Ausgabe 
9.5.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 108

Erscheint «glich mit Ausnahme des Sonntag«.

DieSiebener Zamllirnblätter" werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der .hessisch« Landwirt erscheint monatlich einmal.

Zweites Blatt ISO. Jahrgang

Siebener Anzeiger

Mittwoch 9. Mai 1906

Rotationsdruck und ®erlag der Lrühl'sch«

Universitätödruckeret. 5L Lange, Dletzea.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.K.

Tel. Nr. 6L Lelegr.-Adr. r Anzeiger Gießen.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Der Kamps in der Metallindustrie.

Dresden, 8. Mai. Die Tyeute hier abgehaltenc von über 2000 Personen besuchte Versammlung streiken­der und ausgesperrter Metallarbeiter er­klärte sich nach einem kurzen Referate des Verbandskciters der MetaNarbeiterorganisatio»! über die neuerlichen Einig- ungsvorschlägc der Metalliudttstriellen und über die Be­schlüsse des Gesamtverbandes der Metallindustriellen Deutschlands unter lebhaften, zum Teil sehr erregten Kund­gebungen dafür, diese Einignngsvorschlage und den Beschluß unbeantwortet zu lassen. Damit sind die Einigungsverhandlungen unterbrochen und es muß am 10. Mai nach den Beschlüssen des Gesamtver- dandes der Metallindustriellen die Generalaussperr­ung über ganz Deutschland eintreten, von der 300 000 Arbeiter betroffen werden.

Einer unserer Berliner Mitarbeiter schreibt uns hierzu:

Der Kampf droht seit langem und überraschend kommt der Entschluß der Industriellen nicht mehr, nachdem die Androhung der Generalaussperrung schon wiederholt aus­gesprochen lvurde. Er wird sich auch kaum vermeiden lassen, denn die organisierten Arbeiter scheinen fest entschlossen, nicht nachzugeben. In den Parteiblättern werden alle Me­tallarbeiter zum sofortigen Beitritt zu den Organisationen aufgefordert, es wird betont, daß der Generalaussperrung eine allgemeine Stillegung der Betriebe unter allen Um­ständen folgen muß, und daß dann nur die Arbeiter Unter­stützungen aus der Streikkasse erhalten werden, die der Organisation der Metallarbeiter an gehören. Auch ist kaum daran zu denken, daß an den Arbeitsstellen, an denen augen­blicklich Metallarbeiter streiken oder ausgesperrt sind, eine Einigung zwischen den Unternehmern und den Arbeitern sich erzielen läßt, ehe die Generälaussperrung prollamiert wird. Denn die Arbeiter wollen den entscheidenden Kampf um ihr Koälitiousrecht ebenso, wie die Arbeitgeber die Organisation zu brechen hoffen.

Diese Tatsache ist vom wirtschaftlichen wie vom sozialen Standpunkt zu bedauern. Vom wirtschaftlichen, weil durch, die Aussperrung und die wahrscheinliche zeitweise Still­legung der Metallindustrie notgedrungen ein großer Teil unserer Gesamtindustrie zum Stillstand gebracht wird. Ohne Frage wird dadurch unserem Wirtschaftsleben ein schwerer Schaden zugefügt, der umso bedauerlicher ist, als nach Jahren der wirtschaftlichen Depression der Aufschwung sich eben zu festigen versprach. Zudem ist es im Falle der Gesamtaussperruug durchaus nicht unwahrscheinlich, daß auch andere Industriezweige in den Kampf hineingezoge?: werden. Was ein Lahmlegen der deutschen Industrie durch solche Wirtschaftskämpfe bedeutet, das braucht wohl nicht erst gesagt zu merben.

Vom sozialen Standpunkt aus ist das .Vorgehen der Unternehmer auch nicht begrüßenswert. Denn es ist aus­geschlossen, daß die organif. Unternehmer im Kampf gegen die organisierten Arbeiter siegen werden, ohne selbst schwere Wunden zu leiden. Es geht eben nicht, den Millionen deut­scher Arbeiter das Koalitionsrecht zu nehmen. Der Arbeiter hat das Recht zur politischen Meinungsäußerung, hat das Recht zmn politischen und wirtschaftlichen Zusammenschluß. Daß dieses Recht auch mißbraucht werden kann, ist ztoeifel- los. Aber daraus resultiert nicht, daß es ausgehoben werden darf.

politische Tagesschar».

Tie Wahlen in Frankreich.

