Ausgabe 
5.4.1906 Drittes Blatt
 
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Donnerstag 8. April 1906

136 Jahrgang

Drittes Blatt

Nr. 81

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen

Rotationsdruck und Verlag da Brühl'ick)« UnwerMälSdruckeret. 91 Lange. Suchen.

Redaktion. Expedition u. Druckerei: Eckulttr.?.

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DieSiebener ZamilirnblSIter" werden dem ,91naeiget viermal wöchentlich beigelegt. Ter ^hesfiiche Landserichemi monatlich einmal.

zu beiden Vorlagen. Die jetzige Regelung dürfe aber nicht alS eine endgiltige erachtet werden.

Abg. Erzberger (Str.'1 spricht die Erwartung auS, daß die verbündeten Regierungen dem Reichstage bald eine ge­rechtere Einteilung der Orte für die WohnungSgeldzufchüffe vor- legen werden.

Abg. Werner (Resormp.") tritt für die KommifsionSöeschlüsse ein. da gegenwärtig nicht mehr erreichbar sei, als diese Beschlüsse bieten.

Abg. Singer (Soz.) tritt ebenfalls für die K'ommissionZ- beschlüsse ein. . .

An der weiteren Debatte beteiligen sich die Abg. Eickhoff (ft. Vp.), Burckard (wirtsch Vg.), Werner (Reform-.) und Kirsch (Ztr.).

Beide Vorlagen werden hieraus genehmigt.

Der letzte Gegenstand der Tagesordnung ist die Novelle zum Gesetze über die Naturalleistungen für die bc- waffneteMacht imFrieden. Nachdem auch diese Vorlage gemäß dem KvmmffsionSantrage angenommen worden ist, vertagt sich das Haus auf morgen. E t a t d es Reicks kan z ler s und des Auswärtigen Amtes.

Aus Dem Keichs ag.

H. Berlin, 4. April.

Vereinsamt saß am Ministerratstische der Staats- sekretär v. Stengel; erst später gesellte sich zu ihm Graf Posadowsky, der jedoch bald wieder verschwand. Als.Be- : richt erstatt er der Kommission fungierte Tr. Arendt (ftk.), der sich eingehend mit der Zuckersteuer beschäftigte. Hier- ; auf wurde die zweite Beratung für Ostafrika fortgesetzt und die Debatte spitzte sich darauf zu, ob man die Kon­fessionsschulen auch in den Kolonien einführen solle. Unter denen, die für die Regierungsvorlage , ein traten, befand sich auch der Abg. Bebel. Die Regier­ungsforderung wurde mit ziemlicher Majorität angenom­men, dagegen wurde die für die Mole in Swakopmund abgelehnt. Mit der Aufforderung an die Regierung, die Lieferungsverträge mit den einzelnen Firmen bis zur driften Lesung zu kündigen, war dann der Kolonialetat erledigt. Die Bewilligung von Wohnungsgeldzuschüssen und der Ge­setzentwurf betr. den Servistarif riefen nur geringe Er- ärterungen hervor. Nur bei dem Thema Naturalleistungen für das Heer im Frieden ließ der Abg .Schöpflin (Vp.) seinen Haß gegen die Großgrundbesitzer aus, indem er be­hauptete, sie ließen die Mannschaft Not leiden. Der osd- preußische Abg. v. Eynern entgegnete ihm, daß er in seiner Karriere als süddeutscher Bürstenbinder wohl wenig Get- legenheit gehabt habe, die Verhältnisse auf den ostelbischen Gütern kennen zu lernen. Gerade das Gegenteil von dem sei der Fall, was die haßgeschwollene Phantasie des Abg. Zubeil behaupte. Hierauf wurde die Regierungsvorlage angenommen und die morgige nächste Sitzung wird sich mit dem Etat des Reichs kanzleramtes beschäftigen. Dabei ist eine Rede des Reichskanzlers über hie auswärtige Politik zu erwarten, bei der Marokko, die Ektratouren des verbündeten" Italiens und das Verhalten Rußlands den Hauptswss liefern werden. *

Deutscher Reichstag.

