H<f> ents chließen, iFire Rüstungen in großem Maße h erabzumindern. Die Regierung habe deshalb einen Spiel- raimt gelassen, so daß die Streitmacht zusammengezogen oder ihre Bildung verzögert werden könne, je nach dem Stande der Politik. Der Notwendigkeit der Herabsetzung derHeeres- ausgaben stimme er zu.
Paris, 12. Juli. Der italienische Minister des Aeußern T i t t o n i langte hier gestern Nachmittag von London an, stattete .dem Präsidenten Fal I ie r es einen Besuch ab und reiste nach 'Italien.
— Der Senat beriet heute die A m n e st i e v o r l a g e. Prevost de Launay (Nationall.) bekämpft die Vorlage und bringt die Tötung des Leutnants Lautour durch Ausständige in Courrieres. zur Sprache. Ministervräsident Sarrien versichert, daß bedeutende Summen von politischen Parteien in der Korruvtionsangelegen' heit ausgegeben morden seien. Der Senat nahm einen Antrag an, wonach die der Verschwürung angeschuldigten Personen von der Amnestie ausgeschlossen werden, und hierauf die Amnestie-Vorlage ;tm Ganzen an. Im weiteren Verlause der Sitzung nahm das Haus einen Eintrag an, nach welchem für S ch e n r e r' K e st n e r und Trarieur Büsten im Senatsgebäude ausgestellt werden sollen. In der Begründung seines Antrages betonte Moms, da» es ein natürliches Verlangen sei, denen ein Denkmal zu sehen, i ic zuerst sich bemüht hätten, Licht in die Dreisusaffäre zu brmgen.
Paris, 12. Juli. Gin Gelbbuch über die Marokko- Konferenz wurde heute den Parlamentsmitgliedern zugestellt. Es schließt mit einem Handschreiben des Königs Viktor Em an ii e l an den Sultan von Marokko. König Viktor Emaniiel schließt: Eure Majestät werden durch die vollständige Annahme der Befchlüsie Ihrem Lande große Ehre und unschätzbare Vorteile erwerben. ... ...
Aneona, 12. Juli. Als die Polizei bei einem gewißen Poretta eine Haussuchung veranstaltete, warf dieser drei verpackte Gegenstände in den Abort. Wie sich herausstellte, waren es y n a m i t b o m b e n. Poretta erklärte, er habe die Bomben zum Fischfang benutzen wollen.
Aus dem parlamentarischen Nußland.
In der Duma wurde am Donnerstag wieder über die Vorgänge in r jelostok verhandelt. Kokoschkin schlug die Annahme eine sehr scharf gehaltenen Tagesordnung vor, in der die Regierung beschuldigt wird, den Pogrom in Bjelostok arrangiert zu haben, und in der ferner der sofortige Rücktritt deS Kabinetts gefordert wird.
Admiral Tfchuchnin ist in Sebastopol, ohne da§ Bewußtsein wieder erlangt zu haben, gestorben, lieber -das Attentat werden noch folgende Einzelheiten bekannt. Tschuschnin war in Begleitung seiner Frau und deS Adjutanten Sergejew Morgens in einem Dampflutter nach seinem Sommersitz gefahren, wo er im Park spazieren ging. Als er nach 40 Minuten nach der Landungsstelle zurückkehrte, um nach Sebastopol zu fahren, fielen aus einer Seiten-Allee zwei Schüße. Der Admiral brach zusammen, während Sergejew den Attentäter verfolgte und auf ihn vier erfolglose Schüße abaab. Der Verbrecher entkam, doch soll.die Polizei -seine Spur gefunden haben.
Die Leiche des Admirals wurde nach deßen Palais übergeführt. Des gegen den Admiral verübten Anschlags ist ein Gärtnergehilfe der Villa verdächtig, da er seit dem Augenblick der Mordtat verschwunden ist.
Man nimmt in höheren Regierunaskreisen an, daß das 'Attentat auf Tfchuchnin in Peterhof reaktionär wirken loirb.
I In Warschau sind fast alle jüdischen Läden geschloßen. 'Der Verkehr ist gering. Die Erregung hat bis spät in die Macht angehalten. Tausende von Juden haben die Stadt verlaßen.
In den nächsten Tagen soll der Warschauer General- gouverneur Skalon nach Petersburg reisen, da die dortige Zentralbehörde außerordentliche Maßregeln gegen die Warschauer revolutionäre Bewegung verlangt. Am 12. d. erschoß in der Ohota-Vorstadt ein Revolutionär einen Oberschutzmann, der vor zwei Monaten den Revolutionär Burza getötet hatte.
