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8.11.1906 Erstes Blatt
 
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Donnerstag 8. November L 906

156. Jahrgang

Erstes Blatt

Lange.

uns

C. -h.

Rtbaftton, Ervedtttoa und Druckerei: Schul st ratze 7. Redaktion 112 Verlag u.(Sjpeb.e^51 Zldresie für Tepefchen: Anzeiger Kietzen.

Univors.-Buch-u.Slein- bruderei. 5t

Nr. 263

Erscheint tägltH außer Sonntag-.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die G,etzencr Familien» bläuet viermal in der Woche beigelegt

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'schen

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Verantwortlich tüt den Doht und aUgem. Teil: P. Willko »üi Stadt und Caub' und lAerichtssaal". <6 tnfl Hetz, n'il den '11 n- seineuied: HanS ®ei

Groß-Umstadt.

Den Lolksschullehrern spricht das Oberkonsistorium für ihre Mitwirkung am Religionsunterricht eine lobende Anerkennung aus, und der Ausschuß fdjlieüt sich dieser an. Der Referent bringt bei dieser Gelegenheit bezüglich der Kirchcnvisttarion zur Sprache, daß sich üt letzter Zeit verschiedene jüngere Schul- verwa.ter geweigert hätten, die mit den Visitationen m Verbind- ung stellenden Prüfungen mitzumachen. Er habe darauf, eine Umfrage üeranftaltiZ und von den Dekanaten die Auskunft er»

nun noch die Interpellation, von der Aba. Reinhart am Sonntag selbst sagte, daß man freilich nicht wissen könne, wie die Sache im Landtag ausgeht?!

gegen das Ministerium etwa cm :K.gtrauenSvvl'.:in oean- umfrage Veranstalter und von den ^^anaten dre rrustunft er­tragt werde, halten wir für ausgeschlossen. Was soll aber shalten, daß derartige Weigerungen nur in ganz vereinzelten

GieMer Anzeiger

M General-Anzeiger **

Amts- und Anzeigeblatt für den l<rei$ Eichen

Ein Jubeldichter hat sich bereits eingefunden. Es ging folgendes Poem zu:

Jubclgruß zur Geburt des Erbgroßherzogs.

Die Herzen sind hellte mit Freude erfüllt, Weil lang gehegte Sehnsucht gestillt. Kanonen-, Boller- und Glockenklang Tre tragen dnrch's Hessenland entlang Voll Ort zu Ort die Freudenmär', Dle dem Fürstenhalls widerfahren wär': Ein Prinz sei geboren!

Und alle wissen dem Himmel Preis Für das neu entsprossene Edelreis. Nun prangt der Stamm in frischem (Srü)-, Bald werden neue Zweige blüh'n; Und Georg von Hessens alt Geschlecht Bewahrt im sJJl annes stamm sein Recht: Ein Prinz ist geboren!

Eie Ehrenflaggen wehen vom Schloß, Erutz bielend dem jungen Hesfensprotz. ES mögen um seine Wiege sleh'n Nur Segen spendende gütge Fee'n, Damit beremft an seinem Teil Er Segen wirke zu Hessens Heil!

Aas tznllaffungsgcsuch der hessischen Minister.

Unsere gestrige Meldung vom abgclehnten Entlassungs­gesuch des StaatsministerS wird heute offiziös bestätigt. Die ,Darmst. Ztg^ meldet:

Wir sind zu der SDliiteilung ermächtigt, daß Staatsminister Ewald gestern S. K. H. den 6)ratzherzog um feine '-Berab- fchiedllng gebeten hat, nachdem m der Versammluiig^ der nalionallibcrnlen Lmidesparlei am 4. d. Alls, voll führender Seile Vorlvürse lvie derjenige der Pflichlvergessenheit gegen die Regierung erhoben worden sind, ohne daß hiergegen Widerspruch erfolgt ist.

Die B 0 rstände der 3)1 i n i ft e r i e n des In n e r n u n d der Finanzen haben sich bem Vorgehen des Staalsmimsters a n g e f ch l o s f r n. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben jedoch bem gemeinschaftliche »Gesuche zu willfahren a b g e l e l) n t.

