Ausgabe 
23.7.1906 Zweites Blatt
 
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WM!

Nr. 170

Erscheint LGtzUtz mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

gierung beschlossen, allen sozia

en Blättern

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.T. Tel. Nr. 61. Tetegr.-Aür. r Anzeiger Ließe».

Die<Htficntr $amilienblätter" werden dem eyn?,ctger viermal wöchentlich beigclegt. Der ^IftfdR Canbwirt** erscheint monatlich einmal.

Deutsches Reich.

Berlin, 22. ^ull Man inelbet aus Molde, 22. Juli: Während der gestrigen Fahrt von Trontheim nach Molde hörte der Kaiser den Vortrag des leitenden In­genieurs über Dampfturbinen. Heute hielt der Kaiser Gottes­dienst ab.

Die Taufe des Kronprinzensohnes ivird als Familienfeier begangen werden. Aus diesem Grunde ,verden keine fremden Fürstlichkeiten eingeladen iverden und auch diejenigen fürstlichen Personen, denen die Patenschaft zugedacht ist, werden ihre Funktionen nicht persön­lich ausüben, sondern sich vertreten lassen.

Wie verlautet, sind der Referent beim Gouvernement von Kamerun Geh. Negierungsrat Ebermai er, Regie­rungsrat Dr. von der Gröben, Legationsrat Dr. Schnee und der k. Konsul in Kiew, Legationsrat Dr. von Jacobs zu Wirkt. Legationsräten in der Kolonialabteilung er­nannt worden.

In einem hiesigen Blatte mar in der Angelegenheit derEnthüllungen" des Abg. Erzberger dec Verdacht

Kekanntmachung.

Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Bellersheim.

In der Zeit vom 26. Juli lf. Js. bis einschließlich 28. August l. I. liegen auf dem Gemeindehaus zu Bellers­heim die Arbeiten des III. Abschnittes, nämlich:

1. 2 Bände Gütergeschosse,

2. 1 Band Zusammenstellung der Gütergeschoffe,

3. 1 Band Zuteilungsverzeichnis mit dem Verzeichnis der Bonitätserhöhungen,

4. 21 Zuteilungskarten,

5. 1 Band Geldausgleichungsoerzeichnis,

6. 1 Band Obstbaumverzeichnis,

7. 1 Band Obstbaumgeschosse,

8. das Protokollbuch zur Einsicht der Beteiligten offen.

Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hier­gegen findet statt:

Donnerstag, den 9. August lf. IS., vormittags 910 Uhr, im Gemeindehaus zu Bellersheim, wozu ich die Be­teiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nicht­erscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind.

Die Einwendungen sind schriftlich abzufassen, zu be­gründen und auf Papier in Aktengröße (mindestens V: Bogen) einzureichen.

Friedberg, den 21. Juli 1906.

Ter Großherzogliche Feldbercinigungskommissär: Spam er, Kreisamtmanrr.

vor. Aber Unsere Untertanen müssen sich erinnern, daß eine Besserung des Loses des Volkes nur möglich ist unter der Bedingung voller Ordnung und Ruhe. Wir werden keine willkürlichen oder un­gesetzlichen Handlungen zulassen. Mit allen Machtmitteln Unseres Staates werden wir Unseren kaiserlichen Willen den Ungehorsamen auf­zwingen. Wir fordern alle gutgesinnten Russen auf, sich zu einigen, um die gesetzliche Macht zu unterstützen und den Frieden Unseres teuren Landes wiederherzustellen. Möge die Ruhe der russischen Lande wiederhergestellt werden! Möge Gott Uns helfen, die wich­tigste Unserer Ausgaben, die Besserung des Loses der Bauern zu verwirklichen. Unser Wille in diesem Punkte ist unerschütterlich. Der russische Arbeiter wird ohne fremdes Eigentum anz-utasten, da, wo die ländlichen Be­sitzungen zu klein sind, ein gesetzliches und rechtschaffenes Mittel erhalten, um seinen Landbesitz zu erweitern. Die Vertreter der anderen Klassen werden aus unsere Auf­forderung alle ihre Bemühungen aufwenden, um die große Aufgabe, die von der zukünftigen Duma endgiltig im Wege der Gesetzgebung gelöst werden muß, zu verwirklichen.- dem Wir die Duma auslösen, bestätigen Wir Unsere un­abänderliche Absicht, diese Institution zu bewahren. In Uebereinstimmung mit dieser Absicht haben Wir durch einen an den vollziehenden Senat gerichteten Ukas die Einberufung einer neuen Reichsduma auf den 5. März 1907 festgesetzt. Treue Söhne Rußlands! Euer Kaiser ruft Euch, wie ein Vater seine Kinder, Euch mit ihm zu vereinigen, um unser heiliges Vaterlandwiedergesunden zu lassen! Wir glauben, daß Riesen des Gedankens und der Tat er­scheinen werden, und daß. Dank ihren emsigen Ar­beiten, der Ruhm Rußlands erstrahlen wird. Nikolaus."

