Ausgabe 
23.1.1906 Erstes Blatt
 
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186. Jahrgang

Erstes Blatt

Amts- und Anzeigeblaii für den Meis Gieß«

Die heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.

nach derselben 20 der Anwesenden der Organisation der Sozialdemokraten an.

Tct Demonstrationstag in Worms totenstill, wie so ziemlich jeder Sonntag.

verlief so ruhig und Im Gemerkschasts- die russischen Zn-

jährüch 'Dit. 2.20; durch Abbate- il Zwcigüellen monatlich Go Pf.; durch die Post Mk.2.vieriel- jährt, ausfchl. 93eftellg. Annahme von Anzeigen sür die Tagesuummer bis vormittags 10 ilhr. Zeilenvrels: lokal 12Pf* auswärts 20 Big.

Verantwortlich h're den polit. und allgem. Teil: P. Witiko: lür »Stadl und Land" und Giertdil^aal*: Ernst Heb. für den An- flcigcnteil: Hans Beck.

Nr. 19

rlftclnl täfiTie allster Sonnlaa«.

Kein Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem yesfischen Landwirt die Siebener Kamillen, blätter uienndl tn der

Woche beigclegL NotalionSdrucl il Ver­lag der Bru h l'scheu Univers.-Buch-u.Steur- druckeret. 91 Sange. Redaktion, Ervedrnon und Truderet:

Gchnlstrabe 7.

Redaktion 113

Verlag u.Exped. ^^51 Adresse für Deoeichen:

Anzeiger Gießen.

Apoints. , .

Abg. Büsing (natL) erklärt kurz, daß er der Vorlage ebenso ablehnend gcgennberstehe, ivie schon' im Vorjahre und ans dem gleichen Grunde. Wenn aus die Tauer die Reichsbank in unbe­schränktem kleine kleine Apoints ausgeben dürfe, obwohl doch die Reichskasse 120 Millionen solcher Apoints ausgebc, so bedeute das eine Ucberschlveinmuitg mit kleinen ApomlS, der er sür seins Person nicht zustimmen könne. .

Abg. v. Mardorfs (Np.) sieht ebenfalls kem BcdursmS, aber er lehne doch die Vorlage nicht so entschieden ab, weil er ihr gar nicht so grvbe Wichtigkeit beilege. Redner ichlteßl, er würde der Vorlage zustimmen können, aber nur unter der Voraussetzung, daß ein anderer Geist in unserer Bankoerwaltung einziehe.

Staatssekretär 6-rai PosadowSky gibt zu, daß der Kurs unserer Staatspapiere gegenüber ihrem inneren Wert zu gering jci. Das liege aber mit daran, daß in anderen Staaten gemifte öffentliche Institute gezwungen seien, erhebliche Teile ihrer Baar­bestände in Staatsvapiereit anzulegeit. Hoffentlich werde die jetzt beim preußischen Landtage eingebrachte Sparkassen-Vorlage hierin Abhilfe schaffen. , ,

Tawit schließt die Debatte und die Vorlage geht an eine be­sondere Komntission.

Ihn 57. Uhr beginnt die erste Lesung des Gesetzentwurfes ubev den V e r s i ch e r u n g s v e r t r a g.

Staatssekretär Nieberding verbreitet sich über die große wirtschaftliche Tragweite des Versicherungswesens in Deutschland. Der Entwurf enthalte im wesentlichen eine Zusammenfassung der Ilersicheriings'Bedingungen. Der Staatssekretär geht ausführlich uif die Vorlage ein. Für die ganze Prwatversicl)erniig werde ein einheitlicher Boden geschaffen, aus dem sie sich erfolgreich weiter entwickeln köiine.

Abg. Heine (303.) legt dar, daß der Staat die soziale Auf­gabe habe, die Versicherten zu schützen. Erhebliche Bedenken habe er gegen die geplanten Exeniptioiien vor dem Gesetz, vor allem gegen die unbedingte Exemption der öffeiitlichen Soztetälen.

Abg. Tri mb orn (Ztr.) erkennt die Vorlage als trefflich ansgearbeitet an, vermißt aber eine Zwanasmcißregel der Mode- rierimg des Selbstmordes in der Lebeiisversicher»mg. Zahlung der VersicherungsfiiMine im Selbsimordsalle müsse obligatorisch aus­geschlossen werden.

Morgen-1 Uhr: Polen-Interpellation, dann Ver­sicherungsvertrag und 2)1 a ü- und Gewichtsordnung.

