Dienstag 4. Juli 1905
ISS. Jahrgang
Erstes Blatt.
nach Kirin bt-
Sr. Krieg.
Dom Kriegsschauplätze.
fr eundschaft-i
-- c bid
General Linewitsch telegraphiert unterm 2.Juli": Dev Feind nahm die Offensive tu der Nähe von Hei-- lungchen wieder auf, zog sich aber zurück, nachdem ev Widerstand von unseren Vorposten gefunden hattr.
Wie verlautet, ist General Baliakow zum Beseh ls* Haber der 1. mandschurischen Armee ernannt worden an Stelle von Kuropatkin, der sich nach Kirin be
geben hat.
Die Friedenskonferenz.
Zu FriedenSnnterhändlern werden von russischer Seite Baron Rosen und Graf Muraview, von japanischer Seite- Varon Komura und der Gesandte Takahira definitiv be-! stimmt. Wie die Petersa. Tclegr.-Ag. vernimmt, sollen znü Prüfrtng der Spezialfragen von kompetenten Persönlichkeiten u. a. entsandt werden: der Direktor der Schatzabteilung im Finanzministerium, Schipow, der russische Gesandte m Peking, Pokotilow, Profesior MartenS, der frühe« russische Militärattachce in London General Jermolows und der frühere Marincattachee in Tokio Fregattenkapitän« Nu st in. .
Bezüglich der Wahl der russisch-japanischen Bevollmächtigten heißt es, daß die Japaner darauf bestanden, die Vertreter mit Vollmachten zum Abschlüsse eine»
Weitere Unruhen. _
DieVrandftiftungen im Bezirk von Marsch au dauern ort. Am Sonntag waren nach eurer amtlichen ZusammenstelumF 60 Brände zu verzeichnen. , x . . ..
Aus Kronstadt verlautet ferner, in her Nacht m eM Linienschiff ohne Offiziere in See gegangen. Em^l- beiten fehlen. Im 5pafen lägen nur der alte Pamer „Imperator Alexander II." und der ganz neue Panzer ,.Slawa -
In Kiew befinden sich unter den unberufenen Nesnwist^ wenige Israeliten. Es kam das Frücht anf,.^dast eme Anzahl von der bevorstehenden Mobilmachung urnrrrrchteter Israeliten ans der Stadt geflüchtet sei, dadurch wurden mver- schieden en Stadteilen Unruhen hervorgeru.en, wobei, ^mnv« Weinläden und Ecff6s gepkmdert wrrcden. Mehrere Polrzeibeamte wurden von den Reservisten entwaffnet und verwundet. scrvist wurde tödlich verletzt. Dre Orlnruna ist wieder hcraestellt worden. (Das ist der ständige Zusatz jeher offiziösen rU^‘ etersburg nehmen die Brandst ifturt*
gen in erschreckendem Maße zu. Am Montag pnd bret Brandstiftungen vorgekommen.
Petersburg, 3. Juli. Der Generakausstctnd,, der gestern abend hätte verkündet werden sollen, wurder rückgängig gemacht, nachdem die Regierung beschlossen,- die Forderungen der Arbeiter §n bewilligen, Seit ^mstag sind in Petersburg 50000 Mann konsigniert, um für tite Fälle vorbereitet zu sein. In Lodz wurden drei Arbetter vom Kriegsgericht wegen Teilnahme an den letzten Unruhen zum Tode verurteilt und erschaffen
Ki schinew, 3. Juli. Der Adelsmarschall von W, sarabien, Therd osiu, wurde ermordet anfgefunoen.
Neuer Englischer Optimismus.
London, 3. Juli. (Unterhaus.) Brotherton r^fatf, daß, um Leben und Eigentum der englischen Untertanen sicher Fp stellen, bei der russischen Regierung freundschk, liche Vorstellungen dohm erhoben werden sollen, daß genannte Regierung ihre Zustimmung zur zeitweiligen Aufy ung der Bertragsbcstmrmung gebe, nach 1>er fremde Kri e i schiffe vom Schwarzen Meere auSgeschlossen s Nnterstaatssekretar des Aeußern Perry erklärt, die gegenwärtiges Lage in Odessa biete fernen aentigenbert Grund, die erwähnte Vertragsbestimmung außer Kraft zu sitzcii. Nichts heute bar nu'f hin, daß die ru ssische Regierung nicht über die n ö t i g e n M i t t e l zum Schutze der enalisc^n Untertanen, Wie der übrigen Bevölkerung ver^ge (?) ober daß tue Lage durch die Entsendung der enalisckvm Krieaslmche aebeffert^verden^NM.
