Nr. 289 Drittes Blatt 156. Jahr gang
Samstag 8. Dezember 1906
Erscheint täglich mit Ausnahme befl Sonntags.
Tie „Siebener Familienblötter- werden dem ,9nAeiflCT viermal wöchentlich deigelegt. Der „hrsfllche Landwirt" erscheint monatlich etnmaL
Gießener Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu UnlversltälSdruckcrei. R. Lange, Gießen.
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Eietzen.
politische Lcrgesscha«.
Lerwrlgrruvg ärztlicher Hilfe.
Großes Aussehen hat kürzlich ein Fall in Worms erregt, wo eine Frau a n Verblutung starb, nachdem eine Reihe von Versuchen, einen Arzt zur Stelle zu bringen, vergeblich geblieben war. Jetzt finden mir in der „Slöln. Volksztg.* folgende Zuschrift eines Arztes:
Abends 11 Uhr werde ich oon drei Männern abgeholt, um einem Kameraden zu Hellen, der angeblich schwer ertrankt ist. wieme Frau iDQtm miet), mit den verdächtig auvsehcuden Akännern drei- Dicvtcl Stunde roeii zu gehen, aber der taiegorljche Jmpeianv befiehlt, und ich finde auch einen besinmmgstoleu Krauten. Ter Fall wird der Bclriebskrankenkasie milgeleilt, genau wie er sich ereignet, aber die Kasse zahlt nicht. Sie verlangt, daß der Atann zu seinem Arzt gehe, welcher mindestens dreimal soweit ist, wie ich. Erne an schwerer Eclenktuvcrkuloie leidende Frau kam in meine Behandlung. Ter Krankenkasse, welcher sie angehörte, teilte ich nm, daß ich Frau Soundso ins kraiikenhans zu 3c. geiandt habe und den Chirurgen '21. zur Operation zuziehen würde, wenn die Kasse nicht anders über die Frau beslimine. Nach meizehn Tagen schrieb die Kasse, sie »vürde nicht zahlen, da die Frau zuerst einen anderen Arzt zugezogen habe. Sie war natürlich längst operiert, da groge Geiahr beiianü durch längeren Verzug. In demseloen kranten- hause zeigte ich bei Gelegenheit einer größeren Operation, wo Kollege A. operierte, diejein em Alilglied der Armenkasse. Ter Kollege erklärte sich zur sosorligeu Voinabme der unbedingt noligenOpera- tion bereu, welche dann auch glücklich vollendet wurde. Gleich nach der Operation wendete ich mich schriillich an die Arnien- kommlision m X. mit der Bitte um nachträgliche Genehmigung der Zuziehung des Kollegen, indenr ich die sojorlige Bornayme der Operation als unbedingt nölig darstcUte und zugleich muteille, daß durch die zrnällige Gegenwart des Kollegen Reuekoslen von 12 Alk. usw. erlpatt worden, die Operation nunmehr um die Hällle billiger geworden sei uuo. Tie Genehmigung wurde verweigert. Ist es da nicht wunderbar, wenn man noch ein bischen Idealismus sich reuet und nicht reiner Geschäüsmann wird? Aken» man so iür pil'e in dringeiiden Fällen von Betriebskasjen, Krankenkassen, Behörden nicht Bezahlung erlangen kann, ist das mcht tür solche, die ihren Beruf nur als Geschält betreiben, Grund genug, in solchen Fällen, ivo sie ersahrungsgeinäß kein Honorar erhallen, ihre Hille zu verweigern? Bei einer nobelen Konkurrenz der Aerzle, die durch die allgemein gültigen Anschauungen über ärztliche Ethik unö Aeslhetik (und nennen wir auch noch die Ehrengerichte) gewiß tm Zaume gehalten wird, sind Fälle wie in Worms uumögli ?. Wer dann nicht arbeiten iviti, wird die Früchte seines Tuns ernten, nicht aber von der ärztlichen Aernssireudigkeit seines Kollegen essen, der nichts bezahlt bekommt iür einen Nacht- bejuch oder eine eilige Operation, die er nicht abznjchlagen wagt, im Gesuhl seiner Berantwortung dem leidenden Aiitilieltschen gegenüber.
