Erstes Blatt
Dienstag ÄS. Mai 1906
monatlich
b ö b e l a l,
noch eine große Anzahl
156. Jahrgang
jährlich Mk. 2.20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch
Oben wälber, Busecker und
aus der Gegend von Schlitz, Schwalm er,
Guttenberger Trachten.
Man rechnet schon jetzt mit Bestimmtheit darauf, baß S. K. H. der Großherzog am Abend des 17. Juni mit seiner hoben Gemahlin der Aufführung des Volksschauspiels beiwohnen wirb. Alls München, Hamburg, Stuttgart unb Naumburg werden Mitglieder des Bundes für Heimatschlltz hier eintreffen. Nach einer oberflächlichen Schwung dürste man bei guter Witterung aus einen Besuch von etwa 2u000 Personen für den Hauptfesttag rechnen. Es ist für gute Bewirtung auch einer solchen Zahl von Gästen auf dem Festplatz bestens gesorgt. Lieben zwei großen Bierrestaurants werden auch eine Kaffee- und eine Weinivirtschast vorhanden sein. Selbst bei schlechter Witterung wird bie ihrer Vollendung entgegengehende massive landwirtschaftliche Halle auf dem Festplatz Raum für einige tausend Personen gewähren — Tas geschmackvolle offizielle Festbuch wirb dem Fremden ein willkommener Führer zu den Sehens- ivürbigfeiten unserer Stadt jein, eine Reihe von Illustrationen werden ihm auch einen dauernden Wert verleihen.
vezugSpretA, monatlich 7bPs., viertel*
ihrer Unruhe, mit ihren Ueberraschungen fast von Tag zu Tag fordert einen Staatsmann, der die Entwicklung der durch die englisch-französische Annäherung eingebeiteten, Deutschland nicht eben günstig gesinnten Politik von Anfang an verfolgt hat. Fürst Bülow will denn auch selbst während seines Urlaubs die Geschäfte in der Hand behalten, worunter vor allem die auswärtige Politik zu verstehen ist. Das kaiserliche Handschreiben knüpft au das Zustandekommen der Reichsfinanzreform an und zollt dem staatsmännischen Geschick und der aufopfernden Hingebung des Fürsten Bülow Anerkennung. Zwar ist Fürst Bülow in der Ocffent- lichkcit nur durch die Einführungsrede zur Reichsfinanzreform hervorgetreten, während Roichsschatzsekrctär Frhr. v. Stengel die Hauptarbeit mit dem Parlament hatte. Aber das Kunststück, Zentra m und Nationalliberale bei den Steuern unter einen Hut zu bringen, das ist das Werk des Reichskanzlers.
gärtneret", Kirchgöns mit bem »Brautzug", Oberkleen mit einer Pfingstgruppe, Niederkleen, Langgöns, Nieder- weiset nut Heu- unb Getreibeerntewagen, Fauerbach vor ber Höhe mit „Flachsbereitung", Langenhain unb Ziegen berg mit „Lohschälern". Münze »berg mit ber Obsternte, Pohl- g Ü ns mit einer Kirchweihgruppe, Ober-Mörlen, Nieder- ö r l e n unb Griebel mit „Spinnsluben", Hochwetsel mit einem Marktwagen unb noch verschiebene anbere. Aus Butzbachs Vergangenheit folgen Schützen-, Brauer-, Gerber-, Turner- unb Zunftwagen. Den Schluß des Feilzuges wirb ein Hulbigungswagen bilden „bie Neuzeit, bem Lanbesfürsten hulbigenb". Ten Wagengrupven schließen sich an Trachtengruppen aus einigen Gerneinben des Ebsborfer Grundes, solche aus dem Salz-
Berlin, 21. Mai. Tcr dem Reichstage zugegangene Ergün z u n g s c t a t für 1906 fordert int Hecrcsetat 550 000 Mark zu Beschaffungen, Anlagen und Versuchen auf verkchrs- technischem Gebiete mit Rücksicht auf die in dem ostasiatischen Kriege gesammelten Erfahrungen; im Etat des Reichsamts des Innern zur Förderung der Syphilisforschung 100 000 Mark, speziell zur Unterstützung ber von Neißer-Breslau eingeleiteten Jorschungsexpedition nach Java; für das sächsische Kontingent des Reichsheeres 60 400 Mark, für den Neubau eines Dienstwohngebäudes in ber Pulverfabrik Gnafchwitz; im Marine-
dicPost Mk.2.—viertel- jährl. ankschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für bie Tagesmirnmer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12Pf^ auSwärtS 20 Pfg.