Gießener Anzeiger
M General-Anzeiger **
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
zurück.
Constanza, 3. Juli. Die Mannschaft des russischen St a Lions schiff es „Pzepuape" erklärte sich mit der Mannschaft des ,,Po tem kin" so Hb arisch. Die Mannschaften beider Sckffsie umarmten und killten sicp unter den Rufen: „Rußland ist frei!'- Auf dem „Potemkm" befinden sich 750 Matrosen. Führer des Schiffes ist ein Deekadett. Die Mannschaft, die um ihr Schicksal besorgt ist. will sich unter der Bedingung ergeben, daß fxc nicht an Rußland ausgeliefert wird.
Bukarest, 3. Juli. Der , Knjaes (Fürst) Potemkm 'verließ heute nachmittag um 1.20 Ubr mbit dem begleitenden Tor- pcdoboot K ü st e n d s eh e (Eonstaum im Rumänischen, „Kustendsche m Türkiseben) und fu h r n o r d ö st l i ch h i n,a n s i n s o ff en c Meer Während b'5 ?lufenth"ltes des „Kmaes mrtemrm" be- nachriebtigten die Matrosen die Behörden KüstendsebeS, haß viele von derBesatzung geneigt seien, s i Ä.z u e r g e b e n und beschlossen hätten, sobald das Schis, b;3 offene Meer erreich hätte, es zu v-rlaffen und anS Ufer zu seewimmen. D -rn'Win ist das von Len Behörden vorbereitete Rettungswerk. dadurch, daß die gesamte Bemamnmg mit dmr Panzer weiterdampfte, unnötig geworden. Die Haltung der Mannschaft war wahrend des Aufenthalts des Schiffes in den rumänischen Eewuswrn völlig ruhig. Die Anwesenheit des „Kniaes Potemlin" gao dank der tat^aftigm, aber humancii tzaltung der ruinän. Regierung kernen Anlaß zu einem Zwischenfall. „ . . „ m £ =1. .
London, 3. Juli. Der „Times" wird aus Petersburg telegraphiert, der „Potemkin" befinde sich,unter dem Befehl eines an Bord befindlichen Stabes von Zivilisten, bte, wie es heißt, Leiter der revolutionären Organisation sind. Die Stadt und der Hafen von Odessa sind jetzt ruhig und der Widerstand der Arbeiter, die, wie ietzt seststeht, mit den Meuterern im Bunde waren, ist durch die Militärmacht unterdrückt worden. Die Biir- ger fliehen und die Ausländer machen sich bereit, an Bord der Dampfer zu gehen. _
Odessa, 3. Juli, deute wurde in mehreren gronen Fabriken die Arbeit wieder aufgenommen. Der General- gouverneur gestattete in allen Stadtteilen, ausgenommen auf dem Nikolajew-Boulevard, den freien Verkegr. . .<0 000 Arbeitslosen wird durch die Aufräumungsarbeiten am Häsin Arbeit gegeben. Von d<m Behörden wird demnächst die Zahl der Getöteten und Verwundeten bekanntgegeben. Der T or - pedobootszerstörev „Smetliwih" erhielt Befehl, den „Knjaes Potemkin" ansiusuchen, und ihn durch Torpedos zum Sinken zu bringen.
Vom „Pobjedonokzcvff'.
Paris, 3. Juli. „Petit Parisirn" meldet aus Odessa über die Meuterei an Bord deS „Pobjedonnoszew": Nacktem das Schiff im Lasen eingelaufen war, gingen ennge Matrosen an Land und ersuchten den Generalgouvcrneur, er möge den Mannschaften gestatten, an Land zu kommen. Nachdem dieser das Verlangen abgelehnt hatte, kam später nochmals eine ?lbordmmg zu ihm imb ersuchte ihn, alle Schuldigen zu begnadigen. Dies lehnte der silouverneur erst recht ab und ließ die Hafen-Batterie au
ternkin" befand sich auch ein Torpedoboot. Die rumänische Regierung behandelte die Meuterer als Deserteure. Sie erklärte ihnen falls sie ohne Waffen an Land kämen, 'ollten sie freien Abzug erhalten, verweigert wurde ihnen aber jegliche Verproviantierung. Tie Meuterer fürchteten offenbar eine Ueberlistung und weigerten sich, die Vor- chläge der rumänischen Regierung an'unehmen. Sic.ver- uchten darauf, mit' dem Torpedoboot in den .'Hafen einzu- n Irren. Darauf gab der ru m ä n i s ch e Kr e u Z e r „E l t s a- beth^' Schüsse ab. Das Torpedoboot zog sich darauf
das Schiff richten. M _
Londou, 3. Juli. Wie dem Rcuterfchen Bureau aus Odessa gemeldet wird, ergab sich der „Pobledonnos- z e w" heute morgen. Die Räd-lschhrer der Meuterei wurden von den Offizieren des Schisses bezeichnet und an Land gefetzt.
