Ausgabe 
27.3.1905 Erstes Blatt
 
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Nr. 73

Erstes Blatt. 155. Jahrgang

Montag 27. MarzlttttF

en^eiet «H-ttch außer Sonntags.

Dem Gießener AnAeiger werden nn Wechjel mit dem Kefftschrn Landwirt die Gietzener ZamUien» Mittet viermal m der

Woche betgelegL ÄotxxttonSbrud u. Ver­lag der Brüh lsschen. Untveri.-Buch-n. Stein» bturferei. R. Bange. Aebaftkm, Lrvedttton und Druckerei:

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger v **

Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Ve-ng»pre1Or monantch7b Pt., viertel« jährlich Mk. 2.20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme Don Anzei^n 'n die Tc uit" Hinter 's vo-mittig- 4 'eine. V'rem7tet8:

airSrvärt- P z. Derantwor-l'ch stne den polst, und (J ,e> t. Teil P. Wtttio- für , Stadt und Stint)' und ^GerichtSsaa!': August Goetz; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Ire Heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.

Des deutschen Kaiscrpaares W-erfakrt.

Zu der vorübergehenden Anwesenheit Kaiser Wilhelms fit den britischen Gewässern bemerkt derStandard": Tie vielen angenehm en Erinnerungen der Engländer * an seine freundliche Bereitwilligkeit, von der Gastfreundschaft der englischen Gestade Ge­brauch zu machen, haben sich um eine neue vermehrt. Die bestenWünschederEngländer würden ihn auf seiner Kreuzfahrt begleiten, deren Hauptzweck Erholung von langer Hingebung an die Staatsgeschäfte und die Befriedigung jener künstlerischen Gaben sei, die in seinem vielseitigen Eharakter mit der Hingabe an ein hohes Ideal von der Pflicht als Herrscher eines mächtigen Staates wetteifern.

Nach einer Meldung derMagdeb. Ztg." aus Lisa- üon trifft der Kaiser dort heute (Montag) nacymittag ein. Mn Abend findet ein Festmahl statt, tags daraus ein zweites. Ter Kaiser wird dann die Garnison besichtigen, einem Feste im Rathause beiwohnen und in Begleitung des Königspaares einen Ausflug nach Eintra unternehmen.

Iu Tanger wird zur Begrüßung des Kaisers der Sultan den Ohidin Muley-Abdelmanek entsenden, der von dem Minister für auswärtige Angelegenheiten, Abdel Krim Ben Sliman, und dem Großkammerherrn Driß Bren Aisch begleitet sein wird.

Tas Pariser nationalistische BlattLa Presse" kritisiert anläßlich des Besuches Kaiser Wilhelms in Tanger in sehr scharfer Weise die marokkanische Politik Delcassäs, welcher {p naiv war, zu glauben, er könne durch den 'Abschluß des französisch-englischen Abkommens dem deut­schen Handel versperren. England habe wohl gewußt, was es tue, als es Frankreich in das marokka­nische Abenteuer hineinstieß. England habe Frank­reich mit dem kostspieligen und schwierigen Polizcigeschäst in Marokko betraut und gleichzeitig seinen wirtschaftlichen Nebenbuhler, Deutschland, gereizt.

Gerüchtweise verlautet in vatikanischen Kreisen, baß der Kaiser an den Papst einen Flügeladjutanten entsenden werde, der ein Handschreiben überbringen soll.

Die Neberfahrt derHohenzvUern" mit der deutschen Kaiserin an Bord nach Ci Vita Vecchia war eine gute, trotz des Unwetters, das die Jacht zwei Stunden nach ihrer Ab­fahrt auszuhalten hatte. In Civita Vecchia fand am Sams­tag eine Begegnung der Kaiserin mit dem italie­nischen Königspaare statt. Bei ihrem Besuche an Bord derHohenzollern" wurden der König und die Königin vom Prinzen Eitel Friedrich am Fallrep erwartet. Die Kaiserin empfing das Königspaar im großen Salon derHohenzollern". Die Königin überreichte der Kaiserin einen herrlichen Blumenkorb. Bald nach Eintreffen des Königs und der Königin fand an Bord derHohenzollern" Frühstückstafel zu 20 Gedecken statt. Um 3V2 Uhr verab­schiedeten sich der König und die Königin.

