Ausgabe 
29.3.1905 Zweites Blatt
 
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lichsien, nicht wiederzugebenden Schimpfttamen wurde es ge- rufcn. Angesichts der großen Brutalität hielt das Gericht die Strafe nicht für ausreichend und erhöhte sie auf 1 Jahr, indem es die Verhaftung de§ H. beschloß.

* Zur Geschichte derKracheburg". Ein alter Gießener Bürger schreibt uns über die Entstehung des Namens des baufälligen Gebäudes folgendes: Ende der fünf­ziger oder anfangs der sechziger Jahre des vorigen Jahr­hunderts feierte die hiesige Feuerwehr im Leibschen Saale wieder einmal ein Stiftungsfest, zu dem auch der all­seitig beliebte Stadtrentmeister Enders geladen war. Da dessen Redseligkeit bekannt war, drängte man ihn so lange, bis er sich zu einer Rede von seinem Sitze erhob. Ein lauter Beifallssturm durchbrauste das Halls, als er be­gann:Wohltätig ist des Fellers Macht" u. s. f. Die un=» geheuren Beifallsspenden stiegen aber dem Redner in den Kopf, und im Eifer seiner im erhöhten Ton vorgebrachten Rede rief er in der Fortsetzung des CitateS aus Schillers Glocke aus: . . .Balken wimmern, Mütter krachen." Die Fidelität steigerte sich ailfs höchste. Herr Ellders be­wohnte damals sein eigenes, neben der schon im Verfall be­griffenenKracheburg" gelegenes Haus, Neuenbälie Nr. 16. Man sagte sich, daß das Krachen der Balken in nächtlicher Weile einen tiefen Eindruck auf ihn lnache, daß daralis die Verwechslung zwischenMüttern" undBalken" zu erklären fei. Von da ab wurde dieKrachenburg" populär.

** Wegen Beleidig llng des Landesherrn wurde gestern vor der hiesigen Strafkammer der Küfer Karl I. hier z u zwei Monaten Gefängnis oernrteUt. I. hat m einer hiesigen Wirtschaft in Bezug aus die Vernläblung Sr. Kgl. Hoheit eine sehr verwerfliche Aeußerlmg getan lind diese wiederholt, und)« dein man ihn ouf die Strafbarkeit aufmerksam gemacht hatte. Da die Aeußerung in der Angetrunkenheit gefallen ist, hielt das Ge­richt die Minimalstraie für angezeigt.

R.B. Darmstadt, 27. Mär;, lieber das Programm ver Darmstädter Schiller feier, über welche S. K. H. der Großherzog das Protektorat und die Fürstin zu Erbach-Schönberg den Ehrenvorsitz übernommen haben, erfahren wir aus zuverlässiger Quelle folgende Einzelheiten: Die Feier wird sich auf drei Tage, vom Sonntag, den 7. Mai, bis Dienstag, den 9. Mai, erstrecken. Man kam zu dieser Dreiteilung und zur Verlegung des Be­ginns der Feier auf den Sonntag hauptsächlich aus dem Grunde, um den weitesten Kreisen unserer Bevölkerung, insbesondere auch dem Kaufmanns-, Gewerbe, dem Hand­werker- und Arbeiterftand Gelegenheit und Möglichkeit zu geben, an der Schillerfeier teilzunehmen. Es sind deshalb für den Abend des Sonntag, 7. Mai, in verschiedenen großen Sälen der Stadt (der Turngemeinde Darmstadt, der Turn- gesellschaft Darmstadt, Turugemeinde Bessungen, Kaisersaal, Schützenhof, Ehausseehaus, Rummelbräu oder Konkordiasaal) 7 große Volksfeiern geplant, in denen Schillers An­denken in Wort und Ton in würdigster Weise gefeiert wer­den soll. Das Programm wird überall gemeinsame Gesänge Schillsrscher Lieder, Vorträge hiesiger Gesangvereine, Ge­sänge geschätzter Mitglieder unserer Hofoper und anderer hiesiger Künstler, Deklamationen und Vorträge beliebter Mitglieder unseres Schauspiels und begabter hiesiger Dilet­tanten enthalten. Ueberall soll auch durch geeignete An­sprachen die Bedeutung Schillers für unser Volk und ins­besondere für unsere Gegenwart in volkstümlicher Weise dargelegt werden. Atm Montag, den 8. Mai, ist abends eine Feier im städtischen Saalbau, bestehend aus Musik- und Gesangsvorträgen, einer Festrede des rasch bekannt gewordenen Schillerbiographen Oberlehrers Karl Berger hier, einer Aufführung von SchillersGlocke" in zehn lebenden Bildern usw. Eine Apotheose Schillers und Goethes Epilog zurGlocke" sollen die Aufführung beschließen. Am Todestage selbst, Dienstag, den 9. Mai, ist für vormittag 11 Uhr ein akademischer Festakt im großen Saale des städtischen Saalbaues in Aussicht genommen, bei. dem der Privatdozent für Literaturgeschichte an der Technischen Hochschule, Dr. Alt, die Festrede halten wird. Gesangs­vorträge des Mozartvereins unter Herrn Kapellmeister Rehbocks Leitung werden die Feier umrahmen. Das Grotzherzogliche Hoftheater, das mit seinem Schillerzyklus zu ermäßigten Preisen am 5. April beginnen wird, hat für Sonntag, den 7. Mai, eine Vorstellung der Jungfrau von Orleans" und für, Dienstag, den 9. Mai, Wilhelm Tell" vorgesehen, mit welcher Aufführung die Darmstädter Schillerfeier ihren krönenden Abschluß finden soll. Ob ein Schillerkommers der Darmstädter Studenten­schaft und die von vielen Seiten gewünschte Veranstaltung eines Festzugs am Sonntag nachmittag zustande kommen wird, ist zur Stunde noch nicht entschieden. Zu den be­deutenden Kosten dieser Feier dürfte die Stadt einen Bei­trag von 4000 Mk. leisten. Ein etwa sich ergebender Ueber- schuß soll der Deutschen Sckillerstiftung und dem Schiller- Frauenbund sowie der Pensionskasse deutscher Journalisten und Schriftsteller zu-gefuhrt werden. Zweck der Deutschen Schiller st if tun g ist bekanntlich, Dichtern und Schrift­stellern, welche sich durch ihre poetischen und prosaischen Werke um das deutsche Volk, um deutschen Geist und deutsche Sitte verdient machten, Dank abzutragen dadurch, daß ihren in Not und Sorge lebenden Hinterbliebenen Unterstützungen alsEhrengaben" möglich gemacht werden.

