Ausgabe 
17.7.1906 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Zweites Matt

Nr. 165

156. Jahrgang

Dienstag 17. Jrrli 1906

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt fit den Kreis Gießen.

Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schukstr,U» Tel. Nr. 51. Trlegr.-Adr.: Anzeiger Dießen.

Rotationsdruck und Verlag der Brühlffch« Universitätsdruckerei. R. Lang«, Stefcm.

Für das Neuphilologische Fach beginnt der "Notstand zu schwinden, für Mathematik und Naturwissenschaften kann man die Rückbildung in normale Verhältnisse von 1907 ab erwarten. Dagegen werden die Vertreter der germa­nistisch-historischen Fächer wieder seltener.

01

Vrschetnt ßSgNch mit Ausnahme «-eS GonntagS.

fcteSlrßener AamiUenblStter^ werden dem

^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Landwirr' erscheint monatlich einmal.

Ar. David als Aeiferedner.

Man schreibt uns aus Lauterbach, 16. Juli:

Am SamSrag fmtb im SaalbauZunr Johannesberg" hier eine von der sozialdenr. Partei einberufene öffentliche Volks- versanunlung start, m der der Reichs- und Landtagsabg. Dr. D a v r d aus Mainz überWichtige Fragen derRerchs- poH tif* sprach. Der Besuch war recht schlecht. Obwohl der Begurn aus V,9 Uhr festgesetzt war, hatte sich zu dieser Zeit noch memand im Saale eingefunden In fernen Eroffnungs- worten beklagte der Vorsitzende, daß in Lauterbachroemg Inter­esse für die Sache" vorhanden sei; es lvaren nämlich höchstens 40 Vertreter der Sozialdemokratie, darunter einige in sehr jugend­lichem Alter stehende, erschienen, während fast ebensoviel Angehörige der bürgerlichen Kreise anwesend waren.

3n' seinem etwa U/2 stündigen Vortrage wandte sich Dr. David in äußerst scl>arfer Weise gegen die bürgerliä)en Parteien und ui-^oesondere gegen die Nationalliberalen. Grade diese Partei, so meinte .Dr. D., ttage die Hauptschuld an den neu eiirgesührten Steuern, die den Arbeiter- und Mittelstand aus das Härteste belasten. Insbesondere wandte sich der Redner gegen die Brau-, Zigaretten- und Fahrkartensteuer. In Bezug aus letztere nnes er hin, daß selbst das nattonalliberale Leipz. Tagebl. die Steuerpolitir der nationalliberalen Partei in äußerst scharfer Weise mißbilligt I*. Bezüglich der Tantiemesteuer be­merkte der Redner, daß zwar die sozialdemokratische Partei grund­sätzlich mit dieser Steuer einverstanden gewesen sei und auch zuletzt dafür gesrinrntt habe, daß sie aber eine Besteuerung lediglich der AufsiäMräle nicht für gerecht halte, sondern auch eine Be­steuerung der Aktttnutte forderte. Damit leitete er über zu der Forderung einer allgemeinen Reichseitlkonrmen- und Verinögens- stcuer. Auch hier wandte er sich besonders wieder gegen die natio­nalliberale Partei, die für eine solche Steuer nicht zu haben sei, weil baDou ihre eigenen Angehörigen in scharfer Weise ge­troffen würden.

Des Wetteren wandte sich der Redner gegen die fortgesetzte Vermehrung der Flotte und des Heeres, und überhaupt gegen kriegerische Rüstungen. In einem Kriege opfere der kleine Mann Gut und Mut, während die Großen, ivie Rothschild iinb Krupp pp. hohe Sunrmen dabei verdienten. Bezüglich des Vor- wurss der Jitterncttionalität, den man gegen die Sozialdemokratie erhebe, bemerkte der Redner, daß ja auch eine goldene und eine schwarze Jarternationale gebe, daß man aber darüber wenig reden höre.

Nach einigen wetteren Ausführungen über die Ziele der sozialdemokratischen Partei schloß der Redner.

