Leben der Völker gewinnt. Ms Sie daran erinnerten, daß wir UnS bemüht haben, unsere Handlungen dem anzupafien imd daß bk meisten von Ihnen m ihrer Erinnerung Momenten begegnen, h? denen die Beziehungen ihrer Länder zu Frankreich dadurch eine glückliche und nutzbringende Entwickelung gesunden haben, da find mir Ihre beredten Auösübn-ngen recht m verzen gegangen.
j)arlamerrtarrsches aus Hessen.
5)ie nunmehr am 28. Februar zur Erledigung ihrer um- fanarcicheu Aufgaben definitiv zusainmentretende zweite Kammer wird, wie üblich, nicht sofort mit der Etatsberatung beginnen, sondern vorerst eine ganze Reihe anderer Gegenstände erledigen. An erster Stelle steht auf der Tagesordnung die Regierungsvorlage betreffend den Anschluß der Stadt Bad-Nauheim an das staatliche Elektrizitätswerk Bad- Nauheim. Der Antrag der Regierung geht dahin, zu genehmigen, daß zur Ausgestaltung der zu errichtenden Maschinenzentrale und zum Anschluß der Stadt Bad-Nauheim an das staatliche Elektrizitätswerk außer dem bereits bewilligten Betrag von 924400 Mk. weitere 75 600 Mk. im Wege deS Staatskredits flüssig gemacht werden. Für diese Vorlage hat die Regierung die Dringlichkeit beantragt, damit der Betrieb der neuen Zentrale schon mit Beginn der diesjährigen Zurzeit ausgenommen rverden kann. Weiter kommt dann in der Kammer die Auflage Bähr in betreff des Vorgehens der Staatsbehörden bei Untersuchung des Kindesmordes in Hergerts hausen zur Besprechung, worauf die Auflagen wegen Verseuchung deS Mainstromes, wegen Verunreinigung der Weschnitz und wegen Verlegung der Eisenbahnwerkstatt von Kastel von der Regierung beantwortet werden sollen. Dann ist noch eine Reihe anderer Anträge verschiedener Abgcord- neten, ferner Vorstellungen :c. auf die Tagesordnung gesetzt, sodaß die Beratung des Haushaltsetats voraussichtlich erst am 6. März ihren Anfang nehmen wird.
Der Finanzausschuß der ersten Kammer tritt am Dienstag, den 20. Februar, vormittags 10 Uhr zur Beratung des Staatsvoranschlags zusammen. Am Nachmittag desselben LageS findet dann cme gemeinsame Besprechung der Finanzausschüsse beider Kammern über den Etat statt.
Aus uns Land.
Gießen, den 19. Februar.
•* Der imvorigenJahrebegründeteMarburg- Gießen er L. C. (Vereinigung Loburger Landsmannschaften) veranstaltete am Freitag abend hier seinen 1. Festkommers. In dem in den Farben der Landsmannschaften reich geschmückten Saale des Neuen SaalbaueS hatten sich außer den beiden Marburger Landsmannschaften Haffo-Borussia und Haffo-Guestphalia, der hiesigen Landsmannschaft Darmstadtia eine große Zahl geladener Gäste n. a. Se. Magnifizenz der Rektor und einige Profefforen, Vertreter der Provinzialdirektion und des Offizierkorps, sowie zahlreiche auswärtige Lands- mannfchaftler eingefunden. Dem Begrüßungsworte des 1. Chargierten der präsidierenden Landsmannschaft Darmstadtia reihten sich verschiedene Reden und Toaste an; es sprachen u. a. auch S. Magn. der Rektor, Herr Profeffor Biermann, Kreisamt- manu Hechler, der Vertreter des Offizierkorps usw. Ein reicher Damenflor folgte von der Tribüne aus dem Treiben des Kommerses. Wie der jährliche .ReichskommcrS^ der Gießen- Marburger Burschenschaftler zeugt auch diese Veranstaltung von den freundschaftlichen Beziehungen der beiden Nachbaruniversitäten.
