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Donnerstag 5. Oktober 1905
155t Jahrgang
Erstes Blatt.
Teil: P. Wittko: für „Stabt und Land9 und „Gerichtssaatt: Ernst Heß; für den An» zcigenteil: Hans Beck.
Gießener Anzeiger
General. Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt Kr den Ureis Gietzen
Be»«gSprek»r monatlich 7b Pf., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen inonatlicb 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— vieriel- iährl. ausschl. Bestellg. 'lnnahme von Anzeigen >'ir bie Tagesnummrr is vormittags 10 Uhr. .eilenpreis: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Pfg.
Nr. 234
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siehener FamUien- blätter viermal in der
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Rotationsdruck u. Verlag der Brüh lachen Univerf.-Bucb-u. Steindruckerei. R. Lange. Redaktion, Erpeditioa und Druckerei:
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Anzeiger Gießen.
Die heutige Yurnmer umferßt 8 Leiten
Fortschrittliche Frauen.
—tt-r- Berlin, 3. Oktober.
Wieder einmal wird in Berlin beraten, wie den Frauen zu helfen sei, wie sie aus einer ihrer unwürdigen Stellung unter der Tyrannei des Mannes erlöst werden können. Diese Frage haben schon viele Frauentage mit aller Energie in Angriff genommen. Wenn die zum Teil interessanten, geistreichen und mit unbarmherziger Satire den Nimbus des Mannes zerstörenden Reden gehalten, wenn eine lange Reihe von Beschlüssen gefaßt und durch jubelnde Zustimmung gebilligt worden, und das letzte Glas Limonade geleert war, dann galt die Frage als der Lösung schr nahe gebracht. Es fehlt nur die Kleinigkeit, daß die mutigen und scharfen Resolutionen auch zur Durchführrmg gelangten. Man erinnere sich, was alles der letzte große Frauenkongreß, der durch die Fülle seiner Veranstaltungen, Referate und Gegenreferate die Berliner Presse eine Woche hindurch in Bewegung hielt, an Leitsätzen aufgestellt hat, und man untersuche, wieviel davon aus der Theorie in die Praxis gelangt ist, um den Abstand zwischen Wollen und Können auf diesem Gebiete zu ermessen.
Wir sind keineswegs Gegner der Frauenbewegung, wir teilen nicht die kategorische Auffassung, die mit dem einen Gedanken sich begnügt: „Die Frau gehört in die Familie". Mir stimmen vielmehr der Meinung zu, daß, wie alles fort* schreitet und sich entwickelt, wie die Frau, die unverheiratete und die verheiratete, immer nrehr die Pflichten und Sorgen eines Mannes übernimmt, indem sie für ihre Existenz kämpft, die Frau auch eine entsprechende und angemessene Erweiterung ihrer Rechte beanspruchen kann. Nur scheint es, daß die moderne Frauenbewegung sich noch an zuviel Nebensächlichkeiten hält und darüber die großen Ziele aus dem Auge verliert. Wer der zurzeit in Berlin stattfindenden Generalversammlung des Verbandes fortschrittlicher Frauenvereine beiwohnt, kann diesen Eindruck bestätigt finden. Der Beobachter bewahrt, beispielsweise mit Verwunderung, daß vielfach die rednerische Leistung als solche, nicht das Gewicht der Gründe, die Zuhörerinnen besticht. Nachdem dem einen Vortrag ein donnernder Applaus beschieden gewesen, wird dem anderen Vortrag, obschon er diametral Entgegengesetzes verficht, ein ebenso stürmischer Beifall von demselben Auditorium zuteil. Seltsam, daß auf Frauen, die doch im allgemeinen die Gabe der Wortgewandtheit besitzen, die Kunst der Rede soviel Zauber ausübt.