Die Sozialdemokraten werden mit dem Erfolg der Veranstaltung sehr wenig zufrieden gewesen sein. Denn einerseits zeigte der schwache Besuch, daß im Vogelsberg herzlich wenig Gegenliebe für die Bestrebungen der Sozialdemokratie zu finden ist, anderersetts weiß jeder, der die Geschichte der Sozial­demokratie verfolgt hat, daß es den Führern dieser Partei keines- wegs darum zu tun ist, positive Arbeit für das Wohl des Vater­landes zu leisten, sondern lediglich baruni, die Unzufri eden- heil innerhalb der Arbeiterbeoölkerung ständig zu schüren, um dadurch ihre Anhängerschaft zu vergrößern. Daß auch die Worte des Dr. David keinen anderen, Zweck verfolgten, wttd jedem, der die Sozialdemokratie genauer kennt, nicht zweifelhaft sein.

Ferner schreibt man aus Frischborn, 16. Juli:

Am Sonntag nachmtttag fanden im Saale des Gastwirts Tamm hier und am Abend bei Gastwirt Möller zu Angers­bach Volksversammlungen statt, in der Reichs- und Landtagsabg. Dr. David sprach. Auf b>r Tagesordnung standen Fragen der Reichspolitik, insbesondere verbreitete sich der Redner über die Steuerreform. Beide Versammlungen waren schwach besucht.

Politische Sagesscha«.

Zur Wahl in Hagen.

Man schreibt uns au§ dem Hagener Wahlkreise:

Allerlei kuriose Vorschläge werden aus Anlaß des Iser­lohner Wahlausganges für die bevorstehende Wahl in Hagen gemacht. Mit jenem Ergebnis sind natürlich alle unzufrieden; aber jede Partei gibt einer anderen die Schuld.Schadet meinem Vater gar nichts, daß mir die Hände erfrieren, warum kauft er mir keine Handschuhe?" Und diese schöne Logik gebiert die merkwürdigsten Vorschläge für Hagen- Schwelm.

Das Organ des Abg. Fus angel, das in Hagen er­scheint, rät, wie wir gestern schon erwähnten, den National­liberalen, anstelle deskulturkämpferischen" Professors Molden hau er jetzt noch einen anderen Nationalliberalen, von der Nüanee Bassermann, aufzustellen, für den dann das Zentrum schon im ersten Wahlgange eintrete, damit statt des Freisinnigen der Nationalliberale in die Stichwahl komme; in dieser habe er dann Aussicht, zu siegen. Der Vorschlag ist entgegenkommend, man kann ihn prüfen. Mit ihm befaßt sich ein Essener Blatt, dieRhein.-Wests. Ztg.", setzt ihm allerlei Einwendungen entgegen und läßt die Sache schließ­lich offen. Nur fehlt unter den Einwendungen die nächst­liegende, für die Wähler sicher wichtigste. Einen einmal ein­gesetzten Kandidaten absetzen, heißt ihn aufs Gröbste beleidigen. Uebrigens ist dasselbe schon einmal von den Sozialdemokraten des Kreises Hagen geschehen, nämlich mit dem Rechtsanwalt Landß aus Elberfeld. Außer diesem sozialdemokr. Beispiel kennen wir kein anderes. Der Vorschlag i|t schon aus diesem Grunde schwierig. Aber damit itt es dem Esiener Blatt noch nicht genug. Es fragt man begreift die Frage kaum: Welchen Preis begehrt das Z^ltrum für seine Hilfe?" Das Zentrum will, in seinem Interesse, die Wahl des Freisinnigen Cune verhindern, der ihm vom Zentrums­standpunkte sehr unsympathisch ist. Es will den Ruf ver­meiden, indirekt einem Sozialdemokraten zum Siege verhalfen zu haben.

6. Sitzung der Großh. Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach

Protokoll-Aus zug.

Gießen, 5. Juli 1906.

Anwesend die Herren: Kommerzienrat Koch, Vorsitz end er 7 Kommerzienrat Heick>clheim, stellvertr. Vorsitzender; Grünwald, Jhring, Klingspor, Kommerzienrat Schirmer, ^chmall, Stamm­ler, Zurbuch, sowie der Syndikus Tr. Knipper.

1. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes mitzuteilen: a) Bei dem Reichspostamt hatte die Handelskammer beantragt, für die Aufhebung der ermäßigten Tarife, für Po st karten, Drucksachen, Geschäfts­papiere und Warenproben im Orts- und Nachbarverkehr eine Uebergangsfrist zu bewilligen, dergestalt, daß für alle im Monat Juli ein gelieferten Sendungen der genannten Art, die von den Absendern irrtümlich nach den alten Taxsätzen frankiert worden sind, nickst: das sonst bei ungenügender Frankierung zur Erhebung kommende Strafporto, sondern lediglich der fehlende einfache Portobetrag, d. h. die Differenz zwischen den seitherigen ermäßigten Sätzen und der Ferntaxe, ein­gezogen werden möchte. Diesem Anträge ist vom Reichspoft- amt entsprochen worden.

b) Die Handelskammer hatte bei der Oberpostdirektion Darm­stadt beantragt, mit Rücksicht auf den starken telefonisck>en Verkehr zwischen Gießen und Frankfurt a. M. eine weitere direkte F e rn spr e chl e it u n g zwi­schen beiden Städten zu erbauen. Hierauf ging der Kam­mer der Bescheid zu, daß eine neue Leitung Gießen-- Frankfurt a. M. im Bau begriffen sei und ihre Betriebs­abnahme voraussichtlich im August erfolgen könne.

c) Auf Vorschlag der Handelskammer hat die Eisenbakm-Direk- tion Frankfurt a. M. veranlaßt, daß der Personenzug 797 Gießen-Marburg, «.seither Gießen ab 6,24 llfyr nachm.) vom 1. Juli ab 12 Minuten später von Gießen absährt, sodaß er hier den Anschluß von Personenzug 533 von We tzlar (Gießen an 6,29 Uhr nachm.) noch auf­nehmen kann.

d) Ferner hat die Handelskammer bei der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. beantragt, bei dem Eisenbahnüber­gang an der Marburger st raße in Alsfeld eine U eber- oder Unterführung für den Per­sonenverkehr herzuftellen, da der Personenverkehr an dieser Stelle bei dem jetzigen Zustand oft auf längere Zett gehemmt wttd.

e) In mehreren Fällen wurden den Gerichten Sachverständige zur Begutachttlng von Sttettobjekten in Prozessen in Vor­schlag gebracht.

2. Mißstände am Güterbahnhof Gießen.

Der Handelskammer sind feit längerer Zeit wiederholt Be­schwerden über Mißstände am Güter bahn hvf zu Gießen zuge­gangen.

Insbesondere wird darüber gellagt, daß die Ablieferung der Stückgüter gegen früher außerordentlich verzögert worden sei, da jetzt die Güter nicht mehr in den Güterschuppen abgestellt werden könnten, sondern mit der Ablieferung gewartet werden müsse, bis von dem betreffenden Beamten der Güterabfertigung die Ueberführung der Stückgüter zur Wage und dann direkt zu den bereitstehenden Eisenbahnwaggons veranlaßt würde. Hier­durch entständen für die Frachtführer außerordentliche Verzöger­ungen. Die Kammer erkannte an, daß die direkte Verladung in die Eisenbahnwaggons eine raschere Beförderung der Güter an die Empfänger zur Folge hat, als das frühere Verfahren. Sie war ober der Ansicht, daß das jetzige Annahmeverfahren für die Frachtführer zu umständlich und zeitraubend ist und beschloß deshalb, eine Beschleunigung der Güterannahme, nöttgensalls durch Einstellung eines zahlreicheren Aünahmepersonals, zu be­fürworten.

Ferner wird über den schlechten Zustand der im städtischen Besitze befindlichen Zufuhrstraßen zum Güterbahnhof Klage ge­führt. Hierbei Ijanbelt es sich sowohl um den Teil der Zu- suhrstraße zwischen der Unterführung des Bahndammes an der Gailsus'schen Besitzung bis zum Beginn des der Bahn gehörigen Sttaßenstüües, als auch um die Zusuhrstrecke zwischen der Eiftn- bahndrücke im Zuge der verlängerten Klinikstraße und dm Lagerhäusern an der früheren Margarethenhütt.'. Die Kammer häü diese Klagen für durchaus berechtigt und beschloß, die Ver­waltung der Stadt Gießest um eine bessere Instandsetzung dieser Sttaßen zu ersuchen.