Verantwortlich für den polit. unb augem. Teil: P. Witiko: für „Stadt unb Land" und „(Strid)t§faal*; Ernst Heß; für den Anzeigenteil: HanS Beck!.
Mainzer Händel - Aufführungen
(Judas Maccabäns unb Saul).
(Original-Feuilleton des Gieß. Anz.)
o. Mainz, 20. Mai.
Ms vor jetzt 11 Jahren ber Verein „M ainzcr Liedertafel und Damenge sangverein" als erster unter den deutschen Vereinen bie Hände l'schen Oratorien in ber von Tr. Ehrysander bearbeiteten Neugestaltung einstudierte und in den beiden Hänbelsesten unter dem Protektorate der verstorbenen Staiferin Fricbrich im 'Sommer 1895 und 1897 aufführte, richteten sich die Augen der gesamten musikalischen Welt auf Mainz. War cs doch ein ganz neues, noch völlig pfadloses Gebiet, das die Mainzer Liedertafel uns allen zu erschließen suchte. Dieses Ziel hat sie glänzend erreicht. Die Mainzer Händelkonzerte wurden allgemein als Musterausführungen anerkannt, sie sind vorbildlich geworden für ähnlich Veranstaltungen in anderen Städten.
Diese Bestrebungen des Mainzer Vereins, die Oratorien Händels bem deutschen Konzertsaal wieder zurückzuerobern und sie ihm dauernd zu erhallen, finden jetzt ihre Verwirklichung
Etat 65 000 Mk. zum Ersan eines durch Feuer zerstörten Boots- schuppen in Wilhelmshaven: 62 500 Mk. zur Vergrößerung der Wasserleitungsanlage der Kieler Werst und Ausstattung mit besonderen für die Enthärtung des Brunnemvassers auf warmem Wege erforderlichen Einrichtungen; im Kolonialetat ^Zuschüsse zu den Verwaltungsausgaben; 15 600 Mk. in den Süd- see-Jnseln; im Postetat insgesamt 4 Millionen Mk. für Fernsprechzwecke, 4 610 000 Mk. zur Herstellung einer neuen unterseeischen Telegraphenverbindung zwischen T. lanb und Norwegen.
Der Ergänzungsetat zum Etat der Schutzgebiete sür 1906 fordert zur Verstärkung der Schutztruppc in Ost- a sr i ka 15 600 Mark, durch Schaffung zwei farbiger Kvm- pagnien anstelle der vom Reichstage abgelelmten-weißen Köm- pagnie und Vermeidung der weißen Unteroffiziere, 16 921 116 Mark für Südwestafrika, und zwar 201 125 Mark für bie Zivilverwaltung, 100 000 Mk. für ein Gerichtsgebänbe in Windhuk, je ein Gefängnis in Windhuk und Swakopmund, 500 000 Mark zur Förderung der deutschen Besiedlung des Schutzgebietes, 90 000 Mmk zur Beschaffung von Trinkwajser in Lüderitzbucht und zur Steigerung der Wasserversorgung in Swakop-mund, 10 536 241 Mark zur Hilfeleistung an Farmer aus Anlaß von Verlusten infolge des Mifstaudes, 5 Millionen Mark für Fortführung der Eisenbahn Lüteritzbucht- Kubub nach Keetmanslwop, 493 750 Mk. zum Ankauf von Reit- und Zugtieren für die Zivilverwaltung, 25 000 Mark zur Ausführung öffentlicher Arbeiten auf der im Jahre 1905 zweimal vom Taifun heimgesuchten Südseeinscl Seipan.
Das Wetterauer Hcimatpftege- uud Bolkstrachtenfest»
/X Butzbach, 21. Mai.
In Dresden traten vor mehr als zwei Jahren eine Reihe be- beutenber Männer auf einer fonftituierenbe» Versammlung zusammen zur Grünbung eines Bun bes sür Heimatschntz. Sein'Zweck sollte sein, Sitten, Gebräuche und Trachten in den Kreisen der ländlichen Bevölkerung vor Entstellung unb Untergang, sowie landschaftliche Schönheiten gegen Verunglimpfungen und Ausbeutungen jeder Art zu schützen. Es war besonders Kurat Fran cf aus Kaufbeuren, der damals in zündender Rede dafür eintrat, ländliche Sitten unb Trachten in ihrer wohlerhaltenen deutschen Unvüchsigkeit unb Unverborbenheit zu erhalten, zu pflegen und zu schützen. T am als mag auch bei unserem Kreisrat Fey der Gedanke gereift sein, in der ihm lieb gewordenen nördlichen Wetterau durch Veranstaltung eines H e i m a t p f l e g e- u n d V o l k s t r a ch t e n f e st e s den Sinn für bie Erhaltung eines quten Stückes deutschen Volkstums zu erwecken. Als er dann un Herbste an Butzbachs Einwohnerschaft appellierte, ein solches Fest zu Übernehmen, fand er em williges Ohr. Ter unermüblicbeu Tätigkeit der Festkommission ist es nun mich gelungen, ein vollendetes Programm aufzustellen. „ ,.
