Ausgabe 
17.11.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 371 Zweites Blatt 15t?. Jahrgang

Samstag 17. November 1906

scheint Sßll- mit Ausnahme des Sonntag?.

Dielelftittr Samlllenbiatter* werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^efflldx kandwtrt" erscheint monatlich einmal.

Gieheim Anzeigen

RotationSdrnck tmß Verlag der ®rfl UnwersitätSdruckereL 8L Lange, G'etz«.

Redaktion, Exvedltton u. Druckerei! GckruMvK, Tel. Rr. bl. Telegr.'Adc. t Anzeiger Atetz«»

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eietzen.

Gießen, den 16. November 1906.

Betr.: Die Ausführung der Polizeivecordnung über das Vertilgen der Blutlaus, vorn 19. 9loucmbcc 1904.

Das Grohl)cr)ogliche Kreisaml Gießen

und die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Sie wollen das Protokoll über den nach § 3 obiger Polizeivecordnung im September jeden Jahres vorzunchmcnden Nundgang Ihrer Kommission alsbald in Vorlage bringen, soweit dies noch nicht geschehen sein sollte.

I. V.: verberg.

Gießen, den 15. November 1906.

Betr.: Landwirtschaftliche Bodenbenutzung im Jahre 1906. Das Großlferzogliche Kreisaml Gießer» an die Vrotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Diejenigen, welche unserer Verfügung vom 20. Mai 1906 (KreiSblatt Nr. 112) noch nicht entsprochen haben, werden hierdurch an alsbaldige Erledigung derselben erinnert. ________________I. V.: verberg.

Kaiser uno Ki-ianuner.

DaZ wiederholt erwähnte, bei Lehmann in München erschienene Buch des Grafen Reventloiv hat einen ganz merkwürdigen buchhändlerlschcn Erfolg zu verzeichnen, und dec Zustimmungen fand in der Presse mehr als dec Tadler, obwohl einige TageSbtätlcr in dein Buche des sehr national empsuidenden Grasen recht schlecht wegkommen, weil auch sie alles tun, um jenen Nimbus zu weben, der uns das Bild einer lauteren, von der Verjasjung umgrenzten monarchischen Idee verschleiert.

Dieser Byzantinismus ist eine Zeitkrankheit. Da dec Servilismus nun leider einmal ein dcuiches Erbtaster ist, und außerdem dem schrankenlosen Egoismus sehr nahe verivandl, Hal Knechtseligkeli wie eine Seuche immer weitere Kreise durch­zogen. Daß diese Verhimmelung eines sehr begabten und in seiner Art glänzenden Geistes nicht ohne Rückwirkung auf ihn selbst geblieben ist, das ist begreiflich.

Kaiser Wilhelm ist, das läßt sich nicht leugnen, ein wenig in aulokratische Bahnen emgelenkt. Sein ausgeprägter Wille, dec durch den Byzantinismus seiner Umgebung und eines Teiles der Presse noch gestärkt worden ist, sieht tue Schranken, die ihm von der Verfassung gezogen smd, nicht mehr ganz scharf. Auch wir sind nicht der Ansicht, daß dec Kaiser lediglich der höchste Repräsentant des Reiches sein soll, daß seine Stellung rein dekorativ ist, wie etwa die des Präsidenten von Frankreich. Wir haben keine Parlamentsregierungen, sondern unsere deutschen Monarchen wählen sich, was auch die hessischen M iniste r stürz e r" wissen sollten, ihre Rat- gebet selber. Diese Ratgeber, die für den Gang der Politik verantwortlich zeichnen, sollen nirgends zu polit. 9lullen m den Händen der Monarchen oder übermächtiger Barone herabsinken. Monarchisches Selbstcegieren nut Neben- regierungen feudaler Fideikommißherren bringt nur zu leicht schwere Gefahren mit sich.

