Fünftes Blatt
Nr. 88
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t>te ..Gfetzener ZamilienblStter" werden dem ,fln3CtqeT tnennal wöchentlich beigelegt. Der Landwirt" erscheint monatlich einmal.
LT6. Jahrgang Samstag 14. Llpri! 1906
jÄSJSF O C? A. v'$T O Rotationsdruck UN- Verlag der Brühl'scdr»
Äj <.? Zl^/; .KV V '■ ■ X - / UnwersttätSdruckerei. R. Lange, GteL«.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.
IruttKreich beglückwünscht sich, und Amerika big ückwünlcht uns!
Aus Paris und Washington liegen heute offiziöse Meldungen vor, die der Algec.iras-Komödic recht kuriose Nachspiele liefern. In Paris haben die Parlamente sich zum marokkan. „Erfolge" beglückwünscht, und in Washington gab Herr Roosevelt als höflicher Mann, dessen Einfluß in seinem Lande sich übrigens von Tag zu Tag minbertc die vielen deutschen Komplimente durchweine pbrasenreiche Rede zurück. Tie Meldungen lauten:
Paris, 12. April. Die Kammer beriet über die für die Beteiligung an der Ko n f e r c n z v o n Al g e c i r a s geforderten Kredite. Bourgeois verliest eine Erklärung, in der er zunächst daran erinnert, dast er in Algeciras die Politik seiner Vorgänger fortgesetzt und die den französisckfcn Delegierten erteilten Ji'.strnk- tionen in Kraft erhalten habe. Die günstige Art und Weise, mit der die Erklärung der Regierung am 16. Dezember ausgenommen wurde, trug durch die moralische Kraft, die sie der Regierung verlieh, sehr viel zudem günstigen Ausgange der Verhandlungen in Algeciras bei. Bourgeois erinnert an die durch Rouvier auseinandergesetzten Bedingungen, unter denen Frankreich zur Konferenz gegangen ist, gemäß dem Uebcrein- kmnmen vom 8. Juli und 28. September 1905. Gleich bei der testen Sitzung machte der Herzog von Mmodovar den Vorschlag, folgende drei Punkte von der Diskussion auszuschließen: Souvc-- rönität des Sultans, Integrität des marokkanischen Reiches und Handelsfreiheit. Es waren dieses dieselben Gedanken, die wir Tormutierten, und der Delegierte Frankreichs beeilte sich, dieses zu erklären und auf seinen dlntrag, der übriacns durch die Delegierten Deutschlands unterstützt wurde, seien diese drei durch Almodovar erläuterten Grundsätze gemeinsame Grundsätze für alle späteren Beschlüsse geworden, und alle Arbeiten der Konferenz hatten nur den Zweck, diese Prinzipien mit den Rechten und Sonderinteressen, die Frankreich in Marokko zu verteidigen und geltend zu machen hatte, in Einklang zu bringen. , _
Paris, 13. April. Die Blätter drücken ihre vollste Be- iriedigung über die Erklärungen Bourgois aus. Tas »Journal deS Dsbals" schreibt, diele Rede, welche von demselben Geiste beseelt sei, wie die Rede des Fürsten Bütow, gestatte nunmehr von der langwierigen und mühsamen marokkanischen Angelegenheit zu sagen: „Der Zwischenfall i st erledigt".
Paris, 12. April. Im Senat berichtete Decrais über die für die Delegierten in Algeciras geforderten Kredite und sagte, wenn die wertvollen Ergebnisse der Konferenz zum Teile der loyalen Unter st ützung derIreunde und Verbündeten Frankreichs und der Sympathie des gesamten Europa zu danken seien, so verdanke man sie doch auck den französischen Delegierten, denen Redner seinen Glückwunsch und Dank ausspricht. Die Strebite werden hierauf einstimmig bewilligt.
