Nr. 110
»r1*cietf tLglUtz «fett SomttagS.
L«n Gießener Anzeig« werden im Wechsel mit dem Lesfischen Landwirt die «lehener Kamillen, bfittter viermal in der Woche beigelegt.
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Schnlstraße 7.
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Anzeiger Gießen.
Erstes Blatt ISO. Jahrgang FreitLg 11. Mai 1906
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Sichener Anzeiger
** General-Anzeiger w Derantwörtlich für
v '*7 den polit nnd allgem.
Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen KMZ
____________________ zeigenteil: HanS Beck.
Die heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.
Kus dem Aeichstag.
K Berlin, 10. Mai.
Am Berichierst aüertifch hat für die Zeit der Beratung der Erbschaftssteuer der Zentrumsabgeordnete Dr. am Z^hnhoff Platz genommen, em behäbiger, kluger Jurist und bei seinen Parteifreunden sehr angesehener Herr. Ein umfangreicher, fleißig und übersichtlich durchgearbeiteter Kom- misstonSbericht über die Erbschaftssteuerverhandlungen aus seiner Feder liegt dem Hause vor. Er läßt erkennen, welche Schwierigkeiten überwunden werden mußten, ehe das Eirmernehmen über die Erbschaftssteuer erreicht war. Das Zentrum hatte besonders mit Schwierigkeiten zu kämpfen. In seine» eigenen Reihen gab es Meinungsverschiedenheiten. Der links gerichtete, mehr sozialpolitische Flügel ist für weitgehende Nutzbarmachung der Erbschaftssteuer, die Zentrumsagrarier straube» sich dagegen im Interesse des landwirtschaftlichen Besitzes. Als einer der letzteren sprach heute Abg. v. Savigny mit solcher Scharfe — man hörte n. a. das Wort »Vermögens- empehung^ —, daß die Agrarier von der Rechten chr lebhaftes Bedanern durch den Abg. Dittrich (kons.) ausdrucken ließe», daß Herr v. Savigny nicht Mitglied der Kommission gewesen sei. Die Kommission hat zwar zugunsten des ländliche» Grundbesitzes erhebliche Vergünstigungen beschlossen, aber ein beträchtlicher Teil der Konservativen verharrt in der Opposition gegen die Erbschaftssteuer, weil die Höhe der Sätze für die Besteuerung größerer Erbschaften einen »europäischen Rekord^ darstelle, ja ein »nationales Unglück" bedeute. Es braucht kaum hiuzugeftigt zu werden, daß eS in der Hauptsache Vertreter des Grundbesitzes sind, die eine Besteuerung der Erbschaften ablehnen. Mg. Dittrich meinte zwar, der mittiect und kleine Grundbesitz ziehe an demselben Strange, wie der Großgrundbesitz, aber da der Erbgang unter Ehegatten und Kindern, sowie der bei Erbschaften bis 5000 Mk. steuerfrei bleiben soll, besteht hier doch wohl ein Unterschied der Interessen des Groß- und Kleingrundbesitzes. Einen Versuch deS Abg. Am Zehnhoff, die Besteuerung der Ehegatten und Kinder auf dem Wege einer Nachlaßsteuer festzulegen, wieS die Mehrheit des Zentrums in der Kommission zurück. Die im Plenum eingebrachten Anträge nach derartiger Aus- dehnung der Besteuerung haben ebensowenig Aussicht auf Annahme, wie sich aus der Debatte ergab. Selbst der Wortführer der Freis. Volkspartei, Abg. Dr. Wiemcr, verhielt sich ablehnend, weil ec keine Notwendigkeit sicht, Steuern auf Vorrat zu bewilligen. Die Rede des Abg. Westermann (nL) hielt sich getreulich an daS Erbschaftssteuerkompromiß. Dasselbe laßt sich sagen von den Darlegungen deS Abg. Dr. Spahn (Ztr.) Er suchte nebenbei die Besorgnis zu zer- streuen, als werde die Landwirtschaft durch die Erbschaftssteuer unverhältnismäßig belastet. Das Gegenteil sei der Fall. Schatzsekretär Frhr. v. Stengel beschränkte sich auf die Bitte, alle Abänderungsanträge abzulehnen und es getrost bei den Kommissionsbeschlüssen zu belassen.