Man darf sicy nicht wundern, wenn der Kaiser von der Wirklichkeit dessen, was die Byzantiner ihm täglich hundert­mal vorsagten, überzeugt ist. Es wird zugegeben, daß Kaiser Wilhelm sich eine umfassende Allgemeinbildung erworben hat, aber man hat doch auch schon manches Urteil von ihm ge- hört, das Wunder .nehmen nnißte, und auch als hervor­ragender Mensch bleibt er doch immer ein Mensch. Um so mehr sind die Versuche, aus dem Kaiser einen römischen Im­perator zu machen, dec vor seinem eigenen Standbild opfern lägt, zu bedauern, als Wilhelm II. ein Alaun mit klarem Blick und großer Verständnisschärfe ist, denn waL auf der einen Seite gesündigt wird, muß sich auf der anderen Seite rächen. Das Ausland und gewisse Kreise des Inlands haben auch seit Jahren das Menschenmögliche geleistet, aus Kaiser Wilhelm em Zerrbild zu machen da§ ist die unmittelbare Wirkung jenes verderblichen Byzantinertiims, das in hunde­seligem Ersterben die Throne umlagert, und auf den Knochen lauert, dec ihm zugeivorfen wird.

Das Buch Reveutlows ist ein ausgezeichnetes Buch, weil es ein wahrhaftes Buch ist wir wollten nur, der Kaiser, dessen (< echtigkeitsgejühl außer allem Zweifel steht, bekäme diese Schrift in die Hand! Aber die Byzantiner werden das ebensowohl zu verhindern wissen, wie sie es verhindern, daß die wirkliche öffentliche Meinung je bis in die Gemächer des Kaisers dringt. Und so müssen uns auch wir zu der pessimistischen Ansicht bekennen, daß der Byzan­tinismus vorerst noch lange über die gesunde Vernunft und über die Gerechtigkeit,siegen wird. Man muß das im Interesse des deutschen Reiches, wie in dem des Monarch. Gedankens aufs Tiefste bedauern und kann nur wünschen, daß das Reichsschlsf nicht im Nebel des Byzantinismus einmal auf eine Klippe fährt!

Vermischtes.

' Von den Gewinnern des großen Loses der preußischen Lotterie weiß die ,Tgl. Rdsch." folgendes zu er­zählen: Ein kleiner Hotelbesitzer, der durch harte Schicksals­schläge den größten Teil seines Vermögens eingebüßt hat, der Inhaber eines kleinen Papiergeschäftes, die Haushälterin eines "Arztes, die sich bisher an fcemder Leute Tisch ihr kärg­liches Brot verdienen mußte, und ein bisher! armer Schuhmacher, der sich sein Leben lang an seinem Leisten ab­gequält hat, um ein paar notdürftige Spargroschen zurück­zulegen, diese vier sind als die Inhaber der Viectcl-An- leile bei dem Kollekteur eingetragen. Sie erschienen alle per­sönlich in der Kollekte, und bei jedem wiedecholle sich daß- selbe Spiel: keiner wollte recht an sein Glück glauben. Bei zweien mußte der Kollekteur seine ganze Beredsamkeit auf­

bieten, um sie von der Richtigkeit seiner Angabe zu über­zeugen. Einer meinte: »Jetzt, wo der Hauptmann von Köpenick umgeht, muß man mächtig vorsichtig sein. Alan muß nie wissen, was für ein Schwindel bei so ner Sache cQiiStonunt.* Aber schließlich ließen sich doch alle überzeugen und gingen, ihre Angehörigen und ihre Mitspieler zu be­nachrichtigen. Einer der Vlertetinhaber hat das ganze Viertel allein gespielt, die anderen hatten noch Kompagnons.

* Nürnberger Lotterie. Der Hauptgewinn siel aus die Nummer 226 164. Das Gewinnlos wurde auf der AuS- stellung am 19. Juni verkauft; der glückliche Gewinner ist cm bejahrter Buchhalter einer Nürnberger Firma. Tie Ge­winnlisten ei scheinen am 22. November.

