Ausgabe 
6.12.1906 Erstes Blatt
 
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vermischtes»

* Berlin, 5. Dez. Ein schweres Unglück hat sich heute Mittag in der Nähe des schlesischen Bahnhofes zugetragen. Dort fuhr ein Zug in eine Strecken­arbeiter-Kolonne. Drei Arbeiter wurden ge­tötet, einer schwer verletzt. Die Arbeitet konnten wegen Nebels den Zug nicht sehen und auch den Zugbeainten blieben die Arbeiter unsichtbar, bis der Zug in die Kolonne hiueingefahren war. Der Raubmörder Rudolf Hennig ist heute durch den Scharfrichter Zietsch aus BreSlau auf den» Gefängnishofe der Strafanstalt Plötzensee hin ge­richtet worden, womit die, gerade vor einem Zahr, am 4. Dezember v. I. an dem Kellner Giernoth verübte Untat ihre Sühne gefunden hat. \ Hennig zeigte bis zu seinem Todesgange keine Reue und legte kein Geständnis ab. In der letzten Nacht spielte er den wilden Mann. Er war für den Trost des Geistlichen unzugänglich. Nur mit Muhe gelang e§, ihn zum Nichtplatz zu bringen, wohin ihn die Gefängnlsbeaniten schleppen mußten. Als der erste Staatsanwalt von Potsdam, von Mendelssohn, das Urteil verlas, blickte Hennig limher, als ob er nicht wüßte, wer ihn zur Rtchtslätte gebracht hätte. BiS zum letzten Augenblick leugnete Hennig und sträubte sich gegen die Vollstreckung. Als das Urteil verlesen war und er zum Nichtptatz geführt wurde, verließ ihn die Kraft unb wie gebrochen mußten ihn die Gehilfen auf die Richtbank legen.

»Kleine Tages ciironl! In Köln ist ein großes Haus, inmitten der Stadt gelegen, das 42 Jahre tätig ver­schlossen, mit vernagelter Tür und verschallen Fensterlt wie

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ein Tornröscbenschloß dagestanden hat, von einem gerichtlichen Taxator nun geöffnet worden, da seine Besitzerin, eine Witwe Bogen in Worms, gestorben ist. Tas geheimnisvolle Haiis enthielt in den oberen Stockwerken eine gute und vollständige Einrichtung. Tie Erbin, eine m Berlin wohnende Schwester der Verstoibcnen, will dasSpuckhaus" seiner eigetitlichen Bestimmung wieder zu­gänglich machen und es verniieten. Durch den Genuß verdor­bener Wurst erkrankten iast sämtliche Mitglieder der Familie des Malermeisters Blnnck in Kiel. Tie Frait starb aii Der- giitung, die übrigen Erkrankten erholten sich und sind setzt auf; er Lebenege'ahr. Wie aus Nom beruhtet wird, gedenkt der 8 4jährige Kammerpräsident Bioncheri sich mit einer Eousine seiner verstorbenen Frau wieder zu oerhcirateu. In Eli'ton (Arizona) sind durch Ucberflutimg infolge Tamin- brnchcs 6 0 Menschen umgef otnmeii und große Schäden an Eigentum augcrichlet worben. Ter Geschäftsteil der Stadt ist zerstört. Tie Geleise der Arizona- und Mexiko-Eisenbahn sitid aus mehrere Meilen Länge iortgewült.

Die Sphinx. Bon scar Wilde. Deutsche Umdicht­ung von Felix Paul Greve. Brosch. 2.50 Mark. I. C. C. Bruns' Verlag, Müvwn i. W. Dr. Karl Hagemann, der neue Intendant des Mannheimer Schauspielhauses, charakterisiert diese Dicht­ung mit folgenden Worten: Was hier vor unfern aufgewühlten Sinnen vorüberrauscht und sich bald an die subtilsten, bald an die intensivsten Reaktionen umercs Vor ullungsvermögens wen­det, ist reinstes Prärasfaelitentum. Allein dieSalome" kommt in der Fülle und Maßlosigteir der Empfindungen und Betracht­ungen und in der glutvollen Ueppigleck der Bilder anTie Sphinx" bis aus eine gewisse Strecke heran an diese glanz> reiche Apotheose des Lebens und seiner Schönheit, seiner Freuden und E^nüsse, seiner Laster. Tenn ein heiges Wünschen und Wollen nach zwangloser Betätigung der menichlichen Triebe, eine blendende, überhitzte und damit fast schon krankhafte Erotik schlagt uns aus diesen Versen entgegen was durch die bei­

spiellose Bewältigung der sprachlichen Ausdrucks-Möglichkeiten nur um so eindringlicher auf _un5 niederfällt. Man hat hier wirklich vielfach das ganz bestimmte Gefühl, als wenn dem Dichter die Worte zur restlosen Darstellung seiner Empfindungen einmal ganz zu Willen gewesen seien. Und in diesem ^inne ist Die Sphinx" eine poetische Tat, die kaum ihresgleichen I>aL Felix Paul Greve hat sich in dieser Umdichtung als glänzendeL Interpret Oscar Wildes erwiesen.

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48. Woche. Vom 25. November bis 1. Dezember 1906.

Einwohnerzahl: angenommen zu 29500 linkt. Itiuu Mann Uiilitär.) Sterblichkeitszisfer: 15,860 fi0, _

nach ^lbziig von 3 Lrtsireuiben: 10,57

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Tuberkulose d. Lungen d. Gehirns Lungenentzündung Herzerweiterung Schlaqfluß Epilepsie Nierenentzündung Rhachuis

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Summe 9 (3) 6(3, 3

Anm.: Die m Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betrefienben Krankheit atü von auswärts nach

Gießen gebrachte Kranke iouuueu.

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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bet dem Hinscheiden meiner lieben, unvergeßlichen Frau, unserer guten Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante 08926

Frau Christine Hess, geb. Ferber sowie für die reichen Blumenspenden sagen wir unseren ausrichtigsten Dank.

Die trauernden Hinterbliebenen.

Gießen, den 6. Dezember 1906.

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Hiermit Verwandten, Freunden und Bclannten die schmerz­liche Mntcilnng daß meine inuigst geliebte Tochter, unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante

FMm Wilhelmine Syptr

gestern abend 91/, Uhr nach kurzem Leiden sauft entschlafen ist.

Im Namen der traucrudeu Hinterbliebenen

Pn. Opper*

Heuchelheim, den 6. Dezember 1906.

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Greßen, den 6. Dezember 1906. Großh. Lrlsgeiicyt Gießen.

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