frfmitte geliefert.
tFeficmfhing aufaeffent 6at, bi? ich rrndimaT?
im.) Nun bat ber
mehrte, daß sick in der Bergarbeiterangelegenheit der fotfalbenw* kratifche Partcivorstanb und die io^iaTbemofratiftf’e Presse — es i ist die „Frankfurter Zeitung", die spricht — geradezu tävpifck be« 1 nornrnen batten. Mit ibrer abgebrauchten Wafchzettelpbrafeolvgie : hätte die Sozialbemokratie wieder mal eine große Dummbeit ge# ’ macht. Ein anderes, gleichfalls den Forderungen der Arbeiter i sbmvatbisch gegenilberstehendes Blatt, die »Köln. VoffSztg.". wicS । während des Streiks darauf hin, daß der ..Vorwärts" den Kamm der Bergarbeiter aufs äußerste erschwere. Sie wieß auf die Schuld ' bin. welche die sozialdemokratische Presse an der Unerwünschten Gestaltung de? Bergarbeiterstreiks traae imb bob hervor, daß. ie mehr die Sozialdemokratie stch in den Vordergrund dränge, um so mehr andere Kreise zuruckgestoßen würden, auf deren.Sympathie und Unterstützung die Arbeiteroraaniiationen angewiesen waren. Indem die sozialdemokratische Presse alles tue, um den streik der Bergarbeiter nicht zum Abschluß kommen zu lasten, babe sie bewiesen, daß sie durch ihre Voreingenommenbeit und Einseitigkeit für wirkliche Arbeiterinteresten kein Herz und kein Verständnis babe. In einem sebr arbeiterfreundkichen Blatt babe ich gelesen, daß der Abg. Bebel in jener Rede, die er damals während des Streiks in diesem Hause gehalten und auf die er eben Bezug ge» nommen hat. so gesprochen bätte, als ob er dem bergbaulichen Verein zu Hilfe kommen wollte. Diese Austastung will ich mir nicht gerade zu eigen machen, aber das erkläre ich allerdings, daß mir kaum ein Beweis — ich muß wieder dasselbe Wort gebrauchen — von verknocherterer Anschauung vorgekommen ist, als die damaligen Ausführungen des Abg. Bebel. Der Abg. Bebel bätte wirklich nicht anderes sprechen können, wenn es seine ?lbsickt ge- wesen wäre, die arbeiterfreundlichen Bestrebungen der Regierung zu hintertreiben und die bürgerliche Gesellschaft irre zu machen in ihrer sozialpolitischen Tätigkeit.
Wenn der Herr Aba. Gothein eben gemeint hat, ich bätte mich bemüht, im Abgeordnetenbause den beiden Novellen zum Berggesetz eine scharfmacherische Nüanee. einen scharfmacherischen Ebarakter zu geben, so bestreite ich das auf das allerentschiedenste, aber das sage ich. einer der wirksamsten Helfer des Scharfmachertums, das ist der Db§. Bebel. (Beifall.) Er ließ ihnen immer und immer wieder Argumente für die Behauptung zukommen, daß die Erfüllung von Arbeiterforderungen nur dazu diene, die revolutionären destruktiven Tendenzen zu bestärken. Nun hat der Abg. Bebel zu meiner nicht geringen Ueberrafckung ,^r gewiste Fälle, für eine gewiße Eventualität seine und seiner Freunde Bundesaenostenschait in Aussicht gestellt unter der Voraussetzung, daß ich nach links rutschen soll, unter der Voraussetzung, daß ich die Sicherheit des Landes kompromittieren soll, indem ick nicht mebr für die Ergänauna. für die Aufrechterhaltung, für die Vervollständigung unserer Rüstungen sorge. Ed war mir sebr charakteristisch, daß sich des Abg. B-'bel bei dieser seiner Aeußemmg, als er von einer möglichen Bundesgenostenschaft seiner Partei sprach und_ man ihm