hesnndyeitsschaLNchen Wirkungen ist %*nxir bisher nichts be- Lrnnt geworden, aber die Marineverwaltnng wird sich Wohl gedrungen fühlen, den in Frage kommenden Schiffskommandanten die peinlichste Kontrolle des amerikanischen Büchsenfleisches zur Pflicht zu machen, denn für die Verproviantierung der Auslandsschiffe ist dieses Fleisch, Ivie es heißt, nicht vöMg entbehrlich. Für die spätere Han dels- politische Stellung Deutschlands zu Amerika konunt übrigens dieser Fleischtrust-Skandal ganz gelegen, denn er berechtigt Deutschland zu umso vorsichtigerer Wahrung seiner Interessen. Gegenüber Leuten vom Schlage der „Bees-Barone" ändert sich unter Umständen sehr schnell die 'Bereitwilligkeit zu zollpolitischen Konzessionen.
— Das stenographische Protokoll über die denkwürdige Reichstagssitzung, in der das Reichskolonialamt zu Fall kam, liegt nunmehr vor. Die namentliche Abstimmung über das Kolonialamt ergibt von der Abstimmung der Nationalliberalen folgendes Bild: Ja 39: Barwinkel, Bartling, Basiermann, Beck (Heidelberg), Dr. B e ck e r (Hessen), Blankenhorn, Böttger, Boltz, Buchsieb, Büsing, Depken, Günter, Hagemann, Hagen, Held, Heyligenstaedt, Hieber, Hosang, Jorns, Krämer, Lehmann, Leineweber, Lichtenberger, Dr. LucaS, Müller (Bretten), Neuner, Graf Oriola, Ortel, Paasche, Patzig, Rimpau, Schellhorn, Schlumberger, Schmidt (Kaiserslautern), Schmidt (Wanzleben), Semler, Dr. Wal lau, Wamhoff, Westermann. Beurlaubt 3: Sieg, v. Kaufmann, Dr. Sattler. Gefehlt 10: Bahn, Beumer, Prinz Schänaich-Carolath, Haas, Hausmann, Frhr. v. Hey l, Horn (Goslar), Mattsen, Wessel.
Aas parlamentarische Rußland.
Petersburg, 1. Juni.
Die Sitzung der Reichsduma wurde eröffnet unter Lern Vorsitze des Fürsten Dokgorucky. Im Laufe der Beratung über die Agrarfrage führte Fürst Lwow aus, der der Reichsduma vorgekcgte Entwurf sehe dieselbe bureaukratische Willkürherrschaft vor, unter der Rußland so sehr gelitten habe. Wenn der Entwurf unter Außerachtlassung der tatsächlichen Verhältnisse verwirklicht werde, so sei es unmöglich, das ganze Land im Sinne der von Petersburg ausgegebenen Richtung zu reformieren.
Prof. L o k o t, Vertreter der Arbeiterpartei, verlangt in sehr langer Rede, daß alle Ländereien unter die Bauern verteilt werden sollten; die erste Reichsduma werde die Agrarfrage nicht losen können, aber sie müsse tun, was in ihren Kräften stehe.
Baron Ropp, Erzbischof von Wilna, führt aus, der Agrargesetzentwurf könne unerfüllbare Hoffnungen im Volke erwecken und einen Bürgerkrieg in jedem Dorfe Hervorrufen. Man müsse vermeiden, daß die Duma in eine Versammlung von mehreren hundert Autokraten ausarte, welche die Rechte der Minorität verletzen. Die zwangsweise Enteignung von Ländereien, die Schaffung von staatlichem Grundeigentum zur Verteilung von Ländereien an die Bauern würde eine unverzeihliche Gewalttätigkeit darstellen.