•• Unbestellbare Postsendungen. Bei der Ober- Postdirektion in Darmstadt lagern folgende Sendungen, deren Absender vielleicht zu unseren Lesern zahlen, als unbestellbar: Post- anw. über 113 Mk. 94 Pfg. vom 21. 1. 05 aus Lau b a ch nach Hungen, Empfänger unbekannt. Einschreibbriefe aus Friedberg an Frau Wilhelmine von Glahm in Halle (Saale) vom 24. 6. 05 und aus Bad-Nauheim an Mme. Turasow in St. Petersburg vom 22. 7. 05. Gew. Brief mit einem Fünfmarkschein ans Bad-Nauheim an Frl. Job. Büttner in Berlin N. 0. Posenerstr. 11 vom 21. 4. 05. Gew. Packet aus Vilbel (Main- Weserb.) an Karl Eckhardt in Rennerod vom 4.5.05, aus GießenI. an Konrad Naumann in Mainz, postl. vom 5. 6. 05, und au? Vilbel (Main-Weserbahn) an Peterßen in Gießen vom 9. 7. 05. Die zur Empfangnahme der Gegenstände Berechtigten müssen sich binnen 4 Wochen bei der Ober-Postdirektion melden, widrigenfalls die Postanweisungsbeträge und die in den Sendungen enthaltenen oder durch Versteigerung des Inhalts erlösten Geldbeträge der Post-Unterstützungskasse überwiesen, die Briefe aber vernichtet werden.
R.-B. Darmstadt, 18. Febr. In dem Konflikt zwischen dem Rektor der Technischen Hochschule und der Studentenschaft wegen der konfessionellen Verbindungen ist in der allgemeinen Studentenversammlung heute nachmittag eine vorläufige Verständigung erzielt worden. Es wird eine beiderseitige öffentliche Erklärung erfolgen. Der Rektor erklärt, daß er die von der Studentenschaft beanstandeten Reden auf dein Kommerse nicht als Vertreter des Senats, sondern nur für seine Person gehalten habe. Erfinde die darüber entstandene Erregung begreiflich und er würde die beanstandeten Worte nicht gebraucht haben, wenn er über die Stimmung in der Studentenschaft genügend orientiert gewesen wäre. Die Studentenschaft bemerkt dagegen, daß sie von dieser Erklärung Kenntnis nimmt. Sie habe bedauerlicherweise infolge der Reden des Rektors die in der flühercn allgemeinen Versammlung be- schloffene Resolution zu scharf abgefaßt, wie sich auf Grund der Verhandlungen mit den Vertrauensmännern ergeben habe, und gebe zu, daß sich der Rektor dadurch verletzt fühlen konnte. Dagegen verharrt die Studentenschaft nach wie vor bei ihrer ablehnenden Haltung den konfessionellen Verbindungen gegenüber. Nach diesen Erklär- ungen ist zwar eine Aussöhnung zwischen dem Rektor — mit dessen Haltung auch die meisten Professoren nicht einverstanden waren — und der Studentenschaft erfolgt, die Frage der Zu- laffung konfessioneller Verbindungen an den Hochschulen aber noch lange nicht entschieden.
DeurscyexAeichstag.
(46. Sitzung vom 17. Februar.)
In dritter Beratung wird debattelos der Gesehcntumrf betr. Ausgabe von Reichsbanknoten zu 50 und 20 Mark definitiv genehmigt. Sodann wird die Etatberatung, Etat des Reichsamts des Innern, Kapitel NcichSgesundheitsamt
&ue (Soz.) fragt an, ob etwas in Oberhausen gegen die dort anfgetretene Genickstarre geschehen wäre. In gesundheitlicher Beziehung bedenklich seien die Arbeits-Verhältnisse in der Thoirmsschlackeiimühle. Die Zinkhütten-Verordnung von 1900 werde auf den schlesischen Werken nicht durchgeführt.
Abg. S ch m i o t - I m m e n st a d t <Ztr. / bittet die Negierung um strenge Handhabung des Marinegesetzes.
Abg. Dr. Paasche (nl.) plädiert für eine 'neckentsprechende Regelung der Geheimmittelflage.