Unseres Erachtens lag, wie wir schon gestern bemerften, zu einem solchen gemeinsame» Gesuche kein triftiger Griind vor. Der Protestversaminlling eines Teiles der hessischen Nationalliberalen ist nach unserer Ansicht von unseren 3)1 i- nistern eine Bedemung über Gebühr zngemessen ivordcn. Indessen erhellt daraus, daß in unserem Ministerium Mem- ungsverschiedenheite» in Bezug auf die Eißnert-Angelegenhelt überhaupt nicht bestanden haben, daß vielmehr volles Ein­verständnis geherrscht hat, und ferner, daß das Ministerillm S. K. H. unserem Großherzog die Bestätigling in Vorschlag gebracht hat. Die Mär, S. K. H. der Großherzog habe Mühe gehabt, das Ministerium zu seiner Ueberzeugung zu gewinnen, wird dadlirch gründlichst ad absurdum geführt. Zwischen dem LandeShercn und dem Ministerium oder einzelnen Ministern besteht nicht der geringste Ansichten- Zwiespalt.

Die Antwort unseres verehrten Landesherrn auf das Entlassungsgesuch war daher selbstverständlich. Sie richtet sich auch weniger an die Minister als an den rechten Flügel oer Hess. Nationaltiberalen. Was die am Sonntag in der Darmstädter Turnhalle sichnational" gesinnt nennenden Männer anLiebenswürdigkeiten" gegen die Regierung sich leisteten, erinnert, wie wir gestern bereits gelegentlich bemerkten, an die Leistungen der Herren Plötz, Diest-Daber u. a. im Berliner Zirkus Busch in der Sturm- und Drang­periode des Bundes der Landwirte. Hatte die Wormser und Darmstädter Zeitungshetze schon bedenkliche Formen angenommen, jene Reden vom Sonntag vermochten die Verunglimpfungen noch zu übertrumpfen. So mag denn S. K. H. der Gcoßherzog besonders aern seine Antwort er­teilt haben.

Wir treffen wohl das Nichtige, ivenn wir annehmen, die Negierung wollte nicht erst die Interpellation in der Kammer abwarten, um die Situation zu klären. Sonach darf man aber auch die Ablehnung der Demissionsgesuche als ein Vertrauensvotum des Großherzogs für die so schwer angeseindeten Minister ansprechen. Unsere Miniskerstürzer" haben sich also umsonst bemüht.

Wer der eigentliche Drahtzieher dieser Jntriguenkomödie war, das hat der bereits von uns niedviger gehängte Artikel derRationaklib. Korresp." verraten. Ter Artikel speit Gift und Galle gegen Finanzminister Dr. Gnauth, und man wurde an den .Heineschen Vers erinnert:Ich kenne die Weise, ich kenne den Text, ich kenne auch den Verfasse r."

Wiederum hat die nimmermüde Maulwurfsarbeit gegen liberale Reformen und Minister, wie sie von der Nibelungen­stadt aus so hartnäckig betrieben wird, ihr Ziel verfehlt.

Besonders bemerkenswert bleibt die Bemerkung des Sprechers der Jungliberalen, daß sie die Minister- stürzerei nicht mitmachten. Und das Organ der Mainzer Nattonalliberalen, die bekanntlich der Protestkomödie fern­geblieben waren, schrieb:

Zweifellos sind unsere hiesigen Parteigenossen sich darüber klar, daß wir selbst daS Fundament unseres libe­ralen Gedankenbaues unterwühlen, wenn wir der Regierung bei einem Alt in die Arme fallen, der mag man ihn betrachten, von welcher Seite man will nichts anderes bedeutet, als eine neneVekräfrigungdesSelbft- verwaltungsrechts der Kommunen."

Die Situation für oie Interpellation, die btc nationalliberale Landtagsfratlion in der zweiten Kammer in der Bestütigungsaffa.. cinzubringen beschlossen hat, ist nun n o ch ungünstiger geworden. Daß nun in der Kammer

Ordentliche Evangelische Landessynode.

11.

R. B. Darmstadt, 7. November.

Die heutige Sitzung wird mit Gebet des Dekans Keil- Spachbrücken eröffnet. Dann ivird die Beratung über den Bericht des Großh. Oberlonsiswriums über die Verhältnisse und Zustände der cvang. Landeskirche in der Synodalperiode 19001904 fort­gesetzt bei Kapitel: Bildung neuer Kirchengemeinden. Der Ausschuß bemerkt, daß die Errichtung neuer Pfarreien und die Teilung großer Pfarreien in selbständige Gemeinden oder Seel- sorgebezirkc, sowie andere babin, gehörige Maßnahmen mit An­erkennung und Freude zu begrüßen seien, ebenso die Lösung des Simultanverhältnisscs in 7 weiteren Gemeinden.