In Alexandropol entstanden in der Sappeur- Brigade Unruhen infolge des Gerüchts, daß die in Tiflis vbgeurteilten Soldaten des Regiments Mingrelien angekommen Iwären, damit sie hier hingerichtet würden. Der diensthabende Offizier, welcher die Mannschaften zu überreden versuchte, Lie Gewehre stehen zu lassen, erhielt mit einem Kolben einen jSchlag ins Genick. Herbeigerufene Truppen entwaffneten ohne Blutvergießen die Meuterer, die, als sie einsahen, daß Bas von Agitatoren verbreitete Gerücht falsch war, sich völlig Beruhigten. Eine Anzahl von ihnen wurde verhaftet.
i Der Gouverneur von Wilna benachrichtigte das Mini- ffterium des Innern, daß unter den in Wilna stationierten Brigaden in der letzten Zeit eine heftige Gärung bemerkbar sei. — In der Irrenanstalt der Charkower Semstwo, Villa Saburow, in der 1000 Geisteskranke untergebracht sind, streikt das gesamte Pflegepersonal von 500 Röpsen. Die Lage ist gefahrvoll. Ein Regiment bewacht 'die Anstalt. In der psychiatrischen Klinik bei Smolensk -hat das Pflegepersonal wirtschaftliche Forderungen erhoben mnd droht ebenfalls mit dem Ausstande.
Nach einer Meldung aus Konstantinopel hat der Sultan Bie Mobilisierung der türkischen Flotte angeordnet. Es heißt, daß die türkische Regierung eine große Meuterei in der russischen schwarzen Meerflotte befürchte, die zur Folge Haben könne, daß die Meuterer versuchen könnten, durch den Bosporus das Mittelmeer zu erreichen.
Der Raubanfall im Berlin - Norderneyer Schnellzug bat noch immer keine Aufklärung gefunden. Wenigslens verlautet nichts Lber irgend einen Erfolg der mit den Nachforschungen in dieser Sache betrauten Kriminalbeamten. Wie jetzt die Eisenbahndirektion Hannover vntteilt, haben die dem vermummten Räuber in die Hände gefallenen -sieben neuen Hundertmarkscheine entweder die Nummern von 6,048,498 A bis 6,048,504 A oder von 6.048,506 A bis 6,048,512 A getragen. Es -würde zur Ermittelung des Täters führen, wenn auch nur der eine ober andere der geraubten Hundertmarkscheine irgendwo zum Vorschein käme.
„Das Publikum wurde sich daher nicht nur ein Anrecht auf die ganze von der Eisenbahndirektion ausgesetzte Belohnung von 1000 Mk oder einen Teil sichern, sondern sich auch um die Sicherheit des Verkehrswesens überhaupt verdient machen, wenn es in nächster Zeit die durch seine Hand laufenden Hundertmarkscheine einer sorgfältigen Prüfung unterziehen würde. Vielleicht trägt auch der weitere Umstand zur Ermittelung deS Täters bei, daß dieser sich scheinbar in großer Not befunden hat."
Auf stillere, aber nicht minder gefährliche Art als der maskierte Räuber 'mit dem Revolver in der Hand arbeitet seit einiger Zeit eine internationale Taschendiebsgesellschast in den Schnell- nnb Luruszügen. Die Beute, die die Diebe bisher machten, beläuft sich allein in den letzten Wochen auf mehrere hunderttausend Mark. Bisher find folgende Fälle von Beraubungen bekannt geworden: Em Reisender hatte die Strecke Frankfurt—Basel benutzt. Er vermißte Zn Ziel eine Brieftasche aus grünem Schlangenleder an einer Ecke mit Silber- beschlag und den Buchstaben 0. 8. Sie enthielt zehn Hundertmarkscheine «nd 1500 Frank in schweizerischen und französischen 50 und 100 Frank
scheinen. Auf der Reise von Köln nach Frankfurt o. M. wurden einem anderen Passagier 530 Mk. gestohlen; eine Dame kam um ihre goldene Rcmontoiruhr, eine andere um 400 Schilling und vier Schecks. ES kommt eine Gesellschaft von mehreren Männern und einer Frau in Betracht. Diese steigen erst in den Zug, bann will man angeblich ein falsches Abteil gewählt haben, bic Fahrgäste werben in ein Gebränge gebracht unb dabei suchen die Diebe die Taschen der Reisenden zu entleeren. In anderen Fästen arbeitet ein Mann von 30 bis 40 Jabren mit Hellem Schnurrbart allein. Er trägt zur Erreichung seiner Absicht einen Ueberzieber über einem Arm. Sehr schwer heimgesucht wurde von ihm eine Händlerin mit Brillanten und Kostbarkeiten auf dem Bahnhof VillierL in Paris. Sie begleitete ihre alte Mutter dorthin, kam in ein Gedränge und büßte eine Tasche mit Perlen und Brillanten im Wert von 210,000 Frank ein, ferner für einige Tausend Frank Papiergeld, einen Schuldschein über 2000 Frank und Obligationen. Auf die Ermittelung dieser Beute wurde eine Belohnung von 10,000 Frank ausgesetzt.