88. Sitzung vom 4. April 1906.

Beim Etat der Zölle, Verbrauchssteuern und Averse fuhrt

Abg. Dove (frs. Dg.) Klage über btt vom BundeSrate erlaßene Taraordnung, die gleichzeitig mit den Handelsverträgen am 1. März in Kratt getreten ist. Auf Grund dieser Taraordnung werben die Umhüllungen, wie Kartons nsw., zum Reingewicht hin­zugerechnet. Bei Versand von Seidenwaren, Straußenfedern usw. wiegen manchmal die Kartons mehr als der Inhalt selbst und werden demgemäß hoher verzollt als dieser. Die neue Zollgesetz­gebung treffe ohnehin Handel und Industrie schwerstens; mögen diese nicht noch mehr durch Mißgriffe der Zollverwaltung belastet werden.

Staatssekretär Freiherr von Stengel erklärt, man möge berüdfid)tigen, dan den neuen Zollbehörden durch den neuen Zoll- tarif eine große Last aulerlegt worden sei. Es sei natürlich, daß in der ersten Zeit Irrtümer vorkommen. Tie Verwaltung erklärte in einem Rundschreiben an die Zollämter, als Umschließung solle mitgerechnet werden, was beim Klein- ober Einzelverkaui mit in die Hand be5 Käufers übergehe. Unter Kleinverkaui solle aber nicht der Verkauf des Großhandels an den Kleinhandel verstanden werden.

Der Etat der Zölle wird hieraus bewilligt.

Hierauf wird der Etat der Verbrauchs st euern an­genommen zusammen mit der von der Budgetkommission bean­tragten Resolution, welche die Herabsetzung der Zucker st euer von 14 auf 10 Mark pro Doppelzentner iroch in dieser Session fordert und ferner Gleichstellung des deutschen Zuckers mit dem kubanischen Zucker, wie überhaupt mit dem Rohrzucker auf dem amerikanischen Markte verlangt.

Der Etat der Stempel Abgaben wird debattelos be­willigt.

Es folgt die z w e i t e Le s un g der beiden Etats für O st a f r i k a und der im März wegen Beschlutzunfähigkett des Hauses unerledigt gebliebenen Position betr. die Regierungs­schulen in O st a f r i k a. Zentrum und Konservative beantragen für den Betrieb der bisherigen Regierungsfchulen 42 000 Mk. und zum Betrieb der evangelischen Begierungsschule in Dar es Salaam und der reformierten Regierungsschule für die am Meroberge an- gefiedelten Buren 12 000 Mk. zu bewilligen.

Abg. Arendt (Rp.) bittet von der Forderung für Konfessions­schulen bezw. Simultanschulen völlig abzusehen. Die Schwarzen würden nicht in die christlich konfessionellen Schulen gehen, sondern lieber in den Koranschulen bleiben. Das Streben der Verwaltung gehe aber doch nicht dabin, sie in diesen Koranschulen zu lassen. Auch die Buren würden ihre Kinder nicht die reformierten Schulen besuchen lasten, da sie holländisch reformiert seien.

Abg. Erzberger (Zentr.) wendet sich gegen diese Dar- legungen und befürwortet den obigen Antrag.

Äbg. Bebel (Soz.) gibt seinem Erstaunen Ausdruck, daß von der Kolonialoerwaltung niemand zu dem Antrag Stellung nehme. Die Sozialdemokratie habe die Forderung der Regierung imtcr- stützt, weil die Forderung vernünftig gewesen fei. Darum werde feine Partei auch jetzt gegen den obigen Antrag stimmen.

Geheimeren Seitz verweist auf die frühere Erklärung des Erbprinzen Hohenlohe. Die Forderung ist in den Etat eingestellt, weil sie der Gouverneur als notwendig bezeichnete. Bevor die Kolonialverwaltung zu dem Anträge des Zentrums und der Kon- seroatioen Stellung nimmt, wird sie nochmals bis zur dritten Lesung mit dem Gouverneur in Verbindung treten.