* Das neuere Berit nur Eyc-Drama, von dem wir bereits kurz Meldung machten, hat sein Zweckes Opfer gefordert. Der Schlosser Ernst Hiuf), der seine junge Frau erschoß, ist im Virchow-Krcmlenhaus an den Folgen der Schußoerlehuug und der Lhsolvergisrung ebeusarrs ge­storben. Die Schulo an dem tragischen Geschehnis soll die Frau tragen. Die 18 jährige Frau zeigte nur geringes Verständnis für die $45|lia)tca, die ihr die Ehe au,erlegtc. Wenn der Mann, ein fleissiger Arbeiter, aus der Werkstatt heimtam, soll er ost vergebens aus Essen gewartet haben. Diese Vernachlässigung gab Anstoß zu Un| rieben, der sich nicht selten in heftigen Austritten Lust machte. Der Un­frieden soll auch durch die VergnugungSjucht der Frau genährt worden sein. Inwieweit sie bent Alaune Grund zu dem Glauben gab, bug sie es auch mit oer ehelichen jircue nicht genau nehme, soll nicht aujgctiiirt fein. Am Montag abend hatten die Hausbewohner durch den aus der Hintzschen Wohnung bringenden Lärm wieder einmal erfahren, baß eS dort zu hejtigen Szenen gekommen war. Tann auci war es still geworden. Am Donnerstag wurde Vie Aufmelckjcuuieck der Nachbarn auf die hmtzjcye Wohn­ung gclcntt. Man h^rte ein lautes Stöhnen uno Röcheln. Die Polizei wurde alarmiert uno die Wohnung gewalt.am geöffnet. In dem einen Bett sand man H. noch lebend, die jiedjte hieck tramp,yasi eine Tasse umspannt, aus der er, wie der Geruch alsbald verriet, Lysol geUunten hatte. Mn das Gesicht beoectenbes Pflaster zeigte, als man es ab nahm, an der Stirn eine Schußwunde. In dem andern Bett tag seine Frau. Als man dre Decke auseinander­schlug, sah man eine fast in Verwesung übergegangene Reiche. Eine Schußwunde an der Schlafe verriet, welchen Todes die junge Frau gestorben. Die Eltern der Erschossenen bellagcn den Tod ihres einzigen Kindes.

* Charlotten bürg, 16. Nov. Auf Anregung des Kaisers ist die Bismarckslraße beträchtlich verbreitert worden; sie bildet einen Teil der Töberltzer Heerstraße, welche in gerader Linie vom Brandenburger Tor durch den Grüne­wald zum Döberitzec Exerzierplatz fährt. Nunmehr liegt beim Magistrat der Antrag vor, den Siamcn ,Bismarck- strciße" in ,Ka iserda mm" umzuwandeln. Unter welchem Einfluß dieser Antrag der Behörde unterbreitet worden ist, läßt sich vermuten; sicher aber ist, daß breite Kreise dec Be­völkerung für die Notwendigkeit der Umbenennung fein Ver­ständnis besitzen. Diese werden vielmehr eine gewisse P ie tätl i>s l g leit barm erblicken, wenn die Erinnerungen an den großen Kanzler in ganz überflüssiger Weise getilgt werden sollen.

* Kleine Tageschronil. Wegen Verbrechens gegen das keimende iZcben wurde inBerli n die Wederswilwe Erma Wllljcher verhanel. Eine Fabrikarbeiterin aus Friedrichsberg erkrankle plötzlich und starb nach 24 Stunden. Dre Obduktion der Leiche des Mäd- chens ergab, daß ein Verbrechen gegen das kemiende Leben vorlag. Bel einer Durchsuchung des Zimmers des Aiädchens fand die Kriminalpolizei tn der Handtasche einen Zettel mit der Adresse der grau Wlllscher. Diese wurde daraushm beobachtet und iestgenommen, nachdem sich der Verdacht besläligl Hane. Tie bekannte Tän­zerin O l e r o wird sich nut einem reichen Engländer verhei­raten. Tie Hochzeit soll in 14 Tagen stanstnden. In der Hlähe des BahnhoseS von Bordeaux wurde aui den Geleisen der Ge» jchäslsreisende Gallicheau, lebensgefährlich verletzt und bewußtlos auigeiunden. Gallicheau ist ziveiiellos einem Raubanialte zum Opier gefallen. In dem Wagenablell, in dem sich seine Koffer befanden, wurden Spuren emes heftigen Kampfes wahrgenommen. Tie Einwohner von A s ch w i 11 e m Kalifornien veriotglen eine Bande von Negern, die zahlreiche Räubereien begangen und eine wahre Schreckensherrschaft eiablut Halle, und hallen einen Kamps nut ihnen zu bestehen. 5 weiße Männer wurden ge­lötet und 3 verivnndet Bon den Negern ivnrden 3 0 gelötet.

