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14.9.1906 Erstes Blatt
 
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VezngspretSr

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

eines nach Petersburg zurückkehrenden Eisenbahnkassierers ab­gesehen mar, der auf der Station Geld einkassiert hatte. Die Militärwache der Wagen überraschte die Uebeltäter von hinten, feuerte auf sie und jagte sie in die Flucht. Zwei von ihnen wurden getötet und einer festgenonnnen.

Helsing sorS, 13. Sept. (Meldung des Svenka Telc- graindyran.) Ein kaiserlicher Ukas verbietet die Einfuhr von Geivehren mit gezogenem Lauf und allen Arten Revolver nach Finnland auf ein Jahr, vom 14. Sept, ab gerechnet; Gewehre mit glattem Lauf dürfen eingeführt werden.

Moskau, 13. Sept. Heute findet die erste Verhand­lung vor dem Feldgericht statt. Angeklagte sind zwei Personen wegen bewaffneten Widerstandes bei ihrer Ver­haftung.

Odessa, 13. Sept. Nach hierher gelangten Meldungen ist der Flecken Kupia im Bezirke Kamenez, der von 200 jüdischen Familien bewohnt wird, durch Bauern aus der Umgegend vollständig ausgcplündert und verbrannt worden. Wie cS heißt, sind mehrere Dorfbewohner ermordet worden oder in den Flammen umgekommen.

Plozk, 13. Sept. Gestern wurden von 5 bis 10 Uhr abends Haussuchungen im jüdischen Stadtteil, der von Truppen umzingelt wurde, vorgenonunen. E§ wurden Druck- Icttern vorgefunden. Zwei Personen wurden verhaftet.

Deutsches Reich.

Liegnitz, 13. Sept. Der Kaiser begab sich heute früh nach 61/, Uhr im Automobil nach dem Manövcrgcländc.

Neumarkt, 13.Sept. Ain heutigen Manövcrtage war die rote Partei noch weiter östlich zurückgegangen imb hatte hinter Neumarkt eine feste Stellung angenommen. Die blaue Partei verfolgte den Gegner und machte mit dem 5. Korps eine Umgehung um den finken Flügel der roten Partei. Erst nach 12 Uhr kam es hier zum Gefecht. Die rote Partei versuchte einen Gegenstoß. Um 2 Uhr wurde das Signal: »Das Ganze halt!" gegeben. Der Kaiser verfolgte die Entwickelung bei Hausborg, südöstlich von Neu­markt; ebenso waren sämtliche fremden Fürstlichkeiten und Offiziere anwesend.

Breslau, 13. Sept. Der Kaiser ist heute abend 6 Uhr im Automobil vom ManÖoergelände hier eingetroffen und im Schloß abgestiegen.

Berlin, 13. Sept. DerStaatsanz." veröffentlicht zahlreiche Ordensauszeichnungen, die der Kaiser an­läßlich der diesjährigen großen Herbstübungen verliehen hat. Den Schwarzen Adlerorden erhielt der kommandierende General des fünften Armeekorps v. Spülpnagel, die Kette zum Großkreuz des roten AdlerordenS der sächsische Kriegs- minister Freiherr v. Hausen, das Großkreuz des roten AdlerordenS mit Eichenlaub der kommandierende General deS sechsten Armeekorps v. Woyrsch, das Großkreuz deS roten Adlerordens der kommandierende General des zweiten sächsischen Armeekorps Graf Vitzthum von Eckstädt und der kommandierende General des ersten sächsischen Armee­korps v. Broiz e m, den Stern der Komture des Hallsordens von Hohenzollern Generalstabschef v. Moltke.

Primkenau, 13. Sept. Die Kaiserin begab sich heute früh in Begleitung der Prinzessin Viktoria Luise und der Herzogin Ernst Günther nach der evangelischen Kirche und legte in der Fürstengrust an den Särgen ihrer Eltern einen Kranz nieder.

Köln, 13. Sept. In der heutigen Sitzung der St a dt- verordnetenversammtung wurde an Stelle des mit dem 1. Oktober d. I. aus dem Amt scheidenden Ersten Beigeordneten, Geheimrat Pttman, der zweite Bürger­meister von Münster i. W., Farwick, gewählt mit 24 Stimmen gegen 16 Stimmen, die auf den Beigeordneten Jesse- in Köln fielen. Ersterer gehört politisch zum Zentrum, letzterer zur liberalen Partei. Farwick ist 44 Jahre alt.

