von seinem Revolver Gebrauch, tötete Zwet tmb verwundete vier der Angreifer.
In Warschau wurden ein Hauptmann und seine Frau durch Nevolverschüsse schwer verwundet.
In der Fabrikansiedlung Dombrowka (Polen) fand -ein Zusammenstoß zwischen Arbeitern statt, bei dem es Tote und Verwundete gab. — In Lodz kam es ebenfalls zu Zusammenstößen der Arbeiter, dabei wurden ein Arbeiter,, eine Arbeiterin und ein Buchhalter verwundet.
In Moskau wurde ein sehr dreister Ucbcrfall gegen den ländlichen Eigentümer Volkow ausgeführt; fünf Personen drangen in dessen Wohnhaus ein, raubten Geld und Wertgegenstände, banden Volkow, ließen dann dessen Wagen anspannen, legten ihn hinein und verschwanden mit ihm. Die Gendarmerie stellt eingehende Nachforschungen an.
Im Gefängnis zu Irkutsk brach unter den befangenen eine große Nevolte aus. Militär schritt ein, wobei 13 Personen getötet oder verwundet wurden. 17 Gefangene sind entflohen. Unter den Toten befinden sich zwei Beamte dcS Gefängnisses. 30 Gefangene wurden dem Feldgericht übergeben. Der Gouverneur gab bekannt, daß Personen, welche den Flüchtlingen Obdach gewähren, ebenfalls den: Feldgericht unterliegen.
Auf der Station Eugalitschew der Rjäsan-UralSkbahn ist ein Güterzug entgleist. Eine Person wurde getötet und eine verwundet. Die Linie ist auf einer Strecke von l1/, Werst zerstört. 18 Wagen wurden zertrümmert.
Bei JekaterinoSlaw überfielen 20 Räuber aus Werschne-DnjeprowSk eine zum Bahnhofe fahrende Post. Sie verwundeten den Postillon und einen Polizisten und raubten 6 300 Rub el, worauf sie entkamen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 8. Nov. 1906.
"* An dem bedeutungsvollen Ereignis in unserem Fürstenhause nimmt auch die Provinz Oberhessen und die Stadt Gießen mit inniger Freude Anteil.
Provinzialdirektor Geheimerat Dr. Breidert hat im Namen der Provinz Oberhessen S. K. H. dem Großherzog durch ein Telegramm die besten Glückwünsche zu dem freudigen Ereignis in der Großh. Familie ausgesprochen.
Der Oberbürgermeister Gießens sandte folgendes Begrüßungstelegramm nach Darmstadt:
An Ihre Königlichen Hoheiten, den Großherzog und die Großherzogin, Darmstadt.
Wie im ganzen Hessenlande hat auch in unserer Stadt die Nachricht von der glücklichen Geburt des Erbgroß- herzogs die freudig st e Aufnahme gefunden. Im Ausdruck solcher Gesinnung beehrt sich der Unterzeichnete, Euren Königlichen Hoheiten auch Gießens beste Glück- und Segenswünsche ehrfurchtsvollst zu unterbreiten.
M e e u m, Oberbürgermeister.
Die .Landesuniversität sandte folgenden Glückwunsch:
E. K. H. ihrem erlauchten Rektor magnificentissimus und I. K. H. der Frau Großherzogin spricht die Landesuniversilät zur glücklichen Geburt des Erbprinzen freudig bewegt untertänig ihren Glückwunsch aus.
Vivat, floreat, crescat, ein Segen des Hessenlandes, glückverheißend E. E. K.K. H.H. und Ihrem hoben Hause.
Der Rektor Bostroem.
Um 12 Uhr mittags begannen die Glocken der hiesigen Kirchen zu läuten.
• * In Audienz empfangen wurden von S. K. H. dem Großherzog am Mittwoch u. a. Dekan Schrimpf von Butzbach und Stadtpfarrer Schlösser von Lauterbach.