Per rote Sonntag.

Man kann nicht feflftcClen, welche Ereignisse derrote Sonntags gezeitigt haben würde, wenn nicht allenthalben von den Behörden Vorsichtsmaßregeln durch Bereitstellung Äer Polizeimannschasten und bc5 Militärs getroffen worden wären. Diese Maßregeln wurden zweifellos nicht so sehr getroffen in der Befürchtung irgend welcher besonderer Er­eignisse, als um gegebenenfalls zur Stelle zu sein und irgend welchen berechtigten Vorwürfen zu entgehen. Was der preußische Minister v. Nheinbaben im Reichstage zahlenmäßig nachgewiesen hat, das hat dieser Sonntag nachdrücklich be­wiesen, daß überall die Lebenshaltung des deutschen Arbeiters, der Verdienst und schließlich sogar die Zu- sriedenheit mit seinem Lose viel zu groß ist, als daß er sich in sichtbaren, durch die Tat bewiesenen Gegensatz zu den Behörden setzen möchte. Auch der von den sozial­demokratischen Führern so oft betonte ,3bea(i9inu§* ist nicht mächtig genug, materialisttsche Besorgmffe für die eigene Person und die Gegenwart und Zukunft der Familie zu über­tönen, und die Geschichte lehrt, daß, soweit ungebildete Volks- maffen in Frage kommen, niemals ideale Ziele zu erkämpfen wären, sondern daß zu allen Revolutionen und Bürgerkriegen in letzter Linie materielles Elend, Hunger die direkte Veran- laffung gegeben hat. Fühlen sich auch die Regierungen starl genug, jeder zur Tat werdenden Demonstration nachdrücklich zu begegnen, so sehen sie eine größere Gewähr für den fried- sichen, unblutigen Verlauf aller für die Zukunft geplanten Demonstrationen darin, eine viel größere Sicherheit, daß der Arbeiter seinen Leistungen und berechtigten Ansprüchen gemäß gelohnt wird, und daß die Regierungen nach wie vor bemüht sind, durch sozial-politischen Fortschritt die Lebensbedingungen des ganzen Volkes immer gesunder und zufriedenstellender zu gestalten.

Zu den militärischen und polizeilichen Maßnahmen tn Berlin bemerkt hinterher mir billigem Hohn derVorwärts":

Die großen kriegerischen Vorbereitungen waren oergebens und wirkten lächerlich; der Friede wurde nirgends gestört Die Revolmion wollte nicht ausbrechen, aber das Schloß winde bis zum Morgen durch Kavallerie bewacht. Tie armen Soldaten sind um ihren Sonntag geformter. und die Schutzleute murrten nicht wenig über den langen Dienst bet dem schlechten Wetter. Nun, jedenfalls hat man das Ordensfest im Gefühl völliger Sicherheit feiern können.

Mit einem MassenauStritt auS der Landes­kirche als einer Folge des »roten Sonntags- wird man freilich in Berlin rechnen müßen. Im dortigen Amtsgericht ist daS zu bemerken. Dort haben, wie uns geschrieben wird, zahlreiche Mitglieder der Landeskirche ihren Austritt erklärt, dezw. erklären laffen. Die freireligiöse Gemeinde zu Berlin wird, einem VersammlungSbeschluß zufolge, eine große Bewegung in Preußen inszenieren, um vor allem die Anhänger der sozialdemokratischen Partei, die sich in der Landeskirche befinden, für die freireligiöse Gemeinde zu gewinnen. In Berlin wurde der Anfang gemacht. Ta die Firma Nauck & Hartmann einen Caulencmfchlag ver­weigerte und den dafür eingezahlten Betrag zurückzahlte, so wurden in den Berliner Versammlungen Flugblätter zur Ver­teilung gebracht nebst Zirkularen und Anweisungen für den Austritt. Es heißt dort, daß der »Austritt au§ Kirche und Tempel für jeden denkenden Menschen, der mit der bestehen­den Religionsgemeinschaft gebrochen habe, notwendig sei!!" Durch eine Reihe von Protestversammlungen soll das Vor­

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hause sprach ein Herr Engelmann über

stände. Tie Rede klang in einer Resolution für das direkte Wahlrecht aus, die von der starkbesuchten Versammlung ein­stimmig angenommen wurde. Durch den Vorsitzenden wurde ßtt ordentlichem und ruhigem Benehmen auf den Straßen gemahnt. Die Militärbehörde hatte den Befehl erlaßen, wo-

zweckt.