Abg. Spahn (Ztr.) tritt für den Antrag ein. Abg. L e d e - J) o u r (Soz.) polemisiert gegen den Vorredner.

Abg. Pnasche (irntlb.) spricht sich für die Regierungs­forderung aus.

Der oben mitgeteilte Antrag der Konservativen und des Zentrums wird darauf abgelehnt und die Regie rungs- forderung angenommen.

Sodann werden die an die Kvmmtssion zurückverwiesenen Positionen des Etats für Kamerun undSüdweftafrika gemäß den K'ommifsionsanträgenan genommen: des­gleichen die von der Kommission beantragte Resolution, wonach» die Verträge über Lieferungen für die Schutz­gebiete, die über die Dauer eines Jahres hinansgehen, sofort zu losen sind. Damit ist auch die zweite Lesung des Kolonial­etats erledigt.

Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs betr. Abänderung des Gesetzes über die B c w i l l i g u n g vo n Wohn­ungsgeldzuschüssen vom 30. Juni 1873 und des Gesetz­entwurfes betreffend den Scrvistarif und die Klasseneinteil­ung der Orte. Der Entwurf der Wohnungsgeldzusckußnovelle sieht eine Ausbesserung für die unteren Beamten klassen um 50 Prozent vor. Bezüglich des Servistarises beantragt die Kom­mission, als Termin für die nächste Revision des Servistarises und der Klasseneinteilung der Orte den 1. April 1908 anstatt des 1. April 1913 nachber Regierungsvorlage.

' Abg. Eickhoff (ft. Vp.) erklärt die Zustimmung semer Partei

Rußland, Italien und Deutschland.

Zwei politische Aktionen von erheblicher Tragweite sind gegenwärtig der Gegenstand ernster Erwägung. Die eine, obwohl sie der anderen an Wichtigkeit vielleicht überlegen ist, kann heute nur kurz gestreift werden, weil es sehr zweifelhaft ist, ob sie nicht schon in der Theorie ihr junges Leben lassen wird. Es handelt sich um die Abstreifung allerrufsischen Wertevon derdeutschen Börse und die Ausschließung einer neuen russischen Anleihe von dem deutschen Markte.

Die Folge eines solchen Schrittes wäre möglicherweise der russische Staatsbankerott, oder aber die Aufnahme einer russischen Anleihe in London zu Wucherzinsen und in Paris zu hohen Preisen. T-amit würde ein engerer Zu­sammenschluß Frankreichs, Rußland und Englands herbci- aesührt iverden. Möglich, da^ ein solcher ohnehin kommt, dann wäre aber eine deutsche Finanzpolitik des gesunden Egoismus nur um so richtiger. Eine Entscheidung in dieser eminent wichtigen Frage ist noch nicht gefallen. Deutlicher aber scheint die Zukunft unseres Verhältnisses z u I t a l i e n erkennbar. Seit König Humberts vorzeitigem Tode wird die Bündnistreue in Rom wesentlich anders ausgefaßt als früher. In Algeeiras konnte man diesen Unterschied recht genau an der ehrlichen Haltung Oesterreichs Ungarns abmessen. Italien tanzt eben nicht mehr nur hin und wieder eine Extratour mit Frankreich. Die Zwei­deutigkeit Italiens hat in Berlin sehr unliebsam über­rascht. Man glaubte, in der Marokkosache des Bundes­genossen sicher sein zu können und daß diese Hoffnung enttäuscht wurde, darin liegt eine ernste Warnung für die Zukunft. Tie Erneuerung des Dreibundes, an die in Bälde gedacht werden müßte, erscheint ernsthaft in Frage gestellt. Ein deutsch-österreichisch-ungarischcr Zweckund wird dagegen unbedingt fortbestehen. Fürst Bülow hat ja bereits vor der letzten Verlängerung des Dreibundes im Reichstage erklärt, Deutschland könne nun­mehr dieses Instrument entbehren, Italien habe mehr Interesse an seinem Fortbestand als wir und wir würden niemandem nachlaufen. Das scheint damals in Rom ge­wirkt zu haben. Italien kam aber nicht mehr ohne Hintergedanken, wie einst zu Zeiten König Humberts. Deutschland hat kein Interesse an einem unzuverlässigen Bundesgenossen, er ist schlimmer als ein erklärter Gegner. Außerordentliche Garantien seitens der jetzigen Regierung Italiens wären daher notwendig, um die deutsche Staats­leitung zu veranlassen, nochmals auf ein Bündnis ein» zu gehen, zurzeit muß es aber als sehr zweifelhaft an­gesehen werden, ob sie gegeben werden können, denn man weiß in Berlin noch nicht, wie weit die französisch-italie- nische Intimität in Wirklichkeit gediehen ist. Und Deutsch­land täte Recht daran, diesem unsicheren Alliierten nicht nachzulaufen. Wer den Schaden hätte, würde sich ja wohl im nächsten Jahrzehnt Herausstellen wir vermögen, so­weit Deutschland in Frage kommt, jedenfalls keine Be­fürchtungen zu hegen.

