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Smnstag S1 Aper! 1906
Viertes Blatt.
Nr. 93
156. Jahrgang
Gießener Anzeiger
Erscheint tSgllch mit Ausnahme des Sonntags.
®te ..Sirtzener Zamilienblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der -Hrssilch« £onbo)lrtM erscheint monatlich einmal.
Rotationsdruck tmb Berlag der 8r36f*i<6et Universitätsdruckeret. 9L Lange, Oietzen.
Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.A.
Tel. Nr. 5L Telegr^Adr.; Anzeiger Ließ».
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
politische Tagesschau.
Debet die Personeutarif-Reform
enthält ein Erlaß des Eisenbahnnrinisteriums an die Bahndirektionen einige berwerkon Smarte Mitteilungen. Taiiach sollen die .Vorarbeiten so gefördert werden, daß sich die ^Durchführung der Reform binnen Jahresfrist ermöglichen lasse und das; die von der ständiger Tarifkonrmission zu treffenden Beschlüsse unter allen Umständen auf die Tagesordnung der diesjährigen Generalkonferenz der Eisenbahndirektionen gesetzt werden formen. Auch bet dieser Gelegenheit hat das Ministerium zum Ausdruck gebracht, daß die neuen Schnellzugszuschläae die Platzgebühren im allgemeinen ersetzen und daß außer bei den jetzigen D-Zügen nur bei wenigen anderen Schnellzügen die neuen Zuschläge erhoben werden sollen. Gei- wicht wird ferner darauf gelegt, daß die neuen Gepäckfracht- sätze nur bei gleichzeitiger Lösung einer Fahrkarte Anwendung finden, während für Gepäck, das ohne Fahrkarte aufgegeben wird, die Expreßguttarife in Straft bleiben. Bei der Berechnung der Entfernungen soll grundsätzlich daran sestgehalten werden, daß bei verschiedenen Wegen der kürzeste Weg der t arifd i lde n de ist. Bei Verkehr mit Orten, an denen sich mehrere getrennte Bahnhöfe befinden, soll möglichst nur ein Tarifsatz mit mahlweiser Geltung der Fahrkarten mich allen Bahnhöfen vorgesehen werden, mit der im Interesse des Publikums vorgesehenen Ausnahme, daß von diesem Grundsatz abzusehen ist, falls bei seiner Durchführung bei nahen Berkehrsverbinbiingen fühlbare Preisverteuerungen zu befürchten sind. In diesem Falle sollen für die einzelnen Eingangsbahnhöfe besondere Tarifsätze gebildet werden. Bei dem augenblicklichen Stande der allgemeinen VerlMudlungen wird es allerdings der Ersenbahnverwaltung noch nicht möglich sein, alle Vorarbeiten abzuschjießen. Es wird z. B. die Ausrechnung der Tarifsätze erst erfolgen können, nachdem der Reichstag über die Fahrkcrrtensteuer schlüssig geworden ist.
*
Gewerkschaftliche Organisation der Landarbeiter.
Das Ei des Kolumbus! Vergebens hatten sich bisher die sozialdemokratischen Parteigrößen über die Lösung der Frage ihre Köpfe zerbrochen, wie es möglich iväre, die Landleute zu revolutionieren unb dasjenige Element an die rote Fahne zu fesseln, ohne welches — wie schon Marx tmb (drgels bekannt t-atten — an einen Sieg der Sozial- reljolution nicht zu denken ist. Die Landleute ober erkannten die sich mit Versprechungen herandrängenden roten Seud- boten unb wiesen ihnen die Tür.
Nun wollen es die Sozialdemokraten auf andere Art versuchen. Sie wollen als neutrale Gewerkschaftler kom- ttren. Sie wollen es ungeheuer billig machen, nämlich für Männer wöchentlich für zehn, für Frauen zu nur fünf Vseunig. Dafür wollen sie „Rechtsschutz" gewähren und versprechen auch noch — ohne sich auf das Halten zu verpflichten — Maßregelungs-, Umzugs- und Sterbe-Unterstützung. Ter Verband der Fabrik-, Land- und Hilfsarbeiter will demnächst auf dem Lande seine Jahrmarktsbuden auf» 1 chlagen und die Landarbeiter zum Eintritt auffordern. Billig hier! Zehn Pfennig für Manner, fünf für Frauen!
