Nr. 51
General-Anzeiger, Amtr- «nd Anzeigeblatt für den Kreis Siehen.
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(Nachträge.)
Berlin, 28. Febr.
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«gkich mit Ausnahme des Sonntag».
®te „etetmr Zamllienblätter" werden dem ,An,eiqer mermol wöchentlich beigelegt. Der taeowttt** erscheint monatlich einmal.
Rotationsdruck und Verlag der Brühk'lckrn Universitätsdruckerei. 9L Lange, ®teb$Ä.
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Ire Doppel - KochzeitsftierlichKetten in ZZerlin.
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Ans ttnd Land.
Gießen, den 1. März 1906.
- Die Ansprache deS Oberbürgermeisters bei der gestrigen Festaufführung zu Ehren deS kaiserlichen Silber» Hochzeitspaares in unserem Stadttheater hatte folgenden Wortlaut:
Meine verehrten Damen und Herren!
Vor Jahresfrist leierten wir in diesem Saale unter großem Jubel die Vermählung unseres Großherzogspaares. Heute gilt unsere Freude dem Kaiserpaar, dem 25 Jahre glücklicher Ebe belieben waren. Tie Mehrzahl btefer Jahre lallt in die Regierungszeit des Kaisers. Er ist unablässig und mit bestem Erfolge bemüht, durch Erhaltung des Friedens und durch Förderung von Handel, Industrie und Landwirtschaft den Wohlstand des Reiches zu mehren; ihm verdanken wir die materielle Blüte unseres Vater-» landes. Sein Streben findet eine glückliche Ergänzung in dem stillen Wirken der Kaiserin, die der Armen und Schwachen ur Liebe sich annimmt und das geistige Leben der Nation zu heben, trachtet. Lassen Sie uns der Dankbarkeit für diese edle Auffassung seines Berufes, die das Kaiserpaar Möglich und stündlich bekundet, Ausdruck geben durch den Rn?: Unser Kaiserpaar und die Sprossen seiner glücklichen Ehe, unser ganzes Kaiserhaus, es lebe hoch 1
•• Das Hochwasser ist in unserer Gegend wieder int Rückgang begriffen. Der gestern erreichte Wasserstand war der höchste, der seit 20 Jahren hier festgestellt wurde. Na- mentlich in der Lahnniederung nahm das Hochwaffer einen bedrohlichen Charakter an. Die Bewohner eines am Krof- dorfer Weg einzeln stehenden Hauses riefen sogar die Hilfe der Polizei an, da sie das Hereinbrechen einer Katastrophe befürchteten.
** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Nochmals sei auf die am Freitag stattfindende Benefiz- vorstellung für Fräulein Do necke r, „Versunkene Glocke", hingewiesen. Fräulein Donecker hat es verstanden, sich int steigenden Maße die Sympathien des hiesigen Publikums zu erobern, das ihr für manche hübsche künstlerische Leistung auj dem Gebiete der Naiv-Sentimentalen zu danken hat. Es wird daher auch in Theateckreisen mit Dank begrüßt werden, daß Fräulein D. nächstes Jahr der hiesigen Bühne erhalten bleibt. Da die Benefiziantin in Herrn Hetebrügge vom Wiesbadener Residenztheater zudem einen Gast als Heinrich gewonnen hat, dürfte die Vorstellung doppeltes Interests- erregen.
△ Leihgestern, 28. Febr. Die Feier der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares beging am 27. Februar der Kriegerverein ,Hassia" in dem festlich geschmückten Lokal „Zur Germania". Der Vorsitzende, Kamerad Häuser, be-- grüßte die zahlreich Erschienenen und gedachte mit begeisterten Worten der unermüdlichen Tätigkeit unseres geliebten Kaiser- paares für das Wohl des Vaterlandes; er schloß mit dem Wunsche, daß cS dem hohen Paare vergönnt sein möge, nach abermaligen 25 Jahren das Fest der goldenen Hochzeit zv feiern. In das ausgebrachte dreifache Hoch stimmten die Versammelten begeistert ein und sangen hierauf die Nationalhymne. Das Hoch auf unfern Landesfürsten brachte Kamerad Lehrer Buß aus, ihn als Freilnd unseres Kaiserhauses feiernd. — Zum Gelingen dieses schönen Abends trug nicht
Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß der Verkehr auf der W i ß m a r e r st r a ß e durch einen an der Bahnkreuzung errichteten Hochwasserdamm bis auf weiteres gesperrt ist.