Die Reaktion und Vorsichtsmaßregeln.

Wie ferner aus Petersburg berichtet wird, hat die Re-

Man rechnet damit, daß der Ausstand 23 Wochen dauern wird.

9tußland, Deutschland und Oesterreich.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt an dec Spitze ihrer Wochenrundschau:

Das Petersburger BlattRossija" hat der Behauptung Verbreitung gegeben, Deutschland und Oesterre ich. Ungarn beabsichtigen eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Rußlands. Diese An­gabe sand sogar m der Duma einen für Kenner der Verhältnisse nicht recht verständlichen Widerhall. Wir haben bereit« hervorgehobeu, daß an dem ganzen Gerede von einer Intervention Deutschlands und Oesterreich. Ungarns kein wahres Wort sei. Die gleiche Angelegenheit ist heute im ungar. Abgeordnetenhaus zur Sprache gekommen. Ministerpräsident Dr. Wckerle erklärte die Nachricht für vollständig unwahr. Oesterreich. Ungarn habe nie eine dahingehende Absicht gehegt. Oesterreich-Ungarn halte in seiner äußeren Politik an dem Grundsätze fest, sich nicht in An- lcgenheitcn fremder Staaten zu mischen. Der Besuch des deutschen Kaisers in Wien sei ein Akt rein freundschaftlichen Charakters gewesen, der in keinerlei Beziehung zu derartigen Bestrebungen gestanden habe. Für jeden ernsthaften Politiker »st bet Fall vollkommen erledigt; lehrreich bleibt er indessen insofern, als er deutlich zeigt, tote durch srivolle Ausstreuungen gewissenloser Hetzer weniger kühle Köpfe in Verwirrung gebracht werden können.

Letzte Telegramme.

Petersburg, 23. Juli. Dec gestrige Tag verlief, soweit bis jetzt bekannt ist, völlig ruhig. Die Nachricht der Auflösung der Reichsduma drang nur allmählich in die Bevölkerung, welche völlig verblüfft war. Die große Ueberraschung, die starken Trup-penaufgebote sogar Teile der Moskauer Garnison sollen herbeigezogen sein sowie die Erkenntnis, daß die Krone doch noch eine reale Macht ist, scheuten auf die revolutionären Ele­mente lähmend gewirkt zu haben.

Petersburg, 23. Juli. Alle Staatsgebäude, die Staatsbank, die Peter Paul-Festung und die Gefängnisse er­halten dreifachen Schutz. Vorläufig scheinen jedoch Unruhen in größerem Umfange in Petersburg ausgeschlossen zu sein. Der erste Rückschlag dürfte auf dem Lande einsetzen, wo die Niederbrennung sämtlicher Guts-Höfe be­fürchtet wird.

Petersburg, 23. Juli. Unter den nach Finnland abgereisten Dumaabgeordneten befinden sich auch Graf Heyden tind Stachowitsch. ES soll über den Erlaß eines revo­lutionären Manifestes der Dumamitglieder an d as Volk beraten werden.

