Nr. 254 Viertes Blatt.
155. Jahrgang
Samstag 28. Oktober 1905
Erscheint tLglich mit Ausnahme des Sonntag?.
kie „Giehener KamlNenblStter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beiqeleqt. Ter Ehesfische Canöwlrt" erscheint monatlich einmal.
KeUkex Anzeige-'
Rotanonsdrnrk >md Derlaq der Brühl'lchen Universllätsdructerei. $R. Lange. Gießen.
Redakl on, Expedition u.Truckerei: Schulstr.?.
Tel. Ar. bl. Telegr.-Adr.r Anzeiger Gießen.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen.
Iloiitilche Tagesschau.
Neber das Ende des Biesterfelder Thronstreites ^aben wir bereits berichtet. Das Schiedsgericht hat allen Ansprüchen der Biesterfelder stattgegeben. Die Schauniburger sind endgiltig unterlegen. Der »Voss. Ztg.* zufolge lauten diese Anträge:
Tas Schiedsgericht wolle entscheiden, daß die sämtlichen Grasen und Edlen Herren zur Lippe-Biesterseld zur Regierungs- nachiolge im Fürstentum Lippe berechtigt und in nachstehender Reihenfolge beruien sind:
L 1. Der Grasregent Leopold;
2. Seine an§ der Ehe mit der Gräfin Bertha gur Lippe- Biesterseld geb. Prinzessin von Hessen-Philippsthal geborenen Söhne nach dem Rechte der Primogenitur, als zurzeit:
a) des Grasregenten Leopold ältester Sohn Gruft;
b) des Grasregenten Leopold jüngerer Sohn Leopold Bernhard.
II. 1. Des Grairegenten Leopold jüngerer Bruder, Gras Bernhard, zurzeit unvermahlt;
2. des Grafregenlen Leopold jüngster Bruder, Gras Julius Ernst, zurzeit unverinählt.
HI. 1. Des Grasregenten Leopold Oheim, Graf Leopold, vermählt, zurzeit ohne Deszendenz;
2. des Grairegenten Leopold Oheim, Graf Rudolf, vermählt mit Prinzessin von Prdeck, Tochter des Prliizen Wilhelm von Hessen-Philippsthal-Barch' feto, refp. dessen Söhne, zurzeit:
a) des Graien Rudolf älteiler Sohn Friedrich Wilhelm; b) des Grasen Rudolf jüngerer Sohn Ernst;
3. des Grairegenten Leopold Oheim, Graf Friedrich Wilhelm, vermählt mit Gisela Gräfin zu Isenburg-Büdingen in Meerholz, Tochter des Graien Rad zu Isenburg-Büdingen, refp. dessen Söhne, zurzeit: des Grafen Friedrich Wilhelnr Sohn Simon Rafünir, Das Detmolder Ländchen ist also auf lange Zeit hinaus k>or jedem neuen Thronstreit bewahrt.
Fürst Leopold drahtete dem Kaiser bei der Ne- tzierungsübernahme:
»Eurer Majestät gestatte ich mir in Ehrerbietung mitzuteilen, taß ich auf Grund der heule abend verkündeten Enticheidiing des Schiedsgerichts die Regieruiig des Landes übernommen habe. Es wird mein vornehmstes Bestreben bleiben, dem Reich stets ein ' r e u e r B u n d e s s ü r st zu fern. Leopold, Fürst zur Lippe."
Kaiser Wilhelm antwortete:
pGuer Durchlaucht bestätige ich gern den Empfang Ihrer Mitteilung, daß Sie auf Grund des Spruches des Schiedsgerichts !»ie Regierung des Fürstentinns Lippe übernommen haben. Es erfüllt mich mit Befriedigung, daß damit der Thronstreit'eine Erledigung gefunden hat. Möge Euer Durchlaucht eine lange Regierung zum Segen Ihres Landes und im Einkang mit den untere j feil des Reiches beschieden sein. Wilhelm, I. R."
vermischte».
