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Vermischtes.
Zu dem Tode des Hausbesitzers Robert König in Berlin wird heute noch folgendes mitgeteilt. Die Obduktion der Leiche, die der Gcrichtsarzt Medizinalrat Dr. Stürmer vornahm, zeigte eine Schußwunde, wie sie für einen Selbstmord mit dem Revolver typisch ist. Die Möglichkeit, daß ein anderer den Schuß abgefeuert habe, ist aber nicht ausgeschlossen. Frau Loop will sich miet) gegen § 229 nicht vergangen haben. Es handelt sich hier um Anwendung von Quecksilber und Jod- mischungen. Es besteht der Verdacht, daß die Loop, das Mittel, nur angewandt habe, um das Leben des alten Mannes abzukürzen. Die Frau hatte den betagten Mann ganz in ihrer Gewalt unb schlug ihn mehr als einmal blutig. So auch am Freitag abend kurz vor seinem Tode. Sie schleifte ihn sogar durch die Wohnung. Daher rühren auch die Verletzungen, die die Leiche an den Händen, am Kopf und anderswo aufwies. Auch Frau Loop ist am linken Unterarm verletzt. Sie verwundete sich, als sie einem Herrn Bock das Haus zeigte, um cs ihm zu verkaufen, und dabei in der Trunkenheit mit den Händen so herumfuchtelte, daß sie eine Scheibe cinschlug. In der letzten Zeit war ihr zu Ohren gekommen, daß Anverwandte Königs ein Entmündigungsverfahren gegen diesen anzustrengen be- gbsichtigten. Sie hielt es daher, weil unter diesen Umständen auch sein Testament zu ihren Gunsten zweifelhaft werden konnte, wohl 'für an der Zeit, den alten Geliebten noch nach Kräften zu schröpfen und dann zu verlassen.
* Kleine T.a g c s ck> r o n i k. Am 25. Juni erschoß m Boppard der Gastwirt 9Tt ttel, bei dem fast ausschließlich Jtalieue'' verkehren, einen seiner Gäste, als dieser, nachdem ihm von der Tochter des Wirtes ein Glas Bier verweigert war, sich selbst einschenken wollte. Infolgedessen herrscht unter den Italienerin in Boppard heftige Erregung. Sie duldeten die itort- schaffung der Leiche nicht eher, als bis Nittel geschloffen abgesührt wurde. — InSenkendorf bei Furth wurde der Fahrradhändler Walthier in seiner Wohnung erschossen ausgesunden. Es liegt ein Raubmord vor. Der Mörder raubte etwa 1000 Mk. Geld. — Der Bruder des Kammersängers Erich Schmedes, Paul Schmedes, der in Gesellschaft zweier Damen mittels Automobils von Wien nach Prag fuhr, erlitt in der Nähe von E h l u m e tz durch Anfahren des Automobils an einem Eckstein einen schweren Unfall. Er mußte mit schweren Verletzungen in ein Prager Sanatorium gebracht werden. Die beiden Damen erlitten leichtere Verletzungen. Das Automobil wurde zertrümmert. — In Verona wurde durch ein Unwetter eine Anzahl Gebäude beschädigt. Feuerwehrleute, Trupven und Arbeiter sind damit beschäftigt, die Keller, welche zwei Meter unter Wasser stehen, zu leeren. Auch durch Hagelschlag ist Schaden angerichtet worden, besonders auf den Feldern bei Sank Ambroqio, wo die Ernte vernichtet ist. Die Felder sind überschwenunt. Viele Mauern sind eingestürzt und die Straßen ungangbar.