Syn. Justizrat Dr. Lucius-Mainz bespricht die Ange- lcgenhüt der im Juni d. I. errichteten Pfarrstelle und die bauung einer neuen Kirche in Kosthei in und bringt dabei ver­schiedene Wünsche und Beschwerden zum Vortrag, auf welck-e Herr Oberkonsiswrialpräs. D. Buchner an der Hand des darüber vorliegenden Aktenmaterials kurz erwidert. Rach einigen weiteren Bemerkungen der Syn. Pfarrer Widmann und Pfarrer Din­ge l d e y ist das Kapitel erledigt.

Ausfchußreferent Stamm- Stockstadt sprach über hessische Diaspora und erkennt die Umsicht und Rührigkeit an, mit welcher die oberste Kirchenbehörde dafür tätig war, sowie das praktische Interesse, welches sie der ausländischen Diaspora und der Seemaunsmission gegenüber bewiesen hat. Nachdem der cvang. Kirchenausschuß die Versorgung der cvang. Deutschen in der aus­ländischen Diaspora der Hauptsache nach übernommen hat, könne ja wohl eine großzügig ungelegte und systematisch durck-geführte Arbeit auf diesem kirchlich wie national so wichtigen Gebiete er­wartet werden. Referent fragt sodann, aus welchem Gnmde der deutsche cvang. Kirchenausschuß beabsichtige, die evang. Ge­meinden in Steiermark und Böhmen fortlaufend zu unterstützen, daß Oesterreich überhaupt nach dieser Richtung ausscheiden solle.

Oberkonsiswrialpräs. v. Buchner entgegnet, daß die Haupt­beträge, die in Hessen für diesen Zweck gesammelt würden, an den deutschen cvang. Kirchenausfchuß abgeführt würden. Von Hessen iverde noch ein besonderer Betrag für die evang. Beweaung in Oesterreich zur Verfügung gestellt. Es sei im Plane, auch die evang. Glaubensgenossen in der Schweiz und im westlichen Ruß­land mit den Mitteln des' evang. Kirchenausschusses zu unterflützen.

Prälat D. Walz teilt mit, daß der Bettag, über welchen die hessische Landeslirch« für Oesterreich verfügte, ganz der Heinen Gemeinde Stanislau in Galizien überwiesen worden sei.

Bezüglich der Tätigkeck drs deutschen evang. Kirchenaus- schusscs, besten Gründung das Oberwusistorium als einen Mark­stein in der deutschen Kirchengeschichte bezeichnet, wünscht der Ausschuß dringend, daß die von der Kirchenbehörde der Landes- synode gegebene Zusage, für die Ergänzung des deutschen evang. Kirchenausschusses durch eine geordnete Vertretung von synodalen Elementen, in Erfüllung gebracht werden möge.

Oberpräsident D. Buchner gibt einen kurzen Bericht übet die Tätigkeit des deutschen evang. K'irchenausschusses, an welcher er (Redner) seit drei Jahren teilnehme. Ob es möglich jein werde, eine Ergänzung durch synodale Elemente schon demnächst, eintreten zu lassen, erscheine ihm zweifelhaft.

Der Ausschußreferent bespricht dann die Schaffung eines allgemeinen Buß- und Bettages und in Verbindung damit die Verschiedenartigkeit der Konfirmationstermine. Aus eine Verlegung des Buß- und Bettagcs gehe er nicht ein, da er dagegen sei. Er halte es aber jür richtig, die Verschiedenheit der Konfirmatwustermine zu beteiligen und dafür zu wirken, daß in absehbarer Zeit der zweite Osterseiertag als Konfirma­tionstag immer allgemeiner zur Einführung gelange.

Prälat D. Walz hielt die Verlegung des Buß- und Bettagcs auf den letzten Mittwoch im Kirchenjahre, wie das in Preuße» geschehen sei, für das richtigste. Der jetzige Zustand sei ein gerade­zu unhaltbarer, in den preußischen Grenzorten kämen infolge des Auseinandersallens des Buß- und Bettages in der Bevölker­ung die unerquicklichsten Dinge vor. Er verkenne die Schwierig­keiten nicht, die sich der Vereinigung des Bußtages zwischen Nord- und Süddeutschland cntgegenstellen. Am meisten würde er sich freuen, wenn wir recht bald zu einem allgemeinen deut­schen Buß- und Bettag gelangen würoen, ähnlich, wie ihn schon Amerika in seinem nationalen Danksagungstag besitzt.