Die Wahle« zur zweiten Reichsduma stehen bevor. Stolyptn ijat bas Ntögiiche getan, dem Wahlgesetz durch den Senat „Erläuterungen" geben zu lassen, die schon die Kandidatenfrage in einem der Regierung günstigen Sinn beeinflussen. Denn es liegt im Interesse des finanziellen Kredits Rußlands, daß ein Parlament gewählt wird, mit dem die Negierung arbeiten kann. Stolyptn würde allerdings nicht davor zuruckschrecken, auch die zweite Duma aufzulösen, falls sie sich widerspenstig zeigt, aber es wäre eine gründliche Aenderung des Wahlgesetzes unumgänglich, und sie würde wohl die revolutionären Flammen wieder auszucken lassen. Der Ministerpräsident ist ohne Zweifel Reaktionär in dem Sinne, als er von politischem Fortschritt auf der ganzen Linie nichts wissen will. Es mag sein, daß er damit der Eigenart Rußlands mehr Rechnung trägt, als es Graf Witte tat, der, mit liberalen Ideen gewissermaßen kokettierend, im Bolt und namentlich in den Kreisen der „Intelligenz" Erwar- Lungen erweckte, die er nicht entfernt erfüllen konnte. Wenn den vom Ministerium Stolypin ausgearbeiteten, durch die neue Duma zu genehmigeirden Gesetzentwürfen in erster Linie die staatliche Fürsorge für die B a u e r n statuiert wird, so ist das bei der nationalwirtschaftlichen Bedeutung und bei der Notlage der russischen Landwirtschaft, der 60 Droz, der erwerbstätigen Bevölkerung angehören, nur natürlich. Mindestens soviel wert wie die den Bauern zugedachte bürgerliche Gleichberechtigung ist die unter anderst billigen Bedingungen erfolgte Zuweisung von Kronländereien, und wenn auch «einige Gouvernements infolge von Mißernten unter drückender Hungersnot leiden, so hat doch die Hilfsbereitschaft der Negierung und die großmütige Handlungsweise des Zaren aus die Bauern günstig eingewirkt, sodaß die radikalen Parteien bei den Wahlen aus dem Lande kaum sehr erfolgreich sein werden. Die Einberufung der zweiten Duma ist für den März in Aussicht genommen, sie dürfte also, falls sie nicht baldiger Auflösung verfällt, erst etwa in Halbjahrsfrist über die erneute Inanspruchnahme des Auslandskredits zu befinden haben.
Heer unö Flotte.
— dtach einer ,,Times"-Meldung aus Tokio gedenkt die japanische Regierung die Armee ganz beträchtlich zu vermehre n. Das neue japanische Buoget, das dem Parlament vorgelegt werden soll, stellt die Forderung von sechs neuen Divisionen auf. Nach Durchführung dieses Planes wird Japan über eine reguläre Armee von etwa 750 000 Mann verfügen. „Daily Telegraph" meldet ans Tokio, daß sensationelle Enthüllungen über die japanische Kriegsmarine gemacht werden. Ein Matrose der Kriegsmarine, der im Verdacht stand, einen Diebstahl begangen zu haben, wurde auf Anordnung der Offiziere in der Kabine auf gehängt und mit Dr ah tpeitf ch en gezüchtigt. Der Marrose starb darauf an den erlittenen Verletzungen. Es wird versichert, daß solche Vor
gänge sich öfter ereignen. Die jäpanischen Mcatrosen beklagen sich über die brutale Behandmng, die sie seitens der Offiziere erdulden müssen. Aehnliche schauderbare Zu- stände sollen auch in der Armee herrschen._______________
2Cird?c unö Schule.
