Ausgabe 
14.6.1906 Zweites Blatt
 
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Aas Kerkomer-Acnrrerr.

ix.

München, 13. Juni,

In der Herkomcr-Konkurrenz wurden heute folgende Preise zuerkannt: 1. Preis Wagen Nr. 155 Dr. Stoß- Zwickau, 2. Preis Nr. 78 Neumaier-Stuttgart, 3. Preis Nr. 18 Pöge-Chemnitz, 4. Preis Nr. 141 Opel-Rüsselsheim, 5. Preis Nr. 93 Neumaier-Mannheim, 6. Preis Nr. 19 Weingand- Düsseldorf, 7. Preis Nr. 1 Dreher-Triest, 8. Preis Nr. 24 Ladenburg-Mannbeim, 9. Preis Nr. 144 Uren-Köln, 10. Preis Nr. 102 Horch-Zwickau.

Semmering-Bergfahrt: 1. Preis Nr. 18 Pöge- Chemnitz, 2. Preis Nr. 48 Neumaier-Stuttgart, 3. Preis Nr. 93 Neumaier-Mannheiin, 4. Preis Nr. 17 Dahmen-Köln.

Schnelligkeitsprüfung im Forstenrieder Park: 1. Preis Nr. 155 Dr. Stoß-Zwickau, 2. Preis Nr. 152 Westphal-Hamburg, 3. Preis Nr. 154 Bezin-Berlin.

Schönheitskonkurcnz: 1. Preis Nr. 98 Esche­bach-München, 2. Preis Nr. 129 Wandersleben-Koblenz, 3. Preis Nr. 48 Haase-Breslau.

Den Abschluß der Herkomer-Fahrt bildete ein Festmahl im HotelVier Jahreszeiten" mit 600 Gedecken. Prinz Heinrich hielt die erste Rede. Er meinte, wenn bei einer schönen Veranstaltung irgend ein Bedauern am Platze sei, so würde er bedauern, daß die Herkomer-Fahrt beendet sei. Sie bildete ein Band zwischen deutschen Ländern. Neberall war die Bevölkerung freundlich, man sah nicht ein böses Gesicht. Die Schirmherren der drei Länder, der deutsche Kaiser, der Prinzregent von Bayern, der Kaiser von Oesterreich: Hurra! Dann nahm Prinz Heinrich die Preis Verteilung vor. Die Preise zierten eine große Tafel, prunkend in Edelmetall und Kunstwert. Die Erbprinzcssin von Sachsen-Meiningen hatte einen Extrapreis gestiftet für den besten Fahrer, der Arbeitsausschuß einen Extrapreis für Frau Manvillc. Der von der Erbprinzessin gestiftete Preis wurde Fritz E r l e - Mannheim zuerkannt.

Der Jass Karte vor Sen Keschworenerr.

th. Gießen, 14. Juni.

Heute begann die Verhandlung gegen den Dachdecker- meister und Bauunternehmer Heinrich Carle wegen Ver­suchs der Brandstiftung. Der Tatbestand der Mrklage ist: Die Witwe Rothenberger besitzt am Neuenweg eine Hofraitc, in der sie Mhandet und ein Lumpengeschäft betreibt. An das nach der Straße zu gelegene Wohnhaus schließt sich, durch einen kleinen Hof getrennt, nach hinten hinaus das zur Lagerung von Lumpen, Knochen usw. bestimmte Maga­zin an, das nrit seiner Brandmauer an die einer früheren Werkstatte des Glasers Luh grenzt. Diese Werkstätte und das der Rothenbergerschen Hofraitc unmittelbar benachbarte gleichfalls an dem Neuenweg gelegene Luhsche Anwesen und die daneben liegende Hofraitc des Schmieds Thomas sind von Carlö vor nicht allzu langer Zeit erworben worden. Die Wohnhäuser beider Hofraiten hat er niederlcgen lassen, um an ihrer Stelle einen großen Neubau mit Läden zu errichten. Die Luhsche Werkstätte blieb vorerst noch stehen und wurde von Carle zur Unterbringung von noch verwert­barem IMbbruchmaterial, wie Fenster, 'Türen, Oefen üsw. benutzt. Mach das gesamte hinter den Hofraiten Thomas, Luh und Rothenberger und dos auf der anderen Seite des Rothenbergerschen Anwesens liegende Gelände, insbesondere der Löwenhvf, ist von Carls erworben worden, sodaß die Liegenschaft der Frau Rothenberger sich wie ein schmaler Keil in das Eigentum des 'Angeklagten hineinschiebt.