8Dg Burkhard (chriftl. Soz.) verbreitet sich gleichfalls Wer das Geheimmittelwesen. Er fli der Regierung dankbar, daß sie dabei energisch vorgehe.
Abg. Wolff (wirtsch. Vg.) äußert sich über bie tyragc des Kleinverkaufs von Essigessenz,. ,
Abg. Frölich (Äntis.) bekämpft lebhaft den Impfzwang.
Abg. Tr. M n ll er-Sagan (fr. BP.) stimmt dem Abg. Paasche in der Geheimmittelflage zu.
Staatssekretär Graf Posadowskp erklärt, was zunächst die Genickstarre anlcmge, so verfolge das Gesundheitsantt diese Frage mit der größten Aufmerksamkeit. Aber die Bekämpfung dieser Epidemie sei Sache der Eiirzelftuaten. lieber die Wurmkrank- heit werde dem Hause irr den nächsten. Tagen eine Denkschrift zugehen. Diese lverde zeigen, bafr das Studium dieser Krankheit mit dem größten Ernst betrieben wird. In Angelegenheit der Essigessenz habe das Reichsgesundheitsamt eine Verordnung aus- aearbeitet, derzufvlge nur Flaschen nicht unter einem Liter verkauft werden dürfen und daß kleinere Gefäße nur loproz. Säure enthalten dürfen. Bon anderer Seite ist vorgeschlagen, man solle sich genügen lasten an der Vorschrift, daß die Essigessenz eine bestimmte Form haben soll usw. Eine Nachprüfung der Geheimmittelliste werbe von Zeit zu Zeit stattfinben. Es seien bie Aeußerungen der verbündeten Regierungen eingeholt worden und 600 Mittel für die Liste vorgeschlagen worden. Wenn eine eingehende Prüfung dieser Vorschläge erfolgt sei, werde eine gesetzliche Regelung stattfinden. Ein Entwurf sei schon int Reichsamt des Innern int Jahre 1904 ausgearbeitet worden. Derselbe unterliege jetzt der Berattwg der Ressorts. Wenn von den Polizeibehörden einzelne Mittel in bie Liste gesetzt worden seien, so sei dies unzulässig. Ein Viehseuchengesetz sei bereits fertig ausgearbeitet und könne sofort vorgelegt werden, wenn nicht der Reichstag mit Arbeiten überbürdet wäre. Was die Frage des Bleigehaltes von Gefäßen anlange, so müßte das Nahrungsmittelgesetz selbstverständlich so ausgeführt werden, wie die oberste Sachverständigen-Behörde es für richtig halte. Unser Impfwesen sei vollkommen auSgeftaltet, sodaß jede Gefahr aus- geschlossen evscheine. Das Jmpsgesetz habe sich ausgezeichnet bewahrt. Daß die Regierung jentals auf den Impfzwang verzichten sollte, hält der Staatssekretär für vollständig ausgeschlossen.
Abg. Liebermann von Sonnenberg (Antis.) plädiert für Beseitigung des Impfzwanges.
Präsident des Reichsgesundheitsamts Dumm verbreitet sich ausführlich über die Wurmkrankheit, die Frage des Bleigehaltes bei Gefäßen und auch über den Impfzwang, letzteren nochmals entschieden rechtfertigend.
Äbg. Frölich (Antis.) bekämpft nochmals den Impfzwang.
Abg. Paasche (nl.) will bie Geheimmittelliste nicht noch erweitern, fmtbem aufgehoben wissen, besonders im Interesse der Zeittingen und ihres Jnseratenwesens.
Staatssekretär Graf Posadowskp fuhrt aus, das beste Mittel gegen daS Geheimmittelwesen sei natürlich der gesunde Menschenverstand, aber das jetzige Verfahren, das übrigens einem früheren Wunsche des Reichstages entsprochen habe, habe sich durchaus bewährt.
Abg. S e m m l e r (nl.) fragt an, Wie eS mit dem Vorgehen gegen den Kunsthonig stehe.