♦ Drei neue schwere Ecsenbahnunsalle in Deutschland. Am 27. Oktober fuhr auf dem Bahn Hofe zu Duisburg infolge falscher Blockstellung der Schnellzug Hamburg-Köln auf den Lchneltzug Oberhausen-Aachen. Drei Wagen des Hamburger Zuges wnrden vollständig in einander geschoben. Zwei Reisende lvurden als Leichen unter den Trümmern hervorgezogen, drei schwer verwundete st arben auf dem Transport nach dem Krankenhaus, sodaß sich die Zahl der Toten auf fünf beläuft. Ein Schaffner und zwei Reisende wurden leichter verletzt. Tie sofort Getöteten sind: Kaufmann W. Genz aus Emmerich, Fräulein Anna Eckards aus Weeze, zurzeit in Oberhausen im St. Josesshaus beschäftigt. — Ferner ist am Freitag mittag der verspüret von Würzburg eingetroffene Ferngüterzug Nr. 1902 bei der Einfahrt in den Bahnhof Ansbach entgleist. Drei Güterwagen liegen seitwärts von dem Gleis. Ein Personenwagen ist zertrümmert, die übrigen Wagen blieben mit der Lokomotive auf dem Gleis stehen. Zwei Reisende und drei Mann vom Zugpersonal wurden leicht verletzt. Tie Ursache der Entgleisung war noch nicht festzustellen. — Endlich entgleisten am 26. Oktober abends im Eilgüterzug Nr. 6001 auf der Fahrt von Oyn Hausen nach Minden einige Wagen, weil an dem ersten derselben ein Radreifen gebrochen mar. Ter Zug kam am Bahnhof Vennebeck zum Halten. Ter Zugverkehr konnte bis 3 Uhr morgens nur eingleisig aufrechterhalten werden, sodaß dadurch verschiedene Schnellzüge Verspätungen erlitten. Niemand ist verunglückt.
* Eine hübsche junge Frau sland kürzlich vor dem Geschworenengericht einer Stadt in Kentucki). Tie Angeklagte war die Gattin eines reich gewordenen Vieh händlers, den sie durch einen von ihr zubereiteten Plumtuchen vergiftet haben sollte. Tie Gerüchte, die über die Ehe im Umlauf waren, lauteten nicht zum besten. Die vereidigten Chemiker hatten vor Gericht soeben ihre gelehrte Untersuchung des Kuchens beendet, der nach ihrer Schätzung hingereicht hätte, ein Bataillon zu vergiften. Die Zeugen traten auf und erstatteten über den Unfrieden Bericht, der im Hause des Verstorbenen geherrscht hatte. Der Staatsanwalt erhob sich zu Anklagen, indem er das reine, unbefleckte Leben des Viehhändlers ms hellste Licht stellte und die Schuld der Gattm an dem Tode ihres Mannes fast zur Gewißheit machte. Er hatte geendet und der Verteidiger erhob sich. Unter atemloser Stille begann er: „Meine Herren Geschworenen, die Angeklagte ist unschuldig!" Und nun fing er an, von dec Kindheit seiner schönen Klientin zu reden, in einem glänzenden, unwiderstehlichen Stroiii von Beredsamkeit,
der die Richter betäubte. Von allem Möglichen, von der Einsegnung, von der Schwärmerei der 'Angeklagten für Edison, von ihrem Merinoschaf sprach der Verteidiger, der in alle möglichen Einzelheiten sich vertiefte, aber von dem höllischen Kuchen, der da vor den Geschivocenen stand, und den die Angeklagte mit ihren eigenen weißen Händen geformt hatte, von dein sprach er nicht. Gespannt, wohin das führen sollte, lauschten die Geschworenen seinen Worten, und bemerkten es anfangs gar nicht, daß der Verteidiger im Eifer seines Vortrages ein Stück nach dem anderen von dem vergifteten Kuchen in den Mund steckte. Allgemeines Staunen hielt alle Amvesenden gebannt, wie sie den Verteidiger essen und essen sahen, so daß in drei Minuten nichts mehr von dem Kuchen übrig war. Eindringlich schloß der Verteidiger: „Meine Herren Geschworenen, die Angeklagte ist unschuldig, ich beweise es Ihnen." Der Mann aß noch die Brosamen auf, die auf dem Teller übrig geblieben waren, und verzehrte sie, und ging dann triumphierend aus dem Saal. Nach kürzester Zeit verkündete das Gericht seinen Spriich. Er lautete auf Richtschuldig. Die schöne 2lngeriagte war frei. Draußen aber warteten zwei Aerzte auf den Advokaten. Sie hatten schon alles bereit und durch eine gründliche Magenwäsche entledigte sich der Advokat aller Kuchenteile, so daß er sich bald wieder den bewundernden Blicken dec jJtenge zeigen konnte. Jene Vorsichtsmaßregel halte leider der Viehhänoler außer Acht gelassen.