Am Sonntag nachmittag lief die JachtHohenzollern" mit der Kaiserin an Bord in Begleitung desSleipner"und mehrerer italienischer Torpedoboote im Hafen von Messina ein. Beim Einlaufen wurden vom Fort San Salvatore Salutschüsse abgegeben, welche dieHohenzollern" beantwortete. Der deutsche Konsul Jvcob begab sich an Bord derHohenzollern". "Am Hafen und auf dem reich beflaggten Korso hatte sich eine große Volksmenge einge­funden. Um 31/2 Uhr begab sich Kaiserin Auguste Victoria mit dem Prinzen Eitel Friedrich und Oskar an Land, um verschiedene Sehenswürdigkeiten der Stadt zu besich­tigen.

Gießener Stadtlßealer.

Kabale und Liebe.

Bürgerliches Trauerspiel von Friedr. v. Schiller.

Es ist in diesen Tagen des Schillergedenkens schon einmal der Gedanke laut geworden, wie schade es doch sei, daß schon in der Jugend, in der Schule, so viel von Schillers Gedichten int Munde geführt werde, in einer Zeit, da unser Geist und Empfinden so wenig noch ''gebildet ist, das Genie dieses großen Mannes ganz zu begreifen und uns seiner Werke in ihrer großen, unmittelbaren Wirkung zu freuen. Es ist im Grunde in der Tat ein schlechter Dienst, den uns die Schule erweist' in­dem sie zu früh uns die Beivunderung abnötigt vor entern Dichter, dessen innerstes Wesen wir erst später vril zu erfassen vermögen. Diese aufgedrungenen Halbheiten hängen zu unserem Schaden uns lange nach; wie viel hinreißender würde uns die Bekanntschaft des Dichters, werden, mit wie viel mehr Neigung und Staunen würden wir in reisen Jahren dem Namen des Großen folgen, wenn er uns bis dahin mit dem der andern Geistesgewaltigen von unseren Erziehern heilig gehalten würde? So verhält es sich auch Mit den Dramen Schillers, die viel zu früh uns auf der Bühne gezeigt werden. Mit dem Einfachen möge man, wie «auf den andern Gebieten, des Bildens und Er­ziehens, beginnen, und ebenso wie es als Schülern uns versagt war, etwa Romane zu lesen, so sollten wir als solche davor bewahrt bleiben, der dramatischen Kunst in ihren -größten Erzeugnüssen unfern verständnislosen Beifall zu spenden. Denn den Patriotismus mrd die anderen Ideale könnte man uns füglich auch aus an­deren Exempeln lehren. Und der künstlerische Quell in Schillers Werken bliebe uns ftisch und ungetrübt.

Vielleicht gibt die bevorstehende ^chillergedenkzeit einen Wandel zum Bessern. Mögen ans den Aufführungen Schiller'scher Dramen, die in diesem Jahre häufiger als sonst stattfindeni, das Andenken des Dichters verjüngt und von Vorurteilen ge­läutet emporsteigen, so daß wir fortan den ästhettschen Wert ' seiner Dichtungen besser ermessen können.

Die gestrige Aufführung vonKabale u n d L i e b e" könnte 'fei Manchem in dir Hinwegräirmmlg vorgefaßter Meinungen ;fen Anfang machen. Zwar allen scheint diese Dichtung - mb man weiß diesmal nicht, ob man sich darüber freuen oder »ÄenuLtuung darüber empfinden soll nicht bekannt zu sein.

Der Krieg.

Vom Kriegsschauplätze.

Petersburg, 26. März. General Linewitsch meldet vom 25. Märzr Die Nacht ist ruhig verlaufen; bei den Armeen ist beute keine Veränderung eingetreten. Kleine japanische berittene Patrouillen nähern sich der Station Tschuanmiausa.

Petersburg, 26. März. DiePetersb. Tel.-Ag." meldet aus Sypingai vom 25. März: Durch starke Arriere- garden gedeckt zieht die Armee auf befestigte Stell­ungen. Heute ftüh umritt der Kommandierende der Armee die Truppen und begrüßte besonders die Ueberreste eines Schützenregimentes, die sich mit dem Bajonett durch den geschlossenen Ring an Zahl überlegener japanischer Streit­kräfte den Weg gebahnt hatten und von denen nur 126 Mann mit der Fahne zurückgekehrt waren. Die Stimmung der Truppen ist gut.

