Ausgabe 
20.3.1906 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

hier ht Norddeutschland keinen besseren Namen für diese Ring- und Trustwirtschast. Er hat dabei die verständigen und ehrlichen Bauern auf seiner Seite. Die übrigen schenkt er dem Bauernbünde. Wirklich naiv rst Ihre Bemerkung,dass es sich bei dieser Aufforderung um einen Be­schluss des Vorstandes der Vereinten Landwirte von Frankfurt und Umgegend handelt. Die Aufforderung bezweckt lediglich, einer Ueberproduktion von Milch vorzubeugen. Wenn der Ver­fasser so etwas Sauwirtschaft nennt, so braucht er sich nicht zu wundern, wenn bie Sauern nichts von solchen Re­formen wissen wolle n."

Das ist ja die reine Unschuld vom Lande! . . . Wir wollen -erSachsenschau" hierauf nur kur- und zum letzten Male ant­worten. Wenn sie behauptet, der Verfasser ihrer Artikel stammt vom Lande, wollen wir ihr das glauben, leider müssen nur aber dann att§ seinem Geschreibsel die Folgerung ziehen, dass bei ihm einer der Falle vorzuliegen scheint, wo das Sprichwort zutrisft: Dumm geboren u n d n i ch t s d a z u g e l c r n t! Und seine eigene Schlussworte benutzend, werben bie Mitglieber der Ver­einigten Landwirte von Frankfurt a. M. und Umgegend, die der Artikelschreiber indirekt als unverständig und unehrlich bezeichnet, das WortSau" jetzt auch in ihrer tieferen Bedeutung erkannt haben. Der Deutschen Reformpartei aber rufen wir zu:Der Herr behüte dich vor solchen Freunden."

Faßhauer, der Redakteur derSachsenschau", revanchiert sich für diese Charakteristik durch folgende Briefkastennotiz:

Ihre Manieren waren früher seiner und besser. Wie kommen Sie letzt zu der Tonart und den Redcblüten, welche man sonst nur in Kutscherde stillen, Kaschemmen und aus der L a n d- st r a ss e findet? Wenn Sic eS so weiter treiben, werden sich die verständigen und gebildeten hessischen Landwirte bald von Ihnen zurückziehcn. Im Ernst, geben Sie ruhig ein paar Mark für einen Anstandskursus ans. Das Geld ist wirklich nicht roeg- geworsen. Vielleicht stecken die hessischen Baucrngenossenschasten etwas Geld in die Verfeinerung ihres Blattes. Soviel wird doch wohl übrig sein."

Preußische Landtagswahlreform!

Der soeben erschienene Gesetzentwurf betreffend die Aenderung der Landtags Wahlbezirke setzt die Zahl der Abgeordneten auf 4 43 (bisher 433) fest. Für Berlin sind 12 neue Wahlbezirke mit je einem Abgeordneten in Aussicht genommen, also 12 gegen bisher 9. In dem Wahlbezirk PotSdamDIX wird ein neuer Wahlbezirk aus dem Stadtkreise Charlottenburg, ein zweiter aus Schöneberg und Rixdorf mit je einem Abgeordneten gebildet. Den beiden zu einem Wahlbezirke zu vereinigenden Landkreisen werden die bisherigen zwei Abgeordneten belassen. Der Wahlbezirk Oppeln V wird geteilt und erhält statt zwei drei Abgeord­nete. Der Wahlbezirk Arnsberg, der größte der Monarchie, erhält sechs anstatt drei Abgeordnete, die aus sechs Wahl­bezirken zu wählen sind. Der Wahlbezirk Düsseldorf V er­hält vier anstatt drei Abgeordnete, wobei ein neuer Wahl­bezirk Düsseldorf XV aus der Stadt Mülheim a. Ruhr, dem Kreis Mülheim und dem Kreis Ruhrort gebildet wird. Ferner wird die entsprechende Aenderung der Wahlorte zur Ver­meidung zukünftiger Wahlen in Kirchengebäuden und die Be­nutzung günstigerer Verkehrsbedingungen vorgeschlagen.