Um 11 Uhr trafen die Gießener Festteilnehmcr wieder der Heimat ein. Im festlichen Zuge ging c§ zum Hotel
33. Kauturnfest des Kaues Kessen.
H. Schotten, 26. Juni.
An den Tagen vom 23.—25. Juni wurde in unserem freundlichen KreiZstädtchen das 33. Turnfest des Gaues Hessen gefeiert, zu dem aus allen Teilen des weit ausgedehnten Gaues zahlreiche Turner erschienen waren. Die Stadt hatte ihr schönstes Festkleid angelegt, deutsche und hessische Fahnen, sowie frisches Tannengrün grüßten von all den gastlichen Häusern, von denen wohl nur wenige ohne turnerische Einquartierung waren. Die Hauptstraße war mit Ehrenpforten und Fichtenbäumen geschmückt und man brauchte nur den Bäumen zu folgen, um zu dem sehr schon auf dem Bockzahl liegenden Festplatz zu gelangen, von den: man eine reizvolle Aussicht auf die Stadt, die weitgedehnten Wiesengründe und die Höhen des Vogelsberges hatte. Der Festplatz war sehr- schön und zweckmäßig eingerichtet und bot von außen einen burgartigen Anblick, denn Eingang, Bretterumzäunung u. s. w. waren mit einer charakteristischen Malerei verkleidet. Da? Fest begann am Samstag abend mit einem Begrüßungskommers auf dem Festplatze, zu dein sich außer den schon recht zahlreich anwesenden Festgästen fast die gesauste Einwohnerschaft Schottens beteiligte. Der Fest- und Turnvereinsvorsitzende Wilhelm Engel hieß in seiner Eröffnungs- und Festrede die Gäste herzlich willkommen, worauf Fräul. M ö h ri n g einen schwungvollen Festprolog sprach. Im übrigen bestand das Programm aus Konzertmusik der Kapelle des 2. Hess. Artillerie-Regiments Nr. 61, Gesangsvorträgen des Gesangvereins und turnerischen Darbietungen des Turnvereins Schotten. Namentlich letztere fanden stürmischen Beifall, insbesondere auch die Aufführungen der Damenriege, die einen hübschen Stabreigen und einen sehr gefälligen Gesangsreigen bot. Auch die Zöglinge des Vereins zeigten ihr Können in einem Neigen, der durch die dabei zur Verwendung gekommenen Flaggen ein sehr schönes, farbenprächtiges Bild abgab. Die Turner stellten eine Anzahl sehr guter Marmorgruppen.
Am Sonntag vormittag folgte dem Weckruf der Empfang der zahlreichen auswärtigen Turnergäste. An dem stattlichen Fest zu g, der am Nachmittag sich durch die Ortsstraßen zum Festplatze bewegte, beteiligten sich außer den Ortsvereinen gegen 60 der zum Gau gehörigen Turnvereine mit zusammen 660 Turnern, ferner die Festjungfrauen, die schmucke Damen- Abteilung des Schottener Turnvereins, der Festausschuß u. a. m. Der Zug wurde überall jubelnd begrüßt und mit Blumen geradezu überschüttet. Auf dem Festplatze begrüßte Bürgermeister Kromm die Turner im Namen der Stadt, die heute 3um drittenmal die Turner des Gaues Hessen in ihren Mauern versammelt sehe. Er gedachte der Bedeutung des Turnens für die Erhaltung der Wehrfähigkeit Deutschlands und die Volksgesundheit und schloß mit einem begeistert aufgenommenen ,®ut Heil" auf Se. M. den Kaiser, S. K. H. den Großherzog und das deutsche Vaterland. Der Gesang von ^Deutschland, Deutschland über Alles" schloß sich an. Geh. Regierungsrat Schönfeld brachte den Turnern den Gruß des Kreises Schotten dar. Er warf sodann einen längeren Rückblick auf die Entwickelung der Leibesübungen und des Turnwesens in Deutschland und feierte die urdeutschen Ziele -und Bestrebungen der deutschen Turnerschaft, der er ein „ Gut Heil" ausbrachte. Gauvertreter Helm-Gießen dankte der Stadt für die gastliche Aufnahme, die sie den Turnern bereitete, und sprach seine hohe Freude für die Worte der Anerkennung aus, die die beiden Vorredner für die Bestrebungen der deutschen Turnerschaft gefunden hätten. Die Turnerschaft werde auch fernerhin bestrebt sein, fern von den politischen Kämpfen ihre Kräfte in den Dienst des Vaterlandes und des Volkswohls zu stellen. Sein Gut Heil galt der Feststadt Schotten.