Zwei Strömungen sind in der Frauenbewegung die vorherrschenden. Die eine ist für ein Leben der Frau zur Seite des Mannes auf dem Fuße kameradschaftlicher Gleichberechtigung, umgeben mit allem Reiz einer intimen Häuslichkeit; die andere Richtung will große, gemeinsame Einrichtungen. Familienhäuser, gemeinsames Wirtschaften, damit die Frau von den „erniedrigenden" häuslichen Ver rrck» tun gen befreit werde und sich ganz ihren Neigungen oder dem Gelderwerb widmen könne. Die erstere Richtung möchten wir die „deutsche", die zweite die „amerikanische" nennen. Die „deutsche" ist entschieden die sympathischere, und nicht nur das, sie hat auch bei weitem mehr Aussicht auf Verwirklichung ihrer Wünsche. Sind das denn etwa glückliche und beneidenswerte Ehen, die in Amerika auf der Grundlage geschlossen werden, daß ein „praktischer" junger Mann, der erwirbt, und ein nicht minder praktisches junges Mädchen, das erwirbt, mit so wenig Umständen als möglich heiraten, ein Zimmer oder zwei in einem Kosthaus nehmen, wo für alles gesorgt ist, und nun das eine Hauptziel ins Auge fassen:,möglichst viel Dollars zusammenhäufen9 Wer einmal in ein solches Kosthaus hineingesehen und diese Art „praktischer Ehen" kennengelernt hat, wird von Mitleid oder Grausen erfaßt. Schloß Liebe den Bund, dann kann nach, ein paar Wochen nicht die Spur von einer zarten Empfindung . iehr vorhanden sein, und waren „praktische" Erwägungen für die Vereinigung maßgebend, etwa, daß zwei smarte Personen zusammen und durch gegenseitigen Rat sich unterstützend es weiter bringen könnten, als der Einzelne, so ist das Resultat noch trostloser. Der Himmel bewahre uns davor, daß die amerikanische Ehe mit dem öden Boardinghouse- Leben in Deutschland ihren Einzug hält!
Beschreitet die Frauenbewegung diesen Weg, dannbe- aibt sich auf verhängnisvolle Pfade. Dann hilft sie vielleicht die Existenzbedingungen etwas erleichtern,aber gegen welchen ungeheuren Preis? Sie nimmt dann der deutschen Frau das, was sie vor allen anderen Frauen der Welt auszeichnet, den Zauber ihres Wesens, ihre Kunst, mit Wenigem zu- fiieden und glücklich zu sein, ihre Kraft, in schweren Tagen durch Heiterkeit und ruhigen Zuspruch das Vertrauen an eine bessere Zukunft im Manne aufrechtzuerhalten, ihre Liebe zu den Kindern, die dieser treuen und unermüdlichen Aufopferung es verdanken, wenn ihr Leben mit Licht und Wärme erfüllt ist!
Die Frauen mögen so „fortschrittlich" sein, als sie wollen: aber hoffentlich tun die deutschen Frauen niemals den Rückschritt, sich selbst ihrer besten Eigenschaften zu berauben, die sie seit Jahrtausenden dem Manne teuer und Mlig gemacht haben.
Von anderer Seite wird über den fortschrittlichen Frauentag folgendes geschrieben:
Die „alte Ehe" entspricht den Forderungen der neuen Zeit tu keiner Weise. Diese Anschauung zog sich wie ein roter Faden durch die Reden, welche von ledigen und verheirateten Damen auf dem Verbandstag über die R e f o r in der Ehe gehalten wurden. Die Vorsitzende, Frau Sauer, wetterte gegen die „schwarze Schar", welche der Frauenbewegung feindlich gegenüberstehe und deren Vertreterinnen verunglimpfe« Fräulein L i f ch n e w s k a
Noch ein Feind in Südafrika?
Mau sollte meinen, uicni habe an den Hereros, Hottentotten und Bastarden gerade genug. Jetzt soll auch noch eine Verschwörung von Buren gegen die deutsche Herrschaft in Südwestafrika ausgebrochen sein. Nicht also hätten die Deutschen, wie von englischer Seite behauptet wurde — fälschlich natürlich — gewissen Buren Flinten gewaltsam in die Hand gedrückt und sie zum Kämpfen an ihrer Seite gezwungen, sondern Burenbanden hätten sich gebildet, um während der Kämpfe der Deutschen im Trüben zu fischen.
