Ausgabe 
18.9.1906 Erstes Blatt
 
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VerwaltunqSgesetze einen Antrag über Oeffentlichkeit der Ge­meinderatssitzungen gestellt. Der Antrag lautet (als neuer Paragraph 116)^: , w

Die Sitzungen be5 Gemeinderats sind in der Regel öffentlich; dem Gemeinderat siebt jedoch da? Neckt zu, von Fall zu Fall und ohne Angabe von Gründen die Oeffentlichkeit auszuschließen. Zeit, Stunde und Tagesordnung einer öffentlichen Gemeinderatssitzung sollen gleichzeitig mit den Einladungen der Gemeinderatsmitglieder .durch öffentlichen Anschlag an den Ortstafeln bekannt gegeben werden. ...

Wir haben schon in Nr. 215 erörtert, wie man prin­zipiell die Oeffentlichkeit der Gemeinderatssitzungen als Korrelat der Selbstverwaltung fordern müsse. Von diesem Standpimkte au§ ist der Antrag Köhler-Uebel in seinem ersten Teile unannehmbar. Denn er ist schlecht und recht eine Halbheit mit allen ihren unangenehmen Folgen der Deutungskiinst. Ausdrücke wiein der Regel' sollte man ihrer Kautschukartigkeit halber überhaupt in Gesetzesartikeln vermeiden. Der Artikel begünstigt noch mehr, als dies die Fassung deS Artikels in der Regierungsvorlage tut, ein will- türliches Schalten der Majorität, sofern und sobald sie öffent­lichkeitsscheu wird. Es ist aber auch gar nicht nötig, für gestattete Ausnahmen eine Kulisse zu bieten, wie es in dem Antrag Köhler-Uebel geschieht mit den Worten .ohne An- 'gabe von Gründen'. Dadurch läuft der Gesetzgeber Gefahr, daß daS, was er zur Ausnahme gemacht sehen will, zur Regel wird. Und damit wird dann auch die Regel wieder zur Ausnahme und der schöne alte Zustand ist wieder her- 'gestellt. Bei dem Antrag Köhler-Uebel ist es beispielsweise einer Majorität deS Gemeinderats stets möglich, Dinge, in denen sie schwer gesündigt hat, hinter die verschlossenen Türen zu verweisen. Und die Oeffentlichkeit wird diese Majorität stets nur in der Sonnenseite sehen! Nichts fördert mehr den Gemeinsinn, die Grundlage allen Fortschritts in der Gemeinde, wie die Anteilnahme der Gemeindeangehörigen an den Ge­meindeangelegenheiten. Diesen zu wecken, zu kräftigen und steigern dazu wird nicht zuletzt die Oeffentlichkeit ge­fordert. Natürlich auch zur Verhütung von Majoritäts- und Kliquenwirtschaft. Darum sollte es heißen:Die Sitzungen ;be§ Gemeinderats sind öffentlich; eine Ausnahme kann nur gestattet sein, wenn anders finanzielle oder rein private In­teressen der Gemeinde eine Schädigung erleiden könnten." Darüber müßte der Gemeinderat natürlich immer in der Oeffentlichkeit einen Beschluß fassen. Eine solche Bestimmung entspräche dem Geiste der Selbstverwaltung.

Der zweite Teil de§ Antrages bedürfte einer Einschalt­ung, daß die Bekanntgabe der Sitzungen mit Tagesordnung u. s. w. durch die Preffe zu erfolgen hat.

Die goldene Hochzeit des badischen GroßherzogspaareS.

Karlsruhe, 17. Sept.