In dem Rothenbergerschen Lumpenmagazin brach am 24. Februar d. I. nachmittags gegen 234 Uhr ein Brand aus, der einen starken Rauch entwickelte und deswegen sehr bald entdeckt und int Keime erstickt wurde, sodaß außer einigen verbrannten und verkohlten Lumpenstücken ein Schaden nicht entstanden ist und das Gebäude selbst nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nach der ganzen Sach­lage und nach der Feststellung des Tatbestandes ist die Nnklagebehörde der Ansicht, daß es sich bei dem Brande Nveifelsohne nur um eine vorsätzliche, und zwar von der früher Luhschen Werkstatte aus erfolgte Brandstiftung handelt. Der sofort vorgenommene Augenschein ergab:

In die Brandmauer der Werkstatte war ein etwa eiför- |mfg§ Loch von 25 Zentimeter Durchmesser geschlagen, das die Brandmauer hindurch, über den zwischen dieser und der Brandmauer des Lunchenmagazins etwa zwei Finger breiten Zwischenraum hinüber, bis in das Lumpen­magazin führte, in dem dicht an der Wand Lumpensäcke und Ballen aufgestapelt waren. Durch das Loch hatte der Täter einen langen, bis zu den Lumpenvorräten reichenden Holzstab gesteckt, der an der Spitze mit teilweise ver­branntem Papier und Stroh umwickelt war, und dazu gedient hatte, das an ihm entzündete Feuer, dent gleichfalls durch das her gesteckte Loch vorher auf die Lumpen geschobene, leichter als diese feuerfangende Brennmaterial mitzuteilen. Dieser eigentliche Zündstoff bestand aus ver­schiedenen, an kleineren Hölzchen befestigten, pettoleum- getränkten und mit Streichhölzern gefüllten Papierhülsen, sowie aus einem Bündchen Stroh. Drei unweit der 'An- legungsstelle in der Carls sch en Werkstatte aufgefundene eiserne Stäbe ließen deutlich erkennen, daß der Täter diese Uim Schlagen des Loches benutzt hatet. Sie zeigten sämt­lich an einem Ende anscheinend srische Teilchen von Mörtel und Backsteinmehl, wahrend sie an der anderen Seite gänz­lich frei davon waren. Die Anklage führt aus, daß die Tatsache der Brandstiftung klar zutage liege, ebenso die Art ihrer Ausführung. Ebenso sei man sich keinen Augen­blick im Zweifel gewesen, wo man den Täter zu suchen habe. Der 'Angeklagte wurde als dringend verdächtig in Haft genommen, und nach dein Anklagebeschluß hat sich der Verdacht ttotz des Leugnens Carlss weiter bestätigt. Tatsache ist, daß es bereits vor zwei Jahren in einem Hintergebäude des Löwen, in dem ebenfalls Abbruchs- material lagerte, auf unaufgeklärte Weise ein Brand aus­brach, wodurch eine schnelle' und vorteilhafte Verwertung der dem Carle gehörenden und gegen Feuersgefahr ver­sicherten Materialien herbeigeführt worden wäre, woran nur der Angeklagte ein wesentliches Jüteresse hatte. Ebenso nimmt die Staatsanwaltschaft in der unter Anklage stehen­den Brandstiftung an, daß nur Carle ein Interesse hatte an dem Brande und seinen Folgen. In der Anklage wird ausgeführt, haß der Brand nur dem Lumpenmagazin gelten konnte, dessen Beseitigung der Angeklagte mit großer Energie erstrebt hatte. 'Als Beweis hierfür verweist die An­klage darauf, daß Carls im Laufe der letzten Jahre die gesamten Neben- und Hintergebäude des Rothenbergerschen Äüwesens an sich gebracht und vergeblich versucht hat, auch dieses zu erwerben. Das Lumpenlager hinderte ihn be­sonders bei der Durchführung seines Planes, das Hinter-