Q Mainz, 28. März. Am verflossenen Dienstag fand in dem mit der höheren Mädchenschule zu Mainz verbundenen Lehrerinnen-Serninar unter dem Vorsitze des von der Großh. Negierung zum Prüfungskommiffar ernannten Direktors der Anstalt die diesjährige mündliche Entlassungsprüfung statt. Alle Seminaristinnen der obersten Klaffe haben dw Prüfung bestanden und sich dadurch die Berechtigung zur Anstellung an einer höheren Mädchenschule erworben. Da, wie man uns schreibt, die einzelnen Klassen des Mainzer Seminars nicht überfüllt sind und daher eine individuelle Ausbildung der Schülerinnen möglich ist, haben junge Damen Gelegenheit, sich eine gediegene Ausbildung für das höhere Lehrfach anzueignen.

Wiesbaden, 28. März. Der Landesausschuß hat be- ^hloffen, dem Kronprinzenpaare als Hochzeitsgabe eine Sammlung auserlesener Nheingauer Weine zu stiften. Der Landesausschuß beabsichtigt, dem Kommunal- Landtage vorzuschlagen, anläßlich der silbernen Hochzeit des Kaiserpaares 50 000 Mk. zur Errichtung eines Siechen he im es zu bewilligen, das den Rainen Auguste- Viktoria-Stistung erhalten soll.

** kleine Mitteilungen aus 5) esse n und den Nachbar st aaten. In einer Sandgrube m der Gemarkung Bechenheim wurden schon wiederholt Geräte und Werk­zeuge ai>s der Zeit vor Christi Geburt gefunden, die man dem. städtischen Archiv in Frankfurt überlieferte. Tie Leitung des Archivs will nun an der Stelle weitere Nachgrabungen anstellen lassen.

Vermischtes.

* Kinder für Nahrungsmittel verkauft. Am oberen Benue in Nord-Nigeria herrscht, wie von dort berichtet wird, eine furchtbare Hiingersnot, die eine außerordentlich große Sterblichkeit im Lande verursacht hat. Die Eingeborenen suchen sich damit zu helfen, daß sie die jungen Kinder ver- fanfen, um dafür Nahrungsmittel zu erhalten. Die englische Regierung hat bereits 200 Kinder zurückbehalten und ist nun bemüht, sie ihren Eltern zurückzugeben.

* Die Einjährigen-Schnüre erschmiedet. Der Schlosser Emil Dähn, Sohn des in Schwerin in Mecklen­burg ansässigen Schlossermeisters Dähn, hat in Hannover auf Grund seiner hervorragenden Leistungen im Kunstschmieden nach § 89 Abs. 6 b der deutschen Wehrordnung den Be­rechtigungsschein zum einjährig-freiwilligen Militärdienst er­worben.