Petersburg, 26. März. DiePetersb. Tel.-Ag/ meldet aus Gunschunling vom 25. März: Die Truppen nehmen allmählich die neuen Stellungen ein und treten mit einander in Fühlung. Die nach den Kämpfen bei Muk- den nach Norden gezogenen Trains nähern sich ihren Truppen­teilen, die von ihren Truppenteilen getrennten Mannschaften kehren zurück. Auf der rechten russischen Flanke sollen in der Umgegend der Stadt Mamakai bedeutende Chunchusenbanden bemerkt worden sein.

Petersburg, 26. März. Ein kaiserlicher Tages­befehl vom 25. Marz enthebt den General der Infanterie v. Gripenberg von dem Posten eines Kommandieren­den der zweiten Mandschureiarmee, beläßt ihn jedoch in der Stellung eines Generaladjutanten des Kaisers.

Petersburg, 26. März. Nach einer amtlichen Mit­teilung belaufen sich die bisherigen Truppensendungen nach Charbin auf 13 000 Offiziere, 761467 Mann In­fanterie und 146 000 Mann Kavallerie sowie 1521 Geschütze. Aus dieser Zahl scheint hervorzugehen, daß die russischen Verluste die bisherigen Schätzungen bedeutend übersteigen.

Petersburg, 25. März. Vom Kriegsschauplatz melden die Blätter, daß die Gerüchte von der japanischen Um­gehungsbewegung sich erhalten. Die Absicht der Ja­paner geht darauf, die Russen von Charbin abzu- schneid en. Wie derRuß" erfährt, sollen die mongolischen Fürsten die Japaner unterstützen, die von Lamas geführten Mongolen anwerben und ihren alten Kriegsgeist zu beleben sich bemühen.

Gunschuling, 25. Marz. Der Vormarsch der Japaner läßt eine baldige Offensive vermuten. Die starke Umgehung im Osten wird al? Vorgehen auf Kirin ange­deutet. Angeblich operieren die Japaner gegen Wladiwo­stok. Letzteres ist anscheinend nur eine Demonstration. General Liniwitsch besuchte 23 Lazarette in der Umgebung von Gunschuling und verteilte viele Georgskreuze. Der größte Teil der Verwundeten wird nach Norden geschafft.

Tokio, 26. März. (Amtlich.) Die Oberleitung der bei Hsingsching stehenden japanischen Streitmacht meldet, daß der Feind sich von dort 90 Meilen nordöstlich in der Richt­ung auf Hanlungschan zurückgezogen habe.

London, 25. März. Eine Drahtung der Petersburger Tnnes" vom 24. März besagt: Berechnungen des General­stabes zufolge stehen jetzt die russische und die japanische Armee 40 englische Meilen von einander ent- Denn bei der kräftigen Sprache des Stadtmusikanten Miller schienen gestern viele iatffen Ernstes, oder vielmehr Spaßes, zu glauben, daß man ein Lustspiel zu erwarten habe.Kabale und Liebe" ist, weil es ein Jugendwerk des Dichters und zugleich ein bürgerliches Trauerspiel ist, wie wenig andere geeignet, uns Schiller in einem ganz besonderen, interessanten Lichte zu zeigen. Schwächen, die sich aus der Jugend des Dichters erklären lassen, hat diese Tragödie noch genug. Man denke nur beispiels­weise an die großen, erstaunlichen Reden der sechzehnjährigen Luise, die sie dem Sekretär Wurm, ganz besonders aber der Lady Milford gegenüber führt, oder an die sehr exzentrische Charakterzeichnung fast sämtlicher Personen! Umso bewundernder gewahren mir den großen, dramatischen Zug, der durch das Ganze geht, die packende Kraft der Entwicklung, die ferner Zeit über das gewaltige Genie des Autors niemand im Zweifel lassen konnte.