Washington, 12. April. Ter deutsche Botschafter Freiherr Speck v. Sternburg stellte heute dem Präsidenten Roosevelt eine Abordnung bcS Zentralverbandes der deutschen Kriegerbundmitglieder von Nordamerika vor. Bei dieser Gelegenheit hielt der Präsident eine Ansprache, in der er zunächst den herzlicbsten persönlichen Empfindungen zu Kaiser Wilhelm Ausdruck gab und sodann den deutschen Kaiser und daS deutsche Volk zu dem in Algeciras vollbrachten Werk beglückwünschte. Er glaube, sagte der Präsident, daß das Ergebnis der Konferenz die B e z i e h u n g e n zwischen Frankreich und Deutschland freunblvdjer gestalten werde. Es ist meine Hoffnung und mein Wunsch, setzte er hinzu, wie cs die Sbofjnnng und der Wunsch eines jeden sein muß, der es gut mit der Menschheit meint, daß diese freundschaftlichen Beziehungen nicht allein ungebrochen fortdauern, sondern stets an Stärke zunehmen möchten. Was die Konferenz von Algeciras angeht, so hatten die Amerikaner als Nation daran nur wenig Interesse, außer daß immer ihre Sorge sei, überall Gerechtigkeit walten zu sehen, und daß^ sie, soweit sie es in angemessener Weise tun könnten, für die Sache des internal. Friedens und intemat. Freundschaften wirken wollen. Der Präsident bemerkte ferner, keine Rasse habe den Amerikanern bessere Eigenschaften gegeben, als die Männer deutschen Stammes und deutschen Blutes. Er widmete dann besonders warme Worte dem Botschafter Frlw- Speck, der durch seine herzliche Freundschaft für Amerika die Zuneigung der Amerikaner gewonnen habe. Schließlich sagte Roosevelt noch, die Bande , die Deutschland und dieVereiuigtenStaaten Vereinen, sind viele und enge, und es muß eines der vornehmsten Ziele innerer Politik sein, die beiden Nationen immer enger aneinander zu knüpfen. In keinem Lande besteht eine wärmereBewunderungfürDeutschland und Kaiser Wilhelm, als bi er in Amerika.
Russische Nöte und Wahlen.
Erst sollte der Ausgabepreis der russischen Milli ar den an leihe 89 v. H. betragen, jetzt sind nach Berliner Bankdepeschen aus Paris 8 8 v. H. in Aussicht ge- uomnren. Wer das vor etlichen Jahren vorausgesagt hätte, daß Rußland eine fiinfprozentige Anleihe zu einem solchen unerhört billigen Kurse herausbringen würde! Rußland steht seinem Kredit nach mit den kleinen Dalkanstaaten auf einer Stufe, mit den „interessanten Ländern", die längst aufgehört haben, vor dem Stirnrunzeln „Väterchens" zu zittern. Chile läßt sich seine neue 4i/>prozentige Anleihe mit 94 v. $?. bezahlen, die ^prozentigen Japaner stehen zwischen 95 und 96 im Kurse. Ein für Rußland beschämender Abstand. Was mag wohl die russische Regierung in Wirklichkeit bekommen von den Banken, welche die Anleihe übcr- nonnnen haben? Die Schätzungen schwanken zimschen 78 und 80 v. H. Ein „Kavalier", dem das Messer an der Kehle sitzt, bringt seine Wechsel beinahe zu noch besseren Bedingungen an den Mann. Das Geld aus der Anleihe erhält die russische Regierung auch nur in karg zugemessenen Portionen, nämlick 10 v. H. sofort — so meldet das „Verl. Tagebl." — 10 v. H.> bei Zuteilung und den Rest in drei Teilbeträgen in 3, 6 und: 9 Monaten zahlbar. Die russische Regierung muß sich starke Bedingungen gefallen lassen. Vielleicht werden die Bedingungen nicht einmal in ihrem ganzen Umfang bekannt, sind noch geheime Vereinbarungen geschlossen, die auf politischem Gebiete liegen. Besonders Ire französische Regierung hat von Anfang an die Hand AN den Anleiheverhandlungen gehabt. Das bedeutet, daß Die auswärtige Politik Rußlands in Zukunft nach den Pariser Wünschen sich zu richten haben toirb.
