Erstes Blatt
156. Jahrgang
Montag 17. September 1906
: nesung. Am 12. d. M. wurde Professor v. Bergmann vom : Sultan empfangen, wobei letzterer ihm von seiner Krankheit sprach, ohne ihn jedoch zu konsultieren. Das Befinden des Sultans ist gut und die ärztlichen Autoritäten versichern, daß die ihm durch den Leibarzt Nurri Bey zuteilwerdende Behandlung ausgezeichnet fei.
Tie tu r ki scheu 8iüstunge n haben in den letzten Wochen stark zugenommeu. Es ist gewiß, daß das entschlossene Vorgehen des tranken Mannes die bulgarischen Hoffnungen auf Einverleibung Rumeliens beeinträchtigen wird. Nachrichten über eine neuerliche Beunruhigung der Pforte an die Großmächte wegen angeblicher Äriegr-vor- bereitungen Bulgariens erregten nach offiziöser bulgarischer Meldung in Sofioter polittichen Kreisen Befremden. Die visherigen bulgarischen Maßnahmen sind, so wird dort behauptet, lediglich, Vocbereitilngen für die bevorstehenden Manöver und keinerlei außergewöhnliche-.Erscheinungen; sie haben mit Mobilisierungsvorbereitungen nichts zu tun. Ebenso denken die bulg. offiziellen Kreise an keinen Krieg mit der Türkei und find selbst durch die militärischen Maßnahmen der Türkei im Wilcyet Adrianopel beunruhigt.
Rußland erlebte die furchtbaren Tage von Sied le e. Dem neuesten Berichte über das dortige Massakre ist sol-, gendes zu entnehmen: Ter Arrangeur, Oberst Tychanowski, ist Verfasser einer von der Regierung als hetzerisch konfiszierten Brandschrist gegen die Juden und Intellektuellen. Während der Masfakrrerung und Plünderung der jüdischen Bevölkerung sah man Offiziere auf öffentlicher Straße an den aus den Wohnhäusern heransgeschleppteil Tischen bei Kognak und .Schnaps Lieder singen. Die Zahl der Toten, ist nach Len letzten Nachrichten 14z, die der Verwundeten 450. Ausgeplünderi wurden 70 Geschäfte und 120 Wohnhäuser, beschädigt durch Kugeln 200 Wohnhäuser. Amtliche Nachrichten verzeichneten 20 000 Geweyr- und 8 Kanonenschüsse. Nach Privatnachrichten sind diese Ziffern zu vervierfachen. Man steht unter dem Eindruck, daß eine neue Reihe von Judenexzessen begonnen hat. Nach einem vertrauenswürdigen Brief aus Warschau steht gum wenigstens dort cüt Blutbad bevor. Ehess Warschauer Regimenter hielten aufreizende Ansprachen. Zirner."wird allein aus Warschau folgende Statistik für die erste .Hälfte des September gemeldet: 45 Polizisten getötet, 55 verwundet, 6 Bomben geworfen, 18 Branntweinbuden vernichtet, 08 ausgeplündert. Der „Partei der Volksfrciheit" (Kadettenpartei- und dem „Verband vom 30. Oktober" wurde die behördliche Genehmigung versagt. Tie Z a r e n f a m i l i e befindet sich auf einer Erholungssahrt ,in den finlandischen Gewässern an Bord des „Standard". Tie aus Rußland in Kopenhagen eingetrofsene Zaren-Witwe ist an Boro ihrer Jacht „Polarstern" ertrankt und sand in ihrer gleichfalls in Kopenhagen anwesenden Schwester, der sümigui Alexandra voll England, eine eifrige Pflegerin. Der Kopenhagener „S1andard"-Korrespondenr ro-iu von einem Offizier des „Po-" larstern" erfahren haben, daß sich an einem der letzten Abende kurz vor Eintritt der Dunkelheit ein geheimnisvoller Vorfall ereignete. Ein sehr zersetzter Brief, der in schlechtem Russisch an die Kaiserin-Witwe adressiert mar,: wurde an Bord des „Polarstern" geworfen, vermutlich aus einem vorüberfahrenden Boot. Er war an einem kleinen Stein befestigt worden und warnte in demselben schlechten Russisch wie seine Adresse die Kaiserin vor einer drohenden Gefahr. Irgendwelche außergewöhnliche Vorsichtsmaß^, regeln für den Schutz des „Polarstern" wurden nicht ge- ttofsen. Tas Schiss liegt an der gewohnten Stelle vor Anker, dicht am Land. Nach Eintritt der Dunkelheit patrouillieren Wachtboote mit starker bewaffneter Bemannung die Umgebung des Schiffes ab.
