Ausgabe 
2.10.1906 Erstes Blatt
 
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Nr. 231 Erstes Blatt

158. Jahrgang

Dienstag 2. Oktober 1906

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger w

Amiz- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

VezngspretSr monatlich7bPf., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Dlk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnliininee bis vormittags 10 Uhr, ZeilenpreiS: lokal 12Ps^ auswärts 20 Psg.

Verantwortlich für den polit. und attgem. Teil: P. Wittko: Mr Stadt und Land' und Gerichtsfaal": Ernst Heß; für den An­zeigenteil: HauS Beck.

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesflschen Landwirt die Gießener Familien- blätter viermal in der I Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'fchen Univers.-Buch-u.Stein- druckeret. R. Lange. Redaktion, Erpedtttoa und Druckerei:

Schnlstratze 7.

Redaktion 112

Verlag u.6$peb.e^51 Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

Are heutige Nummer umfaßt 8 Seiten.

politische Lage-schar».

Keine neue Militärvorlage!

Gestern wurde uns aus Berlin gedrahtet, daß eine neue Militäroorlage bevorstände. Heute lesen wir dagegen in der Tägl. Rundschau":

Wir können auf Grund von Erkundigungen an unterrichteter Stelle Mitteilen, daß die Nachricht in jebev Beziehung unzu­treffend ist. Durch das Gesetz über die Friedensprasenzstärke des deutschen Heereö vom Jahre 1005 ist die Präsenzstärke bis zum 31. März 1910 festgelegt und niemand denkt daran, innerhalb dieser Zeit Steuformalionen zu beantragen, die mit der gesetzlichen Fest­legung in Widerspruch ständen. Wohl aber dürfen, wie in jedem Jahre, auch im nächsten Etat Neuforderungen für Öl a t e- r i a l, z. L. für Automobile, Maschtnengewehreu.s.w., erfcheinen.

Auch andere Berliner Blätter, wie dieDtsche. TageSztg.", stellen die gestrige Nachricht in Abrede. Da das offiziöse W. T.-B. im Wortlaut die Meldung derTägl. Rundsch." seinen Abonnenten mitteilt, so gilt dieses Dementi als halb­amtlich,

*

Die Regsamkeit des wirtschaftlichen Lebens an der Wasserkante zeigt sich in Neugründungen mit einem Gesamtarbeitskapltal von 18 Millionen Mark. Es entfällt zum größeren Teil auf eine Gesellschaft, die an der Unterweser die Er­richtung eines Hochofen wertes, verbunden mit Stahl­walzwerk, plant, um Roheisen für Exportzwecke und Stahl für den Schiffbau herzustellen. DieNationalztg." bezeichnet mit Recht als das am meisten bemerkenswerte Moment die Beteiligung süddeutscher Finanzkreise an dieser Gründung, der sich bei deni billigen Bezüge von Sohlen und Eisenerzen auf deni Seewege ohne Zweifel gute Aussichten eröffnen. Die Ostsee ist der Nordsee hier insofern voraus, als in Stettin ein Eisenwerk bereits seit mehreren Jahren tm Betrieb ist, und zwar durch­aus mit dem erwarteten Erfolg. Das Hochofenwerk Lübeck befindet sich allerdings noch ebenso im Bau, wie das Emdener Hohenzollernwerk, dem ganz speziell eme günstige Zukunft vorausgesagt werden kann, weil die Interessen der Stadt Emden besondere Förderung seitens der preußischen Regierung erfahren.