Ter Petersburger Korrespondent eines Londoner Blattes £6ermittelte feinem Blatte eine Unterredung mit dem Mi- «isterpräsioeuten Witte über den Zweck der neuen An- Leihe. Graf Witte sagte, die Anleihe werde nur zu dem
Zweck ausgenommen, um Schulden zu bezahlen, welche vor der Schaffung der Reichsbum-a gemacht wurden.
Die russischen Delegierten sind in Paris ein getroffen, um die Einzelheiten festzustellen.
In Irkutsk l)ei-rfcht Hungersnot, weil infolge der fortdauernden Unordnung auf der sibirischen Bahn jeüe Zufuhr von Lebensmitteln fehlt.
Das Resultat der Wahlen für die Reichsduma hat sich in 27 Gouvernements wie folgt gestaltet: 89 Kvn- stitutiouell-Demokraten, 22 Fortschrittler, 22 Angehörige des Zentrums, 18 Parteilose, 16 unbek. Parteirichtung, 9 der äußersten Linken lurnd 3 der Rechten. Der feierlichen Eröffnung der Reichsduma wird, wie verlautet, der Zar nicht beiwohnen, sondern die Vorstellung der Mgeordneten wird im großen Palais in Pcterhof stattsinden, wo der Zar auch die Thronrede verliest.
ICircbc und Schule.
— Die Zulassung der Abiturienten der Ober- realschulen und Realgymnasien zum Studium der Jurisprudenz ist vom Statthalter nun auch für die Reichslande gestattet worden.
— Ein Geistlicher der Mainzer Diözese betrieb seit Jahren einen Weinhandel. Letzthin machte er den Versuch, eine „Trauben-, Most - und Weingesellschaft auf Gegenseiti gkct t* zu gründen und hierzu Amtsgenossen als Teilhaber mit Dcvidendenberechtigung heranzuziehen. Und zwar sollten die Anteile an seine Schwester, auf deren Namen die Firma im'Handelsregister bisher eingetragen war, gezahlt werden, während der Pfarrer die Auskünfte selbst erteilen wollte. Das bischöfliche Ordinariat hat nunmehr im kirchlichen Amtsblatt eine Verfügung erlaßen, in welcher den Geistlichen der Diözese die Teilnahme an diesem Unternehmen untersagt wird. Maßgebend für diese Entscheidung war nach dem Wortlaut der Verfügung die Erwägung, daß die kirchlichen Gesetze, vor allem die Bulle Apostohcae Beßedikts XIV. den Geistlichen die Teilnahme an Handelsgeschäften verbiete.