Merkwürdig muß übrigens dem Grafen Lanza zu Mute sein, der, ein Tiplonrat vom Schlage König .Humberts, so fatale Wandlungen seiner heimatlichen Politik in Berlin zu vertreten hat.

Die Einteilung der staatlichen Hochbauämter in Oberhesfen.

Der Bezirksverband Büdingen-Schotten des hessischen Landesgewerbevereins hat nad> stehende Vorstellung über dieunpraktische Einteil­ung der Hochbauämter in der Provinz Ober­hessen" an die Großh. Zentralstelle für die Gewerbe ge­richtet:

Das neue Kreisstraßengesetz vom Jahre 1897 hat die vor­mals bestehenden Kreisbauämter aufgehoben und in der Provinz Ob erheben an deren Stelle drei Lochbauämter in Gießen, Fried­berg und Alsfeld errichtet. Hierdurch haben sich für einen großen Teil der für öffentndje Arbeiten tätigen Handwerksmeister die vordem wohl überall günstigen Verhältnisse insofern zum Nachteil der Interessenten verschoben, als die Verlegung der Hvckbauärnter an die äußersten Grenzen der Provinz saft jede Fühlung der Handwerker mit den leitenden Beamten verloren gefeit ließ. Am deutlichsten tritt dies bei dem Hockbauamt Alsfeld hervor, beffen Bezirk sich auck auf den Kreis Schotten erstreckt. Bei Er­ledigung von Dienstgeschästen im Kreist Schotten sind die Beamten des Hochbauamts Alsfeld gezwungen, um an Ort und Stelle zu gelangen, entweder mit der Eisenbahn die Bezirke der Hochbau­ämter Gießen und Friedberg fast vollständig xu durchfahren, oder, was in einem strengen Winter fast unmöglich ist, zu Wagen den Vogelsberg zu dnrcfeueren. Hierdurch entstehen in beiden Fällen ungewöhnlich fefe Reisekosten und Diäten. Die Vergebung der im Kreise Schotten auszuführenden Arbeiten erfolgt meist zu Ms- feld, wodurck die dabei in erster Linie in Frage kommenden HandwerEnteister des Bezirksverbandes Büdingen-Sckwtten ge­zwungen sind, nach Alsfeld zu reifen, um Zeichnungen und Bedingungen einzusehen und dadurch, sowie durch Auskunft­erteilung, die Unterlagen zu gewinnen, die zur Ermittelung einer reellen Preisveranschlagung unbedingt nötig sind. Den Hand­werkern erwachsen hieraus recht beträchtliche Kosten, die mit 1220 Mark nicht zu hock beziffert sind. In allen Fällen, in denen der betreffende Handwerker die ausgeschriebene Arbeit nicht erhält, ist diefer Aufwand verloren. Es sind dies Kosten, die häufig in keinem augemeKenen Verhältnis