Der Entwurf betreffend die Abänderung des Land- tagSwahlverfahrcns bestimmt: Artikel 1. Protokoll­führer und Beisitzer des Wahlvorstandes werden durch den Wahlkommissarius aus der Mitte der Wahlmänner ernannt. Haben bei der ersten Abstimmung nur zwei Personen oder, wenn nur zwei Wahlmänner zu wählen sind, nur vier Per­sonen, und zwar gleichviel Stimmen erhalten, so entscheidet daS LoS. In Gemeinden über 50 000 Einwohnern findet die Abstimmung innerhalb einer festzusctzendcn AbstinrmungS- frist statt, anstatt der bisherigen gemeinschaftlichen Versamm­lung der Urwähler zur Terminswahl. Abteilungen über *50 Wähler können in Abstimmungsgruppen geteilt werden, Auf Antrag deS Gemeindevorstandcs kann für Gemeinden über 50000 Einwohner Terminsmahl oder für Gemeinden unter 50000 Einwohner Fristwahl angcordnet werben. Der Minister deS Innern kann bei Wahlbezirken mit 600 Wahl­männern ober mehr anorbnen, die Abgeorbnetcnwahl in Gruppen der Wahlmänner vorzunchmen, die Wahlortc be­stimmen oder Abstimmung in Form der Fristwahl fefifeijen» lieber die Giltigkeit der Wahlmännerwahten entscheidet die Gruppe, zu der der Wahlmann gehört. Artikel 2 setzt die Verpflichtung der Urwähler fest, die Mitgliedschaft des Wahl­vorstandes zu übernehmen, sowie die Ablehnungsgründe.

Die Garnison von Mainz wirb hinsichtlich der Ab- georbnetenwahlen von bem Wahlbezirke Coblenz III abge- trennt unb bem Wahlbezirke WieS bad en IX zuge­wiesen. Das Gesetz tritt am 1. Oktober in Kraft.

Bescheidener hätte dieseWahlreform" schlechterdings nicht sein können.___________________________________________________

Das lenkbare Luftschiff.

Berlin, 19. März. DerVoss. Zig." wirb von mili­tärischer Seite geschrieben: In einer Unterrcbung, die der Kaiser kürzlich mit ben Herren I. Loewe, Paul Schwa­bach, James Simon und W. Rathenau nebst einer Anzahl höherer Militärs hatte, wurde ein Tema berührt, dem der Kaiser das lebhafteste Interesse entgcgenbringt, das lenk­bare Luftschiff. Den Anstrengungen des im Dienste der Brüder Lebaudy stehenden französischen Ingenieurs Juillot ist es gelungen, ein lenkbares Luftschiff herzustellen, das bei den vordem französischen Kriegs Minister angcstellten Versuchen als kriegsbrauchbar bezeichnet werden konnte. Die Gebrüder Lebaudy, die namhafte Summen für eine lange Reche von Versuchen ausgegebcn und noch fernerhin ausgeben werden, da Juillot an der weiteren Verbesserung der Erfindung arbeitet, haben ihre auf aeronautischem Ge­biete gemachten Errungenschaften ihrem Vaterlande unent­geltlich zur Verfügung gestellt. Dieses Verhalten und der Umstand, daß das Problem des lenkbaren Luft­schiffes tatsächlich soweit als gelöst betrachtet werden kann, daß es sich ernstlich lohnt, sich weiter mit der Frage zu beschäftigen, war für die Gäste des Kaisers der Anlaß gewesen, dem französischen Bei­spiele zu folgen. Die Besprechungen, die bisher in der Angelegenheit stattfanden, führten schon dazu, dass eine Studiengesellschaft, die später einen eigenen Klub gründen dürfte, ins Leben gerufen worden ist, zu deren Komitee- mitgliedern Admiral z. D. v. Hollmann, Vertreter der ein­schlägigen militärischen Behörden und die bereits genannten Männer der Industrie und der Hochfinanz gehören. Als Grundkapital wird eine Million zunächst für ausreichend erachtet. So hofft man auf diesem Gebiete vorwärts zu kommen, die militärischen Behörden in ihren Bemühungen, em völlig k r i c g s b rauchbar es lenkbares Luftschif herzustellen, tatkräftigst zu unterstützen.

3. Sitzung der Großh. Handelskammer Kietzen 1 für die Kreise Gieße«, Alsfeld und Lauterbach. !

Protokoll -Auszug.

(Schluss.)