Es ist eine natürliche Begleiterscheinung dieses industriellen Zuges nach der Wasserkante, daß sich die Chancen der In­dustrialisierung des Ostens verringern. Entsprechende Unter­nehmungen dort könnten mit denen des Westens jetzt erst recht nicht konkurrieren, weil die Existenzbedingungen für erstere immer ungünstiger werden, auch die Arbeiterschaft wohl vorziehen würde, an der Wasserkante Wohnsitz zu nehmen, wo höhere Löhne gezahlt werden und das Leben vielgestaltiger ist. Eine weitere Folge der zunehnienden In­dustrialisierung der Wasserkante dürfte die Abwanderung von Polen in diese bisher rein-deutschen Gegenden sein, woraus sich für die Regierungen der Hansastädte die Not­wendigkeit ergäbe, zur Polenpolitik Stellung zu nehmen. Der preußische Staat kann im Interesse des Ostens an diesen industriellen Verschiebungen nicht vorübergehen. Er muß tunlichst ausgleichend wirken durch Besserung der dortigen Verkehrsmittel, namentlich durch Ausbau des Kanalnetzes. Slur durch Herrichtung billiger Wasserwege ist es beispielsweise möglich, der recht beachtenswerte Entwicklungs­keime zeigenden ostelbischen Braunkohlenindustrie die Zukunft zu erschließen.

Eine weitere Neugründung an der Wasser­kante betrifft das Gebiet der Rhederei. Das seit gerauiner Zeit geplante Konkurrenzunternehmen gegen die Wörmann- Linie wird nunmehr durch eine Vereinigung von Hamburger und Bremer Firmen ins Werk gesetzt nut einem Kapital von

6 Millionen Mark. Es handelt sich um eine Hamburg- Bremen-Afrika-Linie. Diese gibt bekannt, daß ihr seitens der Reichsregierung das weiteste Entgegenkommen zu­gesichert wurde, namentlich Berücksichtigung bei amtlichen Transporten. Die neue Gesellschaft, die Anfang 1907 den Betrieb aufzunehmen gedenkt, will unter Anlaufen von Rotter- dam und Antwerpen eine nördliche Linie nach Senegal und der Goldküste, eine südliche nach Lagos und Kamerun einrichten. Die beteiligten Kreise legen ferner Wert darauf, zu betonen, daß ihr Unternehlnen keineswegs eine feindselige Tendenz gegen die Wörmann-Linie trage. Das braucht auch nicht der Fall zu sein, denn der Warenaustausch zwischen Europa und Westafrika ist umfangreich genug, um einer neuen Rhederei Gelegenheit zu lohnender Betätigung zu bieten. Eine Monopolstellung hat die Firma Wörmann zurzeit un­streitig, und sie mußte ihr zufallen, weil keine andere deutsche Rhederei in kritischer Zeit zum Wettbewerb bereit stand. Aber ein verbrieftes Recht auf Schutz gegen Konkurrenz steht der Firma Wörmann ebensowenig zur Seite wie irgend einer anderen Schiffahrtsgesellschaft. Auf dem blauen Waffer gilt dasfreie Spiel der Kräfte", und erst der Wettbewerb schafft erfahrungsgemäß die angemessenen Preissätze für die See- frachten und Landungsgebühren.

Deutsches Reich.

Berlin, 1. Oct. Der ^uientijau uc» Kaiserpaares und der Prinzessin Viktoria Luise in Rom int en ist bis Freitag morgen verlängert worden.

Die International Law Association ist für Mittwoch zur Frühstückstafel im König!. Schlosse zu Berlin geladen. Geladen sind insgesamt 150 Personen, dar­unter auch der Reichsbankpräsident Dr. Koch, der Direktor des Reichsjustizamts Hoffmann, die Präsidenten der Han­delsvertretungen Geh. Rat Herz und Stadtrat Kaempf, Landgerichtsrat Dove und Pros. Dr. Apt. (Diese Nachricht steht in seltsamem Wider sprach zu der obigen. D. Red.)