Verbrecher in die Hände gesallen war. Gribbm wurde wegen Diebstahls und Einbruchs zu einer mehrjährigen Geiangnisslraie verurteilt, und die Gallm erwirkte üir den un Ge'ängnis sitzenden verschiedene Vergünstigungen, ließ sich aber von ihrem Manne cheiden. Da Gribbin ihr Vermögen durchgebracht baue, nahm die Angeklagte in einer Kapsiadler Bar eine. Stellung als Verkäuferin an. Jnzwncven wurde Gribbm aus dem Gemngnis entlaßen. Er erst ihr die 'Adresse seiner Fran und bedrohte sie wiederholt nut dem Tode. Enics Nachts begehrte er Einlaß m die Wohnung seiner Gattin und zertrümmerte, da ihm nicht geöfsitet wurde, nut der Axl die Tür. Frau twndcaflle, die für ihr und ihres Kindes Leben 'nrck)lete, trat dem Wulenden nut einem geladenen Revolver ent­gegen und gab auch Jener, als (Sribbln nut der Axt am ne em- drang. Von einer Kugel ms Herz getroffen, sank der Angreifer lot zu Boden. Nach kurzer Beratung sprachen die Geschworenen Die unglullliche Frau frei. __

Zwieback mit Leise.

Wen überläuft nicht eine Gänsehaut, wenn er die Ueber- chrift lieft ? .

In Neuß war ein Kaufmann angeklagt, durch Zusatz von Seife einen sogenannten Zwtebackextralt vorsätzlich vermischt und die verfälschte Ware vorsätzlich m Verkehr gebracht zu haben. Ter Sestenzusatz war durch den beeidigten Gertchischenuler chemisch ieügcüellt und von dem Angellagien aitch angegeben worden mit dem Bemerken, daß dieser e i i e n z u j a tz z u v Herstellung von Zwieback ersorderlich niid allgenieiii rm Ge­be a u ch wäre. Ter Angellagte brachte eine Reihe von Zengen, beziv. S a ch v er st ä n d i g e n , die dies b e H ä 11 g t e n. Zn der Gerichtsverhandliiiig wurde fesigestclli, daß die ocue zur Er­sparnis von Eiern diente unö nur den Zweck hätte, die Margarine nut der Sene und Wasser zu einer honigarugen be­ständigen Maße zu verbtudetu Fmolge dieser Sachverstcuidigeli- AiiLjagen lam der Angellagte nut einer Geldstrafe davon, luuijicnö der Amtsanwutt Ge.ängnisstraie beantragt haue. In der llrteilsdegriiiidyng wuroe als stra intldernd angegeben, dag, luie Die Verhandlung ergeben hatte, die Veriäljchung durch Setieuzusatz leider allgemein üblich wäre, während als erschwerend in Betracht laute, dap derartig hergestellter Zwieback als Sanitäls- uiid Kinder- zIvlebackaIigepiieicn n'tnde.

uiiO L)erltehr, VolitouHrtjdjaft.

Standard O il - G ej el l j ch a 11. Llicht seit Dloiiaten, joiibem schon leit wett mehr als einem Jahr hat der Präsident der Vereinigten Staatoii des eueren gedroht, er winde unter den Trusl- gesellschasten eine fürchterliche 'JJiuiieutng hallen. Jetzt fchetnt er mit seiner Drohung ganz Ernst machen zu ,vollen. Die Wundes- icgieiuug Hal, wie duich das Kabel gemeldet wurde, em gericht­liches Veriahren zur Auflostitig der Standard Lil-Gesellschaft em- geleuet und es sind anch Gerlchtsbesehle beaiilragl, durch welche die Mitglieder des Cil--Lni|t daran verhindert werden sollen, unter irgend einer ^orm einen neuen Trust zu bilden. Tie Staatsbehörde Lytos hat serner 4 Haubesehle gegen Rockefeller und Genossen ausgestellt; dann verlangen sie die AuSlieseruiig der Angeklagten aiiS ailderen Staaten. Wir glauben zwar immer noch nicht, daß Herr Dioctefcller jetzt m Untersuchungshaft tonnnt; man wird ihn wohl gegen eine seinem Vermögen entsprechende Kautioii in Freiheit laßen, aber ernst wird jetzt seden'alls gemacht, ivenn auch die ^ldvolalen m Funktion treien unö für ihre reichen Klienten mit allen Fmeßen amerikauncher Gesetze bewaffnet, ihnen betsiel)en. Jedenfalls werden sich tue Prozeße erheblich in die Länge ziehen und schließlich wird vorausstchltich doch manches anders tommen, wie es letzt in der ersten Hitze des Gefechts angenommen wird. Lehr wahrscheinlich ist es aber, daß das Vorgehen gegen die Trusts an der Börje große Beunruhigung hervorruien wird. Einstweilen haben die Staiidard Lll-Akuen bedeutende Kursverluste ersahcen.