* • KreiSamtSpersonalien. S. K. H. der Großherzog haben den Kreisamtmann bei dem Kreisamt Erbach, Nud. Langermann, zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Gießen, den Ministerialsekretär bei dem Ministerium deS Innern, Ludwig Matthias, zum Kreisamtmann bei dem KreiSamt Erbach, den NegierungSassesior Karl Draudt aus Darmstadt zum Kreisamtmann bei dem KreiSamt Bingen ernannt.
* * Erledigt ist eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrer stelle an der Gemeindeschule zu Eifa.
• * Eine ehrenvolle Auszeichnung. Dem Großh. Universitäts-Musikdirektor Gustav Traut mann, dem langjährigen, ausgezeichneten Dirigenten deS Konzert- Vereins, des Akademischen Gesangvereins, des Kirchengesang-Vereins und deS Kronbauerschen Quartett-Vereins ist eine ehrenvolle Auszeichnung zuteil geworden. Wie wohl allgemein bekannt ist, zählen die Veranstaltungen des Museums in Frankfurt zu den hervorragendsten musikalischen Darbietungen Deutschlands, deren Leitung stets in den Händen eines hervorragenden ständigen Dirigenten sich befand. Als Hausegger', aus sachlichen Gründen, sein Amt niederlegte, beschloß der geschichtliche Vorstand des Museums, für das vorliegende Konzert-Jahr von einet ständigen Leitung abzusehen und, ähnlich der Philharmonie in Berlin, abwechselnd eine Anzahl nur ganz hervorragender Dirigenten, wie Rich. Strauß, Mottl, Ni lisch «. a. einzuladen. So weit uns bekannt, haben alle diese ausgezeichneten Künstler dem Rufe Folge geleistet «nd mit diesen Gustav Trautmann. Diese große Auszeichnung ihres Dirigenten empfinden die obengenannten Vereine auch für sich als eine Ehre und eine Freude, freilich dadurch getrübt, daß so mancher dieser in den Frankfurter Museums-Konzerten die ersten Akkorde einer Abschiedssymphonie für Gießen herauszuhören fürchtet.
** Landwirtschaftskammer. Entgegen der in einigen Zeituygen verbreiteten Mitteilung, wonach die Mitglieder der Landwirtschaftskammer auf Freitag, 9. Nov., zu einer Gesamtsitzung einberufen seien, sei hiermit festgestellt, daß vorerst keine Sitzung der Landwirtschaftskammer abgehalten wird und demnach bis jetzt auch keine Einladungen zu einer Sitzung ergangen sind.
*" Die Lokal-Gartenbau aus st ellung im Neuen Saalbau geht nunmehr ihrer Vollendung entgegen und wird ihre Tore am Freitag um 11 Uhr vormittags für das Publikum öffnen. Auch das eine japanische Seenlandschaft darstellende Diorama, welches die ganze Vühnenwand der großen Dekorationsgrrippe bildet, ist fertiggestellt und bietet einen großartigen Anblick. Heute gelangen die von den Schulkindern gepflegten Pflanzen zur Aufstellung und es spricht für das Interesse der Kinder an der Pflanzenpflege, daß sic mit großer Hpgnmmg das Resultat der Prämiierung er
warten. Hoffen wir, daß das Unternehmenvom Publikum genügend Unterstützung findet.
•• Schlägerei. In der Rodheimerstraße gerieten gestern abend zwei Arbeiter in Streit, wobei der eine das Messer zog und auf den anderen eindrang. Hinzu- gekommene Schutzleute vereitelten die Sache, nahmen dem Messerhelden das Messer ab und brachten ihn ins Polizeigefängnis.
"Von der Heilsarmee. Der Kommandeur der Heilsarmee in Deutschland, W. E. Oliphant, hat einen Kapitän beauftragt, in den verschiedenen Stationen und Städten Lichtbildervorträge zu halten. Es sind zum Teil biblische Bilder und kinematographische lebende Photographien, die Arbeit der Armee in den sozialen Anstalten der verschiedenen Länder darstellend. Am 9. November wird in Lonys Bierkeller ein solcher Lichtbildervortrag von Kapitän Behrend aus Berlin stattsinden.