— Das Volkslied und die Schule. Auf dem zurzeit in Berlin tagenden 3. Musikpädagogischen Kongreß sprach Schulinspektor Fricke-Hamburg u. a. über die Verballhornung der Volkslieder in der Schule. Aus dem deutschen Schulgesange, führte der Redner aus, müsse alles Geistlose entfernt werden. Ein flüchtiger Blick in die Gesanghefte zeige noch immer einzelne geradezu haarsträubende Umänderungen unserer schönsten Volkslieder. So sei in dem Liede vom wilden Jäger der VerS: „(St warf sein Netz wohl über den Strauch, da sprang ein schwarzbraunes Mädel herauß!" umgeändert in: ,Da sprang ein munteres Hirschlein heraus!" (Heiterkeit.) DaS Lied: »Küsset dir ein Lüftelein Wangen oder Hände, denke, daß es Seufzer sein, die ich zu dir sende U' lautet in den Schulbüchern: „Senfe, daß es Briefe sein, die ich abgesendet!" (Hört, hört! Große Heiterkeit.) Die Stelle: „Was mag der Traum bedeuten, mein Liebchen, bist du tot?* ist verballhornt in: „Was soll das Laub bedeuten, das fahle Sommerlaub?" (Erneute Heiterkeit.) In einem anderen Liede heißt es: „O Mägdelein, wie falsch ist dein Gemüte:" Diese Stelle ist einfach gestrichen worden. Das Lied: „An der Saale hellem Strande" darf überhaupt nicht gesungen werden, weil es darin heißt: „Tücher wehen in der Luft!" (Stürmische Heiterkeit.) Auch das Lied: „O Straßburg" ist aus ähnlichen fadenscheinigen Gründen verpönt. (Hört, hört!) Meint man denn wirklich, mit solchen Streichungen das Erotische aus dem Volksliede beseitigen zu können? Wenn die Jugend aus der Schule kommt, singt sie einfach: „Ter janze Klafter Sießholz kost'n Dalerl" (Stürmische Heiterkeit und Beifall.) Auch das Lob des WeineZ darf neuerdings nicht mehr gesungen werden. Statt „Bekränzt mit Laub den lieben, vollen Becher" heißt es jetzt in den Liederbüchern: „Bekränzt mit Laub die Hüte und die Mützen!" (Große Heiterkeit.) Aber draußen singt die Jugend wie zum Ersatz: „Trinken wir noch'n Tröppchen aus dem kleinen Henkeltöppchen!" (Heiterkeit.)
Aus Stnöt und Ccrnb.
Gießen, 14. April 1906.
** Poft und Publikum. Die Aenderungen und Neuerungen, welche die Postverwaltung in letzter Zeit auf den verscbic- bcnficn Gebieten des Postverkehrs hat eintreten lassen, sind so erhebliche, daß jeder, der mit der Post zu tun hat, den lebhaften Wunsch haben toirb, ein neues klar und einfach geschriebenes Post-Handbnch zu besttzen, welches alle Neuerungen enthält. Diesem Bedürfnisse hat die Verlagshandlung von Gerhard Kü ht- in a n n in Dresden Rechnung getragen und den „Kleinen Stephan", illustriertes deutsches Post- und Telegraphen-Handbuck für den gesamten In- und Auslandsverkehr nebst einem Verzeichnis der Nachbarpoftorte, Bestimmungen über den Fernsprechverkehr und postalischem Straßenverzeichnis von Berlin in neuer Ausgabe als 14. Jahrgang 1906—7 erscheinen lassen.
(B.) Friedberg, 13. April. Der Vorstand der hessischen. Missionskonferenz hat beschlossen, vom 4. bis 6. Sept, hier, toic schon einmal vor einigen Jahren, einen I nstr u ki ivns- kursns für äußere Missivn abzuhalten, zu dem besonders die Geistlichen und Lehrer Hessens eingeladen toerden sollen. Es werden u. a. folgende Themata behandelt werden: li Die neuesten Missionsbewegungen in England, Nordamerika und Deutschland. (Referent: Direktor Dr. Wurster, hier.) 2. Welche Aufgaben stellen der Mission die neuesten Vorgänge in Ostasieu? (Ref.: Inspektor D. Oehlen-Basel.) 3) Die Begründung nncr Heidencbristl. Volksküche als Aufgabe der Mission. (Ref.: Direktor D. von Schwartz-Leipzig.) 4» Tilong, eine typische Missionsftation Chinas. (Ref.: Missionar Fled-Franksurt a. M.) 5) Ein Bück in die Zukunft Kameruns. 13ief.: Mmionssekretär Würz-Basel.