Allgemein hatte man erwartet, daß die Pariser Kammer­wahlen zu einer empfindlichen Schwächung des republikanischen Blocks führen würden, weil die zahlreichen AuSstandSbeweg- ungen in Frankreich und die damit verbundenen Aus­schreitungen unverkennbar eine gewisse Beunruhigung der bürgerlichen Kreise hervorriefen, aber trotz alledem ist es der Opposition doch nicht gelungen, die Regierungsmajorität zu erschüttern, im Gegenteil, sie hat noch eine Anzahl Mandate gewonnen. Allerdings scheint wohl nicht alles so ganz mit rechten Dingen zugegangen zu sein, denn abgesehen von der bekannten Komplottkomödie, hat die Regierung auch sonst mit nicht immer völlig einwandfreien Mitteln gearbeitet, aber doch läßt sich im Großen und Ganzen aus den Kammerwahlen die politische Gesinnung der Mehrheit des französischen Volkes erkennen, welches unverblümt damit zu erkennen gab, daß es die Fortsetzung des jetzigen politischen Kurses wünscht. Die Entwickelung Frankreichs zu einem Staatsgebilde, welches sich immer mehr dem sozialistischen Ideal nähert, läßt sich eben nicht mehr aushalten, auch wenn die Rationalisten und Kon­servativen sich noch so sehr dagegen sträuben. Was Deutsch­land betrifft, so kann cs mit dem Siege des Kabinetts (Barrien nur zufrieden fein, denn je weiter die Radikalisierung Frankreichs fortschreitet, desto mehr entschwindet die Revanche­idee und desto schwächer wird die militärische Macht der Republik. Mit jedem neuen Sozialisten, der in die Pariser Kammer einzieht, erhöht sich die Sicherheit an unserer West­grenze. Die ftanzösische Republik bedeutet den Frieden, die französische Monarchie dagegen den Krieg! Auch das Bündnis mit Rußland erhält durch den Ausfall dec Wahlen sicher keine Befestigung._____________

parlamentarisches.

. Darmstadt, 8. Mai. Dec Finanzausschuß der Zweiten Kammer ist heute zur Erledigung ver­schiedener Vorlagen unter dem Vorsitz seines zweiten Präsidenten, des Äbg. Molthan, zusammengetreten. Die auf der Tagesordnung stehende Präsidentenwahl wurde wegen Fehlens einiger Mitglieder verschoben. Der von der Regierung vorgeschlagene Verkauf deS 125 Hektar umfassenden Domanialgutes Merlan im Kreis Alsfeld, das seither an verschiedene Pächter abgegeben, aber unrentabel war, zum Preise von 105 000 Mk. wurde gutgeheißen. Käuferin ist die Gemeinde Merlan. Sie gibt außerdem 12 Morgen Land und zum Ackerbau ungeeignetes Land an den Staat. Es

fand sodann eine Aussprache über die Novelle zum Be- amtenbesoldungSgesetz re. statt. Mit Rücksicht auf die zahlreichen zu dieser Sache vorliegenden Vorstellungen, Ein­gaben re. sollen in der morgigen Beratung Besprechungen mit der Regierung stattsinden.

R. B. Der Gesetzgebungsausschuß der zweiten Kammer beschäftigte sich heute ausschließlich mit der Be­ratung dec Novelle zum Berggesetz (Kaligewinnung), faßte jedoch noch keinerlei Beschlüße darüber. Es wurde vielmehr bestimmt, am nächsten Donnerstag nachmittag eine neue Sitzung abzuhalten und mit den Regierungsvertretern weiter darüber zu beraten; erst dann sollen definitive Entscheidungen getroffen werden. Der Ausschuß wird auch am nächsten Freitag noch zur Beratung bekommen fein und eine ge­meinsame Besprechung mit der Regierung über den Gesetz­entwurf betreffend die Feldbereinigung abhalten.

Berlin, 8. Mai. Die DiatenkomMission deS Reichstags nahm nach längerer Debatte den Antrag Pachnicke (Frs. 93g.) an, für die Dauer der Sitzungs­periode sowie acht Tage vor Beginn und acht Tage nach Schluß derselben Freifahrt auf allen deutschen Eisenba hnen zu gewahren. Sodann wird ein Antrag Gröber angenommen, nach welchem § 1 b folgende Fassung erhalten soll:

Die Mitglieder des Reichstage? erhalten vorbehaltlich der Be­stimmungen im Paragraphen 3 aus der Reichskassc eine jährliche Aufwandsentschädigung von insgesamt 3000 Mk., die am 1. De­zember, 1. Januar, 1. Februar, 1. März, 1. April mit je 400 Mk. und am Tage der Vertagung oder Schließung mit 1000 Mk. zahl­bar wird. Das Jahr, während dessen eine Entschädigung gewährt wird, läuft vom 1. Dezember bis zum 30. November. Mitglieder, die erst nach dem 1. Dezember in den Reichstag eingetreten sind, haben auf diejenigen Raten keinen Anspruch, welche vor ihrem Eintritt zahlbar geworden sind.