Mit diesen kann die Regierung allerdings zufrieden sein, denn eS schaut für die Reichskasie dabei ein Einnahmepästchen von rund 70 Millionen heraus, während der Ertrag der Erbschaftssteuer nach dem Regierungsentwurf auf nur 48 Millionen veranschlagt war. Die Kommission war allerdings verpflichtet, hier die Steuerschraube schärfer anzuziehen — der Ermäßigungen im einzelnen ungeachtet — weil sie die Besteuerung des Tabaks und der Quittungen ablehnte. Frhr. v. Stengel wollte im übrigen die Erbschaftssteuer als indirekte Steuer'betrachtet wissen, seine Definition wurde aber sogar von einem Redner der Rechten angefochten. Für die Sache selbst ist der Streit belanglos, der Schatzsekretär will aber anscheinend keine Gelegenheit vorübergehen lassen, um vor das Gebiet der direkten Reichssteuern die Schranke zu legen. Die entscheidende Abstimmung über die Erbschasts- steuer war namentlich und ergab die Annahme nut der großen Mehrheit von 210 gegen 40 Stimmen bei 8 Stimmenthaltungen. Von deu einzelnen Steuergesetzen steht in zweiter Lesung nur noch das »Mantelgesetz" aus, das der Finanzreform die gehörige* „Umrahmung" giebt.
Deutscher Reichstag.
89. S i tz' u n g vom 10. M ai 1906.
Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Beratung der Erbschaftssteuer.
Staatssekretär Frhr. v. Stengel: Im Namen der Verbündeten Negierungen habe ich zu crElärcn, daß sie dem Anträge Albrechts gegenüber sich durchaus ablehnend verhalten. Die Gründe, tveslhalb die Verbündeten Regierungen die ReichZerbschastssteuer für Deszeirdenten und Ehegatten für nicht geeignet hallen, habe ick' sowohl bei der ersten Beratung nrie wiederholt bei den Kommissionsbcralungcn dargelegt. Ich verzichte daraus, diese Gründe letzt zu wiederholen. Ich kann nur bitten, den § 12 in der .Nvlnmissionssassnng anzuneh-men.
Abg. Savigny (Ztr.) schließt sick hinsichtlich deS Antrages Albrecht bcu Ausführungen des Staatssekretärs an und bat auch sonst noch seh. wesentliche Bedeuten gegen einzelne Bestimmungen der Vorlage. Die Erbschaftssteuer dürfe nicht zu einer Konfiskation des Vermögens führen.
Abg. Wöstmann (nL) stimmt int Bewußtsein der bitteren Notwendigkeit der Sanierung oer Reichs,manzen und der Erbschaftssteuer nach den Beschlüssen dec Kommission zu.
Abg. Dietrich (kons. führt ans: Tie Steuer stelle in ihren Höchstsätzen einen enropi'scheu Rekord dar, weder in Frankreich uock> in England habe mau derart. Sähe. Tie hohe Erbschaftssteuer sei für den Grundbesitz empfindlicher, als eine
Einkommensteuer. Trotzdem wolle man im Reiche durch diese Steuer wieder den Grundbesitz belasten. Die Besteuerung der Deszendenten und Ehegatten werde von seiner Partei einstimmig verurteilt. Redner wendet sich sodann gegen die gestrigen Ausführungen Bernsteins nnd erklärt, weil die Bewilligung der Steuer angesichts der Finanzlage des Reiches irotroenbig sei, werde seine Partei ihr trotz ihrer sachliche» Bedenken zu- stimmen.
Mg. Wiemer (fr. Vp.): Wir treten grundsätzüch für die Erbschaftssteuer ein, weil wir in ihr den ersten Schritt zu den direkten Reichssteuern sehen. Den sozialdemokratisckien Antrag lehnen wir ab, weil ec eine Konfiskation der Vermögen nach den kommunistisch-svzialisttsckren Grundsätzen erstrebt. Wenn die Notwendigkeit einer wetteren Beschaftung von Mitteln bestände, würden wir auch für die Besteuerung der Destzendenteu einstehen.
Wg. Lattmann (Wirtsch. 53g.): Seine politischen Freunde stimmen trotz einzelner Bedenken der Vorlage zu. Es sei gleich- giltig, ob die Steuer als eine direkte oder indirekte aufgefaßt wird. Das Reich ist berechtigt, auch direkte Steuern zu erheben, sonst würde ich für diese Steuer nicht stimmen können. Der Antrag Albrecht ist dagegen nnnnnelyntbar.
Mg. Spahn (Ztr.) empfiehlt die Annahme der Kommissions- beschlüsse. Die Landwirtschaft werde in Zukunft nicht einmal das zahlen, was sie bisher zahlte. Hätte man die Erbschaftssteuer abgelehnt, hätte man eine neue Steuergnelle suchen müssen.