Rußland.

Petersburg, 13. Sept. Der Kaiser und die Kaiserin unternahmen heute nachmittag mit dem Großfürsten-Thron- folger llnd den anderen kaiserlichen Kindern an Bord der JachtStandard" einen für mehrere Tage berechneten AuS- fllig nach den: finnischen Meerbusen. In ihrer Be­gleitung befinden sich der Hof und der Marineminister.

Ungeachtet der häufigen Naubanfälle auf Brannt- iveinmonopolläden sind die dadurch der Staatskasse zugefügten V erlu st e un beb eilten b. Der staatliche Verkauf an Getränken überhaupt ergab in ber ersten Hälfte bes Jahres 1906 301 Millionen Nudel, im Monat Juli 50 Millionen Rubel. Die Verluste bes Staates infolge Äeraubungen belaufen sich nur auf ben tausenbsten Teil des Einkommens aus bem Verkauf von Getränten.

Das Verbot bes allrussischen Kongresses ber KabettenPartei burch ben Ministeckonseil hat in den be­teiligten Kreisen tiefe Verstimmung erzeugt. Premier­minister Stolypin motiviert das Verbot mit der Befürchtung, daß während deS Kongresses sicherlich revolutionäre Reden gehalten würben, was wegen ber augenblicklichen aufregenben Lage unzulässig erscheine. Das Zentralkomitee ber Kabetten- partei hat bie Einberufung bes Kongresses für ben 21. Sep­tember nach Finnland, wahrscheinlich Helsingfors, beschlossen. Falls auch dort Schwierigkeiten gemacht werden sollten, wird der Kongreß in Stockholm tagen.

Ein aus Reval kommender Zug würbe gestern in der Nähe von Gatschina von einer Anzahl von Männern beschossen, wobei es augenscheinlich auf die Beraubung

jährl. auSschl. Bestell^. Annahme von Anzeige« für die Tagesmiminee bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12Pf.

auSwärtS 20 Psg.

Verantwortlich für den polit. und nfigem. Teil: P. Wtttko; für »Stadl und Land' und »Gerichtssaal': Ernst Heß; für ben An­zeigenteil: HanS Beck.

Aolonialz-ost.

Berlin, 14. Sept. Im Reichsschcchamt sind gestern die kommissarischen Beratungen über die Aufstellung des neuen Kolonialetats unter der persönlichen Teil­nahme des Kolonialdireltors D e r n 6 n r g begonnen wor­den. Gutem Vernehmen nach sind aus einzelnen Verwal­tungen sehr erhebliche Mehrforderungen beim Reichsschatz­amt angemeldet worden.

Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Seit dem 16. August bei Gamsmund vermißt Unteroffizier Friedrich Ehlers, geb. zu Rocklum, früher Jnf.-Regi. Nr. 49; Ge­freiter Gustavs Stückle, geb. zu Reckartharlfingen, früher Grenadier-Regt. 9cr. 123. Außerdem Reiter Karl S ch m i b t, geb. zu Ermstedt, früher Ulanen-Regt. Nr. 12, am 16. Sept, im Lazarett Keetmanshoop an Nierenentzündung gestorben.

Nach einem Telegramm des Gouvernements in Dar-es-Salaam sind au5.1)en Bezirken Lindi, Ssongca, Mahenge und Jringa und der Landschaft Jraku neue Mel­dungen nicht eingetroffen. Nach einer Meldung der 14. Kompagnie sind die meisten R L o e l S f ü h r e r der Land­schaft Donbe (Hinterland von Kilwa) ergriffen und crb- g e urteilt worden. Der Häuptling Abdallah Mapande soll die portugiesische Grenze überschritten haben. Die 15. Kompagnie ist von Tabora nach Udjidji abmarschiert.

Weise Glauben.