Die folgenden Paragraphen werden in der Fassung der ersten Lesung genehmigt. § 5 betreffend die Regelung bei Doppelmandaten wird in der Fassung der Regierungsvorlage wiederhergestellt.__________________________________________________

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Mai. Im preußischen Abgeord- uetenhause erfolgte heute die freisinnige Inter­pellation wegen Üeberschreitung der Baukosten beim Schauspielhaus-Umbau. Der freisinnige Abg. R o s e n o w begründete die Interpellation und wies auf die durch die Presse gegangene und unwidersprochen gebliebene Behauptung hin, daß das Schauspielhaus zum 21. Mär- vorigen Jahres nur provisorisch fcrtiggestcllt worden sei und daß bei Beschleunigung der Arbeit Lohnerhöhungen bis zu 100 Prozent hätten vorgenömmen werden müssen, um den Bau fertig-ustellen. Finanzminister Rh ein- baben erklärte in seiner Antwort, daß die feiner^eit im Abgeordnetenhause für die Mehrkosten angegebenen Gründe objektiv gewesen seien. Schinkel habe es "seinerzeit aus Mangel an Mitteln nicht tief genug führen tonnen und außerdem habe auf Anweisung der Polizei die Ring­mauer durchbrochen werden müssen, sodaß die Festigkeit des Baues gelitten habe. Freilich hätte auch die beschleu­nigte Bauausführung etwas größere Mittel notwendig ge­macht. Es seien aber künstlerische Rücksichten gewesen, die die schnelle Fertigstellung des Baues notwendig gemacht hätten. Der Ersatz der vorläuftgen Dekoration durch eine endgiltige 'habe etwa 100 000 Mk. Kosten verursacht Der­artiges "sei aber bei allen solchen Eröffnungen üblich.

Kiel, 8. Mai. Wie dieKieler Nachr." melden, wird in diesem Sommer nur eine Seereise des Kaisers und zwar im Anschluß an die Kieler Woche eine Nvrd- landfahrt auf dem DampferHamburg" stattsinden. Als Begleitschiffe derHamburg" fungieren das Depeschenboot Sleipner" und drei Torpedoboote.

Ein türkischer Uebergriff gegen ein deutsches Schiff.

Konstantinopel, 8. Mai. Die türkische Hafen- betyörbe hat n. d. Frkf. Ztg. gegen ein deutsches Segel­schiff einen kaum glaublichen Gew altakt verübt, der einen Bruch mit internationalen Abmachungen bedeutet. Der deutsche SeglerOdisseus" kam am Sonntag vom schwarzen Meere mit ungefähr 1000 .stiften Benzin im Bosporus an. Er wurde nach Borfchrift von den Zoll­behörden behandelt und fetzte seine Reise fort. Kaum hatte der Odisseus" die Anker gelichtet, als mehrere türkische Beamte an Bord erschienen und das Schiff für beschlag­nahmt erklärten, obgleich sich alle Schiffspapiere in tadel­loser Ordnung befanden. Der ftiapitän desOdisseus" protestierte mit aller Energie und wollte die deutsche Flagge, die er, da es noch vor Sonnenaufgang war, noch nicht aufgezogen hatte, hissen, die türkischen Beamten ver- lsinderten ihn jedoch gewaltsam hieran und entrissen ihm die Flagge. Darauf wurde der Segler von einem in Be­reitschaft gehaltenen türkischen Segelschiff sofort ins Schlepp- tau genommen und unter die Befesttgungen des Bosporus- fort von Anadoli-Kawak gebracht, wo er militärisch bewacht wird. Bon der deutschen Botschaft wurden sofort bei der Pforte uni) im Mldizkiosk die nötigen Schritte unternommen, um gegen dieses Vorgehen der türkischen Hafenbehörden in schärfster Weise Stellung zu nehmen. Rach längeren Verhandlungen wurde das SegelschiffOdis- seus" wieder in Freiheit gesetzt, nachdem die Bot­schaft vorher mit scharfen Maßregelngedroht hatte.

Rußland.