Gewisse aus Windhuk vorliegende Nachrichten behaupten, daß von selten einiger in unserem südwestaftika- nischen Schutzgebiet ansässigen Duren ein Komplott geschmiedet worden sei, das eine Ueberrumpelung Windhuks, der Hauptstadt des Schutzgebietes, und einen förmlichen Beutezug durch das Laub zum Gegenstand gehabt haben soll. Die Unternehmung habe mit Hilfe der aufständischen Witbois ausgeführt werden, auch hätten die bisher dem deutschen Regiment treu gebliebenen Bastards gewonnen werden sollen. Man denkt zunächst an das Erzeugnis einer durch die Kriegswirren stark angeregten Phantasie, wie sie sonst aber meist nur auf ^eite englischer Berichterstatter zu finden ist; es roerbc aber jetzt auch Einzelheiten angegeben, wonach auch i Behörden in Südwestafrika die Sache ernst nenommen wen. Daß darum aber wirklich eine sehr ernste Gefahr . droht hat, ist uns noch nicht ganz
fühtte aus, baß bie heutige Form ber Ehe ber „neuen Frau" keinen geeigneten Boden zur Betätigung und Entwicklung bieten könne. ' Es müsse neuer Wein in alte Schläuche gefüllt unb für ben Gedanken der wahren, d. h. nur wirtschaftlichen Emanzipation des Weibes agitiert werden, ohne diese sei alle geistige Emanzipation nur Schein. Um die K i n d e r m u 6 s i ch der Staat kümmern, damit die Frau dem selbständigen Erwerb nachgehen kann. Der Staat muß die Kinder ernähren, kleiden und erziehen. Nur so kann eine wahre Kameradschaft zwischen Mann unb Frau bestehen. Frl. Dr. S ch i r m a ch e r bezeichnete biese Jbeen als praktisch imburchführbar unb roiber- prach ber Enthäuslichung der Frau aufs schärfste. Im übrigen plädierte dieses Fräulein Doktor für Beseitimmg der Bestimmungen der Ehegewalt des Mannes. Eine andere Doktorin, Frl. Anita Augspurg, wünscht, daß dem Mädchen, das eine Ehe emgeht, die freie Wahl bleibt, ob sie sich in der Häuslichkeit betätigen ober dem selbständigen wirtschaftlichen Erwerb nachgehen will. Ich habe — erzählte Frl. Dr. A. — Ehen kennen gelernt, in denen der Mann für die Häuslichkeit viel mehr Interesse und Geschick zeigte als die Frau. (Solche Männer in Unterröcken gibt es leider genug!) Der Sklavenarbeit der Frau im Hause muß ein Ende gemacht werden. Die Hauptaufgabe der Frau ist die Erhaltung der Rasse, nicht die wahllose Produktion von Kindern.
Landtagswahlprögramm des Bundes der Landwirte für das Grotzherzogtnm Heffeu.
Ter Bund ber Landwirte hat in einer Sitzung des erweiterten Landesvorstandes der Abteilung Hessen am Montag, den 11. September 1905 zu Frankfurt a. M., die besonderen Aufgaben des Bundes der Landwirte für die bevorstehende Ludtagswahl nach der „Vvlksw." wie folgt festgesterlt und beschlossen:
Der Bund der Landwirte erstrebt die Erhaltung und den Ausbau unserer heurigen Staatsordnung aus einer christlich-monarchischen Grundlage. Auf dem Boden einer gerechten und durchgreifenden Berücksichtigung der gesamten nationalen produktiven Arbeit stehend, bekämpft er das Ausbeutungssystem des spekulativen internationalen Großkapitals, um die zahlreichen landwirtschaftlichen und gewerblichen Existenzen des Mtttelstandes vor dem Ruin zu schützen.