gelande durch Anlage einer Straße als Baugelände benutzen zu können. Er beabsichtigte nämlich, die Stadt dafür zu gewinnen, von der Johannessttaße zwischen Sparkasse und Schwesternhaus durch das Löwenhosgeländc in den Neuen­weg kurz vor dem Kreuzplatz eine Sttaße durchzuführen, oder diese Sttaße selber anzulegen. Ohne diese Sttaßenanlagc ist das Hintcrgelände der von Carlo erworbenen Hofraiten nicht verwertbar und sein Besitz am Neuenweg unrentabel. Die von Carlo geplante Sttaße führt nun gerade über die Stelle hinweg, auf der das Lumpcnmagazin der Witwe Rothenberger steht. Die Versuche des Angeklagten, dieses Gebäude gleichfalls zu erwerben, scheiterten an der hohen Preisforderung der Witwe Rothenberger, die, trotzdem Carlo dafür ein Altgebot von 45 000 Mk. für das nur 20 000 Mk. werte Anwesen nrachte, bisher ihre Hofraitc nicht hergeben wockte, weil sic für ihr Lumpengeschäft eine Konzession innerhalb der Stadt nicht mehr bekommen ivürdc. So erklärt es sich, daß für die Rcckhenbergcrsche Hofraitc eilt Preis gefordert wurde, der ermöglicht, die Folgen des Verkaufes zu ertragen. Das Haupthindernis, den Straßenplan durchzuführen, war beseitigt, wenn das Rothen- bergersche Magazin nicderbrannte, dann war die Konzession beseitigt, Frau Rothenberger durste das Gebäude zum Lagern von Lumpen nicht wieder aüfbaucn. Tas Interesse des Angeklagten an dem Verschwinden des Lumpenlaoers, selbst wenn das Straßcnprejekt nicht zur Ausführung kam. sucht die Anklage nachzuweisen: Dem Eigentümer des Löwen und des auf dem Luhschen und Thomasschcn Gelände zu errichtenden Geschäftshauses mußten die Gerüche und Ms- dünstungen, die mit dem Lumpeng^ichäft naturgemäß ver­bunden sind, die sich auf der Sttaße abspielendeu Arbeiten, das Auf- und Abtaden der Lumpen- und Knochensendungen höchst lästig sein. Carlo hat dies in wiederholten Eingaben, Anzeigen und Beschwerden erklärt und auf Abstellung hin- gewirkt. Der Umstand, daß mit der Rothenbergerschen Hofraitc auch die gänzlich zwecklose Luhsche Werkstatte mit ihrem Inhalt ein Raub der Flammen hätte werden können, konnte dem Angeckagten nur willkommen sein. Es wäre die schnellste und gewinnbringendste Verwertung des gut versicherten, in ihr verwahrten Abbruchsmaterials ge­wesen. Der Angeklagte ist nach seinem Geständnis unmittel­bar vor dem Ausbruch des Brandes in der Werkstatt gewesen und hat sich dort einige Zeit aufgehalten. Ferner wurden in seiner Rocktasche abgebrannte Streichhölzer von der gleichen Beschaffenheit wie die zur Brandstiftung benutzten gefunden. Belastend ist weiter, daß in der Carlch'chcn Wohnung Papier und Garn beschlagnahmt wurde, das mit dem zur Herstellung der zur Inbrandsetzung verwendeten Papierhülsen übcrc'instimmt. Außerdem ist zwischen den beiden in Frage kommenden Brandmauern ein an Carlo adressiertes angebrannter Briefumschlag gesunden worden. Die Anklage erachtet es für ausgeschlossen, t ß ein anderer Täter als der Angeklagte dies zeitraubende Durchstoßen der beiden Brandmauern zum Zwecke der Brandstiftung vorgenommen hat. Die Möglichkeit, dies unbeobachtet tun zu können, ist bei der häufigen Anwesenheit Carles in der Werkstättc ganz ausgeschlossen, abgesehen davon, daß "ein Anderer kein Interesse an der Brandstiftung haben kann. Aus alten diesen Gründen und Tatsachen zieht die Anklage den Schluß, daß Carlo es war und nur er es gewesen sein kann, der die vorsätzliche Inbrandsetzung des Rothen­bergerscheit Lumpenlagers versucht hat.