Berlin, 6. Tez. Tcr ,'öialionalzig." zufolge beschloß die Königliche Gärtnerlehranstalt Dahlem mit Genehmigung des Ministers für Landwirtschaft auch Damen als Hospitantin wen und Praktikantinnen znzu- l assen.
Berlin, 7. Tez. Die Gemeinde-Körperschaften der Luther-Gemeinde haben entsprechend dem Bestreben weiter Kreise, welche neben dem gemeinsamen Kelch bei der Abendmahlsfeier auS ästheiischen und sanitären Gründen den Einzelkelch wünschen, die Einführung dcS Emzelkclchs beschlossen. Ter Gebrauch von Privatkelchcn ist nach Bestimmung des Konsistoriums nicht gestaltet.
Ale Weiche im Koffer.
(Unberechtigter Nachdruck verboten.)
S. u. H. K a s s e l, 6. Dezember. Zweiter Tag.
Der Prozeß "gegen den iNöbelhandier Wilhelm Meyer gestaltet sich zu einem der interessantesten Jndizienprozesse dcS lebten Jahrzehnts. Die amerikanischen Blätter la,sen sich täglich spatlcn- lange Berichte hlnübcrkabcln und der Andrang des Publikums zu den Verhandlungen ist fortgesetzt im Wachsen.
Ter Angetlagte macht auch heute einen durchaus sympathischen und ruhigen Eindruck.
Zu Beginn der Sitzung stellte der Verteidiger RechtSanwalt Hohm-Köln unter Beweis, daß der
Baler des «u geklagten Aeltester des Presbyteriums der protestanii>chcn Gemeinde seiner Heimat sei, daß er sein Amt nach Einleitung der Untersuchung gegen seinen Sohn niedcrlcgte, aber einstimmig wiedcrgewählt wurde. Ter in einem großen Kölner industriellen Unternehmen beschäftigte Vater d^s Angeklagten, ein^pensionicrter Lokornottv- sührer, hat inzwischen die Braut seines Sohnes zu sich genommen und diesem den Verteidiger gestellt.
Ncdaltcur T o r p e t e r » Wildungen bekundet zwei Vorfälle, wo der Angeklagte in Gesellschaft sehr protzig aufgetreten seh eine Tischrunde mit Sekt traktiert und Tausendmarkscheine au| den Tisch geworfen habe. Tiefe Vorfälle spielten' nach dem Tode der Frau Vogel. Ferner weiß sich der Zeuge zu erinnern, daß Frau Vogel zu Pfingsten v. I. den Angeklagten aus seinem Laden binaussetzen wollte. Wegen seiner-Beziehungen zu Fräulein Cyrisliani habe der Angeklagte überhaupt viel aushalten müssen. Tas Verschwinden der Frau habe der Angeklagte mit einer Reise begründet. Eine Veränderung der Stiminung Meyers sei nach jener Zeit nicht eingetreten. In den letzten 3 bis 4 Monaten habe Meyer sehr eingeschränkt gelebt, ja er sei fast geizig geworden.
St.-A. v. Ditsurth fragt den Zeugen, ob er den Eindruck hatte, daß Frau Vogel in Meyer verliebt war. Zeuge: Nein, das hielt ich bei der 73jährigen Frau für ausgeschlossen. Ich hatte vielmehr den Eiirdruck, daß die alte Dame den jungen Mann „bemutterte" und nicht wollte, bat- dr ein armes Mädchen heiratet. Erster St-SL: Welchen Eindruck machte die Frau Vogel im allgemeinen? — Zeuge: Sie war ein richtiger Drache, sowohl im Aussehen wie im Benehmen. Erster Staatsanwalt: Halten Sie cd für möglich, daß sie sich ans Wut oder Schmerz das Leben genommen hat? Zeuge: So wert habe ich nicht aedacht. . Ihre Aufregung stieg jedoch sehr oft ins Ungeheure; sie beschimpfte ihn in- maßloser Weise und tat überhaupt so, als ob sie aus Grund ihres Geldes allcS von ihm verlangen könne.
