' und Tochter ist nicht cingctreten.
Homburg, 21. April. Der Kaiser ist heute mittag 12 Uhr 40 Mm. mit Sonderzug hier eingetroffen. Zum Empfang waren am Bahnhof bte Kaiserin unb bie Prinzessin Viktoria Louise erschienen, außerbem Lanbrat von Marx und bcr Oberbürgermeister von Homburg, Maß. Nach bcr Begrüßung begaben sich das Kaiserpaar unb bie Prinzessin sin Automobil zum Schloß. Nach ber Frühstückstafel verblieb ber Kaiser im Schloß unb horte weitere Vorträge. Das Kaiserpaar unternahm am späten Nachmittag einen Spaziergang int Kurpark. Zur Adenbtafel im Schloß waren ge- (aben bie Abmirale v. Ahlefeld, v. Mueller und v. Usedom. Der Chef des Zivilkabinetts, Herr v. Lukanus, traf heute nachmittag hier ein und wurde sofort vom Kaiser empfangen. Heute mittag ertönte zum ersten male das Geläute der neu» erhallten evangelischen Erlöserkirche.
B. Krofdorf, 22. April. Den Tätern, welche die 19 Ob st bäume auf der Straße Krofdorf—Gießen a b- qebrochen haben, ist man auf ber Spur. Im Verdacht sind einige junge Leute, bie sich in Wetzlar zu ihrer 2lus- bilbung aufhalten. Sic haben am Freitag nachmittag einen Mitschüler in Krofdorf besucht und hier m einer Wirtschaft