Nasarenko (Bauernpartei) halt eine heftige Rede, in der er alle Debatten für unnütz erklärt. Die Frage werde durch die Bauern selbst gelöst werden, für die das Land denselben Wert besitze, wie für die Kinoer der Busen der Mutter. Der Redner bestreitet jedes Eigentumsrecht an Land, auf Grund dessen die Vereinigung eines ungeheuren Landbesitzes in den Händen einer einzigen Person möglich sei, und fordert die Dunta auf, ihre Debatten einzustellen und eine Kommission von 33 Mitgliedern mit der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes zu beauftragen, sonst Würben die Bauern die Frage nach ihrem Gutdünken lösen. Tann werde es zu spät sein, das Uebel wieder gut zu machen.
Ackerbauminister Stischinsky bezeichnete das Projekt als undurchführbar und versprach einen Gesetzentwurf des Ministeriums vorzulegen, in dem Vorschläge gemacht werden sollen, wie das Los der Bauern mit Hilfe der Bauernbank zu verbessern sei.
Der Gehilfe des Ministers des Innern, Gur ko, sucht zu beweisen, der Entwurf der Duma würde die Bauern der Verarnrung preisgeben. Es sei unmöglich, sich auf ihn einzulassen. Man müsse entweder die Unverletzlichkeit desEigentums anerkennen, oder anerkennen, daß das Land ein Geschenk Gottes und zu gleichen Teilen an alle zu verteilen sei. Bei diesen Worten erhob sich ein dumpfer Lärm des Mißfallens im Saale und zwang den Präsidenten, die Glocke zu gebrauchen.
Die Bauern forderten den Moskauer Prof. Herzenste in auf, zu antworten. Dieser wendete sich in einer lebhaften Rede gegen die Minister und verspottete ihre Berechnungen. Seine Rede wurde vielfach durch lärmende Beifallskundgebungen unterbrochen.
Es hatten sich mehr als 130 Redner zum Worte gemeldet!
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Die Arbeiterpartei der Reichsduma erließ einen Aufruf an die gesamte Arbeiterschaft Rußlands, in welchem mitgeteilt wird, daß die Arbeitergruppe, da sic sich davon überzeugt habe, daß ihre weitere Mitwirkung in der Duma nutzlos sei, beschlossen habe, die Duma zu verlossen. Gleichzeitig werden die Arbeiter zu Ma!ssenknn d g eb - ungen aufgefordert. Die Stimmung unter der Arbeiterschaft ist äußerst erregt und es haben bereits in Petersburg, Odessa und Helsingfors höchst gefährliche Streiks begonnen.
Präsident Muromzew ist durch die Geschicklichkeit, mit welcher er die Duma leitet, persona grata beim Zaren geworden. Sein Rat und sein Einfluß ist größer als der Tcepows und der ganzen reaktionären Partei.
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Helsingfors, 31. Mai. Heute fand im kaiserlichen Palast ein Festempfang statt zu Ehren der Mitglieder des außerordentlichen Landtages. Ter Generalgouverneur richtete an die Abgeordneten eine Ansprache. Die Verleihung des Wahlrechts an die Frauen beweise die hohe Stufe der geistigen und sozialen Zustände des Landes, welches im öffentlichen Bewußtsein das Ansehen der Gattin und Mutter auf oie ihr gebührende Höhe gehoben habe.
General Lutochin aus Tschita im Transbaikalgebiet gibt eine Schilderung von Schreckensszenen, die sich in Tschita zuaetragen haben. Hunderte von An geschuldigt en wurden ohne Gerichtsverfahren standrechtlich erschossen, Hunderte von Aufrührern vom Kriegsgericht zum Tode durch den Strang verurteilt. Ein Geistlicher mit seinen zwei Söhnen wurde in der Nähe der Station Sembori ergriffen, uitb alle drei wurden auf den nächsten Telegrgphenstangerr kurzweg aus geknüpft.
Ausland.