Paris, 23. Juli. Nach Petersburger Privatmeldungen ist daS finnländische Gouvernement angewiesen worden, die Konstituierung des russischen Rumpfparlaments um jeden Preis zu verhindern. Mit Goremykin fiel auch dessen Gehilfe in der Presseleitung, Gurko, der geistige Urheber desRossija "-Artikels über die Intervention des Aus­landes.

Paris, 23. Juli. Die Nachricht von der Auflösung der Duma machte hier einen sehr schlechten Eindruck. In einem Artikel desTemps" heißt es: Die Ratgeber des Kaisers haben ihn zu einem Fehler gedrängt, der sich viel­leicht nie wieder gut machen läßt. Tie Majorität der Duma trifft keine Schuld. Der Bruch ist verursacht durch den Millen des unfähigen Ministeriums, eines blinden HofS und eines schwachen Souveräns.

Paris, 23. Julr. Dem Regime Stolypin wird das denkbar ungünstigste Prognostikon gestellt. Man er­wartet nächste Woche in Paris mehrere markante Mitglieder der aufgelösten Duma.

Eydtkuhnen, 23. Juli. In den russischen Grenzorten Wirballen und Wilkowischki herrscht große Aufregung. Militäcoerstärkungen treffen ein. Die öffentlichen Kassen werden bewacht.

Warschau, 23. Juli. Die Arbeiterschaft der Stadt be­findet sich in voller Bereitschaft zum allgemeinenStreik. Im 3 7. Infanterie-Regiment macht sich eine starke Gärung bemerkbar. 82 Soldaten lehnten ab, ferner Pa­trouillendienst auf der Straße zu tun.

Warschau, 23. Juli. Am Samstag sind zwei An­gestellte eines Berliner Exporthauses un Kontor ermordet und beraubt worden.

Moskau, 23. Juli. Der revolutionäre Geist ist auch nach dem im hohen Norden des Reiches gelegenen Solo- wetzkischen Kloster vorgedrungen. Wie dem Heil. Synod berichtet wird, verweilen die nach der Stadt und dem Gouver­nement Archangelsk verschickten Verbrecher häufig im Solowetzkischen Kloster und veranstalten Versammlungen, an denen die jungen Mönche eifrig teilnehmen. Die alten Mönche versuchten, gegen diese Versammlungen anzukämpfen. Es kam zu großen Empörungen, ivorauf die konservativen Mönche gezwungen wurden, die jüngeren Brüder, die von ihnen eingeschlossen worden waren, wieder in Freiheit zu setzen.

tziu neues Manifest des Aaren.

Wir erhielten am Sonntag abend folgendes Telegramm: Petersburg, 22. Zuli. Ein kaiserlicher Ukas vom 21. Zuli werfügt die Auflösung der Reichsduma und die Ein- berufuug der ueueu Reichsduma auf deu 5. März 1907. Die Bestimmungen für die Neuwahlen werden später veröffeut- richt. Ministerpräsident Goremykin wurde durch kaiser­lichen Ukas entlassen. Seinen Posten tritt der bisherige Minister des Innern, Stolypin, an, der zugleich das Ministe­rium des Zuuern behalt. Die Stadt und das Gouvernement Oetersb urg wurden in den Zustand des außerordentlichen Schutzes gesetzt. Zm ganzen Gouvernement Kiew wurde der Kriegszustand proklamiert, ausgenommen im Bezirk Kiew.

Heute früh traf folgendes Telegramm ein:

Petersburg, 23. Zuli. Die Mehrzahl der Duma- rbge ordnet en ist gestern »ach Finnland abgereist, um dort über die durch die Dumaauflösuug geschaffene Lage zu -traten.