O"berkons.-Präs. D. Buchner erklärt, daß er mit dem zu­letzt geäußerten Wunsche vollkommen einverstanden sei. Eine andere Frage sei, welchen Tag man für diesen Zweck wählen solle, da besonders darüber die Ansichten sehr auseinander gingen. Man werde erkennen, daß sich viel leichter eine gute alte Sitte im kirchlichen Leben abschaffen, als eine neue dafür einführen lasse. Die Frage der Festlegung des Osterfestes auf einen be­stimmten Tag im Jahre werde, wie er vernehme, in der katholi- sck)en Kirche eingehend erwogen, doch habe sich der jetzige Papst noch nicht eingehender damit beschäftigt. Die kathvlifche Kirche habe auch schon vor 300 Jahren zuerst den gregorianischen Kalender zur Einführung gebracht, während die evangelische Kirche erst später nachfolgte; auch die griechisch-orthodore Kirche habe Jnteresse für die Sache. Der Kttchenausschuß sei ja nicht m der Lage, die Frage zum Austrag zu bringen, vielleicht werde von der Reichsregicrung ein entsprechender Schritt unternommen. Die bürgerliche Gesellschaft habe an der gleichmäßigen Festlegung des Osterfestes coenfalls ein großes Interesse, eine solche würde jeden­falls den kirchlichen Verhältnissen nur fördernd sein können.

Syn. Pfarrer Jost-Bechtheim bemerkt, daß er die Ver> legung des Kvnfirmationstages im Interesse des platten Landes nicht befürworten könne. Er könne sich auch nicht für die ander­weitige Festsetzung deS Buß- und Bettages erwärmen.

Wad) kurzen Bemerkungen der Syn. Wahl-Langen und Lühl-Nieder-Ef'chbach tritt ein: Pause ein.

Nach Wiederaufnahme der Sitzung sprechen iwch zur selben Frage die Syn. Dekan I u u b t-Planig, Medizinalrat Dr. Vogt- Butzbach, Pfarrer M i ck c l - Gonterskirchen ,welcher die^ Frage anregt, ob nicht der Buß- und Bettag auf den letzten Sonntag vor dem Totensonntag gelegt werden lönne) und Pfarrer Loos-

Hurra ein Erbgroßherzog!

Wir erhielten heute früh folgende Drahtnachricht:

R. B. Darmstadt, 8. Nov. Heute vormittag ^7 Uhr verkündeten 101 Kanonenschüsse, daß der langersehnte hessische Erbprinz geboren worden ist. Tie Geburt' erfolgte leicht und glücklich. Nach einer amtlichen Bekanntmachung des Hof- marschallamts befinden sich die Grobherzogin und der Erbprinz in bestem Wohlsein.

Ein Prinz im Herrscherhause, ein Thronfolger dem hessischen Fürstengeschlechte! Für Fürstenhaus und Volk ein gleich bedeutsames frohes Ereignis! Hessens herzlich geliebtem Großherzoge, dem vom Geschicke wiederholt so schwer Geprüften, dessen Leid und Freuden sein treues Volk im Innersten mitempfindet, ist ein Sohn geboren, ein Knäblein, das leben, wachsen und gedeihen, das reifen möge zum stattlich starten Manne, auf daß es, wie sein Vater, zum rechten Segen des Volkes fähig werde, das verantwortungsvolle Amt ganz zu erfüllen: ein weit und sreibliaender Führer, Herzog der Hessen zu werden zum Gipfel der Kultur einer neuen Zeit, in Treue und Tüchtig­keit zu walten, das Erbe der Väter zu hüten zum Heile des Volkes.Der Fürsten einsame Häupter glänzen er­hellt und Aurora berührt sie mit den ewigen Strahlen als die ragenden Wipfel der Welt", singt unser Schiller in der erhabensten seiner dramatischen Dichtungen, der kürz­lich hier wieder geschautenBraut von Messina". Auch aus l em Haupte des jungen Prinzen, der heute geboren wur^e, liegt ein besonderer Schimmer, denn dieser Knabe soll derein,t der Herrscher von Hessens Volke, der leuchtende Führer der Hessen im Reiche, der Hort der Bedrängten, die Stütze der Wankenden werden. Tausender Hoffnungen werden sich aus ihn und an ihm empor richten. In Tau­sender Herzen erwachen darum heute Gebete um sein Werden und Wachsen.