zurief: »Auf wie lange?", eine gewiste Verlegenheit bemächtigte, die ich sonst nicht an ihm gewohnt bin. lGroße Heiterkeit.) Auch erinnere ick mich zu deutlich, daß der Abg. Bebel bei verschiedener Gelegenheit und na mentlich in Amsterdam mit derieniaen, Offenheit, ich mochte das frcmzösiscke Wort gebrauchen, mit derjenigen candenr. die ich an- ernenne, gesagt hat, daß die Sozialdemokratie alle Konzessionen, die man ihr mache, annebnie, sie laste sich jede Vundesaenostenschaft 0^ fallen, sie halte aber fest an ihren letzten Endabsichteu und diese ! tzten Endabsichten, die wären die Ohnmacht des Landes nach e.nßen imd die Anarchie nach innen. Nim bat sich der Abg. Bebel uoch dagegen gewandt, daß ich gesagt hätte, ich wurde, solange ich ’iier stände, mich zur Wehr setzen gegen die kulturfeindlichen und gegen die freibeitsfeindlichen Bestrebungen und Tendenzen der.Sozialdemokratie. Der Abg. von Kardorff bat eben schon hingewiesen auf den Widerspruch zwischen einem solchen Anspruch auf Kultur und dem Ton ich kann wobl sagen, d-n sehr roben Ton der sozialdemokratischen Preste. Der Herr Abg. Bebel bat gemeint, daß diefe meiner Auftastung von der Freiheitsfeindlich:'st und von der .Kulturfeindlichkeit der Sozialdemokratie, daß die nur geteilt^ wurde von einem sehr kleinen Kreise meiner politischen oder persönlichen Freunde. Das bestreite ich auf das aller-nsickiebenste. sSebr richtig! rechts.) Ich bin im Gegenteil der festen lleberzeuaung, daß die Mehrheit des deutschen Volkes nicht die mindeste Lust empfindet unsere verfassungsmäßigen Zustände zu vertauschen mit der uns in Aussicht gestellten Diktatim des Proletariats (Gelächter bei den Soz.) mit der uns in Aussicht gestellten ZucbtbauSordnung. (Erneutes Gelachter imd Widerspruch bei den Soz.) Jawohl, Zuckt - hai:sordmmg, imd die alte und bewährte Kultur zu vertmifchen mit einer banausischen Gleichmacherei, daß sie gar keine Lust empfindet, die subiae, friedliche, gesetzliche Entwicklung einzntmstcken mit einem Wirrwarr, der nach aller geschichtlichen Erfahrung schließlich immer wieder mit dem Säbel durchbauen worden ist. (Lebhafter Beifall!
Aba. Sieg (nl.) polemisiert gegen die Polen und bemerkt, die Polen hätten den Deutschen den Kampf aufgedrängt und die Polen hätten es sich selbst zuzuschreiben, wenn der Kampf für sie zu einem ungünstigen Ende führen werde. Die jetzige Polenpolitik der R«"sier"'m müste konstauent w-'t«»r betrieben werden.
Abg. Blumenthal l.Hoiv. der südd. Vv.): Gestatten Sie. daß ich Sie für einige Augenblicke aus dem Osten in den Westen führe, nach Elsaß-Lothringen. Es ist da ein förmliches Projekt zur Verfassungsänderung im Umläufe. Aber in Elsgß-Lothringen selbst besteht nickst die geringste Neigung, den Einfluß Preußens im Bundesrat zu stärken. Und das würde der Fall sein, wenn Elsaß- Lotbringen Vertreter im Bundesrat bekämen, die doch von Preußen instruiert werden müßten. Eine ganz andere Frage wäre die Umänderung der Volksvertretung. Der Landesausscbuß kann als eigentliche Volksvertretung nickst gelten. Er setzt sich zusammen aus Vertretern von Körperschaften, die zu ganz anderen Zwecken bestimmt sind. Er müßte auch aus direkten allgemeinen Wahlen hervoraeben.