Weitere Nachrichten besagen folgendes:

Petersburg, 22. Juli. Das Dumagebäude blieb heute geschlossen. Die Polizei bewachte die Eingänge und gestattete nur dem Präsidium der Reichsduma den Zutritt. Die bei dem im Dumagebäude befindlichen Buffet angestellten Personen wurden nachts geweckt und mußten, nachdem ihnen die Schlüssel lCr verschiedenen Räumlichkeiten abgenommen waren, das In­ventar f o r t s ch a s f e n. Die Straßen um das Dumagebäude find leer, die Hauptstadt zeigt ihre gewöhnliche Sonntagsphysioy- ixomie, nur sind die Straßen vielleicht noch leerer als sonst. Wie verlautet, suchte der Ministerpräsident seine Entlassung selbst nach; er bleibt Mitglied des Reichsrates. Ebenso ist der Äckerbau- in i n i st e r aus sein Ansuchen des Mmisterpostens enthoben worden, unter Belassung in seiner Stellung als Mitglied des Reichsrates. Der Präsident der Reichsduma Muronzem eriuhr die Auflösung der Duma heute morgen durch den Vizepräsidenten Dolgorukow.

Obgleich das kaiserliche Dekret, welches die Auflösung der .Reichsduma ankündigte, erst in der vierten Morgenstunde befannt wurde, ist die Nachricht hiervon bereits in das Volk gedrungen. Man spürt die gedrückte Stimmung. Die Residenz wim­melt von Truppen. Aus dem Lager und den Nachbarorten find gestern bis Mitternacht vierJnfanterieregimenter, die Chevalier- gurbe und die Garde zu Pferde eingetroffen, ferner eine Anzahl von Schwadronen Husaren und Ulanen, sowie Grenadiere und lAiaschinengewehrkompagnien. In nächster Nähe des Reichsduma- Palastes stehen Husaren. Der Polizei sind energische Maßnahmen Vorgeschrieben.

Also man sieht wieder einmal her Abwechslung halber als einziges Rettungs-Mittel der gegenwärtigen unhalt­baren grausigen Zustande die finsterste Reaktion an. Die Antwort der Opposition und namentlich der großen revo­lutionären Partei, die Antwort insonderheit des schon heute -raubenden, plündernden, sengenden, mordenden Prole­tariats und des Bauerntums wird, wie nur allzu sehr ZM befürchten steht, eine neue blutige Erhebung im ganzen Reiche sein.

Das kaiserliche Manifest

hart folgenden Wortlaut:Wir haben durch Unseren Willen Vertreter der Nation zum Werke gesetz­geberischen Schaffens berufen. Indem Wir fest auf die gött­liche Gnade vertrauten und an die glänzende große Zu­kunft unseres Volkes glaubten, erwarteten wir von ihren Arbeiten Gutes für das Land. Wir haben auf allen Ge­bieten des nationalen Lebens große Reformen in Vorschlag gebracht und haben es immer Unsere Hauptsorge sein lassen, düe Unwissenheit des Volkes durch das Licht der Bildung mnd die Lasten des Volkes durch La n d b e f i tz zu beseitigen. Eime grausame Prüfung hat unsere Erw'artungen ge­täuscht. Anstatt auf dem Gebiete der Gesetzgebung zu schaffen, entfernten sich dsie Vertreter des Volks ams dem Bereich ihrer Zuständigkeit und'be- Mftigten sich mit der Untersuchung über die Handlungen ber auf unsere Anweisung eingesetzten Lokalüchörden und lifijet die UnVollkommenheit der Grundgesetze, die nur durch Unseren kaiserlichen Willen abgeändert werden konnten. Endlich unternahmen die Vertreter WVolkes wahrhaft um gesetzliche Handlungen, wie den Attfruf an das MP seitens der Duma. Die Bauern, bie durch derartige Ungesetzlichkeiten beunruhigt wurden, und auf gesetzliche Leefferunß ihres Schicksals warteten, gingen in einer Reihe turn Bezirken zur offenen Plünderung, zur Zerstör- iurng fremden Eigentums und zum Ungehorsam Men Pas .Gesetz, undj gegen Pie rechtmäßigen Behörden

das Erscheinen zu verbieten. Auch diese unge­schickte Maßnahme ist nur dazu geeignet, das Proletariat und auch andere Volkskreise mehr und mehr zu erregen.