Polizeiwachtmeister Neuhaus auS Wildungen war ebenso wie der Vorzeuge ein Duzbruder des Angeklagten. Er bekundete, daß Meyer in Unfrieden mit Frau Vogel lebte und vor ihrem 23er» schwinden xu ihm einmal äußerte: Weiß der Deubel, die Alte will absolut nicht bleiben, sie will wieder fort nach Amerika!
Der Verteidiger läßt sich dann von dem Angeklagten bestätigen, daß er foiort in leine bedingungslose Einlieferung eingewilligt und bis heute bei allen Vernehmungen seine Unschuld beteuert habe.
Bei Schuhmachermeister Klapp war die Geliebte deS Angeklagten, Fräulein Christani, als Verkäuferin tätig. Er stellt dem Mädchen das beste ZeugniS aus und bekundet, daß er Zeuge eines Streites zwischen der verswrbenen Frau Vogel und dem Angeklagten in desien Laden war. Weiter sagte der Zeuge: Ich glaubte nicht, daß Frau Bogel die Tante sei, meinte vielmehr, daß ein Liebesverhältnis zwischen ihnen bestehe.
Inzwischen mußte der Kvsscr, der die Leiche enthielt, aus dem Sitzungssaale geschasst werden, da sein entsetzlicher Geruch bei den Geschworenen mehrfach Ueoelkeit erregt hatte.
Möbelhändler Kratz, dessen Geschäft in Wildungen Meyer seinerzeit kaufte, bekundet, daß Frau Vogel später ihr gesagt habe, Meyer hätte das Geld zu dem Kauf von ihr bekommen, sie sei also die eigentliche Inhaberin und wenn Meyer nicht von der Christian! lasse, werde sie ihn hinauSwersen. Am Abend vor dem angeblichen Tode der Frau Vogel habe zwischen dieser und Meyer wieder einmal eine heftige Auseinandersetzung statt- gefunben. Dabei habe Frau Vogel erklärt, unter Umständen werde sie ihn, den Zeugen, an Stelle von Meyer wieder ins Ge- schäst setzen. Am folgenden Morgen gegen 8 Uhr sei Meyer zu ihm gekommen und habe zu ihm gesagt: Das hätte Ihnen wohl so gepaßt, wenn die Tante Ihnen das Geschäft zurück- gegeben hätte. Glücklicherweise ist sie heute cbgereift!
Ter Verteidiger versuchte durch eine nochmalige Befragung des Zeugen Kratz nachzuweisen, baß Frau Vogel gar nicht das Recht gehabt habe, den Meyer aus dem Geschäft zu entfernen. Da der VerkausSabschluß ausschließlich zwischen Meyer und dem Zeugen betätigt worden sei. Ferner stellte der Verteidiger fest, daß Frau Vogel am Tage nach dem letzten großen Streit noch gelebt habe, b-i sie von verschiedenen Zeugen noch gesehen wurde.
Das Dienstmädchen Gforiitine Riewe bekundete, daß Frau Vogel ihr öfter gesagt habe, sie solle doch etwas auf Meyev aufpassen, sie würde ihr dafür extra cüvas geben. Ich habe das aber nicht getan, erklärt daS Mädchen, denn Herr Meyer war sehr gut zu mir und hat mir öfter gesagt, ich stall 2 ja alles tun, waS Frau Vogel verlange. Er hat mir dafür auch Trinkgelder
gegeben. Bors.: Frau Boger war wohl Nicht so splendide? Zeugin: Nein, die war sehr knapp.
Witwe Bold recht, in bereit Haus der Llngeklagte wohnte, würbe eingehend über die Abortanlagen vernommen, da Meyer bei feiner Vernehmung andcutete, daß die fehlenden Schrnuck- sachen der Frau Vogel von dieser in daS Klosett geworfen fein müßten. Tie Zeugin gibt zu, daß auf dem Boden der Senkgrube größere Gegenwände noch gefunden werden konnten.