Inzwischen ist eine Resolution Burghardt- Dahl ein (Ztr.) eingegangen, die Regierung zu ersuchen, schleunigst an- zuordnen, daß bie Herstellung und der Vertrieb von Bierkrugdeckeln aus einer Legierung von Zinn mit mehr als 10 proz. Bleigehalt nicht als unter das Gesetz vom 25. Juni 1887 fallend zu betrachten wäre, wenn die Deckelkrüge nachweislich zur Ausfuhr irach außerdeutschen Ländern bestimntt sind.
8lbg. Dahlem empfiehlt die Resolution.
Abg. Singer (Soz.) protestiert dagegen, daß das Haus etwa mit der Beschlußfassung über diese Resolution überrumpelt werden solle.
Präsident Graf BalleftreM legt Verwahrung dagegen eht, daß eine Ueberrumpelung möglich sei.
Nach langer Debatte, in welcher für bie Resolution Burghardt- Dahlem sich auch irod) Liebermann v. Sonnenberg und Müller-Sagan beide als Mitantragsteller eintreten, wird der Etat des Reichsgesundheitsamtes genehmigt.
Die Resolutionen Baumann und Stauffer zur W e i n f r a g e werden angenommen, lieber die Resolution Jäger ebenfalls die W e i n f r a g e betreffend und die Resolution Burghardt-Dahlem betreffend Metall-Legierung aus Bierkrugdeckeln unterbleibt einstweilen bie Abstimmung.
Beim Kapitel Patentamt erklärt auf eine Beschwerde
Staatssekretär Graf Posadowsky, das Patentgesetz könne nur den Patentanmelder schützen, nicht den Erfinder. Die Rechte des Erfinders müsse dieser lelbst gegenüber dem Anmelder wahren.
Beim Kapitel Reichsversicherungsamt verbreitet sich Abg. Körst en (Soz.) über Mängel der verschiedenen Ber- sicherungsgesetze in ihrer Handhabung. Die Krankenkassen mit Arbeiter-Verwaltung seien entschieden besser.
Abg. Erzberger (Ztr.) tritt beit Bemängelungen des Vorredners entgegen, namentlich als damit Vorwürfe.gegen das Zentrum verknüpft tonten.
Dbg. Dt. Wallau (ul.): Wenn man den Abg. Körften gehört hat, muß man glauben, daß in den Vorständen der Berufs- genossenschaften lauter Verbrecher sitzen. Solche allgemeinen Behauptungen kann man natürlich schwer widerlegen. Daß bie Berufsgenossenschaft, wenn der Unfall abgeheilt ist, nun zunächst den Mann untersuchen läßt, um die Rente festzustellen, das liegt in der Natur der Sache? (Abg. Körften ruft: Kann schneller geschehen!) In Hunderten von Fällen, wo der Anspruch klar zutage liegt, geht es auch sehr rasch. Wenn der FE aber zweifelhaft ist, dann muß er doch erst untersucht werden. Daß bie Schiedsgerichte in so massenmörderischer Weise arbeiten, ist stark übertrieben. Wenn beim Berliner Schiedsgericht 42 bis 46 Fälle an einem Tage erledigt werden, so will ich diesen Zustand gewiß nicht entschuldigen. Aber nicht alle diese Fälle nehmen besondere Zeit in Anspruch. In vielen Fällen kann der Vorsitzende von vornherein sagen. Weitere Rede ist nicht notwendig, weil die Rentenansprüme klar sind, schließlich ist doch auch der Beisitzer aus den Kreisen der Arbeitnehmer da, die dem Vorsitzenden in die Zügel fallen! können, wenn sie meinen, daß er zu schnell arbeitet. Also es wird überall mit Wasser gekocht. Dm Redner tritt dann noch für eine Aufbesserung der Beisitzer im Reichsversicherungsamt ein. Die Beamten des Reichsversicherungsamts haben eine große Arbeitslast und eine ungeheure Verantwortung zu tragen, das Vermögen der Versicherungsgesellschaften beträgt jetzt schon über I Milliarde, da müßten bie Beamten doch besser gestellt und die Ungleichheiten, bie jetzt für sie im Vergleich mit den Beamten des Patentamts bestehen, befeitigt werden.