Petersburg, 8. Mai. Durch faiferlirfie Erlasst wird verfügt: Fürst Obolensky wurde seines Amtes als Prokurator des heiligen Synods enthoben, unter Belassung ferner Eigenschaft als Mitglied des Reichsrates. Der Minister für Ver­kehrswege Nemeschaiew wurde feiner Stellung enthoben. Ter Eher oer landwirtschaftlichen Verwaltung Nikolsky wurde ferner Stellung enthoben. An seine Stelle tritt Stitschinsky. Ter Finanzminister Schipow wurde seines Amtes enthoben, des­gleichen der UnterrichtÄninister Graf Tolstoi, an dessen stelle Senator Kaufmann tritt. Der Reichskontrolleur Filoff o- f o io wurde seines Amtes enthoben unter Ernennung zum Mit­glied des Reichsrats. An seine Stelle tritt Schwane hach. Der

Fustizminister Akimow wurde seines Amtes enthoben unter Ernennung znm Mitglied des RcichSrats. An seine Stelle tritt, sein Gehilfe Schtsckcalvwitvw.

Das Zeremoniell für den aus Anlaß de? ersten Zu­sammentritts des ReichsrateS und der Duma, des Kaiser­reiches vorgesehenen Empfang im Winterpalais ist ucr» öffeittlicht worden. Von 10 Ulyr morgens an wird in beiden Haupt stabten in allen Kirchen feierliches Tedeum abgebalten. Die Mitglieder des Rfichsrates und der Duma, die Minister, die hohen Beamten und die anderen am Empfang teilnehmenden Persönlichkeiten werden im Vintcrpalais gegen 1 Uhr mittags eintreffen. Der Kaiser, die beiden Kaiserinnen und die Mit' gliedcr der kaiserlichen Familie begcbcn sick auf die Meldung, daß die Mitglieder des Reichsrates und der Duma eingetroffen sind, in feierlichem Zuge unter BorantriU der hohen Hosbcamten in den Throns aal St. Georg. Im Tlnwnsaal werden die Majestäten durch den Metropoliten von Petersburg mit .Ü*rcuj und Weihivasser empfangen. Rach Abhalttmg des Tedeums neh­men die Mitglieder der kaiserlichen Familie zur Reckten des Thrones Ausstellung, wahrend drei Stusen unterhalb die Mi­nister und die Generaladjutanten vom Dienst^Aufstellung nehmen. Das Gefolge nimmt zur linken Seite am Fähe des Thrones Aus­stellung. Hierauf besteigt der Kaiser den Thron, setzt sich nieder und verliest die Thronrede. Dann verläßt er beit Thronsaal.

Die erste Dnma-Sitzung wird am Donnerstag um 4 Uhr nachmittags stattsinden.

O d e f s a , 8. Mai. Die Stadtverwaltung beschloß aus Anlaß der E r ö ff n u n g d e r R e i ch s d u m a am Donnerstag Dank- g e b e t e in den Kirchen zu veranstalten, die Gebäude mit Flaggen zu schmücken, die Arbeit in den Fabriken ruhen zu lassen, den Schülern drei Tage frei zu geben und einer Straße den 9?amcix 27. April" beizulegen. Am Tage der Eröffnung soll der Duma ein Degrüßungstelcgramm übermittelt werden.

Petersburgs. Mai. Dor dem Schluß des Kongress es der konstitutionell-demokratischen Partei wurde über eine Resolution betr. die Regelung der Agrarfrage ab- gestimmt, und es ist als leitendes Prinzip für die Partei die ueberlcitung von Landbesitz in die Hände der Ar­beiter angenommen worden. Die alldemeinen Grundlagen des grundlegenden Entwurfes, der durch die Agrarkommission vor- gclegt worden war, wurden, unter Berücksichtigung der durch die Agrarabteilung des Kongresses darin vorgenomincuen Mänder- ungen gebilligt. Der Kongreß erteilte bann der Kommission den. Auftrag, alle Wahrnehmungen und Vorschläge, die einzelne Mit­glieder des Kongresses gemacht hatten, zu berücksichtigen und daS gesamte Material mit den daraus sich ergebenden Schlußfolger­ungen zur weiteren Ausarbeitung durch die parlamentarisch^ Fraktion der Partei einzureichen.

Arbeiterbewegung.

Hamburg, 8. Mai. Das Z entr al - Au s s per r un g s- Komitee der Hafenarbeiter richtete an den General­direktor Ball in eine Anfrage über die Absichten der Arbeit­geber, betreffend die Wiedereinstcllung der Arbeiter zum 11. Mai. Der Verein Hamburger ^Reeder erwiderte zugleich im Namen der Vereinigung Hamburger Schiffsmaller, und Schiffs­agenten, daß der Wiebereinstellung oer wegen Teilnahme an der Maikundgebung ausgesperrten Arbeiter zum 11. Mai grundsätzliche Bedenken nicht eutgegeustchen, soweit es sich nicht um Arbeiter handelt, die unter Bruch des von ihnen unterzeichneten, die. Kündigungsfrist vorsekwnden Vertrages die Arbeit verlasfen haben.. Durch Heranziehung anderer Arbeiter sei mich inzwischen fdou1 ein erheblicher Teil der Stellen besetzt Die Einstellung von Schauerleuten könne künfttg nur durch Vermittelung des Ar­beitsnachweises erfolgen, über dessen Organisation den Arbeitern demnächst Näheres bekannt gegeben werde.