Märtie.

Gießen, 17. Nov. Marktbericht. Ans heutigemWochemnarkte kosteten: Butter pr. Pld. 1.151.25 Alk., Hühnereier 1 St. 910 Vfg., 2 Stck. 0000 Psg., Gänseeier OU00 Psg., Eineneter 0 Pfg., Käse pr. Slck. 68, Käsenialte 2 Stck. 5-6 Pw., Erbsen p. P'd. 18-24Psg., Linsen p. Pjd.25-40Pig., Tauben pr.Pr.0,801,00Alk., Hühner pr.«t. 1,001,60 Mk., Hahiie pr. Stück 0,801,80 Alt., Eliten pr. Stück 1,802,20 Alk., Ganse pr. Pfd.70 P,g., Lchsenfleisch pr. Pfd. 8288 Pfg., Kilh- niid Rindstelsch pr. Pfund 8082 Psg^ Schweme- sleijch pr. Pfund 90100 Pfg., Schwemesleijch, gejalzen, pr. Pfund 104 Psg., Kalbfleifch pr. Psd. 8490 Pfg., pannnelslelfch pr. Pfund 6080 Psg. Welsche per PfundKartoffeln pr. 100 Kg. 6,007,00 Mk., ZwiebeUl pr. Ztr. 4,005,00 Alk., Alilch per Liter 20 Pfg., Aepiel per Zentner 15 bis 24 Alk, in Körben 00 Pfd^ Nüsse 100 Stück 8040 Psg., Birilen per Pfd. 'Mk. 0.080.12, per Ztr. 915 2)1 L, Weißkraut per Stück 812 Pfg., per Zentner 2)tk. 2.202.60. MarltzeU 62 Uhr.

U Ölarburg, 15. vloo. Auf dem heutigen S ch w e i n e- m arkt gewann man den Eindruck, daß^ die Preise, hauptsächlich iür Ferkel, im Sinken begriffen sind. So wurden 46 Wochen alte Ferkel das Paar zu 2025 Alk. und größere, Läufer, zu 50-90 Alk. verkauft. Für Mastschweine bezahlte man pro Stück 140160 Alk. je nach Größe und Qualität. Die Zufuhr betrug 1146 Stück. Tas Geschäft war anfangs flau, wurde jedoch später, als die Preise zurückguigen, noch recht flott.

Geriehtssaal.

[] Marburg, 16. Nov. Die Strafkammer ver­urteilte heute den 1885 in Frechenhausen im Streife Biedenkopf geborenen Bergmann Adolf Simon, dec am 8.Oktober gelegent­lich eines RekruienabschiedS den 17 jährigen Bergmann Henn tui5 Fahrlässigkeit durch einen Revolverschuß getötet hat, zu neun Al o n a t e n Gefängnis. Der 14jährige Alaurer- lehrling H. Wedel aus Lingelbach bet Alsfeld verübte ver­schiedene Diebstähle und sonstige Betrügereien. Das Gericht »er- nrteiUe den Burschen zu sechs Wochen (Seiängmä. Der 7 7jährige, bis jetzt noch unbestrasie Landwirt Konrad G e o r g e anS Rörs­hain hatte sich schließlich wegen falscher Anschuldigung zu oerant- ivorlen. ES Ijanöelt sich um einen Slrestsall mit einem Nachbar, den er der Mißhandlung beschuldigt halte. Tas Gericht ertannte nach Lage der Sache auf Freijprechu n g.