Hierauf vertagt das Hans bie weitere Beratung auf Montag. Außerdem Etat des Reichsinstizamts.
Die vom hessischen Staate projektierte Gruppenwasserversorgung im Vogelsberg.
lieber bat neuesten Stand dieses Projektes gab Baurat Dr. Es er in Bad-Nauheim in einer dortigen Versammlung am Donnerstag eingehende Mitteilungen. Der Redner ging hierbei von dem ehemals staattichen jetzt städtischen Wasserwerk in Bad- Nanheim aus. Schon vor dem Verkauf des Wasserwerkes war ein neues Projekt für die Erweiterung der Wasserversorgung des Bades ausgearbeitet worden; denn schon damals wurde erkannt, daß das Wasserwerk für bat Bedarf des Bades und der Stadt Bad-Nauheim nicht genügen werde. Im Säckelgraben bei Nauheim Weitere Brunnen zu graben, wurde abgesehen, weil zu befürchten war, daß durch zu große Wasserentnahme die Sprudel gefährdet würden. Zuerst hat sich der Staat im alten- Bergweick zu Ober-Roßbach umgesehen und dort eingehende Messungen angestellt, die das, Vorhandensein von vielem Wasser ergaben. Es Würbe ein Projekt ansgeaicheitet, was die Wasserversorgung von Ober-Roßbach nach Vad-Naul^im! kosten würde. Die Kästen würben ziemlich erheblich fein; denn die RohAänge betrug ea. 14 Kilometer, außerbem hätte man das Waffer aus einer Tiefe von 50 Meter herausholen und ngch 50 Meter höher pumpen müssen, um mit genügenden Truck nach Bad-Nauheim leiten zu können. Weitere Bedenken haben sich mich dahin geltend gemacht, daß sich der dortige Schacht in den gleichen GebirgA-
schichteN befindet Wie die Bad-Nauheimer Slfludel. Die Geologen waren der Ansicht, es sei nicht ausgeschlossen, daß bei.ständig großer Wasserentnahme aus diesen Schichten ein Zurnckstrvmen der Nauheimer Solwässer nach dem Ober-Roßbacher Bergwerke hin ftattfftiden könne. Deshalb wurde von dem Proiekte abgesehen. Im weiteren Wassersuchen wurden Bohrungen cm llsa-' und Wettertale bei Oftheim, Oppershofen nut) 6et Schwalheim vorgenommen, aber kein Resultat hat befriedigt. _
Es blieb Nunmehr nur noch der Vogelsberg rur bie Waner- Versorgung Nauheims übrig, und cs wurden dann auch bet Lauter Quellen angekauft. Die Wassermengen waren nach den Vvr- gcitommcncn Meßungen außerordentlich günstige, dagegen betrug bie kürzeste Strecke für bie Rohrleitung nach Bad-Nauheun dem ersten Plane nach 32 Kilometer. Wegen dieser langen Leitung hat man sich gesagt, daß das Wasser für das Bad allem zu teuer Tarne, es Ware erwünscht, wenn sich noch andere Orte und Städte an die Leitung ouschlössen. In erster Linie wurde an bie Ettadt Bad-Nauheim gedacht, nachdem der dortige Säckelgraben unter keinen Umständen mehr in noch höherem Maße in Anspruch genommen Werden sollte; ferner kamen Friedberg und twgchredene Landgemeinden in Betracht. Als die oberhessischen KretSamter von dem Plane hörten, haben sie ihm große Aufmerksamkett gewidmet und ihve Gemeinden zum Anschluß ermuntert, so daß in kurzer Zeit ea. 46 Landgemeinden zum Anschlüsse bereit waren. Für daS Bad und die Städte Nauheim und Friedberg hatten die unteren Quellen in Lauter genügt. Für bie weit größeren Anforderungen aber mußten noch andere Quellen erworben werden, so die oberen Quellen bei Lauter und die Quellen im Wettertale bei Inheiden Während die huhe Lage der Lauterer Quellen eine Förderung des Wassers ohne künstliche Hebung ermöglichten, ist die9 bei Inheiden nicht der