Unter Leitung des Gauturnwarts Will von Gießen begann sodann der Aufmarsch zu den allgemeinen Freiübungen. An ihm und an den Freiübungen ohne Belastung, die im allgemeinen recht gut ausgeführt wurden, beteiligten sich 212 Turner, während das sich anschließende Muster- riegenturnen unter Beteiligung von 19 Riegen aus 17
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beufenbjle Führer der Volkspartei, der Reichstagsabg. Rechtsanwalt Friedrich Payer, der Präsident der württembergi- schen Abgeordnetenkammer, Ritter eines hohen Ordens und Herr von Payer geworden. Ferner hat die Volkspartei die Anregung zu einem — in der weiteren Folge von allen übrigen Parteien unterstützten und schließlich auch einstimmig angenommenen Antrag gegeben, einen Beitrag von 30 000 Mark zur „König Wilhelm-Trost"-Sammlung zu gunften von Kriegsteilnehmern und ihren Hinterbliebenen zu bewilligen.
An der Technischen Hochschule zu Stuttgart wirkt bekanntlich seit etwa einem Jahr als Ordinarius für Literaturgeschichte usw. Professor Dr. Otto Haruack, der früher an der Technischen Hochschule zu Darmstadt lehrte und sich in Darmstadt als einer der Hauptführer der Freisinnigen Volkspartei hervortat. Hier hat Professor Harnack bei der Sonnwendfeier, die die Stuttgarter Studentenschaft am 21. Juni bei der Bismarcksäule veranstaltete, eine begeisterte Rede auf Bismarck gehalten. Der „Schwäb. Merkur" berichtet darüber:
„Hieraus hjelt Pros. Dr. Harnack eine packende Ansprache, in der er die überragende Bedeutung Bismarcks für das Werden der deutschen Einheit und die Erstarkung des deutschen Volkes in warmen Worten würdigte. Die unvergleichlich reichen Gaben des Geistes und des G c m ü t s , mit denen Bismarck ausgestattet gewesen sei, und seinen gewaltigen Herrscherwillen habe er in den Dienst der Nation gestellt; er habe das einige Reich geschaffen, in dem doch jeder einzelne Staat die Möglichkeit der Entwicklung noch seiner Eigenart habe. Aber über bem großen Kanzler dürfe man auch den großen Kaiser nicht vergessen, der gegen eine Welt von Feinden unerschüttert zu Bismarck hielt, und des großen Feldherrn, der die Schlachten schlug. Bismarck aber habe nicht nur verstanden, zu schlagen und zu kämpsen, sondern auch zu verbinden und zu vereinen. Er schus das Bündnis mit Oesterreich, und dort werde gerade auch heute von Tausenden in Begeisterung seiner gedacht. Mit dem Reiche habe er aber auch den Reichstag und das allgemeine Wahlrecht geschaffen in der Erkenntnis, daß das große Werk des einigen Reichs gegründet sein müsse mif der Volksgesamtheit. Aber große Rechte bedingen auch große Pflichten ! Lasset uns, betonte der Redner, denn auch würdig sein des großen Mannes, den wir heute feiern. Er hat den staatlichen Sinn mit dem Willen zur Macht vereinigt. Vor Bismarck war Staatssinn nur in Form der Sehnsucht bei uns vorhanden. Der Schwur des heutigen Tages soll sein, daß wir im Sinne Bismarcks m i t a r b e i t e n am Wohl und an der Größe des deutschen Vaterlandes."
-Irn. IIJ:
war inzwischen durch eine dreijährige Bewkrtfchaftung, sirr die ich 50 000 Mk. aufgelvcndct, naturgemäß im Werte gestiegen. Inzwischen waren auch die Agrargesetze in Kraft getreten. Dadurch stiegen die land wir tschaft- lich en Besitzungen ganz ungemein im Preise.