Von diesem Standpuntte aus sollen die Abgeordneten zum hessischen Landtage insbesondere dahin wirken:
1. daß ber Kaufstempel aus landwirtschaftlichen Grund und Boden vermindert werde und insbesondere, daß auf eine Verminderung der die Landwirtschaft belastenden Stempel- kosten, sowie auf eine Revision des Stempelgesetzes yin- gewirkt werde. Eine Revision des Grundbuchwesens ist anzustreben imb damit eine Erweiterung der Zuständigkeit der Ortsgerichte;
2. daß die Schullasten auf den Staat übernommen werden:
3. daß das Verhältnis der Zahl der Abgeordneten der Städte und des Landes der ländlichen Bevölkerung gegenüber nicht geändett weide;
4. daß die Unterhaltungskosten der Käeisstraßen auf den Staat übernommen werden;
5. daß der direkten Lieferung landwirtschaftl. Erzeugnisse an Staatsansbalten und Militärverwaltungen Vorschub ge- leisttt werde;
6. daß alle durch Herkommen und Gewohnheit eingelebten Holz- rind Streu-Nutzungen aus Staats- und Gemeindewaldungen ohne Bes'chädigung des Holzzuwachses beibehalten werden und die Streu gegen mäßigen Preis abgegeben werde;
7. daß die landwittschaftlichen Interessen beim Ausbau des Eisenbahnnetzes, der großen Bedeutrmg derselben entsprechend berücksichtigt werden;
8. daß ein Gesetz gegen den Automobilunfug geschaffen werde;
9. daß eine Versicherung gegen die Schäden der Maul- und Klauenseuche mit genügender staatlicher Beihilfe errichtet werde;
10. daß die Dünger- und Futterurittelkontrollstationen überwacht werden.
11. daß das landwirtschaftliche Budget zu Gunsten der Boden- produktion, der Pferde- und Viehzucht, des Obst- unb Weinbaues, besonders auch zur Verbesserung der Hutweiden, und zwecks Förderung landwirtschaftl. Nebenbetriebe in bisheriger Höhe erhalten bleibe;
12. daß zwecks Erhaltung des gewerblichen Mittelstarkes eine Umsatzsteuer der Warenhäuser, Ramschbazare, Filialen der Großbetriebe, Versteigerungsgeschäfte und. der gl. eingefühtt und daß zur Erhaltung der Kleinmüllerei eine gestaffelte Umsatzsteuer für den Großmühlenbetrieb geschaffen werde;
13. daß das Reichsgesetz über den Verkehr mit Wein und weinhaltigen Getränken in Bezug auf die Kontrolle überall dnrchgefühtt werde.
über allen Zweifel erhaben. Immerhin sind Verhaftungen; vorgenommen worden.
Der angebliche Anführer der .Verschwörerbande map ein in Deutschland nicht unbekannter Bur, , Andries Dewet, ein Neffe des berühmten Burengcnerals; in seinem Haus« wurden die Versammlungen der „Verschworenen" abgehalten, und es wurden dort auch Waffen entdeckt. Die estgenommencn Buren gehören den sogen. „Narionalscouts" an, jenen Vaterlandsverrätern, die während des Krieges zwsichen England und den Burenstaaten dem ersteren Spioncndienste leisteten und nicht wenig zum Untcrßkntge: der Burenrepubliken beitrugen. Sie wurden dafür von ihrem Volke geächtet und gewannen natürlich auch nicht die Ach- tung Englands, wenn dieses sie auch benutzte. Man hat es vielleicht mit Desperados zu tun, die frei von allen Rücksichten auf Ehre, Eigentum, Vaterland ihrem Eigennutz die Zügel schießen lassen zu können glaubten.
Um ein abschließendes Urteil über diese neuesten Vorgänge in unserer „Un glü ckskolonie" Südwest- afrika abgeben zu können, müßte man genauer über die Einzelheiten des vorgeblichen Planes, die angeknüpften Beziehungen zu den Aufständischen usw. unterrichtet sein, man müßte wissen, ob dem Plane eine gewisse politische Bedeutung beizulegen ist. Darüber kann aber nur die Beantwortung der Frage Aufschluß geben, welche Fäden von den Verschworenen nach der Grenze gingen. Daß an der Grenze zwischen dem deutschen und englischen Gebiet irgend ettoag nicht in Ordnung ist, läßt sich schwerlich leugnen.
Der „Köln. Ztg." wird*aus SSerftn von heute telegraphiert : Ueber den durch die „Windhuker Nachr." gemeldeten Burenputsch liegt bisher hier amtlich gar keine Meldung vor. Die ganze Darstellung des Blattes, wonach die Buren aus dem Schutzgebiet und anderen Teilen Südaftikas sich mit den Kaffem verbinden wollten, um die Deutschen zu vertteiben, ist abenteuerlich und vorerst; mit Vorsicht aufzunehmen. Weil dies dem stolzen Sinne der Duren gegenüber den Käftern wenig entspräche und der angebliche Hauptbeteiligte, Der mit einer deutschen Frau aus guter Familie verheiratete Bur Andries Dewet mit seinem ganzen wirtschaftlichen Unternehmen in Deutschs land fußt. __
Komische Tagesschau.