stehen zu dem im günstigsten Falle zu erwartenden Verdien^ Außerdem ist mancher Handwerker gar nicht m der Lage, eine solche Ausgabe riskieren zu können und daher aufer stand, sich bei einer Vergebung von Arbeiten zu beteiligen. Die trau­rigste Folge aber ist, daß die Hochbauämter durck ihre unglück­liche Lage mit den in der Mitte der Provinz und weiter ab wohnenfen Handwerkern schon jetzt fast jegliche Fühlung verloren haben und bei der großen Ausdehnung ihrer Bezirke gar nicht in der Lage sind, die einzelnen Handwerker kennen zu lernen. Und so kommt es nicht selten vor, daß beftgleicken Angebots­preisen die Arbeiten nur deshalb den am Sitze der Hochbau­ämter ansässigen Handwerkern übertragen werden, weil die ent­fernter wohnenden Meister den Beamten der Hochbauämter nicht bekannt sind. So geht denn die Möglichkeit einer gesunden Konkurrenz und die Gelegenfeit zum Arbeitsverdienst nur dadurch verloren, daß man in dem Bestreben zu konzentrieren an stelle der früheren, weit besseren Einteilung der Bauämter eine Neu­einrichtung geschaffen hat, die in der Hauptsache den am «sitze der Hochbauämter und in deren Nähe anfälligen Handwerks­meistern zum Nachteil ihrer auf dem Lande weitab wohnenden Kollegen zu gute kommt. Unter den kurz geschilferten Mitzstanden leiden in erster Linie die Handwerker des Kreises Schotten, der ziim Hocklwuamt Msseld gehört, dann aber auch viele Hand­werker des Kreises Büdingen, der dem Hockbauami rzrtcdberg zu- geteitt ist. Der Ausschuß des BezirksverbandeS Büdingen-Schotten hält es für seine Pflicht, auf diese großen Mißstände hinzu-- weifen und darum zu bitten, dab man von maßgebenfer stelle aus auf baldmöglichste Abstellung dieser ungesunden Verhältnisse lunwirken möge. In erster Linie hält der Bezirksverband den Ausschuß des Lonfesgewerbevereins und dessen Vorsitzenden dazu für berufen, sodann aber erhofft er, daß auch die Landtagsabgeordneten der Provinz Oberhcssen fick dieser Frage und ihrer Lösung annehmen werden, die für zahlreiche Handwerker der Provinz geradezu eine Existenzfrage ge­worden ist. Die Bezirke der Hochbauämter müssen kleiner, ihre Zahl must, größer werden. Eine Mehr­belastung der Staatskasse dürfte bei richtiger Einteilung kaum entstehen. Die Zahl der z. Z. bei den Hochbauämtern beschäftigten Beamten reicht für die doppelte Zahl kleinerer Aemter völlig auS und die Ersparung an Reisekosten und Diäten wird sehr erheblich fein.___________________________________________________________

Ans SiaOt uno £ano»

Gießen, den 5. April.

^Personalien. S. K. H. der Großherzog haben dem Pfarrverwalter Errtstz Sieb eck zu Wirberg, Dekanat Grünberg, die evang. Pfarrstelle daselbst übertragen, den! Regierungsrat Gust. Böß aus Gießen mit Wirkung vom 1. 'April 1906 zum Mitglied einer Eisenbahndirektion in' der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschoft ernannt, den Güterexpeditionsvorsteher in der Hessisch-Preußischen Eisen­bahn gemein schäft Ludw. Klinger zu Mainz auf sein Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit unter Anerkenn­ung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste und den Eisenbahnassistenten in der Hessisch-Preußischen Eiseubahn- gemeinschaft Phll. Lautenschläger zu Mainz auf fern Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit in den Ruhestand versetzt. Der Zugführer in der Hessisch-Preußischen Eisen­bahngemeinschaft Adam Koch zu Mainz und oer Bahn­wärter in der Hessisch-Preußischen Eisenbahn gemein schäft Christoph Steckenreuter zu Heppenheim wurden auf ihr Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit in den Ruhe­stand versetzt. S. K. ö. der Groß Herzog haben dem Sektions­ingenieur in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Hch. Probst zu Mainz aus Anlaß ferner Versetzung in den Ruhestand das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstz» ordens Philipps des Großmütigen, dem Bahnwärter inf der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Andreas Henß zu Nieder-Olm und dem Zugführer in der Hessisch- Preußischen Eis enb ahn gemein schäft Adam Koch zu Mainz aus Anlaß ihrer Versetzung in den Ruhestand das All­gemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Dienste^ verliehen. Ernannt wurde der Militäranwarter Ludwig W o l f in Darmstadt zum Kanzleigehilfen bei dem Generah staatsanwalt am Oberlandesgericht.