Gießen, den 1. März 1906.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I V: Dr Wagner.
Der Reichs-Anz. meldet: Ter Kaiser hat aus Anlaß der silbernen .Hochzeit ein Erinnerungszeichen gestiftet, das von den damit Bedachten am Bande des ihnen zuletzt verliehenen Ordens oder, sofern sie noch keine Auszeichnung besitzen, am weißen Bande auf der linken Seite der Brust getragen wird. Nach dem Ableben des Inhabers soll das Erinnerungszeichen den Angehörigen als Andenken verbleiben. Ersatz für verloren gegangene Abzeichen wird nicht gewährt.
Auf der Fahrt nach Hubertusstock traf Prinz Ettel Friedrich mit seiner jungen Gemahlin gestern nacht auf der Station Werbellin-See ein. Tas neu vermählte Paar bestieg alsoald ein Automobil, um sich nach dem Jagdschloß zu begeben. Etwa 50 Meter vom Bahnhof begegnete das prmzlichc Automobil einem Gepäckwagen, der das Gepäck vom Hofzuge abholen sollte Die Pferde dieses Wagen wurden durch das blendende Licht des Automobils scheu und der Kutscher konnte sie nicht halten. Der Führer des Automobils konnte auch nicht ausweichen und so streifte eine Runge des Gepäckwagens das Auto- mobil, wobei eine Fe nst e r s ch e i b e eingedrückt wurde. Die Prinzessin scksien erschrocken, beruhigte sich aber bald wieder und konnte auf die besorgten Fragen der Zuscy.iuer antworten, daß niemand verletzt sei. Bald darauf setzte das Pa«ar die Fahrt nach Hubertusstock fort.
Keine Gnade!
Die Berliner F-esttage sind verrauscht.. Leider hat das Volk eine Enttäuschung erlebt. Der Kaffer ließ jetne Silberhochzeit und die Hochzeit seines zweitälteiten Kolmes vorüber- gchen ohne von seinem schönsten und beiten Recht, dem Recht der Begnadigung, Gebrauch zu machen. Daß dies nicht geschah, ja, daß nicht einmal eine,Amnestie für leichtere Vergehen, sowie für «c.lle diejenigen strafbaren Handlungen, die eines gemeinen und niederen Charakters entbehren, gewahrt wurde, empfindet das Volk bitter.
Diese bedauerliche Tatsache wird in der Presse viel bemerkt. So meint das „Berl. Tagebl.": .
„Wo blieb da, so werden Taufende und Abertrugenbe neuer Preus m fr'gen, der mäßigende und mildernde Einflntz der ?yrau ? Wie der Käiser in seiner Ansprache an den fürsten Bülow es noch vor wenigen Tagen in so eindringlichen Worten be- t-Mt hatte."
ungen zu befürworten.
Abg. Jtschert (Zentrum) dankt den Regierungen zunächst für den 5. Nachtrags-Etat und äußert dann ebenfalls gegen den Nißlerschen Gesetzentwurf schwere Bedenken. Mindestens müsse der Antrag erst in der Budgetkommission aus seine Durchführbarkeit geprüft roerben. ,, ,
Abg. Bock-Gotha (Soz.): Trotz unserer Gegnerschaft gegen den Militarismus sind meine Freunde doch geneigt, für die Opfer des Militarismus einzutreten. Selbst der völlig Erwerbsunfähige erhalte nur 120 Mk. jährlich. Das zeige wieder den Klaßen- charakter des Staates. Das Reich, das solche Unsummen für Militär, Flotte und Kolonien aufwende, sollte doch auch für Veteranen etwas anständiger sorgen können.