+ Aus dem Ohmtal, 6. Nov. Im Vogelsberg, wo bekanntlich die Viehzucht sehr in Blüte steht, gehen jetzt die Viehpreise etwas zurück. Die Bauern, die seither sehr zurückhaltend mit dem Verkauf waren, verlassen mehr und mehr diesen Standpunkt und würden jetzt gern zu den seitherigen Preisen abgeben. Aber die Metzger geben nicht mehr so viel. Da greifen die Landwirte vielfach zu einem anderen Mittel, sie schlachten selber und verkaufen das Fleisch an die Ortseinwohner. In größeren Orten werden nicht nur Schweine, sondern auch Kühe und Rinder auf diese Art an den Mann gebracht. Die Hirten und Hütekinder treiben bei dem recht günstigen Wetter im Vogelsberg bis heute noch das Vieh auf die Hutweiden, sodaß der Bauer an seinen reichen Futtervorräten noch sparen kann. Da aber die hohen Fleischpreise viele Leute veranlaßt haben, mehr Vieh als früher zu halten, so werden auch die Futtervorräte im Frühjahr rascher zur Neige gehen. Es hat den Anschein, als wollten unsere Landwirte jetzt verkaufen, und es wäre in ihrem Interesse zu wünschen, daß sie die Ware an den Mann bringen, ehe die Preise weiter sinken. Und dies dürfte bis zum Frühjahr pätestenS der Fall sein.
Wiesbaden, 7. Nov. Heute in aller Frühe soll in der Nähe des NerobergS ein Duell zwischen zwei Herren von hier stattgefunden haben, von denen der eine verwundet wurde. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Ehe- ragödie.
fc. Kassel, 7. Nov. Erbprinz Eberwyn zu Bentheim und Steinfnrt, geb. 1882, Leutnant im Regiment der GardeS du Corps (Potsdam), der Enkel einer Prinzessin aus dem Hause Hessen-Kassel, hat auf seine Erstgeburtsrechte verzichtet. Sie gehen mit dein ganzen bedeutenden Hans- vermögen auf seinen jüngeren Bruder Viktor Adolf über. Diese Abdikation erregt dasgrößte Aufsehen, zumal der Grund in Dunkel gehüllt ist.
** Kleine Mitteilungen au? Hessen und. den R a ch b a r st a a t e n. In O b e r - R a m st a d t brachen drei Burschen, die gestern dort bei dem Landwirt Steinmann an der Dreschmaschine beschäitigt waren, in da? Stallgebäude ein, erstachen drei Kühe und schlitzten einem Rinde den Leib aus. Einer der Burschen wurde bereits verhaftet; er stammt aus Ober- Ramstadt. — Der vor einigen Jahren unter Hinterlassung einer großen Schuldenlast nach Athen durchgebrannte Weinhändler Haas von Mainz, dem es dort schlecht geht, hat mitgeteilt, daß er zurückkehren und sich der Staatsanwaltschaft stellen will. — Zwischen Egelsbach und Erzhausen ließ sich ein 18jähriger Arbeiter auS Offenbach überfahren und war sofort tot. Der Kopf wurde chm abgefahren. — Seit drei Wochen wird der 70jährige Landwirt Georg Hamm IV. auS Elsheim vermißt. Man befürchtet, daß dem alten Mann ein Unglück zugestoßen ist. — Bei Erdarbeiten in Freilingen bei Limburg fand man in einer Tiefe von ungefähr 80 Zentimeter eine Leiche, der Kopf und Beine fehlten. Die Leiche liegt schon einige Jahre. Man vermutet, daß es sich um ein unbekannt gebliebenes Verbrechen handelt, bei dem die Leiche heimlich bei Seite geschafft wurde.
Vermischtes.
"Dortmund, 7. Nov. Auf Zeche Crone wurden gestern früh vier Bergleute verschüttet. Wie die Verwaltung mitteilt, geben die vier auf das Klopfen der Rettungsmannschaft noch Antwort.
"Eisenach, 8. Nov. Die Fürstliche Zensur- behörde in Schleiz verbot die bereits angekündigte Aufführung eines Sensationsstückes „Der Hauptmann von Köpenick" wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung.