Für die Landarbeiter aber, die mit jedem Pfennig rechnen müssen, ist diese Geldausgabe von 5,20 Mk. ober 2,60 Mk. auf das Jahr noch viel zu hoch; denn von den sagen. Gegeuleistungen können sie keinen Gebrauch machen. Außerdem ist die Zumutung für sie, sich den roten Gewerkschaften als revolutionäres Kanonenfutter zu verschreiben, zu stark. Sie werden also ivohl von der Reklametrommel des Gewertschaftsverbandes sich nicht locken lassen. Ob die „Genossen" auf das platte Land gewerkschaftlich oder sozialdemokratisch kommen, macht keinen Unterschied. Ihr Zweck ist Verhetzung, und dem wird mau nach, wie vor entgegen» zutreten wissen. Unb umso erfolgreicher wird dies ge- I chehen können, je sorgsamer die Wohlfahrtspflege auf dem Lande getrieben wird.
Ein neuer Bankraub in Rußland.
Tiflis, 19. April. Eine Bande von zwölf Personen drang heute in bas inmitten der Stabt gelegene Gebäude der landwirtschaftlichen Kreditgesellschaft ein und raubte 6000 Rubel in Silber und 6000 Rubel in Papier. Der Bankleiter wurde durch Schüsse tötlich und eine andere Person leichter verwundet. Außerdem wurde der Portier durch eine Bombe, die die Räuber beim Verlassen des Gebäudes zur Explosion brachten, getötet. Die Verbrecher find entkommen.
Ans Stadt unb Land
Gießen, den 21. April 1906.
*’ Im Zeichen der Konfirmation! Mit dem morgigen Sonntage Quasimodogeniti beginnen bei uns die Konfirmationen. Zahlreiche Knaben und Mädchen treten an den Altar und bekennen sich mit feierlichem Gelübde zum Glauben der evangel. Christenheit. Eltern, Paten, Angehörige nehmen besonderen Anteil. Wie könnte das auch anders sein ! Ist es doch em gewichtiger Markstein im jungen Leben dieser Menschenkinder. Sie sollen von jetzt ab in einem gewissen Sinne als Erwachsene gelten. Das heißt, allmählich müssen fic’S nun merken, welche Pstichten und Aufgaben an einen Menschen herantreten, der ein nützliches Glied der Gesellschaft sein unb bleiben will. Wenn inan sie so sieht, b-iefe leuchtenden Kinbergesichter — wird ihnen ber Konsir- 1 nuationstag auch immer wie ein strahlender Wegweiser vor i d er Seele schweben? Unzählige vergessen nur allzu rasch, I luas sie in solcher Stunde bekannt und gelobt haben. Die Magen über Verrohung, Widersetzlichkeit und Großmäuligkeit
-Uen nicht aufhören. Umso selbstversländlicher ist cs, baß g?rai>? die Reukonsirmierte» vor allein Unreinen sorgsam zu b nvahren ~ Meister unb Lehrherren werben erst bann iLjrer Pflicht do£ genügen, wenn sie sich auch um bas sittliche Wohl unb Wehe ber ihnen Anvertrauten gründlich llürnmern. Am Konfirmationstage! Wie gehen da die Ge-
danken von Vater und Mutt« in längst verschwundene Zeiten zurück! Und so rasch scheint alles vergangen zu fein. Die ersten KindheitSspicle, die vielen Schuljahre, die kranken und die frohen gesunden Tage, so manches und so vieles an Erinnerungen steigt wie von selber auf! Vorbei, vorbei! Was wird nun die Zukunft bringen? Die innigsten Segenswünsche eilen ihr voraus. Die Hoffnungen guter Menschen sind Prophezeiungen, sagte Börne. Wer kann'S aber besser meinen als die Eltern! Und wo die nicht mehr sind, oder wo ein Kind trotz Vater und Mutter noch nie den Segen des elterlichen Hauses gespürt hatte, — nun, da soll's erst recht trösten und milde vorwärts geleiten, das schöne und schlichte Bekenntnis. Möchte der Konfirmationstag für alle, die es angeht, nicht bloß eine rührende Stimmung, sondern vor allem eine sittliche Verpflichtung bedeuten!