Zunächst ist es die A ii s st e 11 u n g von Volkstracht en, Hausrat uni) ländlichen Bauplänen, die einen Anziehungspunkt der Veranstaltung iverden dürfte. Sie ist in ber geräumigen städtischen Turnhalle arrangiert. Tie Eröffnung dürfte schon am 9. Ium Cl'Olfterner bringt man dem V o l k s s ch a u j p i e l „DieHütten- Perger" (Verfasser Hauptlehrer Ang. Storch) großes Interesse entgegen. Tie Aufführungen fiiiben im großen oaale des „Hessischen yojes‘" statt und bas Stück bürste aller Voraiissicht nach am 10. Juni zum erstenmal gegeben werben. Es finden Johann auf die Tarier von 3-4 Wochen jeden Mittwoch unb LonMag Wieder- hotungen statt. Ta am Hauptsesttag, dem 17. Ium, ein besonders starker Andrang zu erwarten ist, so werden für diesen 4.ag die Eintrittspreise eine bedeutende Erhöhung erfahren. Es sind von bewahrteii einheiniischeii Kräften zu den Aufführungen e.gens historische Tetorationen für die wesentlich vergrotzerte Buhne angefertigt morden. Tie Besetzung her Rollen erfolgte durch über 30 hiesige Dilettanten unb (jat ^inftubierung unb Regie Direktor Stein- g o e 11 e r vom Stabttheater in Gießen übernommen. An allen größeren Plätzen her Umgcgenb werben für bie Festspiele Vorverkaufsstellen errichtet. . r _
Ohne Zweifel wird her Festzug am 17. Juni ben sehenswertesten Teil ber ganzen Veranstaltungen bilden. Er ivirb aus etwa 30 Wagengruppen und fast ebensovtelen Trachtengruppen zu Fuß mit zusammen etwa 1000 Personen bestehen. Tte Wagen- aruppen iverden, nach ben 4 Jahreszeiten georbuct, gegen 3 Uhr nachmittags ben Festzttg eröffnen. Zu Anfang wirb dargestellt werben „Huldigung bes Frühlings" mit Blumen unb Gmrlanden trag en ben Aiäbchen, arrangiert von der Gemeinde L e ih g e si er n, es solqen G ro ß e n - L i n b e n mit ber „Aussaat", Ebergons mit dem „Ostertirchgang", wöbet Frauen unb Mädchen mit ben sogen. Ziehhauben erscheinen, S t e i n f u r t mit seiner „Jtofeu°
Deutscher rreichstug.
108. Sitzung v o m 21. Ai a i 1906.
Zur Beratung steht der Handelsvertrag mit Schweden.
Freiherr Hehl zu Herrnsheim (ick.) bedauert, daß von Schweden nicht mehr Zugeständnisse erreicht worben seien. Es sei in der Frage der Behandlung ber Handlungsreisenben recht wenig erreicht woiden. Offenbar habe man auch Schweden gegenüber einen Zollkrieg befürchtet. Das sei um so unverständlicher, als Deutfchland ja ein guter Käufer sei namentlich in schwedischen Erzen und anderen Mrti fein.
Abg. Kämpf (fr. Vp.): Langfristige Handelsverträge ab- zufchließen ist für uns von höchster Wichtigkeit. Unserer Industrie ist mit 5 Jahren oder einem noch geringere Zeit gütigen Handelsvertrag nicht gebient. Wenn auch von sck)wedisck)er Seite nicht alles erreicht worden sei, so biete ber Vertrag doch einige Lichtbilder, beim bei einigen Gegenständen ist von der hohen Zollmauer etwas abgebröckelt. Auch die Landwirtschaft Ümit mit dem Vertrage zufrieden sein. Ter Redner spricht schließlich die .Hoffnung aus, daß ber Vertrag so bald wie möglich in fttaft trete.