Lange vor dem Beginn der Verhandlung war der Zuhörerraum des großen Schwürgerichtssaals von Personen aller Stände überfüllt. 'Aber auch int Zeugenraum blieb kaum Platz, um den zur Verhandlung geladenen ca. 70 Zeugen Raum zu gewähren. Pünktlich um 9 Uhr betrat der Gerichtshof den Saal. Er besteht aus Landrichter Brühl als Vorsitzenden, Landrichter Dr. Frie drich und Landgerichtsrat Neunhagen als Beisitzer. Die Mklage verttitt Staatsanwalt H o o s, während die Verteidigung dem Rechtsanwalt Dr. Jung übertragen ist. Als Sachver­ständiger ist der Gerichtschemiker Dr. Popp-Frankfurt am Main von der Anklage geladen und erschienen. Nach Bildung der Geschworenenbank und nach Aufruf der Zeugen wird beschlossen, einen Teil derselben bis morgen vormittag zu entlassen. Staatsanwalt Ho os weift darauf hin, daß er einen Antrag auf Augenschein an Ort und Stelle stellen würde. Mf Anfrage des Staatsanwalts erklärt die Ver­teidigung, daß der größte Teil der geladenen Entlahtungs- zeugen über den Leumund Carlos, sowie über die Art und Weise, wie er sein Geschäft bettieb, usw. «gehört werden soll. Nach Verlesung des Anklagebeschlusses wird der Angeklagte vernommen. Kurz nach 12 Uhr ist seine Vernehmung be­endigt. Carlo bestreitet die Urheberschaft des Brandsttstungs- versuchs.

Nach der Vernehmung Carlos begaben sich die Mit­glieder des Gerichtshvfes, der Staatsanwalt, die Geschwo­renen, der Verteidiger, der Mgeklagte, die als Zeugen geladenen Architekten, Oberbürgermeister Mecum und Stadt­baumeister Gerbel nach dem Löwenhof zur Augenschein­nahme. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich dort eingeftrnden, ohne jedoch etivas sehen zu können, da die in Frage kommenden Stellen durch Schutzleute abgesperrt waren.

Aus S.crSL uns

Gießen, den 14. Juni.

* Ordensangelegenheiten. S. K. H. der Großherzog haben der Gemeindehcbamme Marie Schröder, geb. Feucht, zu Ober-Erlenbach die Silberne Medaille des Ludewigs-Ordens mit der Inschrift:Für langjährige treue Dienste" verliehen.

* * Das Frühlings fest der deutschen Lands- mannschafter zur Erinnerung an die Gründung des Ko- burger L. C. führte am Sonntag gegen dreihundert alte Herren und Aktive mit ihren Damen nach Zwingenberg und Heppenheim. Besonders erhöht wurde die Festfreude durch die Wiedervereinigung der beiden bisher getrennten landsmannschaftlichen Verbände, nach welcher der Koburger L. C. nunmehr 42 Landsmannschaften umfaßt. So verlief das Fest unter Leitung des Sanitätscats Dr. Vömel (Frankfurt) in ungetrübtester echt studentischer Fröhlichkeit, bis in später Nachtstunde der Sonderzug die Teilnehmer davon führte.