Aus Kuba geht es drunter und drüber. Rebellenhaufew näherten sich unter dem Kommando Guerras der tzauvt-, stadt, wurden aber, wie es heißt, bei Wajary, 12 Meilen südlich von Havanna, auseinandergesprengt. Trotzdem glauben die Vereinigten Staaten mit bewaffneter Hand em- greifen zu müssen. Es steht ihnen aber vtetleichr derselbe' langwierige Guerillakrieg bevor, der oen Spaniern so gewaltige Opfer an Gut und Blut gekostet hat, ohne daß sie die Insurrektion unterdrücken konnten. Zu den Philippinen, die ihm schwer genug im Magen liegen, will trotzdem dem Anscheine nach Bruder Jonathan vielleicht noch das nicht minder unverdauliche Kuba verspeisen. Kriegssetretär Tast und Unterstaatssekretär Bacon vegaben sich im Auf- ttage Roosevelts von Washington aus mit 3000 Soldaten aus starken Schiffen nach, Havanna, wie aus Washington versichert wird, „um die Bedingungen aussüldig zu machen, unter denen jeder mögliche Beistand zur Beruhigung des Landes geleistet werden kann." Und aus Newyort wttch
Nr. 218
Erscheint tSgttch außer SonMagS.
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sind u. a. angemeldet: der Kaiser, der Herzog von Connaught als Vertreter des Königs von England, der Gr o ß h er zog v o n H e s s e n, der Fürst von Schwarzburg-Rudolstadt, Prinz Ernst von Sachsen-Altenburg und Prinz Max von Baden.
Die Kolon-ialdebatte in der deutschen Presse nahm einen höchst unerquicklichen Charakter an. Die „Tägl. Rundsch." griff den soeben zum Oberlommandeur dec Schutz- : truppe beförderten Oberstleutnant Quade aufs schärfste an, weit er angeblich dem „Berl. Lokalanz." Mitteilung darüber gemacht hätte, daß eine Reihe von Offizieren von der Firma Tippelskirch Geldbeihilfen empfangen habe. Als Oberstleutnant Quade alsbald in einer Berichtigung die absolute Unrichtigkeit der Behauptung festftellte, begann die „Tägl. Rundsch," einen Rückzug. Sie revozierte und gab ihre Quelle Preis, indem sie erklärte, ihr Gewährsmann habe die Nachricht von einem Dr. Mode, Berichterstatter des „Lokalanz.", erhalten gehabt, der sich für ihre Richtigkeit verbürgt habe. Tr. Mode und der „Berl. Lokalanzeiger" fertigten daraus die „Tägl. Rundsch." ab. Der „Lokalanz." erklärte, der Gewährsmann der „Tägl. Rundschau" sei Tippelskirch selbst, und .Dr. Mode klärte in längeren Artikeln die Presse über den wirklichen Sachverhalt auj. Zum Schlüsse übersandte er dem Herausgeber der „Tägl. Rundsch." eine Pistolenforderung, welche — abgelehnt wurde. Quade und Tippelskirch haben nun die „Tägl. Rundsch.", den „Berl. Lokalanz." und das „Berl. Tagebl.", und zwar Redakteur, Drucker und .Verleger (!) vor den Kadi zitiert.
Herr v. Podbielski, dessen Vorlage über die Döbe- ritzer Heerstraße der Kaiser nach dem Vortrage des Ministers guthieß, empfing in Talmin während der Manöver den Besuch des deutschen Kronprinzen. Letzthin wandte sich auch der konservative Verein Berlin s in einem bemerkenswerten Beschluß dagegen, daß man zugleich Reichslieferant und Staatsminister fein könne.
Der Rücktritt Paasches von seiner Charlottenburger Professur wird wohl erfolgt sein, um Paasches Arbeitszeit in den kommenden parlamentarischen Arbeiten zu entlasten.