" Baden-Baden, 7. Nov. Hebet die bereits telegr. gemeldete Mordtat berichtet das hiesige „Badeblatt": Die Ermordete wurde vor einiger Zeit telegraphisch nach Paris zu einer dort wohnenden Tochter gerufen. Das Telegramm erwies sich als gefälscht. Frau Medizinalrat Molitor ließ nach dem Aufgabeformular der Depesche recherchieren. Gestern wurde sie nun telephonisch benachrichtigt, daß dieses Formular beim Postamt eingetroffen sei. Hierbei handelte es sich wieder um eine Mystifikation, da tatsächlich der Eingang des Formulars nicht erfolgt war. Frau Molitor begab sich in Begleitung ihrer Tochter auf den Weg, offenbar verfolgt von dem Attentäter, welcher auS allernächster Nähe von rückwärts einen Schuß auf fein Opfer ab - feuerte. Die Kugel drang in die Herzgegend ein und führte den raschen Tod herbei. Der Täter entfloh über die Staffeln. Die Leiche wurde ins Krankenhaus gebracht. Der Täter dürfte offenbar damit vertraut gewesen fein, welchen Weg Frau Molitor in die Stadt zu nehmen pflegte. Auch muß er von den angestellten Nachforschungen nach dem Telegrammformular Kenntnis gehabt haben. Er ist flüchtig. Die Tochter ist unverletzt. Nach den bisherigen Ermittelungen scheint es sich um ein von langer Hand vorbereitetes Verbrechen zu handeln. — Der „Frkf. Ztg." wird noch gemeldet: Der Fall Molitor stellt eine Familientragödie dar. Die Spur des Mörders führt angeblich bis Frankfurt a. M.
• Die neuesten Eisenbahnunfälle. In der vergangenen Nacht fuhr der v-Zug 10 auf dein Bahnhofe Lehrte infolge HinausfahrenS über das Haltesignal einem Güterzuge in die Flanke. Die Maschine und die acht Güterwagen entgleisten und wurden schwer beschädigt. Der Zugführer des Güterzuges ist tot, mehrere Personen wurden leichter verletzt. Es wird versucht, den Fernverkehr aufrecht zu erhalten. Eine Untersuchung ist eingeleitet. DaS Ausgleiten der Lokomotive des Eilzuges wurde durch starke Nebelfeuchtigkeit der Geleise begünstigt. Inwieweit eine Schuld des Personals in Frage kommt, ist amtlich noch nicht fest- gestellt. 9tur einem Zufall ist es zuzuschreiben, daß von den Passagieren des Eilzuges niemand verletzt rvurde. Der Mate
rialschaden wird auf 1M- bis 15'0 000 Mk. geschätzt. —- Bei der ungar. Stadt Preßburg stießen zwei Lastzüge zu- ammen. Acht Waggons wurden total zertrümmert, ein Bremser getötet, der Zugführer schwer vkÄ'-tzt, mehrere Bahnbedienstrte leichter. .