Vor allem muß betont werden, daß die Form deS Durchgangs- wagens den verhältnismäßig besten Schutz gegen Verbrecher bietet, da zwischen den einzelnen Koupees eine Kommunikation besteht, welche bic Ausführung eines Verbrechens sehr erschwert. Noch angezeigter wäre es, das Harmonika-System bei allen Schnellzügen durchzuführeu, wie bieL schon lange in Ungarn der Fall ist. Dann könnten auch die Schaffner ungehindert ab und zu den ganzen Zug abpatroullieren unb j'bes Abteil fonfroütcren. Doch empfinden es viele Passagiere als eine unliebsame Störung wenn der Schaffner aus irgend einer Ursache da" Koupee betritt. sodaß die Beamten es vermeiden, ohne zwingende dienstliche Notwendigkeit die Reisenden zu stören. Bedenklich ist ferner, baß sich Reisenbe mit Vorliebe allein ober nur mit Familie unb Bekannten im Abteil ver- weilen.
Den sichersten Schutz vor Gtfcnbabnräubern werben bic Passagiere dann finben, wenn bie Schaffner bafür sorgen, baß kein neues Abteil geöffnet wirb, bevor bic anbern nicht bis auf ben letzten Platz besetzt finb. Dann sind bic Vorfälle gleich Nölle unb Zitzewitz ausgeschlossen. Tie Eisenbahnbehörden vermögen sonst wenig zu tun; sie können unmöglich in jedes Koupee einen Schutzmann stellen. Schütze Dich selbst, bas ist noch ber beste Rat, ben man einem Bahnreisenben geben kann.
Aus S.a-t Mito EunS.
Gießen, den 13. Juli.
• * Staat und Kirche. Die Stadt Gießen besitzt das noch aus der Zeit vor der Reformation hcrrübrcnde Prä sen- tationZrecht für die erste evangelische Pfarrstelle. DaS ihr gleichfalls zustehende Recht, den Geistlichen der zweiten Pfarrstclle zu präsentieren, wird seit über hundert Jahren nicht mehr ausgeübt. E§ schweben nun schon seit längerer Zeit Verhandlungen zwischen der kirchlichen und städtischen Behörde, daß die Stadt auf dieses Recht verzichten möge. In der gestrigen nichtöffentlichen Sitzung der Stadtverordneten wurde nach längerer Besprechung hierüber beschlossen, auf das Prä sentationsrecht zu verzichten, wenn unigekehrt die Kirchenbehörde auf den städtischen Zuschuß zu den Pfarrbesoldungen verzichtet. Diese Besoldungsanteile belaufen sich auf jährlich 1794,75 Mk.
' * Landes Universität. Se. Kg. H. der Groß- Her zog haben am 11. Juli dem ordcntl. Professor und Direktor der medizinischen Klinik an der Landesuniversität, Dr. Friede. Moritz in Gießen, den Charakter als Geh. Medizinalrat erteilt.
* * Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben dem Pfarrer Ludw. Stotz zu Grebenau die evang. Pfarrstclle zu Biebelnheim übertragen. — In den Ruhestand versetzt wurde der Gefangenenaufseher am Landeszuchthaus Marienschloß, Meng er, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste.
* * Ein wertvolles Geschenk. Von Herrn Willy Valckenberg in Worms sind der Landes Universität eine große Anzahl Original-Briefe des Prof. Justus v. Liebig zum Geschenk gemacht worden.