L o n d o n, 3. Juli. Der „Standard" meldet aus Odessa: Der Kommandeur oes russischen Schlachtschiffes „Pobsedonoszew erschoß sich.
Die Lage in Odessa.
Der Odessaer Berichterstatter des Standard" brachtet, daß er, mit einem Passe vom' Militärgouvernenr versehen, am Sonntag die Stätte des Blutvergießens und der Brandstiftung vom letzten Mittwoch besichtigt hat. Sie bedeckt einen Flächenraum von t a u s e n o M o r g e n. Augenzeugen versicherten, das; in der Mitiwochnacht an tausend Personen getötet und an 3000 verwundet worden seien. Es war eine mörderische S ch l a ch t, an der Kosaken, Infanterie und eine Maschinenkunomenabteilung teilnabmcn Biele Verwundete entkamen nur dadurch, daß sie sich die ganze Nacht tot stellten. Biele kamen in den rasch um fick greifenden Flammen um. Wenn Verwundete, Manner oder Frauen, sich erhoben, um dem Flammentode zu entgehen, wurden sie erbarmungslos nieder geschossen. Diele Keilte beschworen die Soldaten knicend, ihr Leben zu schonen, die Antwort war stets ein Kugelregen. Den abscheulichsten Teil der Schlachterei bildete die Schlußszene. IM Morgengrauen flüchteie ein Hausen geängstigter Leute, die sich versteckt gehalten hatten und an den Ausschreitungen unschuldig waren, den steilen Weg vom Haftn nach der Stadt hinau,. Gegenüber dem Palaste mähten unter den Augen des Gouverneur? die Maichmenkanonen die Flüchtigen, z w e i hun d e r t an der Zahl, nieder. Es wäre sehr leicht gewepen, sie fest zunehmen, doch wurde in dieser Schreckensnacht rem Pardon gegeben.
Weitere Meldungen lauten: *
Odessa, 8. Juli. Alle Läden und Geschäfte sind geschloffen. Der Straßenverkehr ist allerdings recht lebhaft. Straßen und Mütze sind von Militär überfüllt. In den Kasernen ist alles wn- siamerü Der Soborplatz ist in cm Kriegslager umgewandelt. Im Vcffsage-Hotel ist d's .Hailptauartier der nuUt. Macht uitter dem Kommando des Generals Miradowitsch, dem eme große Zahl Stabsoffiziere zur Seite stehen. Ter Übergang auf ben Sobor- Vfa!’, ist aesverrt Die Militürposten im .<30feit imb den Boulevards lassen niemanden durch. Starke Infanterie poften schützen die Zn- Äe. Im Gmizm sind 32 000 Seiten «Mer aufgcfotai. J Ot> - ss« 3 S'ti. Die Sage md> rote Der st4r IrtttfS- BrunruMnd« AqchE-n k°MMM j-dt °u« dem Jrmcrn. wo d>- Bwuern im Auistand-e sind. Tausende flüchten. Der Le-
vantedampser „Pera" naljm auf Veranlassung deS deutschen Kvnsub-lls, das vom Auswärtigen Amt dazu ermüchugt wurda deutsche Reicbsangehörige an Bord.
O de ssa , 3 Juli Der bidlyer m Odeffa anaerichtete Schaden wirb auf 140 Millionen Mark geschätzt
Petersburgs. Juli, tof Jgnatiew ist mit außerordentlichen Vollmachten nach O^ssi beordert worden. ^.ie Maßnahme schasst für den aufrülwerffchen, Bezirk eme Diktatur mit unumfcr.ränrter S8t unn.8 5Beim Stobra« bet Odessaer Unruhen bezeichnete die Umgebung des Zaren ihn als den geeigneten Mann -"r Niederwerfung her Revolution; namentlich Trepow, der Gehilfe des Innern, trat für ihn em. Der Zar fZgte jetzt diesen Einflüssen, ^«l den Grafen Zur Nudier^ und trug ihm die Dikt^ir über Odessa an. Ohne Besinne^ Übernahm Jgnatiew die Miffion. Die Vollmachten, mit ixmert Jgnatiew ausgcft stet wurde, dürften ,ungefähr denen entsprechen, die in Jabre 1SG3 General Müromew zur Nuderwersirng des volnischen Ausstandes erhielt. Für Odessa hat die Nachricht von Jgnaticws Entsendung eine Panik hervoraenffen und m vielen Kreisen wird bcsiirchtet, daß sie neue Revolten zur pwlge haben ^^Petersburg, 3. Juli. Laut Privatmeldungen auS Sewastopol verweigerte die M an nschäft der gesamten Flotte den Gehorsam, weshalb der Admiral, um sein und seiner Offiziere Leben zu retten, die Schiffe abrüsten und die Mannschaften entlassen mußte.