Dann noch eins: die marokkanische Frcme interessiert gerade Elsaß-Lothrinaen aanz besonders, weil dem Elsaß an den deutschfranzösischen Beziehungen besonders viel liegt. Wir wollen hoffen, daß diese durch die Marokko-Angelegenheit nicht leiden.
Abg. Bebel (Soz) bleibt dabei, daß der Reichskanzler frier eine Drohung ausgesprochen habe, in einem Moment, wo dazu nicht die geringste Veranlassung vorlag. Seine »verknöcherten^Ansichten" über die preußische Regierung könne er (Redner) nickst ändern: sie habe doch die' Umsturzvorlage, die Zuchthausvorlage vorbereitet, und sie halte an dem infamen Wahlrecht zum preußischen Lond-
tag fest.
Präsident Graf Ballestrem: Sie dürfen ein Wahlrecht, das in einem Bundesstaate besteht, nicht infam nennen!
Abg. Bebel: Wenn die preußische Regierung dieses Wahlrecht absch-afft. will ick meine „verknöcherten Anschauungen" über sie gern ändern. Gibt es eine größere Mißachtung der Arbeiter, als wenn das preußische Handelsministerium dem jetzt tagenden Bergarbeiterkongreß erklären läßt: es habe feinte Zeit, sich da vertreten zu lasten? ' (Lebhafte Zustimmung bei den Soz.) So lange die preußische Regierung so denkt, können wir unsere Haltung ihr gegenüber nickst ändern. Und das Reichsamt hat die Beteiligung am Kongreß abgelehnt, weil das Bergrecht „Landessache" fei! Diese Erklärungen haben unter den Bergarbeitern mehr böses Blut gemacht, als das Fehlen mancher Bestimmungen in her Novelle.
Reichskanzler Graf Bülow: Die Mehrheit diese? Hauses durfte mit mir darin übereinstimmen, daß die Kanonade, die wir eben gehört, mehr ober weniger ein Rückzugsgefecht war. Und den fliehenden Feind soll man nickst mit zu scharfen.Waffen verfolgen, man soll ihm goldene Brücken bauen. (Heiterkeit.) Deshalb gehe ich auch auf die kl-inen Malicen nicht ein, mit denen Herr Bebel seine Reden durchflochten bat, zumal dieselben weder besonders neu, noch besonders reizvoll waren. (Heiterkeit.)
Ich wiederhole nochmals: Das, was ich bei Beginn des Streiks gesagt habe über die Notwendigkeit, die Ordnung und die öffentliche Ruhe aufrecht zu erhalten. Das ist nur die Feststellung eines Grundsatzes, der in jedem geordneten Staatswesen gilt und vorläufig leben wir in Preußen, in Deutschland noch in einer Monarchie, und da wird die Ordnung aufrecht erhalten. (Beifall.)
Verstärkung nicht wird tragen wollen.
$n Sachen der Gesellschaft „Südkamerun" will ick> bemerken, daß ihr Land durch Hunderte von Meilen von dem Buli-Gebtet entfernt ist. Die Gesellschaft hat für die kulturelle Entwicklung des Landes fehr viel getan, sie hat die Eingeborenen stets mst behandelt. Dies liegt schon in ihrem eigenen Interesse, um bte Eingeborenen zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes brauchen zu können.
Der Kolonial-Etat wird bewilligt, ebenso der Etat für Kiautschou. Angenommen wird ferner folgende Resolution: . , . , , e
Den Reichskanzler zu ersuchen, den ni chtetats - mäßigen Retcbspoftbeamten i n d e n T cP u tz - gebieten für den Fall eintretender Dienstunfähig kett dieselben Vergünstigungen zukommen zu lasten, wie sie den anderen nicktetatsmäßigen Beamten der Sckmtzaebiete und deren ^nnters bitebenen gemäß der Denkschrift zum Haushalt der -Schutzgebiete für das Rechnungsjahr 1905 zukommen.
Es folgt der Etat des Reichsamts des Innern.