R.-A. Dr. Riemann (Breslau), der bei dem Landgericht Breslau für v. Zander den Zivilprozeß gegen Schöpke geführt, bekundet als Zeuge: v. Zander habe ihm mitgeteilt, er sei bei dem Ankauf des Gutes Schmoegerle durch Vorlegung eines falschen Katasterauszuges betrogen worden. Auf Ersttchen des v. Zander habe er gegen Schöpke die Zivilklage angestrengt und die Sperrung der Restkaufgelder beantragt. Auf befragen des Staatsanwalts bemerkt der Zeuge, seine Gebühren haben 1450 Mk. betragen.
Justizrat Heilberg, als Zeuge, bekundet: Er habe dem Angeklagten v. Zander den Zivilprozeß vor dem Breslauer -Oberlandesgericht geführt. Tas Urteil sei aus formellen Gründen vom Reichsgericht aufgehoben worden. Er sei erstaunt gewesen, daß der dritte Senat des Oberlandesgerichts sich auf vollständig anderen Standpunkt als der fünfte Senat gestellt habe. Er hatte die Ueberzeugung erlangt, daß der Angeklagte in arglisti ger Weise getäuscht worden sei.
Beffellung von Rotwein.
Im März 1905 hat v. Zander sich für 235 Francs ein Faß Wein in Bordeaux bestellt, v. Zander bemerkt: Er habe nicht ein Glas von dem Wein getrunken. Der Wein sei von dem Gerichtsvollzieher meistbietend verkauft worden.
Antrag auf Entmündigung der Frau v. Zander.
Bei der Verhandlung wegen der Weinbestellung beantragt der Verteidiger, aus den Akten festzustellen, daß v. Zander im Januar 1903 beantragt hat, seine Frau wegen Geisteskrankheit zu entmündigen. Der Vorsitzende bemerkt: Die betreffenden Akten seien augenblicklich nicht vorhanden, er werde später darauf zurückkommen.
Borg von Fleischwaren.
Fleischermeister H e d l o f f - Gnesen, der hierauf als Zeuge vernommen wird, bekundet: Frau v. Sauber habe gewöhnlich für je 100 Mart monatlich Fleisch gekauft. Die Rechnung für die letzten zwei Monate sei trotz vielfacher Mahnungen nicht bezahlt worden. Bei dem Fleischermeister Jacob-Gnesen haben die Eheleute v. Zander eine Rechnung für Fleisch von 335 Mk. nicht bezahlt.
Entnahme von Beleuchtungsgegenständen.
Bei Rakenius u. Co. in Berlin hat Frau v. Zander Tischlampen, Hängelampen, Wandlampen, Kerzenkronen, Lüsterweibchen, Lampenschirme, Feuerzünder usw. int Gesamtwert von 1069 Mart bestellt. Davon sind 169 Mark bezahlt worden. Der Rest von 900 Mk. ist noch nicht bezahlt, v. Zander: Die Lampen habe ich bestellt, als wir nach Schmoegerle zogen? Dors.: Wie viel Zimmer hatten Sie in Schmoegerle? Angekl.: Vier. Vors.: In vier Zimmern konnten Sie doch unmöglich diese vielen Lampen, es waren doch mindestens drei Dutzend, unterbringen? Angekl.: Wir hatten, als wir nach Schmoegerle zogen, unsere alte Wohnung vorläufig noch nicht aufgegeben. Vors.: Wozu hatten Sie zwei Wohnungen nötig? Angell.: Mr konnten doch nicht wissen, wie lange wir in Schmoegerle bleiben werden; im Finstern konnten wir auch nicht fitzen.