Heute besuchte das Grvßtzerzogspaar mit den übrigen Fürst­lichkeiten die Jubiläums-Kunst- und Kun st g e w er b e- Äusstellung. Die Svitzen der städtischen Behörden und die Vertreter der Künstlerschaft waren am Eingang zur Ausstellung versammelt. Das Großherzogspaar wurde von dem Leiter der Ausstellung, Professor Hosfacker empfangen, der eine Ansprache an das Großherzogspaar hielt, auf die der Großherzog u. a. folgendes erwiderte:

Ich bin Ihnen zwar sehr dankbar für alles das, was Sie über mein Mitwirken an der Ausstellung gesagt haben, allein glauben Sie mir, und Sie werden meine Ansicht wohl teilen, das; dies nur dadurch möglich war, daß alle zusammenwirkten zunächst auf dem Gebiete der Kunst. Sie wissen ja, wie sich diese all­mählich aus einem Nichts in ein großes Ganzes verwandelte; ials damals es unternommen werden sollte, eine Akademie zu gründen, war noch alles in den Anfängen begriffen. Die Kunst -war es, die zunächst entwickelt werden mußte, um das Gewerbe aus diese Höhe heraufzuführen. Daß es mir möglich ist, dieser schönen Ausstellung anwohnen zu können, erkenne ich in Dankbar­keit gegen Gott an. Ich hätte nicht gedacht, daß ich dieses,Jubi­läum antreten darf, und ich bitte, allen zu sagen, daß sie mir durch ihre Einladung eine große Freude bereitet haben. Mögen die Folgen dieser Msstellung noch recht gesegnete sein und mögen Sie alle von diesen Folgen reichlich betroffen werden. Das ist mein treuer Wunsch."

Dann erfolgte ein Nundgang durch d i e Aus- st'el'lung. Der Groß Herzog verlieh dem Professor Wilhelm Trübner an der Akademie der bildenden Künste das Kommandeurkreuz 2. Kl. des Ordens vom Zähringer Löwen, dem Professor Kaspar Ritter dos Ritterkreuz des Ordens Bert­holds I., dem Professor Hans Richard von Volkmann das Ritterkreuz mit Eichenlaub des Ordens vom Z'hringer Löwen,

b'eaueme Treppenanlagen und eine große Sauberkeit. Im Innern find diese Berliner Warenhäuser untereinander ganz verschieden. Jedes hat von der Gegend, die es beherrscht, einen anderen Charakter, man möchte sagen, eine andere Seele bekommen. Der Kaufmann jeder Gegend, jedes Ortes eben hat mit anderen Be- Wrfnissen, mit anderen seelischen Eigentümlichkeiten, gegebenen ^Falles auch mitSchrullen" seiner Kunden zu rechnen. Daran 'wird nichts geändert, ob dieser Kaufmann ein kleiner Krämer mit einem Kommis oder mit einem Lehrling ist, oder ob er als Warenhausbesißer an der Spitze von Tausenden von Ange- stellten steht. Wer da weiß, wie verschieden die scheinbar so ein- formigen Riesenquartiere von Berlin sind, wie das, was am Potsdamerplatz gilt, am Mexanderplatz gar nicht begehrt wird, wie der gebildete Anwohner der Tauentzienstraße (am Zoologischen Garten) den Jargon in der Frankfurter Allee im Osten, gar nicht mehr versteh, der wird begreifen, daß das auch auf die Warenhäuser abfärben muß. Vom Keller bis zum obersten Speicher hat da jedes besondere Manieren und Ausdrucksweisen, seine be­sondere Art, die Kunden anzuziehen. Ein zukünftiger Andersen, der einmal moderne Märchen schreibt, wird uns auch die Märchen vom Warenhaus erzählen können, diesem neuzeitlichen Leviathan, der zuerst begriff, daß man auf die Mafien nur mit Massen wirken kann. . .