Die Botschaften und Gesandtschaften der fremden Mächte sind von den Behörden verständigt worden, daß ihnen ein militärischer Schutz von je 25 Mann gegeben wird. Die Mannschaften sollen auf den Höfen der Gesandt­schaften untergebracht werden. Die Polizeimaßregeln wur- oen erheblich verschärft. Die Polizei nahm zahlreiche Haussuchungen und Verhaftungen vor und fort» kon fisz-ierte Bücher und Broschüren. Zahlreiche streikende Arbeiter wurden ausgewiesen und einige Agitatoren in einzelnen Polizeirevieren für mehrere Monate interniert. Der konstituierende Kongreß der russischen Sektion der internationalen christlich-soz. Partei, der von 44 Delegierten besucht war, wurde poli­zeilich aufgelöst. 200 Geheimpolizisten sind zur Uebenvachung einiger politischer Persönlichkeiten nachdem Ausland gereist. Rach Pererhof sollen 75 Geheimpolizisten zur Verstärkung gesandt worden sein. Trepow wird von 25 Detektivs bewacht. In der Redaktion des Blattes ,Mhsl" sollte eine Sitzung des Zentralkomitees der sozial-revolu- tionären Partei ab gehalten werden. Der Redakteur des Blattes, Salomko, der Mitglied der Duma ist, verbarg in seinem Arbeitszimmer bret einflußreiche Mitglieder der Partei, von denen zwei durch ein Fenster entweichen wollten. Wichtige Schriftstücke wurden beschlagnahmt.

Aus privater Quelle wird weiter berichtet, daß 14 Mann des Preobraschenski-Regiments, darunter zwei Unteroffi­ziere, als Agitatoren verhaftet und nach her Peter-Pauls- festung gebracht worden sind.

Wirkungen.

Die Stimmung in den intelligenten Kreisen ist teilweise gedrückt, teilweise befriedigt mit Rücksicht darauf, daß die Duma keine praktischen Ergebnisse erzielt hat und ihre Tätigkeit zu wenig dem Wohle und der Wohl- fabrt des Landes galt. Der Kongreß der revolutio­nären Partei in Moskau hat die Berufung einer konsti­tuierenden Versammlung auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Stimmrechts ohne Unterschied der Religion und Nationalität beschlossen. Die Leitung des polit. Generalstreiks übernimmt der Rat der Arbeiter- Deputierten in Moskau.

In einer Moskauer Versammlung, in welcher das Duma- Mitglied Prof. Szcepkin sprach, fanden, als er Nachricht von der Auflösung der Duma gab, stürmische Protestkundgebungen statt. Die Polizei jagte schließlich die Anwesenden mit der Waffe auseinander.

Meutereien und Räubereien.

Unter den Matrosen und Soldaten der Garnison Kronstadt macht sich eine neue Gäruna bemerkbar. Zwei 'Schwadronen Dragoner und Husaren sind nach Kron­stadt abgegangen.

Eine Sewastopoler Depesche meldet, daß 2500 Matrosen eine Versammlung abhielten, in der sie ein Programm ihrer Forderungen aufstellten, welches dem neuen Befehls­haber der Schwarzmeerflotte unterbreitet werden soll. Es wurde beschlossen, daß alle Mannschaften der Schwarzmeerflotte meutern sollen, wenn diese Forderungen nicht erfüllt werden.

Rechtsanlvalt Winawer, Mitglied' der Dumch zurzeit in Budapest, erhielt eine Depesche, in Peterhofrevoltiere das Militär und der Kommandant habe aus Peters­burg Verstärkungen erbeten. ...

Das Unwesen revolutionärer Banden in Kurland nimmt zu. Gutbewasfnete Banden von 2060 Mann durchziehen das Land, überfallen die Kruge, Ge­meinde- und Forsthäuser und rauben Geld und Gewehre. Am Samstag wurden im Kreise Tuckum 6 Landpolizisten von einer doppelt starken Bande angefallen; int Feiwr- gefecht wurde ein Polizist getötet, drei verwundet. Die Streikbewegung in Riga wachst. Mehrere groge cabrifen 1 wurden geschlossen und die Arbetter entlassen. Für heute ist wegen Ablehnung des Achtstundentags ein allgemeiner Setzerausstand aygekünd.igt. Keyie ZeaunZ wird erjcheinen.

Zweües Blate L56. Jahrgang Montag 23. Jnli L8vtz

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