Die gestrige Darstellung bot viel Schönes. Der Familie Miller zwar konnte man seinen vollen Beifall nicht geben. Die Luise wurde von Frl. Dülfer mit viel warmer Hingabe an ihre Ausgabe gespielt, aber gerade die an einigen Stellen etwas ungeschlachte Sprache des jungen Mädchens mußte die Darstellerin zur Vorsicht und Mäßigung mahnen. Hätte sie hier dem Sinn und der Natürlichkeit der Rolle mehr Rechmmg ge­tragen und wäre sie in der Aeußerung der Leidenschaftlichkeit sparsamer gewesen, so hätten einige sehr gute Momente, die sie hatte, gewonnen. Herr Conradi als Stadtmusikant offenbarte sich zu sehr!-als Komiker, mrd seine stoßweisen Aus­sprüche gingen nicht aus einer einheitlichen Charakterauffassung hervor. Und ein entschiedener Ernst steckt doch in dem biederen Musikus ebenso wie in seiner zwar einfältigen und unverständigen aber doch künstlerssch einheillich geschauten Gattin, aus der Fran Fischer nut Unrecht das Bild einer mehr unbescheiden unter­nehmenden Frau gestaltete.

Dem Präsidenten des Hrn. Linz en ist die vollste Anerkenn­ung zu zollen. Ton urtb Geberde waren vorzüglich, und die charakteristischen Färbungen dieses von Schiller mit so genialen Strichen lyingetvorfenen alten Intriganten und Bösewichtes kamen voll zur Geltung. Von großem künstlerischen Wert war auch das Spiel des Herrn L ö t t j 0 ha n N als Ferdinand. Er würde auch auf jeder großen Bühne den vollsten Bestall gefunden haben. Ihm ist der Tadel, den wir Frl. Dülfer machen mußten, nicht vorzuhalten, denn mit Takt und doch mit feuriger Lebendigkeit

fernt. Die Russen sind mit Verschanzung ihrer Stellungen, beschäftigt. Die Japaner haben die Verfolgung augen- scheinlich eingestellt, um ihre Reihen zu ergänzen. Der Generalstab befürchtet keine unverzügliche Gefahr von japani­schen Flankenbewegungen.

Von dem rusfischeu Geschwader.

Suez, 26. März. Das ganze russische Gc-^ schwader ist gestern hier angekommen. Das dritte Ge- schwader ist heute in südlicher Richtung abgeganqen.

Paris, 25. März. In Petersburg geht nach einer Depesche desMatirri das unkontrollierbare Gerücht, die PanzerSsiossofft,Wclikri undNavarirri von der Flotte Roscbdjeswenskis seien durch einen Angriff japa-i nischer Torpedoboote schwer beschädigt worden^ Diese Boote seien von dem Geschwader entsandt worden, daS sich bei Singapore aufhält. (Diese höchst unwahrscheinliche Meldung ist bisher von keiner Seite bestätigt worden. D. R.>

Petersburg, 25. März. Der Kommandant bec Schwarzen Meer-Flotte, Admiral Tschichnin, äußerte sich zu seinen Offizieren über die Aussichten Roschd- jeswenskis wie folgt: Ohne Kampf wird er nicht nach Norden gelangen. Die Japaner können zweierlei unter­nehmen: entweder sie gehen in den indischen Ozean unb vernichten mit ihren zahlreichen Kreuzern die russischen Trans­portschiffe. Dann fehlte unterem Geschwader die Lebenskraft, oder sie kämpfen gegen die russische Flotte, wobei Japan ohne großen Nachteil die Halste seiner Flotte, ja sogar mehr ver­lieren könnte, wenn sie nur verhindern, daß die Russen ihr Ziel erreichen. RoschdjeSwenski muß das voraussehen und seine Willenskraft zusammennehmen und den Japanern einen Kampf liefern. Das kann man von ihm erwarten. Wrr sind, sagte Tschuchnin, besonders aus dem Grunde immer unterlegen, weil uns die Willenskraft im letzten Mo­ment verließ.

Krieg oder Frieden?