Wer heute die Nebel der Zukunft durchdringen und nur einen Zipfel jenes Schleiers aufheben könnte, den die Vorsehung über Zeit und Werden gebreitet hat! Nur das Eine wissen wir, daß das Schicksal dieses Kindes einen sicheren Anker findet in dem Dank des hessischen Volkes und die Taten seiner Ahnen, insonderheit feines Vaters, für das, was fürstlicher Hoch- und Edelsinn, was fürstliche Tüchtigkeit und Lugeno, verständnisvolle Beurteilung und Erfassung der Zeitverhültnisse in Hessens Gauen schufen. Wie viel von dem, was Hessens Fürsten bauten, erbaute! Dieses Gefühl des Dankes wird, so glauben wir zuversicht­lich, bei keinem Hessen heute durch Sorten des Tages erstickt, es wird nicht vernichtet, ja kaum beeinträchtigt werden durch wütende Agitation unsere Zeit nicht ver­stehende Rückschrittler, wie unserer Zeit toll voraus- eilender Stürmer und Dränger, die dem aufgeklärtesten Fürsten Dank und Verehrung weigern. Wir zweifeln indes nicht, daß, wenn dermaleinst Hessens Erbprinz herange­wachsen sein und sein Erbe übernommen haben wird, Revo­lutionäre ebenso vergebens an die Pforten seines Hauses klopfen wurden wie heute. Im Angesicht eines Fürsten wie Ernst Ludwigs von Hessen erstarkt und reift das Gefühl in ganz besonderem Maße, daß Glück und Unglück Fürst und Volk teilen.

Denn einsam wie zu Schillers Zeiten halten sich unsere besten Fürsten nicht mehr. Sie leben mit und in dem Volke.

In der Geschichte der hessischen Lande und des Hess. Volkeo hat es ebensowenig wie in der des hessischen Fürsten­hauses an schwarzen Stunden gefehlt, nicht immer hat über Hessens Herrscherhaus und Volk die Sonne geleuchtet. Nie aber gab's in Hessen Bürgerkriege, nie Verrat und Austuhr, und wenn auch zuweilen sinkende Tendenzen geltend wurden, so stiegen Hessens Fürsten und Volk doch wieder empor zrun Gipfel. Und eine Persönlichkeit wie Ernst Ludwig, die. in ihrem ganzen Denken und Empfinden in Wahrheit den ersten Platz im Lande einnimmt, prägt ihr eigenes Wesen tief dem Staate auf.

Hessens Herrscher sind nicht, wie das Geschlecht der Hohenzollern, für die Waffen geboren, sondern für die erhabenen Werke und Künste des Friedens. Des heute ge­borenen Prinzen Vater ist ihr hoch- und feinsinnigster Schutzherr unter allen lebenden deutschen Monarchen. Was in dem Kleinen schlummert, der ihm dereinst im Erbe folgen wird, wer weih es! Em Vorbild aber wird er im Vater finden, er wird ihm der beste Lehrmeister sein. Der kleine Prinz wird emporwachsen int Anblick und Genuß eines reinen und edlen Familienlebens, in dem die schönen Künste heimisch sind, die die Seele frei und leicht, froh und fEiter, rein und hoch und edel machen. Ein solches Familien­eben aber bildet die sichere Grundlage dafür, daß das junge Reis am Stamme des hessischen Herrscherhauses frei und glücklich, hoch und hehr emporwachfen und sich entwickeln wird zu einem prächtigen Baume, in dessen Schatten das hessisci)e Volk gedeihen und zu hoher Blüte der Kultur emporsteigen wird.

Grohyerzog Ernst Ludwig, der glückliche Vater, steht im schönsten Mannesalter auf der Sonnenseite des Lebens, und ih mznr Seite, liebend und geliebt, die Grofßherzogin Eleonore. Gott segne den Prinzen, den künftigen Groß- Herzog von Hessen und schütze das Fürstenhaus des Hessen- Volkes. Heil dem Herr sch er hause Hessens!-o.

Aus Darmstadt, 8. Nov., 10*2 Uhr vormittags, wird uns noch drahtlich gemeldet:

Die Bevölkerung der Residenz ist über die Geburt des Erbprinzen freudig e r r £ g t. Die Stadt ist in vielen Teilen beflaggt. Das Befinden der Großherzogin und des kleinen Prinzen ist andauernd gut.