Vereinen vor sich ging. Die Damenabteilung deS Schottener Turnvereins bot eine hübsche Hebung im Keulenschwingen, während die übrigen Riegen sich in ungefähr gleicher Zahl auf die Gerate Reck, Barren und Pferd verteilten. Geturnt wurde im allgemeinen recht gut, wie die (bereits gestern mitgeteilte) Siegerliste ergibt. Allen Riegen konnten Anerkennungen zucrkannt werden. Besondere Erwähnung fand das Turnen der älteren Turner des Gaues, die unter Leitung von Gau- turmuart Will-Gießen in Stärke von etwa 20 Mann zuerst Stabübungen und dann Keulenübungen mit Musikbegleitung vorführten. Die Ausführung war recht gut und verdient um so mehr Anerkennung, als die Turner verschiedenen Vereinen angehörten. Um 91/., Uhr wurde von Gauturnwart Will die Verkündiger der im Musterriegenturnen ausgezeichnete Vereine vorgenommen. Neben dem turnerischen Teil des Festes war auch der Unterhaltungsteil nicht zu kurz gekommen, Konzert, Tanz und Juxplatz boten eine reiche Abwechslung von Genüssen. Auch ein gegen 8 Uhr eintretender Regen vermochte das festliche Treiben nicht wesentlich zu beeinträchtigen, zumal die gut eingerichteten Wirtschaftshallen einen völlig ausreichenden Schutz gegen den Regen boten. Erst sehr spat war der erste Festtag zu Ende. .
Am Einzelwetturnen, das am Montag vormittag 7 Uhr seinen Anfang nahm, beteiligten sich in der Oberstufe 29 und in der Unterstufe 121 Turner. Es wurde recht statt geturnt, so daß in der Oberstufe 28 und in der Unterstufe 79 Preise ausgegeben werden konnten. Ein Gießener Turner, Hch. Hamel (Tv.) erhielt mit 672/G Punkten den ersten Preis. Außerdem errang die Gießener Turnerschaft in der Oberstufe noch zwei Preise und in der Unterstufe 13 Preise. (Die genaue Siegerliste folgt morgen.) .
Schütz, wo eine kleine Siegesfeier ftattfanb. Der 2. Vorsitzende der Gießener Turaerschaft, Rechtsanwalt Kaufmann, beglückwünschte den 1. Sieger, sowie den Turnverein und brachte auf ersteren ein Gut Heil aus, während der Sprecher deS Turnvereins, Kaufmann Althoff, der übrigen Sieger gedachte und zu weiterer tüchtiger und eifriger Arbeit auf der Turnftätte aufforderte. Sein Gut Heil galt den Siegern und der Turnsache in Gießen. Musikvorträge und Gesang hielten die Teilnehmer etwa zwei Stunden zusammen.
Major v. Zander und Genossen vor den Geschworenen.
(Unberechtigter Nachdruck verboten.)
H. F. Breslau, 23. Juni. (Sechster Tag der Verhandlung.) Bücherrevisor.
Es erscheint Bücherrevisor Fischer: v. Zander habe den Bund der Landwirte gebeten, ihm einen Bücherrevisor zu senden. Er sei infolgedessen vom Bund beauftragt worden, die Bücher nachzusehen. Er habe festgestellt, daß die Einnahmen auf dem Gute Schmoegerle im Jahre 1900'01 9682 Mk. betrugen, 1901/02: 14 200, 1902/03: 14 662 Mark; die Ansgabeü: 22 300, ‘37 044, 24 782 Mk. Unter den Ausgaben maren die Hhpothekenzinsen und Reise- und Haushaltungskosten nicht enthalten. Es ergab sich in den angegebenen 3Jahren ein Ge sa m i v e r ln st von 68 000 M k. (Bewegung im Ziihörerranm.i Etwa 63 000 Mk. bar waren von v. Zander in das Gut hineingesteckt worden.
Der Ankauf des Rittergutes Schmoegerle.