Fall, sondern hier muß das Wasser durch Dampftraft erst künstlich in ein Verteilbasifin gehoben werden. D'-mit war man schließlich auf die Idee einer großen Gruppenwasserversorgung gekommen, und zwar besteht die Absicht, daß ein Teil. des Wassers von Lauter aus, der andere Teil von Inheiden für die Versorgung der ö^riayieignen Ortsgruppen, genommen wird. Wasser für bie beiden Städte Bad- Nauheim, Friedberg, bert Bedarf des Bades, und die 4^6 Ortschaften ist reichlich vorhanden und es hätten somit keine Lchwie-- rigTeiten bestanden, alle Orte an die Gruppenweisierversvrgung anzuschließen. Indessen haben sich bis jetzt nur wenig Gemeinden angeschlossen, weil alle andern erst einen genauen Kostenvoranschlag abwarten wollten; teillveise lehnten eine Anzahl Gemeinden direkt ab, weil ihre Schuldenlast sowieso schon^zu groß sei. Um bie Versorgung des Babes und der beiden Lckädte von den Entschlüssen der Landgemeinden nicht abhängig zu machen, kam man zu dem Entschlüsse, zunächst nur die Leitung von Lauter nach Bad-Nauheim—Friedberg zu bauen. Es ist bann den Gemeinden Zeit zu weiterer Uebetlegung geboten. Die ganze Anlage bes großen Projekts umfaßt vier Ortsgruppen, von denen zunächst nur die Gruppen A und D mit Wasser versorgt: werben sollen. Bei ber neueren Kostenberechnung für das Wasser- verforgungsprojekt Bad-Nauheim—Friedberg hat man die Leit-» ungslänge wegen eines zu umgehenden Berges auf 38 Kilometer veranschlagen muffen. Äe Anlagekosten betragen 1613 000 Mk. und der jährliche Aufwand der Städte Bad-Nauheim und Friedberg und des Bades je 21387 Mk. Der Aufwand, den 6 Landgemeinden, bereit Anschluß sicher erscheint, zusammen pro Jahr zu leisten haben, betragt 6 728 Mk. Somit der gesamte Aufwand aller Teilnehmer 70 389 Mk. In dieser Summe sind die Verzinsung, die AMm'tisation und die «Verwaltungskosten enthalten. Jedem der drei 5)auptteilnehmer werden pro Tag im maximv 1500 Kübikmeter Wasser zugeleitet. Nach dem Verbrauch der Stadt Bad-Nauheim im Jähre 1903/04 berechnet, käme ihr ein Kübikmeter auf 7,77 Pf. .zu stehen; würde jedoch alles Tag und Nacht zuffießende Wasser verwertet, so ergibt sich für das Kubikmeter nur 3,91 Pf. Diese angegebenen Preise stellen den höchsten Satz dar, der keinesfalls überschritten Wirb. Wenn manche Befürchtung, bie bauseits gehegt wirb, gegenstandslos Werben sollte, so bestellt die Möglichkeit, die oben erwähnte Bau-- summe auf 1 440 000 Mk. zu reduzieren und somit die Anteile am Jahresanstvaude für jeden der drei Hauptteilnehmer auf 19 181 Mark herunterzusetzen. Nach den Analysen ist das Vogelsberger Wasser ein vorzügliches, weiches Waffer, das bedeutend weniger Kälk und Magnesia entMt als die LeitungsWaffer von Bad- Nanheim und Friedberg. Und je Weicher das Wasser ist, nrnsv besser ist es für alle industriellen und Haushaltungszwecke.
Hiernach erklärte Baurat Dr. Eser an der Hand ausführlicher Pläne und Zeichnungen das Projekt näher.. Die Versammelten nahmen mit großem Interesse von den eingehenden Ausführungen Kenntnis und verschasTteu sich bei den Plänen durch rege Fragestellung über die Arbeiten des Unternehmens Klarheit. Gleichzeitig boten auch die vielen Zeichnungen einen Beleg dafür, mit Welch großer Umsicht und eingehendem Studnim der Verhältnisse bei Aufstellung eines solch großen Projekts zu Werke gegangen werben muß.