In Kronstadt
sind <m Bord d-s Streu 5 er8 i". in in" et”N- Unrur-« Die Matrosen f-^schlessen. d"s Jnstegehen des Kreuzers mit dm örteren Schiffen des Uebungsgeschwaders mch allm Mitteln m verhindern. Die Befatzimg wies auf das Alter und den schlechten Zustand,des Kreuz e rs btn, der nicht nur unfähig sei, an den Saneßübunaen, der einfachen Fahrt teilzunehmeii. Es sind Maßregeln yE die aufwieglerische B^anng ergriffen word^. Der „Mmutz wurde durch Schleppdampsir bis »um.dritten Fort vmi Kroi^t in See aesührt, wo er verlffieb. — In der Stadt herrscht Ruhe. Die streikenden Arbeiter nastrnm d-e 9irbeit wieder auf.
vtt. 154
aufeet ©onniafl*. jfccm Gießener Anzeiger werben im Weediel mit Vern fonbmtrt
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Uhrtfle für Tepcldjau «uietger Gießen.
gernsprechonlchluß Ar 61.
«Gegner.
Die gestrigen letzten Meldungen über die Vorgänge in Odessa bestätigen, daß außer dem „Potemkin" noch weitere Kriegsschiffe den Gehorsam versaateu. Auf die Flotte ist keinlBerlaß mehr, hat doch dus Schwarzemeer- Geschwader bis auf weiteres zu existieren aufgehört. Es steht dem obersten Kriegsherrn nicht mehr zur Verfügung. Eme taube Nuß ist alles, was von ihm zurückgeblieben ist. Die wenigen Kriegssahr^euge, die noch auf dem Schwarzen Meere schwimmen, sind heute nahezu das einzige Besitztum Rußlands zur See. Das Geschwader, das von Sewastopol ausgelaufen war, um der Meuterei des „Fürst Potemkin" den Garaus zu machen, ist unverrichteter Dinge zuruckgekehrt. Die mit anspruchsvoller Bestimmtheit lstnausposaunte „Reuter"-Meldima, daß die Besatzung des „Fürst Potemkin" sich dem Vizeadmiral Krieger ergeben habe, war falsch. Der „Fürst Potemkin" schwimmt vielmehr als eine neue unabhängige europäische Macht, der die bisherigen russischen Beherrscher des Schwarzen Meeres nichts anhaben können, auf den Fluten herum. Zwischen dem Vizeadmiral Krieger und den .Rebellen hat sich bloß eine gemütliche Unterhaltung abgespielt. Vizeadmiral Krieger erklärte dem „Fürst Potemkin" durch Flaggenzeichen, er sei nach Odessa gekommen, um — nach Sewastopol zurückzukehrcn. Der „Potemkin" seinerseits meldete, daß er es vorziehe, in Odessa zu bleiben, also: Glück auf den Weg. Um seinen Beschluß, sich vom Geschwader des Vizeadmirals Krieger nicht ins Bockshorn jagen zu lassen, noch deutlicher zu dokumentieren, machte der „Po- temkin" klar zum Gefecht und zog so dicht ant Geschwader vorbei. Er ließ das Geschwader sozusagen Revue passieren, und nachdem dies geschehen war, empfand Vizeadmiral Krieger offenbar, daß er seine Pflicht erfüllt habe, und machte sich davon. Mein er nahin durchaus nicht alle die Schiffe mit, die er aus Sewastopol nach Odeffa gebracht hatte. Der Danzer „E'rrai Pobiedonoszew" und zwei andere Schiffe blieben als gute Freunde au der Seite des „Potemkin" zurück. So ging der „Poirmkin", genau wie die Japaner aus der Ts11schüma-Schlacht, auS dem Zusammentreffen mit dem kaiserlich russischen Geschwader, um ein BeträStliches gestärkt hervor. Doch damit war das Spiel noch nicht zu Ende. Die nach ^wastopol zurückgekehrtcn Gefchwaderkonkmandanten erklärten sich — offenbar wegen der völligen Unzuverlässigkeit der Besatzungen — für machtlos. Sewastopol ist zwar russischer Krwgshafen, allein die Kommandanten versiihren so, als ob sie in c !-"cnr fremden Aasen unter NeutrEätsgesetzen sich besändeu: sie rüsteten ab. Die Schiffsmaschinen wurden aus'gelvscht, ein Teil der Matrosen und selbst der Offiziere beurlaubt. Vizeadmiral Krieger famt nunmehr dem Kaiser melden: „Wir haben nichts erreicht, aber wir selbst und die Schiffe sind wenigstens unversehrt geblieben."