Abg. Dr. Becker-Hesten (natl.): Ich muß das Haus um Entschuldigung bitten, daß ich auf die Angriffe des Abg. S(betbettiann vom 10. März nochmals ziirückkomme. Ich bin der Ansicht, und ich glaube, der größte Teil des Hauses stimmt mir barm bet, daß die Tribüne des Hauses nicht benutzt werden darf, um tn rein persönlicher Weise einen Kampf zu führen, in dem man sachlich schon unterlegen ist. Die Reichstagswahlen von 1903 haben doch
ich ihm. daß, wenn die Regierung feine ober feiner Freunde Unter* ftütuma und Hilfe irgendwie in Betracht zielten soll. dann dürfen Sie sich nicht nur maufern. fandern müsten sich eine ganz andere Haut mifchaffen. (Große Heiterkeit.) Nun hat Der ?lbo. Bebel mir mich vorgehalten, daß ich öfters mir erlaubt ho e; an ibn die Frage zu richten, wie es eigentlich mit feinem Zukunf ^staat befck'gffen fei. baß ich baraitf bingewiefen habe, baß ein grc ter Abstanb b"stehe Zwischen den Hoffnimoeu. die die Sozialbemokro :c erwecke unb her fpärlichen, bürftigen Mitteilungen, die wir über Lm rciTen Inhalt feines Zukunftsstaate? hören. Als er sich heute anfckickte. die F^age anntfchneiben, da backte ick. mm kommt er eublich, mm wirb er enblich aereizt (große .Heiterkeit!, aber es war wieber einmal nichts, ber Zukunftsstaat kommt niemals aus bem Futteral heraus (Große Heiterkeit.) Da? ist ein llnreckst geoen bie Arbeiter, ihnen Dinge an bie Wanb zu malen, über bi- Sie nichts Konkretes vor biefem holen Hmife erklären können. Ich erkenne an. baß er bas Verhalten berienigen ferner Parteigenoffen im Auslände mißbilligt, bte bei Streiks anbere Mittel angewanbt hätten, wie sie in biefem Falle bie vreußifche Regierung angewanbt hat. Daß er diefe? Verhalten feiner Parteigenosten von feinem Standpunkt aus mißbilligt. das mag ganz gut und schön fein, aber wenn die Portei- genosten im Ausland, trenn sie vor bas Problem bes Streiks gestellt werben, sich so verhalten, ^arm foll ber Aba. Bebel nickt ein folckes Geschrei erheben über ben Splitter hrt Auge ber Regierung, er sieht dabei nickst ben faustdicken Baffen im Auae feiner Freunde. Der Abg. Bebel hat mit großem Recht in Amsterdam. auf dem s^rialbemokratifcken Parteitag gesagt. — das bitte ich Sie, sich tu? Stammbuch zu schreiben —: „Die Republik ist nicht so gut, wie wir sie macken, imb bie Monarchie ist nicht so schleckt, wie totr sie machen." (Große Heiterkeit unb Beifall.)
Abg. KnlerSki (Pole) meint, die preußische Polenpolitik harte stets Kontinuität besessen, ihr Endziel sei stets die Germatiisierimg ber Ottmarken gewesen. Die Polen hätten sick nur gewehrt, denn sie wünschten den Frieden. Der unfähigste Beamte schreie jetzt' Auf zum Kampf gegen die Polen!, es fei schon so weit, daß man nicht ungestört mehr polnisch auf der Straße fprechen könnte.
Abg. Lattmann s?lntts.) führt aus, der Abg. Bebel fei nicht der legitimierte Vertreter aller Arbeiter, wenn es nicht im Rubr- ocbiet auch christliche Arbeiter geaeben hätte, würde es für die Sozialdemokraten eine böse Geschichte geworden sein.
Hiermit schließt die Generaldiskussion. In der Spezialdiskussion werben debatteloS bewilligt die Etats des Reichstags, des Reichskanzlers, der Reichs - kanzlei und des Auswärtigen Amts.