Ter jungliberale Parteitag in Hannover schloß mit einer Einigung der alten und jungen Nationalliberalen. Ter deutsche Juristen tag nahm in bemerkenswerter Weise Stellung zu der einheitlichen Regelung der Akkordarbeit, verlangte fernerhin eine gesetzliche Ausgestaltung des Tarifgemeinschaftswesens. Die Thesen Kahls über die Behandlung des Rückfalls im Strafrecht gelangten zur Annahme. In der Tagung der internationalen kriminalistischen Vereinigung wurde eine Kommission zur Herbeiführung einer neuen Grundlage für die Straf- Prozeßreform gewählt und die Notwendigkeit eines Aus- lieserungsgesetzes betont.
Die Wahl des deutsche n P aters F. X. Wernz zum Jesu.itengener al hat die französische Presse ganz aus dem Häuschen gebracht, und sie sucht krampfhaft, chren Lesern einzureden, niemand anderes als der deutsche Kaiser sei der spiritus rector dieser Wähl. Ter „Matin" meint sogar 5er erste Schritt zur Verdeutschung des katholischen Kultus sei bereits getan, und da die Brüder von der Gesellschaft Jesu ihrem General unter allen Umständen blindlings gehorchen müssen, so würden sie auch nichts dagegen tun können, wenn dieser eines Tages auf Wunsch Kaiser Wilhelms anordnet, den katholischen Gottesdienst künfttg- hin in den Kirchen Frankreichs in der verhaßten deutschen Sprache abzuhalten. Doch diese neue „Enthüllung" des Leiborgans des früheren Ministers Delcasse ist zu dumm, als daß sie einer Widerlegung wert erschiene, aber sie wirst doch wieder ein sch<arfes Licht auf das Mißtrauen der Franzosen gegen den vermeintlichen deutschen Einfluß im Vatikan.
Kaiser Franz Josef gab plötzlich seine dalmatische Reise auf und beauftragte den Erzherzog Franz Ferdinand mit seiner Vertretung bei den See- und Land- manövern. Dieser empfing in Ragusa den Erbprinzen von Montenegro, gab ihm zu Ehren ein Diner und überreichte ihm im Auftrage des Kaisers das Großkreuz des Stefansordens.
Ueber die neuerliche Berufung des Geh. Rats v. Bergmann und des Dr. Bier von Berlin nach Konstantinopel zum türkischen Sultan kursierten widersprechende und teilweise alarmierende Gerüchte. Tie beiden Herren wurden tatsächlich zur Konsultarion der kaiserlichen Prinzessin berufen, die an der Blinddarmentzündung noch immer leidet, fanden aber deren Zustand durchaus befrie- digend und einen operativen Eingriff für unnötig. Tie Prinzessin befindet sich auf dem Wege vollständiger Ge- ,
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Gietzener Anzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW
u_ ____ gelgentefl; Hans Beck.
Are Heutige Yummer umfaßt 10 Seiten, politische Wochenschau.
Die vor Beginn der nun beendeten Kaisermanöver in Breslau gehaltene Rede des deutschen Kaisers ge ge n die Ungläubigen und Schwarzseher ist viel kommentiert worden, auch im Auslande. Die Tendenz der Rede schien ziemlich ähnlich derjenigen, die der Kaiser am 24. Februar 1892 auf dem Brandenburger Provinziallandtage gehalten hat. Damals rief er den „Nörglern" zu, sie sollten den „deutschen Staub von ihren Pantoffeln schütteln". Der Londoner „Dailv Telegraph" meint, des Kaisers Aeraer sei verständlich und selbst verzeihlich. Denn er wollte sicher sagen, „der Pessimist im gewöhnlichen Sinne des Wortes sollte im modernen Deutschland nicht existieren". Das ,^Leipz. Tagebli" führte aus:
„Ein freisinniges Mitglied des preußischen Abgeordncttn- hauseS hat angekündigl, er werde im Parlament Aufklärung darüber verlangen, wer unter den nicht zu duldenden Schwarzsehern zu verstehen sei. Dieser ganz verständliche, aber sicher vergebliche Wunsch legt den Gedanken an die Behandlung ähnlicher Versuche im Reichstage nahe und bringt die Unhaltbarke it der dort geschaffenen Zustände ins Gedächtnis. Seitdem der Präsident nach dem Grundsatz handelt, daß im Parlament nur im „Reichsanz." abgedruckte Kundgebungen des Kaisers besprochen werden dürfen, vermeidet das amtliche Organ den Abdruck kaiserlicher Reden. Während der „Reichsanz." also sorgfältig verzeichnet, was die Minister, die fremden Botschafter und Gesandten und viele andere minder wichtige Persönlichkeiten tun und lassen, tut er so, als gehörten Kaiserreden nicht zu den bemerkenswerten Ereignissen. Und mit diesem Versteckenspielen wird erreicht, daß dem Herrscher nicht ein einziges Mal im Parlament Bedeuten wegen mancher Aussprüche ausgedrückt toerben können. Wir glauben nicht einmal, daß dies dem Willen des Herrschers entspricht, beim sonst märe nicht bas oifiziöse Telcgraphenbuerau so eifrig bemüht, bie Kaiserworte in alle Welt zu brahten. Die Worte sollen also bekannt und naturgemäß auch besprochen werben."