** D ie Delegiertenversammlung der Sterbe­kasse für Mitglieder des hessischen Landes- gewerbevereins und des Verbandes deutscher Gewerbe- vereine findet am Dienstag, dem 17. April, vorm. 11 1/2 Uhr, zu Friedberg statt. Die Tagesordnung lautet: Entgegen­nahme des Kassenberichts, Erteilung der Entlasttzng, Wahl' des Vorstandes, Wahl des erweiterten Vorstandes, Wahl des Prüfungsausschusses, Erledigung der gestellten Anträge, Be­schlußfassung über Verwendung des Ueberschusses aus 1905, Verschiedenes. Die 1897 ins Leben gerufene Sterbekasse darf auf eine günstige Entwicklung zuruckblicken. Das finanzielle Ergebnis für 1905 ist günstig, da der Vorstand wie im Vor­jahr in die Lage versetzt ist, der Delegierten-Versammlung eine Verteilung von Dividenden in der Hohe des Beitrags für zwei Monate vorzuschlagen. Die Jahresrechnung für 1905 schließt ab mit einer Gesamteinnahme von 30 701.37 Mark und einer Gesamtausgabe von 30 346.38 Mk. Der Vermögensbestand Ende 1905 betrug 55 499 Mk. und hat sich im Berichtsjahre um 11 815 Mk. erhöht. Das Jahr 1905 schließt mit einem Ueberschuß von 5710.88 Mk. ab. Die günstigen Ergebnisse haben bewirkt, daß im Jahre 1905 der Verband Deutscher Gewerbeoereine seinen Landesverbänden den Anschluß an die hessische Kasie empfohlen hat, weshalb em dahingehender Beschluß auf der letzten Dclegiertenver- sammlung gefaßt wurde.

* Zur Bestreitung der K o rn m u n a l b e d ü r f n i f s e der israelitischen Religionsgemeinden des Kreises Gießen kommen im Rechnungsjahre 1906 zur Er­hebung : 1. Allendorf a. d. Lumda 500 Mk. (44,984 °/0 Zuichlag auf die doppelten Grundzahlen und die ganzen (Sinfommcnftcucr- beträge), 2. AltewBuseck 166 Mk. (44,504 ° 0), 3. Beuern 201 Mk. (31,920), 4. Gießen 14 000 Mk. (22,693°/?, 5. Großen-Buseck 934 Mark (86,386°/?, 6. Großen-Linden 116 Mk. (44,156°/?, 7. Holz­heim mit Grüningen 307 Mk. (43 209 %), 8. Hungen mit Inheiden und Utphe 1600 Mk. (39 748°?, 9. Lang°Göns 26 Mk. (35 812°/?, 10. Langsdorf 500 Mk. (52 681 ° ?, 11. Leihgestern 77 Mk. (44 278 12. Lieh 200 Mk. (13 281 °/?, 13. Lollar mit Ruttershausen, Mainzlar und Taubriugen 154 Mk. (36175°/?, 14. Londorf mit Kesielhach, Rüddingshausen und Geilshausen 1600 Mk. (76 510 %), 15. Obborn ­hofen mit Bellersheim und Wohubach 526 Mk. (73 990 °/?, 16. Rei: kirchen 105 Mk. (33 081 %), 17. Steinbach nichts ig. TrciZ a. der Lumda 194 Mk. (18 487%), 19. Watzenborn-Steinberg mit ©arbeit-.1 reich 110 Mk. (39 454%), 20. Wieseck 367 Mk. (29 954°-?.