Beim Kolonial- Etat fragt
Abg. Dr. Erzherqer (Ztr.) an, ob es richtig sei, daß Sud- Kam ein m sich in offenem Aufruhr befinde. Die Süd-Kamerun- Gesellschaft besitze große Reckte und müste von ihrem Verdienst nur 5 Prozent an die Landesregierung abgeben, sie suche alles mögliche aus der Kolonie her auszuschlagen, da würde es nickst hnmber ncrmen, wenn die Eingeborenen sich empörten. Bisher soll, nur em Weißer ermordet sein, diese Tatsache allein beweise noch nicht, daß ein Aufstand bestehe, denn auch in Berlin kämen Mordonfälle vor.
Kolonialbirektor Dr. Stübel: Die Gründe, die uns veranlaßt
Wenn der Abg. Bebel gesagt hat, ich hatte mich für die Unternehmer, für die Zechenbesitzer, in einer, wie er sich ausbrückt, zärtlichen Weise ausgesprochen, so würbe ihn ein Blick in diejenigen Organe, die mehr oder weniger als das Sprachrohr des bergbaulichen Vereins gelten, wie z. B. die „Rheinisch-Westfälische Ztg.", vom Gegenteil überzeugt haben. Gewiß, ich befleißige mich ber Gerechtigkeit, unb deshalb verkenne ich nicht, daß die Unternehmer im Ruhrrevier Männer sind, bie burck rastlosen Fleiß. (Zuruf links: „Ihrer Arbeit!") bie burch große geschäftliche Tüchtigkeit, burck hohe Intelligenz der deutschen Industrie ihren Weltruf erworben und ihre Weltstellung erobert haben. Aber ebenso offen unb rückhalt''os. wie ick das anerkenne, habe ick auch bie Punkte namhaft gemacht, wo nach meiner Ansicht bie Unternehmer imb Grubenbesitzer im Ruhrrevier nickt richtig overiert haben. Ick habe bas gesagt, weil ick glaubte, daß ibre Haltung gegenüber dem letzten Streik feine politisch, feine taktisch richtige war. unb ick wiederhole auch bei biefem Anlaß, daß ich die Opposition, bie ber berabaulicke Verein gegen bas Berggesetz gemacht hat. beklagen muß. Ick habe mich, wie ick es vorhin auSgeführt habe, einer durchaus sachlichen -mb unparteiischen Haltung beffeifnat.
Der Abg. Beb hat behauptet, ick hätte ihm Aeußerungen in ben Mnnb geleat. bie er nickst getan bat. Er möge bock, damit an# fanocn, mir nickt Aeußenmaen in ben Munb zu legen, bie mir niemals einaefallen finb. Ick hab? niemals gesagt, daß ber Abg. Bebel behauvtet hatte, ber Abg. Erzberger hätte mir Zeitimasaiis- fchnitte geliefert. Ick habe nur gefagt. daß ein .'Zialdemokrot'sches Blatt, ein leitenbes unb tirhrenbe? fozialbemok' tisckes Organ diese " einen albernen
gezeigt, daß nickt nur die große Mehrheit der bürgerlichen Parteien, sondern auch ein großer Teil ber Arbeiter mir ihre Stimmen gegeben haben. Ich kann ja wohl ben Haß verstehen, mit dem mich seit längerer Zeit bie sozialdemokratische Prest? unb bewnbers das Organ des Abg. Scheibemann, das „Offenbacher Abendblatt", verfolgt hat. Ich bin in einer Weise persönlich belästigt worden, wie es noch niemals im Deutschen Reiche vorgekommen ist. Ich erinnere nur daran, daß man. als ick mit einem Automobil fuhr, ein Seil über bie Straße gespannt bat. um mich zu strangulieren. sHört! hört! bei ben Natl.: Gelackter bei den Soz.) Wenn Sie hierüber kacken, beweisen Sie nur, daß Sie von Ihren Anhängern nock mehr erwarten. Ick ernnere daran, daß man mich am Tage ber Stickwahl auf ber Straße hinterrücks zu Boden geschlagen hat (hört! hört!), daß man zweimal ben Griff meiner Hausglocke mit Mensckenkot beschmiert hat. Man