* Unwetter. In der Gegend'von <5 a*n R c m~o brach,- nachdem einige Tage schlechtes Wetter geherrscht hatte, in der letzten Nacht ein Wirbelsturm los, der zahlreiche' Bäume entwurzelte und beträchtlichen Schaden angerichtet hat. Um 3.30 Uhr trat ein merkwürdiges Naturereignis ein, denn es erschien ein sehr jintenfiber Lichtschein, der 12 Minuten anhielt. Die Erscheinung rief einen starkem Eindruck aus die Bevölkerung hervor. — Bei dem Fort Dres fasst im Ampezzotal riß eine L,aw ine drei Soldaten mit sich fort. Einer ist tot. Es herrscht andauernder Schneefall. Im Br es ei an er Grenzgebirge wurden zwei Italiener aus Edolo von einem Schn erstürm überrascht. Einer ist tot. Der andere wurde mit erfrorenen Armen gerettet. — Bei Zürich ist ein italienischer Tourist mit feinen beiden Söhnen in einen Schnee- sturm geraten und ums Leben gekommen. — Ein furcht-, barer Sturm herrscht auch an der Küste und im Innern Spaniens. Im Hafen von Cadix haben sich zahlreiche Fahrzeuge v'or dem Sturm Zuflucht gesucht. Int Innern des Landes haben Ueberschwemmungen enormen Schaden angerichtet. 16 Personen, welche über den Col de Plan nach Spanien aus dem Wege waren, wurden von einem Schneesturm überrascht.- Acht junge Mädchen werden vermißt. ' . _
* Kleine Tageschronik. In Kl ein Wülknitz (Anh) erschoß ^ratt Plauze ihren zweijährigen Sohn, verwundete ihr einjähriges Töchterchen durch einen Zicvolverschuß und versuchte sich zu erhängen. Sie wurde jedoch ins Leben zurückgerufen. Aus' Verzweiflung darüber, daß ihr Mann an Scharlach b er ft'o r b en war, .soll die Frau die Tat begangen haben. — Als der Arbeiter Raltke in N g k e l a. Netze, der mit einer geschiedenen Fran in wilder Ehe lebt, wider Erwarten einen Tag früher als beabsichtigt in seine Wohnung kam und dort den Steinschläger Steinbock sand, erschlug er diesen aust Eifersucht 'mit der Axt.
Der Einbruch in die Königliche Münze in München vor Gericht.
S. u. H. München, 7. November.
Unter großem Andrange sand heute vor dem Landgericht die Verhandlung gegen den Soldaten im Bekleidungsamt König und den Münzarbeiter Rus statt, die beschuldigt sind, in der Nacht vom 20. zum 21. September d. I. Einbruch in die Königl. Münze in München verübt zu haben. Den Tätern sielen rund 130 000 Mark in neuen 10 Markstücken in die Hände. Der Diebstahl war dadurch ermöglicht worden, daß die Einbrecher den trocken liegenden Pfisterbach, der unter dem Münzgeüäude entlang fließt, als Zugangsstraße benutzten und das gemünzte Gold den Bestimmungen zuwider nicht in den diebessicheren Verschluß der Münze gebracht worden war. Vielmehr stand die Holzmulde mit den 13 000 Goldstücken nur in einem mit Holztüren versehenen uni), mit einem gewöhnlichen Fabrikschloß verschlossenen Wandschrank. Die Angeklagten batten daher nur nötig, nach dem Durchschreiten des trockenen Bachbettes durch die Radkammer des großen Mühlrades der Münzwerkstätte zu llettern, worauf sie nach Oefsnung einer eisernen Tür in das Erdgeschoß des Münzgebäudes gelangten. Hier hatten sie nur noch den Maschinensaal zu durch- queren und waren nach Erbrechung von ein paar gewöhnlichen Holztüren und einer vergitterten Glastür in der sogenannten Justierwerkstätte, wo das blanke Gold lag. Das Gewicht der ge* raubten Summe. betrug etwa 1 Zentner. König und Ruf sollen dann das Geld in gewöhnliche Säcke verpackt und auf dem gleichen Wege wie sie gekommen waren, hinausgetragen haben. Auf ihrer Flucht ließen sie eine eingeseifte schmale Bandsäge ohne Griff, eine Beißzange und ein Spazierstöckchen zurück. In dem Raume, in dem das Gold gestohlen wurde, fand man einen Sack, wie er in einer im zweiten Stock der Münze gelegenen Abteilung zum Einpacken von Nickeln und Pfennigen verwendet wurde. Derartige Säcke kamen sonst nicht in den Justierraum. Dieser Umstand bot ein schweres Verdachtsmoment für das Vorhandensein eines Hausdiebes. In der Folge wurde dann auch feftgeftellt, daß der in der Münze angestellte Arbeiter Ruf und sein Freund, der Soldat beim Bekleidungsamt König, ein gelernter und mit den Munzverhaltlttssen wohl bekannter tüchttger Feinmechaniker, den Raub ausgeführt hatten. Das entwendete Geld wurde zum Teil in der Wohnung der Mutter des Angeklagten König in dem Vorort Haar, zum anderen Tell, mit Reisig und Holz bedeckt, im Münchener Englischen Garten durch die Polizei aufgefunden. Nur 8000 Mark blieben unauffindbar. Erst gestern in später Stunde hat König gestanden, diesen Bettag im Garten des Bekleidungsamts in der Heßstraße vergraben zu haben, wo. bad Geld auch alsbald gefunden wurde.