3. Schalterräume der R e i ch sb a n kneben stelle Gießen. r

Die Schalterräume der Reichsbanknebenftelle zu Gießen haben sich gegenüber dem starken Verkehr als unzureichend erwiesen. Auch wird es als ein Mangel empfunden, daß im Gebäude der Reichsban "neben stelle keine Tresorenanlagen zur Vermietung an Private vorhanden sind. Die Kammer beschloß, an das Rerchs- bankdirektoriiim das Ersuchen zu richten, die Erbauung eines neuen Geschäftsgebäudes für die hiesige Reichsbanknebenstelle in die Wege zu leiten, das den Anforderungen des fortdauernd steigenden Verkehrs zu entsprechen vermag und gleichzeitig auch dem Gesckstiftsvertehr der später für den hiesigen Platz sich als notwendig ergebenden Reichsbankstelle dienen kami.

4 Schalterräume der Bezirkskasse I in Gießen.

Auch die Schalterräume der hiesigen BezirtSlässe sind für den Zahlungsverkehr viel zu beschränkt. Die Kammer wird wegen einer Erweiterung der Geschäftsräume beim Großh. Ministerium der Finanzen vorstellig werden.

5. Ausschreibungen von Lieferungen durch die Großh. Kreisbauamter. ' .

Es hat sich als ein Mißstand herausgesteltt, daß bei den Ausschreibungen der Großh. Kreisbauämter die Bedingungen an die Interessenten nicht immer abgegeben werden. Da die Aus- schreibungeii oft selst spät erfolgen, so ist eine Beteiligung an den Submissionen in vielen Fällen nicht möglich. Die Kammer erklärte sich bereit, auf eine Aenderung des jetzigen Verfahrens hinzuwirken.

6. Wahl eines Syndikus. _

Durch den Weggang des jetzigen Syndikus ift die Syndikusstelle bei der Handelskammer neu zu besetzen. Die Kammer wählte als Syndikus mit Wirkung vom 1. September ab Herrn Dr. W. Zeidler, bisher Sekretär der Großh. Han­delskammer in Offenbach a. M.

7. Eingänge.

Der Handelskammer sind Mitteilungen zugegangen über die Nutzung von Papierholz in Finnland, Erkundigungen bei Liefer­ungen nach Griechenland, die Kautschukproduttion im brasilia­nischen Staate Sao Paulo, Britisch-Jndien als Absatzgebiet für deutsches Fenster und Spiegelgla.-, die winschaftliche Entwicklung Burmahs und seine Bedeutung als Absatzmarkt für den deutschen Handel, Trustbesttebungen-in der japanischen ^Bierbrauerei, Streich-

Der Mäserrtiermarsch.

Man schreibt uns aus Berlin:

Man ift ein wenig in Erregung und ein Raunen geht fcurd) den deutschen Blätterwald, das sich je nach Geschmack und Parteirichtung auch zu lautem Sturm steigert. Was ist geschehen? Miser Wilhelm hat der Jacht Hohenzotlern, der Kttiserjacht, einen Flotten- rnarsch als Präsentiermarsch verliehen zur Erinnerung daran, daß er auf der Hohenzollern die Kunde von der Geburt seines ersten Enkelsohnes er­halten hat. Man hatte eine Amnestie erwartet, und findet, selbst in weit rechts stehenden Blättern, es merkwürdig, daß der Kaiser statt ihrer eine formale Auszeichnung an ein Schiss verlieh.

Wer sich mit der Persönlichkeit unseres Kaisers etwas befaßt, der weiß, daß große Gunstbeweise an das Volk nicht int Sinne Wilhelms II. liegen. Die Amnestien vor allem sind nicht nach seinem Geschmack.

Es ist eine schlechte Gewohnheit, darüber zu schimpfen, daß die Amnestie, die man jetzt zum drittenmal prophezeit hat, aus'blieb. Bettler, die an der Tür eines Reichen ab­gewiesen werden, schimpfen Lakaiengewohnheiten machen sich hier geltend. Ter Kaiser hat das Recht der Gnade als sein schönstes Kronrecht wenn er es nicht benützt, und zumal nicht benützt bei einem freudigen Ereignis in seiner Familie, so ist das seine Sache.