3. Verkehr mit Essigessenz. Wie verlautet, hat der Reichskanzler beit Bundesregierungen den Entwurf einer Verord­nung über die Regelung des Detailverkehrs mit Essigessenz van­gelegt, wonach Essigessenz in offenen Verkaufsstellen an daS Publikum in Mengen und Gefässen von einem Liter und darunter nur in einer Verdünnung, welche in 100 Gewichtsteilen 15 Gc- wichMeile Essigsäure enthält, abgegeben werden darf. Diese Beschränkung des Kleinhandels mit Essigessenz soll mit Rücksicht auf die durch den Genuß von Essigessenz verursachten Unglücks- fälle getroffen werden, um das Publikum vor gesundheitlichen Schädigungen möglichst zu bewahren. Von mehreren Gährungs- cssigfabri kanten ist in einer an die Handelskammer gerichteten Eingabe darauf hingewiesen worden, dass dieser Zweck durch die vorgeschlagenen Massregeln nickck erreicht werde. Die Kammer ist deshalb ersucht worden, darauf hinzuwirken, daß Essig­essenz in Mengen von 15 Litern und darunter nur in einer Ver­dünnung von 15 Prozent Säuregehalt in den Handel kommen dürfe. Dt Handelskammer lehnte es ab, diesem Ersuchen zu entsprechen, da nach ihrer Ansicht die Durchführung dieses Vor­schlags cinci.i Verbot des Kleinverkaufs mit Essigessenz über­haupt gleickdommen würde, wofür aber keine hinreichende Ver­anlassung vorliegt. Sie war vielmehr der Ansicht, daß die vom Reichskanzler vorgeschlagene Regelung genügen würde, um den aus der Verwendung von Essigessenz drohenden Gefahren ent­gegenzutreten.

5. Abänderung der K o n kn r so rd n u n g. Von dem Verband der Vereine SPrcbitreform ist die Kammer um Unterstütz­ung einer an den Reichstag gerichteten Eingabe ersucht worden, in der vorgeschlagcn wird, datz in Fällen, in denen eine zur Durchführung des Konkursverfahrens genügende Masse nicht Vvr- liegt, der Ablehnungsbescklutz auf Staatskosten öffentlich bekannt zu geben ist. Die Handelskammer hat diesen Antrag schon vor mehreren Jahren unterstützt und billigt auch heute noch seine Tendenz, hält aber die Durchführung des Antrags zur Zeit für aussichtslos. Dagegen beschloss die .Handelskammer, ent­sprechend den ihr in letzter Zeit wiederholt aus Geschäftskreisen zugegangenen Anregungen dafür einzutreten, daß jedermann ge­stattet wird, sich eine Abschrift der Manifestantenlisten gegen Erstattung der Sckireibgebühren erteilen zu lassen.

6. Lehrlingszüchtcrei im Handelsgewerbe. In­folge mehrerer an den Bundesrat gerichteter Beschwerden, wonach in sehr vielen kaufmännischen Geschäften die Zahl der Lehrlinge in einem Missverhältnis zu der Art unb dem Umfang des Be­triebes stehen soll, sodass die Prinzipale außer Stande seien, den ihnen nach dem Handelsgesetzbuch zustehenden Verpstichinngen zur Ausbildung der Lehrlinge zu genügen, hat das Grossherzog­liche Ministerium des Innern die Kreisämter auf die Bestimm­ungen der Gewerbeordnung hingewiesen, die den unteren Ver­waltungsbehörden die Befugnis geben, in derartigen Fällen die Entlassung eines Teils der Lehrlinge zu veranlassen ober bie Annahme von Lehrlingen über eine bestimmte Anzahl hinaus zu verbieten.

7. Notleidenbe Risiken in b er Mobiliar- Feuer-Ver sicher un g. Das Großh. Ministerium bes Innern hat die HanbelÄammcr beauftragt, für ihren Bezirk Erhebungen barüber zu veranstalten, in welchem Umfange so­genanntenotleibende Risiken" in Bezug aus bie Mobiliarseuer- verficherung vorhanben sind. Unternotleibenden Risiken" sind solche zu verstehen, für welche eine Versicherung sei es ganz oder teilweise nicht erlangt werden kann. Die Handelskammer ersucht deshalb die Firmen ihres Bezirkes, ihr von solchen Fällen Kenntnis zu geben, in denen der Versicherungssuchende nach ergebnislosen Verhandlungen mit mindestens zwei Gesellschaften von einer Versicherung seiner Mobilien gegen Feuersgefahr ab­gesehen hat.