Wirtschaftsinspcktor Pinkwart bekundet: Schöpke habe nur einen Kcitasterausr.ug vorgelegt. Lange nach dem Kaufe des Gutes durch v. Zander habe er auf dem Boden in einer Kiste ein altes Mmisterialreskript gefunden, wonach der Grundsteuerreinertrag um 800 Mk. herabgesetzt war, daraus habe er ersehen, daß der vorgelegte Katasterauszug falsch war.
Vernehmung des Rittergutsbesitzers Schoepke.
Danach wird Schöpke als Zeuge in den Saal gerufen. Vors.: Herr v. Zander fühlt sich durch Sie betrogen. Ms diesem Anlaß werden Ihre Aussagen mit größter Schärfe geprüft werden. Ich ersuche Sie, bei Ihren Aussagen recht vorsichtig zu sein und sich aller persönlichen Angriffe zu enthalten. Schöpke bekundet nach Vereidigung: Er wisse genau, daß er ihm den alten Kutasterauszug, gleichzeitig aber das Ministerialreskrivt vorgelegt habe, wonach der Grundsteuerreinertrag um 800 Mk. herabgesetzt war. In dem alten Katastcrauszug waren die einzelnen Parzellen des Gutes haarscharf verzeichnet. Vors.: Weun Sie nur den neuen Katasterauszng vorgelegt hätten-, dann bedurfte es der Vorlegung des Ministerialreskriptes überhaupt nicht, denn in dem neuen Katasterauszug war die Herabsetzung des Grundstücksteuerreinertrags doch bereits enthalten? Zeuge: Ich hielt es für erforderlich, daß der neue Besitzer sämtliche Gutspapiere in die Hände bekam. .Hätte ich geahnt, daß ein solches Märchen aufgetischt werden wird, dann wäre ich allerdings vorsichtiger gewesen.
Im weiteren Verlaufe bezeichnet Schöpke das vom Oberförster Engler abgegebene Gutachten als falsch. Er behauptet ferner, daß die Erträgnisse des Gutes sehr günstig waren. Oberförster Engler bemerkt, daß er sein Gutachten vollständig aufrecht erhalte.
Es wird darauf Frau Schöpke als Zeugin aufgerufen. Dors.: War Ihnen bekannt, daß der Grundsteuerreinertrag herabgesetzt war? Zeugin: Jawohl. Vert. J.-R. Dr. Mam- roth: Ist es richtig, daß v. Zander zu Ihnen kam und Ihnen sagte: Ich bin durch einen falschen Katasterauszug über den Grundsteuerreinertrag getäuscht worden: ich möchte daher den Kans gern rückgängig machen, sagen Sie das Ihrem Herrn Gemahl? Zeugin: Das ist richtig. Bert.: Als v. Zander Ihnen das sagte, haben Sie daraus nicht erwidert: „Aber Herr v. Zander, ich habe ja selbst gehört, daß mein Mann Ihnen tagte: der Grundsteuerreinertrag ist um 800 Mk. herabgesetzt worden." Zeugin: Das habe ich nicht gesagt. Ich habe nur geantwortet: Getäuscht sind Sie nicht. Bert.: Es war Ihnen aber doch bekannt, daß Ihr Mann Herrn v. Zander den Grundsteuerreinertrag genau angegeben hatte? Zeugin: Ich dachte nicht daran.
Aufnahme eines Darlehns.
Nach Wiederaufnahme der Verhandlung bemerkt der Vors.: Angeklagter v. Zander, Sie hielten sich durch den Kauf des Gutes gegen den Preis von 300000 Mk. für betrogen, trotzdem haben Sie einige Jähre baranf bei der Oscherslebener Bank, bei der Sie ein Darlehen aufnehmen wollten, den Preis Ihres Gutes auf 350 000 Mark angegeben, v. Zander: Ich habe inzwischen 50 000 Mk. in das Gut hi'neingewirtschaftet. Bors.: Sie haben nun das Gut an Merisching für 80 000 Mk. verkauft; inzwischen waren aber auf dem Gute eine Anzahl Nachhypotheken, das spricht nicht dafür, daß Sie so sehr betrogen waren, v. Zander : Das Gut
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