Tie Verleihung des Präsentiermarsches ist auch nicht nach unserem Geschmack. Solche Aeußerlichkeiten, die mit dem 2Hert oder Unwert unserer Flotte oder unserer Heeres- macht 10 gar nichts zu tun haben, berühren Leute, die nicht gerade Heeres- und Flotten s ch wärm er sind, peinlich, schon int Hinblick aus die Spottlust des Auslandes. Irgend eine kleine soziale Stiftung aus dem Anlaß wäre uns lieber gewesen.

Kaiser Wilhelm hascht nicht nach Popttlarität. Er ist Seefahrer und Soldat. Armee und Marine stehen seinem Herzen am nächsten,, und er handelt demgemäß. Tas deutsche Volk tritt dagegen zurück. Es ist das bedauerlich, aber es Mßt sich nicht ändern.

Wären Ratgeber für diese neueste Handlung des Kaisers vorhanden, dann könnte man sagen: Wilhelm II. ist schlecht beraten und an seinen Räten liegt die Schuld daran, daß der Kaiser sich vom Volke mehr abwendet, als vielleicht gut ist, daß er sich Aeußerlichkeiten mehr hingibt, als Titan versteht. Der Kaiser aber hat aus eigenster Initiative gehandelt, und es geziemt uns darum nicht, seine Handlung Zu kritisieren.

Wir wollen nur der Hofsnung Ausdruck geben, daß diese Aeußerlichkeiten nicht einen unliebsamen Einfluß auf unsere Armee, auf unsere Marine ausüben. Nicht stolze Wehr- gchänge, nicht Präsentiermärsche machen unsere Armee stark und unsere Marine tüchtig das kann nur die Tüchtigkeit der Leute selber. Ein HauS mit buntbemalter Fassade ist vielleicht schön um dauerhaft zu sein, muß es auf fester Basis stehen und aus bestem Material errichtet sein.

Abg. Dr. Max J'anecke der Vorsitzende des Vereins Deutscher Zeitungsverleger und Verleger des nationalliberalenHannov. Courier", äußert sich in der Z u k u n f t über Unternehmerverbände und spricht sich dabei gegen den PatriarchaliSmus" aus. Er sagt u. a.:

Die offiziellen Syndici ober Generalsekretäre fühlen recht oft das Bedürsnis, päpstlicher zu sein als der Papst, und glauben, durch nachdrückliche Betonung des Unternehmerinteresses diiigentiam prä­mieren zu müssen. Wenn dieser Uebercifcr sie nicht blendete, müßten gerade sie (viele von ihnen haben in der Erfassung und Lösung wirtschaftlicher Probleme Vorzügliches geleistet) doch, statt Unhalt­bares ohne Spiritus zu konservieren, für die Verbreitung der Er­kenntnis wirken, daß unsere Wirtschastsverfassung sich aus einer absoluten in eine konstitutionelle gewandelt hat, und die Unter­nehmerverbände dieser Wandlung zeitgemäß affimilieren. Dabei kann der Grundsatz, daß für eine gesunde Entwickelung unserer Volkswirtschaft und für die Erhaltung ihrer Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt eine gewisse Ellenbogenpolitik der Arbeitgeber unentbehrlich ist, zu unverhülltem Ausdruck fommert; rückhaltlose Offenheit und genaue Abgrenzung der beiden Einflußsphären wird diese konstitutlonellen Verhandlungen mir fördern. Voraussetzung ist allerdings, daß auch die Unternehmer Männer bestellen, die fähig und bereit sind, diese schwierige Arbeit zunächst für ihre speziellen Berufsgebiete, darüber hinaus aber im Interesse unserer gesamten Volkswirtschaft zu führen. So lange diese Allffassung vorherrscht, nur eine absolutistische Leitung verbürge das Heil und die Existenzmöglichkeit eines Unternehmens, werden die Kämpfe nicht aufhören, und von der zunehmenden Verbilterung wird die Sozialdemokratie den Vorteil haben. Hier liegt eine Ausgabe für weitblickende Unternehmer. Sollte es nicht möglich sein, über das einseitige Klassenutteresse hinweg, das der sozialdem. Agitation die Haupttriebkraft liefert, zu einem Ausgleich der Klassengegensätze m höherer kultureller Einheit zu gelangen? Die Probe auf das Exempel ist durch die Wirksamkeit mancher Tarifabkommen schon gemacht, nirgends mit mehr Glück als im deutschen IB uchdruck- qeroerbe, wo die T a r i s g e m e i n s ch a s t Arbeitgeber und Arbeitnehmer bindet und selbst gegebene Gesetze seit zehn Jahren den Frieden ohne nennenswerte Störung bewahrt haben. Das Beispiel gerade dieser Tarifgemeinschaft zeichnet den Weg vor, auf. dem auch in anderen Gewerben eine dauernde Einigung möglich werden kann. Der zuletzt im Jahre 1901 auf fünf Jahre abge­schlossene Vertrag läuft im Herbst ab. Daß er sich als so wirksam bewährte, hat in patriarchalisch geftimmten Unternehmergemütern ängstliche Beklemmungen verursacht; befonders im Saarrevier, wo der Nietzscheschüler Dr. Tille die Gefchafte des Unternehmer- verbandeS der Saarindustrie führt. Um die Propaganda, die diese Tarifgemeinschaft durch ihr Beispiel macht und deren Erfolg auch in anderen Gewerben fühlbar werden konnte, zu hemmen, hat die Großindustrie des Saargebietes beschlossen, alle Druckereien zu bonfottieren, die sich zu dieser Tarifgememschast bekennen. Die Unternehmer haben also ein Mittel angewandt, das sie selbst sonst (und mit Recht) grundsätzlich verwerfen Nun ist freilich die Tarffgemeinschaft des Biichdruckgewerbes viel zu fest stabiliert, als daß sie den Versuch eines solchen Boykotts tragi|d) zu nehmen brauchte . . .

NircheUd^chrrle.

8. Biedenkopf, 16. Juli. Zu der Kreissynode waren' 34 Mitglieder erschienen. Der Hattptverhandlungs- aeaenstand betraf eine vom Konsistormin eingebrachte Vor­lage über die Frage:Was kann seitens der Kirche und chrer Organe geschehen, um dem Eindringen verderblicher Literatur in die Gemeinden wirksam zu begegnen?" Pfarrer Henkelmann ans Breitenbach hatte das Referat übernommen. Die Kirche müsse dafür sorgen, daß in ihren Gemeinden Bücher mit christlich-sittlicher Tendenz geni.gend vorhanden seien. In klrchenfrcitndltchen Blättern müßten aufklärende Artikel über schwebende Fragen erscheinen und die Sonntagsblätter seien nach Kräften zu unterstützen

Der Notstand für die Besetzung der alt­sprachlich e n O b e r l e y re r ste llen wächst in Preußen ns Ung cm esse ne. Mndtdaten, die gerade frisch am, der Staatsprüfung kommen, werden voll beschäftigt, ob­wohl sie noch die ganze Ausbildungszeit vor sich haben.

A t7,Ha,u IB16/

ML

W

sM?

5u^OüSTeiir~ 5 Atü-chen

' $au5- (Putzfrau vor- tr«u Carl Rowaik

nller-weg, I.

es, reinliches lädchen glicht. Peilanlage27p, 's Rädchen per 1. Slug, [05060] Löbtrstraßk 17 p ! Mädchen kann unenl-

d.GeichästTd.Gieß.Anz.

05066

M 'A LsW liitagg. Näheres Fran yer, ttlterSmeq 67.

H nimmt gegen gtüe V Hezahlnng kleines W«« Cfierten unter K. M. 105 nid Homburg v. d. Y. _ ugvereiu Staufenberg ächngen l0011* Agenten rwgl für Samstag itbenb. ten beliebe man an Den

lügelkursuslee bügeln kann man binnen ngrünbL erlern, (nachm.).

ST

imchiU iSStig

A^TseküonGiessiP K, o. & Oe. A.-V.

WO- Donnerstag, den IS-Jul'

W Mevrr M

«"5.-1*

Aid bequem®