Abg. Speck (Ztr.) bedauert es lebhaft, daß es nicht gelungen sei, für die deutschen Handlungsreisenden bessere Bedingungen zu erzielen. Die vereinbarten Zollsätze sind so hoch, daß der deutsche Export nach Schweden kaum ivird auftecht erhalten werden können. Der Redner bedauert einige Zvllermäßig- ungen, so die auf Preiselbeeren, Holzgeist, Pflastersteine ufw. und kritisiert eine Anzahl Zollsätze. Das beste an dem Vertrage sei, daß er nur bis 1910 laufe. Redner beantragt schließlich Kvm- missivnsberarung.
Abg. Dove (fr. Vg.) hält eine Kommissionsberatung für unnötig. Die Mehrausgabe für Pässe bei einem Geschäftsverkehr kommen nicht in Betracht. Der Vifierungszwang fällt fort.
Staatssekretär v. Posadowsky: Tie Erwartung, die neuen deutschen Handelsverträge würden dazu beitragen, daß die deutsche Industrie in großem Maße inS Ausland auswandem würde.
in der von ihm neu gegründeten „Kaiserin Friedrich- Stistung". Ihr Zweck ist: „Die mustergemäße Aufführung von Werken Händels in der Dr. Chrysander'scheu Neubearbeitung, sowie von anderen hervorragenden Werken der Musik-Lfteratur und die Fürsorge für möglichste Verbreitung der zur Aufführung gelangten Werke". Die Stiftung und die auf Grund derselben stattsindenden Ausführungen stehen unter dem Protektorate S. K. H. des Großherzogs Emst Ludwig von Hessen. —
Donnerstag, 17., und Freitag, 18. Mai, fanden die ersten Aufführungen statt. Das Großherzogliche Paar, sowie Prinzessin Viktoria und Luise von Dattenberg waren mit Gefolge in beiden Kvnzerten anwesend. Die hohen Herrschaften ivurben von Geheimrat Dr. Strecker im Vestibül des Konzerthauses begrüßt und bann in die Hofloge geleitet. Beim Betreten der Loge brachte Justizrat Dr. L. Oppenheim ein dreifaches Hoch auf das Grobherzogliche Paar aus, das von dem dichtbesetzteii Haus mit Begeisterung ausgenommen wurde. Nachdem die Fürsten - Hymne »erflungen war, begann die Aufführung von „Judas Maccabäus". Tas Werk ist allgemein schon bekannt, also erübrigt nur eine Besprechung der Ausführung selbst. Sie war in jeder Beziehung glänzend. Unter der künstlerischen Leitung vv-n Pros. Dr. Fritz Bold ach leisteten bie Mitwirkenden — Chor, Solisten und Orchester — das Menschenmöglichste. Mit wahrer und sichtlich aufrichtiger ^Begeisterung und mit voller Sicherheit bezwang der Chor jede Schwierigkeit des Werkes, immer den richtigen Vvr- tragston treffend. Rein lyrische Stellen voll zarten Empfindens gelangen ihm gerade so gut, wie die kraftvollsten heroischen. Ltelleu, die die ganze Wucht und Kraft des Vortrags verlangen. Jeder Chor für sich war eigentlich schon ein Meisterwerk, das kaum noch übertroffen werden kann.
Auf gleicher Höhe wie der Chor standen die Solisten. Allen voran Prof. Joh. Meßchaert (Frankfurt). Die Vorzüge dieses Sängers, sein so außerordentlich vornehnter, zugleich doch kraftvoller Vortrag stehen im Konzertsaale augenblicklich einzig da. Gleichfalls vvrtrefftiches boten Herr PH. Brvyöl (Mainz) als Judas, Herr Felix v. Kraus CSetpäig?, sowie Frau (Krumbacher de Jong (Berlin) und Frau A. P. deHaan-Mani- f arg es (Rotterdam). —
Der zweite Tag brachte die Aufführung von „Saul". Der Eindruck dieses Oratoriums war noch mächtiger; es ist dies wohl hauptsächlich der unserem modernen Empfinden mehr entgegenkommenden Komposition zuzuschreiben. Die Ausführung war wiederum vollendet. Tic Solisten abermals hervorragend. Außer den sckwn Genannten wirkten in diesem Konzerte mit Frau E. Rückbeil-Hiller (Stuttgart), Frau Adrienne v. Kraus- Osborn e (Leidig und der vortreffliche Tenor Ludwig Heß (Berlin,. Orgel und Cembalo wurden in hervorragender Weise von Herrn Pros. Franke (Win- und von Herrn A Klein- paul (Hamburg) gespielt. Beide Instrumente spielen ja bekanntlich bei Händel eine große Rolle.