He inrich Laubes Leben und Schaffen. Von Heinrich Hubert Hauben. Mit zwei Bildnissen und einem Briefe -als Handschriftprobe. Leipzig, Max Hesses Verlag. 275 S. Mk. |1.50. Heute, am 18. September, vollendeten sich hundert Aahre seit Heinrich Laubes Geburt. Die großen Theater werden an diesem Tage die beliebtesten, noch heute auf das Publikum wirkenden dramatischen Werke auf die Bühne bringen, aber diese «wohlgemeinten Bemühungen werden rasch vergessen. Die einzige des Toten ganz würdige Ehrung wird ihm zuteil werden lassen, wer mit Ruhe Laubes Lebenswerk überblickt und daraus zu gewinnen trachtet, was noch für uns von Bedeutung sein kann. Die Möglichkeit, dem vielfach verschlungenen, an Kämpfen und Mühen reichen Weg H. Laubes zu folgen, bietet die Biographie Laubes aus H. H. Houbens Feder, die, als Einleitung zu deS Verfassers demnächst erscheinender Ausgabe von Laubes Werken hei Max Hesse geschrieben, in einem Sonderdruck vorliegt. Hauben ist ein genauer Kenner der Epoche, in welche Laubes Wirksamkeit fallt. Ern bei aller Sachlichkeit höchst interessantes Lebensbild fit ihm gelungen: das Anziehende liegt im Stoff, im reichen und oft eigenartigen Erleben des Helden, das Houben freilich seiner­seits zu einem deutlichen und vortrefflichen Bilde zu gestalten wußte. Die beiden Bildnisse und der im Faksimile beigefügte Brief Laubes werden zur Veranschaulichuna der Biographie will- Mymeu sei«. -

dem Konservator des Kunstvereins Professor Max Lieber das Ritterkreuz 1. Kl. desselben Ordens. Letztere Auszeichnung erhielt ferner der Professor Dr. Be perle an der Universität Gottrngen.

Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten sind heute eingetroffen: der japanische Botschafter in Berlin Jnoupe, der portug. Gesandte und bevollmächtigte Minister v. Sendal u. a.

Wegen des Ablebens des Prinzen Albrecht von Preußen legt der Großh. .Hof Trauer auf 14 Tage an. Wegen der goldenen Hochzeit beginnt die Trauer am 24. d. M.

Politische Tagesscharr.

Unter der Dielstenerung

hat nud) der ReichsfiSkus zu leiden. Bei der Ausschreibung der Lieferung für das zweite Halbjahr der Gardetruppen im Juni ds. IS. hatte die Jntendanturverwaltung schon einen kleinen Vorgeschmack der höheren Fleischpreise erhalten. Jetzt aber ist, der Voss. Ztg. zufolge, den Regierungskreisen der beste Beweis erbracht worden, daß sogar eine sehr erheb­liche Teuerung des wichtigsten Le beuLn;ittels be­steht. Die Armeekonservenfabrik in Hafelhorst verbrauchte bis vor cinioen Jahren ein jährliches Quantum von 2OOO Ochsen. Seit dem im Jahre 1900 erfolgten Aufstande in China und den jetzigen südwestafrikanifchen Unruhen genügt diese? Quantum nicht mehr und ist der jährliche Bedarf auf 3300 Ochsen gestiegen. Auch die in Mainz befindliche zweite Konservenfabrik der Armee verarbeitet fast ein gleiches Quantum. Die Preise für die zu liefernden Ochsen sind bei der am 27. vor. Monats ausgeschriebenen Verdingung um 2 0 Pfg. für daS Kilogramm gestiegen. Es erwächst dadurch dem Reiche eine Mehrausgabe für das zur Her­stellung der Konserven benötigte Vieh von einer halben Million Mark.

ICh'cbc rind Schn Le.

Der wegen seiner kritischen Anschauungen von der Orthodoxie heftig angegriffene Privatdozent der Theologie in Jena, Eie. Friedrich LipsiuS, Sohn deS berühmten Jenaer Theologen, wurde zum Nachfolger Kalthoffs an die St. Martini-Kirche in Bremen gewählt.

Aus S-ass uuo LE0.

Gießen, den 18. Sept.

* Landtagsabgeordneter Häusel wurde am Freitag in seiner Heimat Michelstadt von einem Schlag­anfall betroffen, der die Lähmung der einen Körperseite zur Folge hatte. (Sein Befinden soll sich inzwischen wieder er­heblich gebessert haben.)