* • Eine Abnahme des Konsums von Flaschenbier ist infolge der Erhöhung der Bierpreise in Mainz bereits konstatiert worden. Auch an anderen Orten dürfte sich, wenn die Preiserhöhung durchgeht, eine ähnliche Erscheinung zeigen. DaS wäre mit eine der beklagenswertesten Folgen der Biersteucrerhöhung, denn gerade der Konsum von billigem Flaschenbier hat in den minder bemittelten Kreisen der Bevölkerung den SchnapSgenuß erheblich eingeschränkt.
(X) Klein-Linden, 12. Juli. Die Hauptstraße unseres Dorfes, die Frankfurter Straße, wird gegenwärtig kanalisiert und erhält auf beiden Seiten gepflasterte Banketts. Dies wird sehr viel zur Verschönerung des Dorfes beitragen. — Der Neubau der Kleinkinderschule geht seiner baldigen Vollendung entgegen und soll noch im Sommer eingeweiht werden.
** Klein-Linden, 12. Juli. Die Eisenbahndirektion zu Frankfurt a. M. beabsichtigt, in unserer Gemarkung Schneeschutzanlagen herzustellen. Zu diesem Zwecke erhielt sie von Sr. Kgl. Hoh. dem Großherzog die Erlaubnis, das dafür erforderliche Gelände zu enteignen. Das Verfahren muß bis zum 27. Dezember d. I. eingeleitet werden.
A Vom Hüttenberg, 12. Juli. Sein 50jähriges Dienst-Jubiläum feiert am 3. August Lehrer AlthauS in Münchholzhausen. Er hat seine ganze Dienstzeit in dem Dorfe zugebracht, sodaß die gesamte Einwohnerschaft bis auf die 16 ältesten Leute seine Schüler gewesen sind. Die Lehrer des Bezirks Wetzlar-Dutenhofen, sowie die Gemeinde werden eine Feier veranstalten. — In Hochelheim wird die Kirche von Grund aus renoviert. Die Pläne hat Baumeister Witte entworfen, die Kosten belaufen sich auf ca. 30 000 Mk. Die Kirche wird durch Anbau eines Querschiffs vergrößert. Dieselbe stammt in ihrem ersten Teil aus dem 12., ein Anbau aus dem 17. Jahrhundert. Der Grundstein zur jetzigen Vergrößerung wurde am 20. Mai d. I. gelegt, die Einweihung soll im Oktober erfolgen. Hochelheim gehörte ursprünglich zur Komturei Schiffenberg, wurde später Filiale von Großen-Linden und ist, seitdem es preußisch wurde, Pfarrdorf. — Das Kriegerfest des Verbands Hüttenberg fand in Hörnsheim statt, 16 Vereine waren anwesend. Kreisbürgermeister Goldmann-Rechtenbach hielt die Festrede.
p . Dutenhofen, 12. Juli. Die Gemeindeschaf, zücht hat man hier voriges Jahr aufgegeben, indem man die an 100 Stück zählende Herde an einen Käufer vom Niederrhein absetzte. Anfangs konnte man sich schlecht dazu entschließen, die Zucht nicht mehr zu betreiben. Was den daraus zu erübrigenden Gewinnst angeht, so steht sich jetzt die hiesige Gemeinde doch besser als früher. Der Erlös für den Grasstand der Weideplätze beläuft sich nämlich, wie die letzthin abgehaltenen Verkäufe dargetan haben, auf mehrere Hundert Mark.
) +( Bieber, 13. Juli. Unser Dörfchen rüstet sich zur
Fahnenweihe des Turnvereins. Um die Vereine des Gaues Hessen, sowie die vielen sonst zu erwartenden Gäste würdig zu empfangen, sind bereits die ganze Woche hindurch viele fleißige Hände tätig gewesen. Als Fcstplatz wurde der oberhalb des Dorfes am Waldesrande gelegene Platz gewählt. Die bei der Koburger Fahnenfabrik in Auftrag ge» gcbene neue Fahne muß als prachtvoll bezeichnet werden. Das Fest soll am Vorabend (Samstag, 14. h§.) durch einen Kommers eingeleitet werden und ist für zwei Tage vorgesehen. Die Festmusik wird von der Weisenbacher (Biedenköpfer) Kapelle unter Leitung des Musikdirigenten Meyer ausgeführt. Vermischtes.