szg.) Frankfurt, 13. April. Unter den neneingetrosfenen Tieren unseres Zoologischen Gartens befinben sich unter anderen Seltenheiten zwei Jagd-Elstem, bie mit ihrem meerblauen Gefieder, dem schwarzen Zügel und dem scharlachroten Schnabel zu den elegavteften Erscheinungen der Vogelwelt gehören. Aus Japan langte ein Prachtmakak cu; das seltenste aber sind schwarze R lesen köngur uh, bie ber Australier ihrer Schnelligkeit halber „bic fliegenden Weiber" nennt. Selbst die ö'Hle dieser Tiere sind so selten und wertvoll, daß wohl kein
Museum Deutschlands in dem Besitz eines solchen sein dürfte. Ebcm'o sind die feu zwei Tagen ausgestellten lleinen >>nscl- Känguruh die 'einzigen lebenden Exemplare ihrer Art, die Europa erreicht haben. Gleichzeitig m>t diesen hmrbcn auch btc neuen Seelöwen, bie des anhalt"nd kalten Wetters wegen seither im Innern eines HauseS gehalten werden mußten, ausgestellt, toeitn auch vorerst in einem provisorischen Bassin. — Nachdem nun alle Tiere in ihren Außen käsigen die Sonne genießen können, bietet der Garten im Zrühlingsschmuck mit seinem reichen Tierleben ein anziehendes Bild. — Blumenfreunde finden in der Blütengaleric des Palm en gar ten s jetzt eine Schau, wie sie kaum schöner und reichhaltiger werden kann. Den Besucher begrüßt schon beim Eintritt der liebliche Tnsl der Slwingen, untermischt mit dem kräftigen Geruch des Rhododendron; unter den Zvimelienblüten siehe man in geschmackvoller ^Ünvrbnunn die verschiedensten Blattpflanzen. Hervorragend sind die Azaleen mit ih-"r auffallenden Darben«ömmg emd ihrem Blätenreichtum. In der Eckdekoralion iwingen die auffallenden Ainaryllis, prackut- volle Hvazinthen und Tulpen in auserlesenen Sorten. Narzissen und Ter" dten, tiefbraun'r Goldlack, großblumige Cvneraricn imb zierliche, herzförmige Vlü'cn der Dieentra so gen fi r MwechÄung. Die T erbfeite ist den Rosen eingeräumt. Man erblickt dort etwa 1500 Pflanzen in 400 Sorte-'. Durch den reichbllil>enden Azaleengang schreitet man dem Ausgang zu imb genießt bic Schönheiten des Palmenhanses. In den Gcwüchshänsern des Anzuchtgartens findet man sck>9ne Einerarien, die niedlichen, knollenbildenden Tropaeslnm-Artcn und eine reichhaltige Begonien-Sammlung. In dem letzten Gewächshaus beobachtet man noch mit Interesse die Avzücht der für den Schmuck des Gartens und der Häuser im Sommer bestimmten Pflanzen.
Der französische Bergarbeiterausstand.
St. Etienne, 12. April. Die ausständigen Bergarbeiter des Departements Loire hielten eine Versammlung ab, in der von 1693 Ausständigen 956 sich für Wiederaufnahme der Arbeit und 737 für Fortsetzung des AuSstandeS erklärten. Hierdurch gilt der AuSstand als beigelegt. Nach Abstimmung wurde zwischen den Delegierten der Arbeitgeber und ^lrbeitnehmcr ein Vertrag unterzeichnet, der big 30. Juni 1908 gilt.
In Alais haben die streikenden Bergleute die Fortsetzung deS AuSstandeS beschlossen. Ein Bergarbeiter wurde, als er die Grube verließ, angehalten und von den Ausständigen schwer mißhandelt.
LenS, 12. April. Gestern abend explodierte vor der Kirche in Billy Montigny eine Dynamit-Patrone. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Der Materialschaden ist jedoch ziemlich beträchtlich.
Postöeamten-Ausstände.