Zu Hardens „Zukunft"
wird Gras Moltke als sicherer Nachfolger des General stabschefs Graf Schkieffen genannt, und von Pod« bielski wird eine neue Sentenz erzählt: „Mir kann Keener; mei Auto is jeheizt". Was wohl als Beweis für die Behauptung gelten soll, er habe „von oben längst den Blatftchuß". Dann aber kommt eine sehr pikante Deutung eines interessanten Borganaes. Es hatte bei allen, die politisches Gefühl besitzen, Erstaunen hervorgerufen, als der „Berl. Lok.-Anz." unter die Ministerstürzer ging und Herrn Möller die letzte Ministerstunde ansagte. Ein helldunkler Hinweis auf gewisse indufttielle Zirkel, lies Kirdorfs, Thyssen usw., machte die Geschichte noch merkwürdiger, und am tollsten wurde sie, als in einer der nächsten Nummern desselben Organs Möller durch einen Interviewer erklären ließ, die ganze Sache sei frei erfunden, er denke nicht daran, sich zurückzuziehen usw. Dabei flössen in aller Vertraulichkeit auch noch einige positive Informationen unter. Jetzt lcmziert Harden in seiner bekannten Art die Lesart, Möller stehe ebenso wie dem Dementi auch der Anzapfung hn „D. L.-A." nicht fern, und das Ganze sei ein Versuch zur Erprobung der neuen Regierungsmaxime: Nun gerade nicht. Auffällig bleibt natürlich das Dementi in demselben Blatte und geschickter — auf alle Fälle geschickter — wäre es jedenfalls gewesen, die ge- oder verwünschte Rücktritts- notiz wo anders dementieren zu lassen.
Es gibt doch sehr boshafte Menschen in Berlin! Kann ein Vernünftiger an solche Lausbubenstteiche eines Prem- ßischen Ministers glauben?
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Gewerkschaften und sozialdemokratische Partei.
Die sozialdemokratische Presse hat sich nicht genug ber Einmütigkeit aus dem Jenenser Parteitag rühmen können. Der „Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker" aber rückt ins richtige Licht,welcher Art diese Einmütigkeit gewesen ist. In einer Betrachtung über die Maifeierdebatte auf dem Parteitag sagt das Blatt: „Was war nun das Ende der ganzen Debatte? Daß die Partei bestimmt, w-asi die Gewerkschaften zu tun haben!" Das nemtf man dann Uebereinstimmung!!" Die Wertlosigkeit der auf dem Parteitage angenommenen Resolution Fischer kennzeichnet das Blatt sehr zutreffend durch die Anführung des Heineschen Wortes: „Der Freund verloren, aber die Katze gerettet". Aus den ganzen Ausfikhrungen des Blattes geht hervor, daß die Gewerkschaften weder in der Frage der Maiseier, noch in der des Generalstreiks geneigt sind, sich der Tyrannei sozialdemokratischer Parteitage einfach zu unterwerfen. Der „Korrespondent" beharrt auf der schon früher einmal von ihm vertretenen Auffaffung, daß, wenn die Arbeiterschaft an einem beliebigen Tage alle Räder still stehen lassen könne, sie triefe, Arbeitsruhe auch noch weiter ausdehnen könnte, um die wichtigsten Zugeständnisse vom Staat und der Gesellschaft zu ertrotzen; ein solcher Generalstteik aber sei unmöglich.
Diese Auffassung des „Korrespondenten" stimmt mit der des Bürgertums völlig überein.
Blamage der Sozialdemokratie.
Die Berliner „Vellszig." hatte tiefer Tage eine höchst eioenartige Einzelheiten enthaltende Darstellung des Verlaufs der bekannten „Literatengezänk-Kommission" gebracht. Es soll sich dabei folgender sikanter Zwischenfall . b gespielt