hat sick bann zu meiner persönlichen Sicherheit veranlaßt gesehen, ständig zwei Gendarmen bei mir aufzustellen. bei Fahrten zu Patienten ritt stet? ein Gendarm hinter mir. Man hat in ber Nackt bei mir geklingelt, imb wenn meine Frau bann am Fenster erschien. _um zu fragen, ob ein Kranker da fei, bat man sie mit den unflätigsten Worten überschüttet unb ist for kaufen. (Hört! hört!) Diefen Kampf auck in den, Reickstag zu übertragen und mich von ber Rebner- tribüne zu v-wimalimpfen, da? blieb dem Abg. Sckeidemann Vorbehalten. Ms am 10. März mein Freund Büsing versuchte, meine Abwesenheit mit dem kürzlich erfolaten Tode meiner Frau zu rechtfertigen. da war es ber Abg. Sckeidemann. der erklärte, der Abg. B'"nua habe einen Appell an bie S-nsim-ntalität bes Haines gerichtet. der ganz unangebracht fei, ba Frau Dr. Becker fckon seit brei Wockeu verstorben fei, unb dieser selbe .Herr schreibt als Redakteur des Offen ho her Abendblattes selbst ü^er den am 24. Februar erio'nten Tob meiner Frau. Unwahr ist auch bie Be- baitptimo des Abg. Sckeidemann, baß ich fckon am 18 Februar auf 14 Taoe beurlaubt fei: ick bin erst am Tage bes Tobes meiner Fron :::: 21. Februar, nack ben arntffcken Akten beurlaubt worden.
Herr Sckeidemann sagte zunächst: „In einem kleinen Orte ristierte ein Sanitätsverein . . . Wenn er meinen Artikel „Zur Krankenarzffrage" gelesen hat, so muß er willen, daß in Svrend- lingen nicht ein, sondern 3 Sanitätsvereine emittierten. Ich war auch nicht der einzige Arzt dort, sondern neben mir vraktizierten noch 2 andere. Sprendlingen ist auch kein kleiner Ort. sondern bat 5000 Seelen. Herr Sckeidemann sagte: „in einem so kleinen Ort könne man mit den Leuten alles machen, was man wolle". Ich möchte willen, wie es bei 5000 Seelen möalich fein tollte, die Leute am Gangelbande au führen. Wie kam ick überhaupt dorthin? Gerade die Parteiaenollen des Herrn Sckeidemann waren es, die mich hinzogen. Die Zwei Sanitätsvereine dort tollten zufammen- oefckmolzen werben an einen, imb in den Vorstand diese? einen Vereins batte man wohlhabende Leute gewählt. Darüber beschwerte sich die ärmere Bevöfferuna und sah sich nach einem neuen Arzt um. Ein- Deputation kam zu mir. bot mir die Stelle an. Ich erklärte: nur unter aanz bestimmten Bedinaimaen würde ich meinen Wohnsitz weckteln. und unter keinen Umständen den übrigen Aersten Konkurrenz macken, weshalb das Arzthonorar entsprechend normiert werben mußte. Die Leiste gingen darauf ein. und e§ winde mir mich ein Mindesteinkommen garantiert. Ms ich einiae Jahre praktiziert hatte, verließ erst der eine, dann der andere Ar st ben Ort. ich blieb feit 1895 al? der einzige Arst dort. Daraus kann sich jeder einen Begriff von bem Umfang meiner Tatiakeit macken, aber auck von meiner Beliebtheit gerade ^bei den Arbeii-rn. Herr Sckeidemann farrte, »ich hätte ben Semitätsverein aistaelöst". Ja, wie kann ich das? Ich bin dock nicht der Verein. Ick sprach nur ben Wunfck aus, statt eines Sanitätsv-reins eine Familienverllck.:- runa ins Leben zu rufen. Warum? Nun, die Leiste wollten mög- lickst frei sein, nicht nur oem Arst. fondem mich dem Vorstand gegenüber. Daher ging der Vorstand darauf ein und sistierte fern
Eine offizielle Auslösung des Vereins ist noch bis heute nicht erfolgt.