** Preußische Lehrerpersonalien. Schulamts­kandidat Julius Melsbach aus Neuwied ist an die evang. Schule in Launsback, Schulamtskandidat Karl Siegel aus Puderbach, Kreis Altenlirchen (Westerwald) an die evang. Schule in Groß-Rechtenbach und Schulamtskandidat Otto Henrich au§ Oberwesel, Kreis St. Goar, an die evang. Schule in Münchholzhausen als Schulverwalter vom 1. Oktober ab berufen.

* Die Reichs st euergesetze vom 3. Juni 1906 (Mantelgesetz, Reichsstempelgesetz, Zigaretten-, Erbschafts- und Brau-Steuergesetz) sind in der SammlungDeutsche Neichs- gesetze" (Verlag von Emil Roth zu Gießen) zum Preis von 1 Mk. (drosch.) bezw. 1.50 Mk. (Leinenband) erschienen. Der Herausgeber, Prof. Dr. Gar eis in München, hat dem Buch erläuternde Anerkennungen und ein ausführliches Sachregister beigegeben, die die praktische Brauchbarkeit wesentlich erhöhen. Zu der Gesetzes- usw. SammlungDas höhere Schulwesen in Hessen" von Geh. Oberschulrat Nod- nagel ist ein zweiter Nachtrag erschienen, der die in der Zeit vom Juli 1904 bis Juli 1906 erlassenen Gesetze, Ver­ordnungen und Verfügungen enthält.

n. Butzbach, 17. Sept. 25 Jahre im Dienst ist am 21. September der hiesige Großh. Werkmeister Johannes Friedr. Dern als Gefängnisbeamter. Er war anfangs im Zuchthause Marienschloß bei Rockenberg angestellt, alsdann am Gefängnis in Darmstadt als Werkmeister tätig und fand dann in gleicher Eigenschaft an der hiesigen Zellenstrafanstalt bei deren Eröffnung Verwendung. Daß der Jubilar nicht nur als Beamter, sondern auch als Mitbürger volles Ver­trauen und hohe Achtung genießt, beweist der Umstand, daß er seit einigen Jahren dem hiesigen Stadtvorstande an­gehört.

Friedberg, 17. Sept. Am Mittwoch, 19. d. Mts., werden die fünf Kandidaten des Predigerseminars, die ihren Jahreskurs erledigt haben, entlassen. Ihre Namen sind Karl Hoffmann von Klein-Eichen, Hermann Kahn von Nedingen (Lothr.), Matthias Kragh von Brära (NordschleSwig), Gustav Lenz von Ortenberg und Wilhelm Wahl von Beien­heim. Die Entlassungsfeier, der als -Vertreter des Ober­konsistoriums Superintendent D. Petersen anwohnen wird, findet um 11 Uhr in der Burgkirche statt und ist für jeder- mann zugänglich.

k. Hungen, 15. Sept. Der Zwei sch enprei? in der nördlichen Wetterau beträgt zur Zeit 2.50 Mk. für den Zentner. Der Preis dürfte noch niedriger werden, sobald die Ernte allgemein beginnt.

§ Hartmannshain, 17. Sept. Die hiesige Station wird wegen Verkehrsmangel am 1. Oktober d. I. in eine Haltestelle umgewandelt und der Stationsvermalter Corell in gleicher Eigenschaft in den Westerwald versetzt.

fc. Offenbach, 17. Sept. Einem Gerücht zufolge beabsichtigt die Offenbacher Stadtverordnetenmehrheit, Bürger­meister Dr. Glässing, den 1. besoldeten Beigeordneten der Stadt Darmstadt, zum Bürgermeister zu wählen.

Vermischtes.