_ . Die „Nordd. Allg. Ztg." schloß ihre Besprechung, dieser Staiferrebe mit folgender: Worten:
„Unser nationales Leben bewegt sich auf emporsteigender Vahir und berechtigt in keiner seiner Aeußerungen zu einer pessimistischen Bewertung der Zukunft. Von der hohen ^'arte, auf der der Herrscher steht, hat der Kaiser erkannt, i'tiU ich Ijner und da Ansätze solcher Anwandlungen zeigen, denen in den Anfängen entgegenzutreten der Monarch für seine hohe Pflicht hielt."
Wenn die „Nordd. Allg. Ztg." recht hat mit ihrem Kommentar, bann ist es doch zu bedauern, daß der Kaiser eine so überaus schroffe Form gegenüber den doch nur aus patriotischem Herzen zur Schwarzseherei Neigenden zu zu wählen für gut befand, indem er sie des teuren Vaterlandes berauben möchte. Noch bedauerlicher aber ist es daß die Zahl der vaterlandsliebenden Schwarzseher von Tag zu Tage wächst, Jedenfalls ist die kaiserliche Heftigkeit durchaus nicht dazu geeignet, politisches .Schwarzseherlum einzuschränken.
Auch das Ende der Kaisermanöver zeitigte eine kaiserl Kundgebung. Der Kaiser hat an den König von Sachsen folgendes aus Liegnitz, 13. Sept., datiertes Hand- schreiben gerichtet:
Durchlauchtigster, Großr.iächtigster Fürst, freundlich lieber Vetter und Bruder! Am Schluß der diesjährigen vor mir abge- haltencn Herbstübungen, beneu Eure Mawstm mit so lebhaftem ^ntercsic beigcwohnt haben, ist es mir ein tief empfundenes Bedürfnis, Eurer Majestät mit meinem herzlichsten Tank hierfür zugleich die hohe Befriedigung über die vortreffliche Haltung und den ausgezeichneten Zustand auszusprechen, in dem ich sowohl bei der Parade wie auch int Lause der Manöver die königlich ]ach]i]a)en Gruppen, welche im Verbände des 6. Armeekorps und der Kavallerie-Division B an den Hebungen teilgenommen haben, gesunden habe. Mit der Versicherung der vollkommensten Hochachtung und wahrer Freundschaft verbleibe ich Eurer Majestät srenndwuliger Vetter und Bruder Wilhelm.
Ter plötzliche Tod des Prinzen Albrecht von Preußen, des Oheims des deutschen Kaisers, brachte die s.W- Braunschweigische Frage wieder einmal aufs Tapet. Vorläufig har der Regenrschaftsrat sich tenftituiert, der den Landtag zusammenbernsen hat. Tas cumberlandische Haus- marschallamt teilte mit, daß weder der Herzog von Cumberland, noch ein anderes Mitglied- des herzoglichen Hauses an der heutigen Beisetzung des Prinzregenten in Kamenz teilnimmt. Tie Mitteilung stammt aus Kopenhagen, wo sich gegenwärtig Herzog Ernst August von Cumberland mit Gefolge befindet. Ob in anderer Weise eine Beileidsbezeugung erfolgt ist, ist a ns der Kopenhagener Depesche nicht zu ersehen. Tie Leiche des Prinzen Albrecht von Preußen ruht in der Uniform seines Schwedter Tragsner- , Regiments 9tr. 2 im Sarge. Als Teilnehmer zur Trauerfeier
Das Pctcrle und der Großherzog.