Lehrer Hube aus Gera mietete am 25. Juli v. I. als Kurgan cm Zimmer bei Vorrechts. Am 27. begegnete er auf dem Korrüwr der Frau Vogel, die ihm Hefte der „Woche" zum Mit- lesen gab. Am Tage darauf hieß es bann, Frau Vogel sei abgcreiit und er habe sie auch nicht mehr gesehen. Bors.: Angeklagter, Sie sagten, Frau Voycl lei schon iruher verschwunden? Angell.: Jo, ich bin Anfang Juli sortgereist und nehme an, baß sie gleich daraus Selbstmord begangen hat.
Frau B ü ch s enschütz auS Wudungen hat die Meycrsche Wohnung und den Laden regelmäßig gereinigt Präs.: Woren^in dem Schlafzimmer der Vogel Koffer? — Zeugin: Ja, zwei. Sie gehörten Frau V. WaS in den Koffern war, weitz ich nicht — Präs.: Hut Ihnen d.e Vogel einmal etwas erzählt über ihr Verhältnis zu Meyer. — Zeugin: Nein. Sie hat mir Auftrag gegeben, ihr zu melden, toenn die Chritziani in den Laden komme. Sie halte dem Mädchen das Betreten des Ladens verboten. Sie sagte mir, über den Laden habe sie zu verfügen. Prüf.: Sind Sie auch nach dem Verschwinden der Frau Vogel noch in der Meyerschcn Wohnung gerne;en? — Z.: Ja, etwa 14 Tage später. Ich reinigte damals aber nur die Küche. Die andern Zimmer waren vcrfchlossen. 14 Tage später, als die Schwester dcs Meyer schon bei ihrem Bruder weilte, war ich wieder in der Wohnung und habe den Ösen in der Stube gereinigt — Präs.: WaS sanden Sie in dem Ofen? — Zeuge: Asche von Papier. — Präs.: Haben Sie. vielleicht auch Reste einer angebrannten Ledertasche gesunden? — Zeuge: Nein. — Staatsanwalt v. Ditfurth: Haben Sie in der Meyerschen Wohnung einen häßlichen Geruch oemcrlt? — Zeuge: Es roch ein bischen durnps, ich dachte, die Frau Vogel hätte etwas aus die Erde geschüttet
Fräulein Berndt, eine Hausgenoiiin der Vogel, erzählt, daß Meyer immer freundlich und zartfühlend seiner Tante gegenüber gewesen sei. Trotzdem habe sich die Vogel immer beschwert, d..ß Decher nicht lllbenSwärdig genug sei, sie fei von ihrem Manne sehr verwohnt worden. Tie Zeugin Hütte den Eindruck, alS ob d.e Vogel eifersüchtig sei. Während der ersten Zeit feines Aufenthaltes in Wildlingen sei Meyer fast immer abends zu Hause geblieben und habe seiner Tante vorgelesen. Nachdem er die Ehristiani kennen gelernt, sei er abends häufig ausgegangen. Deshalb sei die Tante erbost gewesen. Die Zeugin hat Mitleid mit Meyer empfunden, da sie bemerkt habe, daß er von der Bogel abhängig sei? Meyer habe immer die gleiche freundliche Ruhe bewahrt, habe seine Tante ansgefah-ren, wenn sie den Wunsch geäußert usw. — Präs.: Wie war sonst die Vogel? — Zeugin: Lie war eine gräßliche Frau. Präs.: Kleidete sie sich aussulieud? Zeugin: Ja, schon srüh am Morgen trug sie im Hause rvfascidene Blusen. Sie war sehr vergnügungssüchtig. Die Zeugin beiiätigt daß sie in ihrer im ersten Stock gelegenen Wohnung jcdcs^Geräusch aus der Meverschen Parterrewohnung gehört habe. Sie habe immer die Vogel in der Wohnung hantieren hören. Wenige Tage vor dem Wildungcr Vichmarkt, etwa am 24. Juli, habe sie die Vogel am Nachmittage dieses Tages noch gehört. Plötzlich hörte ich, berichtet die Zeugin weiter, kein