Nach dem Kvnzert erhob sich ein tosender nicht enden wollender Beifallssturm im ganzen Hause, an dem stch auch unjer Landesfürst aufs lebhafteste beteüigte.
Nr. 119
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeig« roerben im Wechsel mit bem Hessischen Landwirt bie Gießener Kamillen- blätter viermal in bet
Woche beigelegt
Rotationsdruck il Verlag ber Brüh l'schen Univers.-Buch-u. Stein- bruderet. 9t Lange. Redaktion, Grpebition und Druckerei:
Schulstraße 7.
Rebaktion 113
Verlag u.Exped.S^Köl Abreffe für Depeschen:
Anzeiger Gieße«.
Gietzeim Anzeiger
General-Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Berlin, 21. Mai. Nach Annahme der Reichssinanz- gesetze im Reichstag hat der Kaiser dem Staatssekretär des Rcichsamts, Frhrn. v. Stengel, beit Roten Adlerorden 1. Klaffe, dem Unterstaatsjekretär im Reichsamt Twele und dem Ministerialdirektor im Reichsschatzamt Kühn den Stern zum königlichen Kroneuorden 2. Klasse, dem Chef der Reichskanzlct. Wirklichen Geheimen Oberregierungsrat v. Loeb eil, den Kronenorden 2. Hl affe verliehen.____________________________________________________
§or den Zleichstagsserien.
Für die dritte Lesung des Etats find in dem zwischen dem Präsidenten Graf Ballestrem und dem Seniorenkonvent vereinbarten Kontingentierungsplan drei Tage vorgesehen. Was, zumal unter der Wirkung der Diäten, die Reichstagsmehryeit leisten tarnt, wenn sie will, das hat sich bei den Steuergesetzcn gezeigt. Deshalb ivirb auch die Etatsdebatte nach Wunsch zum 2tbschluß gebracht werden. Die Sozialdemokratie hat freilich die Absicht, beim Etat des Grafen Pofadowsky eine große sozialpolitische Debatte zu entfesseln durch Bezugnal)me auf die Streikkrawalle in Breslau, und andererseits soll Abg. Erzberger (Ztr.) von neuem den Kriegspfad gegen die Kolonialverwaltung beschreiten wollen — er hat seinen Wählern sensationelle Enthüllungen über den „Kulturkampf i n T o g o" in Aussicht gestellt —, aber ein Ausufern der Debatte dürfte durch tidfluf) an trage kurzer Hand verhindert werden. Tie Gesetzgeber sind redemnde und, da ein Eingreifen des Fürsten Bülow im Reichstag schwerlick) zu erwarten ist, von dem Wunsch durchdrungen, sobald wie möglich in die Heimat reisen zu können.
Pie veutige Kummer umfaßt 8 Heilen.
Ker KanL ves Kaisers.
Berlin, 21. Mai. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht folgendes Handschreiben des Kaisers an den Fürsten Bülow vom 21. Mai:
_ Mein lieber Fürst! Ihre Meldung von der Annahme der 'SoX euer Vorlagen im Reichstage hat mich mit lebhafter Freude unb großer Befriedigung erfüllt, ist damit doch unter danlcnÄverter patriotischer Mitarbeit der Vertreter des deutschen Volles für die Finanzen des Reiches eine neue Grundlage gewonnen worden, toeldje die Möglichkeit bietet, den wachsenden Bedürfnissen der Reichsverwaltung in ausreichendem Maße gerecht zu nyerben. Ich bin mir uwhl bewußt, welch hervorragenden Anteil aji dem Entstehen wie dem Gelingen dieses für die Stellung des Reichs nach außen, wie für feine innere Festigung und Entwickelung gleich bedeutsamen Reformwerks dem staatsmännischen Geschick und der aufopfernden Hingebung gebührt, mit denen Sie die mühevollen Arbeiten geleitet und gefördert haben. Von ganzem Herzen ^beglüowünsche ich Sie daher zu diesem Erfolge, durch welchen Sie sich von neuem den Dank Ihres Kaisers und Königs wie des Vaterlandes erworben haben. Zugleich benutze ich die Efolegenl-eit, Ihnen, mein lieber Fürst, meine innige Freude darüber austzuspreck)en, daß Ihre durch das Heb ermaß der Arbeit angegriffene Gesundheit durch Gottes Gnade vollständig wieder hergestellt ist und ich mich der zuversichtlichen Hoffnung hingeben kann, daß Ihre ausgezeichneten Dienste mir noch recht lange erhalten bleiben zum Segen für das deutsche Volk unb Vaterlanb. Ich verbleibe mit unveränberlichem Wohlwollen ihr wohlgeneigter unb dankbarer Kaiser und König, (gez.) Wilhelm.