Mg. v. Gerlach (ft. Vg.) wirft der Steuerb>mmission vor, sie habe überall agrarische Bevorzugungen vorgeirommen. Redner befürwortet den von ihm eingebrachten Antrag, den 10000 Mk. übersteigenden Nachlaß mit ein Zehntel bis 2 Pv^ertt, bei mehr als 1000 000 Mark progressiv steigend zu besteuern.
Mg. Hilpert (Bau.crrrb.) befürwortet die günstigere Be- hcmdlung deS stftuuobesitzcs gegenüber dem sonstigen KapttaL
Mg. Bernstein (Svz.> begründet einen Eventualantrag, im Falle der Mlehnung des sozialdemokratischen Hauptantrages zu 12 die Bevorzugungen des kftchlichen Erbrechtes usw. zu beseitigen.
Nachdem norf) Mg. Gotheiu (fr. 53g.) und Wg. Dietrich (kons.) gesprochen haben, erfolgt namentitdie Abstinrmung über § 12, der noch Ablehnung der sozialdemokratischen Anträge in der Kom^m iss ivns'f assung mit 210 gegen 40 Stimmen bei 8 Stimmcnthallungen angenommen wird. Der Antrag Gerlach wird abgelehnt. — .Darauf werden die Paragraphen 1 bis' 11 debattelos angenommen. Nachdem dann der Antrag Bvt'elmann bett, die Besteuerung der Schenkungen unter Lebenden abgelelMt ist, vertagt sich das Haus auf morgen 1 Uhr. Fortsetzung der heutigen Tagesordnung.
Aus StaDt uno Luus.
Gießen, den 11. Mai.
** Poketeinsa mF ..n durch di« Post. Es ist noch nicht genügend bekannt, daß die Post abzusendende Pakete aus Bestcllmm aus den Wohmmlien abholen läßt. Man braucht nur ein offenes Sckireiben, eine Karte ober einen Zettel mit den Worten: „Paket abzuholen bei (Name und Wohnung)" unirunfiert in den nächsten Briefkasten zu werfen oder einem Briefträger mttzugeben, und die Sendung wirb bei ber nächsten Pa l.'tbe stell fahrt gegen eine Gebühr von 10 Psg. vom .Hause des Wsenders abgehalt. Tas Verfahren ist einfach und bequem und deshalb besonders solchen Personen zu em- pfetzleu, denen ein Lienstbote nicht zur 53crfügintg steht.
** Die Landsmannschaft „D a r m sta bt i a" begeht am 19. l. M. die feierliche Grundsteinlegung zu ihrem im Bau begriffenen Couleur Hause am „Wetzlarer Weg", bas sie zu ihrem 25. Stiftungsfest im nächsten Jähre zu beziehen geben ft.~
** Stenographie für Tarnen. Von dem Segen und den Wohltaten, welche die Erlernung und praktische Verwendung der Stenographie in vielen Frauenkreisen schon gestiftet hat, machen sich nur wenige eine richtige Vorstellung. Seit der Verwendung der Stenographie im Berufsleben hat sich für die Frauen und Mädchen, die dazu bestimmt sind, sich einen Lebensunterhalt zu suchen, eine wesentlich bessere Lage für sich und ihre Familie berausgebttdet. Ter kaufmännlsche Beruf, der von begabten Mädchen vielfach gewählt wird, verlangt eine vielseitige und gründliche Ausbildung, verlangt vor allen Dingen die Ausbildung in einem guten Stenögraphiesystem. Das beste Stenographiesystem ist das, welches für die Praxis den höchsten Wert besitzt. In der Praxis und zwar sowohl im Parlament als auch im Geschäft wird aber fern Stenographiesystem auch nur annähernd soviel angewendet wie bas Gabelsbergersche. Es ist deshalb auch das Gabelsbergersche Stenögraphiesystem in Tamenkrersen besonders hoch geschätzt. Nach dem Jahrbuch der Schule Gabelsbergers, herausgegeben vom Königl. Stenographischen Institut zu Dresden, beträgt, die Zahl der Damenvereine nach Gabetsbergers System 150 mit 4821 Mitgliedern, während noch 4369 Samen Männer- vereinen angehören. In Vereins- und Privatkursen wurden 6043 Damen und Mädchen im letzten Jahre unterrichtet, an Lehranstalten 8611, zusammen 14 654. Diese-Zahlen beweisen, welche hohe Wertschätzung die Gabelsbergersche Stenographie in Damen- kreisen bereits besitzt. (Der Beginn des Unterrichts ist in dem heutigen Inseratenteil ersichtlich.)