* * U e b e r d i e russische National-Vokal -Kavelle Nadina S l a v i a n s k i, die am Samstag, den 16. d. Mts. im Neuen S a a l b a u konzertiert, schreiben dieLeipz. N. N." u. a.: In der allrussischen Tracht des 16. und 17. Jahrhunderts betrat die russische Vokal-Kapelle unter Leitung von Nadina Slavianeky das Podmm, um uns russisches Volksleben und des Volkes Em­pfinden iu Wort und Ton zu Gehör zu bringen. Zumeist bekannte, zum Teil berühmte russische Komponisten waren es, deren Volks-, Kirchen- und Opernchöre zum Vortrag gelangten. Frei vor-

getragen, ohne Noten, als echter Volksgesang, berühren uns die wehmütigen und heiteren slavischen und speziell russischen Lieder außerordentlich sympathisch. Der allbewährte Rui der Slaviansky- schen National-Vokal-Kapelle erwies sich auch diesmal als fest- gegründet und berechtigt. Tas Ensemble isi vortrefflich, und daß die Vokal-Kapelle den Volkston ans das schärfste festzuhalten ver­steht, sich nicht in äußeren Effekten verliert, ist ihr als hoher Vorzug anzurechnen.

r. Gleiberg, 13. Juni. Der im vorigen Jahre zu Braunfels begründete Verein der Gemein dcbe- amten des Kreises Wetzlar hielt am letzten Sonn­tag auf der Burg Gleiberg eine Versammlung ab. Es wurde die Gründung eines Familienbeirates beschlossen. Die Satzungen sollen in einer späteren Versammlung be­raten werden. Um auch den Gemeindeförstern eine Ver­tretung im Vereine zusichern wurde Herr Förster Möller aus Krofdorf in den Vorstand gewählt.

Butzbach, 13. Juni. Verschüttet und ge­tötet wurde gestern nachmittag ein Arbeiter, der an der Erweiterung deS hiesigen ZellengefängnisieS beschäftigt war. Er war an den Aushebungsarbeiten zu den Fundamenten als Erdarbeiter tätig, als sich plötzlich Erd- und Gesteins­massen lösten und ihn begruben. Nach längerer Arbeit schaffte inan den Schwerverletzten hervor, doch nach zwei Stunden starb er. Der Getötete ist ein Gefangener der Anstalt, der nur zu einer kurzen Freiheitsstrafe verurteilt war.

Butzbach, 13. Juni. Hauptlehrer Storch wurde heute vormittag in Darmstadt von S. K. H. dem Groß- herzog in Audienz empfangen. Herr Storch überreichte dem Landesfürsten ein Exemplar seines FestspielsDer Hütten berg er", das in einem prachtvollen Einband ge­bunden ist und mit dem hessischen Wappen und den Initialen des Großherzogspaares geziert ist. Ferner überreichte Herr Storch einige am letzten Sonntag von Herrn Weikhardt auf­genommene Bilder von dec Eröffnung der Ausstellung und den Darstellern des Festspiels.

Bad-Nauheim 12. Juni. Der Sängerchor des Turnvereins wird unter Leitung seines Dirigenten, des Kgl. Musikdirektors August Glück, Sonntag, 24. Juni auf der Kurhaus-Terrasse in Gemeinschaft mit der Kur­kapelle wieder 2 große Konzerte veranstalten, begin- nend um 4 und 8 Uhr. Der große Beifall, den die Vorträge des Chors bei seinem vorjährigen Auftreten in Bad-Nauheim gefunden ultd ein vorzügliches Programm lassen auch für dieses Mal auf einen vollen Erfolg hoffen.