In dem Handschreiben ist von Interesse und Bedeutung besonders der Schlußsatz. Daß sich der Kaiser der zuversichtlichen Hoffnung hingibt, die ausgezeichneten Dienste des Reichskanzlers möchten ihm noch recht lange erhalten bleiben, darf wohl als eine entschiedene Willenskundgebung ausgefaßt werden an die nicht so ganz geringe Zahl Derer, die den Fürsten Bülow bereits als „abgetan^ betrachteten. Im Ausland hatte man sich vielfach auf den Fürsten Philipp Eulenburg eingerichtet. Der frühere Botschafter in Wien, allerdings feit langem im Besitz des kaiserlichen Vertrauens und fast unmittelbar nach der Erkrankung des Fürsten Bülow mit dem Schwarzen Adlerorden dekoriert, erschien den Zeichendeutern im Ausland als der kommende Mann. Vielleicht wäre die Kombination richtig gewesen, wenn die Gesundung des Fürsten Büloto — der Kaiser betont die vollständige Wiederherstellung — ein Verbleiben im Amt nicht zugelassen hätte. Im Interesse einer gleichmäßigen Fortsetzung der auswärtigen Politik Deutschlands kann man sich der Genesung des Fürsten Bülow freuen. Das ist gewiß, und es ist auch bei Gelegenheit der jähen Erkrankung des Fürsten Bülow durch Beweise herzlicher Teilnahme zum Ausdruck gekommen: der Kanzler genießt als ein aufrichtiger, Winkelzügen und künstlichen Verzögerungen durchaus abgeneigter Staatsmann ein großes Maj; von Sympathie und Vertrauen bei den Regierungen des Auslandes. Ein neuer Reichskanzler, gleichviel welchen dlamens und welcher Vergangenheit, hätte sich an dieser Stelle das gleiche Ansehen erst erwerben müssen. Tie gesamte internationale Situation aber mit
:an§ Josef ist einer nach Zehn- !gtt"lßt.
partei fühlt sch das Robinett als jnden. Trepoiä .v-Maßregeln der Kriegszustand je Militärdiktatur •ften Konzessionen, mrc eine teil* on einigen 10 M je damit nicht zu- revolutionär aus-
ctwaz erkorte.
chtlnarki'^^n. ^00.00
>—17.75 Milt)
»Ai
-wwl28’ * MX'5.'oS . > ,3. Qua,". J-pual. 78-80, "ebeud- ■ bei Horn.
■ Dänemark
gen.
L Weißbinder- ^ter und erlitt QUI starb.
deutschen Kaiser bem deutschem gegangen: s der zur 6. orbent- leoet des deutsche fee Durchlaucht, uszuiprechen.
Wilhelm" auvtversamm.
beißt, daß die >cht erreicht seien 'N. 'ür schnelleren illmertige und für e und Kreuzer an»
'6 Dahlkreisen, die r und Martinique 'utiertenfam» t. Es wurden ge- svzialist, 14 link« alistiiche Radikale, Sozialisten. Bon s Mitternacht vor- iservativen verloren rogressijien 16, dir loren 3, die Radi- '(fitn Wabifafat gt« ’itat gewannen 15, neu 2, verloren 3. knuffigen Kummer ender Stärke iMnM Sozia- 115, demokratische emäWe, Ti Neri- > noch nicht bekannt
eine Unterredung Giolitti und
ind Ohio-
, 107.60
24.50 ‘ 145.20 ' 151-6°
n ■ • ’ isenbahn ttsbahn ■ • i-ßisenbahu
grichfe
r Bank für Handel
U-,5übr' 155.90 me.ver ■ ickert' 266.60 ersten 99700 1 BÄ‘tt IM-30 rowert- • 1 250.00 ' ' ' ‘ 130.75 ’isen-Indnstrie 13--60 ndel^es ' ]42 40 Rank ■ • ' 238.50 mk - ' 184.80
-tB«* ' ; 186.20 inmanait. - sgygg nk • ' '212.40
E- v-
fangskurse- er^werk. • ' 249.80