Paris, 1. Juni. Die Kammer wählte Brisson zu ihrem Präsidenten. Die Rede Brisions, in welcher erden glänzenden Sieg der Republikaner bei den Wahlen feierte und erklärte, die Kammer muffe nur mehr reformatorisch wirken, damit mehr Brüderlichkeit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit herrsche, fand großen Beifall. Zu Vizepräsidenten wurde der sozialistisch Radikale Rabier und der frühere Finanzminister Caillaux, Obmann der demokratischen Union, gewählt.
Wien, 1. Juni. Es ist gelungen, einen Modus zu finden, der den Tschechen den Eintritt in das Kabinett ermöglicht, das nunmehr unter dem Ministerpräsidenten Baron Beck gebildet erscheint. Die Tschechen entsenden Dr. Pacak als Landsmannminister. Als Handelsminister tritt der Sektionschef im Eiscnbahnministerium Dr. Forscht ein, der bis vor kurzem tschechischer Abgeordneter war. Die Polen entsenden den Grafen Dzieduszycki als Landsmannminister. Von Parlamentariern wird der Obmann der deutschen Fortschrittspartei und Rektor der Hochschule für Bodenkultur March et Unterrichtsminister, der Obmann der deutschen Volkspartei Derschatta Eisenbahnminister, Pra de, ebenfalls deutsche Volkspariei, deutscher Landsmannminister. Zum Minister des Innern wird der bisherige Leiter des Unterrichtsministeriums Bienorth, zum Ackerbaumeistcr der bisherige Leiter des Handelsministeriums Graf Auersperg, zum Justizminister der bisherige Justizleiter Klein ernannt. Feldzeugmeister Schönaich bleibt Landesverteidi- gungsminister._________________________________________________
Revision des Religionsunterrichtes in den hessischen Rolksschulen.
Die Supcrintendentur-Konferenz der evang. Geistlichen der Provinz Starkenburg, welche vergangene Woche in Darmstadt unter dem Vorsitz des Superintendenten Dr. Flöring stattfand, verhandelte über die Auswahl 'und Verteilung des Stoffes für den evang. Religionsunterricht in der Volksschule. In welchem Sinne auf dieser Konferenz der Verfiich einer zeitgemäßen und wohl von weitesten Volkskreisen als dringend notwendig erkannten Reform des Religionsunterrichts erörtert wurde, geben uns die vorliegenden Leitsätze und ein Stoffverteilungsentwurf des Referenten an die Hand, wovon folgendes mitgeteilt sei:
Tie seitherige Auswahl hat den Religionsunterricht mit einer allzu großen Stofffülle belastet. Diese ist beseitigen a) bei den geschichtlichen Stoffen hauptsächlich durch Verzicht auf zu häufige, auch die Wirksamkeit des Unterrichts beeinträchtigende Wiederholungen, sowie aus manche oüteftnment- liche Geschichten, ferner durch knappere Fassung mancher Geschichten und Unterscheidung von Geschichten 1. imb 2. Ranges, welch letztere des Zusammenhangs wegen kurz zu behandeln sind; b) bei den erbaulichen Stoffen durch den Bruch mit der Gewohnheit, von allen Liedern sämtliche Strophen memorieren zu lassen; c) bei den lehrhaften Stoffen einmal durch eine Behandlung des Katechismus, welche im wesentlichen die Erklärung Luthers zur Geltung bringt und davon absieht, in denselben ein vollständiges Lehrsystem hinein zu bauen, zum anderen durch B e- schränkunq des Memorier st offes aus das wirklich Itn- entbehrliche, nämlich auf die drei Hauptstücke und etwa 2 0 0 (ist das nicht auch noch reichlich viel? D. Red.1 sorgfältig ausgewählte Bibelsprüche, also unter Ausscheidung der Hess. Fragestücke als entbehrlicher und zum Teil verwirrender Dubletten und aller in den Kinderkatechisnn's später eingetragenen theologischen Definitionen und Formulierungen.