Konstantinopel, 13. Sept. Die Pforte richtete an die türtischen Vertreter im Auslände ein für die Großmächte bestimmtes Rundschreiben, dessen Zweck ist, bie Mächte auf crnste militärische Maßnahmen vorzubereiten. Tie Pforte erklärt, sie wolle keine Krieasvorbereitungen Bulgariens mehr dulden und habe deshalb beschlossen, mit ähnlichen mili­tärischen Maßnahmen zu antworten.

Nach türkischen Angaben überfielen Truppen bei Stara-Vina und Kaza-Norihovo im Wilajet Monastir eine acht Mann zählende griechische Bande; sechs Mann wurden getötet, die übrigen zwei, darunter der Bandcnchef Apostol, ge­fangen genommen.

Petersburg, 13. Sept. Tie chinesische Regierung hat dem russischen Gesandten in Peking mitgeitiU, daß auch die Häfen Antung und Tatungan für den Außenhandel ge­öffnet seien. In Antung soll ein Seezollamt mit einer Filiale in iatungau eingerichtet werden.

Washingro n, 13. Sept. Don gut unterrichteter Seite wird erklärt, daß die Entsendung von Kriegsschiffen nach Kuba nur zum Schutz und Zufluchtsort der amerikanischen Bürger, die durch die feindlichen Parteien bedroht sind, bient. Tie erwartete Antunjt von drei Transportschiffen mit zwei vom be.Q Philippinen heimkehrenden Regimentern wird eine .verwes)

politische Tagesscharr.

Die hessische Sozialdemokratie und der Massenstreik.

r, Sn einer am Montag in Mainz abgehaltenen offent- iichen Derwmmlung ber sozialdemokratischen Partei wurde nach einem pieferat des Abg. Dr. David über den Parteitag von rint ^nr Frage des Massenstreiks folgende Resolution beschlossen:In der Erwägung, daß die sozialdenwkratische Partei ^bn BegriffRevolution" nicht im Sinne ber des gewaltsamen Umsturzes, sondern im friedlichen Sinne der Fortentwicklung, d. h. der allmählichen Durchsetzung eines neuen Wirtschaftsprinzips, lerynt die Mainzer öfsentliche Parteiversammlung jede Revolutwnsromanti^ ab. Die Versammlung sieht in der Er­oberung der politischen Macht nichts anderes als die Erober­ung der Mehrheit des Volks für die Ideen und Forderungen ber Eozm üemoiralle: eine Eroberung, bie nicht geschehen kann mit gewaltsamen Mitteln, sondern nur durch die Revolution der Kopse aus dem Wege ber geistigen Propaganda und der praktischen Resormarbeit auf allen Gebieten des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens. In der Ueberzeugung, daß die Sozialdemo- tratie weit besser gedeiht bei den gesetzlichen Mitteln als bei n'1 e1 a;en und dem Umsturz, lehnt die Versammlung die direkte Massenaktion als taktisches Prinzip ab und hält an dem .Prrnzip ber parlamentarischen Reform- arb eit fest, d. h. sie wünscht, daß bie Partei nach wie vor ernstlich bemüht ist, auf bem Wege ber Gesetzgebung und bet organischen Entwicklung allmählich unsere Ziele zu erreichen. L,ie fundamentale Voraussetzung dieses reformatorischen Kamps- unttels ist freilich, daß die Möglichkeit der Anteilnahme der besitzlosen Volksmasse an der Gesetzgebung im Reiche und in den einzelnen Staaten nicht verkürzt, sondern bis zur vollen Gicrowcrcchtigung erweitert wird. Aus diesem Grunde hält es die Versammlung für ein unbestreitbares Recht ber Arbeiter­schaft zur Abwehr von Attentaten auf gesetzliche Rechte, sowie zur Erringung weiterer Rechte, wenn alle unbereit Mittel ver­sagen, auch bie Arbeit für kürzere ober längere Dauer zu ver- J^rn. Da der politische Massenstreik aber nur bann sieg- T -ruVbtC ^oetterichaft burmgeführt werben kann, wenn er pch Je.n£ oe'etzichen Rahmen hält, seitens der Streikenden ^.gesetzlicher Anlaß^zurn Eingreifen der bewaffneten Macht lo erblickt die Versammlung die einzige notwendige wirksame Vorbereitung nur den Gebrauch dieses Kamps- lveiteren Ausbau ber politischen, gewcrtschaft- f.!.chb^ genoiseuschaftilchen Organisation. Denn nur daburch Ebnnen bie Voraussetzungen in der breiten Volksmasse geschaffen roerben, bie ben erfolgreichen Verlauf eines Massenstreiks garam ölclbuvußte Disziplin und ein genügender wirfchart-

ücher Rückhalt."