Geräusch mehr. Es muß etwa um 6 Uhr gewesen sein. Ich hatte das butupfe Gefühl, daß fiter Vogel etwas passiert sein tonne. Sie Halle ja immer über ihre Nerven geklagt und über ein Beinleiden. Ich hatte auch daS Gesühl, daß die Vogel sich ein Leid angetan haben könnte. Der Gedanke, daß Meyer der Vogel etwas getan haben könnte, ist mir nicht im entferntesten gekommen. Am späten Abend dcS Tages hörte ich Meycr Heimkommen. Dann habe ich nichs mehrt gehört. Frau Äppel sagte mir einige Tage später, Frau Vogel sei abgereiit. Ich habe diese Angabe nicht bezweifelt. Erst als ich später den häßlichen Geruch au5 der Meyer- fchen Wohnung bemerkte, kehrte dieses Gefühl wieder, daß in dem Erdgeschoß elloas nicht in Ordnung sei. Meyer, den ich nach seiner Tante fragte, sagte mir zuerst, er wisse nicht, wohin sie gereift sei. Später sagte er mir, sie sei in Köln bei feinen Eltern unl> dort erkrankt. Die Zeugin hat Meyer auch auf den schlechten Geruch aufmerksam gemacht, woraus dieser gesagt habe: ES war ein Nachteimer; er ist jetzt ausgeleert worden, nun wird S schon besser werden! Vors.: Haben Sie jemals einen: Nachteimer »ausgießen sehen? — Zeugin: Nein, es wurde amf)1 nicht besser. Es war em ganz außergewöhnlich unangenehmen Geruch. — Vors.: Etwa wie von Chtortalk? — Zeugin: Nein.
Geheimrat Dr. Tu cz e k-Marburg (zur Zeugin): Frau Vogel klagte über ihre Nerven. Wann geschah dicS? — Z.: Wenn Gewitter war. — Sachv.: Klagte sie über schlechten Schlaf? — Z.: Nur über Kopfschmerzen. — Sachv.: War sie launisch unix ausbrausend? — Z.: Wenn man ihr zu Willen war, nicht. —?> Sachv.: Ihre Aeußerung: Mir kann niemand helfen! meinen Sie^ sei nur auf ihre Sehnsucht nach Amerika zurückzusühren? r=s. Z.: Ja.
Nachdem noch einige Arbeitskollegen des Angeklagten «ms Bochum und Düsseldorf über sein Vorleben vernommen, wurde die Verhandlung «abends spat auf morgen vormittag 9 Uhr vertagt.
Vergesse» Sie nicht, daß Weihnachten bevorsteht und daß als bestes Weiiniachtsgeschrnt sich eine Osw-Füllieder erweist, welche von Mk. 12.50 aufwärts, der Größe der Goldfeder entsprechend, käuflich ist. Es gibt nichts Brauchbareres, weil jedermann täglich sich einer Feder bedienen muß. Es gibt auch nichts Tauerhaüeres, ivcil sie lebenslänglich vorhält. Es gibt überhaupt nichts, desien sich der Beschenkie angenehmer erinnert, als der Gabe einer Caw’s- Fullseder. Nachahmungen sind zahlreich, aber jeder Händler vom gutem Rufe wird Ihnen eine Caw verlausen, wenn Sie Caw verlangen. Man beachte beim Kausen, daß der Haller den Namen Caw trägt. Bezug durch Papiergeschäste. Jllustr. Katalog gratis. Schwau-Bleistist-Fabrik, Nürnberg. (m“/n
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kaufen keine Einrichtung ohne vorher das grosse Muster-llaopt- ausstelluiigshaaB der Darmstadter Möbelfabrik, Heidelberger- strasse, welches als Sehenswürdigkeit L Ranges und bedeutendstes laus seiner Art bekannt ist, besichtigt zu haben. Man verlange Preisliste mit Abbildungen. (Perspektiv-Aufnahmen von completten Zimmern). b “/»
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