Die neue, knappere Stofsarrswahl soll nicht nur eine positiv eindringendere und gründlichere Behandlung namentlich der wertvollsten, religiös-sittlich-fruchtbaren Stoffe (Propheten, Psalmen, Bergpredigt, Gleichniffe usw.) ermöglichen, sondern zugleich auch für die Vorführung des Lebens Jesu auf Grund von Bibellesen und für die Heratlziehung einiger seither nicht imd) Gebühr berücksichtigter Stoffe Raum schaffen, die Person und das Evangelium Jesu in den Mi tt e lv u n kt des Unterrichts rüden, und zur Einführung der Kinder in die Bibel selbst dadurch anleiten, daß sie den geschichtlichen Stoff nur für das L—6. Schuljahr in dem Hilfsbuch der biblischen Geschichte darbietet und im 7. und 8. Schuljahr nicht mehr b i b I. Geschichtsunterricht, sondern Bibellesen fordert.
Die Verteilung des Stoffes aus die einzelnen Schuljahre hat in berjöcffc zu erfolgen, daß die lebendige Anschauungen ermöglichenden geschichtlichen Stoffe überall die Grundlage des Religionsunterrichts bilden. Die einzelnen Geschichten sind nicht nach dem Prinzip der konzentrischen Kreise anzuordnen, sondern bei aller Rücksichtnahme auf die Fassungskraft der Kinder möglichst in ihrem Zusammenhang zu belassen und in historischer Reihenfolge darzubieten, grundsätzlich n u r einmal eingehend zu behandeln, aber teils gelegentlich, teils zusammen mit den Geschichten derselben Periode noch einmal in großen Zügen zu wiederholen. Die lehrhaften Stoffe (Katechismusnnterrichr) des 5. Schuljahres werden am besten an die geschichtlichen Stoffe angeschlossen ; die des 6. bis 8. Schuljahres müssen zwar stets in Beziehung zu den geschichtlichen Stoffen gesetzt werden, sind aber für sich allein zu behandeln. Die erbaulichen Stoffe können teils den geschichtlichen, teils ben lehrhaften Stoffen angegliebert, teils an bas Kirchenjahr angeschlossen werben.
Eine Neubearbeitung bes Hilfsbuchs bet bibl. Geschichte, die Aufstellung eines dem Bibellesen zu Grunde zu legenden Leseplans, eine Revision des Spruch buchs und ganzen M e m o r r st o f f s, Stoffverteilungen für ein-, zwei-, drei- und vierklafsige Schulen mit scharf von einander abgegrenzten Jahresvensen sind dringend notwendig. Die Einführung einer guten Schulbibel (bibl. Lesebuchs) ist anzustreben.
Die Konferenz richtete an daS Großh. Oberkonsistorium die Bitte, eim aus Theologen der verschiedenen Richtungen und Schulmännern zu bildende Kommission mit diesen Vorarbeiten für eine maßvolle Reform des Religionsunterrichts zu betrauen.
Wir begrüßen diesen ersten Versuch einer Religionsunterrichtsreform und können nur wünschen, daß die Kommission zu einem Ergebnis gelangt, mit dem sich alle Anhänger der modernen Theologie einverstanden erklären können. Der heutige übergroße und verwirrende Ballast an religiösem Memorirstoff unterbindet schon in den werdenden Geistern der jungen Generation die natürliche Entwickelung religiösen Gefühls und religiöser Erkenntnisse in bedenklicher Weise. Jede vernünftige Reform kann also nur von Vorteil für die Entfaltung der Volksseele sein.
Aus StaOt uns Luns.
Gießen, den 2. Juni,
** Z u König l. Preußischen Lotterie-Einnehmern für Gießen wurden ernannt: Richard Buchacker, Ernst Legler, Fritz Flimm. Die Lose zu der am 9. und 10. Juli stattfindenden 1. Klasse der 215. Lotterie sind am 1. Juni zur Ausgabe gelangt. Die Preußische Klaffen-Lotterie hat 5 Klassen, sodaß monatlich eine Klaffe acioaen wird.