Beienheim b. Friedb., 14. Juni. Hier wurde ein Kriegerdenkmal zum Gedächtnis der hiesigen Teilnehmer an dem Krieg von 1870/71 errichtet, da§ mit größeren Feier­lichkeiten am 7., 8. und 9. Juli cingeweiht werden soll.

fc. Mainz, 13. Juni. Eine Versammlung von Kolonial waren Händlern nahm einstimmig eine Reso­lution an, in der gegen die beabsichtigte Einführung des Acht-Uhr-Ladenschlusses protestiert wird. Der Vorstand der Mittelstandspartei sprach sich ebenfalls gegen den 8 Uhr-Ladenschluß aus. Infolge der Auf­regung über den Angriff ausständiger Fuhrleute auf seinen Sohn erlitt der Großschlächter Konstantin Schramm in der Emmeransstraße einen tötlichenSchlaganfall. Er stand int 67. Lebensjahre.

sf. Fellingshausen, 13. Juni.Hier rüstet, man sich zum nächsten Sonntag und Montag für das 15 jährige Stiftungsfest des Gesangvereins. Die Festjungfrauen haben den strebsamen Verein, der seit 6 Jahren unter der Leitung des Lehrer Berg steht, eilte künstlerisch aus­geführte Fahuenschleife gestiftet. Der Festplatz liegt am Ausgang der Straße nach Rodheim und ist von den Stationen der Biebertalbahn: Rodheim und Bieber in 25 Minuten zu erreichen. Zahlreiche auswärtige Vereine haben ihre Beteiligung zugesagt.

h. Frankfurt a. M., 13. Juni. Die Flaschen­bierhändler von Frankfurt, Darmstadt, Offenbach und Wiesbaden sowie der weiteren Umgebung nahmen in einer geheimen Sitzung Stellung zur Biersteuervor­lage. Bei ablehnender Haltung der Brauereien ist die Gründung einer Genossenschastsbrauerei vorge­sehen. Wegen Wechselfälschungen wurde der hiev geborene 36 Jahre alte Fahrbursche Willi Ullrich ver- h ast et. Er hat Wechsel auf bekannte hiesige Bauftrmen ausgestellt und mehr als 32 000 Mark erschwindelt.

1c. Kassel, 14. Juni. Die Typhusepidemie in Datterode bei Eschivege, die durch schlechtes Trinkwaffer entstanden ist, hat einen großen Umfang angenommen. 40 Personen sind erkrankt und mehrere Todesfälle sind vorgekommen._________________________

Vermischtes.

* Kais er Wilhelm II. als Braut werber. Am Freitag, dem 15. d. M., begeht der Generalleutnant z. D. von Lucadou seinen 80. Geburtstag und dieser Anlaß erweckt die Erinnerung dar, an wie einst Kaiser Wilhelm II. für die Tochter des verdienten Generals den Brautwerber spielte. Er beschloß seine militärische Lauf­bahn als Kommandant von Frankfurt a. M., und siedelte dann nach Berlin über. . In glänzender materieller Lage durch seine Heirat mit einer der Töchter des reichen Industriellen Pauli-Vogel (die Andere wurde die Gemahlin des Majors Freih. von Beverhörde, von dem man in der Armee sang:Der schönste Mann der Oerde ist Major von Beverhörde") macht er sein Haus bald zu einem der gesuchtesten Centren der vornehmer Berliner Geselligkeit. Eine Tochter entsproß der Ehe, und sie er­wuchs zu einem Mädchen von seltener Schönheit. Ihr wandte sich die Neigung des damaligen Flügeladjutanten des Kaisers Wilhelm II. Dietrich von Hülsen des der­zeitigen Chefs des Militär-Kabinets, Grafen von Hülsen- Haeseler zu. Aber den Eltern des 16 jährigen Fräulein von Lucadou mochte ihr Kind wohl noch zu jung zur Ehe erscheinen. Da war es der Kaiser, der den Liebes­kummer seines Adjutanten und Freundes erriet und ihm zu Hilfe kam. Er setzte sich eines Tages allein in seinen Wagen und gab dem Leibjäger Befehl, nach der Belle­vuestraße zu fahren, wo der General von Lucadu wohnte. Unterwegs aber ließ er an einem Blumenladen halten und kaufte einen schönen, großen Rosenstrauß. Mit diesem in der Hand stieg der Kaiser die Treppe hinauf, klingelte und ließ sich von dem öffnenden Diener der | Frau von Lucadou melden. Als sie ihn mit Ueberraschung