* Die Waschfrau. In einem Bändchen humoristischer Dichtungen im Mainzer Dialekt finden wir folgendes heilere Genrebildchen aus häuslichem Leben: De Mensch lebt nit allää vum schlafe, sondern aoch vum esse und trinke. Gut gesse itn gekirnte hält Leib nn Seel zusamme. E gut alt Sprichwort secht: gut gefrichstickt hält de ganze Dag, gut geschlacht des ganze Jahr nn gut geheirat des ganz Lewe. Es gerne awer Leit, die friehsticke de ganze Tag nn de halbe Nacht. Ihm ganze Verdienst verschwind dorch des deier Loch unncr de Nos. Dene chrn Bauch is de reinste Kar- menadekerchhof. In de Wertschast vuu de Nei Aalag in Meenz nm en frische Wert komme. En echte Pariser FrauzoS. Der Hot o,lei in die erste Däg e Waschfrau gebraucht un, in

de Stadt nn hole lasse. Wie die Frna komme iS, Hot si< gesagt:Ich bin die Wäschfraa, wo Se dennooch geschickt Hamel"Eh bien, was muß ich Sie geb?"Zwää Mar! vor de DaglCombien?"Was määne Se?"Was muß ich Sie geb?"Ich Habs Ihne jo eme gesagt, zwää Mark for de Dag." Un do se zwee Finger bebet hoch hält, Hots der Stocksranzos jetzt verstanne.Bon !" secht er.Ja, awer außerdem krieh ich noch zu esse. Wann ich morjns um 6 Uhr komm, es Scheelche Kaffee, mit zwää drei Weck." Oui."E Stund odder annerthalb Stund später ungefähr noch c Scheclche Kaffee mit nie Weck."Oui."Um uhres zehe e Heesche odder Fießche un ne Schoppe Bier zum Frieh- stick."Oui."Dann zum Middagesse e ordentlich Supp, Flääsch, GemieS un Kartoffele."Oui."Gegen drei, halb vier c Portion Kaffee mit Weck odder Butterbrod." ,zOui." Na nn dann zum Schluß um sechse noch so bische was, was Middags innig gcbliwe is."Oui."Des is es! Un dann nadierlich krieh ich noch zwää Mark!"Eh bien, was muß ich Sie geb, wenn Sie die ganze Tag freß?"

* Ein Sieg der weiblichen Kochkunst. Nie hat die Vermählung einer regierenden Königin mehr Interesse und größeren Enthusiasmus erweckt, als die Hochzeit des Fräulein Shcppard, die dieser Tage in der kleinen Stadt Florence in Süd-Dakota (Vereinigte Staaten) stattfand. Denn Miß Shcppard war das einzige weibliche Wesen des schnell anfblühenden westlichen Ortes, und die Geschichte ihrer Heirat klingt wie ein Märchen, das eben nur im wilden Westen in die Wirklichkeit umgesetzt werden kann. Florence ist eine erst vor kurzer Zeit gegründete Stadt, und sie verdankt ihr schnelles Aufblühen den reichen Naturschätzen, die in der Umgegend noch unberührt verborgen sind. Schnell hatte sich der Ruhm des neuen OrteS verbreitet, und ehe noch Straßen vorhanden waren, zählte dieStadt" schon mehrere tausend Einwohner. Aber weibliche Wesen waren in dem neuen Gemeinwesen mit alleiniger Ausnahme des Fräulein Shcppard nicht vorhanden. Auch sie war dem Zuge nach der neuen Stadt gefolgt, um sich eine Existenz zu be­gründen, und zwar beabsichtigte sie als Lehrerin tätig zu sein. Aber noch gab es feine Kinder, die unterrichtet werden mußten. Aber Miß Shcppard ließ sich dadurch nicht ab- schreckcn. Kurz entschlossen eröffnete sie ein Restaurant, in dem e5 einen besonders guten Mittagstisch gab, und bald hatten sich die Männer, die bisher nur ihre eigenen Köche nn primitiven Holzfeuern waren, so sehr an die vorzüglichen Speisen der neuen Köchin gewöhnt, daß sie sich jeden Mittag in den Räumen versammelten. Innerhalb eines Monats waren die sämtlichen Männer die ergebenen Sklaven der unternehmenden Lehrerin geworden, und sie war der Diktator und Gesetzgeber der Gemeinde. Da§ Kochmonopol sicherte Fräulein Shcppard einen Einfluß, dessen sich kaum die reichsten Trusts rühmen können. Die einfache Drohung, widerspenstige Gesellen von der Mittagstafel zu verbannen, reichte hin, um die wildesten Raufbolde zu Lämmern zu machen. Sie übte ihre Macht sehr weise aus, nnd alle Streitfälle wurden von ihr entschieden, und die Gegner fügten sich diesem Urteil, wenn sie nicht riskieren wollten, hungrig das Haus zu ver­lassen. Sie erhob Steuern für daS öffentliche Wohl, erließ Gesetze und Verordnungen, genug, sie wurde durch ihre Koch­kunst Bürgermeister und Richter, mit einem Wort, die unum­schränkte Königin der Stadt. Selbstverständlich entbrannte von der ersten Minute an ein heftiger Wettbewerb um die Hand der trefflichen Köchin, aber ein junger Ingenieur namens Austin trug den Sieg davon, und die übrigen Bewerber fanden sich mit dieser Entscheidung ab, denn die junge Frau entschied sich, das Restaurant auch nach ihrer Verheiratung weiter zu führen. Nun haben alle Männer sich vereinigt und ihrer Herrscherin ein kostbares Hochzcitsgeschcnk gemacht.