Eisenach, 22. Januar. Wegen Landesverrats wurde der 32jährige Dreher Richard Weidner aus Pot- schappel bei Dresden auf Antrag der hiesigen Staatsanwalt, schast heute verhaftet. Weidner hat mehrere fertige Ge­schützteile für Preußen bestellter Rohrrücklaufgeschützc entwendet und'fall wegen Verkaufs derselben mit fremden Staaten ver­handelt haben. Die Akten gehen noch heute an den Ober- rcichsanwalt nach Leipzig.

Hamburg, 22. Jan. Auf Wunsch der Polizei und um einem formellen Verbot zu entgehen, sagte der liberale Verein zwei Versammlungen, in denen über WahlrechtSvorlage und Bürgertum" und überStellung des Liberalismus zur Sozialdemokratie" ge>proch?n werden sollte, a b. Selbst die Versammlung der frcis. Volkpartei, in der Abg. Köpsch über Steuerfragen sprechen wollte, wurde aus gleichem Grunde abgesagt.

gehen der Freireligiösen unterstützt werden.

Bei uns in Gießen fand erst am Montag im Saale zum Ritter eine sehr gut besuchte Versammlung statt, in der Redakteur Vetters über die Vorgänge in Rußland, Wahl­rechtsfragen usio. referierte. Zum Schluß wurde einstimmig eine im Sinne des Referats gehaltene Resolution (anscheinend die auch in Mainz beschlossene) angenommen. Die Ver­sammlung nahm einen ruhigen Verlauf und es schloßen sich hiesigen politischen

Deutler

(2 5. S i tz u n g v 0 rn 2 2. I a n u a r.)

Eingegangen ist ein Handels» und FreundschaftS- vertrag zwischen dem deutschen Reiche und Aethiopicn, Aut der Tagesordnung stehen zunächst zwei ich leimige Anträge wegen einstweiliger Einstellung schwebender Straiver- iahten gegen die Abgg. Fußangel und Thiele. Tie An­träge werden dcbatteloL a n g c n 0 m in e n. Ebenfalls debattelos werben in zweiter Lesung genehmigt die Gesetzesvorlagen über die Statistik des Warenverkehrs und über die Emluhrscheine (Wert- beflimmting) derselben im Zollverkebr.

Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs betreffend Aus­gabe von R e i ck) s b a n k n 0 t e n zu 1 0 und 20 Mark.

Abg. Certel (natL) führt aus, diele Stückeluug erscheine ihm und feinen Fremtden nicht ganz unbedenklich. Wenn tndes bar- qctau werde, daß diese Stückelung untere Währung nicht berühre, werde seine Partei ihr zustinunen. Gelange die Vorlage zur An­nahme, so würden die 50 und 20 Mark-ReichSkastenfeheme leben- falls tn Wegfall kommen müßen.

9lbg. Mare 0 ilr (ZentrmM beantragt Verweisung der Vor­lage an eine Kommission. DaS Zentrum werde der Vorlage unter der Voraussetzung zustimmen, daß die Neichsbank mir 60 Mark- 3chemc, also nicht auch 20 Mark-Scheine ausgibt und daß dann die 50 Mark-Kassenscheme in Wegfall fommen und an ihrer Stelle mehr 20, 10 und 5 Mark-Kassenscheine ausgegeben werden.

Abg. Graf K a n i tz (fonf.) siebt als Hauptzweck der Vorlage an, Schonung des Goldvorrates der Reichsbank. Alts jeden Fall fei das Rebencinanderbesieben von Neichskastenlcbeinen und Reichs- baiiknoten zu gleichen Apoints nicht 31t wünschen. Gebe man 50°Mk.-Rolen aus, dann müßten die 50-Mk.-Kassenschcme ver- ichwindeii. Weiter aber frage er, weshalb man nicht zur Befrie­digung des Verkehrs nach kleinerem Gold in größerem Maßstäbe >ur Silbervräguug schreite. Jedenfalls muffe die Vorlage an einet besondere Kommission geben.

Abg. Tr. Arendt (Rp.) erklärt, das Gesetz fe, für ihn un­annehmbar, so lange der Reichsbank die nnbeschräiikte Aufgabe von fleinen Roten gestattet ist. Tie jetzt vorgeschlagenen Bestimm' ungen müßten jedenfalls zum Vorteil der Reichsbant ausfchlagen, und deshalb solle man mit dem Erlaß einer solchen Bestimmung mindestens warten bis zur Eriietterui'g des Bank-Privilegs. Ter wirkliche Grund zu dieser Vorlage fei, daß sich die Neichsbank- Venvaltiiug eben gar nicht mehr anders zu helfen wiße trotz der großen Geldvrodiiktion.