•* Was soll unser Junge werden? Diese Frage tritt alljährlich zurzeit der Konfirmation an viele Eltern heran. Was für ein Beruf aber auch gewählt werden mag, eins sollte nicht vergessen werden, die weitere körperliche Erziehung, denn überall verlangt man eine gute Gesundheit, Kraft, Gewandtheit und Anstelligkeit. DiesejEigenschaften während der Schulzett möglichst auszubilden, werden Turnen und Bewegungsspiel gepflegt. DaS auch nach der Schulentlassung fortzusetzen, daran denken die jungen Leute meist ebensowenig wie die Eltern und Lehrherren. Den ersteren fehlt es häufig noch an der nötigen Einsicht, den Wert des Turnens für ihre Gesundheit wie auch für ihren Beruf zu schätzen. Kommt diese mit den späteren Jahren, besonders wenn die Militärzeit herannaht, dann ist das in der Schule erlernte verschwunden, und der junge Mann schämt sich, in seiner Unbeholfenheit in die Reihen derer einzutreten, die nach der Konfirmation weiter geturnt haben. Daher sollten die Eltern und Lehrherren darauf einzuwirken, daß ihre Söhne und Untergebenen einem Turnverein beitreten. Beide Teile werden Nutzen daraus ziehen. Die jungen Leute würden ihre freie Zeit, die meist auf andere, weniger nützliche Dinge verwandt wird, auf die Ausbildung ihres Körpers verwenden und dadurch auch eine vorzügliche Vorschule für ihre Militärzeit haben, die Lehrherren bekämen gewandtere und anstelligere Gehilfen und hätten dadurch Vorteile in ihrem Geschäft. Die Kosten, die verursacht werden, sind sehr gering, da die Vereine der deutschen Turnerschaft, um ihrer hohen Aufgabe wegen deren vaterländischen und volkswirtschaftlichen Bedeutung immer mehr gerecht zu werden, die Beteiligung so viel wie möglich erleichtern.
* • Das Museum des oberhessischenGeschichts- oereinS ist am morgigen Sonntag von nachmittags 2 bis 4 Uhr dem Publikum geöffnet Dagegen ist es an diesem Tage vormittags geschloffen.
** Sechzigjährige Jubelfeier des Turnvereins. Der Gesamtausschuß zur Vorbereitung dieses Festes hielt vorgestern im .Schipkapaß" eine Sitzung ab, in der die Abhaltung des Festes endgiltia auf den 4.—6. August festgesetzt wurde. Die von den Vorsitzenden der Einzelaus- schüsse erstatteten Berichte über deren Tätigkeit lassen einen schönen Verlauf des Festes erwarten. Der Festooranschlag wurde in Einnahmen und Ausgaben auf 8550 Mk. festgestellt. Die Eintrittspreise zu dem bekanntlich auf Oswalds Garten stattfindenden Fest sollen so bemessen werden, daß den weitesten Kreisen der Besuch möglich ist.
• • Die Kulanz ber preußischen Staatsbahn wird an einem schier unglaublichen Beispiel aus Frankfurt am Main bekannt. Einem Geschäftsmann aus München war dort seine Brieftasche mit 400 Mk. unb der Rückfahrkarte gestohlen worden. Ohne jegliche Barmittel begab sich ber Mann zur Bahnhof-Inspektion in Frankfurt a. M. unb bat unter Darlegung seines Mißgeschicks, daß er ohne Fahrkarte nach München reifen dürfe. Das Fahrgeld werde er nach seiner Ankunft in München entrichten. Da der Mann einen glaubwürdigen Eindruck machte, ließ man ihn den O-Zug benützen. In Aschaffenburg wurde die Weitereise nach München von der bayrischen Behörde anstandslos gestattet, und der in Frankfurt so schwer Gerupfte sandte, in ber Heimat angekommen, alsbald das schuldig gebliebene Fahrgeld mit Dank nach Frankfurt ein.