* Die Furcht vor der Frau. In seiner knappen Form, die nur den Kern berührt, aber alle Einzelheiten des Familiendramas außer acht läßt, meldet der gestrige Berliner Polizeibericht: Der Händler Johannes P. ver­suchte sich auf dem Korridor eines Schanklokals an einem Nagel mittels seiner Hosenträger zu erhängen, tpurbe aber noch rechtzeitig abgeschuitten. Er gibt als Motiv zur Tat eheliche Zwistigkeiten an. Weiter stellt dieselbe amtliche Meldung fest: Mittags versuchte der Kassierer Albert E. sich im Vorderzimmer seiner Wohnung das Leben zu nehmen, indem er den Hahn der Gaslampe öffnete. Er wurde schließlich besinnungslos aufgefunden, konnte aber durch Sauerstoffzuführung gerettet werden. Motiv j^ur Tat sind eheliche Zwistigkeiten. Der dritte Lebensmüde aber muß eine ganz besondere Angst vor der erzürnten Gattin gehabt haben nicht mit Unrecht, wie aus Der nachfolgen­den amtlichen Darstellung hervorgeht: In der Nacht ;um 28. d. M. versuchte der Arbeiter Friedrich T.., um seine r auf ihn wartenden Frau zu entkommen, sich aus dem Fenster der im drtiten Stock eines Hauses in der Elisabethstraße belegenen Wohnung einer unter sittenpoli­zeilicher Aufsicht stehenden Person an einem Strick in den Hof hinabzulassen. Das Seil riß jedoch, und der Wage­hals stürzte in die Tiefe, wobei er außer einem Knöchel- bruch schwere innere Verftb.uncwn erlitt.

chlriÄtstaat.

(**) Gießen, 29. März. Wegen schweren Diebstahls wurde gestern von der Strafkammer der Schmiedegeselle Kaspar W. von Lber-Seemen zu 3 Monaten und 2 Wochen Gefängnis verurteilt. Er hatte sich in das Magazin des Kvnsum- vereinlagerhalters dort eingeschlichen und sich unter Säcken ver­steckt, bis alles ruhig war. Nachdem er die Ladenkasse beraubt hatte, stieg er durch ein Fenster wieder auf bie Straße. Ein anderes Mal, als niemand im Laden war, griff er in die halb- geöffnete Ladenkasse, woraus er einen nicht festzustellenden Geld­betrag entwendete. Die Jugend des W. wurde strafmildernd be­rücksichtigt. Die Arbeiter Joses Sk. und Josef W. entwen­deten einem Gastwirt zu Bad-Nauheim eine Pferdedecke, die sie in Friedberg zu verkaufen suchten. D-a man dort nichts Gutes ahnte, wurde die Polizei benachrichtigt, die die beiden festnahm. W. <c<§ rückfälliger Dieb, wurde zu 5 Monaten Ge­fängnis verurteilt, während S. mit 2 Monaten durchkam. Der Dienstknecht Andreas H. von Büdingen wurde wegen Sach­beschädigung zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Aus Rache über seine Entlassung durchstach er den Damm eines seiner Dienstherrin gehörigen, aus dem Sandhof bei, Büdingen gelegenen Eisteichcs, sodaß das Wasser abfloß und sich die be­reits gebildete Eisstäche aus den Boden senkte. Hierdurch entstand ein Schaden von etwa 300 Mark, da das Eis nicht mehr ver­wertet werden formte.

Görlitz, 28. März. Auf dem G ü t e r b a h n b o f in Laub an wurden vor einiger Zeit erhebliche Unterschlei fe entdeckt. Beamte sind dabei von Kaufleuten bestochen worden. Vor dem hiesigen Landgericht hat sich nun mehrere Tage lang ein größerer Betrugs-Prozeß abgespielt. Heute mittag wurde das Urteil gefällt. Ter Großkaufmann F r i e d e b e r g ans Breslau erhielt wegen Diebstahls 4 Jahre Gefängnis und 5 Jahre Ehrverlust, der Eisenbahn -Ingenieur P a s s a r g e anderthalb Jahre, der Eisenbahn-Materialien - verwalter Bittner 1 Jahr, der Verwalter 1. Klasse 2 chiemenz anderthalb Jahre Gefängnis wegen Beihilfe. Die übrigen Angeklagten wurden ebenfalls wegen Beihilfe zu je sechs Wochen Gefängnis verurteilt, einer wurde freigesprochen. Sämt­liche Angeklagten verzichteten auf die Einlegung von Rechtsmitteln. Daß der Prozeß ein verhältnismäßig schnelles Ende genonnnen, hat darin seinen Grund, daß der Hauptangeklagte Friedeberg, durch das immer mehr anwachsende Belastungsmaterial erdrückt, auf Anraten des Gerichtshofes sich dazu bequemte, ein umfassendes Geständnis abzulegen, welchem Beispiel die übrigen Angeklagten, soweit sie schuldig waren, folgten.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