Der „Georgi PobjedonvSzew" hat sich, nachdem er.anfangs die Partei der Meuterer ergriffen hatte, später eitus anderen besonnen, der „Potemkin" dagegen fiihrt seine anfängliche Rolle weiter durch. Er lief von Odeffa rumänische Häfen an. . -i
Die heutigen Meldungen lauten:
Beiwe8»r«t*t monatlich 76 viertel-» jährlich Mk. 8.20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 8.— viertel- jährl. auSschl. Bestellg. "inahme oan Anzel'NS ’üt die tr län-ittmet
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nnswSttO '*'* Wz. £;e*introoi/.Beö |ift den poÜL und tJx;eht. Teil! v. Wtllko; lüt , Stabt unb Land'' und ^GcrichtSiaaf: 91 u au ft Daetz. mr den An- ^eiaentell: OanS Deck.
Vom „Potemkin".
Bukarest, 3. Juli. Der „Pviemk^ist aus Odessa m Eonftanza eingetroffen. Die meuiernden Matro,en hißten die rote Fahne unb erzählten, der Aufstand sei von emem revolutionären Komitee organisiert. Sie verlangten Vorräte und verhandeln Über ihre Ausschiffung. Sie erklären ferner, bte Se- baswpoler Flotte habe mit ihnen fraternisiert. ,
E o n ft a n z a (Rumänien), 3. Juli. Die rmnanische Regierung stellte Poften aus, um eine Landung der Meuterer des Potemkin zu verhindern.
London, 3. Juli. „Daily Mail^ meldet aus C o n ft a n z a. Der Kommandant der rumänischen Schwarzen Meer-Division ging an Bord des hier eingefrorenen russischen Panzers „potemkin imb wurde mit dem Üblichen, seinem Range angemcsseneii-Loalnfe durch eine Abordnung von Matrosen empfangen, die um die Erlaubnis uatÄuchten, Vorräte einzu kaufen. Dieie Erlaubnis wurde ihnen bis zum Eintreffen näherer Instruktionen ans Bukarest gegeben. / .
Vubavest 3. Juli. (W. P.) ' Dev „Budapester May" meldet in seiner Abenbausgabe aus Constanza: Der^Mannschaft deS „Kjnaes Potemkin" gelang es, in Constanza Proviant und Kohlen zu kaufen, weil die Einwohner ein Bombardement befürchteten. Die Matrosen des russischen ^>tatwns- schifses fraternisierten mit den Meuterern, denen sie an Land ^^öularefl, 3. Jvli. In Begleitung des „Po-
Aie üeutige Kummer nmfaßt 10 Seiten.
Die Anarchie in Kußsand.
Die Meuterei in Odesia und Kronstadt.
Der Treubruch hat stets und mit Recbt für das aller- erbärmlichste gegolten. Vollends der militärische, weil er die Axt legt an die Wurzel altes Bestehenden, soweit es in der Form des Staates erscheint. Die Legislative eines Staates kann versagen, die Gesehgebungsmaschinerie kann still stehen, und es braucht doch noch kein allgemeiner Zusammenbruch daraus zu folgen. Dann wird eben fortgewurstelt; „ex lex" bedeutet, wie wir das in jüngster Zeit in Ungarn gesehen haben, nicht Anarchie. Aber wenn die ausführenden Organe einer Regierung revoltieren, vornehmlich diejenigen, welche ihre ultima rakio dcrrstellen, dann ist die Gefahr ungeheuerlich.
In Rußland erleben wir jetzt dieses Schauspiel. Die Niederlagen auf den Schlachtfeldern Ostasiens konnte die russische Regierung überleben, mit ihrer gewaltigen Militärmacht konnte sie auch 'die inneren Feinde niederhalten, bis sich die Anschauungen klären über die Dersassungsfragen. Aber von dem Augenblicke an, da ihr die militärischen Machtmittel aus den Händen gleiten, ist ihre Krast gebrochen, und retten kann sie nur noch die Uneinigkeit ihrer