” Lehrer Personalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Phil. Dörr aus Rodau die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lauerbach, dem Schulamtsaspi- ranten Wilh. Scheel aus Ruppertsburg eine Lehrerstellc an der Gemcindcschule zu Frischborn, dem Schulamtsaspiranten Jak. Schmitt aus Sprendlingen (Kr. Alzey) eine Lehrerstelle an ber höheren Bürger-(Mädchen-)Schule zu Bensheim. In den Ruhestand versetzt wurde der Oberlehrer an der Gemeindeschule zu Michelstadt Mich. Berres auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste. Erledigt ist eine mit einem coang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an ber Gemeindeschule zu Ober-Ofleiden.
- j- Reiskirchen, 19. April. Die Gastwirtschaft „Zum Adler" ging für 26 000 Mark (vorbehaltlich end- giltiger Genehmigirng) an den Brauereibesitzer Adolf Den- ninghos über.
r. Lorbach, 18. April. Der Taglöh n er H. von Herrn Hag wurde gestern wegen Sittlichkeitsverbrechens (§ 173 R.-St.-G.-B.) in Untersuchungshaft genommen.
y Büdingen, 18. April. Heiitc fand im hiesigen Kreisamtsgebäude unter dem Vorsitz des Großh. Kreisrats Dr. Boeck- mann eine Versammlung der Bürgermeister der nm Bahnbau Hanau-Budingen interessierten Gemeinden statt. Der Gräflich Psenburg - Meerbolzsche Kammerdirektor war ebenfalls zugegen. — Der hiesige Bürgermeister hat in der Schulhausplatzfrage gegen das Erkenntnis des Kreisausschuffes Rekurs bei dem Prooinzialausjchuß angemeldet
Friedberg, 19. April. Durch jugendlichen Leichtsinn hatte eine hiesige Familie sehr traurige Osterfeicrtage bekommen. Die 16jährige Tochter, die ihren ersten Vall mitmachte, ging als sie sich warm getanzt hatte, ohne genügende Umhüllung hinaus in die frische Luft, um sich von der Erhitzung abzukühlen. Die Folgen blieben nicht aus, sie zog sich eine Erkältung zu, welche so stark war, daß sie sich zur Schwindsucht auSdehnte, an der sie am Samstag vor Ostern starb.
, so Aus dem Taunus, 19. April. In Münster i. T. hantierte der bei dem Bäckermeister Kilp beschäftigte Lehrling Georg Bauer aus Gießen mit einer transportablen elektrischen Lampe. Er erlitt dabei einen elektrischen Schlag, der seinem Leben sofort ein Ziel setzte. Durch den Unglücksfall war die ganze elektrische Leitung gestört und Münster am abend ohne Licht. — Auf der Station Kelkheim wurde gestern abend die 14 Jahre alte Anna Gottschalk aus Fischbach von dem um 9 Uhr eintreffenden Zuge, mit dem sie angekommen war, überfahren und getötet. Die Verunglückte war, während der Zug noch in Bewegung war, abgesprungen.
sd. Darmstadt, 19. April. Der Lehrer Philipp Hartmann, der seit 26 Jahren an der hiesigen Viktoriaschule tätig ist, beging gestern fein 50 jähriges Lehrer- jubiläu m. Aus diesem Anlaß wurden ihm eine Reihe von Ehrungen zuteil. Ministerialrat Dr. Eisen Hut überbrachte die Glückwünsche dcS Ministeriums und überreichte dem Jubilar die Krone zum Ritterkreuz zweiter Klaffe des Philippsordens. Die Ehrengabe der Stadt Darmstadt, eine goldene Uhr, überbrachte Bürgermeister Dr. Glässing. Auch an Geschenken und Ehrungen seitens seiner Kollegen fehlte es dem Jubilar nicht
Ehegcschichteu in Briefe«.