In seinem für den Verein der Badener in Berlin geschriebenen und bei der Concordia, Deutsche Verlagsanstall Hermann Ehbock in Berlin W. 50, als schmuckes Büchlein (Preis Alk. 0.50) soeben erschienenen Festspiel für das Jubiläum des Großherzogs von Baden kommt Rudolf Presber auf die hübsche Idee, als letzien Gratulanten „das Peterle", einen kleinen Bauernbuben aus dem Schwarzwald, auftreten zu lassen. Tas Büblern gibt sich Piühe, hochdeutsch zu reden, Ml aber immer wieder in seinen badischen Lialekt zurück. Sein munteres Sprüchlein aber lautet so;
Achtzig bischt Du — ich bin acht, Doch ich wachs noch tüchtig; Und der Lehrer sagt, das inacht Zehnmal mehr — ’s isch richtig.
Aber werd' ich auch so alt, (Hei, dann kann ich lesen!) Ninimermehr vergeß' ich halt, Wie Du gut gewesen!
Wie a Jed's ans Fenster flog — Alles drunter, drüber — Wenn es hieß! .Der Großherzog, Kmder, fahrt vorüber l*
Und der Vater stößt mich an (Nil als wollt' er zanka), .Büble, grüß'; das isch e Mann, Dem wir viel verdanke!
Grüß! Und wenn d'n Greisle wirscht, Kannscht Du's recht verschlehe. Was Du für en edle Fürschl Hascht als Kind gesehe.
Lieb' vererbt sich im Geschlechts Sagt er. „©eü verspür' ich." Zmmer hat mein Vater recht. Und — drum gratutier' ich! *
— Kurhessische Erinnerungen. Am 15. September 1866 wurde dem Kur fürsten in Stettin ein Vertragsentwurf von der Krone Preußen vorgelegl, durch den die vcr- mögeusrcchtlichen Verhättnisfe des Kursürsten geordnet wurden. Der Kursürst hatte sich innerhalb zwei Tage über Auuahme^odcr Ablehnung zu entscheiden. Er nahm den Vertrag am 1.. <s-pt. an. Im Zuiammenhang damit enibaub Frieüricy Wilhelm feine Truppen, Zivil- unö ^ofbieuerschast, sowie alle Untertanen des Eides der Treue, —. Am 17, £>e£t. jeifie die, Fürstin Auguste
zu Isenburg und Büdingen -Wächtersvach, die älteste (und Lieblings-- Tochter des Kurfürsten, bie gegen ben Willen Bismarcks m ber Eefanaenichaft bei ihrem Vater weilen burftc, nach Wächtersbach zurück. Als Bismarck brohte, er werde die Fürstin bei ihrer Ankunft in Stettin verhaften la]feit, wandte sie sich direkt an König Wilhelm. Ter König schrieb ihr eigenhändig: „Da der Kurfürst, durch bie politischeu Verhältnisse veranlaßt, seit gestern in Stettin in meinen Staaten refibieti, so stehl nichts entgegen, baß bic Frau Fürstin sich borthin begibt, was ich sogar sehr gerne sehe, damit Ihrem Herren Vater jebe Annehmlichkeit widerfahre. Wilhelm Re^." Am 18. Sept, wurde der Kurfürst aus der Kriegsgesangenschast entlassen. Er begab sich am 10. Sept, früh 8^2 Uhr nut feiner Gemahlin, Der Fürstin von .Hanau, und Gefolge nach Dresden, wo. er bis zum 29. September Wohnung nahm.
Stuttgart, IC. Sept. Unter dem Vorsitz Professors Chun- Leipzig ist heute der Vorstand uird der wissenschaftliche Ausschuß der Gesellschaft deutscher Naturforscher u. A e r z l e zufanilnengetreten. Zu dem morgen beginnenden Kongreß haben |tcl) 2500 Teilnehmer angemetdei. Heule Abend fand ein Be- grüßungsabend in der Oiederhalle staü.