d Tarmstadt, 28. März. Die Darmstädter Bank hielt heute hier unter dem Vorsitz des Geh. Kommerzienrats Michel- Mainz ihre Generalversammlung. Diese genehmigte den Abschluß 1904 und setzte dieDividende, wie vomÄufsichtsrat der Direktion vorgeschlagen, auf 7 P r o z e n t fest. Die vorgeschlagenen Statutenänderungen wurden einstimmig genehmigt, darunter die Bestimmung, daß die Generalversannnlungen wie seither nur in Darmstadt abgchalten werden. Die Generalversammlung wählte einstimmig Geh. Justizrat Dr. Jacob Rießer und Alfred Cohn- Berlin neu in den Aufsichtsrat.

Buderussche Eisenwerke Wetzlar. Die ordentliche Hauptversammlung, in der 2946 Aktien vertreten waren, ge­nehmigte den vorgelegten Rechnungsabschluß für das Jahr 1904 und beschloß, den Reingewinn nach den Vorschlägen der Verwalt­ung zu verteilen. Hiernach gelangt eine Dividende von 6 Prozent, gegen 5 Prozent im Vorjahre, am 1. April d. I. zur Auszahlung. Sodann wurde der Antrag der Verwaltung auf Fusion mit den Eisenwerken Lollar Aktiengesellschaft, genehmigt und zu diesem Zwecke die Erhöhung des Aktienkapitals um 3 000 000 Mark beschlossen. Die überschießenden 890 Stück der neuen Mien übernimmt eine Bankgruppe zu Bedingungen, welche einem Kurse von 115 Proz. entsprechen. Die Kosten der Einführung der neuen Aktien an den Börsen tragen die Banken. Die Generalversammlung der Eisenwerke Lollar hot der Verschmelzung der beiden Werke eben­falls zugestimmt. Die Zahl der Aufsichtsratsmitglieder wurde aus 12 erhöht und neu in den Aufsichtsrat gewählt die Herren Alfred Weinschenk und Gustav Behringer Frankfurt a. M., Otto Philivp, Berlin und Albert Seyberth, Wiesbaden.

Z i n s f u ß e r h ö h u n g bei deutschen Anleihen. An der gestrigen Börse in Berlin wie in Frankfurt trat eine wesent­liche Besserung ein, als bekannt wurde, daß in der Frage, ob für die diesmal herauszubringcnde Anleihe des Reiches und Preußens die 3 oder 3V2 proz. Verzinsung zu wählen sei, die Entscheidnna nunmehr bestimmt zu gunsten der höheren. Verzins- barkeit gefallen sei. Diese Mitteilung bedarf allerdings noch der offiziellen Bestätigung, es scheint aber, daß sie aus bester Quelle stammt.

Krieg oder Frieden. Man darf es fast als außer allem Zweifel stehend betrachten, daß die Friedensanssichten trotz der beispiellos mißlichen Lage Rußlands mit dem Moment wieder ganz schwinden werde, wo Rußland Geld von Frankreich erhält. Also in der Hand der besten Freunde Rußlands wird es liegen, ob der unheilvolle Strieg noch lange dauert. Denn daß Rußland keinen Sieg mehr den Japanern gegenüber erreicht, steht Wohl auch fast außer Zweifel. Mögen die russischen Heerführer heißen

wie sie wollen, sie scheinen von ganz oben herab ihrer Aufgabe nicht gewachsen zu fein. Augenblicklich kämpft Rußland nicht allein gegen die Japaner, sondern auch um eine Anleihe, und wie viele hoffen und wünschen, aussichtslos.. M an meint, man lönne ja bami weiter sehen, was werden wird.

Märkte.

ke. Fran kf u rt a. M., 28. März. Den- unb Stroh- mar Ff. Heu kostete heute Mk. 3.203.50, Stroh Mk. 0.00 bis Mk. 0.00. Alles per 50 Kilo. Tendenz: Heu fest.

ArbeiLerbeweqnnq.

M ü n st e r, 28. März. Die 75 Arbeiter des Neubaues des Realgyurnasiums stellten wegen Maßregelung zweier Arbeiter die Arbeit ein.