„Dn mußt mein werden, oder ich sterbe!" Sv endete fast jeder der Liebesbriefe, die der Reisende Franz Durgcmter an die Fran Bäckermeister Kascharek von Gera aus schrieb. Tiefe hatte mit ihm ehedem ein Liebesverhältnis unterhalten, hatte ihn aber ganz aus dem Gesichtskreis verloren, als sie in den Stand der Ehe getreten war. Da erhielt fiie im Februar 1904 von ihm einen Brief aus Gera, in dem er sich nach i!jrem 'Befinden erkundigte. Die Antwort lautete nubt sehr vergnüglich, denn Frau K. schrieb ihm, daß sie sich recht unglücklich fühle. Dieses Bekenntnis schien Burganter sehr zu Herzen zu gehen, denn er drückte umgehend sein tiefstes Beileid aus, sprach von seiner einstigen Liebe zu der um fünf Jahre älteren Frau, versicherte, daß diese Liebe noch immer in seinem Herzen brenne, und riet dringend, sich scheiden zu lassen. Er begnügte sich mit diesem Wat aber nickt, sondern erschien eines Tages persönlich "in der Wohnung des Bäckermeisters, wo er als Gast auch während oer >Jkunt beherbergt wurde. „Aus Grund seiner persönlichen Wahrnehmungen" riet er der Fran Bäckermeisterin immer aufs neue, sich scheiden zu lasten, unb versprach ihr, daß er sie heiraten werde. „Er könne die rohe Behandlung durch ihren Mann nickt mehr mit an sehen!" Irr diesem Gefühl nahm er bei seiner Abreise der Frau auch ihren Trauring ab, da es ihm einen Stich "ins Herz gebe, wenn er an ihrem Finger diesen Ring sehe, der ihr zur S t l a v e n k e 11 e geworden fei. Von der Heimat aus folgte nun Brief auf Brief mit ber Versicherung, daß er sich erschießen würde, wenn sie nicht seine Frau würde. Dann kam aber ein sehr wehmutsvolles Schreiben. Er teilte der Frau K. darin mit, daß er ein unbeschreibliches Vock gehabt habe: bei einer Bootsfahrt habe er seinen Rock ausgezogen und dabei sei eine Brieftasche mit 6000 Mark Inhalt aus der Tasche gerutscht und aus Nimmerwiedersehen im Wasser verschwunden. Er fragte deDalb an, ob sie ihm mit einem Sümmchen von 5 bis 6000 Mark aus grenzenloser Verlegenheit helfen könne. Die Frau Bäckermeisterin hatte inzwischen seinen Rat befolgt unb nickt nur die Ehescheidungsklage gegen ihren Mann eingeleitet, sondern sick raunt - lid) von ihm getrennt. Ihr ganzes Hab und Gut bestand aus einem Sparkassenbuch über 1000 Marl nebst Zinsen unb dieses schickte sie dem bedauernswerten B., der ihr ja so fest versprochen hatte, sie zu heiraten. Dieser Liebesdienst wurde jedoch scklecht belohnt: die Liebesbriefe des B. wurden immer seltener und hörten schließlick ganz auf.
Als dann allerlei dunkle Gerüchte der Frau Lascbarek zu. Ohren kamen, wonach B. gar nicht ans Giraten denken könne,, da er bereits verheiratet sei, machte sie sick auf, um an Ort und Stelle sick) selbst zu überzeugen. Und das Gerückt hatte nicht gelogen. Sie traf zwar nickt den Angeklagten, ber in einer Strafsache in Untersuchungshaft genommen worden war, wohl aber oessen kranke Ehefrau vor und freundete sich mit dieser so an, daß sie gleich auf einige Zeit sich bei dieser ein» quartierte unb mit ihr gemeinsam wirtschaftete. Sie stellte dann fest, daß die rührsame Geschickte von der verlorenem Brieftasche eitel Dunst gemeßen und B. sie mit seinem Ehe- vcrsprechen nur genarrt hatte, um ihr das Geld abnehmen zu- können. D. ist inzwischen nach Berlin übergesiedelt unb hat der Betrogenen, die sich ieht kümmerlich als Plätterin durchschlagen muß, noch keinen Pfennig wiedergegeben. Das Schösfen- gericht hatte ihn wegen BettugeS mit Rucrsickr auf die Gemeinheit seiner L)andlung9meise zu neun Dionaten Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Die Berufungskammer stellte zwar denselben Tatbestand wie die erste Instanz fest, hielt aber eine Strafe von fünf Monaten Gefängnis für eine ausreichende Sühne, da Faau Jt. als Ehefrau sich auch durchaus nickst einwandfrei betragen habe.
GOLD
„Kupserberg Gold" (Mainz) zeichnet sich durch seine hervorragenden Eigenschaften, vorzüglichen Geschmack, leichte Att und große Bekömmlichkeit aus, und muh deshalb unter den verschiedenen Sectmarken als unübertroffen angesehen rverden.
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