** Sie Ileischpreise h'ben ein erhebliches Sinken am Kälbermarkt zu verzeichnen. Gestern standen in Frankfurt 917 Kälber, teils aus Hannover, teil§ ans Süddeutfchlanb am Markt. Die Preise gingen bei 1 Qualität 4—6 Psg. bas Pfund Schlachtgewicht und bei 2. Qualität sogar 10 Psg. zurück. Schafe und tzämmel gaben ebenfalls im Preise nach. Ochsen, Bullen und Kühe sanken auch im Preise. — Wie ausl ber Fulb aer Gegend berichtet wirb, haben bie dortigen Metzger beschlossen, infolge Rückganges ber Schweinepreisc ben Preis des Lrchweinc- sleisches um 10 Psg. das Pfund herabzufetzen und stellen eine weitere Öerabsetzung in Aussicht.
** Von ber Arbeiterkolonie Neu-Ulrichstein. In Nr. 99 ber „Ber l in er Morgenpost" vom 29. Aprtt 1908 wirb von Fr. K., Berlin O., in einem „Die Kolonie §)ofsnungstal" überschriebenen Artikel behauptet, die Verwaltung ber Arbeiter-Kolonie Neu-Ulrichstein habe wahrenb feines Aufenthaltes daselbst im Winter, Dezember 1887 oder Januar 1888, bei fußhohem Schnee und bitterer Källe einen Kolonist e n, dem auf ber Kolonie bie Stiefel gestohlen worden waren, barfuß die Füße mtt Lunchen bewickelt, entlassen, obgleich die Bekleidungskammern mtt ^xhuhzeug überfülll waren. Ter damalige Kolvnieleiter ist seit 1892 nicht mehr int Dienste. Van dem jetzigen V^olonieleiter wirb uns mitgeteift, daß nach den Einrichtungen ber Kolonie ein derartiges Vorkommnis als ganz a. usg e schloffen betrachtet werden müsse.
( Eberstabt bei Lieh, 10. Mai. 2er Gemeinberat hat die Gr b a nun g einer Leichenhalle auf bem hiesigen Frieb- hof beschlossen.
(t) Rebgesha in, 10. Mcn. In unserem, auf dem äußersten kochen Hochplateau des Vogelsbergs gelegenen Oerl- cheu wirb noch in biesem Jahre eine Wasserleitung gebaut.
(c.) Hungen, 9. Mai. Gesterm sand bie Uederreichung des demMauver H. Sam es aus Anlaä seiner 25 jährigen Zugehörig- kett zur Fraiwilligeit Feuerwehr verliehenen Feuerwehr- Ehrenzeichens durch Kreisamtmann Dr. Wörner statt.
(e.) Nibba, 10. Mai. Der Stand ber Felbf r u chte uni* ber Wiesen ist durch ben letzten Stegen so prächtig, baß nxir, wenn keine weiteren Wetterschäben ein treten, einer gesegneten En:nte entgegensetzen bürten. Die Aepfelbäume in ihrer Blüten- Pracht bieten einen herrlichen Anblick. Der F-roftsck-abeu war neulich nur hie unb da zu sehen; int allgemeinen ist es gut abgelaufen.
(z.) Nidda, 10. Mai. Gestern nachmittag gingen hier unb in ber Umgegend eine Reihe mehr ober nrinber schwerer Gewitter nicbcr. Die elelttischeit Entlabungen waren ziemlich heftig. Der Landwirt £>. Birz von l-ier war während des stärksten Gewttters im Felde mit Ävrtoffetsetzeu beschäftigt. Ein her- nieberzuckenber Mitzstrahl mackste sein 'Pferd seltenen: es ging durch unb rannte mit seinem O-esälntt in einen ho chfließen - ben Wassergraben, ^erbcieilenbc Leiste zogen ben Verunglückten unter seinem Gefährt blutend hervor. An Beinen unb öüfte zeigte er klaffende Wunden. Toch sind sie mifdxincnb nicht lebensgefährlich. Herr Dr. stloch leistete fosort ärztlickien Beistand.
X Bad-Salz ha u s en , 10. Mai. Auch hier hat man nun die Saison eröffnet. Es können zu jeder Tageszeit,^ausgenommen die Mittagspause, Bäder genommen werden, offan haben sich auch eine Anzalst von Kurgästen cingcfunbcn, die landschaftlichen Reize unb die Heilkraft unserer Quellen bringen stets mit ben alten Besuchern neue Ijerbci. Hoffentlich ist auch in diesem Jahr ber Besuch ein zufriedenstellender.