* Ein schweres Eisenbahnunglück. Aus Newyork wirb telegraphiert: Ein aus zwei Passagierwagcn bcstehcnber Zug ber internationalen Eisenbahngesellschaft fuhr mit voller Geschwinbigleit bei East Martins- villc in eine offene Weiche unb kollibierte mit einem Güterzuge. Der Zusammenstoß war furchtbar. Der erste Personenwagen würbe total zerschmettert. Der Zug war stark besetzt. Sechs Passagiere würben sofort getötet unb 45 verwunbet, barunter mehrere rötlich.
* Kleine Tageschronik. Beim Geschütz-Ererzicren bc5 57. Felb-Art.-Reg. auf dem Exerzierplatz zu Neu stabt (Schlesien) schlug ein Geschütz um, sobasi bic Räber nach oben llanben. Drei Kanoniere gerieten habet unter ba« Geschütz unb erlitten schwere Verletzungen. Der Zustanb zweier ber Verlebten ist bofinungslos. — Donnerstag nacht würbe in Potsbam ber Matrose Stnbbmann aus Bremen erschossen auf bem Straßenbabngleise aufgefunben. Wie ber „Berk. Lok.-Anz." dazu erfährt, würbe in Wamsee ein Mann verhaftet, ber mit Stnbbmann in Streit geriet unb ben tätlichen Schuß abgab. — Bei Hanberess in ber Nähe von Crawley (in Sussex) stürzte ein Automobil-Omnibus, ba seine Bremsvorrichtung versagte, einen Abhang hinunter. Sechs Personen würben getötet unb zwanzig verletzt. —In ber Majolikafabrik zu Lemberg feuerte ber Ingenieur MajewSki, ber als hervorragenber Künstler bie Abteilung für bemalte Tongefäße leitete, auf bie Malerin Marie Talug, ein 19jährigeS bildschönes Mäbchen, zwei Schüsse ab unb ver- munbctc sie tätlich, worauf er sich selbst burch brei Schüsse entleibte. Das Motiv ber Tat ist verschmähte Liebe. — Der Hilsswärter Türnagel ist burch ben Stettiner Schnellzug bei Station Bntz vor Eberswalbe burch Ucbcrfobrcn getötet worben. Der Kopf würbe vom Rumpfe getrennt. Er hinterläßt eine Frau mit sechs Kinbern. — Am 11. Juli tobte ein furchtbares Unwetter auf bem EichSfelb. In Großbartloff ging ein Wolkenbruch nicber. Häuser würben unterspült, Dächer smb emgestürzt. Der Blitz zündete an mehreren Stellen. Eine Person würbe burch Blitzschlag aetötet. — Der Wiener Fabrikant Franz Breunig, ber mit Familie im Hotel Pragserwilbse^ im Pustertal zum Sornrncraufentbalt weilt, ist von ben zwölf Aposteln im Pragsertak bei einer allein ausgeführten Tour 100 Meter tief abgestürzt. Arn abenb würbe bic Leiche mit zerschmettertem Kopf gefunden; 60 Meter oben am Felsen hing ber Stock bes Verunglückten.
Lisenbahn-Zertung.
Die „Nordd. Wllg. Ztg." scbreibt: Die Einführung bet 4. Wagen klasse auf den Eisenbahnen Elsaß-Lothrin- ge ns gelegentlich der bevorstehenden Personen- und Geväck- laristResorm ist nunmehr beschlossen, und es find die nötigen Anordnungen wegen rechtzeitiger Beschaffung der erforderlichen Wagen getroffen. Die Landtage in Württemberg und Baden haben, wie bekannt, den seinerzeit auf den Konferenzen der Rcgierungsvertreter vorgeschlagenen Ostmndzügen der Reform in den wesentlichen Punkten b e i g e st i m m t. In B a d e n würde allerdings die Z wc ipse n n ig kl a sse wie in Bayern nicht als Klasse 4, sondern als Klasse 3b bezeichnet werden. Die Verhandlungen der Eisenbahnen wegen der Neuaufftellnng unb des Neudrucks der Tarife und Fahrkarten, wegen Aenderung einzelner Bestimmungen der Personen- und Gepäck-Tarife, sowie wegen Vereinfachung des Absertigungsverfahrens sind in vollem Gange -- und es ist alles geschehen, um den neuen vereinfachten deutschen Personen- und Gepäcktarif zum Frühjahr 1907, zum 1. April ober 1. Mai, in Kraft setzen zu können. Wenn in einzelnen Blättern immer wieder bo- hanptet wird, das für den 1. ANgust bevorstehende Inkrafttreten der Reichsfahrkartensteuer sei ein .Hindernis für die Tarifreform unb bedinge iedcnsalls deren weitere .Hinausschiebung, so entspricht diese Behauptung nach dem vorstehenden nicht den Tatsachen. ebensowenig steht die in den ersten Anfängen begriffene Umarbeitung der deutschen Eisenbahnverkehrsordnung mit der Tarifreform in Zusammenhang.