Anstcrud.

London, 13. Sept. Die englischen Blätter aller Parteischattierungen sprechen ihre lebhafte Befriedigung und Anerkennung über H a l d a n e s Plan zur Schaff­ung eines Generalstabes aus. Sie erklären, daß damit die britische Armee das längst erforderlicheGehirn" erhalten habe. Einige Blätter bedauern, baß der Generalstab nicht gänzlich nach preußischem Muster organisiert sei.

Das auswärtige Amt erhielt von dem britischen' Geschäftsträger in Peking ein vom 12. Sept, datiertes Telegramm mit der Mitteilung, daß die japanischen Truppen aus der Provinz Mukden zurückge-. zogen worden sind.

Paris, 13. Sept. Kriegsminister Etienne verfügte, daß infolge der ungewöhnttchen Trockenheit, die die vor-, zeitige Inangriffnahme gewisser landwirtschaftlicher Ar- beiten notwendig machj:, alle zu ben Manövern einberusenen Reservisten bereits morgen h eimb eförd ert werden sollen.

Eine Havasnotc meldet, daß der Minister des Aus^ wärtigen den Botschaftssekretär Herbette nach Mx-les- Bains gesandt habe, um bem König ber Hellenen zu melden, daß die Konsuln der Großmächte in Kanea, der kretensischen Nationalversammlung angezeigt haben, sie hätten mit denk Könige die gleiche Auffassung über die ihnen am 14. August zugestellte Note bezüglich des Verfahrens, das für die ev. Wahl eines neuen Obcrkommissars von Kreta- zur Anwendung kommen soll.

Wien, 13. Sept. In der fortgesetzten Beratung deA W a h l r e f o r m - Au s sch n s s e s beantragte das Ausschuß- Mitglied Kaiser, daß eine zweijährige Seßhaftigleit für die Ausübung des Wahlrechtes' erforderlich. sein solle. Der Minister des Innern sprach sich gegen jede Verlängerung oder Verringerung der in der VoÄage festgesetzten ein­jährigen Seßhaftigkeit aus, ebenso gegen die Zuerkennung des Wahlrechtes an Frauen, wofür der gegenwärtige Zeit­punkt ganz ungeeignet sei. Nach weiterer BeratrkNg wurde 8 7 der Wahlreformvorlage, der für die Ausübung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts eine einjährige Seß­haftigkeit sestsetzt, und sodann .Artikel 1 der Vorlage angenommen. 'z

Ragusa, 13. Sept. Erzherzog Franz Ferdinand traf gestern früh an Bord des DampfersMiramar" vor Lissa ein und wurde vom Statthalter und den Spitzen! der Behörden begrüßt. Nach kurzem Aufenthalt ging b|te Miramar" in der Richtung auf Gravosa wieder in See. Der Erzherzog verfolgte während der Fahrt die auf offener See abgehaltenen Flottenmanöver. Gestern abend! ging derMiraurar" vor Gravosa vor Anker. Der Erzherzog besichtigte heute die Truppenlandung in Ombla und Gravosa: und begab sich dann nach^ Ragusa. Nach der Besichtigung der Stadt reiste der .Erzherzog nach Trebinje zu den Heeres- manövern ab.

Athen, 13. Sept. Die von Sofia aus verbreiteten Nach­richten von einem gegen Bulgarien gerichteten Bündnis zwischen Griechenland und der Türkei sinken hiev in keiner

Nr. 216

Erscheint täglttz

außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit bem hessischen Landwirt die Siebener Kamilien. blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'schen Unioers.-Buch-u.Stein- bruderet. ÖL Lang«. Redaktion, Ervebitioa und Truderet:

Schul st ratze 7.

Redaktion 113

Verlag u.(Bjpeb.e^51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Are yeutige Yumwer umfaßt 10 Seiten.