8. Eisenbahnfrachtsatze für die Station Gie­ßen. Tie Firma Pöschel u. Eo. in Frankfurt a. M. plant bie Herausgabe eines EifcnbahngütertarifS, in ben auch bie Fracht­sätze für Gießen nach unb von sämtlichen deutschen Stationen Ausnahme finden sollen, sofern eine hinreichende Zahl von Exemplaren von den interessierten Firmen gezeichnet wird. Die Handelskammer hält die Herausgabe eines solchen Tarifs, der auch die Station Gießen als Kopsstation enthält, im Interesse der Geschäftswelt von Gießen unb Umgegend für sehr erwünscht unb ersucht bie Interessenten, das Zustandekommen des Werkes durch Uebernahme je eines Exemplars deS Werkes, dessen Preis sich auf 6 Mark stellen soll, zu fördern.

9. Eingänge. Der Handelskammer sind von zuverlässiger Seite Mitteilungen zugegangen über die Tätigkeit auslän­discher A g e it t e n für Sch Windelausstellungen, über die Verhältnisse im Warenabsatz nack Rumänien, Absatz­gelegenheit für landwirtschaftliche Maschinen und Düngstoffe in Spanien, nvrbamerikanische Bemühungen in Chile, Absatzgelegen­heit für Nahrungsmittel nach Transvaal, eine in Bombatz er­öffnete Handelsäuskunftsstelle, ferner über zweifelhafte Agentur- firmen in Rumänien lGalatz^, der Türkei (Konstantinopel), Italien (Neapel), Oesterreich-Ungarn 'Budapcftz, Frankreich (Paris, Aix, Marseille), Großbritannien (London, Liverpool, Vereinigte Staa­ten von Amerika (Rochester), Brasilien (Rio de Janeiro) und in Französisch-Indien (Haiphong).

Die Eingänge können während. der übliclsen GeschäftHcit im Bureau der Handelskammer eingesehen werden. R.

Ans Stadt und Land.

Gießen, den 20. März 1906.

** Ruhestandsversetzungen. S. K. H der Groß­herzog hoben ben Oberlehrer an bem Ostergymnasium zu Mainz Prof. Joh. Bapt. Heinrich auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in ben Ruhestanb versetzt. In ben Ruhestand versetzt würbe der Oberlehrer an bei* Gemeinde schule zu Eber stabt, im Kreise Darmstadt, Lubw. Friedr. Schmibt auf sein Nach suchen, unter Anerkennung seiner mehr als 50jährigen treuen Dienste.

** Für dieSitzungber Stadtverordneten - V c r - fammlung am nächsten Donnerstag (wenn notig, Fortsetzung am Freitag) ist folgende Tagesordnung vorgesehen:

1. Daugesuch des S. Rothschild für bie Marktstraße 18. 2. Bau­gesuch des Kasper Heinzerliug für bie Liebigstraße. 3. Baugesuch des Joh. Gg. Pfaff für bie Goetheftraße. 4. Gesuch ber Firma Kaufmann m. Co. um Frist zur Erbauung eines Vorderhauses am Scknffenberger Weg. 5. Abhaltung von Lustbarkeiten auf Oswalbsgarten: hier: Verlegung des JuxplatzeS auf den Schweinemarktplatz. 6. Gesuch des Gießener Fußballklubs um Ueberlassung cinesl Spielplatzes auf bem Trieb. 7. Gesuch bes Gärtners Moser um Verpachtung eines Lagerplatzes am neuen Friedhof. 8. Verkauf des Bauplatzes Bahnhofstraße, Ecke Tiefen- >veg unb von Grabengelänbe am Tiefenweg an ben Seiters- Sprubel Augusta Vikwria. 9. Gesuch bes Lesehallenvereins wegen Vergrösserung ber Räume für die Lesehalle. 10. Ausführung von Entwässerungsanlagen durch das städtische Gas- unb Wasser­werk. 11. Straßeuwstenbeitrag ber evaNgel. Kirchengemeinde zur Kirckstraße. 12. Herstellung eines Feldwegs an der Hardt. 13. Herstellung am Leicknnwagenscknlppen. 14. Beschaffung von Geräten für die Desinfektionsanstalt. 15. Vergebung ber Fuhr- leiftungcn beim Tiefbauamt für 1906. 16. Erhöhung bes Fuhr- lokms für Kohlen und Koks beim Gaswerk. 17. Vergebung der Schreibmaterialienlieferung für 1906. 18. Reparatur des großen Kochkessels in ber städtischen Kaserne. 19. Vergebung ber Weiß- binberarbeiten für ben Neubau ber höheren und erweiterten Mädchenschule: hier: Eingabe von L. Petri III. unb anberen. 20. Rechnungsabschluss der Omnibus-Gesellschaft für 1905. 21. Uebernahme ber gärtnerischen Unterhaltung ber Vücking'schen Grabstätte. 22. Ueberlassung ber Faßlpalle ber Aktienbrauerei für bas Universitätssest 1907. 23. Herausgabe eines Wegweisers durch Gießen gelegentlich des Universitätsfestes 1907. 24. Vor­lage ber Rechnung und des Berwalwngsberichts für 1904.