Gerichtssaal.
Leipzig, 12. Juli Das Reichsgericht verhandelte heutt über die Revision der Staatsanwaltschaft gegen das Urteil des Landgerichts Waldshut vom 13. März, durch welches ber katholische P f arte r Michael Gaisert wegen Verleitung z u m M e i n c i b in ber Wahlangelegenheit freigesprochen wurde. Das Reichsgericht hob das Urteil auf unb verwies bic Sache an das Landgericht Freiburg i. Br.
München, 12. Juli. Im E r b s ch a ft sst r e i t der Erika von L c n b a ch, der aus erster Ehe stammenden Tochter des verstorbenen Malers Professor Franz von Lenbach gegen bie Witwe Lolo von Lenbach verkündete heute das Landgericht folgendes Endnrteil: Die Beklagte ist schuldig, ber Klägerin 55 287 Mark zu bezahlen, .tm übrigen würbe die Klage abgewiesen. Von ben Ko^en des Rechtsstreites fallen zwei Drittel der Klägerin n.nd ein Drittel der Beklagten zur Last. Da bie Klage- summ" etwa 158 000 Mk. betragen hat, erscheint somit ber Prozeß, welcher voraussichtlich nock' die weiteren Instanzen beschäftiget wird, vorerst nur hinsichtlich des dritten Teiles zu Gunsten ber Klägerin entschieben. Die gleichzeitig gegen den Lenbach'schen Nachlaßverwalter Notar Esistmm gemäß § 2314 des B. G. B. erhobene Klage auf Auskunftserteilung durch Vorlage eines von Scbätzleuten zusammengestellten Nachlaßverzeichnisses wurde abgewiesen.
Telefonisch© Kursberichte
des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie. Giessen.
Frnnkfnrter Bör*o, 13. Juli. 1.15 Uhr.
3^°/0 Reichsanleihe . . 99.55 396 do. . . 87.85 3J6°/o Konsols .... 99.55 356 do 87 85 3^°/0 Hessen 98.40 3 J6°/o Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente. . 100.35 4‘/s 9/ Oesterr. Silberrente 100.60 4 9,; TJnsrar. Goldrente . . 95.90 456 Italien. Rente . . . 103.95 3 96 Portugiesen Serie I . 70.10 396 Portugiesen r III 70.50 4%°/0 russ.Staatsanl. 1905 88.80 4>6°/ö japan. Staatsanleihe 95.30 4 96 Conv. Türken von 1903 95.45 Türkenlose 146.80 456 Griech. Monopol-Anl. 53.80 4 56 äussere Argentinier . 91.10 4°/n Mexikaner .... 69.90 3%°/0 Chinesen .... 98.20
Bochum Guss' 240.80 Buderus E. W . . . . —.—
Tendenz: abgeschwächt.
Berliner Börse,
Cftnada E. B 158.20 Darmstädter Bank . . . 139.40 Deutsche Bank .... 235.70 Dortmunder-Union C. . . 8510 Dresdner Bank .... 157.20 Tendenz: schwach.
Elektriz. Lahmeyer . . . 144.00 Elektriz. Schnckert . . . 128.50 Eschweiler Bergwerk . . 252.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 220.50 Hamburg - Amerik. Paketf. 158 00 Harpener Bergwerk. . . 208.50 Laurahütte 232.00 Nordd. Lloyd 125.20 Oberschles. Eisen-Industrie 127.00 Berliner Handelsges . . 169.00 Darmstädter Bank . . . 139.00 Deutsche Bank . . . 235.80
Deutsch-Asiat. Bank . . 177.60 Diskonto-Kommaudit. . . 182.40 Dresdner Bank . . . 157.80 Kreditaktien 209.50 Baltimore- und Ohio-
Eisenbahn . . . 115.00
Gotthardbahn —.—
Lombard. Eisenbahn . . 34.50 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.00 Prince-Henri-Eisenbahn . 146.00
13. Juli. Anfangskurse.
Harpener Bergwerk. . . 208.00
Laurahütte 231.70
Lombarden E. B. ... —.—
Nordd. Lloyd 124.90
Türkenlose ..... 147.10