* Die gefühlvolle Gattin. Arzt:Sie werden sich gewiß freuen, wenn ich Ihnen heute mitteile, daß Ihr Mann in kürzester Zeit wieder gesund fein wird." Frau: Um GotteSwillcn, Herr Doktor, was sagen Sie?" Arzt: Wieso, wie meinen Sie daS? Freuen Sie sich denn gar nicht?" Frau (weinend):Erst in der vorigen Woche sagten Sie mir, er habe keine vierzehn Tage mehr zu leben,- und da habe ich alle feine Anzüge verkauft!"

Kpovt.

GFUßball. Anläßlich seines 6. Stiftungsfestes veranstaltete der Gießener Fußballklub von 1900 am vergangenen Sonntage zwei W e t t s v i e l e und eröffnete hiermit gleichzeitig seine diesjährige Spielsaison. Um 4V3 Uhr nahmen die Spiele vor einer zahlreichen Zuschauermenge ihren Anfang. Die l.Mann» schaft hatte den Fuldaer F. E. Borussia als Gegner während die 2. Mannschaft gegen den Nauheimer F. C. antrat. Fulda leistete nicht das, was man allgemein erwartet hatte; mit dem hoben Resultat 13:0 Goals mußte es sich geschlagen bekennen. Halbzeit 5 : 0. Tas Spiel nahm einen anständigen Verlauf. Gießens Stürmerlinie, durch ein auswärtiges Mitglied verstärkt, zeigte zeit­weise ganz vorzügliches Zusammenspiel sowie gutes Kopfspiel, -mc Hintermannschaft war den Eingriffen der Gäste ebenfalls gewachsen.

T:e 2. Mannschaft konnte genau wie beim ersten Spiel nur unentschiedenes Resultat erzielen, diesmal 3:3 Goals. Auch dieses Spiel nahm einen einwandfreien Verlauf. Nach dem Spiel sand ein Festkommers auf dem Schützenhaus statt, der die Mannschaften noch lange in fröhlicher Stinimuna zusammen hielt. _____

Arbeiterbewegung.

Prag, 17. Sept. Der Kohlenarbeiter st reik fit be­endet und die Belegschaft auf allen Schächten ordnungsgemäß eingefahren. Ihre volle Leistungsfähigkeit werden aber die Schächte erst in einigen Tagen erlangen. Der durch den Streik ^rvov- gerufene Produktionsausfall wird auf 30 000 Waggons geschätzt.

Mailand, 17. Sept. Im Jndustriebezirk von Pallanza, Gravellona, Baveno usw. find 8 0 0 0 Baumwollarbeltev in den Aus sta n d getreten. Da die Arbeitgeber Unterhandlungen ablehnen, beschlossen die übrigen Gewerbe den Gen er al streck für heute. Die Erregung fit groß. Von hier gingen Truppen dorthin ab-, _ . .. .

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