Für jdfie Oktoberreisen des Kaisers nach Schloß Meer holz und Villa Hügel bezw Bonn ist das folgende Programm festgesetzt worden: Der Kaiser trifft am 14. d. M. auf Meerholz ein zur Teilnahme an der Hochzeit des Prinzen Albert zu Schleswig- Hol st ein mit der Gräfin Gertrud zu Isenburg- Büdingen. Am Abend erfolgt die Weiterreise nach Hügel bei Essen a. R., wo am 15. d. M die Hochzeit des- sandtschastsattachees v. Bohlen und Halbach mit Fräulein Berta Krupp stattsindet. Von Hügel begibt sich der Mon­arch an demselben Tag<e nach Bonn, wo die Antunst am 15. d. M. erfolgt. Am 16. wohnt der Kaiser der Ent­hüllung des dortigen Kaiser Wilhelm-Denkmals bei und kehrt dann nach Berlin zurück. Es ist nicht ausgeschlossen, daß, der Monarch dem Reichskanzler in Homburg einen kurzen Besuch abstattet. Die für den 16. Oktober geplant gewesene Immatrikulation des Prinzen August Wilhelm von Preußen an der Un,iversität Bonn ist ver­schoben worden. .Von anderer Seite wird gemeldet: Der Kaiser wird am 13. Oktober zu einem Besuche seiner Schwester und seines Schwagers, des Prinzen Friedrich Karl von Hessen, nach Cronberg kommen und in Schloß Fried- richshof Wohnung nehmen.

Der Landwirtschafts Minister v. Podbielski wird jetzt von dem antisemitischen Reichstagsabg. Raab in einer Flugschrift alsMustermensch" geschildert. Dieser sagt u. a. wörtlich: r. <

Ich möchte aussprechen, daß mir der Minister Pod­bielski, wo ich ihn auch nur beobachten tonnte,' immer aufs Beste gefallen hat. Diese frische, un­besorgte Art sagte mir so zu. Und ein kluger Ker l ist Pod, obgleich bei ihm nichts den Eindruck ergrübelter Wissenschaft machte! Ich habe oft gewünscht, daß doch alle Minister so sein möchten, wie er war. Postbeamte und Landwirte waren und sind mit ihm zufrieden. Bloß diekorrekten" Leute, von denen es zurzeit unglaublich viele geben muß, sind es nicht."

Der kommandierenoe General des 8. (rhem.) Armee­korps, v. Deines, wird im Dezember von seinem Posten zurücktreten. Sein Nachfolger wird der Kommaw deur der 15. Division in Köln, Generalleutnant v. Plötz.

Die Generalversammlung der deutschen Mittel st andsvereinigung wurde am Sonntag hier eröffnet. Obermeister Raharot-Berlin referierte über W ahl- und Organisations fragen. Es soll dahin gewirkt werden, daß möglichst alle bürgerlichen Parteien eine Unterstützung der Sozialdemokratie sei natürlich ausge- schlosfen oie Forderungen des Mittelstandes anertennen und sich ihnen fügen. Der Redner empfahl, die einzelnen bürgerlichen Kandidaten auf ihre Stellung zu den Fordere ungen des Mittelfrandes zu prüfen. Die Parteien aver, die bisher schon den Bestrebungen des Mittel>randes aufftellen. Wo keine Kandidaten für die Forderungen des Mittelstandes Wohlwollen gezeigt hätten, sollten in Zukunft Kan­didaten aus den Kreisen des Mittelstandes aufstellen. Wo leine Kandidaten für die Forderungen des Mittel,landest zu gewinnen seien, sollen von der Mirielftandsoereinigung eigene Kandidaten ausgestellt werden. Der Redner charar-, terifierte die Mittelstarwsoereinigung als eine wirft chaft^ liche.Vereinigung, unaohangl-g von allen bestehenden burgeri lichen Parteien. In der Debatte fanden oie Grund soroer^ ungen Ra Hardts allgemeine Zustimmung. Im Alftchlitß hieran wurde ein£ Resolution angenommen, wonach über Wahl fragen allein der Arbeitsausschuß zu enftcheiben hat.

Weimar, 1. Okt. Der christlich-soziale Par­teitag wurde heute abeno durch Sröcker nach einer großen Koloniaireoe des Kaufmanns Victor-Bremen g e f a; i o ,) e n. Als nächster Tagungsort wurde Elberfeld gewählt.

Hannover, 1. Otr. Die Anti-Duelr-Liga hält,, wie der Vorsitzende Karl .Fürst zu Löwenstein mitte ul, ihre diesjährige Generaloer,ammlang am <. Oktober hiep ab. In der öffentlichen Sitzung sprechen u, a. Dr. med. Kolb aus Darmstadt überEhrenräte und Ehren-, gerichte", Staatsanwalt Belin aus oiuitgart überdie Rot-, ioenOigte.it des Anschlusses aller Gesinnmlgsgenossen an die Liga, damit sie ihre durch die Satzungen gestellten Ausgaben erfüllen tonnen".