* Die Pariser Aristokratie rüstet sich zu einer Vermähliing, durch die nicht nur zwischen dem alten royalistischen Adel und dem jüngeren von Napoleons Gnaden, sondern auch zwischen dem Geburts- und dem Geldadel eine neue Brücke geschlagen werden wird. Braut ist Fräulein Dajy Berthier de Wagram, die jüngste Tochter des Fürsten und Herzogs von Wagram (eines Enkels des tapferen Marschalls Berthier) und der vor zwei Jahren verstorbenen Fürstin-Herzogin Bertha von Wagram, die eine Freiin von Rothschild aus Frankfurt a. M. war. Und Bräutigam ist der Prinz Jaques von Broglie, em Neffe des gleichnamigen Herzogs, der auch deutscher Reichs- fürst ist, und ein Sohn des Prinzen Amödöe de Broglie, dessen Gemahlin eine geborene Say, aus der kürzlich zu- sammengebrochenen Zuckerdynaslie ist.
in jever beliebigen Schriftart nnö Karton» 1 lltlTTnl Tk 11 forte, sowie mit Zirkeln aller studentischen V »VI» Vereinigungen, liefert ju mäßigen preisen
vrühl'scye Univerfitäts-Vruckerei, SchiUfttahe 7
s
Öl
öl
E
CD
- CD
cd e: Ci«
CD
- to
s
B
c
<53
O
«»
(B S SD
es — s er
<3
—
S-
t-9 er
LS-
§ *•
o
<53
5
»
oo
Ä
LS
A 5
5
=5
ALS
cs i
z.«
2. =r
” ® ö) © ■3* 3. o m 5 ° 3 —
<GT X
5 X
<5’«* o 2
1“
” s”s Z ä 5-
5
öl
a o
«b c D>
er
IST CT
-55" GS
er
io 2
3 er
C
§
er P
K
er n
er
O: ra*
■e
■g c. «Ä-
3. 2 -
er r»
3
s
= ■
=s i
er
9 L. o 6t)
O
ro JJ.
<53
KD S
Ö>T
P CD
5
ro
_ r»
S- o 3 3 % Sr.
= D: C
D <k X
CD
S' 2.
3 „
2 g
O^D p WD
cd er er 3 SSsl 2. -
«Ä
"H-- Z
35 ->
= 1
'S
3.(9 e —. 3 « 3 GP
er
3 3
3 &
<3 —.
O ö er
- 3*
fr =
<9 er
CT C o
DotO Z-Z fsf y ■?
LöffZ'Z 1 u 3 » .
<B —
5
HZ
*3 C
5 ST
3
« s «
c- « ^7 2- s
55 g §3^ 3 J-' . -Su
o
5
5
or Ü' r“H
Je ” Q §
S 3 ft er ßj ft
»
öl 3 s 5. © 5 —
C ws =
3 H5 = 9
er ♦ =
S * ® ~ 3
..<5 <5 rs o ar 3
J2S.3 s "
’ 9 ’ 'S* S er 3 Lös-5 ‘ @ c CO Z3 o CT
c 5 'S* cy
Cf
T 5- » 5 S
O "3‘-'
=.= § =
@S<-53 3 er o <-• o 3 JE,o2o^3^
2.= cr« §3
2 d @5
C-S' 2 O =
* T »* ® 3 ex 5 crp " 2 2.2 = O Wo®.'1 2, rsj.33 M r. (y.
•4) n
5
cs
a>
0
**- o er
s