Die Verteidigung des Angellagten König hatte Rechtsanwalt Dr. v. Pannwitz übernommen, während dem Ruf.Justizrat Dr. Bernstein zur Seite stand. Auf Befragen gab König an, daß er mit Ruf seit "langem befreundet sei und daß Ruf der Urheber der Tat sei. Er habe ihm schon früher wiederholt gesagt, daß in der Königlichen Münze etwas zu miachen sei, weil das Gold dort ost nicht ordentlich weggeschlossen werde. Ein leichter Zugang zu der Münze sei besonders dann möglich, wenn die einmal alljährlich erfolgende gründliche Reinigung der unterirdischen Bachläufe Münchens, die sogenannte Bachauskehr stattfindet, die immer ungefähr 14 Tage in Anspruch nimmt. Er habe sich daraufhin die Gegend genau angesehen und schließlich dem Plane Rufs zugestimmt. Am Donnerstag, den 20. September, sei Ruf zu ihm gekommen und habe gesagt:- Heute iß: 1 Zentner Gold aus der Münze zu holen!
König schilderte die Einzelheiten des Einbruchs. Auf die Frage des Vorsitzenden, wie er zu der schweren Tat gekommen sei, erklärte der Angeklagte, er wisse es nicht. Er sei ganz außer sich gewesen, als er das Gold schließlich in Händen gehabt habe und habe gar keine „Freud'" daran gehabt. Er sei nachher ganj außer sich gewesen, daß er so etwas überhaupt habe tun können. Er müsse Ruf als das treibenbe Element bei der Affäre bezeichnen.
Dieser bemerkte: König habe ihn wiederholt gefragt, ob in der Münze nicht Geld zu stehlen sei und da habe es keines großen Zuredens von feiner Seite erst mehr bedurft, als sich wirklich die Gelegenheit dazu bot. Bestimmend sei für ihn einmal der große Betrag und zum Umbern die ungeheure Leichtigkeit gewesen, mit der man zu dem Golde gelangen konnte. Er habe einen Wochenlohn von 23 Mark gehabt, wovon ihm noch 1 Mark für: Krankengeld abgezogen wurde. Bei einer solchen Bezahlung könne man wohl sehr leicht in Versuchung kommen. Der Staats-! an walt beantragte gegen jeden der Angeklagten eine Zucht-! hausstrafe von 10 Jahren 7 Monaten und Ehrverlust auf dies Dauer von 10 Jahren.
Das um 121/2 Uhr verkündete Urteil lautete gegen den Soldaten König auf 4 Jahre 2 Mon ate und gegen den Münzarbeiter Ru f auf 4 Jahre inib 7 Monate Gefängnis, ferner würbe gegen jeden der Angellagten auf 5 Jahre Ehrverlust erkannt. In der Begründung des Urteils wird ausgeführt, daß den beiden Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt worden seien, weil das Gericht die unzulänglichen Zustände in der Königlichen Münze in Betracht gezogen habe. Beide, Angeklagten erllärten, daß sie sich bei dem Urteil beruhigten. Ebenso erllärte der Staatsanwalt, daß er auf die Einlegung einer Berufung gegen das Urteil verzichte. _____:
-GesHihtssääkt. ",
(fc.) Frankfurt a. M-, 7. Nov. (Kriegsgericht der 21/ Division.) Der Dragoner .Heinrich Becher von der 1. Esk. 6. Dragonerregiments in Mainz ist 'verheiratet und Vater von zwei Kindern. Ein drittes Kind ist letzthin gestorben. Die Fcrmiliq lebt in^Ksmburg, K. .in.-Lew dürftigsten^