Abg. Graf Oriola (m.): Durch die Rede des Vorredners klang als Leitmotiv: Vom Deutschen Reich hat mir die deutsche Bourgeoisie den Vorteil! (Sehr wahr! bet den ^>oz.). Wir sind der Meinung, daß das sehr unwahr ist. Wer da weiß, wie sich die Lage der Arbeiter seit der Entwicklung des Deutschen Reiches verbessert hat, muß den Satz des Vorredners als unrichtig hm- stellen. (Sehr richtig. ) Ich halte die Rede des Abg. Bock für sehr bedauerlich, aber ich habe nichts anderes erwartet.. Es ist durchaus unrichtig, daß wir die Veteranen im Stich lassen, weil sie atme Teufel sind. Wer anders hat immer wieder an bie|e Veteranenbeihilfen gedacht, wer anders ist immer wieder daraus zurückgelornrnen als wir? (Zurufe bei den Soz.: Wir auch!) Sie (zu den >Soz.) haben nur Forderungen gestellt, von denen Sie wußten, daß sie doch nicht in Erfüllung gingen. Bebel und andere sozialdernokrat. Führer haben in der Budgetkommtsiwn anerkannt, daß auch bei den Offiziersfamilien viel Elend besteht. Tie Herren Ihrer Partei (zu den Soz.), die in der Vudgetkom- mission gesessen haben, haben sich gegenüber den Führern unserer Truppen von 1870/71 auf diesen höhnischen Standpunkt Nicht gestellt. Was hat es für einen Zweck, immer weitergehende rVvrder- ungen zu stellen? Damit werden Sie die Veteranen nicht glücklich machen. Wir wollen, daß ihnen geholfen wird, dazu gehört eine ruhige zielbewusste Arbeit, wie wir sie geleistet haben, und nicht, daß man hier so auftritt, wie der Abg. Bock, der sich bisher nm die Dinge so nrenig gekümmert hat! (Lärm bet den Doz) Man sagte, wir sollten weniger Linienschiffe bauen, ^ch habe soviel Zuversicht in die Vaterlandsliebe und in die Bater- landstreuc unserer alten Veteranen, daß sie nicht wollen, daß zu Gunsten ihrer Beihilfen die Wehrkraft unseres Vaterlandes geschwächt wird. (Lachen bei den Soz. Sehr richtig! bet den Natl) Die ganze Rede dcs Abg. Bock hat nichts weiter gezeigt, alS daß Sie (zu den Soz.) die Angelegenheit, bei der wir für die Notleidenden etwas tun wollen, benutzen, um draußen im Lande Erregung Hervorzurusen. (Zustimmung.) Die Haupt- bestimmungen des Antrags Nißler entsprechen den Anschauungen meiner politischen Freunde. Wir werden immer wieder für die alten Veteranen eintreten. Wir freuen uns, daß es schon so weit gekommen ist (Zuruf bei den Sozialdemokraten: „Wieweit.'' ) und wir erkennen auch die wohlwollende Gesinnung der verbündeten Regierungen an. Wir hoffen, daß die Budgetkommiiston sich bald mit der Sache beschäftigen wird und das; dann auch die Mängel beseitigt werden, die auch wir anerkennen bet der Fürsorge für die Männer, denen das Vaterland eine große Dankesschuld abzutragen hat. (Lebhafter Beifall.)
Abg Tr. Arendt (Rpff hont ebenfalls aus baldige Annahme des Nachtrags-Etats und stimmt dem Abg Jtschert darin bei, daß die wesentlichen Bestimmungen der _Anssuhrung--Ver- ordnung in das Gesetz ausgenommen werden mußten.^ Dte Folsung des vorliegenden Antrages sei keine glückliche, deshalb jet Korn- missionsberatung angezeigt. ... ~
$IDa Berge m a n n (sr. Dpff ist für die Tendenz des Antrages Nißler, ohne sich mit den Einzelheiten zu identifizieren.