Altona, 8. Mai. In der heutigen stark besuchten Der* sammlung der ausftändigenSeeleute Hamburgs unt> Altonas erstattete der Vorsitzende des Seemannsverbandes Bericht und schloß mit der dringenden Mahnung, am Kampfe fest- zuhalten. Eine Diskussion sand nicht statt, wurde auch von der Streilleitung nicht gewünscht mit Rücksicht auf die von ihr gemachten Vorschläge zur Herbeiführung deS Friedens, worüber! der morgige Tag die Entscheidung bringen soll. Am Donnerstag, nachmittag findet wieder eine Versammlung statt, wozu nur AuMändige' Zutritt haben sollen. Tie Ausstandsleitung wird dann genauen Bericht über die Lage erstatten. Die Ausständigen sollen sodann über das wettere Verhalten eullcheiden.

Leus, 8. Mai. Tie Bergwerksgesellschaften tetyn* ten es ab, die Führer und alle Arbeiter, die sich an den letzten Vorkommnissen beteiligt haben, wieder in den Betrieben zu be­schäftigen. Der Koksofen wurde wieder in Betrieb gesetzt. Man fängt an, die Truppen in ihre Garnisonen zurückkehren zu. lassen.

Turin, 8. Mai. Nachdem die Besitzer der Baumwoll- Webereien den zehnstündigen Arbeitstag bewilligt hatten, tonnte der Ausstand alsbecndet geltem Mer die Arbeiter weigern sich noch, die Arbeit wieder auszunehmcm und zwar als Protest gegen die Vorfälle am Montag abend. Die Straßenbahnen nah­men den «Betrieb noch nickt wieder auf, aber die Droschken ver­kehren, und die Sähen sind geöffnet Einzelne Gruppen voir Stteikenden, die vor einigen Fabriken die Arbeiter am Arbeiten, zu verhindern suchten, wurden zerstreut. Bei den gestrigen Kundgebungen wurden sechs Schutzleute verwundet, drei Kara- biniery, zwölf Soldaten und ein Offizier durch Steinwürfe leickh verletzt.

Infolge der gestrigen Vorfälle traten die Vertreter der Ar-< beitervereiuigungen mit Stadträten und Sozialisten aus der Pro­vinz und dem Depittierten Morgari zu einer Sitzung zusammen und beschlossen, den Generalausstand zu proklamie-, reu. Tie Arbeiter Turms wollen indessen gestatten, daß bie Lieserungen für die Hospitäler weiter erfolgen sollen und dis Zeitungen täglich er [ehernen.

Wien, 8. Mai. Die heute abgehaltene außerordentliche Vollversammlung der befugten Ba u s ü hr e r des Polizeirayons Wien beschloß einstimmig, daß, falls der gestern begonnene Boykott einzelner Bauten durch die Arbeiter bis Donnerstag nickt aufgehoben werde, am Samstag sämtliche Arbetter entlassen roür=i den. Eine Lokalkorrefpondcnz meldet hierzu, daß an ein Nack- geben der Arbeiterschaft nicht zu denken sei. Somit ist die Generalaussperrung von 40000 Arbeitern zweifellos.

Handel nnd Dcrfebr, Volkswirtschaft.

Hamburg, 8. Mai. Die Hamburg-Amerikalinie' gibt offiziell bekannt, daß sic vom 1. Mai ab einen regelmäßigem monatlichen Dampferdienst zwischen Hamburg und den nach-, benannten Häse u des Persischen Golfs unterhalten wird.. Die Dampfer laufen von Hamburg aus zunächst Anttverpen imbi Marseille an und nehmen Ladung für Men. Dsibitti, Maskat, Bender Abbas, Lingah, Bahrein, Bufchir und Basra; sie er­halten Einrichtungen für bi. Beförderung von 200 Kajütsvassa-, gieren.

Märkte.

fc. Frankfurt a. M., 8. Mai. Heu- und Stroh-, markt. Man notierte: Heu Mk. 4.20 bis Dck. 4.50, Stroh Mk. 3.20 bis Mk. 3.50, Alles per 50 Kilo. Tendenz: sehr fest.