P. A. 26. Lahntal-Sängerb undeSfest. Auf dem Festplatz (OswaldSgarten) ist man jetzt beschäftigt, die Bier- Hallen, die von der Festleitung in eigener Regie erbaut werden, zu errichten. Dadurch, daß sie auf die höher gelegene Nordanlage gestellt werden und erhöhte Vorbauten bekommen, ist dem Festbesucher eine bequeme und schöne Sitzgelegenheit geboten. Daneben ist auf dem Platz selbst für größere Unterhaltung gesorgt. Wer aber mehr vom Lahntal- Sängerbund hören will, kann am Festsonntag Vormittag in der Turnhalle des Turnvereins oder am Nachmittag in der Festhalle den Wettgesängen lauschen.
= Alten-Buseck, 1. Juni. Sonntag, 10. Juni feiern der Landwirt Philipp Freund I dahier und seine Ehefrau Suffe geb. Wagenbach das seltene Fest dergoldenenHoch- zeit. Der Jubilar, der 71 Jahre alt ist und die Jubilarin die im 74. Lebensjahre steht, sind noch geistig und körperlich rüstig. Möge es dem greisen Paar gegönnt sein, noch lange Jahre im Kreise seiner Angehörigen zu verleben.
(?) Butzbach, 1. Juni. Als Aufführungstage des Festspiels sind der 10., 13., 17., 20., 24. und 27. Juni vorgesehen. Karten und Textbücher werden im Vorverkäufe abgegeben und zwar in Butzbach in der Buchhandlung Weick- hardt, Bad-Nauheim: Filiale Braubach u. Fischer (Ecke Kur- und Fürstenstraße), Friedberg; Braubach u. Fischer (Raffer- straße 63), Frankfurt: Schirmfabrikant Klippel (Bleiden- straße 35), Gießen: Braubach u. Fischer (Neuenweg 4) und in Wetzlar in der Schnitzler'schen Buchhandlung. Der Beginn der Aufführungen, die im Hessischen Hof-Saale stattfinden, ist um 7 Uhr abends, Ende gegen 9 Uhr, am 17. Juni Beginn 6 Uhr.
= Bad Nauheim, 1. Juni. Bis zum 31. Mm sind 7 5 40 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 5420 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 31. Mai 1906 ---- 74 695 abgegeben.
o. Lauterbach, 1. Juni. Während der im Laufe dieses Sommers stattfindenden Renovierung der evangelischen Kirche wird der Gottesdienst in dem Konfirmandensaale abgehalten werden. — Ein 17 jähriger Bäckergeselle spielte mit einem Revolver, wobei ein Schuß los- und dem Spielenden durch die Hand ging. — Der Neubau der Molkerei, der seinen Platz in der Nähe des Hauptbahnhofes gefunden hat, schreitet seiner Fertigstellung entgegen; der Betrieb soll noch in diesem Jahre ausgenommen werden.
E. B. Darmstadt, 1. Juni. Stadtbaumeister Baurat Frenay, der heute nachmittag einer Ausschußsitzung im Stadthaus in der Rheinstraße beiwohnte, wurde von einem Schlaganfall getroffen. Er wurde mittels eines telephonisch herbeigerufenen KrankentranSportwagenS in seine Wohnung geschafft. Der Zustand des so jäh mitten aus seiner Amtstätigkeit herausgeriffenen Beamten wird als sehr ernst bezeichnet.
fc. Mainz, 1. Juni. Am Bingerschlag wurde gestern das 7jährige Söhnchen des Bahnsteigschaffners Andres, der am 1. April erst von Germersheim nach hier versetzt worden, von dem Automobil des Rentners Kröll überfahren und schwer am Kopfe verletzt. Lebensgefahr ist ausgeschlossen. Kröll ist erst vor 14 Tagen wegen fahrlässiger Tötung eines Menschen beim Automobilfahren zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt worden.