Der Berichterstatter dS Reuter'schen BureauS im Haupt­quartier des Generals Oku meldet vom 22. März: Er hatte mit Marschall Oyama eine Unterredung, die erste, die er einem Journalisten gewährte. Oyama lehnte e§ ab', Wahrscheinlichkeit oder Unwahrscheinlichkeit deS Friedens­schlusses zu erörtern, da er Soldat und nicht Politiker fei» Er sprach mit warmer Bewunderung von den Russen, deren Offiziere und Soldaten sich, wie er sagte, wacker ge­schlagen hätten. Der Umstand, daß die Japaner Port Arthur den Chinesen seinerzeit mit anderthalb Divisionen in nur fünf! Stunden entreißen konnten, zeige den Unterschied zwischen chinesischen und russischen Soldaten. Die Japaner hätterr ihre Pflicht getan, wie man es von ihnen erwartet habe.' Oyama lehnte es auch ab, sich über die zukünftigen Plän« der Japaner zu äußern und sagte nur: Wir sind bereits den Krieg so lange fortzusetzeu als nötig. Oyama, dessen Befinden ausgezeichnet ist, bewohnt mit dem General­stab fünf Chinesenhäuser, die ihm von dem chinesischen Vize­könig zur Verfügung gestellt worden sind.

Petersburg, 26. März. Mit großer Bestimmtheit tritt hier das Gerücht auf, oaß der Kri e gs mini ster Ssacharow von seinem Posten zurücktreten werde, da er die Verantwortlichkeit für eine weitere Fort­setzung des Krieges nicht übernehmen wollet Ms sein Nachfolger kommt Graf Komaroff in Be­tracht.

Paris, 26. März-. Der Petersburger Korrespondent.

wußte er -alle Schwierigkeiten der sprudelnden Sprache zu nehmen, die ein fernes (Hgvägen und Empfinden des Künstlers erfordert.'

Von JMeresse war es, wie Herr de G i 0 r g i. mit dem. Se­kretär Wurm fertig werden würde. Wir haben ihn ht diesem! Winter in der ähnlichen Rolle des Franz Moor gesehen. Beide Male bot er eine sehr gute Auffassung und Charakterisierung^ fünft. Nur eins hätte Herr de Giorgi gestern wehr in Betracht ziehen sollen, nämlich, daß Wurm als Schreiber nur eine unter­geordnete Stellung emuimmt und neben dem PräfideMen und auch neben dem Mädchen, das er durch ferne Schurkerei sich ge­winnen will, durchaus als geduckter Kriecher erscheinen muß: Hr. de Giorgi gab seinem Wurm eine zu straffe, ja vornehme Halttmg, während er durch etwas mehr Beweglichkeit, die allere dings eine große Kunst erfordert, mehr gewirkt haben würde: Der gemessene, richevolle Schritt wollte zu dem Schurkenstreich des Seftetärs nicht so recht passen

Frl. Gartner als Lady MÜford gelang es nur teflweste, die über einen Fürstenhof herrschende Frau glücklich zur Dar­stellung zu bringen.

Das Haus war gut besucht. * A. G.

Man schreibt uns aus. Frankfurt a. M.ri Zu Ehren Paul Heys es, der bekanntlich am 15. d. M. fernen: 75. Geburtstag feierte, wurden am Samstag zwei feiner Werke als Premieren aufgeführt. Der Erfolg war^ verschieden. WährerÄ in dem EinakterDie Tochter der Semiramis", einer Tragödie, der tragische Konflikt scharf herausgearbeitet und die Katastrophe gut motiviert ist, wiri> in dem DramaEin Ka­nadierin der Knoten^ zwar geschürzt, aber hinter der Bühne durchhauen, und der Zuschauer erfährt nur durch Erzählen, wasl geschehen. Der Einakter, der durch den Wohllaut seiner schönens Verse das^ Publikum zu ^andächtiger Aufmerksamkeit und spon­tanem Beifall hrnriß,. variiert das Motiv der deutschen Märchen-- prinKessin,, deren Freiern ihr Wepben den Kopf kostet. Hier will die assyrische Könrg-izi Mylstta, imt dche Schmach ihrer Mutter an dem ganzen Geichlechte zu rächen, immer nur für eine Nacht einem Manne angehören, den sie ernt andern Morgen töten läßt. Ninyas, ein junger Fsscher, freit als letzter mit der Absicht, denVampyr", der auch setnen Bnrder geopfert, in der Hoch-- zestnacht zu erdrosseln. Brid? entbrennen aber in heftiger Liebe, zu einander.^ Die Königin schivön, ihm für immer anzugehörnL.j Er aber stößt sich den Dolch in die Brust, weil er die Rächers