25. Errichtung neuer Schulstellen an der Volksschule. 26. Dcp Voranschlag des GaS- unb Wasserwerks für 1906. 27. Desgleichen des Elektrizitätswerks. 28. Der Voranschlag des Stadterweiter- ungsfonds für 1906. 29. Vorläufige Kreditbewilligung für das Rechnungsjahr 1906. 30. Gebühren für Benutzung d:3 Sektions-- 5immer?'. 31. Gesuch des Löb Grünewald dahier um Erlaubnis zum Wirtschaflsbetrieb im Hause Westanlage 35.

** Ein Abschlag ber Schweinefleischpreise! dürfte, wie wir badischen Blättern entnehmen, für die nächsten Wochen zu erwarten sein. Die Preise haben ihren Höhepunkt erreicht und es mache sich schon jetzt ein laug-, sanier Rückgang bemerkbar. Ter Schweineibestand in der Umgegend Mannheims z. B. hat ganz bedeutend znge- nommen und dasselbe dürste wohl auch in anderen Gegenden der Fall sein. Die Zollerhöhung ist bis! jetzt ohne Einfluß auf die Preise des' Fleisches ge­blieben.

** Der Unteroffizier-Verein des zweiten Bataillons vom InfanterieregimentKaiser Wilhelm" feierte am Samstag abend in der Turnhalle sein W i n t e r- fest in recht schöner Weife. Den sehr gut gespielten Theatervorstellungen und Couplets usw. folgte ein Ball, der bis zum frühen Morgen anhielt. Am Sonntag nachff mittag war Ausflug nach dem Windhof, wo man wiederum ein kameradschaftliches Beisammensein zwischen hiesigen Bürgern und den Unteroffizieren des Bataillons sehen konnte.

** I m Evangelischen Arbeiterverein sprach am vergangenen Sonntag Abend Herr Tr. med. Richter hier überAnsteckungsgefahr". Auf die häufiger auf­tretenden Infektionskrankheiten, wie Scharlach, Masern, Tiphtcrie und Influenza und die dabei zu beobachtenden Vorsichtsmaßregeln näher eingehend, zeigte D-r. Richter am Schlüsse seiner ungemein interessanten Ausführungen den Anwesenden unter dem Mikroskop verschiedene Krankheits­erreger (Bazillen). Reicher Beifall wurde dem Redner zuteil.

)( Granberg, 19. März. In der Sitzung des Gemeinderats am 16. d. M. waren sämtliche Gemeinde- ratsmitglieder, Bürgermeister Zimmer und Beigeordneter Keil anwesend. Für die im Jahre 1906 erforderlichen Tecksteinc und den Grus lautete die Offerte der preußisch- hessischen Basaltwerke in Kesselbach für Decksteine auf 4,85 Mk. pro Kbm., frei Eisenbahnstation Grünberg. Pflaster­nreister Werner-Grünberg hatte offeriert Decksteine pro Kbm. 5,40 Mk. und Grus pro Kbm. 4,50 Mk., alles frei Verwendungsstelle und mit gleichzeitiger Eindeckung. Letz­terer erhielt den Zuschlag. Der vom Amtsgericht beantragten Zwangserziehung des Georg Eger und des Christian Repp wurde zugestimmt. Die beiden Jungen, die nächste Ostern konfirmiert werden und wiederholt wegen Diebstahls mit Gefängnis bestraft wurden, sollen in eine Zwangst erziehungsanstalt verbracht werden. Dem Vorschlag des Kreisamts gemäß werden die im Jagdbezirk 4 bei Grünberg belegenen Enklaven nach. dem .Verhältnis des' letzten Pachtpreises an Herrn v. Oettinger (Eigentümer des Warthofes bei Grünberg)abgegeben. Die Umpflaster^ un g der Fr ankfur te rstr aße soll alsbald ausge­schrieben und vergeben werden. Der Voranschlag betr. Um­änderung des früheren städtischen Brauhauses in Klein­wohnungen wurde entgegen genommen. Das Gesuch des Bankiers ckel um Abgabe von Gelände (Böschung) au seinem Bauplatz (Bahnhofstraße) wird genehmigt. Damit war die öffentliche Sitzung erledigt. ____________

Spielpla« btt «ttrnngten Frankfurter Stadttheater.