Abg Kulerski (Pole) tadelt das tendenziöse Vorgehen, namentlich wenn es sich. um Polen handelt und tritt für die Tendenz des Antrages ein. ,
Mg Potthoff (fr. Vgff stimmt namens seiner irrcunbc dem Anträge zu. Sie würden sogar nichts dagegen haben, wenn sogleich die zweite Lesung vorgenommen würde. Für btc Veteranen geschehe in der Tat viel zu wenig .....
Nach weiterer Debatte und einer Reihe perionlicher Bemerkungen geht der Antrag Nißler an die Budgetwmmisswn.
Morgen: Justizetat und Postetat.
Deutsches Reich.
Berlin, 28. Febr. Ter Kaiser empfing heute den Geh. Rat Hinzpeter, besuchte den Reichskanzler und empfing den kommandierenden General v. Hugo.
— Tie „Nordd. Allg. Zlg" schreibt: Die „Wotooje Wremja" hat berichtet, der Kaiser habe in einem (^sprach mit dem russ. Staatssekretär Kokowzew in Beziehung auf das Scheitern eines Gesetzentwurfes über Zwangsent- eignung in Rußland bemerkt: „Schade, das hätte mir die Hände freigegeben. Sie in Rußland vergessen, daß es Maßnahmen von internationaler Bedeutung gibt." Wir nib ermächtigt, festzustellen, daß diese angebliche Aeußeo- ung frei erfunden ist und daß auch dem Sinne nach! keine ähnliche Bemerkung fiel.
— Tie Bestrebungen des englischen Friedensfreundes Sir Thomas Barkley haben zur Gründung einer Vei> cinigung unter dem Titel „Concili ation in ter nationale“ geführt, deren Zweck die Förderung der inter» nationalen Annäherung ist. Die Vereinigung will mit Hilfe von Lehrern der Nn i v e r s i t ä t e n, höheren und Gemeinde- - chulen einen erzieherischen Einfluß auf di« öffentliche Meinung ausüben. Sie will Erleichterungen für kordiale Beziehungen zwischen den Angehörigen der verschiedenen Nationen schaffen und internationale Besnche sowie das Studium fremder Sprachen fördern. Ferner ist die Organisation einer praktischen Methode für den regelmäßigen Austausch Physisch und moralisch aesunder Schulkinder aller Volksllassen zwischen Enolnnd, Deutschland, Frankreich und anderen Ländern
vorgesehen.
Hamburg, 28. Febr. Die Bürgerschaft hat das neue Wahlgesetz öurch cnbloc-ALstimmung angenommen. Stolten und Bömelburg nannten den Ausschußantrag einen Gewaltakt. Das neue Wahlgesetz werde, nachdem namentlich die süddeutschen Staaten die Wahlrechtserweitenma eingeführt, das politische Ansehen Jamburgs auf den Nullpunkt bringen. Dr. Mönkeberg drohte, die Mehrheit des Hauses werde bei fernerer Obstruktion der Sozialdemokraten verschärfte Disziplinarstrafen bis zur Ausschließung aus dem Hanse einführen. Nach der Abstimmung kam es zu einem heftigen Zusammenstoß der Opposition unter Dr. Brabands Führung mit dem Präsidenten, der gegen dio Vorschriften der Geschäftsordnung die Gegenproben ablehnte, feinen Standpunkt aber nicht aufrecht erhalten konnte. t
Stuttgart, 28. Febr. Die Kammer der ©tau-i desherren hat in ihrer heutigen Sitzung bei der Be>- ratung der G e m c i n d e r e f o r m die im Regierungsend« würfe vorgesehene, von der Kammer der Abgeordneten aber abgelehnte Einführung der Magistratsverfassuna für Stuttgart und für die übrigen größeren Städte deS LondeL ebenfalls und zwar einstimmig abgelehnt.