München, 30. ^ept. Die heutige .Verhandlung des deutschen Volts Parteitages begann mit einer Rede des prenßftchen LäridtagKabg. Oeser über die liberale; Einigung. Er schilderte die Fortschritte der Bewegung, empfahl das von dem geutischten Ausschuß verschiedener! Parteigruppen der Linken ausgestellte Miudestprogramm und, forderte als weiteren .Schüft die Ermächttgung sür den Parteioorstaiid, Vertreter aller liberalen Richtungen ein-, zuladen, um weiteres zu besprechen, sowie die etwaige Organisation eines ZenlralausfchufseS der Linken für die Wahlen 1908. Der Parteitag genehmigte diese .Vorschläge. In der Debatte wurde besonders betont, daß auch der Anschluß nach links gehalten werden müsse,. zur So­zialdemokratie, nach badischem Mockmuster. Es folgte ein Referat Konrad Haußmanns über politische Desorgani­sation, das als Flugblatt veröffentlicht werden soll. Es richtete sich gegen Poobielski und Deimling, sowie gegen die kaiserliche Schwarzseher-Rede und forderte Mitarbeit und Mnwejtimmiing der Politik durch das Volk. Darauf wurde die Beratung des demokratischen Ge­meindeprogramms fortgesetzt. Der Entwurf des Aus­schusses wird in fast allen Teilen mit geringfügigen Aenderungen angenommen. Als Vorort und nächstjähriger Parteitagsort wird Karlsruhe gewählt und die Wahl der Ausschüsse vollzogeu. Den Schluß bildete ein Referat Prof. Quid des über die auswärtige Politik, die vom Volk beeinflußt werden müsse, damit man nicht in ständige gefährliche Konflikte durch sprunghafte Launen verwickelt werde. An die .Verhandlungen schloß sich em" gemeinsames Mahl mit Reden Quiddes, Wedels, .Venedeys und Payers.

Aolonialpoft.

Berlin, 2, Okt. In bem D isziplinarverfahren gegen den Gouverneur z. D. Horn, das nunmehr förmlich

KolksLunsttag.

R.B, Lichtenberg, 1. Okt.

Aus Anlaß der Kunstausstellung im hiesigen Schlosse fand Sonntag nachmittag in der ehemaligen Schloß- läpelle der 2. Voltskunsttag des Rhein-Maili-Berbandes statt, zu dem die delegierten und Vertreter der verschie­denen Volksbildungsvere,ine ans dem Verbands kreise, so ans Frankfurt, Offenbach, Worms, Gießen, Butzbach usw. ge- tommen waren. Die zurzeit in Heppenheim stattfind ende Volksatademie, die zum Studium der Heimatkunst einige Tage hier verweilt, war in corpore zugegen. Na­mens des Verbandsvorstandes begrüßte Dr. Sinsheirner die Versammlung. Ec führte aus, daß der Verband sich früher auf die Städte beschränkt habe. Er sei aber zu der Erkenntnis gekommen, daß, um die Volksbildung wirk­lich erfolgreich zu verbreiten und die Gegensätze zwischen Stdat und Land auch in dieser Hinsicht abzumildern, die Volkskunst auch auf das Land hinausgetragen werden müsse. Wie hie vom Verband gegründete Vollsakademie, so soll auch die hier üeranftaltete Heimatskunstausstellung zur Erreichung dieses Zweckes dienen. Das bisherige Mit­glied der Darmstädter Künstlerkvwme, Dr. Grerner, hielt darauf einen sehr instruktiven Vortrag über das Thema: Kunst 'und Volk". Man sage, daß das Volk kein Kunst­verständnis iulO auch fein Kuustinteresse habe. .Das sei leider in vieler Hinsicht zutreffend. In früheren Zeiten war es anders, besonders in der Zeit der Gothik war die Kunst in Deutschland überall eng mit dem .Volksleben ver­bunden. In den letzten Jahrzehlcken habe Has künstlerische öwer einen ungmem^i. ÄuMwung genommen,