Ctaatsfetretär Graf PosadowSky erklärt gegenüber dem Vorredner, unsere Retchsbank-Verwaltung habe stets mit der Zu­nahme der Goldproduktion gerechnet. Mit dem Vorschläge, die Reichskasscnscheiue zu 50 Mk. einzuziehen, erreiche man doch den angestrebten Zweck nicht. Tie Neichsbank Habe unserem Geld- ücrfebr unschätzbare Tiettste geleistet. Es werde fleh auch künftig gewiß eine Mehrheit sinden, die die Grundlage dieses Institutes unterstützt.

Abg. Kamps (frf. Vv.) bestätigt, daß die Neichsbank niemals daS Interesse der Aktionäre im Ange gehabt habe, fonbern nur das öffentliche Intereße und das sei auch bei dieser Vorlage der Fall. Tas Cbecksystem halte er, da der Check fiel) nur auf Gut­haben stütze, für immer noch bester als das Banknoten-Syslem, aber dann müste man für ein gut geordnetes Check-System sorgen. Aber statt dessen wolle die Negieiimg die Quittungen au8 Check« versteuern und selbst den Postanwelsimgsverkehr durch den Quittungs­stempel verteuern.

Neichsb.mrpräsident Dr. Koch legt zur Begründung der zeit- weis'gcu Erhöhung des Disronts auf 6 Prozent bar, w'.e aufcer- oTbcniitd) 00m Oktober ab die Ansprüche an die Neichsbank ge­stiegen feien und zwar entsprechend der Steigerung auf allen Ge­bieten des Wirt sch asts-, Dank- und Börsenverkehrs.

9lbg. Gamv (Rp.) führt lebhaft Beschwerde über die Hohe des Bank-Diskonts. Landwirtschaft und Industrie litten darunter. Es sei Zeit, endlich einmal dre eigentliche Ursache des hohen Drs-< konts zu erforschen durch eine Untersiichungs-Kommrssion.

Staatssekretär Frbr. v. Stengel wendet sich gegen das Verlangen nach Einziehung der 50 Mk.-Reichskastenscheine m Ver­bindung mit der gegenwärtigen Vorlage. Geplant sei eine dies­bezügliche Vorlage für später.

Abg. Mommsen (srs. Vp.) glaubt, daß bie Vorlage gar nicht erst an eine Kommission zu gehen brauche, werde dies aber durchaus gewünscht, dann nur an eine besondere Kommission und nicht an die Budget-Kommission. Aus jeden Fall bedürfe eS keiner

Dienstag 1&06

Bezu gSpretSr monalllch75Pf., viertel­

te, sie offen zu halten. Aus dem WittowSkiplah feuerte Militär, als ein Volkshrmfe versuchte, den Produktenmarkt zu sprengen; dabei g«ü es zwei Tote.

Nach einer anderen Meldung aus Warschau wurde in der dortigen Festung eine Anzahl russischer Anarchisten und Komniuntsten erschossen.

Von der schlesifch-rusfifchen Grenze meldet dieSchl. Ztg.": Infolge der Unsicherheit des Geldmarktes und be­sonders infolge des Mangels an flüssigem Kapital find in Zawiercie, Lodz und Sosnowice mehrere Fabriken, bereit jede 400 bis 500 Arbeiter beschäftigte, geschlossen worden. In Dendzin (Polen) wurde ein Police iw achtmeister hinterrücks erschossen.

In Kurland dauert die Unterdrückung der revol. Letten erfolgreich fort, weil feit den letzten acht Tagen sehr energisch vorgegangen wird. Jeder, der verdächtig ist, an Plünderungen und Vrcmdstiftungen beteiligt gewesen zu sein, wird sofort erschossen.

In Odessa wurden vorgestern und gestern wieder Bombenattentate verübt.

In Petersburg wurde Alexei Suworin, der Heraus­geber derNuß", die jetzt unter dem TitelMolwa" er­scheint, wegen Preßvergehens zu einem Jahr Festungshaft verurteilt.

Deutsches Ueich.

Berlin, 22. Januar. In Gotha verlautet, daß bei Kaiser am 6. Februar zum Besuche des dortigen HofcS em trifft.