Hneaerischcs aus der franMlchen Kammer.
Paris, 28. Febr.
Abg. Breton (Soz.) befürwortet einen Antrag, nach welchem die Uebungs Periode der Reser v i st e n und Mannschaften der Territorialarmee auf 15 und 6 Loge herabgesetzt werden soll. Kriegsminister Etienne bekämpft jede Herabsetzung und sagt: Wir brauchen mehr als je Reservisten und Mann- schäften der Territorialarmee. Mit der Einführung der zweijährigen.Dienstzeit wird die Armee eine Verteidigungsarmee, welche nur stark sein kann, wenn sie starke Reserven hat. Man verlangt in Deutschland Hebungen von 140- tägiger Dauer von den Reservisten. Wir verlangen nur, daß die Armee in einem solchen Zustande erhalten werde, wie cs notwendig ist, nm die Größe und Würde des Landes zu wahren. (Beifall.) Die Territorialarmee werde gleich bei Beginn einer Mobilisierung zu den Fahnen berufen. Abg. Kletz beantragt die Beibehaltung der 28- tägigen Hebungen. Der Antrag itnrb mit 578 gegen 9 Stimmen abgelehnt.
Aletz bringt einen neuen Antrag ein, nach welchem diese Hebungen 21 Tage dauern sollen. Der Antrag wird mit BS4 gegen 151 Stimmen abgelehnt. Zu dem Antrag der Heereskommission der klammer, die Reserve- (ibimgen 15 Tage dauern zu lassen, erllärt der Kriegsminister wiederholt, er bitte angesichts der gegen- loärtigenLage und aus Gründen höherer Art die Kammer dringend, jede Herabsetzung der Uebungszeit zu der- Uerfen. Die Kammer nimmt jedoch mit 313 gegen 235 Stimmen den Antrag der Heereskommission an. Ter Antrag Breton auf gänzliche Abschaffung der Hebungen der Territorialarmee wird mit 318 gegen 235 Stimmen ab gelehnt. Sodann gelangt in einst.cher Abstimmung der Antrag der Heereskommission, die Uebungszeit der Territorialarmee auf sechs Tage zu bemessen, zur Annahme, ebenso der Antrag dieser Kommission in seiner Gesamtheit.
Breton beantragt, daß dieser Antrag in das Fincmz- geseß cingefügt werde. Ministerpräsident Rouvier verwirft diesen Antrag. Es sei ihm (Rouvier) nicht möglich, die Verantwortung vor dem Lande zu übernehmen, wenn i? ie Kammer den Antrag anneymc, der, sei es im Jnlande oder im Auslande, interpretiert werden könnte als eine Abschwächung der lebendigen Kräfte des L a ndes oder als eine unerklärlicheGeringschätz- un g der militärischen Fragen. (Unruhe.) Die Regierung werde keine Minute mehr im Amte bleiben, wenn die Kammer den (Itntrag Breton annehme. (Beifall.) Frankreich hat als auswärtige Politik eine Defensiv Politik, und das Land wird darüber urteilen, ob das beste Mittel die Achtung Frankreichs im Auslande zu sichern, liegt in einer systematischen Schwächung des Heeres. Viellette meint, Kriegsminister Etienne habe sich zum Echo von beunruhigenden Gerüchten gemacht, die nicht auf das Parlament Eindruck machen könnten. Breton wirft Rouvier vor, er suche eine Mehrheit auf der Rechten für sich zu gewinnen. Rouvier erwidert: Sobald es sich um eine Frage des Patriotismus handelt, wendet sich Frankreich an alle Franzosen. Der Antrag Breton mirb hierauf mit 660 gegen 167 Stimmen abgelehnt.
Der Gesamtantrag, welcher die periodischen Hebungen der Reservisten und der Territorialarmee auf 15 und 6 Tage herabsetzt, wird mit 344 gegen 174 Stimmen ange- nommen. (Lärm und Bewegung.)