0 Laasphe, 10. Mai. Gestern abend zog ein heftiges Gewitter über ben Kreis Wittgenstcm. In Hemschlar brannte das Gehöft des Bäckers Svnnenborn nieder und in Aue-Win gershausen wurde ein 13 jähriger S ch ü - ler vom Blitz^gctrossen und getötet./
() Unter-Schmitten, 10. Mai. Heute wurde einer unserer besten Bürger unter autzerordemtlicher Beteiligung besonders von auswärts, ber Schneidemühlenbesitzer Ritvpel, zu Grabe getragen, langjähriger Beigeordneter uno seit 1 <•> Jahren Dürgermeistereivertvalter, Veteran von 1870/71. M seinem Grabe hob Psr. Hermann seine Treue in allen seinen Stellungen hervor. .Meisrat Boettmann rief bem Entschlafenen als Freund den letzten Gruß nach und hob feine CI>ar aller festigtest hervor. Kränze legten nieber ber Kricgervevein Nidda, der auckz bic Ehrensalven gab, ber Veteranenverezn Nidda unb Umgegeno, ber Turnverein Nidda unb bie Arbeiter des Sägeiverts. Unter der Verwaltung Nuppels erhielt Unter-Schmitten seine W^vse^ lettung, wurde ber Nckübaü eines Schulhauses in die Wege geleitet und von fernem Sägewerk aus versorgte er die Gemeinde mit elektrischem Lickt. Er starb im 58. Jahre an einem inneren Leiden, für bas er Heilung in Gießen suchte, bas aber schon zu weit vorgeschritten war.
iF. C.) Ems, 10. Mai. In ber oberen Schiller-Mlee brachen gestern vierMaste der e l c kt r is che n Le i t u n g mtt Getöse ab unb fielen samt ben Le itungsdr ätzten in die anstoßenben Gärten. Ein bort beschäftigter Arbeiter schwebte in höchster Gefahr erschlagen zu gerben. Eine Untersuchung e> ästb, daß die Holzmasten am 'Zooen völlig durchgefaull waren.
Sitznng der Stadtveror-ueten.
Gießen, 10. Mai.
Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, Beigeordneter Curfchmann, die Stadtverordneten: Bruck, Dr. Ebel, Eichenauer, EmmeliuS, Euler, Faber, Gabriel, Dr. Haderkorn, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Helm, Huhn, Jann, Jughardt, Keller, Kirch, Krumm, Leib, Löber, Loos, Orbig, Dr. Schäfer, Schaffstaedt, Schmoll, Wallenfels uud Dr. Wimmenaucr.
Mittettungev.
Vom Turnoerein Gießen tst em Dankschreiben für das durch die Ueberlasfung von Oswalds Garten als Fest- platz für das 60. Stiftungsfest gezeigte Entgegenkommen eingegangen.
Im Februar hat eine Revision der Stadtkasse und der Ka^se des Gas- und Wasserwerkes durch die Ober-Rechnungskammer stattgefunden, die zu keinerlei Beanstandungen Veranlassung gab.
Der Vorsitzende verliest einen Brief von Beig. Georgi, inhaltlich dessen dieser ein Schreiben von Stadtv. Helfrich erhalten hat, in dem dieser den Beig. Georgi auffordert, die in der Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung vom 6. April (lt. Gießener Anzeiger) geschehene Aeußerungr »ihm scheine es, als wenn bei der Enteignung von Gelände, sobald es sich um die Wertbemessung desselben durch die Lokalkommission handelt, gewisse Nebenrücksichten genommen werden zum Nachteil der Stadt", die eine schwere Beleidigung für ihn (Helfrich) enthalte, bis zum 9. Mai durch eine bestimmte Erklärung zurückzunehmen, soweit sie den Stadtv. Helfrich betreffe. Beig. Georgi schreibt hierzu, er habe keine Veranlassung, eine Erklärung in dem gewünschten Sinne abzugeben; er fei sich nicht bewußt, -daß er in feinen Aeußer- ungen gegen Stadtv. Helfrich zu wett gegangen sei. Er habe lediglich seinem Befremden Ausdruck gegeben, daß Helfrich das Gelände als Mitglied der Lokalkommission viel höher taxiert habe, wie als Ortsgerichtsmann, und wie eigentümlich es sei, daß er landwirtschaftliche Werte, wenn sie die Stadt abzugeben habe, ganz anders beurteile, als wenn die Stadt sie erwerben müsse. Mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand will Beig. Georgi den Sitzungen so lange fernbleiben, bis anzunehmen ist, daß bie Sache nicht mehr zur Sprache komme.
Stadtv. Helfrich bedauert, daß Beig. Georgi ihm auf seinen Brief nicht geantwortet habe und die von ihm erwartete Erklärung nicht abgeben wolle. Er giebt ferner unter Berufung auf den Sitzungsbericht im G. A., soivie B.'richte in Frankfurter Blättern eine Darstellung der betreffenden Ver-