X WormS, 31. Mai. Das 27. Kirchengesangverein Sfe st des evangelischen Kirchengesangvereins für Hessen fand am letzten Sonntag hier statt. 32 Vereine waren dabei vertreten, darunter auS Oberhessen der Gießener Verein. Nach dem in der Hauptversammlung erstatteten Jahresbericht sind 17 Vereine neu gegründet worden (in Oberhessen Engelrod, Ulrichstein, Lauzenhain und Kirtorf) und 3 emgegangen (darunter Gelnhaar). Im ganzen sind dem Hauptverein 127 Vereine (30 in Oberheffen) und 10 Chorschulen an- geschlossen. Die Jahresrechnung schloß mit 2499,43 Mark Einnahmen und 2297,25 Mark Ausgabe;; ab; daS Vermögen stieg von 4208,51 Mark auf 4672,01 Mark. An die Hauptversammlung schloß sich ein gemeinsames Mittagessen an und am Nachmittag fand in der Dreifaltigkeitskirche ein Fest- gottesdienst statt, in dem Professor März von Alzey die Festansprache hielt. An dem gesanglichen Teil beteiligten sich unter Professor Mendelsohns Leitung 10 Vereine mit über 300 Sängern. Den Abschluß des Festes bildete eine gut besuchte Nachversammlung im Festhaus.
fc Frankfurt a. M., 1. Juni. Der Bezirksfeldwebel Sp ritzky vom hiesigen Hauptmeldeamt wurde an der Straßenkreuzung Bethmannstraße — Großer Kornmarkt von der in schnellem Tempo fahrenden Droschke 322 angerannt und überfahren. Durch Huftritte erlitt der Bezirksfeldwebel schwere Verletzungen am Kopfe. Das eine Auge trat au§ der Augenhöhle heraus und ist verloren. In bewußtlosem Zustande wurde der Unglückliche in das Lazarett gebracht.
Verimischtes.
* Berlin, 1. Juni. In der vergangenen Nacht wurde aus dem hiesigen Zeuahause ein türkischer Ni s h anJmitaz-O rd en mit Brillanten ge st oh-len. Der Orden ist ein achtstrahliger goldener Stern mit großen Brillanten, in der Mitte den Namenszug des Sultans tragend. Die gleichfalls gestohlene, dem Orden affigierte Medaille ist ein kleiner Stern mit 18 kleinen Brillanten, der an einem rotgrünen Bande hing. Für Mitteilungen welche zur Ermittelung des Diebes oder zur Wiedererlangung des gestohlenen Gutes beitragen, sind 1000 Mk. Belohnung ausgesetzt.
* Bertha Krupp, die älteste Tochter des verstorbenen Wirkt. Geh.-Rats Knipp in Essen, hat sich mit dem Lega- üonsrat Gustav von Bohlen und Halbach, Legationssekretär bei der preußischen Gesandtschaft am päpstlichen Stuhl, verlobt. (Bertha Krupp erbte beim Tode ihres Vaters 125 Millionen. Seitdem dürfte sich ihr Vermögen noch wesentlich vergrößert haben. D. Red.) Der Bräutigam ist 1870 im Haag geboren, hat das Gymnasium in Karlsruhe besticht und auf den Universitäten Lausanne, Straßburg und Heidelberg studiert. Von 1899—1900 war er Legationssekretär bei der Botschaft in Washington, von 1900 bis 1903 bei der Gesandtschaft in Peking, seit 1904 ist er Legationsrat bei der preußischen Gesandtschaft beim päpstlichen Stuhl. Der glückliche Bräutigam ist auch badischer Kammerjunker und Oberleutnant der Reserve bei dem 2. badischen Dragonerregiment Nr. 21 in Bruchsal.