Der Aba. Sckeibemonn hot hier in fernem korrigierten ^teno* ^remrm etwas wefentkick anderes stehen als in feinem unkorriaierten Stenogramm. Im „Vorwärts" stand nämkick, daß ick ben Verein g''fgeköst habe gegen da? Versprechen, bie bisherigen Mstakieder des Vereins umsonst an behandeln. Das Wort „umsonst" war noch saaif fett gedruckt. Man wollte mich nur bei meinen Kollegen an# schwärmen, daß ick, ber ick immer für hellere Honorare einaetreteff bin, bei mir den Leisten verivrecke, iMisonst au arbeiten. Hier nn ^nrriaierten Stenogramm ist mm ab-r das Wort „gratis" mehrmals burckstricken. (Hört! hört!) Der Abg. Sckeibe.mann führte Sinn auch wester von mir aus, ber Mann bekam immer mehr Oberwaller, er mackte sich auch polstifck unangenehm bemerkbar. ^Heiterkeit.) Diefe? Wort ist dem Zaun der Zahne hebet in einem unbedachten Augenblick enffvrunaen. denn kurz vorher haste ber Abg. Zickest meinen .Kollegen Miiadan aufgefordert, einen Arst auf ben Tifck des Hmife? zu legen, der wegen feiner politischen Anschauung irgendwie bohfottiert wurde. Ick war leider nickt ba, imb vielleicht hätte auch die .Kraft des Abg. Miiadan nicht an§# gereicht, um mich auf den Tißb des Kaufes zu legen. kHesterkcit.)
Daß Aerzte gemaßregelt werden,^wenn sie sich politisch »unangenehm bemerkbar macken", bestätigt mir auch ein Kollege ut einem Briefe, der mir schreibt: „Wenn ick politisch aitftreten würbe, würde vielleicht auck meine ärztliche Stellung gefährdet fein! (Zuruf b. d. Soz.: Vielleicht!) Ja, vielleicht! Er bat sick eben vorsichtig aiidgebrückt. Ich foll mich politisch „unangenehm bemerkbar" gemacht haben, während da? „Offenbacher Abendblatt" doch bei der Wahl schrieb, daß man vor 2 Monaten den Politiker Dr. Becker überhaupt noch nickt gekannt habe! Ick verstehe es daß Sie mich um jeden Preis tot macken wollen. Wenn ein Wahlkreis bereits so lange sozialdemokratisch verseucht ist und bann bieie; Hochburg der Sozialdemokratie plötzlich von „biefem Kerl aus! Sprendlingen" — wie sick das „Offenbacker Abendblatt" au8#l drückte — genommen wirb, von bem man 12 Jahre lang überhaupt^ nichts gehört hat: ja, da verstehe ick den Haß. Der Abg. Scheide-, mann erklärte auck wester, baß erst jetzt bie Leiste zur Besinnung gekommen unb einaefehen hätten, eine Dinmnhest gemacht z« haben. Sonst wirb boch immer behauvtet, baß bie Arbeiter bte intelligentesten Leute seien, unb da gebrauchen sie 12 Jahre, unt eine Dummheit einzusehen? Da§ ist eine sonderbare Intelligenz. Die Sacke liegt aber anders. Als im Jahre 1901 bei ben ®e# meinbercstswahleri infolge ber Uneinigkeit der bürgerlicken Parteien die Sozialdemokraten den Sieg errangen, da richtete sick ihr gegen alle, die nickt auf ihrer Seite stauben und gegen bte, welche sich überhaupt nicht an ben Wahlen beteiligt batten.