Düsseldorf, 28. März. Eine gestern morgen abgehaltene Versammlung der S ch n e i d e r g e h i l f e n beschloß, heute morgen m den A usstand zu treten. An dem Streik nehmen etwa 600 Gehilfen teil. Gefordert werden: Regelung der Arbeitszeit auf 10 Stunden und Erweiterung des Lohntarifs mit teilweiser Lohn- erhöhung.

Kiscnöakn-Z'-itung.

Das Zentrumsregiment i n Bayern zieht immer weitere Kreise. Jetzt verkünden katholische Blätter mit be­sonderer Freude, daß in Bayern die Zensur für die Bahn- h o f b u ch h a n d l n n g e n verschärft roerben soll. Die aus- gelegten Schriften unterliegen nach neuester Verfügung der vor- beriqen Zensur der örtlichen Amtsstelle. Tie Anregung dazu ist im Eisenbahnrate von Frhrn. v. Soden und Abg. Pichler gegeben worden, welche sich insbesondere darüber beschwerten, daß eine dem bayerischen Kursbuch beigeheftete Reklarneschrift des Atünchener Fremdenverkehrsvereins Bilder im Simplizissimusstil mit ent­sprechendem Text (Empfehlung von Redouten u. f. w.) enthalte. Generaldirektor v. Ebermaner sagte eine strengere Zensur zu.

Landwirtschaft.

Tabakbau in Hessen. Nach den Mitteilungen der Landesstatistik waren vom 1. Juli 1903 bis 1. Juni 1904 in Heben 46 497,23 Aar mit Tabak bepstanzt. Tie Ernte brachte 717797,7 Kilogramm, die einen Wert von 640 394 Mk. repräsentierten,. ein.

Unfallverhütungsvorschriften für landwirt^ schaftliche Maschinen und Nebenbetricbe. Mit Wirkung vom 1. Januar 1906 ab werden von der land- imb forst­wirtschaftlichen Berufsgenossenschaft für das Großherzogttim Hessen Unfallverhütimgsvorschriften für landwirtschaftliche Maschinen und landwirtschaftliche Nebenbetriebe (Brennereien, Molkereien, Zie­geleien, Steinbrüche, Mahl- und Oclnrühlen, Brauereien, Mälze­reien, Torfgräbereien und Kalkbrennereien^ eingefübrt. Der Ent­wurf hat in der von dem Genossenschafts-Vorstände vorgelegten Fassung die Genehmigung der Genossenschaftsversammlimg ynb des Großh. Landesversicherungsamtes gefunden. Die Vorschriften werden den Besitzern von Maschinen und sonstigen in Betracht kommenden Personen rechtzeitig vor obigem Zeitpunkt zugängig gemacht werden. Die Schutzvorrichtungen lassen sich an den Maschinen in sehr einfacher Weise anbringen und werden dazu beitragen, daß hierdurch die Versicherten in erhöhtem Maße vor Unfällen geschützt sind. Es empfiehlt sich für die Landwirte schon jetzt, für die Folge beim Einkauf neuer Maschinen darauf zu sehen, daß an diesen die erforderlichen Schutzvorrichtungen bereits angebracht sind. Zu jeder gewünschten Auskunft ist der Vor­stand der land- und forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft für das Großherzogtum Hessen in Darmstadt, Frankfurterstraße 50, gerne bereit. ' _

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Gießen, 27. März.

Ans das Eingesandt des Herrn G. B. in Nr. 72 Folgende zur Entgegnung. Es bedeutet eine Ungerechtigkeit gegenüber dem übrigen Pllblikum, E st r a d e b i l l e t s im Theater im Vorverkauf nur an Studierende zu verabfolgen, und erst an der Abendkaffs auch andere Sterbliche gegen eine Erhöhung des Eintrittspreises nm 50 Prozent auf die übrig gebliebenen hinteren Plätze zuzulasien. Es liegt nicht nur im Interesse der Theater­besucher, fonbern insbesondere auch der Direktion, daß diese von der früheren Direktion übernommene Maßregel nicht in der von dem Hemm Einsender geivünschten Weise gehandhabt wird. Wenn der Fall, daß Studenten aus der Estrade keinen Platz mehr finden konnten, wirklich einmal vorgekommen sein sollte so oft ich zu beobachten Gelegenheit hatte, waren immer noch einige Plätze frei, so ist das noch lange kein Grund, um von einem Hebel- stand zu reden. Ein Uebelftanb, d. h. ein Eittnahmeausfall, würbe sich aber vielleicht für die Direktion ergeben, wenn sie dem Wunsche des Herrn B. entsprechen und dem nichtstudentischen Publikum die Estrade gänzlich verschließen würde. H. K.

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