Königsberg, 22. Januar. Der Redakteur bet hiesigen sozialdemokratischen »Volksztg." EriSpien wurde heute verhaftet, weil er in einem von ihm veröffentlichten Bericht über die Gerichtsverhandlung gegen den sozialdemo- lratifchcn Stadtv. Loebe in BreSlau, den Redakteur der dor­tigenVolksmacht", der wegen der Aufreizung zu den Demon- sl'rationsversammlungen verurteilt worden ist, die aufieizcnden Worte Loebes veröffentlicht hat. Gegen Redakteur Marchio- nini von der KönigsbergerVolksztg/ ist ein Verfahren wegen MajestätSbeleidigung eingeleitet worden wegen eines Zusatzes, den er zu einer Zuschrift aus Gumbinnen veröffentlicht hat.

Breslau, 21. Januar. Beim Bczirksleiter Schlegel des gewerkschaftlichen Metallaibciterprrbaudes hielt die Kri- m.nalpolizet eine Haussuchung nach Waffen ab, ohne jedoch welche zu finden.

Stuttgart, 22. Jan. Durch eine Mmistertalverorb- nung über die Prüfung für den Dienst bei den Verkehrs­anstalten ist bestimmt worden, daß von Beginn des laufenden Jahres an die Kandidaten des höheren Eisenbahn-, Post- und Telegraphendienstes, soiveit sie die endgültige Staats­prüfung bestanden haben, in daS Verhältnis von Eisen­bahn- oder Postasfefforen eintreten. Diese Benennung findet auch auf die Eisenbahn- und Posl-Reseren- bare erster Klaffe Anwendung, welche die höhere Tienst» Prüfung noch nach den früheren Vorschriften abgelegt haben. Die Eisenbahn- und Post-Referendare zweiter Klaffe erhalten künftig die BenennungReferendare".

Stuttgart, 22. Januar. Die heute hier abgehaltenc sozialdemokratische Gedächtnisfeier für die ruf. fische Revolution war von etwa 2000 Personen besucht und verlief ruhig. Es würbe eine Resolution angenommen, die im ersten Teil denen in anderen Orten gleich war, zum Schluß aber dagegen protestiert, daß noch vor Abschluß der VersassungSrev if ion in Württemberg versucht wird, durch Einführung benifsständifcher Vertreter als Ersatz für die Privilegierten int Landtag daS vom ganzen Volke ver­langte allgemeine Wahlrecht zu falschen, und die Erwartung ausspricht, daß die sozialdemokratische Fraktion alle darauf gerichteten Versuche entschieden bekämpfen roirö.

Karlsruhe, 22. Jan. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer sind folgende fozialdemokratischen Anträge eingegangen: 1. Die Regierungpu ersuchen, dem Landtage eine Vortage zuaehen zu lassen, durch welche die Festsetzung der Tarife für den Personen- und Güterver­kehr auf den badischen Staatseifenbahnen ge- sdtziich geregelt wird. 2. Dem Landtage eine Vorlage zu­gehen zu lauen, durch welche die Institution des Eisenbahn­rates auf eine gesetzliche Grundlage gestellt und eine an- gemessene Vertretung im Landtage dem Eisenbahnrale ge­währleistet wird. 3. Einen Gesetzesvorschlag betr. Die Auf­hebung des Artikels 3 des Gesetzes vom 20. Juni 1874, der die Einführung des Nerchspreffegesetzes be-

nach kein Soldat die Mainzerstraße passieren dnrite.

ZLußland in giohn.

In Warschau ereignete jicy am 22. Januar im Palars des Grasen Zamoisky eine furchtbare Ga s-Ex- plosion. Ein Teil des Mauerwerks wurde eingerissen, sodaß einige Räume sichtbar wurden. Eine nachfolgende Feuersbrunst zerstörte das ganze Tachgesck>. 7^Per­sonen, die noch in ihren Betten lagen, wurden durcy die Explosion - ins Freie befördert und schwer verwundet. Äug) in einigen Nebengebäuden und der Staatsbank wurden durch den Luftdruck Scheiben eingedrückt. Die Sozialisten stierten dort und in Lodz, Odessa u. a. O. den 2ahr.os- iüu der Petersburger Ereignisse Dadurch, daß sie wcht arbeiteten und andere zwangen, die Arbeit einzustellen. Tie Kaufleute waren in kritischer Lage: die Revolutionäre zwangen jie, ihre Geschäfte zu schließen, die Polizei zwang