Opernhanö-

Mittwoch ben 21. März"): Gastspiel der Frau Erika Wedekind:Die lustigen Weiber von Windsor." Donnerstag den 22. März: rFlauto solo. Hierauf:Sylvia/ Freitag den 23. März geschlossen. Samstag den 24. März:Der Prophet." Sonntag den 25. März, nachmittags halb 4 Uhr:Die Fleder­maus." Abends 7 Uhr:Margarethe." Montag den 26. März geschlossen.

Schauspielhaus.

Mittwoch ben 21. März*):Lumpacivagabundus." Donnerstag den 22. März, abends halb 8 Uhr: Volksvorstellung:Judiths Freitag den 23. März:Minna von Barnhelm." Samstag den 2-1. März:Ter Kaufmann von Venedig." Sonntag den 25. März, nachmittags 31/, Uhr:Ter Heller." Abends 7 Uhr:Judith." Montag den 26. März:Zapfenstreich." Dienstag den 27. März: Neu einstudiert:Eoriolanus."

*j dlniang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

Märkte.

Gieße«, 20.März. Marktbericht. Aus heutigem Wochenmarckte kosteten: Butter pr. Pid. 1.001.05 Mk., Hühnereier 1 St. 78 Vsg., 2 Stck. 00OO Psg., OZänseeier 00OO Psg., Enteneier 00 Psg., Käse vr. Stck. 68 Ps., Kasematte 2 Stck. 56 Psg. Erbsen pr. Liter 21Psg^ Linsen pr. Liter 32 Psg.,Taubenpr.PaarO,8Ö l,00Mk., Hühner pr.St. 1,001,60 Ml., Hähne pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. Stück 1.802,20 Mk., Gänse nr. Psd. 00-00 Psg., Ochsensseisch pr. Psd. 7482 Psg., Kuh- und Rindfleisch pr. Psmrd 7072 Psg., Schweine­fleisch pr. Pssmd 8690 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 94 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 7080 Psg., Hammelfleisch pr. Pscmd 6080 Psg. Welsche per Pfund. Kartoffeln pr. 100 Kg. 5.506,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,008,00 Mk., Milch per Liter 20 Psg., Aepsel per Pfund 18 bis 30 Psg., in Körben 00 Psg., Nüsse 100 Stück .3040 Psg,, Birnen per Psd. Mk. 0.150.20, Weisskraut per Stück 1030 Pfg., per Zentner Mk. 0.000.00. Marttzeit 82 Uhr.

G i e ß e n, 19. März. Viehmarkt. Bei dem am!3. und 14. März stattgeilindenen Markte waren aufgetrieben 16 8 8 Stück Rindvieh, 391 Schweine. Der nächste Markt findet am 27. und 28. Alärz 1906 statt, an letzterem Tage auch Pferde- marlt und Krämermarkt.

Die Marktpreise für Bich und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise

am 19. März 1906.

Höchste Schlachlvichpreise in Fra n ksu rt a. M.

Fleischpreise in Giessen

Ochsen

Kälber Schweine

50 Kg. Schlachtgewicht 7577 Mk.

/, Kg. Schlachtgew. 8993Ps.

V? 79-80

7> Kg. 72-80 Pfg.

'/, , 7080 , V, 76 86

Gctrcidcpreise in Mann heim

Brotpreise in Gießen

Wetzen 100 Kg. 19.00-00.00 Mk.

Roggen 100 Kg. 17.25-00.00 Mk.

Weissbrot 2 Kg. 54 Psg.

Schwarzbrot 2 Kg. 50 Psg.

Qnmmarl'lll*für Kranke. (Geisteskranke ausge- OUÜtlillüI KUI UI schlossen.) behaglich eingerichtete kleine Anstalt (bis 30 Patienten). Kühler schattiger Park- Sorgsame a Itehandlunn und VerpilesuiiR. Diätkuren. (Dependance für Min­derbemittelte.) Prospekte franko.

M. Sclinlze-K.ihleyss. Hervenarzt. Sanatorium Hofheim im Taunus.

» in Rheinisches --i»,»-,-,,-»«.»m,

TecMmm Biagen

-,v.kr^$'. . v. Programme frei.