Deutscher Reichstag.
53. Sitzung vom 28. Februar.
Präsident Grai V a l l e st r e m teilt mit, daß die Majestäten und das neuvcrmählle Paar den ihnen vom Präsidium dargebrachten Glückwunsch dankend entgegcngenommen haben.
Aul der Tagesordnung steht die erste Beratung dcs von den Abgg. Nißler' und Hufnagel eingebrachten Gesetzentwurfes betr. Gewährung von Beihilfen an Kriegsteilnehmer von 1870/71.
Abg. Nißler rkons.) führt begründend aus, da» die bisher für die Gewährung von Beihilfe maßgebend gewesenen Bestimm- ungen über die Frage der Untcrstützungsbedürftigkeit in ihrer Aris- lcgung zu Unzuträglichkeiten geführt hatten. Es sei daher notwendig, festere und zweifelsfreie Normen zu schaffen.
Schatzsekretär v. S t e n g c l erklärt, die Regierungen hatten zu dicseni Entwiirf noch nicht Stellung genommen. Er müsse sich darauf beschränken, den Inhalt und die etwaigen Konsegilenzen dieses Eiitwurfts zu beleuchten und es dem Hause überlassen, welche Beschlüsse c5 fassen wolle. Das eine müsse er hervorheben: die verbündeten Regierungen haben ein Wohlwollen für die Knegs- veteranen und stehe,i in keiner Weise zurück gegen dieses hohe Haus, aber bei allem Wohlwollen müsie er doch einige Bedenken gegen beit Antrag ausspt echen. Als neues Kriterium führe diesei Entwurf ein bestimmtes Einkommen von 600 Mk. vor, aber bei der Verschiedenheit der hier m Betracht kommenden Persönlichkeireu und Familienverhältnisfe glaube er, daß eine so schablonenmauigc Behandlung doch wohl nicht zu entplehlen sei und wem, ein Veteran mit grabe nur 600 Mk. bazu noch bie Beihilfe erhalte, so würbe er unter Umstänben viel besser dastehen als ein Kriegslnvalibe. Gs ist aber boch wirklich fein ausreichenber Grunb emzusehen, weshalb ein Veteran von 1870/71 bester gestellt sein soll als em Kriegsinvalibe. Am allerbebenklichsten aber erscheine ihm ber Vorschlag, schon bei vollenbetem 60. Lebensjahre bie Beihilfe zu gewähren. Denn wenn auf solche Weife burch Reichsgesetz ge- wistermaßen proklamiert wirb, baß bei Vollenbung des 60. Lebensjahres Erwerbsunfähigkeit eintritt, so sinb bie wetteren Konsequenzen davon gar nicht zu übersehen. Redner resümiert sich dahnt: em Teil des Antrages sei überflüssig und ein anderer Teil so bedenk- lich, daß er nicht in ber Lage sei, bie Annahme bei den Regier-
Man muß die Frage nach dem eigentlichen Grund der Dolksräuschung offen taffen.* Vielleicht findet später der Historiker oder der Biograph dcs Kaisers und Mensck-eii Wilhetnr II. emc Antwort. — „ , . c ,
Aus Anlaß der silbernen Hoclftcit werden Auszeichnungen und Ernennungen erfolgen. Ihre Veröffentlichung scheint sich z-u verzögern. Wie es heißt, find die Vorbereitungen durch die Reise des Kaisers nach Kopenl)<igen geitort worden. Die Zeitungen bezeichnen u. a. als geadelt die Geh. Kommerzienräte Fritz Friedländer und Dr. Georg C ar o. Geh. Kom. Rat Ernst v. Mendelssohn-Bartholdy echielt bm Kronenordc-i 1. Kl'sst.
Zweites Blatt IS«.Jahrgang Donnerstag 1. Marz 1 »08
Gietzener Anzeiger