Aum Aökeöen des WrinzregLnten Alvrecht.

cn6' 13. Sept. Zum Ableben des Prinzen Albrecht von Preußen wird noch gemeldet: Seit gestern abend hatte sich das Befinden bes Prinzen nicht verändert. Am Krankenlager wurde abwechselnd Wache ge­halten. Um 41/2 Uhr wurden die Hofchargen an das Sterbe­lager gerufen, uw 5 Uhr 20 Min. trat ber Tod schmerzlos ein. Das Befinden des Regenten hätte in der vergangenen Woche keine Veranlassung ^ur Besorgnis gegeben. Der Prinz ging seiner gewohnten Beschäftigung nach, Noch am'Satns- tag nachmittag ritt er spazieren und spielte Sonntag abend mit den Herren.seiner Umgebung Karten. Am Montag früh teilte der Prinz seinem Schwiegervater, dem 5)erzog von Sachsen-Ältenburg mit, daß er am nächsten Sonntag »um 80. Geburtstag des Herzogs uicht nach, Altenburg könne. Während der Prinz am Schreibtisch saß, erlitt er um 11 Uhr den ersten Schlaganfall. Prinz Albrechi .ist sanft und 'ruhig entschlafen. Am Sterbelager waren versammelt die Prinzen-Söhnc, die Aerzte Geheimrat Kraus, General­arzt Scheibe und Stabsarzt Dorendorf, ferner die nächste Umgebung des Prinzen und der Prinzen-Söhne.

Me Beisetzung der Leiche des Prinzen Albrechi erfolgt am Montag.

Braunschweig 13. Sept. Das herzogliche Staats- ministerium macht in einem Extrablatte des amtlichen Braurrschw. Anz." das Mleben des Prinzen Albrecht von Preußen, Regenten des Herzogtums, bekannt. In einem zweiten Exttablatte vvird auf Gruud des Regentschafts­gesetzes von 1879 die Konstituierung eines Regent- fchaftsratcs bekannt gegeben. Der Regentschaftsrat wwd hie provisorische Negierung des Landes nach jenem Gesetze führen. Er besteht arls drei stimmsührenden Mit­gliedern des Staatsministeriums, nämlich Staatsminister Dr. v. Otto, dem Wjrkt. Geh. Rate Hartwieg und dem WirA. Geht Rate Dr. Trieps, sowie dem Präsidenten des letzten Landtages, Geh. Justtzrates Semler, und dem Präsidenten bes herzoglichen Oberlandesgerichtes Dr. Wolf. Tie Landes­versammlung des Herzogtums Braunschweig wird unver­züglich emberiifen werden.

Anläßlich des Ablebens deS Prinzregenten Albrecht von Preußen ordnete der Regentschaftsrat eine Landestrauer auf die Dauer von fünf Wochen an. Ocffentfiche Musik, Schaustellungen und Lustbarkeiten sind bis gum Bcisetzungs- tcige verboten. Die Trauer beginnt mit bem heutigem Tage. Gleichzeitig legt der herzogliche Hof auf die Dauer von sechs Wochen tiefe Trauer an. Nach Eintreffen der Nachricht von dem Hinscheiben des Prinzregenten wurde von allen Kirchen Trauer gelautet. Die Stabt legt Trauerschmuck an.

Die wölfische Partei protestiert in einem Aufruf an die Fürsten und Völker gegen ein weiteres Provisorium. Es müffe bie erste Pflicht der obersten Jn- stauzen des Herzogtums und des Reiches sein, auf die so­fortige Aufhebung des Bundesratsbeschlusses vom 2. Juli 1885 hlnzuwirkcn. Bis zur Aufhebung sei ber älteste Sohn des Herzogs von Cumberland ölgnat. Eine andere Regelung der Thronfolgefragc werde mit allen Mitteln als verfaffungs- widrig bekämpft werden.

mona!lich7bPf.,vierlek« lährlich Mk. 2.20; durch Abholc- u. Zweigstellen inonntllcb 65 Pf.; durch biePost Mk. 2.viertel«

Erstes Blatt 156. Jahrgang Freitag 14. September 1806

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