Wer d a r | s i ch ,A r ch 11 e k t" nennen? Da§ preußische Kammergericht hat die Frage, wer^sich .Archilekt" nennen darf, dahnr enljchieden, daß '"chl jeder Techiiller das Recht Hal, sich Architekt zil nennen. Die Berechtigung zur Führung des Titels jetzt akademisches Stiidium unö jelbstänöige Tätigkeit voraus.

Schaöe >iersatz für Ehebruch. Nach einer Melöung aus Lonöon ist dort eine reiche englische Erbin, die ihren Gatten Guy öe Maupas, einen Enkel des PolizeimmisierS unter dem zwettcn Kaiserreich, mit einem Taugenichts namens Tickjon hinter- gangen hatte, unter Ausspruch des Lcheiöungsurtetls zu 200,OuO M ä r k Schadenersatz oeruiteili worden.

Eine Gatte nmörde rtn sreigesprochen. Eine romantische Geschichte wiube dieser Lage bei einer SchwurgerichtS- Derljanölung in Kapstadt ansgerollti Bor den Geschworeneii hatte sich Frau Valetta Agnes Laitdcastle wegen GanenmordeS zu ver- Qntroorten. Tie Angeklagte war m ersier Ehe mit einem Farmer verheiratet. Tas Eyepaar siedelte^ von Amerika nach Südafrika über, wo der Aiann |iaxb uni) die Frau mit einem noch inajt zwei Jahre alten Kinde zurückließ. In Kapstadt lernte Frau ^anöcafile einen angeblichen Kaustnann Gribbm kennen, der sie zii einer Heirat zu bewegen verstand. Bald mußte sie aber emjeheil, daß sie einem

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank ftir Handel und Industrie. Giessen.

Frankfurter Börse 3^e/0 Beicheanleihe . . 98.00 3% do. . . 86.75 SH/» Konsols . . . * 98.05 3% do. * « » . 86 45 3X°/0 Hessen.....97.10

3>j6/0 Oberhessen . . .. 4% Oesterr. Goldrente. . 99.80 4*/8 % Oesterr. Silberrente 100.00 4% Ungar. Goldrente . . 95.25 4% Italien. Rente . . . 102.90 3-L Portugiesen Serie I . 69.20 3% Portugiesen III 69.50 4>jefe russ.Staatsanl. 1905 89.05 °o japan. Staatsanleihe 93.95 4 96 Conv. Türken von 1903 94.50 TGrkenloso......146.50

4% Griech. Ilonopo]-Anl. 52.40

4% äussere Argentinier . 89.50 3°/0 Mexikaner . . 67.40 4>iv/0 Chinesen .... 96.50 Aktien:

Bochum Guss..... 238.20

Buderus E. W .... 125.40

Tendenz: fest.

Berliner Börse, 17.

Cauada E. B......178.90

Darmstädter Bank . . . 138.50 Deutsche Bank .... 239.10 Dortmunder-Union C. . . 819u Dresdner Bank .... 155.20 Tendenz: sehr fest.

17. November, 1.15 Uhr.

Elektriz. Lahmeyer . - - 140.00

Elektriz. Schuckert . . . 124.50 Eschweiler Bergwerk . . 242 4) Gelsenkirchen Bergwerk . 224.20 Hamburg- Amerik. Paketf. 150.50 Harpcner Bergwerk. . . 214.20 Lanrabütte ...... 246.00 Nordd. Lloyd.....126.80

Obeischles. Eisen-Industrie 126.50

Berliner Handelsges . 171.00 Darmstädter Bank . . . 139.15 Deutsche Bank . . . 238.90

Deutsch-Asiat Bank . . 171.00 Diskonto-Kommandit. . . 183.20 Dresdner Bank . . . 155.60 Kreditaktien.....212.20

Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn . . . 121.80

Gotthard bahn......

l/ombard. Eisenbahn . . 34 20 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.30 Prince-Henri-Eisenbahn . 148.00

November. Anfangskurse.

Harpener Bergwerk. . . 214.20 Lanrabütte..... 246.00

. oinbarden E. B. .... Sordd. Lloyd.....126.40

Türkenlose . .....