Da trat bas Regiment bes Terrorismus ein, ba wurde jeder niebergeknüttelt. ber nickt burck Tick unb Dünn mit den Sozial- bemokraten ging. Zu ben Opfern follte auck ick gehören. H«- nächst sollte meine wirtschaftliche Epifteiiz ruiniert toerbetL us kamen einige Sozialbemokraten ZU mir unb verlangten, im 'E für bte Konsultation 50 Pfg. statt 75 Pfg. nehmen. Also die Sözialbemokraten als Lohnbrückerl Sie, bie immer bie Verdatmme bestem wollten! Zehn Jahre lang Hatte ich zur größten 8ufTT?ben* beit ber Arhester meine Prarts ausgeübt, ich batte ca. 1000 Familien. bei benen ick Hausarzt war. Ich konnte die Arbest ntan mehr bewältigen, ick riet ben Leuten, einen zweiten Arzt kommen zu lasten, eine Familienversickerung ins Leben zu rufen. Alw trn selbst Habe biefe Einricktung ben Sozialbemokraten
Unb ba sagte Herr Scheibemann: ich fei Hinter biefe Absickt. gekommen! Herr Scheibemann sagte: ich wäre bann tn die HwK gelaufen, um zu fragen, wie bie Geschickte stehe. Die „Geschick » bie ich selbst rnauguriert habe. Ich soll dann Drohungen aitdg stoßen haben, bie Leute brotlos zu machen ufto. Dies Mize Material ist bereits in Flugblättern verwanbt unb 1902 umer nicht worben. Die Arbeiter, bie mich kannten, wußten ganz genau, baß ich niemanb habe brotlos machen wollen. Kein Gebantt Brotlosmachen, bas hat mir der Betteffenbe, um den e? n® handelt, noch erst am Freitag bestätigt. Die anderen ebenso. D« soll der eine Arbeiter, dem ich solch etne Drohung,
Sckwinbel charakterisiere. (Sehr gut! im Zeu '?Tbg. Bebel weiter gemeint, ick unterfckätze die Hilfe, bie eventuell hie Sosialbernokratie ber Regierung bieten könne Daraus erwidere
haben, für Kamerun eine schleunige Verstärkung der Sckutztrupve zu verlangen, habe ick bereits am 18. März hier dar gelegt ES handelte sick bei der Verstärkung nickt um eine Reprefsivmaßregel gegenüber emgetretenen Unruhen, sondern um eine Präventivmaßregel gegen unliebsame Ueberraschungen. Der Gouverneur, der bei seiner Anwesenheit in Berlin noch ber Ansicht gewesen war, daß die Schutztruvve genüge, hat offenbar nach feiner Rückkehr in bie Kolonie aus allgemeinen Svmptomen heraus bie Ueberzeugung gewonnen, baß bie Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit die Vermehrung der Sckutztruppe erfordere. Die Kolonialverwalttmg hat lediglich ihre Pflicht getan, indem sie die erforderlichen Schritte einleitete. Ms ein hiesiges Blatt die Nachricht brachte, daß in Südkomerun ein allgemeiner Aufstand ^ausgcbrochen sei, und daß die Kolonialverwaltimg bereits seit fünf Tagen davon Kenntnis habe, da haben wir alsbald der Öffentlichkeit mitgeteilt, daß der zweite Teil der Behauptung unzutreffend sei, daß im Gegenteil das letzte Telegramm eine unmittelbare Befürchtung ausschließe. Gleichzeitig ersuchten wir den Gouverneur um ausführliche telegraphische Nachricht. Seine telegraphische Antwort haben wir auch sofort veröffentlicht. Sie bestätigte zunächst, daß die Lage unverändert fei, daß aber mit der Möglichkeit eines,Angriffs fettens der Buli gerechnet werde. Das einzige konkrete Ereignis war die Ermordung des Kaufmanns Kundreich.. Die ^olonialver# toaltung glaubte nun. daß etwas mehr Vorsicht jedenfalls bester am Platze wäre, als etwas weniger. Und ich glaube, daß auch der Reichstag die Verantwortung für eine eventuelle Ablehnung der