Paris. 13. April. Tie 800 Briefträger des Postamts für Drucksachen sind in den Ausstand getreten. Auch eine Anzahl Briefträger der Briefausgabe hat die Arbeit niedergelegt. Die Expedition der Poft nach den Provinzen und dem Auslande ist bis jetzt aei'chert. Die Streikenden haben erklärt,, ihr Ausstand sei ausgebro.'bm wegen der Lohusrage, weil die Regierung cs abgclehnt habe, ihr Svndikat anzuerkennen. Mehrere Poit- und Telegrapbenburcaus werden polizeilich und militärisch bewacht. Aiich in einzelnen Vororten von Paris, sowie m Lyon und Marseille haben sich die Postbediensteten teilweise dem Ausstande angeschlofsen. Tie Zustellung der Briete geht in Paris mit Verspätung vor sich, dagegen werden Zeituiigen und Driickfacheu überbanpl nicht zugestellt. Kleine Abteilungen berittener Munizipal- garden durchziehen bic Stadt, um zu verhindern, daß die Aus- stä'.idigen die' mit der Zustellung der Briefe betrauten Soldaten behelligen. Die Ausständigen sind den ganzen Tag im Tivol«.Saale versammelt, wo die Musikkapelle der Post- und Telegraphen-Bc- dieiistcten revolutionäre Weisen spielt. Daselbst erschien am Nachmittag eine Abordnung der Telephonistinnen, um den Ausständigen die Sympathieii der weiblichen Angestellten auszusprechen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, Barthou, sprach sich heilte für die Ersetzung von 300 im Allsstande befindlichen Post- unterbeamten aus.
Wien, 13. April. 600 einem Privatunternehmer unterstehende Postillone, die den Besörderimgsdienst für die ararische Post versehen, sind in den Ausstand getreten. Sie verlangen eine 20prozentige Lohnerhöhung und Tenerungsziilage.
Arbeiterbewegung.
Essen, a. b. 9t., 12. April. Der Vorstand des Gewerkvereins Christlicher Bergarbeiter in Esten sprach sich in einer Resolution über die KömmissionSbeschlüste des Abgeordnetenhauses zur Knappscha'tsreform dahin aus, daß durch die Streichung ber geheimen u n b unmittelbaren Aeltestenwahl, sowie durch die Abschastimg der Wählbarkeit für Invaliden, das Gesetz in der Fastnng der Kommission für die Bergleute unbefriedigend sei. Wenn eine Befriedigung auf knappschaftlichern Gebiete eintreten solle, sei es unerläßlicki, die geheime Wahl und die Wähldarkeil der Invaliden gesetzlich zu sichern. Die arbeiter- sic-.nidlicheu Abgeordneten und die Staatsregierung werden in der Resolution gebeten, in diesem Sinne wirken zu wollen.
Bremen, 12. April. Wie die Abendblätter melden, begann infolge des Aus st an des in der Maschinenbauanstalt Breslau der Verband schlesischer Mctalliudustrieller heute mittag mit der Aussperrung der organisierten Former und Gießer in allen Breslauer Betrieben.
Hamburg, 12. April. Der Arbeitgeber-Verband der Hamburger Dame ukonfekti uns - Industrie faßte den Beschluß, allen bei den Mitgliedern des Verbandes beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen aus den 18. April zu kündigen. Die Kündigung soll unwirksam sein, falls bis gum 18. April in allen Werkstätten die Arbeit gleichmäßig wieder aufgenommen wird, andereiifalls soll die Aussperrung vorläufig auf zwei Wochen erfolgen.
r V/ 5 hrle Nahrung *Wi für Kinder, Kranke,Genesende. Verhütet u.b8S5itigt;Diarrhoe, BreciidurcnraH, Darmkacarrn.
jnder. mehl.
tzzmonho»al-WL Nafalatt 50, Kakaobutter 5, Wachs 45. Nur echt in Lriginalkästchen ä Mk. 1,50 mit rrebeuftehender Netorterr-Marke unb Namenszug Dr. Adolph List in den Apotheken zu haben. hv-7.