Spsvt.
... Sonntag spielten aut dein Trieb vor einer zahlreichen S kClüqc rbcc Bockenhenner Fußballklub Helvetia gegen den inielfp»f .^ealgynmaslunu Die Hiesigen, die mit vielem Ersatz Igelten, verloren nut 1:4 Toren.
’11 c ?ag es ch r o n i l. In den Dolomiten, den venezianuchen und larnischen Alpen unterbrachen Lawinen und Schneefalle fast alle Verbindungen. Drei Menschen sind g e t o t e t worden. — DerSte ckb ri e s gegen den Raubmörder SiXvrift ,mJb ch'Ninebr ?on der Regierung in Potsdam SnSnl em- Wohnung von 500 Mark für die
Grgrenung des 9)lövbev§ ausaeseßt.
Ttuirst unb Wissenschaft.
— Für einHeiue-Denkinal Wird jetzt folgender Aufruf erlassen: „Für Heinrich Heines deutsches Denkmal bitten wir Geldgaben an die Deutsche Bank (Berlin, Mauerstraße) mit dem Zusatz „Heine-Denkmal" zu senden. Tie Presse bitten wir durch Sammlungen das Werk zu unterstützen, lieber die ein» gelaufenen Betröge wird öffentlich quittiert werden. Mar Klinger. Ernst Haeckel. Gerhart Hauptmänn. Richard Dehmel. Max Liebermann. Oskar Bie. Hugo v. Hofmannsthal. Engelbert Hum-- perdimk. Alfled Kerr."
— Der „Simplizissimus"-- Verlag wird am 1'. Apckl, an! Welchem Tage das Blatt auf ein zehnjähriges Bestehen zurückblickt, in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt, an bei' außer dem bisher alleinigen Verleger Albert Langen die Mitarbeiter Thoma, Thoeny, Reznieek, Gulbransson, Geheeb, Th.^ Th. Heine, Paul, Schulz und Wilke beteiligt sind. Laugen erklärt: ,,,,Die letzte Preiserhöhung des „Simplizissimus", die durch die bessere Ausgestaltung und durch die Absicht, den redaktionellen Teil in Zukunft weiter auszubauen, bestimmt war, ist ohne jeden Einfluß auf die Auflage geblieben. Es liegt auf der Hand, daß der geschäftliche Nutzen des Verlegers bedeutend Wachsen muß. Ter „Simplizissimus^' hat das, was er geworden, zum größten Teil seinen Mitarbeitern und Redakteuren zu verdanken, die ihre fitaft deM Blatte leit dessen Gründung ausschließlich gewidmet haben. In bieder Erkenntnis habe ich beschlossen, die Mitarbeiter des ^L>implizissimus" am Reingewinn zu beteiligen und zu ■ Verrt des Blattes zu machen. Der Gewinn wird ^ Zukunft zu gleichen Teilen Zwischen mir und den Mitarbeitern geteilt."
Jaris, 17. Fehr. Trotz regnerischen Wetters haben sich
'■'Z- -e oks Vormittags bereits sehr viele Besucher, meistens Angehörige ber hiesigen beutschen Kolonie, auf dem F-riedhof Moittmarfle eingefunden, um einige Zeit an dem Grabe Hein- rrcy Heines zu verweilen. Viele bringen Blumen mit, die fie auf bem ©rabe iriebetlcgen. In dem reichen, von Gärtner -Je-zflcrs lehr schön arrangierten Blumenschmuck, der von dem e r eine-Fonds veranlaßt wurde, erscheint o ^weiße Marmordenkmal wie in einer vielfarbigen lebendigen ^auoe. Die Besucher sprechen alle ilrre Anerkennung für den gelungenen -schmuck des Grabes aus. Die hiesige „Pariser Ztg." ließ einen Ktanz am Grabe niederlegen.