aber die iscyulv Daran, oag rrohoem noch so wenig Kunst­verständnis im Volke herrsche, trage die Erziehung in Schule und Haus, weil sie für das Verständnis der Kunst nicht die richtige Anregung böten. Redner beklagt bann, daß der Künstler in seinen Werken so oft nicht verstanden werde, daß das Publikum nicht wisse, was den eigentlichen Wert des Kunstwerks ausmache. In der Jugenderziehung werden weder Farben- noch Formensinn gepflegt, sie sei noch immer nur Verstandes- und Gedächtnissache, Gemüt und Sinn für Natur würden als Aschenbrödel behandelt. Wie viel auf einzelnen Gebieten der jiUnft geleistet werden könne, zeige sich ui der Musik, die längst in alle Völks- kreise drang und barüi gepflegt wird.Es ist fein Ort heut mehr zu klein, Gleich hat ernen Gesangverein." (Heiterkeit.) Redner legt nun den erzieherischen Wert der Kunst näher dar und führt aus, daß tatsächlich bie Kunst ein Grabmesser bes Geisteslebens eines .Voltes jei unb sich im Kunstwesen beutlich unb klar bet Charakter unb bas innere Volköwesen wiberspiegeln, im Gegensatz zur Wissen­schaft, bie mehr international sei. Zum Schluß weist Redner noch auf ben reichen Schatz der deutschen Kunst in den früheren Jahrhunderten hin und weist rcach, daß die Kunst auch ein mächtiger Kulturfaktor sei. Es fei deshalb eine schone Aufgabe, dem Volt das Verständnis dafür zu er­schließen. Das müsse ober durch die Vorführung von Ori­ginalarbeiten, nicht durch die Äussteltung minderwertiger Reproduktionen geschehen. Der Verband sollte neben der Errichtung von Volksbibliotheken auch gute Kunstblätter dem Volte zugänglich machen unb eine gute allgemeine und billige Kunstzeitschrift ins Leben rufen. (Lebh Beifall.).

Aer GeschäftsWrer, Lehver. V-crlk-Osftubach, betont,

daß bie vom Veto and ins ~eoeii gerufene Zander-Kunst­ausstellung bis jetzt in 10 Orten gezeigt wurde. Nur in zwei'Orten sand sie wenig Anklang und das waren nahe der Großstadt gelegene. Der Verband wolle die Dummen nicht weise machen, sondern den Voltskreisen, die das Ver­langen nach BÜdung und Schönheit haben, fördernd unter die Arme greifen.

Herr Schlosser-Frankfurt schlägt vor, billige, gute Kunstblätter eingerahnw durch die Schulkinder in die Fa­milien einzuführen, und badnrch die scheußlichen 'Repro­duktionen nach Art der Neuruppmer Bilderbogen zu ver­drängen.

Dr. Greiner empfiehlt, zu erwägen, ob sich nicht auf dem Wege der Kolportage mit guten Bildern Erfolge erzielen ließen. Geschäftsführer Volk bemerkt, daß der Verband sich bereits mit dem Gedanken einer Bücher- unb Bildertolportage besaßt habe, in bem Sinne, baß bamir auch einer Anzahl JnoMden Beschäftigung geooten werden könnte. Rach weiterer Debatte schloß um öy» Uhr der 2. Volkskuusttag, an ben sich eine Berechtigung der Kunst­ausstellung anreihte. Am Abend fano im Saale bes Herrn Schellhaas eine vom Volisoiidungsverein zu Niedern­hausen veranstaltete musikalisa)-detlcrmatorische Ab end- Unterhaltung statt, bei der sich der gemischte Chor des Vereins unb sein Dirigent, Herr Lautenschlager, burch schöne Gefangsvorträge auszeichneten. Bei dem herrlichen Sonnenschein hatten fich geftern mehr als 1000 auswärtige Gäste in Lichtenberg eingcjunben von denen zirka 6o0 die 'Kunstausstellung besuchten.